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Signant jRitjIn.
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Mc fRed&tc Ijorlbelöaltctt.
3)ie S5crla9öI)QHbluna.
^2-0CT.1942 gl
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'SBil'^efm m\ ötefeüred)!
pere^runcjsuoD' äugfeignct.
(E^ iü Iei.^t ju etHären, warum fid, baS öietje^nte Sa^unbert
in unfcrcr ©efd^i^tsforfddung feiner befonberen Pflege erfreut. S)o§
mittelalterliche Seben l^ot l^ier feinen ^öl^epunft überfd^ritten, im aSer=
faH ober bod^ jenfeits il^rer 83Iüt]^e liegen ^opftt^um, Äaifert^um,
SlUtertl^um , bie SKä^te , in benen boSfelbe feinen l^erüorjied^enbjien
3!u§bru(f fanb. Sin großen ^erfönlid^feiten ift boS ^ö^rl^unbert arm
toic !aum ein anbereS unb jumal in ©eutfd^tanb ^at e§ feinen einjigen
9)iann bon mal^r^aft weltgefd^id^tlid^er 33ebeutung ^erborgebrati^t. 9Kit
einer gemiffen Ungebulb tt^enbet man bom legten Staufer hinweg ben
33li(f fd&on auf ßolumbuS, ©utenberg unb Sut^er. 3lber wie in ber
9iatur ba, »o bie oberfIä(]^lid^e Setrad^tung ©tiflftanb ju erblidfen
gloubt, nur eine langfamere 6nttt)i(felung , aber bod^ ein raftlofeS
©erben unb Sergel^en mottet, fo aud^ in ber menfd^lid^en ©efd^id^te.
5)ie alten Silbungen jerfaflen, meit pd^ unter i^rem ©d^atten, i^ren
SBurjeln ben ^lal^rungSftoff entjiel^enb, neues Seben in neuen formen
geftaltet. S)a§ bierjel^nte ^al^rl^unbert ift bie '^txi eines langfamen,
oft verborgenen 2lufftreben§ ber felbftänbigen ^Rationalitäten unb ber
felbftbemufeten ©taatSgemalt , be§ mäd^tigen 53ürgert^umS unb ber
unabl^ängigen SQ3iffen[d^aft.
©0 barf man ben legten großen i?ampf be§ BlittelalterS jmifd^en
Äaifertl^um unb ^apftt^um, ben 2ubmig ber Saier gegen bie köpfte ^o»
^ann XXII., Senebift XII. unb ßlemenS VI. geführt ^at, in gemijfer
©ejiel^ung al§ ben erjien einer neuen ^txi betrad^ten. 2)enn inbem l^ier
bem JJampfe ber SKad^t^aber eine geiftige unb literarifd^e SBemegung jur
— VIII -
Seite tritt unb bem ^-Papfttfjiime mit beu 2Ba[fen ber • SBiff enf ^af t ber
Ätieg gemad^t lüirb, finbcn jum erftenmale jene reformatorifd^cn ober,
iDenn man lüill, revolutionären ©ebanfen SluSbrucf, beren tl^eilroeifc SJer*'
toirflitj^ung in ben folgenben ^al^r^unberten fo grofee fird^Ucä^e nnb ftaat»
lid^e Ummäljungen l^eröorgerufen l^at. 3nbem boS ^apftt^um feine 9Ra(i^t
fd^ran!enIo§ ju erweitern fud^t, begegnet e§ einem SBiber ftanbe , ber
über bie 9tbmel)r ber Uebergriffe l^inauSgel^t unb ba§ Sefen biefer
fird)Ii(^en @ma\t felbft in grage ju [teilen toagt. Um ben Äoifer
2ubtt)ig fammelt \\ä) eine ©d^oar geleierter S3unbe§genof[en , bie in
SBort unb ©d^rift mit nod^brurfSboIIer Äüienl^eit feine ^a6)t führen.
3t6er mon mürbe bie Sebeutung biefer 3Känner unterfd^öfeen , mollte
man fie nur al§ 23unbe§genoffen, nur al§ ©el^ilfen ber meltlid^en
SHad^t in einem borübergel^enben ßonflicte auffaffen. S)er Ärieg ber
©eifter, meift burd^ ben ©treit ber äußeren ©emalten l^eroorgerufen
unb fid^ i^m ju Dienft fteüenb, beanfprud^t audf) eine felbflänbige
Sebeutung. Äud^ gel)t biefe geiftige SEl^ötigfeit üon bem ffampfe
ämifd^en Staat unb fiird^e au§, aber fie ge^t nic^t döDig. im i?ampfe
auf. aSielmel^r werben burd^ ben ßonflict ber beiben großen äJJäd^te,
toeld^e bie SQBelt bel^errfdtien , bie ©eifler, bie auf ben Unioerfitäten
burd^ SBerül^rung mit bem 9l{tert^um Slnfporn unb Silbung erlangt
l^aben, jum 9lad()benfen über ba§ SBefen biefer ©emalten geführt unb
e§ entfte^en t^eoretifi^e ©d^riften, meldje unter ben Slnfängen einer
ftaat^milfeufd^aftlid^en Siteratur ber d^riftlid^en 3^^*^" ^^^^ bebeutenbe
Stellung einnel^men.
Diefe Siteratur über ©tdat unb ilird^e, bie fid^ an ben i?ampf
jmifd&en Submig bem 33aier unb ben ^äpften anfd^lte^t, unb' ba§
Seben ber 9Wänner, bon benen fie ausgegangen, berfud^en bie folgen»
ben S3Iätter barjuftetten. ©ie verfolgen juerft bie ßntmidfelung be§
äußeren fiampfeS, fomeit bieß jum SSerftänbniß ber geiftigen Semegung
nöt^ig ift, unb berbinben bamit bie ©d^ilberung ber 8eben§gänge ber
geleierten 23unbe§^noffen SubmigS"; fobann fud^en fie über beren
©octrinen unb ©d^riften Sluffd^Iufe ju gcmäie^en. ©o gliebert fid^ ba»
Sude in bie jwei Steile: ^erfonen unb greigniffe, Sel)ren unb ©d^riften»
— IX —
3(!^ öcr^cl^le mir nxä)i, »ie fc^r bicfc ©arfteDung gewonnen
^aben mürbe, . toenn [ie anä) bie geiftigc Scmegung, wclddc ben Äampf
jtoift^cn ^l^ilipp bcm ©d^öncn unb Sonifaj VIII. begleitete, in gleid^
auSfü^rlid^er Se^anblung ^ätte l^ereinjiel^en lönnen. S)enn biefe l^ängt
eng mit unferem 6toffe jufammen : ^ier toie bort [inb eS nal^eju bie=
fdften fjragen, toeld^e erörtert, biefelben SDßaffen, mit benen gefod&ten
mitb, faft überaD löfet fid^ bie (Sintpirfung ber erften ©etpegung auf
bie folgenbe erfennen, ja man barf fagen: ol^ne ben üor^ergel^enben
franjöfifd^en ©treit ^ätte ber beutfd^e !aum jene merfmürbige literariftj^e
Jöeroegung, bie fein bebeutfamjieS l^iftorifd^eS SKoment bilbet, mit fid^
fül^ren fönnen. S)a mir jeboi]^ baS ^Material ju einer umfaffenben
©efd^id^te be§ literarifd^n Äampfe§ in granfreiij^ ni(j^t ju ©ebote
Panb, mufete iöf mxä) barauf befd^ränfen aus bemfelben einiges l^erbor»
jul^eben, maS für bie geredete SQßürbigung meines ©egenftanbeS öon
befonberer SBid^tigleit f(i^ien.
©afe aud^ auf meinem eigentlid^en SlrbeitSfelbe nod^ öiele TOängel
ber SarfteDung nad^jutoeifen fein merben, bin id^ mir mol^l betpufet.
9Iuf milbere Seurtl^eilung bürfen biefelben menigftenS bei jenen
gorfd^ern red^nen, toeld^e au§ eigener grfal^rung miffen, in toie ^ol^em
®rabc jebe 9lrbeit auf biefem ©ebiete ber ßiteraturgefd^id^te burd^ bie
SBefd^affenl^eit ber ©d&riften felbft unb bie grofee 9Kangel]^aftig!eit faft
fftmnttUdöer StejtauSgaben mie überl^aupt burd^ bie 3)ürftig!eit ber
SBorarbeilen erfd^mert mirb. Quamvis his diebus opus perfectum
facere nequeamus — barf id^ mit Ddtam fagen — utile erat
penitus non silere, ut alios copiani librorum habentes ad
faciendum perfecta opera provocemus.
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3ttftjilt
I. Xl&ci(. ^crfontn unb (Srcigiiiffe.
§ 1. 2lu8bruc^ be« Äampfe« jtüifd^cn ßol^ann XXII. unb 2ubn)ig
bcm ©aicr. 2)ic erftcn dl'iinoritcn an Subtülg« |>ofc. . ®. 3
§ 2. aWarftgtio x>on ?5abua. , „ 30
§ 3. Subnjtgö 9iömerjug. 2)ie Z^toxttikx at« ^J?ra!ti!cr. Sol^ann
öon 3anbun „ 42
§ 4. S)er ©treit ber äßinoritcn mit 3ol^ann XXlI. 2Wid&acr
öon (Sefcna, Sil^m bon Orfam, SBonagratia öoii
SBcrgamo, Ubertino ton (Safatc , 59
§ 5. 2ubn?ig« 3)'ii6erfotgc unb Untcrn3erfung«i>erfuc6c bei 3o*
l^ann XXII unb SBencbÜt XH. 2)tc tcfeer am 3)mn4ncv
€>cfc „ 75
§ 6. 2)ie Xage uon 9icnfe unb grauffurt. Suvolb öon Söebenburg. ,, 95
§ 7. Äaifcr l^ubtoig unb ^apft (SUmcn« VI. 3)er 3lu«gang
bcr aWiinc^ncr gmc^tttngc „115
II. X'^tit Seigren unb ©(if^riftcn.
§ 8. mätliä auf bic t^corcti^c Literatur über ©taat unb
Äird&e bor taifcr l^ubwig^ 3^1^- 2)te franjöfi^en ©treit«
fdffriften; $eter 2)u6oi8 unb Sol^ann »on Vaxi^, . . „131
§ 9. 2)ie Ä'aifer* unb ^Reid^öiabcln. ^orban öon Ofnabrüd
unb (Engelbert tjon Slbmont. S)anteS 3Ronar^ie. 2)ie .
©d^riften Sanbulfö toon (Sotonna unb i0?ar<tgUo§ t>on
$abua de translatione imperii ,» 155
§ 10. 3)ie ©Triften Su^jolb« t>on SBebenburg „180
§ 11. 2)er Defensor pacis ,, 193
§ 12. SWarftgtio« angebti(i(>e ©d^rift öon ber faif erliefen ®eric]^t«==
barfeit in (Sl^efad^en
§ 13. 2)ie antlf)ä^)ftttc^cn unb ^ubüciftifd^en @d^riften Odam«. .
§ 14. SBertorene ©d^riften Sauterö
§ 15. 2)ie p^pxdf geflnnten ©(^riftilefler. 2ltt>aro ^etatjo.
SCugnftin S^rionfo. Äonrab öon SWegenberg
§ 16. @c^tu6
fr
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ff
ff
— XII -
^Beilagen.
I. Uckrfii^^t bcr tl^eoretifc^cn Literatur über ^taat unb ^vä^t
öou Xl^otno« öon 2lquino bi« gum @^i«ma. 1270—1370. ©. 299
II. 'iflad}x\6)ttn über eine l^anbfct^riftlid^e (S^rotiif ber ober* unb
nieberbeutfc^en ^ßrotjinj be« ÜRinoritenorbcnx^ „ 305
III. ^Jitnt Slctcnpücfc jnr ©efci^i^te bcr Unterl^anblungen taifer
Submiflg mit ber Surie „311.
cSrjlcr 'i^eiC.
^ttfontn mh fretgmffe.
91 i e 3 1 e ¥ , aBibetfaeiet bet $S))fte.
§1.
fltötritdi beS Jtam^feS $ttifd|eit ^tif^mn XXn. unb Subtuig
btm Saier. 2)ie erflett SRiitiiHteii au SubtiiigS f^ofe.
2lm 7. Stuguft 1316 toutbe ju S^on nad^ Dtcxiigtägtflem 6on«
clat)e, tt)eld^e§. ^l^Uipp ®raf bon ^oitou, bcx Srubcr, balb 3lad^foIger
Äöntg 8ubtt)tg§ X. öon gtanltcid^, Don bcn ©atbinälen burcj^ Sift
unb ©eioalt ctjtDungcn l^attc, unb naäi ^^^^ ötö jtociiäl^ttgcr 6t«
Icbtgung bc§ apofiolifd^en ©tul^IcS ^alob S)uefc auS Kal^o^S/ ^^^ ®o]^tt
eines ©(^uftct§, jum ^apfte gcttäl^It ^). 6t »at öotbcni 6t§tel^et bet
Äinbct unb i?an§Ict bcS fiöntgS ff atl 11. öon 9lcapcl , bann SJif^of
ton StcjuS, Sif^of öon tttötgnon unb ßatbinalbif d^of bon ^otto gc»
ttefen. 9ÜS ^apji nannte et fid^ Sol&ann XXIL unb nal&m locntge
SBod^en naä) feinet Stl^ebung tt)ie feine SJotgänget bie SHeftbenj ju
Sldignon. 35on ba an ^at et bis ju feinem Sobe, ba§ finb ad^tjel^n
Salute, ben bifd^öflid^en ^olaft bafeffifl nut betlaffen, um jut benad^»
batten Äatl^ebtale ju gelten.
®a§ neue Dbetl^aupt bet ffitd^e etfd^ien auf bem ©d^auplaj bet
SBeltgefd^id^te in einem Stitet, in weld^em bie meijien SKenfd^en löngft
baüon abgetteten finb. 3ol^ann jä^Ite jtt)eiunbfieben§ig Salute, atö et
ben päpftlid^en ©tul^I beftieg. ©eine bla^gelbe ©efid^töf atbe , feine
Heine ©tatut, gebeugte Haltung unb fd^mad^e ©timme liefen il^n als
hinfälligen ©teiS etfd^einen. Slbet in bem f(^tt)ä(i^Iidöen Äötpet atbeitete
mit tafilofet SEl^ätigfeit bie ungebtO(i^ene fftaft beS ©eifteS. 5)ie 6in=
fad&l^eit feinet SebenStoeife gemattete il^m bis in bie l^ö(]^flen 3al^te
unetmüblid^et Sltbeit }u pflegen. Sin 3:ag mie bet anbete ttaf il^n
') Sßon ncuetet Sltetatut üBet ^ol^ann XXII. flcl^c L'Abbö Christophe,
Histoire de la Papaut^ pendant le 14 si^cle. Paris 1853, T. 1 unb 2;
Bertrandy, Recherches historiques sur Porigine, F^lection et le couronne-
ment du pape Jean XXII. Paris 1854; ^äftiXii), So^itned ©erfon. Süt^but^
1858, @. 9 flgb.; ©efelc, (Sonciliengcf^i^tc (1867), VI, 505 fl^b.
1*
— 4 —
Bei ben ©tubicn unb @ef($äftcn, fclbfl bcm ©i^Iafe hxaä) er bie ^tif
ai, um fie ber Sltbeit ju mibmen. 9li)d^ fjat ntemanb o^m 35er»
munberung im ^xä)xt)t beS S8atican§ bie neununbfünf jig Sönbe ge»
feigen, in melden bie Siegeften Don fe^jigtaufenb 9l!tenftü(fen au§ feiner
SHegierung entl^alten jinb ^). 9ll§ er in ben legten Qal^ren bie ge=-
leierten ©d^riften ni^t mel^r felbji lefen lonnte, liefe er p$ barüBer
33erid^t erftatten. ©eine eigene ll^eologifd^e (Selel^rfamfeit, wie fie [xä)
in enblofen SSuHen dusfpriij^t, maS)i un§ ben Sinbrudf ^ä)ttx ©d^ölaftil ;
aber m^ Odaxti, ber ba0 Beffer miffen mufe, Vjl ^o^ann beim ©tubium
ber l^eiligen ©(^riften ftets feine eigenen SBege gegangen, l^qt leine
f^olaftif^e Uebung Befeffen unb anbere SBiff enfi^^aften , mie fie fonft
bie bamaligen SEl^eotogen trieben, ni(|t ju Statine gejogen*).
aSon ber päpjilid^en ßurie biefer geit würbe man bb^ ein ganj.
falf$e§ 33Ub erl^älten, menn man nur an ben arbeitfamen Sinfiebler
bäci^te, ber über il^r tl^ronte. (£§ mar ber §of, an bem fid^ Petrarca
um eine ©teDung bemül^te, an bem er feine Saura befang. SBolIeR
tt)ir ein ganj unöerböd^tigeS 3^W8^i| über ben ©eifi bernel^men, ber
l^ier ]^errfd)te, fo bürfen tt)ir bem bur^ unb burfi pöpjHi(i^ gefinnten
3HDaro ^ela^o vertrauen. 3n bem S3u(3§e De planctu ecclesiae^
ba§ biefer fpanif(3§e 5D?inorit auf Seranlaffung Sfol^annS XXII. jur
SSertl^eibigung be§ ^apalf^ftem§ öerf afete, nimmt er feinen Slnftanb^
auf bie ßurie feiner 3^it bie berebte ©d^ilberung be§ 1^1. SSeml^arb
ju übertragen ^) : 3lIIer ®ifer ift ie|t auf bie Sel^auptung ber SBürbe
gerichtet; alle§ für bie (Sf)xt, ntd^t§ ober menig für bie grömmigfeit
unb ßrbauung. SBill ber ^apft aud^, wo bie Umftänbe e§ forbern^
]^erablaf[enb unb bemütl^ig fid^ l^alten, glei(3§ rufen bie ©d&mei(i^ler :
ba§ gel^t niii^t, ba§ bertrögt [xcS) nid^t mit ber ^Hajeftöt, bebenfe bo(|^
»eld^e SBürbe bu ^ap! Ob es ©ott wohlgefällig, ob e§ für ba§|)eit
ber ©eele förberlld^, ba§ !ümmert niemanb, nur in ber ^ol^eit liegt
ba§ ^eil, nur wa§ Slnfel^en gibt, ift geredet 3n ber Umgebung be§^
^apfte§ ift Semut^ @(|mad^ unb gurd&t ®otte§ erfd&eint al§ ginfalt.
») Dudik, Iter Romanum, II, 4; ^öfTcr, Urfunbt «eiträsc 5. @ef*.
Äaifer $?ubtt)ig8. OberBa^crif^c« Wc6)i)o, I, 45 ftflb.
2) Ockam, Dialogus Bei Goldast, De Monarchia II, 752; noc^ ab=
f^re^cnbcr lautet OdamS Urtl^etl im Compendium errorum papae, 1. c. 975 :
iBencbilt« XII. Vorgänger fei in ber tl^eologifti^en SQBifjenf^aft ßänalid^ }in=
toiffcnb gcttjefen.
^ II, c. 15. ^u$ bem ^^e ^erttl^arbS De consideratione ad Eageoium
papam enttcljnt.
— 6 —
3fo]^ann xoat Doli öon bcnt ©cfül^I feiner SQßürbe unb naä)
@tetfenart bon l^al^ftattiser ^ätte. @Iei(]^tDO]^l i)at mel^r al% aUtS
onbere ein SSetl^ältnife ber Slbl^ängigteit , nationaler unb politifii^er,
auf feine 3legierung eingemirft. Son ©eburt granjofe, frül^ naä)
Stauen ^gelommen, berbanfte er bem in Sleapel regierenben ^aufe
^njou fein erjie§ 6mpor!ommen unb feine ^apftwa^I. Stöbert bon
3lniou toax fein 3ögling gewefen, aU Jfönig bon Üleapel toar er fein
Sel^enSmann, als ®raf ber ^roöence fein ©d^uftl^err; benn bie ®raf«
f(5aft Slbignon würbe erjl öon ßlemenS VI. für baS ^apjitl^um er-
worben. 3wi ßarbinalScoHegium ^ol&annS jäl^Ite man einmal fed^jel^«
Qfran jof en, f e(]^§ Italiener unb bon allen übrigen Stationen nur einen ^) ;
bie fiebenunbjtoanjig ßarbinäle jumal, bie Sol^ann felbji ernannte,
waren faji auöfd^üefeliii^ gfranjofen, borjugSmeife au§ feiner aSaterftabt
€a]^or§ 2), 5ßic fonnte bie ^olitil beS ^apfteS baS ©emii^t biefer ber»
einigten ©inpüjfe öerleugnen*
Sefonbere ©efd^idtlid^Ieit unb ein ^auptaugenmerl l^atte Sol^ann
für bie ^Jinanjen^); 3^ ben alten ©infünften ber ©urie, bie er mit
größerer ©enauigf eit • einjiel^en unb öerwalten Iie| , erf anb er neue,
©eit 1319 würbe bon aßen lirci^Iid^en ^frünben ber ganjen ©Triften«
5eit im gafle einer ©rlebigung ba§ erfte Sal^reSeinfommen , bie foge=
nannten 2lnnaten , für ben ^apft geforbert. Um biefe rei(3§e Queue
beS ßinlommenS noiä^ ergiebiger ju mad^cn, würbe ba§ Softem aus«
gebel^nter 3Serfe|ungen angewenbet, fo bafe bie SSacanj einer l^öl^eren
^frünbe bur(i^ SlobeSfaß jiemlid^ regelmäßig bie bon brei, bier anberen
"bnxi) SSerfeJung ber gnl^aber naäj \\ä) jog, SJenfelben S^ti berfolgten
bie bielfad^en 3:]^eilungen größerer SiStl^ümer. 3SieI ®elb trugen anä)
bie bom ^apfte gewährten gj^pectansen, 3lnwartfd^aftSbriefe auf Ixxä)^
Ii(|e ©teilen. S)aju famen 3^^«tß» bom ÄleruS *) unb bie ßrträg«
*) ^öffcr, «u« «öignon, @. 19.
*) (Sin 2)rittei bcrfelbcn au« b^m ^cifc feiner 35er»anbten.
8) SDaöou l^anbeU fel^r einßcl^enb (Sf^xx^^ß^t, II, 11—20.
*) ©encfci^ öon SBeitmil (Pelzel etDobrowsky, Scriptores rer. Bohemic.
II, 253) berid^tct jum Saläre 1327: 2)cr$a^|l nal^m für bie »ertl^eibigung feiner
Stxxö)t einen äel^ntcn öon allem x^m untertoorfcnen Älcm«, ba ber ÄleruS Jßaiern«
nnb t^iln>eife au(^ ©d^toabenS unb ber 9il^etnlanbe fid^ mit bem $aier gegen il^n
«ufleljttte. ^aä^ Äönigö^ofcn (Sl^ronifen ber bcntft^en @täbte, IX, 583) nal^mcn
bie bon ©tragburg unb anberen )6tdtpmern. am ^tl^ein, flatt ben geforberten
3el^nten abxuliefcrn, bon jeber SKarf einen ©d^iöing Pfennige „unb mit bem
gelte oppeßicrtent fü tciber ben bobefl unb goBent ime nütfd^ct."
— 6 —
tiiffe ber Dpferftöcfc, bie übctoll in bcn Äitd^en bet ß^riflenl^ctt auf*
gcjicttt würben. 68 gibt ßl^toniftcn, bie öon Sol^onnS ategietung laum
ettuaS ju UxiäjUn »iffen aU biefe @elbf ammlungen ^) , foId^eS SKuf*
fel^^n erregten fie allentl^alben. Sei feinem Siobe fanben fi$ im
päpfiliii^en @$oJ aci^tjel^n 50liflionen ©olbgulben in SOlünie nnh Peben
ÜWiDionen in gbelfteinen unb eblen SWetaHen *). SBie Diel l^atte aber
f(3§on bie langjährige Äriegfül^rung in Italien gefofiet!
Sltö ®runb für bie ungeioöl^nliii^en <)äpfHi(^en ©(j^a^ungen »urbe
ein ftreujjug gegen bie Ungläubigen angegeben. SBer mö^te beftreiten,
ba^ es bem ^apfte mit fold^em SSorl^aben ßrnft getoefen! ©urd^ eine
©ommiffion Hefe er bie pöne unb harten be§ Orients <)räfen, bie
il^m ein unermüblici^er SIgitator für ben ffreujjug , ber SSenetianer
2Warino ©anuto jugefd^idt l^atte. Snbeffen trug er hoä) feine ©(3§eu^
bie l^iefür gefammelten ©eiber für feine anbern näl^erliegenben ^totit
ju bertoenben ^). IDerfelbe 3Karino ©anuto brüclt einmal ben SBunfd^
auS^ ba^ ber ^apft nur einen 3:]öeil ber ©ummen, bie er für
Eroberungen in Italien Derwenbe, jur SQßiebergeminnung ^aläftinaS-
beftimmen möge *). @in SlugSburger ßl^ronift fagt !ur j unb bünbig ;
^apft So^önn fammelte ju einer SWeerfal^rt wiber bie Ungläubigen.
2)en ©d^a^ nal^m er unb gab§ feinen greunben^).
aSon biefem Äiri^^enfürften ift ber lefete Jlampf beS aWittelalterS-
-itt)if(^en ©taat unb Äirci^e !^eraufbef(]^tooren morben, großartig nid^t
*) SÄagbeburger @*8:|>^)cnd^roni! ((£lJrontfctt ber bcutfcä^en @tSbte, VII, 189)^-
»0 ber SWame bc^ $ct|)flc8 irrig Ur6an genannt »irb.
*) ViUani liU II, c. 19, 20. 2)te @nmme bürfte ungcfäl^r 200 STitmonen
SWarl cntfprcdjcn.
») @ö ^at er eine für iben Ärcujiug gcrüffetc glottc 1319 bem Könige
Slobcrt toon S^eai^ct ju feiner Unterncl^mung gegen ®enna übcrtaffcn (Baluze^
Vitae papar. I, 125, II, 513), ,fo f^&ter bem ^crjog 2co^)olb t>on Ocflerrei^
pr gortfcljung bc0 Äam:|)fc8 gegen Subtoig, ben SeW^en alle gciftft(!Jcn @ins
lünfte im @ra6i«tl^um @aljl6nrg jugenjiefcn. SSergt. ^op\^, ®t\ä)xä)tt ber eib^
gcnöfftf^cn «ünbe, V, 1, 207. ^ud(> «pa»)jl (Sternen« VI. ^at bem «iWof
9'^üotau« toon 2:ricnt »egcn feine« fiam^fe« gegejt Subrntg bcn ©aier gejtottet^
bie ®in!ünfte toon ben gum Ärtege gegen btc Ungläubigen auferlegten Atrien-
gcl^nten für fl(J^ , b. 1^. für biefcn Äam^)f ju bernjcnben. Urf. öon 1346, Oft. 2.
bei i&uber, ^Bereinigung SiroW mit Oefierrcid^, @, 161.
*) Bongars, Gesta Dei per Francos, II, 291, 306.
*) (Sl^ronifen ber beutf(ä^en '^täbtc, Slugöburg, I, 306. 2)cr SWagbeburger
(S^ronifi (a. a. D. VII, 189) faßt biefe greunbe nait> at« Sunftfienoffen,
„schowerchten**, S^ul^mad^er u. bergt SBcrgt au(^ Äönig^l^ofen a. a. O.
IX, 583.
— 7 —
»ie ftül^etc butd^ bie 5ßcrfönli$!citcn ber (Segnet, aber bur^ ben
©cgcnflonb beS ©treues, \ivxä) S)auer, grbitterung, SluSbel^nung feiner
SBirlungen auf bie 3Kaffen unb üor apem burd^ bie Bebeutfame
Stteratur, bie er mit fid^ gefül^rt ^at
«fö 3o^ann XXII, bie gtegierung antrat, lotttl^ete in 3)eutf$Ianb
\iiovL feit ittei 3al^ren ein l^eftiger Sürgerhieg. Subwig ber Saier
unb griebrid^ t)on Defierreid^ , ber erfiere bon fünf , ber anber.e üon
i»ei fiurfürften gemäl^It, matten \iä) bie Ärone preitig. Seibe l^atten
bem ^apfte il^re SBa^I angezeigt *) ; Sfol^ann bel^anbelte ben einen »ie
bcn anbem nid^t als Äönig f onbern als ©rmöl^Itcn , ber l^icmit erft
äniDartf(i^aft auf ben Sitel unb bie 3ie(i^te eines römifd^en ÄönigS er«
l^alten l^abe; bod^ erl^ob er gegen i^re SluSübung ber löniglid^en
ffiegierungSred^te feine @infl)rad^e. SJlel^r als fcd^g 3al^re l^ielt fid^
ber ^apji gegenüber ©eutfd^Ianb in biefer jumartenben Stellung.
Stnbers in Stauen. Slud^ l^ier l^atte ßubtoig fogleid^ ÄegierungS«
red&tc ju Rauben genommen, inbem er am 4. gotiuar 1315 Sol^ann
^erm bon Selmont, ben ©ruber beS ©rufen bon ^oKanb, jum ©cneral*
öicar beS Süeid^S für gtciUen ernannte *). 3ln ben ^apft l^atte er ein
®e|ud^ um bie ßaiferlrone gerid^tet *). 3lnftatt iebod^ biefem golge
p geben, nal^m Sol^ann in SSejug auf baS Äaifertl^wm unb auf Italien
fofott bie ^oliti! auf, in bie fein Vorgänger ßlemenS V. nad^ bem
3ertoürfnife mit ^einrid^ VE. unb nad^ beffen 3:obe eingelenft l^atte.
©d^on biefer ^apfk l^atte bamalS*), inbem er bel^auptete, bafe bei
^rlebigung beS Äaifertl^umeS il^m bie ^Regierung gebühre, ben ftönig
Stöbert öon 5ieapel, ber bod& bor einem ^al^re bon Saifer §einrid& als
Äeid^Sfeinb in bie Äd^t erflärt worben toar, jum Süeid^Sbertoefer für
Stauen ernannt. 6r l^atte biefe Ernennung nod^ ben italienifd^en
Surften unb ©täbten mitgetl^eilt, »ar jebod^ geftorben, bebor bie 6r«
nennungSurlunbe mit aSoKjugSfraft auSgefteüt toarb^).
9iun erüärte Sodann in einer SuHe bom 31. m&^ 1317«):
') 3Jergl. $fannenfd^mleb: 8inb bem $a^fle Sol&ann XXIL. bie Sal^I*
bccrete ber OcgenWnige ?ubtt)ig bc« ©aicm unb grtebtid^ bc« @^8nen borgetegt
toorbcn? (gorf jungen jur beutfd^en ©cf^i^te, I, 51).
«) gidcr, Urtunben inx ©cf^ltä^te be« ^lömerjugc« talfcr Subtoig b. ©., @. 1 .
') 2)ic§ ge^it au« feinem ©^reiben bom 28. aWärg 1338 an ©traßbutg
IJcrbor. Wenfcker, Apparatus archivorum, p. 199.
*) ^Ile k>om 14. iD^ai 1314. Raynald, Annales Ecelesiastici, 1314 § 2.
•) 1. c. § 5.
*) Marlene et Durand, Thesaurus anecdotorum, II, 641.
— 8 —
naä) bcm Siedete fei eS Hat unb öon alten 3^U^" ^^^ unerf(i^üttetltd6
htoici6)itl tDorben, bafe bei ©tlebigung beS 3mpcriuni§, »eld^cr gaD
jie^t nad^ bem SEobe §cinti(i^§ botliege, ba in bemfelben !eln 9lecutS
an einen tt)eltlt(3§en ^xä)kx [tattfinbcn lönne, bie SutiSbiction beö
SReid^S an ben ^apft übetgel^e, bem in bet ^erjon beS 1^1.
^ettu§ ©Ott felbft bie ^tiftt be§ irbifd^en unb l^imm^
üfd^en Imperiums }uglei(3^ berlie^en l^abe; mit öoHem
^tä)k unb ol^ne bafe ein ©rittet baran %f)t\l i)Qbt, fönne ber ^apft
biefe 3iuti§biction töäl^tenb ber SDauer ber ßrlebigung enttt)eber felbft
ober burd^ einen ober mel^rere anbere im aieii^e ausüben* S^ilüä)
bebrol^te er bie ^Beamten be§ Sleid^S in Italien mit ber Sscommuni»
cation, toenn fie il^re SBürben unb Slemter ni(i^t nieberlegten, unb er«
Härte bie il^nen bon ben Untertl^anen gefd^toorenen SEreueibe für un=
öerbinbli^. Salb barauf ^) ernannte er unter SSeröffentliiJ&ung ber
t)on ^apft Siemens vorbereiteten Sulle ben Äönig Stöbert bon 9leapel
jum Statthalter beS 9lei$§ in Statten,
Ueber bie SSebeutung biefer ©rflärungen unb 3KaferegeIn lann
man fi(j^ feinem Sweifel l^ingeben. 3ene pöpfttt(i^e Sl^eorie, bie \S)on
t)orbem l^ie unb ba laut geworben war ^), toonad^ bie faiferttd^e SGBürbe)
ja an^ bie Siebte be§ ßaifertl^umS nur Selben toom ^apfte finb unb
nur jufolge päpjittd&er Uebertragung geübt loerben, fpri(3^t l^ier Sol^ann
mit aller @(3§ärfe auS. ®ie praltifd^e ^folge, bie er biefem 9lnfpru(3&e
fogleidö #t, ri(3^tet il^re ©pi^e unöerfennbar gegen bie S)eutf(i^en.
3)enn wenn ber ®n!el jenes Äarl öon Slniou, ber Äonrabin auf bem
SSIutgerüfte l^atte enben laffen, baS 3leid^ öerwefen follte, fo war eS
um bie beutfd^e §errfd^aft in Statten gefd^el^en. 3n einer Qnftruction
Äönig SlobertS an feine ©efanbten fpri(^t eS '{xä) unverhohlen aus,
weld^e ©efinnung ben Vom ^apfte befteHten Sieid^Sftattl^aÜer gegen
baS SReid^ unb bie 2)eutf(^en befeette. DaS römif(3^=beutfd^e 3tüä),
fagt atobert Von Slnjou *), ift burd^ ©ewatt unb Dccupation entftanben.
SBßaS auf biefe SBeife erworben warb , wirb leine S)auer l^ö^en . . .
9Kan ift gewol^nt, bie römifd^en Könige auS ber beutf(3^en 5lation ju
nel^men, wel(3^e Von jel^er einen raul^en unb unverträgtt(j^en ©(i^Iag
*) 2tjtt 16. Suft 1317. SBöl^mer, »icgenen Äaifer Subtotß«, Additamentum
primum, 91h:. 202 ber Urtünbcn $a^fi Sol^annö.
*) @. u. a. gi(fer, gorWungen pr SRcid^S* unb ^iäft^t\6)Wt Staßcn«»
II, 305, 458 fölgb.
») ©regorobiu«, (Scfd^ld^te 9tpm8; VI, 104 au8 l^anbfd^rtftli^en 9iege(leii
^onaint'8 (öcrgt a. a. O. 32).
— 9 —
t)on ßcutcn l^etbotgcbtöd^t l^at, mel^r ju bar6atif(^cr Sftol^cit geneigt
aU JU d^riftltii^et 5ltt S)a nun bie ®eutf$en mit ben granjofen
leine Uebeteinftimmung l^oben, bielmel^t fid^ gegenfeitig abflogen, unb
ba fte [\ä) aw6) mit ben 3talienem ni^t berttagen, fo mufe man
toofjH 9lc|t l^aben, ba| bie beutf(]^e SCßilb^eit mitten unter fo öielen
Surften unb S8öl!em nid^t Unrul^e ^eröorruft unb ba§ liebli^e Italien
in einen traurigen 3iipönb bringt,
3m Saläre 1320 gab ber ^apft bcm Äönig 5Robert ben ®rafen
^l^ilipp öon SSaIoi§, ber ad^t ^al^re fpäter flönig bon gran!rei(§
ujurbe, afö Unterrei(i^§bicar bei^) unb liefe il^n, begleitet öon feinem
9lepoten , bem (Sarbinallegaten S3ertranb bon ?ßoiet , mit §eere§ma(|t
in Cberitalien einrüden, um bie bortigen ©ibeHinen ju befriegen*
lieber bie ^auptftü^e biefer ^^Jartei, ben alten 50latteo SSifconte, $enn
bon SRailanb, fpra^ er als Se|er ben JBann auS unb liefe baS ^reuj
gegen tl^n prebigen. S)arauf loberte aUentl^alben in Italien ber
Äampf }ft)if(3§en ber melpfiä^en unb gibeDinif(]^en Partei mit neuer
^cftigleit auf.
S)er Singriff ^apft Sol^annS toar gegen ba§ ßaifertl^um gerid^tet.
Stter bie unl^eilboUe 3tt>it*^^P^nwtt9 ^^^ beutf(i^en ©errfci^er, bie au§
ber aSerbinbung be§ beutf(^en ftönigtl^umS mit ber römif(3&en Äaifer«
Irottc ertt)U(]&§, brad^te eS mit fid^, bafe fein ©tofe gegen baS Imperium
gcfül^rt merben ionnte, ol^ne S)eutfd6lanb ju treffen.
®urd^ meltgefd^ii^tlid^e Sügung maren bie beutfd^en Äönige auS=
crfel^en al§ Slrüger ber Äaiferfrone ber Sinl^eit ber abenblänbifd^en
ßl^riftcnl^eit 3lu§brutf ju geben. (Sermanent^um unb ßl^riftentl^um
toaren bie Elemente, auf benen fxä) naä) bem Untergange ber antuen
SQBelt eine neue Drbnung aufrid^tete; fo toar e§ naturgemöfe unb ge=
fii^id^tlid^ notl^ioenbig , bafe bie ©l^re be§ 3tnperium§ ben 2)eutfd^en
jupel. SSiel ©eg^n, aber anä) biel glud^ ift ber beutfd^en Station
aii§ biefer aSerbinbung ermad^fen. ®ine il^rer mifelid^ften Sfolö^n war,
bafe ber S3efi§ ber ^ö^ften toeltlid^en SBürbe ber Sl^riftenl^eit bie
beutfd^en ^errfd^cr fortmö^renb mit bem SEröger ber l^öd^ften geiji=
Itd^en ©etoalt in enger Serül^rung l^ielt, mobei e§ an Stt^iftigfeitcn
niä)t fel^len lonnte. 9lun mar bie 3^^* "^^ gefd^id^tlid^en ^lotl^menbiüf«
feit einer fold^en ©entralifation borübergegangen, ein Äaifertl^um bon
t^atfäd^lid^er S3ebeutung unmöglid^ gemorben. 3n ©eutfd^lanb felbft
xoax bie SSI^eilnal^me an ben 5lngelegen]^eiten beö Imperiums erlal^mt,
^) mt^mVO 1320, § 10.
— 10 —
nid^t tncl^t loic fonft btöngte man \iä) ju ÄttegSfal&rtcn übet bie
Jftcid^Sgrcnjen ; in Statten roat ber Seftanb bei bcutfd^en ^enf(i^aft
}ur ^arteifa(i^e getoorben unb l^ing nur no(i^ an f(i^toad^en fjäben;
gtanbcid^, gnglanb, ^olcn, Ungarn, ©fanbinaöien l^atten ftd& längft
ieber Slbl&ängigleit öom ßaifertl^utt^^i entttunben. S)te gefd^iii^ttid^e
gügung mollte; bafe ftarfe felbfkänbige ©taatsbilbungen crtoa^fen unb
fortan unabpngig neben einanber ftel^en foUten.
SBenn man je^t , nad^ einem l^alben ^al^rtaufenb , auf biefe 3^it
jurüdbtttft, fo burd^f(3§aut man leidet biefe§ Serl^öttni^ unb lann geneigt
fein baran bie gorberung ju Inüpfen, ba^ il^m bie beutf(i^en ^errfd&er
l^ätten SRe(i^nung tragen, bafe fie bie ©ad^e beS beutfd^en Äönigtl^umS
öon ber beS römif(j^en Äaifertl^umS l^ätten trennen unb auf bie ßl^re
ber Äaiferfrone berji(3&ten foHen, fobalb fie anfing jur Saft ju merben.
SDßäre aber ein folii^er 6ntfd^Iufe in ber %i)at ber StuSbrud überlegener
poHtif(i^er SD8ei§]^eit gewesen? ^anbelte eS fi(^ bamalS »irlHc^ um
gortfül^rung ober gaDenlaffen beS gn^P^tiumS ober l^anbctte e^ fid^
nid^t öielmel^r nur barum, wel^e ^Ration be§ ifaifertl^umS matten
foHte? ©0 unjmeifell^aft eS für un§ ift, ba§ ba§ fiaifertl^um im
öierjel^nten ^al^rl^unbert jebe malere Sebenäfä^igleit öerloren l^ötte,
fo menig l^at ba§ Sal^rl^unbert felbft biefen ©lauben gel^^gt^). 3m
©egentl^eil l^at fid^ bie 5£^eorie bon ber Sered^tigung unb 3flotl^*
roenbigfeit be5 3mperium§ erft in biefer ^^\t red^t auSgebitbet. 2)a
ber fird^ttd^e (Sfjaxatkx in ber geleierten ßuttur nod^ immer »eit
überwog, gaU aud^ nod^ nal^^ju unerfd^üttert bie fird^üd^e Sluffaffung,
monad^ bie ßinl^eit ber ßl^riftenl^eit aud^ burd^ ein l^öd^fteS mett«
ttd^eS Dberl^aupt bargefteHt fein muffe. Unb öon anberer ©eite l^er
brängte gu berfelben gorberung aud^ gerabe jene meltlid^e Silbung,
bie neben ber übermiegenben fird^tti^en fid^ bamalS am itad^brüdE»
Kd^ften geltenb mad^te, baS ©tubium be§ römifd^en Sfted^tS, ba§ bie
ßrinnerung an ba§ altrömifd^e Imperium mieber auffrifd^te. Slur
fd^üd^tern mirb l^ie unb ba, meift Don ariftotettfd^en ©tubien aus»
geltenb, ber ©ebanfe laut, ba^ ein Uniöerfalreid^ bom Uebel fei;
niemanb aber beftreitet bie SKögttd^Ieit unb 3tt)cdEmä^ig!eit eines
Äaifert^umS, baS fid^ im ©nllange mit ber l^iftorifd^en ©ntmidftung
auf gemiffe ©renjen befd^ränfte. 9lDe jene patriotifd^en ©timmen, bie
in S)eutfd^Ianb gegenüber ben päpftttd^en Slnmafeungen laut merben.
^) SSottteffU* l^at gicfcr, 3)eutfd^c« fißnigtl^um unb Äatferftum, ©.
117—123, bie ©abläge scjcid^net.
I
j
— 11 —
ISfcn btc ©a^c beS beutfi^cn ftöntgtl^umS nid^t bon bcr bcS römifd^cn
Äaifettl^umS, btängcn ni(]^t auf fcftctcS 3ufammenfa|fen bcr bcutfc^cn
fltäfte in ttüttonalct ©clbflgcnüafamfeit, fonbctn auf gtncucrung ober
S5e]^auptung bcr olten latferlii^cn ©u^)rcmatic. ©d^on längft regt [x^
au(^ in 5)cutf(i^Ianb , tticttol^I nid^t fo ftarl unb fclbftbemufei mic in
f5franlrei(i^, bcr nationale ©cbanle, aber fiets fnüpft er feine Sefriebt»
gung nur an bie SJBal^rung ber laiferlid^en ^rärogatit)e. ^06) finb
regnum unb Imperium ben 5)eutfd^cn fo eng üermaci^f en , bafe fie
biefc Segriffe faum auSeinanbcrjul^altcn berftel^en.
©0 ijt c§ natürliij^, toenn fi($ auc!^ Submig üoi^ugSmeife al&
römif(i^er Äaifer füllte, ©ogar mcl^r als anbere mufetc biefer fjürp
auf flaiferpoliti! ^ingetotefen merben, ba fein Vorgänger inmitten
foI(!^er aSBege abberufen toorbcn »ar, bann aber auc^ weil er fclbft
feine beutfd^c ©teflung inxä) bie l^absburgifd^e unb lujeinburgif(!^e
@iferfu(|t unb Uebcrmac|t fo beengt fa^. Sieber »ill x^ flerben^
f<]^reibt er beim eintritt beS StömerjugeS feinem ©d^ioiegeröater ^), als
bulben, ba§ baS bon ben I)eutf(^en mit lojibarem Slut errungene
3BeItrei(§ auf anbere Stationen übertragen toerbc. Unb gemife l^at er
mit ben festeren 3Borten ber politifiä^en Srage, bie l^ier Dorlag, ben
riddtigen SÄuSbrudt gegeben.
S)ie ^äpfte fclbft, bie bamalS ben beutfd^en ^errfd^ern feinblid^
gegenttbertraten , ©lemcnS V., 3o]^ann XXn., ßlemcnS VI., motten
boS ifaifertl^um f(3§n)äd^en, in Slbpngiglcit l^altcn, tl&cilmeifc aud^ ben
3)eutf(^en cntjicl^en; nie aber beulen fie, bafe cS mit bem Imperium
ein ©übe nehmen fott. ©0 toiffen a\xä^ bie ©d^riftjiener , meli^e bie
päpftlici^en Slnfbrüd^c öert^eibigen , nid^t anbers , atö ba| attejeit ein
Jfaifcrtl^um bejtel^cn muffe, ^n Italien bcriangen gerabe bie ^erbor-
ragenbjien ©elfter, ©ante, 9Jluffato, aWarfiglio, 3»ofciate, Petrarca,
naii einem jlarf en ffaifertl^umc ; borne^mlid^ in bief cm 2anbe gemalert
man, mie mit ber Slüt^c ber ficgiflen bon Sologna unb bem att«
mäl^Iid^en Vorbringen be§ r5mif(|en SRed^tS anö) ber (Slaube an baS
tömifd^e ßaifertl^um neue SBurjeln f dalägt. 3n Sranfreid^ , mo baS
9lationaIgefü^I am pörfften cnttoidEelt ift, ^cnfd^t aviä^ ber fiärifte
SBibermitte gegen baS flaifert^um , aber nur be^l^alb , meil eS in
beutfd^en ^änben ijt. gmei Scnbenjcn mad^en fid^ l^icr geltenb : bie
*) UeBer^au^t frrccä^en bie brct «riefe Subtoig« an ben ©rafen SiHJctm
i»en ^otlanb t>on 1327 feine ^olitifci^e ©ertnnung am beuttic^flen au9; «S^mer.
Fontes, I, 197—202. 3)ic angcfül^rtc etctte f. p. 198.
r
- 12 —
eine, ftetS ]^crr[(]^enbc, betont, bafe auf alle gäße gftanhe^ feine beutf(]^e
Oberl^ol^eit anjuetlennen braud^e, ba c§ bur(i^ SSerjäl^tung au§ bem SSer«
banbe be§ tömifi^en Äaifettl^umS auögefij^ieben fei; bie anbete, bte nur
juweilen, bei befonberet @unft ber SSerl^ältniffe auftreten lann^ gcl^t
bal^in baS Imperium öon ben 2)eutfd^en auf t^xantxtiä) felbft ju
tibertragen*
5Run l^at man jtoar r)on beutf(3^er ©eite au§ bamals ni(]^t mel^r
öerfud^t, gegenüber granlrei^ praltifd^e ?SfoIgerungen aus bem Sefi^e
ber römifi^en Äaifermürbe ju jieben. 3lber ti^eoretifi^ l^atte man no^
ni(3§t gelernt, bie 5Infprüd^e auf eine geiüiffe Dberl^ol^eit über grani«
xtxä) fallen ju Iaf[en^). ©o l^armloS biefeS boctrinäre ©elüjie war,
mufete e§ bie granjofen, bie fid^ bamals fd^on eines l^öl^er entroidelten
unb fefter gefügten ©taateS erfreuten, ftetS auf§ neue reijen; baS
brol^^nbe ©efpenft einer beutfd^en Suprematie toax eine ber SBurjeln,
aus benen ber franjöfifd^e §afe gegen ©eutfi^Ianb feine 9la]^rung fog.
3n ber S5erf(|ärfung be§ 5lntogoni§mu§ aber, ber jtt)if(j^en ben beiben
^ad^barn ol^nel^in burii^ anbere ©rünbe genugfam »acj^gel^alten mürbe,
muB man eine ber f(i^Iimmften ^interlaffenfiä^aften erblidfen, tod^t
' bie 2)eutfd^en bon il&rem Äaifertl^ume nad^ bem grlöfd^en feiner t!^at=
fä(|Ii(3§en S3ebeutung bat)ontrugen.
©eit es granfreid^ gelungen mar, baS ^apfttl^um franjöfifd^ ju
mad^en, ^atte aud^ bie Stellung ber ^äpfte ju ben beutfd^en ^errfd^ern
einen neuen ß^arafter gemonnen; mit ben tl^eofratifd^en 9lnfprüd^en,
wie fie fd^on borbem l^ie unb ba laut geworben waren, bermifd^te fid^
jejt bei ben Häuptern ber Äird^e ein nationaler (Segenfa| gegen
Seutfd^Ianb. gür ben ©ang ber beutfd^en ©efd^id&te in ber erften
^älfte beS Dierjel^nten Sal^r^unbertS ift biefeS 3iifowiw^^^i^^ff^" bon
ber berpngni^bollften S9ebeutung geworben.
Snbem aber baS Imperium bamalS faft nur mel^r in Italien
ll^atföd^Iid^e SBirfungen äußerte, inbem gerabe bort aud§ bie ^öpfte
eine flarte weltlid^e 9Kad^t für fid^ ju bilben fud^ten, mufete Italien,
biefer alte ^anfapfel ber ^Rationen, aud^ je^t wieberum jum SluSgangS«
punft unb ?PreiS beS Kampfes werben. 2öir würben ein mefentlid^eS
3Jloment biefeS ©treiteS überfeinen, wenn wir unS l^ier nid^t baran er«
innerten, mit meldten SWitteln unb weld^er jäl^en ©onfequenj baS ^opft«
*) SScrgt. u. a. Äaifer Subtoig« Seaeid^nung bc« Äaifertl^um» aU regnum
mundi, Boehmer, Fontes, I, 198; bie ©rörterungen 2u:|)olb8 i>on SBebenburg,
De juribus regni et imperii, cap. 11, unb OdamS im brittcn 2'.l^ei(e bc«
2)iatog«, Goldast, Monarchia, II, 908.
— 13 —
ll^um im Dcrgangencn Sö^if^unbett bic Setgtö^ctung feiner meltlii^en
3Ra^t in Stalten angeftrebt l^atte.
,,S5ßentt ein neuer Äaifer bie firone empfängt, berfud^en eS bie
^äpjie gern etmaS bom ^txä)z abjujmadEen", fagt ber fromme ©ruber
©alimbene bon 5J}arma^) unb jei^net bamit treffenb ben ©l^arafter
ber Sejiel^ungen , rne^e feit Snnocenj HI. jtoifd^en ber ßurie unb
bcm römif(i^»beutf(i^en SReid^e malteten. 3n ber Xfjat fofiete ein neuer
^errfd^er bem beutfd^en 9lei(i^e jiemlid^ regelmäßig ben 3Serjid^t auf
fianbe ober Siedete, ba fi^ bie jjäpftliiJ^e 9lner!ennung nur burd^ fold^en
Kaufpreis gewinnen liefe. ©(|ritt bor ©(i^ritt, ben Xrabitionen einer
tt)o]^Ibur(i^bad^ten unb confequenten ^olitif folgenb, finb bie ^äpjie
auf biefe SBeife mit il^rer meltlid^en 3Kad^t borgerüdt. Snnocenj III.
I^ot e§ einmal offen auSgefprod^en, bafe für bie ürd^Ud^e gfreil^eit nirgenb
bcffer geforgt toerbe alä: ba, mo bie Sird^e neben ber geiftlid^en aud^
bie iDeltlid^e ^ol^eit fiepte ^), unb in ben folgenben 150 ^a^xzn fd^ien
faft fämmtlid^en Rupften biefe 3Jlajime aU fBa^\pxnii öorjufd^meben^
Sßäl^renb ^^ilipp bon ©d^maben unb ber SBelfe Otto um bie Äönig§»
frone ftritten, l^atte Sttnocenj III. bie (Selegenl^eit bcnü^t, um ba&
^erjogtl^um ©poleto an bie Kurie ju bringen unb in SEufcien ©influfe
ju geminncn. 3lud& bie 9Kar! 3lncona l^ätte er bamals gern bem
Sird^enftaat einberleibt, ^ier toaren aber feine Semül^ungen junöd^ft
nur öon ä^eifell^aftem ßrfolge begleitet, ©eine Slnerfennung afe
Äönig bur^ ben ^apft mußte Otto burd^ bie ©enel^migung biefer
3lnnejionen für ben päpftlid^en ©tul^I crfaufen. 3)ie Saiferlrönung lofiete
Otto ein neues S^S^Pänbnife, bie ?prei§gebung beS föniglid^en 6in=
fluffeS auf bie Sifd^ofsmal^len. griebrid^ n. mußte bann bie päpft=-
lid^e Slnerfennung burd^ S3efiätigung jener üon Otto bewilligten 9lb=
tretung ber Sleid^Slanbe ©poleto unb Slncona erlaufen, bie j[e|t erft
in red^tslröftiger gorm, unter 3iipto^w^9 ^^^ Surften erfolgte.
1279 fojiete bem ftönig SRubolf bie 5Rot^tt)enbigIeit bie päpftlid^e
®unft ju geminneti, bie Slbtretung ber SRomagna, eines biSl^er uttbe=
ftrittenen 3ieid^§Ianbe§ ^). SBieberum wollte bann Sonifaj Vni. bie
Slncrlennung ffönig Sllbred^tS bon ber Abtretung SufdenS an bie
^) Monumenta Parm. III, a, 282.
') <S*retbcn an ben ^tsbif^of Don 9la*)enna i)on 1198; Potthast, Regesta
pontific. Nr. 30.
") «eac^^tenStoertl^ tji ba0 Urtl^ciT, ba« ber i)on gtül^cnbcni @ifer für bieÄird^e
Befeelte SWarino ©anuto im 3. 1327 fogar bem Äanjter beS töntg« Stöbert,
(BrjbiWof Sngram tn>n (Eapm, gegcnilBcr augjufrrcd^en loagt: „S^ staube jtoar,
— 14 —
Äird^c abl^ängig maä^tn, aber bct SCßibctflanb bcS ftönigS unb bic SBcr«
ttidelungcn bcS ^apfteS mit granfrcid^ liefern ben ^lan nid^t jur SluS»
fül^rung tommen. dagegen xoax SHbted^t fd^mai]^ genug, bem ^opfte
^ujugeben, bafe Könige unb ftaifer baö toeltlid^ ©d^mert nur öom
opoftoüf^en ©tul^Ie erl^ielten ^) , toomit ben mafelofen 3!nfprü$en ber
f olgenben ^äpfle eine bequeme ^anbl^abe geboten tourbe. ,/S>k ^anpU
maffe bejfen, maS bie ^öpfte im breije^nten 3al^rl^unbert erworben
l^atten, beflanb auS Säubern, bei welij^en genügenb begrünbete gied^tS*
anfprü(]^e ber Äird^e enttteber überl^aupt nie öorl^anben ober aber längjt
ftinfd^»eigenb ober aud^ auSbrüdli^ aufgegeben »aren*)*"
2)ie ©rünbe jo auffaHenber Erfolge finb in ber religiöfen Auf»
faffung beö ßaif ertl^umS , in ben öon lirti^Ii^er ©eite Verbreiteten l^i»
jiorifd^en gabeln, in ber 3legierung§form 3)eutf(i^Ianb§ als SCßal^Irei^,
in ber ®6)tDä(S)t ber beutfd^en ^entralgemalt unb bem SJlangel an
nationalem ©inn bei ben Surften ju fud^en. (Sine fel^r mid^tige aSor«
bebingung be§ grfoIgS lag aber an^ in ber öffentlid^en SKeinung
gegenüber bem ^apfttl^ume. ©erietl^ bie ©taatSgemalt in 3ttJieil>ött
mit ber ßurie, fo fül^Ite fie fid^ t)on öornl^erein in allen Semegungen
gcl^emmt burii^ ben l^ol^en ®rab ber religiöfen Sßerel^rung, bie man
' bem ©teßbertreter ß^rifti eutgegentrug. ©eftü^t auf bie blinbe Unter*
tr)ttr;figleit, bie l^ierauS ertoud^S, lonnten bie köpfte eine SDBaffe antt>enben,
bereu SBirlung ol^ne bie ©unft ber öffentli^en aWeinung unfd^äblid^,
t)on il&r getragen aber unmiberftel^Iid^ war: fie burften !ird^Ii(|e ©traf«
j. mittel rücffic^tSloS im ©ienfte il^rer meltlid^en Sntereffen öermenben.
«fö ^^ilipp ton fjranlreii^ mit ftarfer gauft baS qJapflt^um
niebergemorfen l^atte unb bie beftegte unb gefd^mäd^te ©urie unter bem
"Drude ber franjöfifd^en ^errfd^er felbji franjöfifd^ mürbe, fallen fid^
bie ^äpfte Don bem QxeU einer flarfen meltlid^en SWad^t mieber meit
bag bie i>erjlorbencn ^Spjle bic befien Slbflti^ten l^atten; l^Stten fie aBer gefd^cu,
»a« toir SWobernen crWtden, bann tüürbcn ftc mit ber SSergrögerung il^tcr toett«
Hd^en ^ertfd^aft in Stauen (in recipiendo dominia) ni(]^t toetter ))orgefd^rttten
fein, bcfonbcrö ^ßopfl gfitlotanS III., ber bie $crrf(i^aft über Bologna unb bie
9tomagna an {!(j^ gog.'' BoDgars, Gesta Dei per Francos, II, 311.
*) Urt b. 15. Suli 1303; Otenf*tager, @taat«gefd^i*te, Urfunbcn, @. 10.
^) 2>o lautet bad Urtl^eit eined fo grünbU^en unb borftdbttgen f$orf4er9
toie gidcr (gorfc^ungen jur 3lci*8- unb 9lcd^t«geWi*te Stauen«, II, 464).
deinen auf mül^e^oUflen gorfd^ungen berul^enben (Sa^iteln (bie 9leCuperatiotten
ber römifc^en Stixä^t, ba« 9lei(^ unb bic atdupcrationcn, a. o. O. 284—472)
t)crbanft man jcftt crfl rcd^t Karen ©inblid in biefe SSerl^aftniffe.
\
- 15 —
öcrf<]^Iagcn ; bcr IBcftanb tJ^tet tDeltlid^cn ^enfiä^oft in Italien toax
fibcraD \^totx qe^&\)xM, jutn %f)txl bemid^tei. Raum begannen fie
jt(j^ aber bpn btefer 3liebetIoge toiebet ettt)aS auf juti(]^ten, fo fafete i^re
5poUti!ba§ alteätcl inS äuge ^). 6in Wftlii^&'franjöpfcid^neapontantfd^eS
Sünbni^ jicllte jt^ 3!)eutf(]^Ianb gegenüber unb etjitebte in etfter Sinie
bic beutfij^e §etrf(j^aft unb ben beutfii^en (ginflufe in Stößen ju fd^tott«
^en ober ju beseitigen. 3ebet ©tfolg in biefer SHid^tung mufete bie
SBcge ebnen jur Sefejiigung unb grweitetung ber pöpftUi^^en unb
angioöinif(j^en 'Vlaä^t S)ie jireitige flönigStoal^I in S)eutfd^Ianb fii^ien
ie|t bem ^apfte ber gänftigfte S^ttpunlt, um einen großen @d^Iag ju
ffil^ren.
®aS aSorgel^en beS ^ÄpfteS in Italien fanb bei feinem ber
bcutf(]^en ©egenfönige SBiberflanb, ba biefelben ju fel^r mit il^rem eige«
neu ©treite beftj^äftigt toaren. SDßaS biefen betraf, fo begnügte fi^
Sol^ann, ol^ne bie eine ober anbere Partei ^u unterftü^en, bamit, beibe
iur ^uSfö^nung }u ermal^nen. 6ine ^zxt lang fd^ien eS, al3 ob er
gfriebrid^ begünjHgen »erbe, ber mit ffönig Äobert bertoanbt mar,
mit bemfelben über ein Sünbni^ unterl^anbelte unb gegen bie lom»
barbif(i^en ©ibellinen |)ilfe ju bringen öerfptad^^. S)a bie Q\x]a%t
^) 2)ic «Pä|)(tc Sol^no XXII., Scnebift XII. unb Stcmcn« VI. l^aben
au(6 fpStcr feine ©etegenl^clt öorübctgel^en laffen, il^re totltüöft SWa^t auf Äoften
ber fatferü^en JU ücrflärfcn. Um ju jeigcn, nne fel^r e^ fxäf bafeei um eine
cönfequent »erfotgte trabitionette ^oütif l^onbelt, bürfen wir, ben ©reigniffen
bürgretfenb, gkidf; l^ier an einige, jnm X^vl erfl neuerbingd befonnt getoorbene
S^tfa^en erinnern, toüäit bie ))ä^fllt(^en 3ie(e beleud^ten. 1331 nal^m "^(Oßfi
Sol^ann bem Sinnige Solenn t)on ^^mm auf feinem abenteuerlt^en Buge nad^
Stauen bad $erf|>red^en ab, $arma, 9leggto unb SHobena, brei ©tSbte bed
»ci<]^«, toom l^eiügen @tul^t ju Se^en ju nel^men. (Urt. im baticanifd^en Slrti^itj;
$crö, Slrd^ii), IX, 450). 3n feinen legten 9legierung«ial^ren becretirte berfetbe
$a^ft, bag 3tatien o&xiilxäf )?om beutf^en ^d6) getrennt tt)erben foUe (f. unten,
§ 5). 2)ie ¥ä^j!e ©enebüt unb Siemens ließen p* 1336 (f. unten, ©eilage III.
Urt., A) unb 1343 (©etoolb, @. 197) öon Subtoig, afö er »iebcr ju ©naben
aufgenommen fein h)oUte, für ben Umfang il^rer tütitli6)tn ©errfd^aft in Stalten,
cm^ ba, n>o fte fold^e nur beanfprudf^ten, ntd^t übten*, ©etoäl^r teifien. 1348
Reg fid^ ^[ktpfl <£IemenS öon ^arl IV. ba« dominium supremum öon Stöignon
übertragen (Url. im baticanifd^en ^xä^ia; $er!}, 2lr*ib, IX, 455.)
*) gf^adj ^füxä)tx Angabe (©uUe ö. 7. Sanuar 1324, Martene et Du-
nmd, II, 647) foU aud^ Subtoig mel^rmald ein fold^d Serf^re^en gemad^t l^aben:
nonnunquam nobis obtulerat se paratum in ecclesiae et nostrum obsequium
contra rebelles ecclesiae ad partes accedere Lombardiae. (S9 kDtrb erlaubt
fein, mit bem Urtl^eil über bie 9iid6tigleit unb «ebeutung biefer (Sntptlung fo
lange jurüdtgul^alten, 1x9 fte burd^ ©efanntmac^ung ber betreffenben ©d^rctben
~ 16 -
unctfüHt Uitb, jog \xiS) ber ^apft toicbct in feine jutDartcnbe unb ]^in=
^oltenbe Stellung jurüd.
S)a erfolgte, nad^bem ba§ fttieg^glüd aäjt Saläre l^in unb l^er
gef^lDonft, ber entfi^eibenbe ©teg bei SKül^Iborf, ber griebrii^ in bte
©efongenfd^oft be§ 2BitteI§ba(ä^erS gab. 3e|^t mufete ^ii) anä) bQ§
SSerl^öItnife be§ ^opfte§ jum beutf^en §errfd^er Hören. ®Iei(^ feine
SlnttDort auf ba§ ©(i^reiben, tt)orin ßubmig i^m ben ©ieg mitgetl^eilt
l^atte , jeigte, bafe er nid^t gefonnen fei , bie SSortl^eile , bie il^m burd^
bie bel^auptete ©riebigung be§ 3:]§rone§ in Italien jufielen, au§ ber
^anb ju laffen ^). 9lu(^ je^t nod^ 6eanf<)ru(^te er als Vermittler auf=
jutreten, tDöl^renb fiubmig ben SE^ronftreit burd^ bie ööllige 5RieberIage
unb (Sefangennel^mung bcS ®egner§ für entfd^ieben l^ielt. S5er ©d^toer»
punft lag augenfd^einlid^ in ben italienif(^en Ser^ültniffen ^). Submig
fal^ fid^ öor bie SGßal^I gefteHt , entmeber unbelümmert um bie päpft*
lid^en Verfügungen bie SRed^te be§ 9teid^e§ in Italien ju toal^ren, ober
ben beutfd^feinbli(^en Siobert öon 9leapel aU 3leid^§bicar anjuerfennen
unb bie ©ibeüinen , bie ju Saifer ^einrid^ unb jum SReid^e geftanben
maren, prei§jugeben. ®a§ lejtere l^iefe auf bie beutfd^e ^enfd^aft in
Stauen unb auf bie le|te tl^atfäd^Iid&e SSebeutung be§ römifd^en Äaifer=
tl^umS öerjid^ten.
Submig liefe e§ auf einen ßonfüct anfommen. O^ne \xö) junäd^jt
bet^ Äönig Stöbert gegenüber birect ju erllären, ob er il^n toie fein
ober 3»nPructionen betätigt n>irb. @ottte Subn>ig in ber 2:§at bcm '^cöß^^ eine
fold^e ä^fofle in bcm @inne, in htm biefcr fte ux\tt% gcmadf^t l^aben, fo »iirbe ba^
ben unfid^ern unb fd^toanlcnbcn (Sl^araftcr feiner ^olitif f^on für ben 3tnfang feiner
9tegiernng nad^tüeifen. SÖal^rfd^einU(i^ l^at aber Subtoig bei ben rebelies eccle-
siae nid&t an bie ©ibettinen gebadet, toic er ja fipätcr in feiner Mrnberger
^roteftation (f. unten) biefe SSegeiti^nung berfcr6en auSbrü<fti(ä^ jurüdwcifr
^) ©^reiben be8 ^,^o#e8 öom 18. 2)eceniber 1322 (9la^natb 1322 § 15).
2)arin l^etßt e« : „Ueber anbereS l^aben voix bir ncutiö^ burd^ beincn ©efanbten
einen ^rief gufomnten taffen, beßl^atb »ieberl^oten »tr eS gegenwärtig nicä^t,
fonbern bleiben unerf(]^ütterlid^ babei." 35ie (Sr^äl^nung biefe« öorl^ergel^enben
©^reiben«, ba« bi8 je^t unbefannt ift, jeigt, baß mir über bie SSorgänge jtmfd^en
Äönig unb ?5apfi burd^au« nie&t'toapänbig unterrid^tet ftnb. 3n feinem Snljatt
»erben mx ben ®runb fud^en muffen, toeßl^atb 8ubn>ig ben fd^rifttid^en S3erfeljr
mit ber (£nrie junäd^ll abbrad^. ^ieKeidfet mürbe barin 9Jad^giebtgfctt ÜJubmig«
in ber ttatienifd^en grage gur SBebingung feiner Slnerfennung afö Äönig geiiettt.
*) <gd^on ben el^rlid^en ^ßnigSl^ofen IJaben bie fd^iJnen Sorte ber pS^fWid^cn
Süllen nid&t gel^inbert bie Sal^rl^eit jn burd^fd^auen , baß e« fld^ bei bem <^trcit
junSd^p um bie ^errfd^aft über 3tatien l^anbelte. ((Sl^ronifcn ber beutfd^en
@täbte, VIIT, 468, 469.)
— 17 -
Vorgänger qI§ aSci^Stcbellen ober lote ber ^apft al5 9lei(]^§ftQtt^Qltcr
betraute, na^m er bie ^täfk be§ 9ield)c§ in Italien ju ^änben, em=
pfing bie ^ulbigung ber SKarfgrofen SRainalb, Dpijo unb 9?i!olQu§
Don gpe unb Slncona unb fanbte bcn ©rofen Sert^olb Don TOorftetten,
genannt Don 9leif[en, um in bem jum Steige gel^origcn ©tobten ber
Sombarbei, Su§cien§ unb ber SJfar! SLreDifo Steid^SDermefer unb S3e=
amte einjufelen. SJlailanb unter ©Qleajjo SJifconte, bem bie SSerur«^
t^eilung toegen Äe|^erei ttjie ein ßrbjtüd Don feinem Sßater jugefaüen,
mar bamals Don einem päp|Hi(ä^«neQpoIitanif^en ^eere unter bem
ßarbinallegaten SJertronb unb Stoimunb Don ßorbona f^iioer iebrängt.
9(uf bie Sitten um ^ilfe erfd^ienen 33eri^oIb Don 9?eiffen unb bie
©ibeüinen Don SSerona, TOantua unb föjte ; barouf traten bie 33elagerer
ben SRüdjug an, am 23. 3uni 1323 l^ulbigte bie ©tabt bem ftönigc
ßubtt)ig.
Diefe brod^te ben lange l^ingel^altenen ©treit jtoifci^en ^apji unb
fiönig jum 5luöbru(^. «m 8. Dctober 1323 Deröffentlid^te ^o^ann
ben erffen feiner fogenannten ^roceffe gegen ben SBittelSbad^er ^).
Sei itoiefpältiger SBa^l, Reifet e§ ^ier, fte^t bie Prüfung, Sifligung
unb 3ulaffung ober Surüdmeifung beS ©emö^Iten beim ^apite.
fiubtoig ]^ai aber nid(|t barum nad^gef u(?^t , ^at, obfd^on er nur ben
iRamen eines ermä^Iten beanfprui^en burfte, ben ßönigStitel fid^ an-
gemalt, ja nod^ md^r, bie Steid^Sregierung , tt)el(|e bodd bei Sßacanj
be§ »eid^S bem 5ßap{}e gebührt 2), unb überhaupt alle föniglid^en
»ed&te ausgeübt. 6r ^at fid^ ferner nid^t gefd^eut , ben ©aleaiio
»ifconte, obgleid^ berfelbe fd^on al§ ße^er Derurt^eilt gemefen, gegen
bieffird^e in ©d^u^ ju nehmen. Äraft unferer päpftUc^en TOa(^t-
öoKommenl^eit forbern toir nun Submig unter 3lnbro^ung be§ SanneS
Quf, innerhalb breier ÜMonate bie ^Regierung nieberjulegen unb nic^t
ctier aufjuneljmen, bis er Don unS beftätigt toorben. ®ie Untert^anen
»erben bei ©träfe ber gjcommunication über bie ^erfonen, beS 3nter=^
bictes über bie Sänber, beS ^riDiIegien= unb 2et)enDcrlufteS auf gejorbert,
2ubtDig nic^t me^r als JJ5nig unb ffaifer ju %ti)ox6i^n ; bie (Sibe, Die
^Martene et Durand, U, 644. 3)ie n>eiteren «^^J/^ ^SÄ
folgcnbcn l^tex jur SBcf^jrc^ung fcmmcnben Utfunbcn jmtct tnau
%ciHn toerseld^net. . .. ^„avem 13ei offensam
*> Administrationem jurium regni et ^"^P^"^ ^^ ^^^ ^atris euae, ad
et eontemtum ac manifestam injuriam ßomanae ^""^ ^^g^j^tiarum vacal,
quam ejusdem vacationis imperii regimen, sicut et ^"^I^ ^^^.^
pertinere dignoscitur, . . . praesumsit hactenus et p ^
»iealei, aBibetfat^er ber ^a^Jfte.
-^-
— 18 —
fic t^m gef^tüorcn, toerbcn hnxä^ apoftolifd^e Sttutotität für ungiltig
crllött.
2)cr ^rocefe mirb on bcn %i)üxm bcS S)omc§ öou ?löignon an«
flcf plagen unb ^icmit fo betrod&tct, olS ob et Cubtoig pctfbnlid^ unb
feicrlt(^ infinuirt morbcn fei.
9)lan fielet, bie pä<)ftli(ä^en Slnfprüd^c l^aben gfortf^ritte gematj^t.
§atte bie SuHe bom 31. ÜKi^j 1317 nur öon griebigung beS 3m»
<)crium§ gefprod^en unb nur beffen SSertoefung bem ^apjie juerlannt,
fo »irb in biefem ^roce^ ba§ beutf(!&c Äönigt^um nad^ ber ©eite bet
^bl^ängigleit bom ^apft Dottftönbig mit bem römif(^en fiaifertl^um
ibentificirt. 3)ie SSerlei^ung ber 5!Karfgraff(!^aft Sranbenburg toax
unjtt)eife(]^aft ein 3te(3^t, ba§ bem beutf(3^en Äönige aU fold^cm/ niiä^t
oI§ römifd^em ßaifer juftanb, g§ tt)irb fiubtoig als Sergel^en ongered&net,
bofe er bic§ 9led^t ausgeübt ^atte. SBer »or benn ober nad^ päpft«
lid^er 9lnfd&auung in ben neun Salären feit Äaifer ^cinrid^S 3:obe jur
tttu^übung ober SBertoefung ber löniglid^en ffted^te in ©eutfd&lanb bc«
red^tigt ? 2)er ^ßapft bermeibet e§ biefe groge beutlid^ ju beantworten,
aber inbem er bes ^faljgrafen bei Sl^ein, bem nad^ beutfd^em Siedete
bei jtl^ronerlebigung ba§ SBicariat gebül^rte, gar feine (Srtoö^nung tl^ut
unb inbem er felbft alö©ef(^tt)eröefü^rerüber2lnmafeung bon SRegicrungS»
rechten auftritt, nötl^igt er ju bem ©d^Iuffe, bafe er für fid& felbft aud^
bie aSertDefung ber töniglid&en SRegierung in Seutfd^Ianb beanfprud^te ^).
^) 3u biefer ^luffaffung ber pä^)Pft(3^en 2(nfprü(i6c l^aben fid^ »cmgftend
Wdttx aud^ bie beutft^^cn gürjlten Befannt. (B. ba§ ©ebenfen gegen bie Prüfet
t)ün 1343 (to. SBeed^, hälfet ?ubn)ig b. SB. u. Äönlg Sol^ann toon «öl^mcn, 133).
(5g Derlol^nt fx6f übrigen« bie toerfd^iebenen gaffungen ber "9lottficationö«»
f(!(^reibett ju öergteid^en , in toetd^en Sol^ann feine ?Jroccffe gegen Submig ben
ftemben SKäc^ten nnb ben bcutfd^en ^leid^Sßänben anjeigt. @o l^eißt e« in
bem @d(>reiben an bie @tabt f öln, tt>il6)t ju griebrid^ jianb: Subtoig l^abcfönig*
li6^t fRe^te ausgeübt in preiudicium quoque ac scandalum dilecti filii
magnifici viri Friderici (XtTCt irrig Henrici) ducis Austrie coelecti sui (ber
boc^ na(]^ fonfügen :j>ä^ftli(i^en ^eußernngen fo »enig Siedet auf bie Ärone gel^abt
l^aben foU mte iOubmig!) et tarn eundem eligentium Alamanie principum
quam plurium in mundo fidelium aliorum. S)er Äitd^e »irb l^ier nur bie
^ertDefung be« 3nt|}enum$ jugefpro^en: ad ecclesiam regimine ipsius imperii
lationabiliter pertinente. (£)berbai?erif($e« Slrd^iö, I, 58). 3m <B6)XdUjt an
töntg Sl^rijlo:!)]^ toon 2)änemarf (a.a.O. 56) fd^on beuttid^cr: L. se immiscens
administrationi. ejusdem (Eomani) regni atque imperii, cuju» regimen
imperia jpso, vacante, sicut vacare noscitur in praesenti, ad nos et eccle-
eiam de jure noscitur pertinere.
4-
— 19 —
©clbjl toenn man bic ©tfläningen bcr frül^crcn ^äpftc über bic
beutf^c ^errfd^emal^I in Sctrad^t jicl^t, crfd^cinen bic Slnfprüd^c 3o=
l^onn§ als unbegrünbci S)ic bcrül^mte 35uIIc Venerabilem 3nno»
<en}^ III. ffaik aflctbingS bem ^opftc ganj im oHgemcincn , anSf
im gallc einer einmütl^igen SBal^I, ein ^rüfungSred^t beS ©ewäl^Iten
jugefprot^en. @S lag aber ein jüngerer pöppUd^er SluSfpru^ bor, ba§
©^reiben Urban§ IV. bon 1263 an ffönig Sftid^arb, mnaä) bei jtoie»
jpQltiger SJal^I bem ^apfte nur bann ba§ 6ntf(]^eibung§rcd&t juftel^e,
toenn bie ©ai^e auf bem SSege-Jier^^fflage^eber Berufung bor il^n
gcbrati^t »erbe ^). 3n !J)eutfd^Ianb galt als 3le^t , bafe bei jireitigen
Bal^Ien bie ßrone bem berbleibe, ber feinen ©egner au5 bem gelbe +
Subtt)ig befanb fidd bamalS beim Äönige Sol^ann bon Söl^men
unb biefer mag barauf l^ingetoirK l^aben, ba^ er normal einen ber=
fö§nli(i|en ©d^ritt berfud^te. 6ine ©efanbtfd^aft unter ber gfü^rung
be§ ©rafen SUbred^t bon ©d^warjburg, ©rofemeifierS ber Sol^anniter
in 3)cutf d^Ianb , foHte fid^ in Slbignon erlunbigen, ob biefeS 9led^t§=
berf Clären, bon bem nod^ leine juberlöffige SKitt^eilung jum Könige
^ebrungen, in ber %f)at borgenommen ttjorben fei, unb für Diefen
Sali bor allem um 35erlängerung ber gfriji nad^f ud^en ^). 9lm 2. 3anuar
1324 erfd^ienen bie ©efanbten bor bem ^apfte. S)ie 3lnttt)ort war
«ine SuDe bom 7. Sötiuar, worin gegen Subwig aufeer ben frül^ercn
no$ ber neue SSormurf gerid^tet »irb, bafe er bon ben megcn fieberet
gebannten 3lainalb unb Dpijo bon 6fte wegen ber ©tabt fjerrara.
') Si votis principum, ad quos spectat eligere, ad eligendum con-
venientium divisiB in plores duo in discordia eliguntur: vel alter electo«
ram per potentiam obtinebit , vel ad praedictum comitem Palatinum tan«
^piam ad huiusmodi discordiae judicem est recursus habendus, ni forsan
super electione yel coronatione huiusmodi suborta discordia per appel-
lationem vel querelam praedictorum principum ad ezamen sedis apostolicae,
quo casu ipsius est in tali causa cognitio, deferatur. Boehmer, Regesta
imperii; Urban IV., Nr. 181.
*) @. bie mit oBigem «Sd^reiben Urbang (vel alter electorum per po-
tentiam obtinebit) übercinftimmenben (grüarungen ber @a^fcnl^aufer 5(ppeÄationg*
t^rtft toon 1324 (Olenf (i^tagcr , ©taatöge^id^te, Urfunbcn, @. 124) unb bc8 öon
Hicolaus Minorita überlieferten Sluffafee« Don 1338 (Boehmer, Fontes, IV, 595).
») Herwart, Ludovicus IV. Imperator defensus, p. 233. 2)a6 ber
toal^re SSerfafier bcr unter biefem ^amm erfd^iencncn @$rift bcr 9^ector bc^
SKönd^ner 3efmtcnconcgg , $. fetter, war, iil ncuerbtng« öon griebridfi na^*
$ctt)icfcu »orbcn. (SSortrag in ber aWün^ncr Ä b. Sötff. ö. 3. Sanuar 1874).
2*
— 20 —
bic \>oä) ber römifd^en ffir(3^c gel^öre, ^ulbigung angenommen, ©ie
aSeröffentIid)ung ber ©träfe folle gleid^tool^I im SHnbenfen an bie frül^ere
grgebenl^eit Subtt)ig§ gegen ben päppli^en ©tul^I um jtDei SRonate
J>erfc!^oben tDerben ^).
2KittIermeiIe l^atte iebod) Subtt)ig bie er[te Unfd^Iüffigteit, in toeld^e
i^n ba§ SSorgel^en be§ ^apfieS öerfe^t ju Ijaben \ä)üni, übermunben unb^
gegenüber ben päpftlid^en gorberungen eine entfii^ieben abme^renbe ©tel=
lung genommen. 2lm 18. ©ecember 1323 legte er ju 9lümberg öor
9lotar unb Saugen gegen ba§ t)äp[tli(%e 3ie(|t§tierfa]^ren ^roteft ein ^).
aSor allem befennt er \\ä) i)kt oI§ getreuen Slnl^änger unb ©(^irm=^
Dogt be§ ddriftüd^en ®Iauben§ unb feiner Selirerin, ber l^eiligen römifd^en
fiirc!^e ; nad^ ©ebül^r unb bem Seifpiele feiner 95orfal^ren miß er bem
^apfte ©e^orfam unb ßrgebenl^eit bereifen, boi?^ gebeult er au(^ bie
Steinte unb @^ren be§ römif(3&en ilaifertl^umS aufre(3^t ju Ijalten.
S)a§ 9led^t§öerfa^ren be§ ^ap|le§ aber fei leibenfd^aftliii^ unb gel^öffig.
^enn feit unbenfli(^en 3^iten fei e§ S3raud^ unb in ganj ©eutfiJ^Ianb^
offenlunbig, bafe ber an ben üblid^en Statten bon ben ffurfürften
ober il^rer SKajorität ©emäl^Ite unb ©efrönte fd^on baburd^ römifd^er
Sönig fei. 3)a§ Äaifertl^um fei nid^t erlebigt, benn al§ fiönig l^abt
er aud^ fd^on bie ©emalt über 3leid^ unb Äaifert^um, nur bafe er bie
Äaiferlrone nod^ mdf)t empfangen l^abe. gine Prüfung ber 3&af)l
!önne bem apofiolifd^en ©tul^Ie nur ettoa in bem §alle juftel^en, menn
bie ©ad^e inxä) Älage, Sitte ober Berufung an ben ^apft gebraut
mürbe, ma§ gegenwärtig nid^t gefd^el^en fei ; eine gurüdEtoeifung feiner
^erfon märe nur bann ftattl^aft, menn fie nad^ feinem Slnfud^en um
bie Äaiferfrone ober um bie Denomination au§ giltjgen, auf bem
gefd^riebenen SRed^te beru^enben ®rünben erfolge, bereu er bod^ feine
gegen fid& ju l^aben glaube. S)enn bafe bie Denomination ber ^erfon
unb bie 3ulaffung ber SQBal^I i^m meber IRed^t nod^ 2:itel gegeben
l^aben mürben , bafe er biefe bielmel^r fd^on burd^ bie SBal^l felbft er=
langt l^abe, ta^ fei eine SBal^rl^eit, bie burd^ bie SSernunft, burd^ ba§
!ird^Ii(^e unb meltlid^e 9{ed^t unb bie 5lu§fprüd^e ber angefel^enften
Doctoren beiber SRed^te bemiefen merbe. Dafe ©aleajjo unb bcf[en
Srüber megen SPe|erei berurt^eilt morben, fei i^m unbefannt; e§ fd[)eine
bafe man einige, bie in treuer ßrgebenl^eit ben Eingriffen auf be^
c^aifert^umg Seftanb unb 9}edf)te miberftel^en, Slufrü^rer gegen bie
^) Martene et Durand, II, 647.
*} Gewold, Defensio Ludovici IV. imperatoris, p. 68— 7S
— 21 —
Äit^e nenne. 5)er ))ä])[i(i^e 8egat ^abe naä^ Italien ftott be§ Stiebend
U^ ©(|mert gebraij^t unb bie reic^^treuen SRoilänber befriegt; menn
bie öon Submig gefanbten ©rofen ben Sebröngten ju ^ilfe ge!ommen,
§a6en fte bes ßönig§ unb be§ 9lei(^e§ ©ad^e bertfieibigt.
S)en SSormurf ^ttgläubige ju Begünftigen fönnc er mit mel^r
Seii^t bem ^aj)fte jurücfgeben, mie er öor unparteüfc^en ß^arbinälen
ober einer allgemeinen ßirciienöerfammlung ,\\i) ju bemeifen erbiete.
„Senn. bur(5 id^mere unb l^äufige fflogen, m\ä)t Sif(^öfe unb anberc
^eipiiij^e gegen ben ©encral, bie ßuftoben, bie ©uarbiane unb bie
Stüber ber ÜJiinoriten t)or ben päpftlid^en ©tu^I gebrad^t, fmb bie-
felben qI§ 3?errät^er be§ Seid^tgel^eimniffeä ^) nad^gemiefen, unb ber
^Qpft ift gebeten morben, biefer großen Serberbnip in ber Ü\xä)c,
inxä) meiere bie ©eelen in Slufrul^r geftürjt, ber Si^S^ng jur gbtt«
lid^en ©nabe berrommelt unb bie ?o§]pre(^ung Don ben ©ünben
tonoc^Iäifigt wirb, gemöfe feiner '^\l\ä)i al§ Öberl^irtc objul^elfen.
®Iei(]^mo]^I l^at er unter SluSpd^ten unb SSer^eimlic^ungen 2) e§ t)er=
föumt, biefe peftbringenbe unb töbtlid^e ffronf^eit mit bem gebül^ren»
ben SJlittel ju l^eilen unb l^at ben genannten Srübern, bie in obigem
Setrod^t gfeinbe ber ^xxäjt unb be§ Iat^oIi|d^en ®Iauben§ finb, 33e=
günftigung gemalert.
ferner jlrebt ber ^apji, mie au3 fidleren Slnjeid^en l^erborgel^t,
gegen bie göttlid^e 3lnorbnung , monad^ ®ott am girmamente ber
^reitenben üixäjt jmei grofee 2\ä)kx Qtmaäjt l^at, bie pöpjllid^e 3tutorität
unb bie !aiferU(3^e SJlaieftät — iene§, bamit eS bem %aq öorpel^e unb
über ba§ ©eiftlid^e öerfüge, baä anbere, bamit e§ ber 3la(3^t bor[teI)e
unb über baS 2BeItIi(3^c urtl^eile — offenbar banad^, bie SOßurjeln be§
einen 2i(|t§, nämli(!^ ber meltlid^en ©emaft, auSjureißen unb Derurfa^t
baburd^ SBermirrung unb ^rrtl^um, Se^ereien unb Unfrieben."
3lu§ fold^en ©rünben (ege er ein^meilen biefe ^Berufung an ben
<ipojloli|(i^en ©tul^I ein, meldte fobalb als mögU(i& bem ^apftc jur
-Senntni^ gebrad^t mcrben folle. 5)a jebod^ bie ermöl^nten fünfte ben
latl^olifd^en ©tauben, baS SSer^ältnip ber Sird^e unb be§ 9ieid^§ unb
allgemeine 3nterej|en betreffen, fo fei ber 3ujammentritt eine§ all»
gemeinen ßoncils nötl^ig, um beffen tl^unlid^ft fd^nelle ßinberufung
on einem geeigneten Orte er bitte unb bem er perfönli^ beijumo^neii
ieabfid^tige.
■) Secretae confessionis proditores.
*j Tergiversando, dissimulando et celando.
— 22 —
2)teB,tt)ar bie ctfte ©rllärung, tt)obur(| 8ubtt)ig im Äompfc mit
\itm ^apjic ©tcDung nal^m ^). Sic ^äftini »ebcr an bic gtöfecre
Oeffcntlid^fcit no(^ in officicDer SQBcifc bot bcn ^apft gelangt ju fein
unb !^at auf bcn ferneren ®ang ber ßreigniffe v\ä)t etngemirtt. S3>a§^
pe für un§ glei^iool^l fel^r Beaiä^tenStDcrt^ ma^t, ift ber Umftanb, ba§.
fie auf lange- 3ci* l^i^ einjige ©taatöf d^rif t be§ ÄönigS ift , beren Ur»
lieber wir mit ©ii^erl^eit au^fd^Iiefelid^ im ßreife feiner einl^eimifiä^en
Statine \\xä)m bürfen. S)a mu^ man benn in§ Sttuge faf[en, bafe fd^on '
biefe grüörung bie if^toierige Streitfrage über ba§ 3Ser]^öItni§ ber
Iaiferli(ä^en ju ben !önigli(^en SRed^ten in ber SBeife ber granffutter
^rocfamation Don 1338 auf bem einfad^en Sffiege einer bollftänbigen
3bentificirung berfelben ju töfen »agt. gerner i|l bead^ten§mert^, bafe
fie auf ba§ Serpitntfe jmif^en geiftli^er unb mlüxäjtx ©ewalt ben
SSergleici^ mit 6onne unb 9Konb anmenbet. 3)a§ ®Icirf)nife mar öoa
ber @^ule l^ergebrac^t , um auSiubrüden , bafe, wie ber SKonb^
fein 2\ä)t nur bon ber ©onne, fo bie »eltlii^e 3Jla6)t il^re Sered^tigung.
nur t)on ber geiftli(!^en empfange; in einem @(!^rif tftücf e , »elc^eS in
bemfelben Sltl^emjuge bie Unabl^ängigleit be§ beutfd^en Äönigt^um^
unb römifd^en ffaifertl^umS gegenüber ben 2lnfprüd&en einer pöpftlid^en
Dberl^ol^eit Bel^auptet, l^ätte fein ungefdjidterer SSergleid^ gemöl^It merbea
lönnen. ®ie (Srllörung befd^rönlt fid^ aber toeiter nid^t auf biefe
aSermal^rung , öielmel^r, wie ber ^apft auf ba§ »eltlid^e (Sebiet übet=^
griff, fo bemäd^tigte fid^ ber fiönig ju feiner Slbioe^r aud^ einer reia
fird^Iid^en grage,
(5§ l^anbelte fid^ babei um ben alten unb tiefgel^enben ©egenfa^
jmifd^en ber ^farrgeiftlid^feit unb ben Slngel^örigen ber SSettelorben^
^rebigern, S(uguftiner*6remiten, ffarmeliten, inSbefonbere aber 9Kino=^
riten. SSorbem waren bic SBettelmonc^e bered&tigt gewefen überall ju
prebigen unb bie ©acramente ju fpenben ; Sonifaj VIII. unb Giemen^ V.
I^atten jwar il^rer ©eelforge gegenüber bem 5pfarrfleru§ engere
©d^ranfen gejogen^); bod^ blieb c§ üblid^, ba^ Settelmönd^c eine
©cnerallicenj jum Seid^tpren erl^ielten. 5Run trat im ^a^xt 1321 an
•
*) @inc toon S3ärtt>alb (2)a« ©aumgartcnberger %oxmtlf>nö), f. @. 41^
Pgb.) mitgctl^eitte gormclfammlung, bic in bicfcr 3cit in S)eut|4lanb cntfianben
iP/ xeiflt, baß man f«]^ bamatS bic frül^cren Ääm^fe ätüifcfecn ^^Ja^jftt^um unb
Äaifcrtl^um öcrgcgcntuärtistc. (Sine äl^nlid^e Sammlung ^t fic^ ber Üfiotar
Äaifer Subnjig«, iBertl^olb öon S:utttingen angelegt. @. SÖattcnbad^ in $er<}^
3lr(ä^iö, X, 576.
*) 3$ergt* ^cfelc, (SonaiUengefd^td^tc, VI, 479.
- 23 -
bcr ^orifer UniDcrfitöt ein S)octot ber SEI^coIogtc, 3ol^anne§ bc ^oHiaco^
mit bcn Seilten auf: roct einem mit ©enetalliceuj jum Sci(ä^t]^öten
ouSgeftatteten 9Kön(^e gebeid^tet l^abe, müjfe bie S3eid^te öor feinem
^fangeijllici^en toiebetl^olen ; fein ^Qpfi, ja ®ott felbji nid^t, fönne öon
bcr SSerpfliij^tung befreien, ba^ jeber SKenfd^ jö^rlid^ einmal feinem
Pfarrer beid^te , unb ber ^apft lönne leine ©enerallicen j jum ^dä)U
^ören er%ifen ^). 9luf bie Älogen ber Settelmömä^e erllärte ^apft
Sodann 1322 in ber ßonftitution Vas electionis biefe Seigren
für fe|crif(!^ ^). 2)ie ßompetenjftreitigfeiten unb ^Reibereien jtt)if(^en
SBettelmöniJ^en unb ^farr!Ieru§ bauerten aber fort ^) unb finb ^ie unb
bo ju l^ol^er Erbitterung gebiel^en; in ^rag fam e§ 1333 ober 34
jn blutigen ©d^lägereien jtt)if(^en ben beiben Parteien *)•
SBeld^e ^erfönlid^Ieiten ober mlä)t Umjiänbe ben ffönig bewogen
in biefem ©treite bie ^Partei ber ^farrgeiftlid^feit gegen bie 5Kinoriten
ju ergreifen, läßt fid^ nid^t erfel^en. ^ebenfalls ift feftju:^ alten , bafe
e§ ni^t erft be§ 6influffe§ ber fremben 3lnlömmlinge beburfte, um
fiubmig gur ßinmifd^ung in tein lird^Iii^e fragen ju bewegen. 5Die
^arteinal^me be§ ffönig§ aber blieb nid^t nur beSl^alb bebeutung§lo§,
tDeil bie 9iürnberget ^roteftation nid^t bor ben ^apji !am , fonbern
ou^ weil Subwig fd^on nad^ einigen SGBod^en feine Stellung gegenüber -h
ben aRinoriten burd^au§ öeränbert ^atte. ©leid^ ju Slnfang be§ großen
fiampfe§ wirft biefe auffaKenbe ©(^wenlung ein greUeö Sid^t auf bie
C)Qltlopgfeit unb Unfelbftänbigfeit be§ Äönig§.
S)ie 3Kinoriten ftanben bamal§ bor i^rem weltgefd&id^tlid^en 3^^=^
toürfnife mit ^apji 3o^ann über bie 9luffaffung ber ebangelifd^en
Strmutl^. SDßir werben biefen ©treit, ber für unfern ©egenftanb öon
lo^er SBid^tigfeit ift, be|fer erft bann im 3ufammen^ange betrad^ten,
toenn unfere grjöl^Iung bei bem 3^i^Pwn!te angelangt fein wirb, ba
bie Häupter be§ CrbenS in 2ubwig§ Sager übergeben, ©d^on 1323
*) Oudin, Commentarius de scriptoribus ecclesiasticis , III, 801.
Raynald 1321, §. 20 flgb.
*) Extravag. commun. lib. V, tit. 3. de haeriticis, cap. 2. 3lu(S^ in
t)en bcutWen ©istl^ümern :|)ubltcirt , öerflt. Mon. Boic. XXXIX , 39 u. XIX,
423, »0 ber 9^ame xs>o^ fält*ltd& PoUiato ßclcfen ijl.
8) 3)te fir(^li*cn Urhinbcn ber Seit fmb t>oU ton bicfcm ©egenttanbc,
f. i. 93. bie SürjBurgcr Urtutiben öon 1327 unb 1340, Mon. Boic. XXXIX,
320 «. XL, 313.
*) Prancisci Chronicon l^ci Pelzel et Dobrowsky, Scriptores rerum
Bohemicarum, II, 182; Benessii de Weitmil Chronicon, 1. c. 266.
— 24 —
toax ahn bic ^(ufrcgung, tt)e((^c 3o^flnn§ (Sntf^eibung übet ba»
Sicblingsbogma ber Winotiten im Dtben l^erborgcrufen l^ottc, auf
einen fo l^ol^en @rab geftiegen, baß man j. ©. borjog, ba§ Kapitel
ber oberbeut)(3^en ^toöinj, ba§ banial§ ju ©tra^burg gel^alten n}erben
foDte, au^faUen ju laffen^).
^utje 3^it nad) ber Dlürnberger ^roteftation, um bie 3Qßenbe ber
3ia]^re 1323 auf 24 muffen nun an SubmigS ^ofe frembe, gegen
ben *ißa))ft auf§ äuperfte aufgebrachte 5)linoriten erfd^ienen fein unb
einigen @influ^ getüonnen ^aben^). 6§ mar bie erjie (Sruppe jener
©ele^rten unb St^eologen , tueld^e \\ä) unter 2ubmig§ ©(^u^ begaben
unb beren 3luftreten oI§ Sunbeögenoffen be§ Königs im i?ampfe mit
bem 5papft biefem 3uföntmenfto^ ber beiben ©etoalten eine fo neue
unb gefc^ic^tlic^ benftDürbige tJörbung gibt. 2BeI(]^e TOitglieber be§
Orben§ biefe erften 3ln!ömmlinge bei Submig maren, läpt fid) [thoä)
nid^t nai^meifen. SSielleiii^t barf man an Ubertino bi ßafale beulen,
ber im 3a^re 1327 mit bem Könige fd^on äu§ ®eutf(]^Ianb naä^
Italien fam ^) ; öielleic^t barf man ax\^ auf . einen frül^er öon ben
TOinoriten ju ben Senebiftinern übergetretenen tJ^^nj t)on Öucca
Ijinmeifen, auf ben man im 3uni 1324 öon 5lt)ignon au§ in 35eutfd&=
lanb fal^nbete ^). 9lu(3^ an ben §öfen ber ^urfürften erfi^ienen bamal»,
mie man au§ einer 5(nbeutung be§ ^apfte§ entnehmen barf^), gegen
Sol^ann agitirenbe SJJinberbrüber.
SBenige SBod^en na^ ber 5lürnberger ßunbgebung erließ Submicj
ju ©ai^fenl^aufen eine neue, für bie CeffentU(I)!eit beftimmte meitlöufige
9lppelIation gegen ben pöpftlitj^en ^roce^ % 2)a gelang e§ nun blefen
^) $anbf(^riftti(i^e (S^ronif beS iülinoritcn ©tageercjer, goT. 68, im ^t^iö
bc« gransiSfancxKoftcrS ju 2Jlün(^en. SBcrgT. Söcitagc II.
^ 2)ie ead^fenl^aufcr SC^^^ettationöf^rift be« ÄönißS ijl ber eiujige, at>er
— -yjergtt^en mitber i)Mrn5erger ^^Jrotcjtatiort — flenügenbeSeiDci« für biefe 3lnnal^ine.
^) Albertino Mussato, Ludovicus Bavarus (Boehmer, Fontes, I, 175).
*) @*rei6en Sol^annö an ben 2Jlimfter unb bic Suflobctt ber SKinoritcn=
^robinj OBcrbeutfd^tanb unb an bie rl^einif^cn (Sr^bifd^öfc unb ben SBifc^of Mon
@^eicr toom 27. 3unt 1324. 06er6at?crifd^e« ^iirt^iö, I, 66, 74.
'^) <gd&tei6cn ^Po^fl 3ol&ann0 öom 26. 2Köi 1324 an ben tönig ^ol^ann toou
©öl^men (Oberba^er. Slrd^iö I, 55): quidam iniquitatis filii sub veste humili
religionis exterius gestantes habitum , sed interiua a religionis veritate
vacui , iniquitate pleni et malicia non carentes . . . tibi suggesserunt,
quod ... ad hoc nostra ferebatur intentio . . . ut te et coelectores alios
eligendi jure privaremus.
ö) 55oa(länbig gebrurft bei Baluze, Vitae paparum Avenion. II, 478—512.
— 25 —
5Rinoriten, ben föniglid^cn ^rotonotor, 9)leijtet Ulrtd^ bcn Sßilbcn, ber
mit ber enbgiltigen 9iebaction ber n^iti^tigen ©taat»f(j^rift betraut war,
ju Bcftimmcn , baß er eine in il^rem JJreife Derfa^e langat^mige unb
Ictbcnf(!^aftli(3^e ßrüärung über bie 2lrmut^ ß^rlfti, worin ^ap[t
Sodann wegen feiner ?luffaffung berfelben al§ ße^er erüärt würbe,
o^ite SBijfen unb gegen SQBiöen be§ if önig§ in ben officießen ^IppeßationS--
ad aufnal^m ^). UIri(^ ber Slöilbe l^at fpäter auf bem 3:ob6ette bie
galjc^ung befannt unb Subwig l^at in wieberl^olten SSerfici^erungen
bor ber gurie jebe SSerantwortlid^feit für biefen 3lbf(]^nitt feiner 33e»
rufuitg§f(j[)rift öon \\ä) obgewälät 2). ©0 auffällig e§ immerl^in ift,
baß eine -fo großartige §älf(3^ung in einem Socumente öon fold^er
vorgenommen werben fonnte, fo barf man gegenüber ben
Sei Olenfd^ragcr, ©taatöge^i^tc , Urfilnbeit, 117—129 ip ber ben @trät ber
Sßinoriten bctrcffcnbe 5l6fd^nitt aU ^u n?citläujtg mcggetaffeu. 3)tc Urfunbe ijl
batirt tom 22. etnc3 ntc^t genannten 9Konat8 be« Sa^reS 1324 «nb trurbc
trii^cr, u. a. \?ott 53el^mcr, auf ben 22. 'ät^xxt ober 9J?ai gefegt; bocf> gibt e8
aw^ 2[ugfetttgnngefi nod^ f^jätercn ©atumö. @c^on Äo^^) (@e((^t^tc ber cibge*
nöfftfc^cn SBünbc, V, 128) l^at bagegen bcn 22. Januar, an mlä)cm 2:age fi^
2ubtt)ig nac^njei§(id& in grantfnrt befanb, aU 3>atum bei" ßrftärung angenommen,
«nb jtüar beß^atb, njeit bie ^ntgcgnnngen ber ^c^rift fic^ nur gegen bie S3uÜc
tjom 8. Ottober 1323 h>enben unb bie tjom 7. 3anuar unb 23. m'dx^ 1324 not!^
nitjt JU lennen fcä^einen. (Sin toeiterer ®runb für frül^erc 2)atirung barf in ber
M gefu(it merben, »ic in bem öon ben Slf^inoriten l^crrül^rcnben 3l5f(!^nittc ber
jja^jWiÄen SButten ööm 8. 3)C5. 1322: Ad conditorem canonum unb öom 12.
9ioö. J323: Cum inter nonnuUos @r»ä]^nung gefdf^iel^t : öon ber erfHen l^eißt eg,
Pe fei toor einem 3al^re, toon ber anbern : taum öor einigen i&ionaten, ^ublicirt
toorben; S)a ber 22. gcbntar unb ber 22. aWärj faum in 53ctia(^t fornmeu
Ihntttf n>cit fi* ?ubmig nacj^ urlunbttd^em Sf^ad^tvciS (53ö^mcr, iRr. 690 unb 704)
«n biefen 3:agen nit^t in granffurt auf^iett unb ba bei einer 2)atirung toom
8j)ril ober SD'iai bie auf bie beiben Sutten ifejügttc^en S^itan^abtn fel^r ungenau
etfiicitten miigten, barf ber 22. Januar n?ol^t bie ^öd^jle Sal^rfc^einlidtfeit
beanf^jru^n.
*) 2)en ^iJa^mei^ l^iefür glaube icb in meinem ^Juffal^e: Äaifer Subraig b.. 33.,
3Reif}er Utrii^ ber SBilbe unb iWciftcr \Xlx\6) ber §ofmaier toon ^ugSburg
(gorfc^ungen jur beutfci^en (Sefc^itJ^te, XIV, 1—17) gefül^rt ju ^abcn. 3)afetbfi
4a6c i(S au(^ bie ötclfa<^ öcrweiä^feUen "tperfönli^fciten ber jroei Statine, ViUiäf beS
Silben unb U(ri(^ be8 $ofmaier§ unb ben rid^tigen Sflamen be« te^tcren fefl*
Ueflettt 3(^ T^ote l^ier nae^, baß meine bort au8gefj)rod^enc SSermntl^ung , tt)ona4
in bem laifertid^cn ©einreiben üon 1343 flatt Groildonis Gwildonis ju tefen
fein bürfte, burdb meine neuerbing« im f. gel^. $)au«ardbitoc in ÜJlündbcn erlangte
iinftc^t in eine gtei^jcittgc bcutfd^e Ueberfefeung biefcS ©einreiben« S3eftätigunä
fltfunben l^at. ©. ^Beilage III. ,
«) fRatinatb, 1336, § 32; ©cnjotb 186.
Jr
^ I
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•^
— 26 —
©rllärungen SubtoigS bie 5J:^atf,ad^c bo(i^'m(]^t bcjlüeifeln unb eben \o
menig lann man Sebenfen tragen, bie 33etf affer be§ untergefd^obenen
2lbf(^nitte§ in 9!JJtnoriten ju fud^en ^). Wan mufe annel^men, bafe hk^
felben bantal§ ben Äönig nod^ nic^t bepimmen fonnten fi(J^ in il^ren
bogmatif(J^en ©treit mit ber Kurie etnjumifd^en, unb baß fie be^l^alb
JU einer fjälfd^ung griffen, um bor ben Slugen be§ ^J5opfte§ unb ber
SBelt SubttJig al§ SBunbeSgenoffen il^rer bogmatif^en 3tufle]^nung er*
f^einert ju laffen. ^nbeffen borf man ber Unterf^icbung feine ju
gro^e SSJii^tigfeit beilegen, einmal meil Submig in fpäteren Slcten ben
©tanbpunft ber 5Diinoriten bod^ ju bem feinigen gemaiä^t l^at, bann
»eil aud^ ber ed^te %^t\l ber SlppeDationSfd^rift ben ^ap^t in ber
l^eftigften 2Peife angreift.
SBal^rfd^einlid^ ift aud& biefer zä)k %^tii ber ©d^rift nid&t ol^ne
ßinmirlung ber 3Kinoriten entftanben. |)ier bel^auptet Submig tt)ieber=
l^olt bie 5Red^tmäfeigfeit feiner SBal^l unb feiner föniglid^en unb faifer*
Ii(^en Sßürbe. 9leu ift babei ber ©a|: e§ fei altl^ergebrad^te 3leid^§=-
getDOl^nl^eit, ba^ bei jmiefpältiger 3Eßa^I ba§ 9?eid^ jenem gebühre, ber
über ben ©egner (im Äampfe) bie Oberl^anb gewinne. 3)em ^apfle
mirb borgeworfen ^ bafe er fid^ bie SRed^te ber 9ieid^§fürften unb tn§=-
befonbere be§ ^foljgrafen anmaße, bem ba§ 9leid&§red^t , toenn öon
einer ©teßbertretung be§ Sönig§ bie SRebe fein foKe, biefe SloDe ju-
meife. 3lu§fü]^rUd^ tüirb bargetl^an, mie ber ^apft unb fein Segat in
bem fonft rul^igen i^tatien, namentlid^ in ben unbeftritten an ba&
5Reid^ gel^örigen ©tobten, f(^redflid^e SSerwirrung l^erüorgerufen l^aben
unb ttJle ber toal^re ®runb ber 2}er!e^erungen ber SSifconti nur in
i^rer 9ieid^§treue liege. 2)ie §anblung§tt)eife be§ ^apfte§ fei nid^t bie
eine§ ©teHüertreterS ß^rifti, fonbern eines graufamen unb l^arten
X^rannen. ©erfelbe rül^me fid^, bafe in furjem bon allen laiferlid^
©efinnten unb ^Inl^ängern be§ SReid^e§ — gemeint finb bie italienif^en
©ibeüinen — nid^t einer mel^r übrig fein merbe, ben er nid^t nieber«
getoorfen unb bernid^tet ^aben »erbe. Deffentlic^ l^abe er im 6on*
fijiorium erllört, bafe er jeberjeit nad^ Gräften baran arbeiten njerbe,^
ba§ ßaifertl^um ber ©eutfd^en, biefe eiserne ©d^Iange, nieberjubrüdEen.
SCBenn unter ben Königen unb dürften ber SBelt 3tt)i^tta(^t ^errfi^e
— foHe Sotiann ertCärt l^aben — bann erft fei ber $apji ber malere
^) S)tc Untcrfd^icbung beginnt mit ben Sorten: Non suffecit autem sibi
temporalis imperii jura attentare, unb reicJ^t to6f)i bi«: Et sie haereticus
notorius est censendus.
— 27 —
^Qpji, bann etft fütiä^tc il^n icbctmann, bann crft lönnc et naä) Se-
ficbcn f(]^altcn unb malten ; inSbcfonbete fei ^toktxaä^t in ©eutfd^lanb-
gleiii^bebeutenb mit ^eil unb Stieben für ben tömif(J^en ^ap[t unl>
bie Sird^e. 3lu§ biefen ©tünben l^abe er toäl^renb beS langen 2:^ron*
^eiteS nie eine Q^iU ober einen SSoten gefd^idt, um biefem Uebel
©Inhalt ju il^un. %m ©^luffe legt fiubmig öon bem t)äpfili(iöett
^roceß ^Berufung ein an ein allgemeines ßonji!, an bie l^eilige Äird^e
unb ben apojiolifd^en Stul^I ^).
Sm 3ufammen]^alt mit ber ganjen ^olitil be§ ^apfteS, mit ben
Sfcufeerungen feines SRei^SöicarS SRobett unb mit ber Sl^atfa^e, bafe
3o^ann fpäter bie SErennung Italiens öom Slei^ bectetitte, toirb man
ni(|t uml^in lönnen, bie eingaben ber StppeDationSfd^rift über feine
beuifd^feinbliiJ^e ©efinnung ber ^auptfad^e nad^ fel^t glaubtoürbig ju
finben. Unjmeifel^aft l^at baS 5)ocument, inbem e§ fic!^ auf bie
SBicberl^olung unb Sertoertl^ung bon bloßen ©erüd^ten einlädt, bie
SBürbe einer ©taatSfd^rift au§ ben 3lugen Derloren ; aber in ber ©ad^e
^atte Submig Stted^t, menn er betonte, bafe ein nationaler ©egenfa^
ba§ Sorgel^en beS ^apfteS beftimmte, unb mer möd^te e§ il^m öer»
argen, wenn er gegenüber ber Ungered^tigfeit beS päpftli^en Eingriffes ^}
lein f altes 93Iut bewol^rte!
9lad^ einer fold^en Slntmort, bie bem ^apjle nodö baju mit ber
Serjd^ärfung ber SJlinoriten julam, mar natürlid^ öon ber ßurie lein
') 2)er üBetticfcrte 5j:ejt nennt j»tf(3^en (Koncit unb Äird^e nodj „ben
filnftifictt rec!^tniS§igcn $apfi"; bicfe Sorte fmb^njo^l au^ Sinf^iebung ber
TOnoriten; toenigflcn« totrb in bem unbcftrittcn cd^ten %^tUt bc« @(i&riftftü(fc*
btc grage naä) ber 9ic(i^tmä6ifl!ci^. öon Sol^aniiS :()äpftlid;cr SBürbc nid^t auf*
getoorfen.
*) 2)ie tereinjctt pel^enbe Singabc be« fdfett'äSiMen aWinoriten ^ermann
®iga« (als Martinus Minorita bei Eccard, Corp. bist. I, 1638), baß bie
?roccffc Sol^annS gegen Jubtoig in Bologna unb $ariS toon 2)octorcn beS ^c^t^
«nb ber Sinologie unterfuc^t »urbcn, »obci fici^ i^te Ungilttgfcit ^erauSgcftcöt
l^c, toitb man taum flreng beim SBort nehmen bürfen. SBenigPenS toaS $arlS
betrifft, fann fie !eine ^ol&e ®Iaub»ürbig!eit beanf^>rud^en unb beruljt T&ier 'okU
\^^t nur auf ber Unterftüljung , xt>tl6)t bem Äaifer mehrere ^arifer ^rofeffovcu
gebraut l^aben; el^er mögen ftd^ bie ^egifien öon Bologna gegen ba« Sorgcl^en
bc« $a^)pe« auSgef proc^en l^aben ; baß W>zxi6) t>on SRofciatc ju 2ubtt)ig ftanb^
toeig man auS feinen eigenen Sleußemngen (Dictionarium an mel^rercn ©tettcn).
®regoromuS* (®efd^i*tc SRomS, VI, 114) Slngabe, baß ?ubtt)ig bie berül^mteften
Ibcotogen unb 2)octorcn, namentlid^ toon Bologna unb $ariS, auf bie ^Spfixie^c
ÄrieggernSrung ju ^atl^c gejogcn l^abe, grünöct fid^r fotoict \^ fe^e, nur auf
Jlbentin. ((B^ronlca, SluSg. ». 1580, @. 394.)
^
— 28 —
ßinlcnfcn ju crlüotten. Snbeffen erfolgte ber entf(^eibenbe ©(|titt be5
^opfte», ol^ne bafe SubmigS 5lppeIIation barauf eingemirlt ju l^aben
f(!^eint. 9Im 23. TOätj 1324 jprad^ 3So^ann, ba bie Termine t)er=
ftrit^en feien, über Submig unb feine Sln^änger ben ffirci^enbann unb
über feine Sanbe ba§ unterbiet au§. 9lm 11. 3uU ertlärte er il^n
fot^ann ber löniglid^en unb faiferlid^en SBürbe unb Regierung öerluftig,
öerbot allen Gl^riftgläubigen i^m 33eiftanb ober ©el^orfam ju leiften
unb lub il^n auf ben 1. Dftober neuerbing» jur SSerantroortung.
2Bir werfen nur noä) einen raffen ©lief auf bie folgenben (£r=
£ignif[e. TOit ^erjog Seopolb Don Oefterreiiä^ ' plante ^ol^ann bem
Könige ßarl bon granheidEi jur römifiä^en Äönig§tt)ürbe ju berl^elfen.
Subtoig felbft, bon taufenb ©d^mierigfeiten bebröngt, bie 5Jla(!^t be§
päpftlid^en 33annflud^e§ auf bie ©emütl^er be§ aSoI!e§ mol^l ertennenb,
l)on ben beutfij^en dürften, bie er burd^ feine tt)ittel§bad^ifd^e .^au»=
politi! gereijt l^atte , grö^tent^eilö im ©tid^e gelaffen , badete einen
Slugenblitf ben ffampf auf jugeben. ®0(^ wenn er ieraanben bie »ffronc
xibtrieten foHe, erflärte er, bann nid^t bem granjmann, jonbern
einem gütften, ber il^m freunblid^er gefinnt lüäre^). ßinem eblen
©efü^Ie unb einer politifd^en (Srtüägung jugleid^ folgenb entließ er
feinen SSetter unb JSugenbfreunb tJtiebrid^ au§ ber §aft unb berjid^tete
balb barauf, falls berfelbe bie päpftlid^e 31nerlennung erl^alten fönne,
ju beffen ©unften auf ba§ 9ieid^ ^). OTel^r al§ einmal ^at ber ^gut=
mütl^ige tJürft, ben ba§ ©efd^itf auf einen Soften gefteHt l^atte, bem
^r nad^ ©eift unb SBitlenSftärfe nid^t gett)a(^fen ttjar, fold^e Sin»
»anbiungen gel^abt, ba^ er bie 2aft einer il^m ftet§ beftrittenen Äronc
<ib}ufd^ütteln berfud^te. 3Iber ftet§ ift e§ aud^ bei ben Änmanblungen
*) (Sin Äanonifcr öon Süttit^, $ocfcmiu«, 6erid^tet ü6er eine Slubicnj, btc
<x gegen Snbe 0!tc6erS 1325 beim $a:^(le l^atte: Cum ulterius quaereret (papa),
quid de Bavaro in partibus diceretur, narravi, qualiter rex Franciae
Carolus per solemnes nuntios illi mandaverat, quod si vellet ei nomen
regni et coronam cedere, utilitate sibi quoad viveret remanente, oränia
dcbita 8ua solveret valde magna. Quibus respondit, quod si vellet tantum
honorem relinquere, alteri potius cederet, qui plus servivit eidem. Quo
servitio de persona regis ad Bavarum relato rex fuit multipliciter in-
<iignatu8. Hie respondit papa: certe verum fuit. Et hoc ideo recito,
ut sit credibile, sicut praedixi, quod reges Franciae ad Imperium an*
helarint. (Chapeaville, Gesta pontificum Leodiensium. Leodii 1613. H, 381).
@. aud^ baS «S^reiben SRarino (^onuto'3 bei Bongars, Gesta Dei per
Francos, II, 310.
*) SScrtrag t>on urm öom 7. Sanuar 1326. @. barübcr Äo\>^), V, 204.
— 20 —
äcblieben. 3)a gricbritj^ bic SScjiätigung oI§ romifd^cr ffönig öon bcr
ßurie fo tocnig erlangen fonnte tote öorbem unb ba bie Sejiel^ungen
ber beiben Settern balb auf» neue erlalteten, ent|d^Iofe ji(j^ Subtoij
tüicbcrum feine ©teHung ju behaupten unb ben Äantpf gegen bir
ßuric fortjujie|en, 3a je^t erft ging er Don ben ^rotepen ju
Späten über.
Um biefe 3^* ^^nt bie jtoeite ©ruppe öon geleierten Sunbe§^
genoffen an ben §of be§ ÄönigS, jtoei SJlänner, öon benen ber eine.
mcl^t al§ aDe onbern auf ben ®ang ber S)inge eingetoirlt l^at, au^
qU ©^riftfteller unter allen benen, bie l^ier in Setrad^t fommen, bie
l^o^fte S9ebeutung beanfprud^t. 6S waren itoei ^arifer ^rofefforen^
^Karfiglio Don ?Jabua unb ^ol^ann Don 3anbun, bie 1325 ober 26-
}u 5lürnberg am lönigli^en ^oflager erfd^ienen-
§2.
Sflatfifilia batt ^abiia.
SWarpglio üon ^abua cntftammte ber bürgerlit^cn gfamilic
tRaimonbini ^) ; fein SJatet l^iefe TOattco. ©ein ©cburläjal^r »irb ntd^t
tDcit Don 1270 ju fud^cn fcin^). ^lod^bem er in feiner SSaterpabt,
Jener blül^enbeu ^flanjf^ule ber ©elel^rfomleit , ^l^ilofopl^ie ftubirt,
t)erlie6 er bie ^eimatl^, um [xä) ber 2Rebicin ju »ibmen, beren ©tubium
i^m fein tJfreunb unb 2anb§monn Slttertino SKujfato öor bem bcS
3led^te§ empfol^Ien l^atte, tt)enn er auf fi(i^erem SBege ju Slei^t^um
gelangen tooüe. @ine ^txt lang foü er ben Seruf be§ ©elel^rten mit
bem be§ Ärieg§manne§ bertaufd^t l^aben; noc^ frül^er fd^eint er mit
€ane bella ©cala unb mit ben SMailänber SSifconti in Serül^rungen
getreten ju fein, über beren ©l^aralter wir iebod^ gänjlid^ im Un»
flaren bleiben.
') Albertin. Mussat. Ludovicus Bavarus betBoehmer, Fontes I, 175:
Marsilius de Raymundinis , civis Paduanus plebeius, philosophie gnarus
et ore disertus. dagegen nennt ba§ unten Bcfrrod&ene SnqulfitionSferotofott tooti
1328 ben i^antiliennamen de Mainardino; fo au4 bie ^abuanet ^iflorifer
Bernadino Scardeoni, f 1574, (Histor. Patavina in Graevius et Burmann,
Thes. ant. Ital. VI, p. 3, 170) unb Nie Comnen. Papadopulos (Hist.
gymnasii Patavini, 1726, größtcntl^eitS au8 Scardeoni gcf(1^8|)ft, II, 154) unb
t>ie meiflen S^ieueren. 21(8 ?onb8mann unb vertrauter greunb 3Rarftg(io'3 bc*
anf^ruit SJiuffato bic l^öd^fle ^(oufetoütbigleit. aSieUeld^t Mt aber ber 5Ramc
ÜRatuarbini, totnn er nic^t auf berborbener 2t^axt berul^tr au^ in ^e^iel^nng
lux gamilic
*) SWan ertöägc, baß er 1312 9lcctor ber Uniberfität $ari8 uub p>x\6fat
1336 unb 1343 geporben ip unb baß au8 bem 12. ©riefe be8 126# geborenen
mtbertino SJ^uffato ixtml\6f \)mtlx6) l^crtoorttingt, baß er an einen iüngere«
greunb gerid^tet tjl.
- 31 —
S)q6 bw 3luff(äölüjfc übet bic Sugcnbjeit gKarrtfllio'S fo bürftig
iinb unfi^er jtnb, bringt bic 2ltt bcr OucDc mit ftd^, bct tolr fic Der»
knfcn. 6S ip eine jmifd^en @rn[t unb ©d^erj gel^altene, mit bem
jelel^rten ©(^mulji bcr §umani[ien gejiertc fteunbfd^aftli(jöc Spijicl
t)on gcrabc l^unbert, toie bcr SSerfa|fer tül^mt, tt)ir il^m j[ebo(^ ni(^t
jugebcn fönnen , fcl^Ietlofen ^ejametcrn ^) , bic bcr aicd^täanmalt,
Diplomat, ©efd^i^tfd^reibcr unb fpäter gefrönte 3)id^ter Sllbcrtino
IKujfato ou§ ^abua feinem SanbSmanne »ibmet*). 3Jlit \ä)mcx6^tU
^after 3lnrebe menbet er \\ä) an ben gfteunb:
Una micans Patavae pridem lax credita teixae,
Praedilecta boni proles benefausta Mathaei.
€§ gel^t bo§ ®erüd|t, fäl^rt SKuffato fort, bafe bu öon beinen l^ciligcn
©tubien ix6) abgemenbet l^aji, bic^ in föifcn l^üBji unb einen fd^tocren
^aujcr trögft. 2)ie erl^abene ^l^ilofopl^ie l^atte bir alleS gegeben, tt)o§
ftc bem 2Bi|fen bieten lann. SBenn bu biiä^ xtSjt erinnerjt, l^aft bu
tnic^, bcr iä) bamalS an bic Sebeutung meines 9lat^e3 nid^t badete,
gefragt, ob id& bid^ lieber ba§ bürgerU(ä^e Sle^t ober SRcbicin [tubiren
We. 9Meine Slnttoort lautete: ^(j^ lenne bein §erj, bein 3nnerc§
t)erjel^rt bic auri sacra fames unb bu berlangft üppig ju leben,
fflenn bi(^ bic eine fiunjl jmingen toürbe mit aller 3lnjircngung bcr
Sunge beine Stimme ju öerlaufen, toirb bid^ bic anbere am franfen
fiörper jur SluSübung niebriger ©cfi^idHid^fcit öcrpfli(i^ten, aber bafür
tüirb bie ®ott unb ben 9Kenf(i^en tüol^lgefäHige §eil!unft bir aud^
€$ä|e bringen mie ber @anb an bcr Äüfte SSenebigS. S)e^]^alb l^abe
i$ bi; jur SHcbicin gcratl^en unb bu l^aft in bcr il^at, um biefen
Scruf }u ergreifen, bie ^cimatl^ öerlafjen. Sebe too^I, rief xä) bir
iamal§ ju; bu foUft ein J^cUcS fiit^t beiner aSaterjiabt »erben; bu
ttägft in bir bic Äraft, beinen 9iamen auf bic gioigfcit ju bringen.
6§ folgen bunllc Serfe, bic anjubeuten fd^cinen, bafe SKarfiglio
ein unglüdtlid^cS Segegnife mit 6ane bella ©cala gel^abt, bafe er
hierauf öon ben SSifcontt in 5JlaiIanb — benn biefe merben unter bem
Silbe ber ©d^Iange als i^rcS 2Bappent^icre§ ju öerftcl^en fein — fcft=
*) Parce, fides loquitur, multum dilecte sodalis,
Si tecum bis centum lusi sine criinine metns.
«)Albertini Mussati epistolae, Nr. 12 bei Graevius et Burmann,
Thesaurus antiq. Ital. VI, 2, 48.
- 32 -
gcl^olten toorbcu fei ^). 9lad^bem i^n fein ßl^rgeij bielfad^ unil^ergetrieben,
gfortuna ober ni(ä^t waä) SBunfd^ belol^nt, fei er ju frül^eren planen
jurücfgefel^tt unb l^Qbe einen bamals berühmten Seigrer bet 5IÄcbicin
oufgefud^t. 3ejt über benfe er an ben JfriegSbienft ttnb fürmal^r^
Dielleid^t fei eS beffer, ber mobernen Stiti^tung ju folgen, im ffrieg unt>
Dom Sfoub als naä) bem l^eiligen ®efe^ ju leben.
SBieberum folgen rätl^fell^afte 5lnfpielungen , auS benen man f ajl
fij^Iiefeen möd^te, bafe SJlarfiglio an ^)öpftlid^en Dienft geböd&t, aber
f^on bamals bie päpftli(ä^e SWad&t bebrüten l^abe:
Credita de summo sit quaequc potentia caelo,
Justa nee unius teneant nos vincula papas')
Quid prohibet multos hoc nostro tempore papas
ConceBsisse suis fundos et praedia posse?
3um ©d^Iuffe ber ermunternbe ^\xx\x\: Sei ber f(^önen Slütl^e
beiner Sugenb l^afi bu , ttjol^in bu bid^ au^ »enbeft , ein frud^tbareö
gelb t)or bir, toenn bu bi^ nur t)on beiner angeborenen lüd^tigfeit
leiten löfet.
2Bie bunfel unb bürftig biefe poetif(^en 9lad^ri(!^ten aud^ finb, fo
erfiel^t man bot^ an^ il^nen mand^eS SBiffenSmert^e. SnSbefonbere
merben burd^ fte bie }mei mid^tigen Sl^atfad^en fidler geftellt, bag bie
ungettjöl^nlid^e Segabung beS Jungen ^abuanerS fd^on frül^e bie 2luf«
merifamleit auf i^n gejogen l^atte, fobann bafe fein ßintriti in bcn
geijHid^en ©tanb erji in reiferen Salären unb nid^t el^er erfolgte, al§
bis er ftd^ in ben ber|d^ieben|len SebenSfreifen öerfud^t unb eine öielbe^
toegte Sugenbjeit burd^Iebt l^atte, unb bie& tt)irft benn aud^ auf feine
fpätere 9tid^tung ein aufl^eHenbeS Sid^t: aus ber Slbgefd^Iojfenl^eit ber
©tubirjiube l^ätte nimmermel^r ein fo freier unb fül^ner ®eift ]^eröor=
gelten lönnen.
') Carpis iter ; sed prob, sors dira sub omine laevo !
Galle quidem primo demulsüs ab ore canino
Implesti faciles saevis latratibus*) aures.
Inde repens Liguresut mox*) migraveris oras
Fama subit, quod te saeva mulcedine captum
Implicuit*) torta saevissima vipera cauda.
*) 2)cr 2:cjrt j^int wrborbcn, aber jcbc C^onjcctur bleibt unfid^er.
*) 3)ie Ibcjei^neten gSortc ftnb anfjjte^enbe Goniectuten SiralbofdöV« (Storia delU
letteratura Italiana, Y,262) flatt: hortatibus, non, implevit.
— 33 —
3n bic Qtxt jmi[(^en biefcm Sricfe 3Jluffato§ unb bet ^atifer
^^ötigfcit aWatftglioS tnüfetc nun fein 9lufcntl^alt ju Orleans faßen,
tüo er mä) Singabc feinet meiften Siograp^en *) guriSptubeni gelernt
ober üud^ geleiert l^aben foll. S)a mmliä) feit ^onoriu^ IlL bie
?5äpfte einerfeit§ in eiferfüc^liger gürforge für ba§ ©ebeil^en Solognag,
dnbcrfeitg um bon ber ^arifer Sl^eologie unb ^l^ilofopl^ic jebe ©efal^r
Wöbli^er Seeinfluffung fernjul^olten, bie 2e!§re be§ weltli^en SRed^teS
in ^ati§ ni(3^t gematteten , fo l^atte fid^ getoiffermafeen jur grgänjung
bc§ ^arifer ©tubiumS eine Surijlenfd^ule in Orleans gebilbet, bic
biefet Uniberfität eine ^nt lang eine gemiffe SSebeutung fid^erte. Mer
SBü^rf^einlici^feit naä) märe e§ ba§ ©lubium be§ 6il)ilte(]^t§ geföefen,
lüaS ben 3Jlarfiglio nad^ Orleans gef ül^rt l^ätte ; ba^er fprid^t gegen
feinen bortigen Slufent^alt fd^on ber au§ feinen Schriften erfid^tlid&e
Mangel an naiverer ftenntnife beS toeltlid^en SRed^tS*), Ja feine auS=
geprägte geinbfd^aft gegen baSfelbe ^). ®a fi(% überbie^ in ben OueHen
fein einjigeS S^i^fl^iB für einen Slufentl^alt SKarftglio'S ju Orleans
^ finben *), anberfeits aber wol^l erflären läfet, tt)ie burd^ eine mi^berjianbene
©teile im Defensor pacis biefe Slnnal^mc entftel^en fonntc^), bürfen
toir fie mit boller ©ic^erl^eit als eine fjfabel berttjerfen.
*) ®o 38(%er0 ©cTcl^rtenleirifon, bie Nouvelle Biographie g^n^rale.
gtlebberg in ^ou nnb griebberg, 3citWrift für Äir^enteO^t, VJII, lil.
*) 2)ie6 muß i6f im 2öibcrf%>rucit 'mit giictberg a. a. Ö. aufrcci^t IJalten.
') Def. pac. 1. II, c. 24.
*) %ix6) in ben mir jugängtlt^cn ©ci^riften Aber bie Unit)ct|ität Ortean«
(Le Maire, Histoire et antiquitez de la ville et duch^ d'Orldans. 2. edit,
1648, f. p. 332 f(gb. : de ruDiyersit^ d'Orldans; Guyon, Hiet. de Teglise
€t dioeceBe", ville et universitd d'Orl^ans ; Lottin, Becherches historiques
surla ville d'Orldans; (gjior, Äteinc @(^riften, III. SBb. 10. @tü(f, @. 185
flgb. l^anbctt nur »on ber beutf^eu Station an ber Unitcrfität O.) l&abe t^ ter*
geblicj nad^ einem foT^en gcfud^t.
') griebberg a. a. O. »ertecip jur SBegrünfcung feiner Eingabe au^brüdtid^
üuf btcfc (Stelle, bie fid^ im 18. (£a^. bc« 2. «ud^S beS Def. pac. finbet: Sic
etiam qui librum hunc in lucem deduzit, studiosorum vniuersitatem
Aurelianis degentem vidit, audiuit et sciuit per suos nuncios et epistolas
requirentem et supplicantem Parisiensi vniuersitati tan quam famosiori et
veneratiori pro ipsius habendis regulis, priuilegiis atque statutis etc. 2)ic5
J^ißt bo4 ni^tS anbcreS , oX9 baß ber SJerfaffer biefe« SBud^c« am ^erfönticä^er
©al^mel^mung toiffe, tric bic ju Orleans bepnblidte Uniterfität burd^ S3oten unb
Briefe fxäf mit gragen unb Oefud^cn »cgen il^rer Statuten unb $ribi(egien an
bie Uniöerfität $ari§ at0 bic bcrül^mterc gemenbct l^abc — unb biefc SBalJr*
ne^ttiung ^at SKarftgtlo natürtici^ aud^ ju ?JariS mad^en fSnnen.
Sltealer, 2Bibetfa$et ber $a))fle. 3
— 34 ^
6nbli(3^ ein fixeres unb ]^o(!^tt)i(|tigc§ 2)Qtum: im Sa^rc 1312^
treffen mir ben ÜJlagifter SWarfiglio öon ^abua qI§ Slector bcr
Uniderfität ^ari§ i). S)iefe Bemeift, bafe er ber 3lrti[tenfafultät ange-
l^örte ,• Denn nur au§ biefer tnurben bamal§ ju ^-Pari§ bie Stcctoren
genommen ^) ; unb ba^ feiner SBal^l jum Sector bie ßrlangung bc§
5Dlagiftertitete unb eine längere 2e]^rt]^ätig!eit ju ^aris, al§ aSot*
bebingung be§ 9lectorat§ ^), f(3^on üorl^ergegangen maren. Um iebo(§
bie Sebeutung biefer SSßürbe ni(i^t ju überf(^ä^en, mufe man fid^
erinnern, bap fte bamal§ öierteljä^rlid^ med^felte *).
ajor bem 33eginn bon 3WarflgUo§ Sel^rtl^ätigfeit ju ^ari§ niu§.
fein ßintritt 'in ben geiflUd^en ©tanb ^) erfolgt fein ; ob er bie l^öl^eren
SBei^en empfangen, Iftfet [\ä) nid^t fcftfteöen. ^Dagegen iji planer, i>a%
er nic^t 9Winorit, fonbern 2ÖeltgeifHi(i^er gemefen; feine beutlic^c
Unterfd^eibung bon ben SKinoriten in allen amtU(i^en Slctenfiürfen ^)
geftattet Ijierüber nid)t ben leifeften 3*ü^if^t').
*) Lambecius, Comment. de bibliotheca Vindobon. ü, 257 (^ÄuSgabe
toon 1669) crtväl^nt zweier bamal« ju SBieii befinbtic^er Uifunbcn, tücld&e 1312-
in feste st. Gregorii (iWarj 12.) toon ben iWagiftern bcr öier g^^w^ftäten
ber Uniöerfität ^ariö, jufammenberufen \)on SD^Ugifter aKarfitiu« toon.
$abua; au^geftellt tvorben. gabriciud (Bibliotheca latin. mediae et infim.
aetatis) l^at bieg gröbtid^crhjeife bal^in mißöcrjlanbcn, bag SWarpgtto SRcctor bcr
Uniöcrfität Sßicn gctocfcn fei; Söc^cr (©etcl^rtenlcjcicon), $ütter (Literatur be«-
ttut\d)m @taat8rcd^t§, I, 68) u. a. l^abcn bicfcn 'ilnaci^romSrau^ gläubig,
nac^gcfd^riebcn.
*) @amgn^, ®ef*. bc6 röm. 9fied(itö im 3J2ittcralter, III, 328.
8) €amgn^ a. a. O. Du Boulay, Hist. universit. Paris. III, 452, 572^
*) Crevier, Hist. de l'universit^ de Paris, II, 250.
*) 2)a6 er bicfcm angehörte, bcttjcijl feine (Srnennung iMm pa^^ü6}tJt
93icar über 9lom burd^ Äaifcr Submig, fotoic feine @ntfc(5ung Don allen firdSfUd^cn
^frünben unb 5Bürben bur* bie «uttc 3ol§ann« bom 9. Sl:|5rit 1327 (Martene
et Durand, Thes. II, 692). dagegen barf in ber Söeicid^nung 2JZarrigüo*« unb-
3anbun8 M boni clerici in bcm Untcrnjcrfungöfd&vciben bc8 ^aifer^ t)on 1336
feine fld^crc ^intocifung auf il^rcn geifiti^en @tanb gefud^t n)crben ; benn nad^
bcm @:|)rad&gebrau4 bcr Seit !ann bieg aud^ l^cißen: tild^tigc ©cte^rte, unb in
bcr S^l^at übcrfc^t eine im I. baier. gc^. -gauSard^ito ju 3Rilnd^cn befinbtidfte
gtcic^äcitigc beutfd^c gaffung beS ©d^rcibcn« btcfe Sorte mit: gut maister.
b. SBcilage HI, Urf. A.
®) 3- ®- bcfonbcr« augcnfci^cinti(5 in bcm faifcrtid&cn ©(^reiben ö. 1336,
9ta^natb, 1336, § 32-34. @c*on au« bcr ©cgcnübcrfteöung bei a^uffatö
(Boehmer, F. I, 175): Marsilius, civis Paduanus — Ubertinus, monachus
ergibt fid^ ba« SScrl^ättnig.
^ S)ie gcgcntl^eiligc, burd^ S3a^tc unb 3iJd^er0 ©clel^rtenfcjcifon »eit ber«
— 35 —
Slu^er feiner Sel^rt^ätigteit , bie \\ä) über ^^ilofopl^ie, Stl^eologie
imb SKebkin, üieKeiiä^t aud^ Äir(^enred|t erftredt l^abea fann, ühk
SRorfialio in 5pari§ auä) ärjtlit^e ^raji§ ^j. SebeutungSöoHer aber für
i^n unb für bie SBelt toar e§, bafe er l^ier, in biefem 3Dlittelpunft unb
^auptfife be§ bamaligen abenblänbifd^en @eifte§Ieben§ , mit ben l^er*
öorragenbften Vertretern ber ^l^ilofopl^ie unb Sl^eologie, bafe er in§=
bejonbcrc mit ben Scannern in Serül^rung lam, meldte in bem ©treit
}tDifd)en ^l^ilipp bem ©d^önen unb Sonifaj VIII. bie 9le(i^te ber tt)elt=
Ii(|cn ©emalt mit geiftigen SBoffen bertraten. §atte t^oä) 1303 fogar
bie ganje Uniberfität für bie ©aij^e be§ ©taate§ Partei ergriffen, in«
bem fie fid^ ber SlppeUation c^önig ^^ilippS Dom ^apfte an ein au«
gemeine^ ßoncil anf(]^Iofe. 3n biefer geiftigen Sltmofpl^äre entmidelte
jid^ nun in 3)?arftgIio jenes borgefc^rittene fir(ä^enpoIiti|(j^e ©t)ftem, baS
er }um 9lbf(]^luffe feiner ^arifer 3:i^ätigfeit im Defensor pacis nieber»
legte. 9la(i| bem allen ® lau ben berbienenben Seugniffe ^apft
ßlemenä' VI. ift e§ inSbefonbere ber bamal§ nod^ in ^ari§ lel^renbe
C(fam gemefen, ber auf bie (Seifle§rid)tung feines italienifd^en ßollegen
tiefgreifenben (Sinflufe geübt ^at ^). 3to6) mit jmeien anberen SKännem,
bie fpöter alö eifrige öunbeSgenoffen fiubmig bem 35aier jur ©eite
[tonben, mag 3Karfiglio al§ Seigrer in ^ari§ jufammengemirft l^aben :
^etcr Don 9l(!^tjpalt mar bor feiner gr^ebung auf ben SJkinjer ©tul^I
in ^ari§ al§ beliebter fiel^rer ber ^l^ilofop^ie unb TOebicin ^), Weiftet
Ulrid) ber ^of maier bon 5Iug§burg, ber fpätere ^rotonotar unb
breitete unb tro^ i^rer SScrmcrfung bur4 2;irabofc^i no^ neuerbingS i?on
S)5öinger unb Sorcnj getl^eiltc Slnnal^mc ift ein Srttl^uni, ber au3 bem öielfad^en
3ufttmmcntt>irlen be« ^^abuoncrS uüt ben SDiinotiten entftanbcn ift unb ber eine
rici^tige 2luffaf[ung bc8 SJianncö öon öoml^ercin beeinträchtigen mufjtc.
^) ®. ba« nntenerwäl^nte 3nquifitionS:|)rototoü. 2Jiit Unved^t beftreitet alfo
^hä (aWarfiglio tjon $abua unb Stbaro 'l^da\}o über ^^3apft unb Äaifer, Äirt^e
unb @taat. 3al^re6beric??t ber l^öl^eren ©ürgcrfc^uk ju 2«ül^cim a. 9?l&cin. 1868.
©. 10), bag SKarfiglio 2lrjt gctoefen. SDaß ©eiftUd^e al8 ^lerjtc mirtten, njar in
biefer 3eit ni^t ungemö^ntid^; fo u. a. bie unten ertvä^nten ^-jjcter ton 2lc!&tj))aU
unb Sol&ann ton ©öttingen, au4 .SBill^etm öon ^reScia, juerft ^^Jrofeffor ju
?abua, bann Äanonüer ju $ari3 unb ^eibarjt ^apft «onifaj' VUI. (Pez,
Thesaurus I, 1, 430).
'^) SRebc $apfl (SlemcnS' VI. bom 11. 3uUl343. @.$öf[er, 2lu8 ^mgnon.
mi^nblungcn ber f. bö^mif^en ©efeüfc^aft ber 2öifienfd?aften t. 3. 1868.
VI. gotge, 2. ©anb, $rag 1869, ®. 20.
^) 55ricf 3ol&ann§ öon ©ßttingcn, iüeibarjte« Äaifcr Submig^, bei Schannat,
Vindemiae 211.
3*
4-
-^
— 36 —
3)ipIomat bc§ ßaijer^, aU ^tocurator ber cnglifci^en Elution an ber
Unit)crfttät ^) unb lüol^l aU ü\xä)emtä)i§,ltf)xex t^ätig geiücfen^).
©d^on in ^ariS [oll nun ^DJarfiglio Cc^rert öetbrcitet l^aben,
\odä)t bcm ^errf(]^cnben ftr(i^It(j^en ©Aftern tt)ibctfpra(|cn. ©eine ©tcHung
an ber Unbcrfität , mo ber re^tgläubige Äönig ßarl ©orge trug bie
päpflli(3^e Slutorität nic^t ontoften ju Ia[fen, fi^ien allmäl^ll(!^ unl^oUBar,
€tn längerer 3Iufent]^alt für i^n gefäl^rlt(i^ ju werben ^). Sa Ien!tc ber
3lu§bru(i^ be§ Äümpfe§ jtüifd^en Sodann XXII. unb bem SBittelSba^er
^arjtglio» 3lufmertfamfeit auf ©eutfd^Ianb. 3SieIIeic]^t l^aben \\ä) Don
ben erften 31nfömmlingen ber 9}itnoriten bei Saifer Submig fjöben ju
bem ^arifer ^rofeffor l^erübergefponnen, ber in ber ^rage ber Slrmutl^
ß^rifti bie flrengere Slnfid^t be§ OrbenS unb beffen Unjufriebenl^eit
mit ben @ntf(3^eibun9en ^apft Sol^annS tl^eitte. %\xä) tüiffen mir, bap
€r in ^ari§ mit einigen ^erren bom §ofe fiaifer fiubmigS 33e!annt=
f(3^aft angrfnüpft l^atte*). ®ie^ mag in il^m ben (gnlfc^Iufe beranket
ober beftärlt l^aben, ba§ unftäte SBanberleben feiner 3[ugenbj[a]^re mieber
öufjunel^men unb fein ®Iücf einmal am faiferlici^en §ofe jU berfu(3^en.
<5in geleiertes SBerl über ba§ SBefen be§ ©taateS unb ber ürd^Iid^en
©emalt unb beren gegenfeitigeä SSerl^ältniß, ju beffen gel^eim gel^altencr
^bfaffung er fid^ mit einem gleic^gefinnten greunbe unb ßoßegcn an
ber Uniberfitöt, ^ol^ann Don 2ianbun, berbanb, foflte i^m l^ieju ben
2Bcg bal^nen. ©o ift ba§ bem Äaifer Submig gemibmete berül^mtc
Su(| entftanben, bem bie SSerfaffer felbft ben Stitel Defensor pacis
gegeben l^aben. (Sanj ^ari§ fprad^ bamal§ babon, bafe bie beiben
©elel^rten in ber furjen S^ii t)on jmei Sölonaten ein fo umfänglid^cS^
fo gele{)rte§ SBerf boHenbet l^atten ^). "
') SBoju 6efattttttid^ auc% bie 2)culf(^cn ge^rten,
2) Da Boulay, Hist. universitatis Paris. IV, 993. SDic ^arifcr 2t^t^
t^ätig!eit U6ertinog öon (£üfalc bagcgcn, ber \pRtzt in Stallen mit iWarfiglto
gufammenmtrfte, bürfte bamalS trollt fd^on Becnbet ge»efcn fein.
3) SButtc gol^ann« ö. 3. %)ßx[l 1327; Martene et Durand, II, 683.
*) gortfefeung 2öil]&elni§ öon iJ^angiö, Bouquet, Recueil XX, 642.
^) @. ba§ unten ermähnte 3nqm(ition8^)roto!ott üBer 9)?arrigtio8 garaulu^
granj 'con SSenebig. 2)a6 ber Defensor pacis in 2öelf(^lanb für ben Äaifer öcr*
faßt tüorben, »eiß aud^ Slöentin (Chronica, ed. Cisner 390). S3cjüglid^ ber furjen
3eit, in ber ba§ SÖBev! entfianben, ift barauf l^injutüeifcn, baß Ocfam ein nal^cju
c5enfo umfängliche^ 2öer! nad^ feiner eigenen Slngabe in 90 2:agctt i^crfaßtc
(Goldast, Monarchia II, 1236). @ol*e ed^nettigtcit erllärt ftd& freili* nur
burd^ bie 2lnnal^mc, bog ba^ Serf in ber ^au^tfacjc im ©eifle bc§ Slutorö
fd^on \?ottcnbet trar, beöor er bie geber anfetjtc.
4
— 37 —
Siatfiglio fd^cini bamol^ in tni^li(3^cn finanziellen Serl^ältnijfen
gemefen ju fein, ba er einen ober jtoei SKpnate öor feiner Slbreife bon
einigen italienifd^en ©tubenten unb SHagiftern, bie in $Qri§ lebten^
®elb borgte unb \iä) borob üble 9la(3&rebe gefallen laffen mufeie. SBill
man ber 3lu§fage eine§ ?lnge!Iagten Dor bem 3nquifition§geri(i^t ^)
^) Examen iudiciale Francisci Yeneti asseclae Marsilii de Padua
t). 20. 2Hai 1328, au« einer ©anbfd^rift ber 3nqmfxtion«bel^örbe toon (£ar=
caffonnc mitgetl^eiU ton Baluze, Miscellanea I, 314 (l^icnad^ toiebcrl^olt bei
Oudin, Commentarlus de scriptoribus ecclesiastlcis, III, 8S6). S)tef€«
$roto!ott cntl^ätt fo eigentl^ümlid^e unb t^cittoeife tt)crtl^öotte !Rad&ri(^>ten , baß
fi(§ n?o]^t bie ajatt^citung feincö iau|)tfä4Ii*en 3nl&aUeg re^tfcrtigt. 1328, 20.
aJJai tüirb ber auf 53efel&l be« ?5a:ppe8 Sodann als ÜWitfc^ulbiger aWarfiglio« »or
®tx\6)t gejogeue granj, angcbtid(> ©ol^ti ber Domina Johanna de Contrata,
St. Mariae Matris Domini de Yenetiis Castellanensis dioecesis, ju ^^tgnon
»erl^ört, unb beantwortet bie an i^n gerichteten grogen in foIgcnber'Söeife: (Sr
l^abe bcm 2J2arfigtio (ber l^ier immer de Mainardino de Padua genannt tptrb)
nur aW ©d^tikr gebient, inbem er i^m ben Stifd^ bereitete unb jutocilen, aber
fetten Sein gab, toit bieg anbere italienifd^c ^d^otaren auci^ getl^an. (Sr fei bcm
3)?arfiglio unb bem Sanbun bei ber abfaffung il^rc« SBud^cö in $ari« nic^t be«
l^itfttc^ getrefcn. Sr l^abe iibcrl^au^t nie gcl^ört, bag babei jemanb raitgetüirtt
au6er SÄarfigtio unb Sanbun, unb jtoar l^abe er na^ ber Slbreifc äÄarftglio«
fagen l^ören, SWarfigtio unb Sanbun l^ätten ba8 ^a6} in ber Seit öon nur jtöei
ERonaten gemad^t; bieg l^be er gel^ört öon äWagifiern, bie in '^axx^ lafen, unb
ton einigen ©remiten, e« fei aber über5au:|>t bamal« in $ari« ba« allgemeine
©erebe getoefen. (Sc glaube nid^t, bag bie S>erfaffer getoagt l^ätten ba« ^n6) in
$ari« JU toeriJffenttid^en. @r l^abc toon bem ^ud^ feine Slbfcibriften gefertigt; er
l^abe ben 3J2arfiglio, al« berfclbe xu i^ubtoig b. 53. na^ 3)eutfd^lanb pücitete,
nid^t begleitet, il^m ©üd^er getragen ober bergl,; er (labc ben 2Warriglio unb
3anbun auger $ari« nie gefeiten; nur einigemate auf ©pajiergängen ober bei
Äranlenbefud^en in $ari« l^abe er bem SDtarftglio [i^ angefd^toffen ; berfetbe fei
namlid^ SWebicincr gcnjefen unb l^abe jutteilen ^rajci« geübt, dt l^abe mit SÖi.
nie corref^)onbirt, l^abe il^m allerbing« junjeilen ®elb gegeben, jebod^ nid^t toor*
fci^ugtoeife, sed ut eum sibi custodiret et inde sibi bursas ministraret, sicut
interdum sibi unum vel duos florenos tradebat; 3W. fd^ulbc il^m nodb 13
$arifer ©d^iflinge. gemer gab er an: Tl. l^abe bel^utfam (cautelose) vorgegeben,
« toerbc ju $ari« einen tl^eologifd^cn (£ur« lefen, unb l^abc bafür toon mel^rcren
feiner greunbe toorfd^ugnjcife (Selb genommen: öon ^errn a^iobert be ©arbi«,
einem $arifer ©tubentcn, 9 ® olbgulben, öon SWagifter ^nbrea« be Sßeate, ©irurgicu«
(S^irurg?), 10 $arlfer «Pfunb, toon iülagiüer «ßeter öon Sflorcnj, ^l^tjficu«, 10
Wben ober 10 ^arifcr $funb. gemcr ^abe er gehört, bag $ccr 3lnbrea« v>on
gtorenj, SRagifter be« ÄiJnig« öon granfreidb, bem 3«. Öelb geborgt babe, bod^
fenne er bie (Summe nid^t. 5luf bie grage, ob bie (benannten bcm SSI. ba«
(Selb bei feiner Slbreifc ton ^ari« nadb S)cutfd^lanb borgten, erllärtc er , bieg
filaube er uid^t, fonbern e« mi5gc »o^t fcfton einen o:er imx SWonatc toox 3Jl.'«
- 38 —
©laubcri fc^enfcn, fo !^at er bog ©elb unter folfc^em SBorioanbe,
nömlid^ gegen ba§ SSerfpreci^en., ein ßoKeg über 3:i^eoIogie ju Icfen,
uub auf 5iimmern)ieber|e^en geborgt.
Sm So^te 1325 ober 1326 müjfen bie beiben ^rofefforen an
2ubtt)ig§ §ofIager , ba§ bamols jU 5Ilürnberg geweilt l^ioben foH , cr=
fc^ienen fein, lieber il^re 3Iufna^me beim Könige l^aben mir ben 33erid^t
eines granjofen ^), ber bei aller rl^etorifcben 3lu§f(i^mü(fung ber S3Ja]^r=
l^eit bod^ nal)e !ommen mag. Per Deo, l^abe i^nen Subtüig jugerufen,
ti)er l^at euc^ betoogen, au§ bem 2anbe be§ gfriebenS unb Stul^mcö in
biefe§ friegerifc^e 3ftei(f), boH öon llnrul^e unb 3Iufregung, ju fomnicn ?
2)ie ©elel^rten antmorteten , mie man f agt : bie SSerirrung , bic mit
in ber ßirc^e ß^rifti erblirfen unb bie mir niii^t länger mit gutem
©emiffen ertragen tonnten, l^at unö ju eudj getrieben. 2)enn ba cud^
Don 3ie(|t§megen ba§ ^aifertl^um jufömmt, ift e§ eure ©a<3^e, biefen
2l6reifc gcfd&el^cn fein. SBo^er er bieg miffe? •— S5on ben ©täubtgern; aW bicfc
$W.'8 Slbreifc erfüllten, bef tagten fie fid^ bei il^m unb brad^ten tl^n toegen bcö
geborgten ®etbc3 öffenttidb in übte Sfiad^rebc.
^) Contin. Ghronici Guillelmi de Nangiaco, Bouquet, ßecueil, XX,
642; fafi luörtUd^ übcrfetjt in Chroniques de St. Denys^ a. a. O. 721; gc-
fürjt in Contin. Chron. Girardi de Fracheto, Bouquet, XXI, 68. 2)ic gort*^
fc^ung W{fyt\m^ öon 5Rangi§ fctjt il^re Slnfunft bei 2ubtt>ig c. 1326. S)a6 fic
nad^ Si^ürnberg famen, crjäl^tcn bie Chroniques de St. Denys; ber Äönig l^at
ft(5 bafetbjt im Saufe ber 3a5rc 1325 unb 26 mel^rmalg befunben. ^cinrid^ öon
SRcbborf (Boehmer, Fontes IV, 554) crtüä^nt ber SStrffamtett ber beiben tu
3)eutfc5tanb f^on gum 3al^re 1324; ba er aber mgteidti auc^ f^on il^rc (Sjcont«
munication berid&tet, bie erji 1327 erfolgte, ifl auf biefeS SDatum fein ©ewtc^t
JU legen. 2)cr 3n5a(t be§ Defensor pacis mcift, »ie mir im jttjetten S^citc
nad^ioeifen ttjerben, auf bie Seit jtoifd^en «Sommer 1324 unb 4>erbft 1326. 2)a6
ber $a:|)ft ev(t 1327 gegen bie beiben 3Ragificr unb il^r ©udb öorgel^t, mu§ unö
toerantaffcn , il^re Slnfunft bei Subnjig nicfot ju früb angufe^en; mären fte fc^on
1324 mit bem Defensor pacis an ben lönigUc^en §of gefommen, fo l^ättc i^re •
SBirf famfett ber Suric faum fo lange \>erborgen unb öon i'^r ungeal^nbet bleiben
fönnen. fRebbotf unb 9lai?natb (1324, § 28) geben an, bie beiben ©ete^rten
l^ätten fdbon bei Stbfaffung ber 2t^)^ettation§f*rift Submig« öon 1324 mitgetoirtt
SSiffani, auf ben fid^ 9la^natb für biefe i)f?a*ri*t benift (1. 9, c. 265, fott I^ei6en:
264) tvcig ni^tS batoon. 2)agegen gibt S3ittani (iMuratori, Scriptores, XIII,
560) an, bic ^)a^)fUi(be ©uttc tjom 13. (fott Ktßen: 11.) Suti 1324 nenne Submig
at§ SBegünftiger ber Äe^cr t>on*2J2aitanb unb ber^?ombarbei e di mastro Gian
di Gandone e di mastro Marsilio di Padova, grandi maestri in natura ed
astrologia ma heretici in piu casi; aber bieg ifl ^inmeberum ein Srrtl^um
SSiaani«, ba bie ^ä»)ftlici^e SBulIc (Martene, H, 660} biefe beiben aÄänner meber
namcntti$ no(ä^ anbeutungStoeife bejeid^net.
— 39 —
Meljiönben abjul^clfcn; bcnn ba§ Äaifcrt^um ift nid&t ber ßird^c
iinterioorfcn, tt)ie man behauptet, c§ beftanb, bcöor bic ffird^c ®omtnium
unb ^rincipat befafe ; au(^ bütfcit auf ba§ ffaifcrtl^um bic ®efe|c ber
Jird^c ni(^t angcmcnbct »erben, bo \\ä) finbet, bafe bie ftaifer mel^r«
fa(3^ pp[te betätigt, ©^noben berufen unb benfelben 3lutorität au*
über bie 6ntf(!^eibung bon ®Iauben§fa(3^en öon 9iei(ä^§tDegen eingeräumt
l^aben; wenn bic ßird^e alfo i^re ßrlaffe gegen ba§ ifaifert^um unb
tieffen grei^eiten x\ä)kk, ^ai fie nid^t red^t, fonbern mit böömifliger
unb betrügerif(^cr ^Inmofeung ge^onbelt. S)iefe SBal^rl^eitcn, berfiiä^crten
ftc, gegen jcbermann öert^eibigen unb, menn nött)ig, mit i^rem ßeben
bafür einfielen ju moHcn.
5Rad^ ber meiteren ßrjö^Iung be§ granjofen l^ötte nun Subtoig
l)iefen Stnfid^ten burd^auS nid^t beigeftimmt, bielmel^r, nad^bem er mit
erfahrenen Seuten barüber SRat^ gepflogen, gefunben, bafe biefe Seigren
profon unb üerberblid^ unb ba^ e§ feine ^flid^t fei iJire Url^eber ju
jlrafen; ba biefelben \eto6) um feinetmiHen 3tmt unb 33atcrlanb t)er=
laffcn, l^abe er gegen fie hoä) ni(^t ftrafenb einf(]^reiten moHen, i^nen
t)ie(mel^r Unterhalt gemalert unb fie naä) il^rem ©tonbe unb feiner
1Blaä)\ mit ®ef(i^enfen unb gieren begabt.
Safe Jaif)ol\\(i)t , in ben fjeiligen ©d^riften erfal^rene 9Känner',
]ä)on bamalS ben ftönig auf bic ^ärefic biefer Se^ren, auf bie ©traf»
tDürbigfeit i^rer Url^cber unb auf ba§ gcföl^rlici^e i^rer 3Iufnat)me auf»
mcrffam gemad^t ^aben, bejeugt auci^ eine SBufle ^apft ßlemen§ VI. *).
€§ lö^t [\6) beulen, bafe unter ben alten einl^eimif(i^en Stätten SubtoigS
monci^cr JlBiberftanb gegen bic fremben 3?eucrcr rege mürbe. 3m
übrigen aber ift ber franjöpfd^e Seriiä^t ungenau, inbem er ben @r=
eigniffen öorgreift. 2lnnä^ernb an bie gef(3^ilberte 3Irt mag fid^ be§
^aiferS'ffierl^ältnife ju feinen rebolutionären älatl^gebern bann geftaltet
l^aben, al§ SKifeerfoIge fein Vertrauen in bie SRcd^tmöfeigfcit feiner
^aä)t unb it)rer JRatl^fd^Iäge erfd^üttert l^attcn. gi^eilid^ mtrb man
iem ffaifer ntd^t allen ©laubcn üerfagen bürfen, menn er fpäter bei
ien lüicberl^oltcn SSerfud^cn eine SluSföl^nuung mit ber ©uric l^crbei'
pfü^ren, fid^ auSbrüdtlid^ gegen bie 3tnna]^me Dcrmal^ri, bafe er ben
^fieorien 5!BarfigIio§ unb 3anbun§ jugeftimmt ^abe. ^ä) bin ein
firiegSmann , f agt Submig , ber bon ben SBiffenfd^aften unb geleierten
©ubtilitätcn nid^tS berfte^t 2). 3in ber S^at lonnte i^m feine geijiigc
^) SSom 12. %px\l 1343, Olenf^tagcr, ©taaWgcf^le&te, Ur!. @. 218.
') Sicut miles scripturarum et literarum subtilitatum ignari (Mf erU^e«
i
— 40 —
Silbung tiid^t erlauben, au§ bem Steife bcr l^ergebtaiä^ten unb aüge»
mein geltenben 3been in tüal^rer innerer Ueberjeugung ju fo lü^nen
^ Steuerungen \\ä) ju erlieben, mie fie bie beiben ©ele^tten i^m öor^
Irugen. ©leid^mofil empfing er bie ^ßrofefforen, bieüeid^t ol^ne \\ä) öon
ber 2:ragtt)eite i^rer neuen ©ebanlen bamal§ fd^on Ilare Sftei^^enfd^aft
ju geben, mit offenen 9lrmen, toeil il^m in bem bamaligen gereiften
©tabium be§ ßampfeg jeber S3unbe§genof[e genel^m mar unb toeit
er füllte, tt)ie fpörlid^ i^m gerabe bie geifligen SSßaffcn, bie \\ä) l^ier
jur SSerfügung fteKten, bisher ju ©ebote gefianben tt)aren. SKarfiglio^
mar i^m übirbie^ als tüd^tiger 3JJebiciner miflfommen unb trat al^
Seibarjt in feinen S)ienft^). Die folgenben ©reigniffe leieren, toziäfm
ßinflufe ber lül^ne unb fd&arfe ©eift be§ Qtaliener^ balb auf ben Ien!=
famen ffönig ju gewinnen mufete.
„3n ben jiten", fagt ber ©trafeburger (S^ronift S^^itfti^e ßlofener ^)r
„mart baj bu(3^ gemalzt, baj bo ^ei^et defensor pacis. 2)a} bemifet mit
rebelid^en fprüd^en ber l^eiligen gefd^rift, baj ein bobeft unb er eime
leifer fol fin unb baj er fein meltliii^ ^erf(!^aft fol l^an. 6§ bemifet
ouc^ be§ bobefteS unb ber corbinal grit (®eij, ^abfud^t) unb ire l^ofart
unb i^re fimonie, bie fü gemonIi(3^ tribent unb fid^ beS befd^onent mit
falfd^en glofen/'
®ie6 ift lein bebeutungSlofer S^^foH/ bafe gerabe au§ einer ber
fräftig aufblül^enben beutf(i^en Steid^Sftäbte bie erfte anerfennenbe
©timme über SKarfiglio ertönt. Qn ben ©tobten lag fd)on bamate
ber Äern ber nationalen DppDfition gegen baS ^apftt^um ^). Unter
1
©^reiben l). 28. Oft. 1336, SRai^natb 1336, §33), unb äl^nÜci^: Tanquam miles^
qui scripturas neecit et potiBsimum scripturarum subtilitates (in bem
©^reiben öom J8. @c^)t. 1343; Gewold, Defensio Ludovici imperatoris, 1 84)»
Sluf bcr irrigen Stuffaffung bicfcr SBortc bcrul^t hjol^l bie Eingabe einiger (Sl^roniften
(Chronicon de ducibus Bavarie, Boehmer, Fontes I, 142, l^ienad^ anbcre),
baß 2ubn>ig fein Latein öerftanb. S3emerfenS»crtl& ip, baß aud? eine gleid&jeitige
bcutfd&c Ueberfe(5ung (SWUnd^ner gel^. ©au^ard^io) trofe il^reö ofpciöfen Sl^aractcr«
bie ©teile in af^nliä^ irrigem @inne toiebergibt: als ein ritter, der vnwizzent
ist der buchstaben vnd der gescbrift subtilitet. @. )6eitage III.
*) Gewold 1. c. 187.
*} 351c (£]&ronifen ber beutWen ©täbte, VIII, 70. SDiefelbe ©teile na*
eiofener bei Äönigöl^ofen (a. a.0. 473) mit bem Sufafee: ba§ fetbebuod^ Ifetber
bobeft abcgeton nnb bi bem banne berbotten guo fci^ribenbe ober juo lefmbe.
•) 2)ieß jeigt fid^ u. a. in bcr Irt, tt)ie bie ©täbte auf ben granffurter
9fieid(i«tagen bon J338 unb 1344, tüte S3afel unb grantfurt bei ber 2o«f^)red^ung
t>om ^nn auftraten. (Boehmer, Fontes IV, 251, 416.)
J
""■''M n,b,„ aber nnh Ol Bri°'° »»"'""»liSKr 8ü6r« "5
§ 3.
SttbtoigS 9lomerattg. ^ie Zf^mttlUx üU ^xaitiitx.
Sodann tiim S^^i^^ttu.
2Jltt Scginn be^ Sal^te^ 1327 traten ßretgniffe ein, bie bem
IBetl^ältniffe jmifd^en Subiüig unb bem ^apfte eine neue Sffienbung
-gaben ^). ßafttuccio unb bie oberitaIientf(|en ©ibeüinen , tmä) ben
päpftliii^en ßatbinallegaten Settranb unb ben §erjog Äarl öon
©alabrien, ben ©o^n ßönig 9ftobert§, f dornet bebtängt, l^atten einen
3Kinoriten na(i^ S)eut)^Ianb gefanbt, um Submig unter bem aSerfpred^en
<iu§giebiger §ilfe jum S^^Ö^ über bie 2(Ipen 5U be[timmen^). S)er
ßönig lam naä) Orient, tagte bort im Januar unb gebruar mit
feinen italienif(3^en greunben unb befd^Io^ auf il^r ©rängen, unber»
jüglid^ in Italien einjurüden. SBa§ fid^ bon ©egnern 3o]^ann§ bi§]^er
f(ä^on um Submig gefammelt l^atte, ftanb i^m in biefen SSagen mit
9iat]^f(3^Iägen unb ^rebigen jur ©ette^). SDiarfigUo inöbefonbere ber=
') (Sine geipöoHc S)arfieflung öon ?ubtoig0 9ftömerjug gibt ®rcgorobtu8
im 6. SBb. ber ©cfd^i^te 9?om« im ÜJJittetato. ^0^^^ SRateriaUcnfammtung,
bie im 4. unb 5. SBanbe feiner ©efc^i^tc ber eibgcnöffifd^cn S5ünbe niebergetegt
ift, ein ungemein fleißig gearbeitete«, in ber Süßeren Duefienfritif ebenfo öor*
treffliche« wie ber inneren ermangeTnbe« 2Berf , reid^t gegenwärtig in! ber erftcn
Slbtl^eiiung be« 5. «anbe« m 1330. 2)ie Seit Don l^ier biö 1343, too ber
^uffatä ^' SBeed^« über Äaifer Subwig unb ^^Ja^it (Sternen« einfetjt, ift ber am
njenigften burcS^forfd^te Slbfc^nitt toon Subwig« a^iegierungS^eriobe..
*) Fragmentum historiae, au« einer $anbf(i^rift be« Sßatican« mitget^cilt
ton Jpöfter, Urlunbl. Beiträge gur Oef^. Äaifer Subwig« (Oberöa^erif(]&c«
2lr*iö, I, 110).
') ^iHani (Muratori, Scriptores, XII f, 610): Et nel detto parlamento
(Trentino) piuvicö (Ludovico) non dovutamente papa Giovanni 22. essere
«retico e non degno papa, opponendogli 16 articoli incontro e ci6 fece
•con consiglio di piü vescovi et altri prelati e frati minori e Predicatori et
Augustini, i quali erano scismatici e ribcUi di santa chiesa, e con loro
I ,
— 43 —
breitete mit großer 33crebfamfeit öffentUd^ feine Seigre ^); 3o^önn§
Sntfd^eibung über bie geiftliti^e Slrmutl^ tourbe al§ ^auptl^ebel gegen
eingelegt, unb menn man SiHani glauben baxf, fo l^aben bie
iferlid^en SLI^eoIogen , in beten Greifen man Dorn ^a<)[te nur mel^r
al§ bera ,,^riefter ^o^^^nn" fpra(j^, bemfelben \ä)on in 5trient in
\iä)]t\)n 91rtileln feine ^e|ereien naci^gemiefen unb fogar bie 6jcommuni=
cation über t^n au§gefpro(j^en ^).
^nx bie gelelirten SunbeSgenoffen SubmigS toar nun bie ^txt
gebmmen, ba fie i^re 2)octrinen in SL^aten umfegen fonnten. 3n§=
fie[onbere mußten bem SKarfiglio unb bem Ubertino Don ßafale bei
6teignif[en, bie fid^ auf i^rem baterlänbifiä^en S3oben bofljogen, be=
beutenbe Stollen gufaHen. S)ie beiben merben benn a\xä) öon bem
gut unterrichteten 5!Kuffato al§ bie 3Känner genannt, beren SRat^»
fi^Iogen Submig auf feinem itaUenif(]^en 3^19^ ^auptfäd^Iid^ gefolgt
fei^). S)en fc^mermiegenben ßinflu^, ben jumal ber fluge unb ge= 4-
töQnbte 3JiarfigIio bei Submig gemonnen l^atte, lä^t un§ anä) eine
jtüeite poetif(%e ©piftel er!ennen, bie 5Kuffato, bamaB al§ Verbannter
in ß^iojja lebenb , !ur j üor ober nad^ beginn be§ 3iömerjuge§ an feinen
SaubSmann riiä^tete ^).
„©0 ^at bi^ benn", ruft 2Kuffato bem greunbe ju, ,,bein 2Beg
on ben !aiferli^en ^of geführt unb naä) fo öermorrenen ©efc^icfen
tDirft bu ie|t öielleici^t fommen, um beinem SSaterlanbe §ilfe ju
bringen. SJlan fagt, bafe bu burd^ Slat!^ unb Ermunterung beim ßönig
fluf ben (Sang ber tüid^tigen 6reignif[e toirfft*). 3lun mögen fid^ bie
^abuaner freuen, bafe i^r SJlitbürger ju fo l^ol^en gieren gelangt ift.
Subtoig aber tt)irb gett)i^ ein ganj jutierläffiger ©d^irml^err fein, einer.
era il maestro della magione (l. nazione) delli Alamanni e tutta lä settina
delli apostati e scismatici di christianitk. Et intra li altri piü forti e.
maggiori capitoli, ch* apponessono (t. opponessoDo) al detto papa, si
rinovö la questione mossa in corte, che Christo nou hebbe proprio, et
erano nemici della sants^ povertk di Christo ; et intomo a cio piü articoli
di scandalo in fede; e piuvicamente elli scommunicato e simile i suoi
prelati continuo facea celebrare l'officio sacro e scommunicare papa
Giovanni e per dilegione chiamavano il papa Prete Giovanni.
*) «uÄc 3ol&ann§ ö. 3. Slprir 1327, Martene et Durand, n, 683.
*) Boehmer, Fontes I, 175.
*) Albertini Mussati epistol. Nr. 12 Bei Graevius et Burmann, Thes.
ant. Ital. VI, 2, 48.
*) Diceris hortator series et pondera rerum
Consiliis stabilire tuis et sistere regi.
- 44 —
bcr uns tnxä) S^itl^^^n öUcS jurüdbrlngen tüirb^). iJebe mol^l! ®ott
leite bi(3^ unb jenen Äönig, ben fi(i| bie ganje SCßelt tüünjc^t! Um
eines aber bitte \ä) V\ä), mein Sieber, menn bu bem !aiferli(3^en gelb=
lager folgft, bafe bu bann bie gortfiä^ritte , bie Segebenl^eiten unb
tapfern Staaten öerjeiii^neft, bamit iä) fie einft in baS fßnä) aufnel^men
lann, lüorin \ä) ben 9iamen biefeS ff önigS öerewigcn tt)itt ^)."
5luf ben SSerfammlungen ju Xrient f(j^eint ]xä) nun unter bereinter
6init)irfung einerfeitS ber püd^tigen ^arifer ^rofefforen unb SWinoriten,
anberfeits ber italienifd^en ©ibeHinen jene ^Politil feftgefe^t ju l^aben^
toüä)t fortan 2ubtt)ig'§ Sluftreten gegen ben ^apft beftimmte. ©ie
lag barin, bafe ber urfprünglicä^ ftaat§re(i^tli(]^e ©treit in engfte SSer»
binbung mit t^eoIogif(3^=bogmatif(j^en fragen gejogen tourbe, »obei eS
bie 9latur ber ©a(^e mit fid^ brai^te, bafe bie lejteren ba§ Ueberge=
tt)ic^t erl^ielten. S!luf biefem 33oben mufete ber Äampf ju biel ent=
fd^eibenberen ßrgebniffen fül^ren: brang Submig mit feiner 9ln!Iage
gegen ben ^apjt megen ff e^erei bur(^, fo »ar i^m ber ©ieg auf bem
ganien ©d^Iad^tf elbe gefiltert ; erlitt er aber mit feinem liebergriffe auf
ba§ bogmatifd^e ©ebiet eine 5yiieberlage ; fo mu^te fid^ bie gebrau(|te
SQßaffe gegen i^n felbft menben unb i^n fd^merer fd^öbigen oI§ ftaat§=
red^tlid^e ober militärifd^e ßinbuffen. 2)er ffaifer ift megen feiner 6in«
-f mifd^ung in eine rein lird^Ud^e Slngelegenl^eit oft getabelt morben,
aber gibt man nur einmal ju, bafe päpftlid^e ©riaffe nid^t unfehlbar
feien — unb bei Sol^annS 6ntf d^eibungen in ber SKinoritenfrage lag ja,
tt)ie er felbft einräumte, ber SBiberfprud^ mit benen frül^erer ^äpfte
offen JU SSage — fo mufe man anerlennen, baß SubtoigS SSorgel^en
i-
^) Hie patronus erit vere certissimiis, hie est Unus, qui nobis
eunetando restituet rem. SWan totrb bicfe @tcttc auf Subtoig bcjiel^cn müfjcit
ba toon aÄarfigUo unmittelbar bor* toie nad^i^cr in bet jireiten ^ctfon gc*
f^)ro(3S>cn hJirb.
*j SBcfanntticä^ l^at SWuffato frätcr in bcr S^l^at einen Ludovicus Bavanis
»erfaßt, bcr bcffcn italicnifd&cn 3ug crjä^lt; toic anbÄ0al6 in jenem ©rief ifl aber
bie ©cjtnnunfl gegen ben Äaifcr, bicau§bicfcmS3ud6cf^)rid(>tI SD^anl^atbicSBal^f,
entmcbcr in ben ^cugcrungcn bc« SBricfcö, i?on bcnen 3Wuffato crirartcn burftc, baß fie
burd? SWarfiglio ju ben Ol^rcn bc8 Äönig« gelangten, nur kcrc ©^mci^cleicit
unb SSerfud^c auf ^ubnjigS ^unfl ju crbUdcn ober anjuncl^men, baß fid^ iWuff ato^
©timmung in golge bcr römifd^en ©ctoaltmaßregcln bc« ÄaifcrS unb uncrfäUtcr
Hoffnungen gcanbcrt ^at. S)a8 letztere ft>irb too^ l^öl^ere SBal^rfd^cinlid^fcit be*
anf^rud^en bürfcn. Ob aber SJ^arfiglio bie SBtttc feincS grcunbc^ crl&iJrt l^at
unb bcmnad^ Oucöe für bcffcn ©d^rift über Ü!ub»ig ift? 3^ mü^iU bie gragc
cl^cr bcrncinen.
J
— 45 —
in ganj natütU(]^er SBeifc au§ bem Soben bcr mittclaltcrnd^cn SQ3eIt:=
dnfii^auung crtt)u^§ ^), xotlä)t bor ollen anbeten fragen bte in Settad^t
}u jie^en gebot, ob ber 9Ren}(^ nid^t etwa ein Äe|er fei,
2Bet xoar aber ber jujiänbige Siicä^ter für gntfd^eibung über
^Jäpftlid^e 9ted^tgläubig!eit? 3laä) fird^Iici^er 3tnf (j^auung , bie freiließ
unter ben übertt)U(^ernben päpjilid^en 3lnfprü(ä^en erjl wieber aufge-
graben unb an§ Sage^Iid^t gejogen werben mu|te, !onnte nur ein
allgemeines ßoncil über einen ber ^ärepe berbäd^tigen ^apjl ri(3&ten.
€in foI(3^eö ift benn aud^ in ganj correcter 2BeiJe bon fiubmig f
*ci feinen erflen ©d&ritten gegen ben ^apft in 3lu§fi(j^t genommen
tüorben. SGßenn babon in ben entfd^eibenbjien ^al^ren be§ ffampfe§
nic^t me^r bie 3ffebe iji , fo erflärt ^ä) bieß jebenfaHS babur(3^ , bafe
iem Jlaifer gegenüber bem gefd^Ioffenen Sufammenl^alten be§ (5arbinal=
^oHegium» unb ber weitaus überwiegenben 5!Kaffe ber §ierard^ie ber ^
©ebanfe ein allgemeines ßoncil gegen ben SBillen be§ ^apfteS ber«
fammeln ju fönnen al§ ein ^imgefpinft erfd^einen mufete. ©ollte
nun Subtüig bie Dppofition gegen ba§, maS il^m bon anfd^einenb wol^I
unterrichteter ©eite al§ bogmatifd^er ^tttl^um feines politifd^en SBiber«
fa(|erS bejeid^net mürbe, befel^alb fallen laffen, weil il^m baS pofitibe
^eii^t baju feinen SRaum bot ? Slber bewegte fid^ i)enn fein ®egner f o
fletDif[en]^aft in ben ©d^ranfen beS Sled^tS? SBar eS benn nid^t eben
ber ^apft gewefen , ber ben grieben juerjl gebrod^en , ber burd^ feine
ijorbetung eines SReid^SbicäriatS unb eines Unterfud^ungSred^teS ber
beutfd^en ffönigSwal^I ben JRec^tSboben juerjl berlaffen, ber' bei feinem
^orge^en gegen bie SBicegrafen bon ^ölailanb, gegen bie SJlarfgrafen
bon @fte unb gegen Subwig felbft in ber friboljien SBeife lird^lid^e
3ft)angSmitteI im ^ienfte feiner politifd^en Sntereffen berwertl^et l^atte?
Unb weiter, tonnte man bie ungel^euere SBerfd^iebung beS 3led^tSber=
l^ältniffeS jwifd^en ^apft unb Saifer, bie fid^ feit ^al^rl^unberten bolI=
jogen ^atte , emftiid^ als eine mit Uebereinftimmung beiber ^Parteien
in ftreng red^tlid^en gotmen boDjogene 2lenberung bejeid^nen? Serul^te
biefelbe nid^t tl^eilS auf pöpjilid^en Slnmafeungen, tl^eilS auf 3uge=
fidnbniif en , weld^e bie ^äpfte ©d^ritt bor ©d^rttt bon ben beutfd^en
Königen in ber ^toti) erpreßt l^atten?
®urdÖ berartige Erwägungen mag SubwigS Sorgel^en beftimmt
tDOtben fein, SUlit l^inrei^enber 83erebfam!eit l^atte eS ber Defensor
*) 3)icfelbc luffaffung pnbc td^**auSgefpro(^ett bei Sorcnj, ^apfltoal^l unb
Mfcrtljum ($rcn6if*e Sal^rbild^er XXXI f, 45).
u..^
Y
— 46 —
pacis bem bcutfc^cn ifönigc ju ®emüt^ gefül^rt in meieret Sage man
ftd^ befanb gegenüber einem ©egner, ber jeben Slugenblid au§ bem
Sauberjd^rem feiner päpftlid^en SWad&lboIIfommenl^eit Don 3le(^tfä|en
l^erüorl^olen lonnte, tt)a§ er eben brauchte unb buri^jufe^en erwarten
burfte. SQBie man bon bem in ber Slotl^mel^r Befinblid^en nid^t fordern
barf, bafe er mit bel^utfamer Ueberlegung bie ber ©c^mere be§ 2ln=
griffe genau entjpred^enbe SOBaffe mäl^Ie, fo mod^te Subtoig glauben^
burc^ ben ungerechten pöpftlid^en 3lngriff jur Slnwenbung aud^ un*
regelmäßiger SBiberftanbömittel ermäd^ligt ju fein. SBie meit er aber
barin gelten burfte, ol^ne e§ mit ber öffentlid^en 3Keinung ju ber*
berben unb aDe errungenen (Srfolge mieber auf§ ©piel ju fe^en, war
eine grage ber politifd^en 3^^rfwtä|^g^^it unb ^ier jeigt ber 58[u§gang,
bafe biefelbe bon S^bwig ober bielme^r bem leibenfd^oftlid^en @ifer
feiner SRat^geber nid^t rid^tig beantwortet morben ift.
Söenn fi(^ ber 2BitteI§bad^er auf ein Koncil berief unb feinem
©egner eine 3InMage auf ße^erei entgegenl^ielt , fo al^mte er ba§
93eifpiel nad^ , ba§ erft öor jtoanjig 3ia^ren ^l^ilipp ber ©d^bne im
Kampfe gegen ^apji Sonifa^ gegeben l^atte. Safe be§ franjöfifd^en
Königs SSorgel^en bamal§ geglüdt toar, mod^te ba§ ©ewid^t ber 9latl^=
fd^Iöge berftär!en, burd^ weld^e ie|t ben ^önig feine ^oftl^eologen auf
benfelben SBeg wiefen. Sie fe!^r woren aber bei jenem ©treit in
- granfreid^ alle SSerl^ältniffe ber meltlid^en (Setoalt günftiger gelegen !
S)er franj5fifd^e ^errjd^er l^atte in ber SEIjat föniglid^e 3Rad^t befeffen^
bem 33aier loftete e§ SWül^e feine 5lutorität ju bel^aupten. ^enem war
fefter SftüdE^alt gewö^rt in einer Station, bie boK ftoljen ©elbftgefül^te
gegenüber öußeren g^^^^^tt eintröd^tig juf ammenl^ielt ; im beutfd^en
aSoIfe fanb Subwig nur fd^wöd^Ii(^e§ ©emeingefü^I unb fd^wanfenbe
Parteien, bie ber augenblidtlid^e 3Sort!^eil be^errfi^te. ®er granjofe
l^atte feine '^xzXt auf eine 9lrt t)erfoIgt, bie in tjielen ©tüdEen ba§
©egentl^eil be§ 2BitteI§bad^er§ bejeid^net: auSbauernb, tl^atfräftig , bor
feiner ©ewalttl^at jurüdEfd^redfenb. ^I^ilipps (Segner enblid^ — unb
biefe gab ben 3lu§fd^Iag — war ni(^t wie ^apft Sodann XXn. burd^
ben ©^u^ einer enjberbünbeten unb ftarfen weltlid^en SWad^t bor
jeber perfönlid£)en ©efö^rbung gefid^ert gewefen.
-Y 9lad^bem Subwig bie ^ulbigungen ber Iombarbif(^en ©täbte ent==
geg'engenommen ^) unb in 53lailanb — wo TOarfiglio wieberum gegen
*) $ter fei auf eine, toic c§ fd^cint/Dertorcne @c^rlft l^lngetolef en , bercn
2lt6erid^ i)on Slotciatc im Dictionarium unter Italia crtväl^nt: quaedam
— 47 —
^K^-. J^""^ ptebigteO - ou^ ber ^anb ber cxcommunicittctt
^i)C9orc gncbri(^ öon Srcfcia unb ©uibo Don STrejjo bic ttalicnifd^e
«;om8§fronc empfangen ^atte«), überftteg er bte Slppenninen, i)er«
J^^^^^ fem |)eer burd^ bie iruppen [etne§ möd^tigjien »unbeSgenojfen
^a|truccio eoffrocane, bejmang ^ifa, liefe ba§ feinbli(^ gloreni jur
^eite liegen unb rütße gegen »om , too i^n bie günjiigjien aSerpIt«
mne etjoüttefen. ^opfl ^o^ann ^otte e§ mit ben »ömern öetborben,
oa er auf i^te toieber^olten 9lufforberungen jut SRüdfe^r nad^ ber
croigen ©tabt nur leere SBorte ^atte. ©o tuar im gtü^ia^r 1327 ein
^manh ausgebrochen, bie Stn^änger SPönig 9lobert§ tourben Der-
meDcn unb eine bemofrotifc^e ^Regierung eingefegt, bie unter fieitung
Jat ^ ®"öt^o ßolonna bie Singriffe ber ©egner glücflid^ jurü(f=
Im-i^ ^^"^ SBiberfianb ju finben , ja öon jubelnben S5ott§maffen
reftiid; geleitet, jog Submig om 7. Januar 1328 int »atican ein,
mr> min brängten [xi^ ©cj^log auf ©d^Iag bie ejtremften TOaferegeln.
9 h • .^^* ^(^nmx übertrug eine 93olf§DerfammIung auf bem ßapitol
^libmig bie ßaif erfrone; am 17. »urbe ber «önig Don ben gebannten
•<^M<9öfen Safob öon eaftetto unb ©erwarb öon 3lleria gefalbt unb
pulcherrima epistola, quam condidit quidam judex Lombard us, qui sibi
Domen suppressit, quam scripsit d. Ludovico imperatori tempore Job. pape
^l et eam intitulavit Viam Italie.
2 @*rci6ctt ber ©Jailanbcr bei SRoi^nalb, 1332 § 15.
V @incn bcad&tcnömcrt^cn Stimmungöberie^t au8 bicfer Seit gibt ber 33rtcf
mxmo eanuto9 auö SScncbig an einen ber (Surte na^epel^enben q3rä(aten bei
^^ongarß, Gesta Dei per Francos II, 305, 306 (ba« 2)atum 1326 bafetbfl ijl
m 1327 3u änbcm). 55>cr SScncitaner h)ünf^t ben ©aicr mit ber Äir*c au^ge»
\m, bamit fi(5 bcrfclbe an bie <B^ii^t eine« Ärcui^ug« fleücn tßnnc. »SBeffere«
m^tü unb Befotrberö ba« bc« ^Q^)pe8 öorbel^alten , um ganj cl^rcrbietig in
m^i% fo glaube ic^, bag c« bittig unb fromm n?ärc (sanctum et pium), baß
¥cr «aicr, nad^bcm er einmal nac^^ Stallen gefommen ift, »icber ju ©nabcn
«;%tiommcn n?ürbc .... Söcnn ®ott in feiner aßilbe unb @uerc öercl^rtc SSätcr-
"«elt nld^t bie ^anb bagtüifc^en legen, fo tonnte (au6 bem etrcitc be« ^a^fle^
^t^ubtutg) fo große (Bpaltun^ unb fo großes Unl^eil cntftel^en »ie bei ben
'^'cjjcn, meldte fid^ öon ben ?otcinern getrennt l^aben. SWögen »ir baöor be-
^rt bleiben; benn biefe 2)cutf*cn fmb fe^r tü^tige Seutc (fortissimae gentes)^
J^8 35r bcffcr totgt alö i*; fo auc^ bie Sombarben; aber in ber Sombarbct
m bic mm^^m me^x ßeriebcn unb tteniger gutmütl^ig (magis subtiles et
^aütiosi homineö) unb n>ürben fid& um ein @(j^iöma nt*t öiel Ülmmern.- (Sin
*ttnal fdjreibt ^omtlux (1. c. 310): bie ?agc xft f*recfli*: über ber «yälfte
J^^i^eit unb ntc^r unb barunter fo fielen, bie bo* fromme ©o^nc beir
^^t jinb, rul^t it^t bic fc*tt>erc (S^communtcation.
Aa^
— 48 —
liefe \\(S) inxä) ©ciarta ßolonna al§ ben crjlen bcr ijict ßrönung^*
f^nbifcn, XDdä)t in SSertretung be§ tömif^en S3olfc§ l^anbcltcn, bie
Äai[erftonc auf§ §aupt fc^cn.
„9BcI(3^c 2tnmQfeung Don biefcm Saicr!" Hagt bcr t)öpiHi(^ gc»
finnte SSiUani^); ,,in feinet (S^ronü, Qlt ober neu, toirft bu finben,
bafe ft(^ ein Äaifer, fo feinbUd^ et au(3^ bet Äitd^e gcpnnt Moax, anber§
Itönen liefe qI§ öom ^apft obet bejfen fiegaten; ba§ mat al\o eine
ttjunbetfame ©efd^i^tc mit biefem S5aier!"
9lbet Subraig ging no$ weitet. 5ia$bem il^n ein tömif(i^e§
'Parlament am 14. 9tptil gebeten, gegen Sol^ann toegen i?efeetei ein^
pfd^teiten, liefe et in bet %i)ai am 18. in einet iweiten SJoIteöet'
fammlung bie Sbfe^ung beS ^ap[te§ wegen me^tfad^et ^ätcjten er*
Koten unb bie Std^t oütn benen btol^en, bie bem ^^dob Don ßa^orS
fottan al§ ^apjie gel^otij^ten. 6t bulbete eS, bafe bet ?ßöbel eine
©Itol^puppe, bie ^ol^ann öotftellte, inxä) bie ©äffen f^leppte unb
Detbtannte ^). 9lm 23. 3IptiI fafete eine Dom ffaifet betufene SBolK*
4)etfammlung ben 33ef(i^Iufe, bofe jebet ^opft in Sftom wol^ncn unb bie
^tabt nid^t ol^ne gtlaubnife be§ SSoIfeS betloffen bütfe. 6nbli(]^ am
12. 3)lai liefe bet ffaifet burd^ ba§ S3oI! einen einfältigen 3)Jinotiten,
^ctru§ aHainalucci bon ©otbata, jum ^apft toH^Un, tootauf ber
1Bif(3^of 3afob ^on 6afieDo i^n falbte, bet ftaifet felbfl i^n bepötigte,
Itönte unb ptodamirte. Unb wiebetum gab man bem jubelnben
SSoIfe ein nie gefel^ene^ ©(^aufpiel, inbem fi(^ am ^fingjitage bet
-Äaifet unb bet neue ^opft gegenfeitig bie Ätonen auffegten.
@o toatb butd^ eine SReil^e bet tebolutionätften ^anblungen, bie
je Don einem gefrönten Raupte ausgegangen finb, miebet in Salinen
dngelenft, bon benen fid^ bie gntwtdfelung bietet Sö^tl^unbctte ent«
fetnt l^atte. „2öie fid^ einjt bie ^äpfte mit bet ©emoftatie betbunbcn
J^atten, um bie ßaifet ju befömpfen, fo l^at Subwig an baS bento»
ftatifd^e ^tincip üon bet 3Kaie[tät be§ tömifd^en SoIfeS appeffitt" s).
Qn bet S^at l^atte et but^ Söa^I unb fftönung feine faifetU^en
*) X, cap. 54; Muratori, XIII, 633.
•) (Sin angcbli(ic8 2:obc§UTtl^cll gegen Sol^ann, baS W^mtx in Subwig«
siegelten unter ^x, 995 terjefd^net unb über beffen ^x6)tUa6)tmQ buri^ bie
neuefien ® cfd^lÄtf d^rciber ?ubtüig8 er fid^ »unbert , mufetc er f ^ätcr fctöjl M
aWigöerftanbuife erf(ären (Addit. I, «S. X; öergt. au^ Äo^)p, V, 280). 2)a6
auf bic (Sntfiel^ung bc§fctBcn bie SBerSrennung ber @trol^^)u|)^c getcirft l^ai6cn mag,
i|l fd^on toon ©cfetc (Sonciriengefd^id^te, VI, 519) 6emerft njorben.
^) ^rcgorotoiu«, VI, 160.
— 49 —
9te$te auf bie SouDerönetöt beS 93oIte3 begtttnbet; et l^aite ouS faifer«
(id^r SRQd^tboIIfommenl^eii geijllid^e Remter berliel^en ^) ; er l^atte ben
unter ber ^Ileinl^errfd^aft be§ ^opalf^jtemd fajt berfd^oHenen ©a^,
bag QU(](| ein ^ap^ in üe^eret DerfaDen unb bann abgefegt . toerben
!önne, mieber }u @eltung gebra(!^t; er ^atie naä) alter, aber burd^
bie pöpftlid^e ©efe^gebung längjl befeitigter @itte bie SBa^I bei» ^a))fie§
bem romifd^en 93ol! unb JNeru3 }urü(igegeben, feine Seftötigung unb
Ar5nung felbft ju Rauben genommen. Unb biefer neue ^a))ft mar
ein einfad^er 93ettelmön($ , bie S3ertör)}erung be§ ^rincip^ jener
Q))ofiolif(!^en Slrmutl^ uj^b ©<]^Iid^t^eit , bon ber fid^ bie ^ixä^t, mie
SttbmigS 3:]^eoIogen flagten, fo »eit entfernt l^atte.
9luf ben erften 33li(f lann eS auffallen, ba| biefer fü^njie aller
mittclalterlid^en 3lngriffe auf bie fird^Ii(i^e Orbnung üon einem an
®eijt unb ß^aralter fo fd^toad^en, aller ^fil^nl^eit unb ©elbftänbigleit
baren ^errfd^er auSgel^en tonnte, wie fiubmig ber Saier mar; bei
näherer Setrad^tung jeigt fid^ aber gerabe in ber ©d^möd^e unb Un»
felbjlänbigfeit beS ftaiferS, bie il^n ben ginpiiffen geijiig überlegener i-
Sat^geber ttillenloä preisgab, bie @r!lärung für biefe SSorgönge. ®enn
bie Snitiatibe berfelben ifl gemife nid^t bon fiubmig ausgegangen,
äßenn man in ßrmögung jie^t, bag bie eingefd^Iagene ^olitil burd^»
QuS auf ben ©runbfä^en fu|t, bie im Defensor pacis entmidtelt finb *,
— baS aSoI! Sröger ber ©ouberänetät ; bie ^aiferlrönung burd^ ben
^opjt eine blofee Zeremonie ; ber ^apft unb alle ürd^Iid&en SBürben»
tröger ein^ unb abfe^bar burd^ ba§ 3SoII ober beffen SRepräfentanten,
ben Äaifer; bie flirre berpflid^tet, jur 2lrmut^ be§ apoftolifd^en QtxU
olterS jurüdjulel^ren — menn man ferner don t)en beftunterrid^teten
3eitgenoffen , öon SKuffato, SSillani, Dom 5Diinoriten 9iitolau§, Don
^Qpft 3o]^ann unb fpäter öom ffaifer felbft einen größeren ober
geringeren i^eil ber aSerantmortlid^teit für biefe ©d^ritte auf fiubmtgS
9lat^geber, inSbefonbere 9KarfigIio unb 3anbun, gemöljt fie^t, fo
!ann man nid^t jmeifeln, ba^ in ben geleierten S3unbe§genoffen be§
ÄaiferS in aSerbinbung mit ben gibeHinif^ gefinnten SRömern , inSbe»
. fonberc bem möd^tigeu ©ciarra ßolonna, bie eigentlid^en Url^eber ber
rcDoIutionären SRaBregeln öom Januar, 9lpril unb 3Kai 1328 ju
fud^en jinb. 3)ie Sage ber S)inge unb bie Sl^eorien 3KarfigIio§ famen
jidö bamalö in merfmürbigcr SBeife entgegen. §ier eine Seigre, meldte
^) 2)a« pä^jitici^e SJicariat in SRom (f. unten) «nb ba8 ©i^tl^um gcrrara
(Ikt. to. 1. Tiai 1328, «ö^mer, ?Rr. 2706, Addit. I).
»teilet, aQßibetfadöct bct ^pSjjfte. 4
l!
- 50 -
mä) öntilem 50lu|icr baS SSotf als bic DueHe aDcr öffchtü^cn ®maü
ctitärte ; bort aU einjige ^attci, auf bic fi(3^ bct Äalfer ftü|en fontite,
SSoIfömaffcn, bte noi) erfüllt »aren don bcn ateminifccnjen antifcr
^errlt^fcit ^) unb bic bcn JBciocrber um bte Äaiferlronc mit Segeipe-
ruitg aufnal^mcn. 6S ift augenf(j^cinli(]& tid^tig, toaS SKuffato ju er^
jäl^Icn iDcig, ba^ Subtoig naä) 9erat]^j(j^kgung mit SJ^arfiglio, Über»
lino unb anberen fcincS ©efolgcs befiä^Ioffcn l^abe, jt(j^ bem römi?4«ti
Solle öottftänbig unb rüdt^altloS in bic 2trmc ju njcrfen*), 3taii
Singabc beS ^apfteS ^) maren c§ bann 3ÄarfigIio ünb ©ciarra , bic
bcn Äaifcr bcftimmten, einen auS. gibeflinifd) gefinntcn fficrifern gc«
bilbetcn SBol^Ifal^rtauäfc^ufe tron ©^nbücn einjufe^en, ber i^nen al§
gefügiges SBcrfjeug bienen fotttc, ber bic (Sntfc|ung Qo^annS mie bic
SBal^l beS (ScgcnpapflcS burd^f ül^rtc , ber übcrl^aupt bic SRafd^ine ber
aSolfSparlamente auf bem ßapitol in ®ang fc^tc. 21I§ gemeinfame
aSerfafier bcS 3lbfe^ungSbeaetc8 gegen ^ol^ann Dorn 18. 3lpril enbüd^
»erben mieber 9Har[iglio unb Ubcrtino bejcid^net *).
®ie)e§ merfroürbigc ©ocument^) muffen mir als SluSbrud beS
ejtremften ©tanbpunfteS, ber [\ä) im Statte beS ffaiferS gctlenb mad^te,
nö^er inS Slugc faffen. Unter ©erufung auf bic auSfü^rtici^cren
StppeDationen , bic Subtoig fomol^I für fii^ als in ©ad^cn beS ganjen
SWinoritenorbenS eingelegt ^) , micber^olt eS junäd^ft gegen bcn Sßapft
') (Sola bi 9!ten}o mag ft^ bamafö ats 14 ober I5jia]^riger ^naibe an ben
bur^ Subtoig gebotenen ©d^au^telen, an ocn SBal^lcn, ÄrSnungen unb SSottS*
toerfammlungcn bcgeiflert l^aben.
*) Boehmer, Fontes I, 175: Cum his (Marsilio et Übertino) et reli-
quis sue communionis consilio firmato decretum est, populi Romani in-
ductionibus consiliisque adherere nee ab eorum consiiiis ac 'assensibas
discedere. Ipsi decemant, suo senatus tribunatusque consulto in omnibus
parendum.
^) ^6}xt\bzn an Commune, Uniocrfität unb SBoIf öon 9^om, 9la^nalb
1330, §. 40, 41. @. au6) 9la^nalb 1328, §.11.
*) SJluffato bei Boehmer 1. c. 175, 176. 2lm 12. 3)ec. 1328 tourbc ba^
Urtl^cil in «ßifa toiebcrl^olt tseröffentti^t. @. «öl^mer, SRcgcflcn, 5«r. 1011;
Äop^ V, 1, 440 u. 275.
«) Muratori, Script. XIV, 1167 — 1173. m^mtx, 9fir. 981 u. 982 toer-
jctc^nct bic weiteren ©rudorte. ©inen au^fül^rüc^cren Slu^jug gibt Äopp, V,
273—280.
^) Appellatio prolixa unb appellationes tarn per nos quam pro parte
totius ordinis fratrum minorum ac notabilium magistrorum in sacra pagina
ipsius ordiüis consilio et assensu . . . interiecta. $iemtt fddeint alfo Subtoig
bo^ bte S5eranttoortli(ät!eit für ben motten Snl^alt feiner ©aci^fenl^aufer S^^cfiatieu
— 51 —
bic anflogen ouf Ackeret in bcr gtogc bcr 9ltmut^ 6^rl
mulirt bicfclbcn in fcd^S Slttileln. ®aju fügt c8 jioei n^ ,
leien: hai ^ol^onn bcr ftitd&e ben Sep^ be§ S(!^IäffcI§ ber SDBiffcn»
f^ft )u befreiten fti^cine, unb bofe er bcl^aupte, bcr ^apjl lönne 6nt» +
f(i^ibungen feiner ä^orfal^ren in ©o^en be§ (Bloubend unb ber Sitten
lüibcnufen ^). SBä^rcnb man aber bor öier 3obren gegen bie f)ärefien
beS JJJapfteS ^Berufung an bie SUräje ergriffen ^atte, wirb je^t, naä^^
bem ^\ä) bie &:f olglojtgleit biefer Berufung unb bie Unmöglid^teit eined
allgemeinen ßoncilS J^erauSgefteUt ^at, in biefer @ad^e ein neuer @tanb"
punit eingenommen, ben nur bie 9iot]^ bictiren lonnte. 2Ran erllärte
bafe ber Sßapft burd& Sluf jleKung unb SBert^eibigung biefer S^^Iel^ren
bereits ipso facto aQer titci^Iid^en SBärbe unb ©emalt beraubt unb
jebe »eitere Slnflage unb Serurt^eilung unnöt^ig fei. 31I§ ob bic
Scrfaffer felbft bon ber 33obenIofig!eit einer fold^en 9lnf(3&auung über*
jcugt gcttjcfen wären, nehmen fie in bie SWotibirung ber Sered^tigung
i^re§ 35orge]^en§ nod^ ben roeiteren ©a| auf : bem Saif er fei eS burrj^
bie ^eiligen l^anonen jur ^^lid^t ^tmaäji, bie innerl^alb ber jfird^c
toiber ©laubcn unb ©itten ^anbelnben mit meltlid^er bemalt nieber=
iu^alten.
SluBcr ben bogmatifd^en fe^tt e§ nid^t an anberen SJefd^merben
gegen ben Jßepft : au§ ben ©d^ä^en , bie er feit bielen 3a^ren bon
aDcn gnben ber Äird^e angebliiä^ für baS ^eilige 2anb gemaltfam bon
ber ©eifHid^feit eintreibe, au§ bem Serfaufe geiftlid^er 5Pfrünbcn an
foI(i^e, bie bur(j^ 3ltter, fiebenSroeife unb Jfenntniffe berfelben unwürbig
feien, unb \>nxä) trügerifd^e SSerfpred^ungen bon ©naben unb ©ünben*
HQi^laB an ©teile be§ ©oIbe§ rufte er S33agen unb Sioffe jur Ärieg»
fül^rung. dagegen laffe er bie ^ilfSrufc gegen bie Ungläubigen au§
Slrmenien unb bem Sleid^ ber Slut^enen ungel^ört berl^aHen, ja in
^reufeen f)obe er bem ^eutfd^meijier auf ba^ ftrengfte Seobad^tung
be§ 2BaffenfiiIIftanbc§ mit ben Ungläubigen eingefd^ärft. S)ie glottc,
bie ber Sönig bon granfreid^ bem fat^olifd^en Könige bon 3lrmenien
gegen bie ©arajenen ju §ilfe gefd^idft, l^abe er gegen bie reid^Streuen
©enuefen bertoenbet. 6r bermeffe fid^ jugleid^ faiferlid^er unb priefter«
üd^er 5Jlad^t, mö^renb bod^ ©ott bie beiben ©emalten in Unabhängig-
ju übernel^men , bcrcn bogmatifc^cn Sl^eil er fpäter at« gä^ung bcjciii^netc.
2)te gntpttung bc« 9f?otar« Utrli« bc« SGBilbcn über bie Untcrfd^iebung wirb
«S \^ttx erfolgt fein*
^ S>ic6 »enbet ftd^ gegen bie SSutte Quia quorundam, f. unten §. 4.
4*
^..
— 52 —
!cit gcorbnct 6öbc. 6t mafec \iä) an bie red^lmöfeigen SBal^Icn öot«
trcffliij^er 5Kännct jit ftürjcn unb bie S)omIir(j^cn il^cr 3ßaf)htäi\z
ju Berauben. (5r l^abe gegen auSbrüdUiJ^eg SSerbot ß^rtfti unb gegen
SJetufung beS 5lpofteI§ ^etruS 3lom, bie l^eillge ©tabt, feinet perfön«
l\ä)tn (Segenmart beraubt. 5la^bem enblic^ auf bie äbfe^ung 5Pobfi
3o]^ann§ XII. bur^ iJaifer Otto I. al§ ^räjubij l^ingemiefen »orben,
tt)irb Sol^ann XXII. beS ^apfttl^umä unb aller lird^Iid^en SBürben
entfe^t unb ber meltlid^en Obrigfeit überliefert, um ate fiejer bie
öerbiente ©träfe ju leiben ; bei ©träfe be§ fiel^enSöerlujieS unb bcr
^ä)t wirb jebermann aufgeforbert ben 3Sacob öon (SaÖorS fortan als
ße|er ju bel^anbeln.
SSergleid^t.man biefe» Urtl^eil mit bem Defensör pacis, fo jeigt
ft(^, bo| ein jtl^eil ber Sll^eorien be§ legieren l^ier ju rüdfi^tSlofer
Änwenbung gebraci^t mirb. S)od^ entfprid^t baS* S)ecret nid^t öbKig
ben ©runbfö^en biefe§ SBud^eS; wenn j. 33. üom Slpoftel $etru§ gc«
fagt wirb, er forbere bie Slnwefenl^eit be§ SßabfleS in giom, fo ftc!^|
biefe§ Sugeftänbnife an bie 3flömer in auffaüenbem SBiberfprud^ mit
jenen ßapiteln be§ Defensör pacis, wo ber Suf^mmenl^ang ^etti
mit 9lom bejweifelt unb ber barauf gegrünbete römifd^e Sßrimat be=
ftritten wirb ^). ©erartige ©teilen be§ 5)ecret^ wirb man alfo wo^t
bem Ubertino öon ßafale jufd^reiben muffen; biefer wirb überl^aupt
öorjugSwcife aU SSertreter ber bogmatifd^en Dppofition, ^Karfiglio ba=
gegen al§ Slepräfentant eine§ Don allgemeineren ®efi(ä^t§pun!ten ge«
leiteten poUtifc^en 32Btberftanbe§ aufjufaf[en fein. 3lm ganjen le^rt
ba§ Sldenftüd, bafe ber Äaifcr nad^ ben erffen ßrfolgen feiner SRat§»
geber, beren ^olitif fid^ ju bewähren fi^ien, ba§ SBort burd^auS an
biefe abgetreten l^at.
SBie feltfam unb eigentpmüd^ ift biefe (5rf(^einung ! S^l^eoretüern,
beren ;3been tl^eilö ben jeitgenoffifdfien weit borauSgeeilt finb, t^eiß
an antiquirte 3inftitutionen anlnüpfen, gelingt e§ eine praftifd^e SBirf»
famteit ju bet^ötigen, weld^e bie SBelt in (Srftaunen fe^t, i^re Seigren,
wenn aud^ nur t)orübergeI)enb, in§ 2eben ju fül^ren, ben erften 2Mad&t»
^aber be§ (StbfreifeS al§ abgefegt ju erüören, unb i^m einen 3tai^'
folger nad^ i^tem ©inne ju geben.
35or allen anberen mu^ man 9KarfigIto al§ bie ©eele biefer
Umwäljung bejeid^nen. 6r foH erft auf bie 5lad^rid^t bon bem
^) Pars II, c. 15, 16, 18, 22.
— 53 —
oßdlxä^ erfolgten ßtnjugc SubtoigS 9iom betreten l^aben^). ©einer
S^ötigfcit bafelbji lie^ er bann burd^ eine amtlid^e ©tellung Unter»
ftü^ung unb Sefröftigung geben. Submig übertrug il^m an @teQe
bc§ Sif^ofS öon 35iterbo, ber bem ^apft ^ol^ann Sreue bewahrt unb
fi(| mit ber 3Ke]^rjof)I beS ftleruS au§ 9lom entfernt l^atte, ba§ 9lmt
cine§ pöpftlid^en aSicar§ für 3iom ^) unb bamit bie erfte geiftlid^e SBürbe
ber ©tobt. 3la(i) päpftüt^er Slngabe ift SOlarfiglio in bicfer 6igen=
fc^oft mit ben äufeerften 3^<^"9§^^^*<^I" 9^9^^^ i^"^ ßlerüer öor?
gegangen, toeli^e Subtt)ig§ ßjcommunication anerfannten unb ba§ öon
3ol^ann über 3tom öer^ängte unterbiet beamteten*). 2)cr ^^Jfarrer
Don ©t. SEr^pl^on, ein Sluguftinereremit, ber fid^ weigerte ©otteSbienfl
iu l^alten, fott bamate, bem aSoIfe jum ©d^aufpiel, an einen Sallen
gebunben, ben unter bem ©apitol gehegten Sömen au§gefe|t unb fo
nol^e an bie Sepien ^erabgclaffen worben fein, bafe fie ben ©trid feiner
fiutte jerrijfen, ol^ne ba^ bie ©tanbl^oftigleit beS 9Mönd^e§ erf(](|üttert
toerben fonnte*).
2ß§ SWarfiglio fo ejtreme aWaferegeln öeranlaßte ober tt)enigften§
bulbete, l^anbelte er bereits unter bem ©inbrucfe päpjtlid^er Ur^»
t^eile gegen i^n felbft. Sängfi toar man an ber Kurie auf bie-
3lgitationen ber jmei entmic^enen ^arifex ^rofefforen aufmerifam
geworben. Sie SSuDe bom 3. 9Ipril 1327 ^), toorin Subtoig öorgelaben
wirb, um baS llrtl^eil megen feiner ffe^erei ju empfangen, ift baS
erfte pöpftlid^e Slctenfiücf, worin SRarfiglioS unb 3o]^ann§ bon Sanbun
ßrtoä^nung gefd^iel^t. ©öf)ne be§ 3Serberben§ unb 3ö9Kn9^ "^^ 35er»
bammnife werben fie ^ier genannt, bie fiä^on an ber Uniberjttät $ari§
mehrere Safere lang il^re ^örer bom SBege ber SBal^rl^eit abgeführt
Ratten. ®a fie bort, wo bie 3lutorität eines latl^olifd^en Surften blü^e
unb bie Uniberfität mit einer güHe rechtgläubiger 3:^eoIogen unb
^) @o Berid^tct ttJcnigPcnS bag (©(^Tciben beö ^apjlc« Bei Sla^nalb,
1328 §. 10.
*) ^at^noXb 1328, §. 9 u. 10.
') 1. c.
*) ®o ber Sluguftincr SlegibiuS öon SSiterbo (16. Sal^tl^.) unter Berufung
auf einen älteren ©eroal^rgmann, ol^ne jebot^ gcrabc ÜWarfigUo mit biefcr 2:^at
in SSerbinbung ju bringen. (Obctba^er. Slrd^ib I, 109). S)a6 man toon^aifcr*
(ii^er ©eite burc^auS ni^t gemägigt vorging, jetgt au* bie wn SSittam (X, 74)
benotete Verbrennung jaeicr Sln^iänger ^a^fi Sodann« bur^^ aiinieri ba gag*
ginola, beh Subtoig, al« er noci^ SSelictri jog, al8 Senator in 9lom jurüdgelaffen
^attc.
») Martene et Durand, II, 683.
— 54 -
ftanonijien gefd^müdft fei , nid^t gcioagt Ratten baS ®ift i^re§ 3Ba^n^
jinneS fcrnerl^m ju öctbreiien, feien fle ju Subwig geflogen, l&fttten
il^m ein Su(3^, öoD öon Strtl^ümern unb Äejeteien, tiberrci(]^t nnb fld^
erboten, beffen ^[nl^alt )u beril^eibigen unb ju üetlänben. ^a% Subtoig
tl^nen @d^u| gemalerte, wirb unter feinen fiä^werften SSergel^ungen
aufgeiäl^It.
SBenige Jage fpäter ^) »urbe gegen Die beiben jugleid^ mit
onberen l^eröorragenben laiferlid^eu ^[nl^ängem toegen Slid^ta^tung
ber pöpfiliij^en ^roceffe unb SSegünftigung beä 8aier§ bie ©träfe ber
ßjcommunication au^gefproci^en, SJlarfiglio unb Sonbun toerben in
bem ©ecret wegen Verbreitung Don Äe^ereien no$ ganj befonber§
l^erborge^oben ; beibe befinben lid^ unter benen, bie aller ^xäfliäftn
^frünben unb Sürben entfe^t tt)erben. 3w perfönlid^er SRetä^tfertigung
wirb il^nen ein Termin Don dier ?Konaten gefejit.
3taä) Slblauf biefer gfrift unb nad&bem fid^ einige, Sted^tgläubige
beeilt l^atten bem ^apjie einen 9lu§}ug au§ bem Defensor pads ju
überfenben, erging am 23, Dftober gegen SKarfiglio unb 3önbun eine
befonbere SSuHe ^), bie fie al§ flejer ertlärte unb pd^ mit eingel^enber
SBMberlegung il^rer Jitrtpmer befaßte, fjfolgenbe il^rer @ä|e werben
al§ ]^äretif(^ Derworfen: bafe ?petru§ feinen SSorrang bor ben übrigen
SKpojieln gehabt ; bafe ber ffaifer ^äpfte ein» unb abfegen f önne ; hai
mä) ber @infe|iung (S^rifii alle ^riefter gleid^e 9Iutoritöt befafeen unb
ba§ 9Ke^r ober 9Kinber il^rer ©ewalt nur auf tt)iberrufli(3^er lieber»
tragung burd^ ben Saifer berul^e; bafe ^apft unb ßird^e ol^ne 6r=
mftd^tigung be§ ÄaiferS feine ©trafgekoalt befä^en; unb baß K^rtftu§
nid^t au§ ^erablaffung ober Siberalität, fonbern nad^ notl^wenbiger
SSerpflid^tung bem Äaifer 3;ribut gejal^It l^abe.
2)ie Vorgänge in SRom riefen natürlid^ neue päpftüd&e (Sriaffe
gegen bie fü^nen 9lepoIutionäre l^erbor. @in ©(^reiben So^^annS bom
26. gebruar 1328, ba§ an feinen geiftlid^en SSicar für 9lom, ben
Sifd^of JJlngelo Don Siterbo, unb ben SIeru§ ber ©tabt gerid^tet ift
unb biefelben wegen il^rer Sreue belobt, nennt bie beiben ^rofefforen
jwei SBeflien, ^erDorgegangen au§ ben Slbgrünben beS ©atan§ unb
au§ bem ©d^mefetpful^I ber §ölle^). 5)er ßarbinalbiafon 3o]^ann
^) ©uttc i>om 9. 2li)ri( 1327, 1. c. 692.
•) 1. c. 704. 3" t«" *>on W^mtx in ben fRegcflen ^a:|)P Sol^annS öcr*
Aciiä^ncten tocitctcn 25rudfortcn ifl nad^jutragen: D'Argeirtr^, Collectio iudicior.
de nov. erroribus, I, 304.
*) Sei SRa^natb, 1328, §. 7.
- 55 —
ton ©t. Sl^eobot ctl^iclt ben Scfel^I / *>ö§ xmx^i^t Soll jur ®e*
fangetinel^tnung SRatfigliod unb 2ionbun§ }u beranlaffen unb, ha il^m
ber 3«8önfl jut ©lobt ni^it offen ^tf)t, ju bicfcm 3tt>^* ^^«^ Solfe»
t)erfQmmIung in bft 9lQ#arfd(|aft anjuberaumen. 96et inmitten ber
beutfd^en ©d^teetter maten bie taifetlid^ Stätte gegen )ebe 9Bittung
ber pä|)pd^en S)eaete gefidfeert.
^n bei neuen ^ietatc^ie, meldte Submig ber an 9ü)ignon l^ongenben
gegenfiberjuPellen gebeerte , tooren bem SRatfi^io unb Sanbun jroei
toid^tige Sofien jugebad^t, auf benen ber ftaifer tl^ctlräftiger unb unbe«
bingt ergebener 2eute beburfte. SDlarfiglio foH nämlid^ nad& einer Eingabe,
bie man nid^t unbead^tet lajfen barf, jum @tibifd^of Don SRailanb er«
l^oben toorben fein ^) ; üon 3anbun ifl ftd^er, hai i^n ber Äaifer jum
Sifd^of Oon gerrara ernannte. SBeibe fxnb jebod^ nie gum antritt biefer
Stellungen gefommen,
SBir Idolen l^ier nad^, toaS ftd^ Oon 9RarfigIiog treuem @efö^rten
3o]&ann oon Sanbun berid^ten läfet. 6S ifl »eit toeniger als Don
SRarfigUo, roie er gemi| aud^ im Seben neben bem bebeutenberen
©enoffen im f)intergrunbe ftanb. ©o Diel ifl fid^et , bafe er ein
granjofe toax^). S)er Heine gleden Sanbun, toonad^ er [xä) nannte.
') «ufle i?om 15. 3H)tit 1328, 1. c §. 10.
*) Bemardini Scardeoni Eist. Patavina (üraevius et Burmann, Thea.
ant Ital. VI, 3, 170): 9Wan liejl in ben Annale» Patann., baß SWarftfiu«
t)on ^bua J328 tocgen feiner au»geiet*ncten Äenntniffc jum ©r^Wof wrt
SWailanb etl^oben njorbcn fei. (6o nati^ ©carbeom au* «pa^bopoU, H. 154.)
3)ie ton ©carbeoni genannte Duette »ermag x6f nid^t na^sutöcifen. 2>ic <Sa*e
in bur*au« ni*t unglouBtoürbig ; bie Ernennung mag erfolgt fein, al« ba«
uon 3)?arfiglio bi^l^cr beHeibete ^mt eine« ^<H)ftti<!^n 95icar« für bie ©tabt bei
bem «bjuge gubttig« bon «om bebeutung«to« geworben »ar. aRarfigtio f^cmt
iebo* bie naie @teße ni^t angetreten iu ^aben; jebenfatt« l^at er bic Söürbe
nur hirje Seit beHeibet, benn im 3annar 1329 ernannte ber ®egcn^a^)ft bcn
3o]^anne8 SJifconte jum (Sarbinal ber Äir^ SKailanb {^opp V, 1, 4d2, 453),
b. §. tool^l (Sarbinal unb (grjbif*of t)on iWattanb. r. ♦; ok
») Magister Johannes de Gonduno, natione Gallicus. U)ntin. i^nro-
nici Guillelmi de Nangiaco, Bouquet, Recueil XX, 642; na* ^^t Cont.
Chron. Girardi de Fracheto, 1. c. XXI, 68: mag. Job. de Genduno OaUus
(onbere üefearten: Gonduno, Jaoduno, Jenduno); bie Chroniques de St^Denys,
bie bei atter Uebeteinftimmung mit ber Contin. Chron. Guill. de N»b|^ Jtex
bo* an« cigent^ümlid^e« l^aben (1. c. XX, 721): maistre Jehan ^e Jfu^^
teoW 2lmx für Jeiidun). 2)ie Angabe, baß er au. ®ent ^^^^;^^-
m^m Staciu« Stt^^-^cu« im Katalog. t^«^\r Ifl'^.TU ^^^ r^"'
ilaminen au« f*re<^ter Ueberticferung ober 3ni6t>en»anbm6 be« iRamcn« Jan^
— 56 —
Hegt in ber ©Kampagne jtt)i[(iö^w ülct^cl unb SWciiercS, SBic Ddom
toax er ©ci^üler be§ ®un§ ©cotuS, icboti^ öon ben Seigren feinci^
SReiftcr^ öielfad^ Qbtt)ei(i&cnb ^). 9Ran bcp^t bon i^m einen Kommentar
iur ariftotelifc^en SRetapl^^fif *). 3m Saläre 1315 »irb ^t an ber
Uniberfität 5ßari§ al§ magister artistarum erwähnt ^). ©eine 5Kit«
arbeiterfi^aft am Defensor pacis ifi burti^ ba§ 3^"9^ife ^^^ ©tubentcn
fSfranj t)on SSenebig unb ber päpplid^en aSerbammung^buDen l^intäng«
Ixä) verbürgt; anberc publiciftifi^^e ©d^riften öon il^m finb ni(i§t
bef annt *).
2ßie mir au§ einer päpftlic^en SuIIe^) erfel^en, tpar er ©eiftltc^er;
bem SKinoritenorben aber ijat er fo mcnig angel^ört mie SWarfiglio*
5Dlit 2JJarfiglio ging er au§ ^^ari§ an ben §of Äaifer fiubmigS^),
mit i^m im laiferlii^en ©efolge naä) Italien, mo feine Slnmefenl^eit
in 3iom bejeugt wirb ''). ©o wiberfu^r i^m Don ©eite be§ $auPe&
öud^ ööllig gleid^e Sel^anblung mit feinem berühmteren ©ollegen®),
mit bem er überhaupt faft immer jufammen genannt wirb.
9Im 1, 5Dlai 1328 ernannte il^n ber ffaifer jum S9if(3&of bon
gerrara^); auf bem SOßege na^ feinem neuen 33eftimmung§orte iji
3anbun im 9Hai ober 3uni 1328 ju Stobi gefiörben. 3la6) SSBabbing ^^)
foll er borl^er feine ^rrtl^ümer bereut ^aben; aber biefc Slnnal^me ijl
burd^ nid^tS ertniefen unb l^öd^ft unmal^rfd^einüd^.
'■■ ^ •
dunum. ©ianbone ifl bie italiantfirtc gorm. 2)ie 9}icinung , bag er auö $c*
rugta »ar, ift au8 ber fatf^en ?efeart: magister de Perusiis jtatt P(ar)y8iiw
in ber Srel^er'f^en 3(u§ga6e be« ^einric^ öon 9iebborf (öcrgl. Boehmer, Fontes^
IV. 554) entfianbcn. Xxxif^m. (Chron. Hirsaug. II, 202) nennt il^n gar
3ol^ann )>on l^anban).
^) Wadding, Annal. VI, 137.
*) Ucber Sanbnn al6 ^l^Uofo^l^en f. ^:ßrantl, ®efc^i(itte ber Sogi! im Stbenb*
tanbe, III, 273; Renan, Averroes et l'Averroisme, p. 269.
3) Du Boulay, IV, 95.
*) 2)enn ber Tractatus seu informatio de nullitate proeessuum etc.
toirb il^nt bei Goldast, Monarchia, I, 18 fälfd^lit^ beigelegt; ber 3rrtl?um ber
Ucberfc^rift ift fd^on in ber 35orrebe biefer 3lu«gabe öon (Sotbaft felbp berici^tigt.
*) Martene et Durand, II, 692.
^) Baluze, Miscellanea, I, 314.
') @. bie unten ernjäl^ntcn vä^ftlic^cn Urt^eitc gegen SJiarfiglio unb 3anbun.
«; Martene et Durand, II, 683, 692, 704.
®) Boehmer, Addit. primum, Nr. 2706 u. Ficker. Addit. tertium, p.
424: Johannes de Genduno, Kemensis diocesis. S)a 3anbnn in ber 2)iöiefe
9?§eim« liegt, ift bie ^ejiel&ung biefer Urfunbe auf 3o§. t)on 3anbun jtoeifeTlo«.*
^^) Annales, VI, 137.
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i
— 57 —
ScjilgliiJ^ fcincS 6nbeg jiofecn toir auf einen jener rötJ^fell^aften
SBiberiptüd^e, an benen bie ftetS nur fragmentarifd^ auftretenben '^däf^
ri(i^tcn über bie[e t<?e|er fo reid^ finb. ^xä)ad üon Sefena öermal^rt
^ mnüxä) in einem au§ ^Ründ^en Dorn December 1332 batirten
©d&rciben an ben 9Kinoritengeneral (Serarb 6ubcS gegen beffen Unter«
jlcllung, bafe er mit Sodann öon 3anbun in SSerbinbung geftanben
fei, utib bemcrft bagegen : befanntUd^ iji Sanbun ju Sobi f(j^on ge«
jlorben, beöor iä) na6) ^ifa gefommen bin ^). S)emna(^ ttJäre ganbunS
Sob auf bem 9lömerjuge Subroig^ nod^ öor bem 28. 3funt 1328 er«
folgt 2) ; bemi unter ber ate notorifd^ borau§gefe^ten 21nf unft ßefena'§
in $ifa lann feine anbere öerftanben fein, al§ ba er fid^ bon Slbignon
ba^in püd^tete. dagegen nennt ber ifaifer in feinem an ^apfi Senebift
geri^teten UnterwerfungSfii^reiben öon 1336 ben 3o^ann t)on 3anbun
unter benen, bie er „ausjäten unb auswerfen" tooDe ^), bie man alfo
ioä) nur al§ lebenbeüorauSfe^en, beren SRel^rial^I man als lebenbe
na^tDeifen fann. 3ebeS biefer beiben geugniffe ift berartig, bafe man i^m
unbebingten ©tauben fd^enfen mürbe, menn nur ni^t bie 33emeiSlraft
bes einen bie beS anbern auSfd^löffe.
S)ie Streitfrage mürbe ju ©unfien beS . laiferli^en ©(ä^reibenS
cntf(j^ieben , menn eS rid^tig märe , bafe ßaif er Submig am 14. 3uli
1328 in SRom bem Sanbun feine greunbfd^aft bemilligt unb il^n
unter fein ^ofgefinbe aufnimmt. 5lber bie Don SBai^ auS bem Ste»
pcrtorium beS SSaticanifd^en Slrd^iüS ju ^aris im SRegcfi mitget^eilte
^) Ulterius dicis mendaciter, quod ego communicavi magistro Jo-
haimi de Janduno , cum ille manifeste mortuus fuit in Tuderto , ante-
quam Pisas venirem. Ego autem in Tuderto pedem non posui nee etiam
ponere cogitavi. S)aS ©(^reifecn ift mitcjctl^ettt ton ber (Sl^ronif ©lagbcrger«,
fol. 78 @. SBeitagc II.
*) a)cr Äaifer Bcfanb fid^ ju 2:obi auf bem Siücfmarfii^c öon 9iom in ber
iweitcn ^Slfte beS Slugufl 1328. (^opp V, 432, 433.) Sol^ann bannte f^atcr
(1. 3uli 1330) bie ®taDt, weit fic Subtüicj unb ben (Seflen^a^)ft aufgenommen,
?ub»ig 25000 ^olbgnlben gegeben unb beffen SSicare empfangen ^>attc. (©tel^e
©regorotoiuS VI., 168, Slnm. 2, auS bem SCrd^iö @t. gortunatu«.) ®cnn alfo
Scfena« ©emcrfung ri^tig tfl, fo muß Sanbun noci^ öor bem SCbmarfc^c ?ub-
»Ig0 wn 9lom bem faiferliti^en $cerc nad^ £obi öorauögeeilt fein ; bicfc Slnna^mc
ftimmt ijortreffftd^ mit feiner (Srnennung jum Sifci^of ton gerrara; ^obi liegtauf
bem Sege öon SÄom naä) gerrara.
*) »So bie beutfc^e SSerfion (gcl^. $ou«ar(i&it in SWünd^en) be8 exstirpabi-
mus in bem ton SRai^nalb 1336, §. 36 mitgetl^etUcn ^d^reiben. @. ©eitage III,
Ur!. A.
Wk
— 58 -
faiferltd^e Utiunbe btefe§ 2)atutn3, bie ton Johannes de Gelduno,
vxä)i Janduno ^ptiä^i, f^at Sol^met getotB irrig auf S^^onn t)on
3anbun, ben er in lodterem StrtJ^um Sol^ann t»on ®ent nennt, be»
{teilen )u bärfen geglaubt 0. 2ianbun genoB bie faiferliii^e greunb«
f($aft fd^on länger unb tonnte ald 9)ifd^of ton gferrora mi^t unter
baS faiferlid^e ipofgeftnbe aufgenommen merben; au$ mürbe eine
faiferlid^e Urlunbe feinen Flamen nid^t in Gelduno entfteQen, mie
b^nn bie officiellen Slctenftäefe ben Flamen ftetd rid^ig de Janduno
ober aÜenfaDd Ganduno^) unb Genduno nennen.
9lad^ ^tnmegräumung biefed ^inbemiffed ftel^en mir niii^t an, ber
Angabe SefenaS ben S3or}ug einjuräumen. S)te 9lennung 2S(Knbun§
in bem Iaiferli(|en UntermerfungSfd^reiben t)on 1336 lä^t fid^ etma
babur(]^ ertlären, bag bie Sijle ber audju meif enben fieser nid^t Dem
ftaifer, fonbem don ber ß^urie aufgehellt mürbe, bag man bort irr«
tl^ümlid^er SBeife 2i<inbun nod^ am Seben glaubte unb bag bie faifer»
lid^en 9lrti!el bie Slamen ber päpftlid^en 2ifte ol^ne meitere Prüfung
l^erüberna^men, mie ja ber größte S^eil biefeS SlctenflütfeS ben @in»
brudE mad^t, al3 mürben bie päpftlid^en fSforberungen na^eju blinbling^
bemidigt.
^) Additam. I, 276. iRa^ i^m audft Stcüßp Y, 443 u. Sriebberg a. a. O. '
117. SSßäl^renb man bie Urt. )}. 14. 3uli irrig auf Sanbun bejog, l^t man
bie loom t. iD2ai auf i^n gu beaiel^ bi9l^er berf&umt.
*) !Die bcutfc^e l^erfion M taiferliciben 6d^reiben8 t>. 1336: 3o]^anii \>on.
Qanbumt.
3)et etrett ber 9K«mtei mit 3o|Mm XXH. 9MM
Im S^fema, SBtflielni Um Ctfa», S^miDratta 110«
Sergantn, Uierttu Um (^afolr.
SGßenbcn ©ir uns nun }u rincr neuen Qäfaax üon flcle^rten
TOitfiteitcrn , bie bem Äaifet , ba er eben ben ®ipf el feiner 9Ra(]^t er«
rei^t l^attc , au§ 3lbignon fettjl entgegeneilte. S)er bogmatif^ ©treit
ber ajltnotiten mit ^apjl 3o^ann ^otte, »ie wir gefeiten, fti^on bisher
SubtoigS ^olitil becinfluBt unb i^m feine erjten tl^eologifd^n SunbeS-
*) 3>a« td(^ftc aRatcrial bafür finbct p* in bem groicn «krfc be» SWtno*
Tttm «Ufa« SSBabbing: Annales Minoroin. 2)ic SKaffcn^fttg!cit be« ^ier auf-
gc^ftcn etoffc« tagt jcbo* fein flare« »ttb l^ortrctcn, bic ÄritiHo?iötät
SSBobbingd ift fc^on öon bcn ^oflonbißen inre^tgnDtefai »otben. 85on ncnercn
3)aTßcttMngctt ifl bic cinflc^cnbftc beim Abb^ Christophe , Histoire de la Pa-
paute pendant le 14. siecle (Paris 1853, I. 297 f.) @. au* ©ofler, (ginige
»emerbingcn über bic @cncp« bed ©treitc« bcr SRiuoritcn mit ?. Sodann XXII.,
in bcr @c^ft: «u« «mgnon, @. 31—40. 2)tc alteren 2)aTftcanngcn (wie glat^,
®cf*id^tc bcr Vorläufer bcr Reformation, im 2. »anbc (18:m) ober bic hn
aRagajin für ^r^bcnre^t (bon Abele) I, 114 f. »erSffentii^te «b^nblnng über
bü8 ,,»er]^ärtiii6 bc« aWinoritenorben« gegen bie beutfc!^ Stiröft unb J^rc «cgiermia")
finb nngenügcnb. — W&xt bie \iffxonit U» SRinoriten SWtolau« fo ent^fitt ba»
»Ott ^ottl^aft ni^t bco^tete Chronicon de gestis contra FraticeUos aatore
Joanne Minorita (Baluze, Miscellanea, ed. Mansi, III, 206—358) cmc
eammlung bcr toi^tigflcn Urtunben , toelAc fiA auf ben ©treit bcr SRmoTitcn
mit $0^ 3ol^ann bcjie^en. Unter Fraticelli »«rjtel^t ber SRinorttc Sol^atm
Me dnl^nger bc« (Scfcna; f*on bamaW l&at man alfo, toie f^>oter ^iai^nolb u.
0., auf bicfc bcu 92ainen ber alteren unb mel »citer gel^euben €ecte übcrtragm.
2)er Dfalo^as (inter catholicum et hacreticum) contra firaticelloa Jacobi
deltfarcbia (bei Balaze, MisceUanea, ed. Mansi, II, 595-610), crft »at^
bcranitte bc« 15. Sal^rl^mibcrt« t)erfa6t, entl^U ebenfatt« einen ^ri<^t Aber
bm @trctt bcr SWinoriten mit ^o^ft So^«»-
,y .
— 60 —
genoffen jugefü^tt ; mcit midittger aber mar bic SSerbinbung, toel^e
je^t In ^ol%t biefer 3^^tt)ürfntffe bte Rauptet be§ Orben§ mit i^m
eingingen/
Um barjulegen, mie \\ä) bieje *J)inge entmicf elten , mufe unfere
©rjäl^Iung ^ier etmaS jutücf greifen. (Sin t6)i mittcloIterliiä^eS Sitb
rollt \iä) babei bor unferen 9lugen auf. ©onft pflegt in ber SBelt
ffrieg ju entftel^en, meil ber eine ein ®ut l^dben, ber aubcre e§ ni^t
laffen mill. ^ier begegnen mir ber feltfamen 6rf(!^einung, bafe fidi ber
©treit um ba§ 9te(^t bre^t niä)i^ ju befi^en. SOBie merfmürbig aber,
bafe biefer aufs äufeerfte gefd^raubte 3lu§brudE einer ganj bem 3enfeit§
jugemenbeten ©inneSmeife unb d^ciftlici^'mittelalterlid^er ©elbfttöbtung
bur^ bie Cppofition gegen ben ^apft baju gebrängt mirb fid^ mit
5£enbenjen ju berbünben, meiere man unter bie erften ^tl^cmjüge
eines mobernen 3^it9^iP^§ reil^en ntufe.
S!)er 2Hinoritenorben , ber fic!^ auf bie ^eiligfeit feinet ®rünber§
fjranj bon 3lffifi etma§ befonbere§ jugute tl^at unb [xä) imä) beffen
S3e,ifpiel unb 5lnorbnung auf ben beften SQBeg jur 5ia(^al^mung ßl^rifti
gemiefcn glaubte, l^atte ^on jel^er bie Seigre ^od^gel^alten, ba^ 6!^tifiu§
unb bie ^poftel meber einzeln nod^ in§gefammt gigentl^um befeffeu
l^ätten unb bajs ber Drben mic in aßen ©tüden fo aud^ hierin M
bie unberfälf(3^te 5iad^foIge be§ göttli(i^en ^errn jur 3lufgabe ftellcn
muffe, darüber mar e§ ju ^Reibungen mit ben 2)ominiIanern gelommen,
bie ben 2)linoriten mit einer gemiffen ßiferfud^t gegenüberftanben unb
il^ren 5lebenbu]^Iern ben 33orjug befonberer ®ntfagung nid^t gönnen
moHien 0- 25ie ^äpfte maren 3lnfang§ ber Slnfd&auung ber 2Jiinoriten
geneigt.] ^apft 5Ri!oIau§ IIL (1277-80) erüörte in ber »uüe
Exiit qui seminat, bafe ber Orben ba§ Seifpiel ß^rifti unb bie
Siegel be§ ^I. granj befolge unb fid^ SSerbienft ermerbe, inbem er meber
fid& nod^ feinen einzelnen 9Ingeprigen (Sigent^um geftatte^). SOßeiter
^) 2)a6 ber @ifcrfn(i^t jtoifd^en ben bciben ©ettelorbcn eine $au^trottc Bei
ber (gntjtel^ung bicfe^ ©treiteö jugcfd^ricBen »erben muß, erfennt man befonber«
bcutüd^ au6 bcm im Ucbrigen mcnt.q lel^rreii^en 55crid&te beS SKinoriteii Sol^ann
öon Sßintertl^ur (Job. Vitodurani Chron. im Slrd^iö f. ^6)totiim\ä}t ®tWi6ftc,
XI, 84, &6). SRaä) xf)\n 6a6cn bamalS $rcbiger ben SWinoriten jum @pott in
il^ren Äir^en unb ^töjiern (Sl^riftuö mit einer Oelbbüd^fe abbitben kffen, ober
— nod^ fci^oner — (Sl^rifiuö am ^^reu^, bic eine ©anb angenagelt, bic anbcre
auögcprcdt, um ®c(b gu empfangen unb in feine am ©ürtcl bcfefiigtc S^af^c ya
fteden. 2)icfc ©cfci^id^tcn mögen ttjal^r ober erfunbcn fein, fle geigen iebcnfaHö,
\r>iiä)t ©ereigtl^eit jnjif^en ben beiben Orbcn ^errf(i&te.
*) Lib. Sextus, c. 8. üb. V, tit. 12.
— 61 —
^tv^J^^ ©treitfrage auf, tot^e «tt öon 9lu|meBun8 on ben
»^«pen ©ütetn ben Otbenämitgliebern etlouM fei. 3in ©egenfo^e
S? °^ "»oderatus fotbette bie jhengete 9H(^tung in un«tBlttIi<!^er
^*8en<5^Ieit ben usus tenuis ober pauper, in Sefotgung bejfen
fam t • ""^ """ ***" «nentbe^rii#en ©ütetn feine aSonät^
^mcin, ja fid^ ni(i^t teerten bütfe, toenn einem ber Siffen öont
^"«««oe genommen werbe.
fiimr ^^ ^^^" *" Wni> Sodann 5peter oon Oliöo, bur(i^ ©ele^r»
imrett unb ©ittenjirenge auSgejei^net unb »on ttielen wie ein fwiliger
^e9rt, bertrot mit befonberem gif er bie rigorofefie «uSlegung ber
m ß* ^' ^"** **"^*" ^"^^ (1^"^) ^°*«" f""« «n^änger, bo
« hft V?-r'"""^"^'^ ^^ ^**'*"^ "'*^* ""'9*" *"""**' "•'* erlaubnife
vopit eoIejim§ V, in eine befonbere ®emeinf(i^ofi unter bem dornen :
«ongregotion ber gtemiten be§ «popjtes 6öIefHn ober aölejiiner ^) ;
fi fi A s,*" ^'^"* nwnnigfo^er 3tnfeinbungen ber aJHnoriten mußten
rirt ^^ ""*^ ©tie^enlonb unb einer 3nfel be§ 91r^i^)elag8 jurüd-
toD " f r^ ^'^^^ ®°"'f°* "^™- ^*^"^^ 9*9«" Pe einaufii^reiten,
Ttl "" ^^"^ *'*^ ©ongregotion mif ©icUien unb ©übfronf»
«J) getoenbet ju l^oben f^eint. ^a^^ 6Iemen§ V. ober gebai^te
tf)e ©pattung be§ OrbenS nid^t länger ju bulben. 3luf bem
^onw iu aSienne gab er naä) «n^örung beiber Parteien in bet
JÄcretoIe Exivi de paradiso«) eine aut^entif(^e «uSleguns bet
IiK«ngen ©teilen ber OrbenSregel, worin ni(^t nur neuetbmflä
werfünnt tourbe, bafe ber Crben fein gigent^um ^aben büT^e,
lonbern oud^ ber ©ireit über ben usus pauper ober usus mode-
ratus JU ©unfien bes erpercn entfd^ieben würbe. 3la^ biedern
augeitänbntB tDurben bie ©ptritualen, mli)i bamals unter "bex
tiru^rung UbcrtinoS öon ©afale ftonben, bei ©träfe ber ©lecom»
«nunication geänmngen, in ben Drben jurüdfjutreten. ®em OUtoa
tourben aud^ in anberen Se^ren al§ ber 3trmut^ ß^rifti $?e^exc\eTi
^) «n bte «ßonftei £)ß»a8 f^iitt fiä) utf»)tüng«* CMä) bet 9Jamc <^^\tcV
tadlm geteüuf t 8« ^ahat, toüäfm er(l fpätere @*riftfieller auf bie aitxl^"
wfomg ousbel^nten. SJeten »ejeic^nung al8 gtaticetten tann im &nUid aixf
*« Satte Gloriosam ecclesiam gtf^ilberte Seilte biefer Secte tto* »enla«_ .
9«W5tfertif|t erfd^ine«. eine genoue Unterfd^eibung ber »erf^iebenen 2)if fl»>
i!« aBinoriten toemiißt man l^äuftg \(l)on 6ct ben 3cttgenoJTen.
») Misere« ü6cr biefe »ulle f. bei C>efete, SonciKengef*i«te, VI, 4^
- 62 —
öotgciDorfen » fpöt^ t toarb feine 8eid^e ou^gegtaben unb f ammt feinea
©d^tiflen öetbtannt.
©leid^iüol^I fanb Sol^ann XXII. bei feiner ©rl^ebung auf bcn
t)äpftUd^en ©tul^I toieberum jal^Iteid^e SMinoriten, rodiä^e bem DrbenS«
generat unb bem ^opjie felbft miberjirebten. Unter biefen ©ifflbenten
fi^eint man jtoei ^arteten auSeinanberl^alten ju muffen, bereu erftcrf
genauer als ©piritualen, bie le^tere als gtaticeüen begeid^et wirb *)• ®ie
Ow^fition ber ©piritualen befd^ränfte fi<ä^ auf Sftagen ber eoange»
Iif(j&en Slrmutl^ ; fie bermarf en bie Slnlage unb S5enü|ung bon ©d^euern,
^ßeDern unb aflen Sßonatl^Sräumeh unb glaubten nod& ärmlid^cre
Jfutten tragen ju muffen als if|re DrbenSbrüber. ©egen fie ifi
3o]^annS SJecretale Quorundam exigit Dom Saläre 1317 gerid^tet *).
3toä) bor Slrmut^ unb Äeuf (i^l^eit , erllört biefelbe, fei ber ©el^orfam
]^o(!^ju]^alten ; baS erfte (Selübbe gelte ben äußeren ©ütern, baS jmeite
bem Sleifd^, ber ©e^orfam aber bem ©eifte; biefe fei baS l^öd^fte.
3luf 9tnbringcn beS DrbenSgeneralS , Wxä^d öon ßefena, mürben
1318 bier miberfpänflige ©piritualen ju 5IRarfeiIIe berbrannt*), meil
fie, mie bie ©entenj beS 3nquifitionSgeri<^teS ^) befagt, il^re Äutlen
ni(^t nad^ J)äpftli(|er aSorfd^rift umänbern unb bie pä|)ftli(Jöen grlaffe
über bie 3wlöffig!eit bon ©peid^ern unb fteHern niii^t anerfennen
tDoHteu.
3Siel meiter als biefe ©piritualen ging eine befonberS in ' ber
^robence, in Sofcana unb ©icilien berbreitete Partei ber gfraticellen
^) 2)ic naml^aftepen berfelben f. b. ^efclc, SoHciÜengef(%i(ttc VI, 476.
*) 3m ©cflenfa^jel^ieju l^ießen bie bem General getreuen ©rüber Sonbentualen.
— S)ie graticeücix berül^ren fx6} öielfadf^ mit ben SSegl^arben ober ©rübcrn i?om
freien geben, »eldje ?ßa^)ft 3ol^ann gleic^fatt« »erbot; fie fmb aber nidf^t mit
benfelben ibentifd^. 9Jei^e8 äWaterial für biefe ©Haltungen geben SBabbing,
SRa^natb unb S3atuje im 2. u. 3. ©anbe feiner Miscellanea. 31m einge^eabflcn
ift baffelbe »erarbeitet bei Christophe, Histoire de la papaut^ pendaut le
J4. ßiecle (Paris 1853, I, 306—313). @r unb ©efelc ((£onciliengtfd^i<i^tc VI,
109) irren aber »ol^l, ttjenn fie bie beiben oben unterf(3^iebenen Parteien jufam*
mentterfcn. 2)enn bie 3)ecretale Quorundam exigit unb bie ©entenj be8 3n*
quifitionögerid^tc« gegen bie mer ju 3Karfeitte SSerbrannten »iffen nur toon einer
S(nf(el^nung gegen bie officielle 21uffaffung ber Slrmutl^ , toä^renb bie 2)ccretolc
Gloriosam ecclesiam »on einer SWenge anberer Äetjereien f^ri^t.
3) Eztravag. Joh. c. 1. tit. 14. de verborutn significatione.
*) ^Ra^nalb, 1318, §. 53.
5) SBom 7. 3ßai 1318, gebrudt bei Baluze, Miscellanea, I, 198.
— 63 —
unter S^tmä^ t)m ^tm ^ gegen meldte ^pft ^oj^ann bie ^cretale
Gloriosam eccleaam öon 23, 3anuar 1318 erliefet). 9Iu<!^ jte
f^taubteu ben begriff ber 9(tmutl^ auf baS äugerfle; ,,be3 ©potteS
W f ftigt ^a))fl 2^ol^Qnn ') , ,4tagen fie f ui^e jd^mu|ige WAä^tn
Don ungemöl^nltd^et gform mit fleiuen fi'apujen''. darüber aber
leugneten jte ben ^rimat beS $Qpße§, befhitten tote bie Dona«*
tiften bie ^uriSbiction unb ©ei^e ber Jßriejler, oermarfen wie bie
SBalbcnfer ben 6ib unb nal^mcn für ^ö^ ottein bie SBe»al^rung beS
unöerfälft^ten goangeliumS in 3lnfpru(ä^. Sie bel^oupteten, e§ bejiänben
jejt jmei Äir^n, bie eine unter bem ^ßapft, rei(ä^ unb toeltlic^, bie anbere
arm unb tugenbl^oft, mit ber mottten fie fid^ begnügen % ®egen biefe
gefäl^rliij^e ©ecte würbe mit größter Strenge eingefc^ritten ; in ©icilien
©urbe fie in bie gebirgigen Stl^eile ber Snfel ober überS 9Keet ge«
f^eu^t; in gfrontreiiS^ \ai) mon in ber ^ooin) Ütarbonne, in Sope«
fiang, S3ejierS, fiobebe, fiunel, in ben S)iöiefen ägbe unb SJlaguelone
änl^änger berfelben ben Sd^eiterl^aufen bepeigen*).
©0 l^atte e§ feit Sal^rje^nten unter ben ^Minoriten gegöl^rt.
SBoIb aber geriet^ ba§ ^aupt unb ber größte Sl^eil beS Drbenö mit
^apjt 3o^ann felbft in heftigen, «ompf. 51I§ nömli^ im ^a^re 1321
ber 3nquifitor t)on ?Rarbonne, Sol^anneS SSeIna, bei ber 6;enfur eines
graticellen au(3^ ben ©a^ für Ie|erifd^ erHörte, ba^ ßl^riftuS unb bie
?lpofteI Weber perfönlid^ nod) gemeinfam Sigentl^um ge^bt^), wiber«
fejte ftd^ bem ein ©onbentuale ber SWinoriten, 9?amen§ Serengar
Salon. S)ie ©ad^e !am öor bie ßurie unb 5ßapfi 3o^ann , bie 6r«
Hämngen feiner SSorgönger nid^t bea(i(|tenb, entf(f|ieb für ben 3nquifitor
") ©cbrudt ttx fRa^natb, 1318, §. 45—52.
») 1. c.
3) 1. c.
*) l. c. §. 53. SSia^ t(nga6c einer $raflcr C>ttnbf(i^rift »urbcn in (Satalonien
önb bcm füWicfien granfrcitt 114 grattccöcn X)erbrannt. ($Wer, SCn« Slöignon,
@. 31).
*) SBcnn i5]^Tiflo))]&c a. a. O. 314 fagt: Une teile proposition dtait
noavelle, car, tout le temps qu'avait dur^ la controveree sur la pauvretd,
aucnn de ses pattisans n'avait song^ ä lui supposer un pareil fondement
— fo tle^t bic8 im 2öibcrfpru(i^e mit »icbcr^oltcn 3lu«fprü*cn ber SBuöe Exiit
qui seminat, toct^e an 2)entU(i!cit nici^t« gu toünfii^n übrig lajfcn ; fo u. a. :
Dicimus, quod abdicatio proprietatis hoiusmodi omniam remm non tarn
in special! quam etiam in communi propter Deum meritoria est et sancta,
quam et Christus viam perfectionis ostendens verbo docuit et ezemplo
firmavit.
- 64 -
unb öertDicS Solon in cm Äloftet ^). €§ ift faum nötl^ig ju bctiterfen,
bafe 3o]^ann Scina , ber btcfe eigcntlid^ länflft entfd^icbcnc ©tteitfragc
töicbct l^ctöorgel^olt l^atte, ein S)omini!aner mar. ©afe aber gerabc
Jßapft 3o]^ann XXII. , ber überatt feine Dpferfköde aufhellen lie^,
unb in a(|tje]^n Salären fünfunbjmanjig SDlillionen ©olbgulben ge=
fammelt ^oX, \\&i mit fo auff aDenbet Steuerung gegen bie ^imtutl^ er«
Härte, biefeS 3wfflinmentreffen ij(x^zxi fd^on bie 3^itgenoffen mit ©pott
unb f)o]^n JU ücrtoert^en getoufet
i[I§ 3o]^onn inbeffen gemährte, mie mannigfachen SBiberfprud^
fein aSorgel^en gegen Salon l^erborrief , bef(i(|Iofe er in biefer bogmati«
fd^en Srage junä(i^ft nod^ !eine untt)ibenufli(i(| f efte ©teüung einjune^mcn.
— @r gab in ber SuDe Quia nonnunquam öom 26. 3Kärj 1322 ^)
bie ©iScuffion über bie Siegel be§ 1^1. S^anj , weld^e feit ber SuKc
Exiit qui seminat Verboten gemefen mar , mieber frei , er felbjl 50g
angef eigene Sll^eologen ju SRatl^e unbl liefe fi<^ inSbefonbere öon Uber=
tino öon ßafale, beffen t^eologifd^e ©elel^rfamfeit in l^ol^em 9lufe fianb,
ein ®uta(3^ten auSftellen^). Ubertino gelangte baju bie S^age, ob
(S^tifluS unb bie Slpoftel gigentl^um befeffen, meber einfad^ ju bejal^en
nod^ JU üerneincn; man muffe ben boppelten ©tanb Gl^rifti unb ber
Slpoftel im 9luge bel^alten ; infofem i^iefelben SJJrälaten ber Äirci^e feien,
l^ätten fie mol^I ein SSerfügungSred^t über bie -©üter ber ßird^e jum
Seften ber 3lrmen unb if irdienbiener gel^abt ; infofern fie aber anbcrfeitS
au(^ Spriöatperfonen unb 2Kufter ber eöangeUfd^cn SSoütommenl^eit feien,
muffe man mieberum unterfc^eiben jmif(i&en Sefi| nad& 6it)ilre(i^t unb
9laturre(]^t ; ben erfteren, ber allein ein ßigentl^umSred^t im ftrengen
SBortfinne mit fid^ fü^re, l^ätten ß^riftuS unb bie 3lpofteI nid&t ge»
l^abt. (Sinen 5lugenbli(f l^attc e§ ben Slnfd^ein, al§ !önnte e§ biefen
^) Chronicon de gestis contra Fraticellos aatore Joanne Minorita, Bei
Baluze, Miscellanea, ed. Mansi, III, 207. 2)cn Seitgcnoffcn fd^ctnt btcfe S5cr-
antaffung cincS ©trcitc«, ber batb tocltgefd^id^tUc^e S)imcnrtonen annal^m, meiji
au§ fcer Erinnerung gcfd^njunben ju fein; gang ri^tig toeig fte bagegcn nodj
Slnbreaö t)on StegenSburg ju erjä^kn, ber bie (Sefd^icä^te nad^ feiner 33erfi(^>ernng
a quodam viro famoso gehört l^at. (Chron. generale bei Eccard, Corp.
bist. med. aev., I, 2104.)
®) ©ebrudt u. a. bei Baluze, Miscellanea, ed. Mansi III, 207 au8 ber
ei^roni! bcg iKinoriten 3ol^ann. S)ort ftnben fid^ aud^ bie meifien ber im folgen^
ben ertt)ä§nten Slctenftürfe mitgetl^eitt.
®) Kesponsio fratris Ubertini de Casali ordinis minorum bei Baluze,
Miscellanea, ed. Mansi) II, 279.
— 65 —
jpilfinbigcn 3)tjimdioncn gelingen ben StuSbtud^ beS ©treiteä ju ber«
^inbern; fotto^I ber ^opft als bie DtbenSl^äupter fotten cmfftnglid^
UbettinoS Sl^eorie »eifofl gefd^enlt ^aben ^). Saft jeigte jt(i aber,
bog feine Äuffaffung ben ©egenfog ber änjid^ten nur ber^üDen, ni(i^t
aufgeben lonnte.
©eneral beö Drben§ loor feit 1316 SRi^aef bon ßefena,
SRögijter ber 3:^eoIogie ^). 6r l^alte feine ©tubien ju JßariS gemalt
unb mel^rere ejegetif^ Slb^anblungen über bie l^eilige ©^rift unb ben
Magister sententiarum berfofet*). Sott ©tolg auf ben SanbSmann
berietet ber Slnnalift bon ßefena*), tt)ie auSgejei^net Sruber SWii^elino
in otten SBiffenfd^aften, bornel^mtiiä^ in ber 3:^eoIogie, gemefen fei unb
tDic in ber ganjen SQßelt laum feines ©leitj&en gefunben toerbe. aSom
3RQi bi§ 3uli 1322 tagte unter feinem SSorfi^ eine OrbenSberfamm»
lung ju ^ugia unb l^ier tourbe naä) langen Seratl^ungen im @in»
Hange mit ber alten Slnfid^t beS DrbenS, mel^e ^apji äol^ann burd^
bie SBcjirafung StalonS bereits bermorfen l^atte, erllärt: bie Sel^auptung,
bofe ßl^rijtuS unb bie Slpoftel fein gemeinfameS gigentl^um gehabt,
ijt ni(^t ^äretp ^).
2>afe ber Orben noä) bor ber päpftlid^en Definition mit fold^er
6ntf(]^ieben]^eit feine 5lnfid^t auSfpra(j&, fd^eint gol^ann auf baS übelfte
aufgenommen ju l^aben. gortan entfagte er (in ber Sutte Ad con-
ditorem canonum, 8. ®ej. 1322) bem ßigentl^umSred^t über bie
DrbcnSgüter, »eld^eS bis bal^in bie 5ßäpfte ju Rauben genommen
l^atten, toäl^renb bie TOinoriten nur baS ©ebraud^Sred^t genoffen, er berbot
bcm Orben, buri^ Slufftettung bon ©^nbilen unb Jßrocuratoren, »eld^e
ehoa bie ©fiter fortan im Flamen beS päpftlid^en ©tu^IeS berttjalten
foDten, biefe Verfügung ju umgel^en, unb er entf(]^ieb, bafe usus facti
Bei 5)ingen, bie burd^ ben ®ebrau($ aufgeje^rt loetben, fid^ bon ttjal^rem
*) 1. c. 280.
^) 92ac^ einer ©rtoäl^nung beS ^enebifttnerprtord ©innane (Muratori,
Script. III, 2, 513 Slnm. b.) l^at ber (Scfenatc ©cmatbtno SWanjoni ein com-
pendium yitae fratris Michaelis (de Cesena) post librum 15. histor. Cae-
sen. Scipionis Claramontii toeröffcntli^t ; icft fonnte bicfe @^rtft nid^t iu
©cjHt befommen.
*) Wadding, Annales VI, 243, 245.
♦) Muratori, Script. XIV, 1147.
') @. bie (SrfiSningen ber aSctfammUtng toom 31. SWai unb 15. 3utt bei
ffiabbing, VI, 396, 397.
»icalct, aBibctfo^er ber «paffte. 5
*^^,^x.
— 66 -
€igcntl^um nid^t unterfi^cibc ^). 3n bet Sectctalc Cum inter non-
nuUos öom 12, 3lüt). 1323 etflärtc er battn unter SSeiratl^ ber ^ax^
p binäle btc Sel^^e für !e|erifd6 , bafe ©l^riftuS unb bie 5lpo|ieI toeber
einjeln no(^ gemeinfam (Sigentl^um befeffen unb ba^, toenn fie etwas
gehabt, bamit ioä) niä^t ba§ ^tä)t genojfen l^ötten, btefe ®inge» ju
gebroud^en, ju bertaufen, ju t)erf(|en!en pber onbereä bamit ju
«rwerben ^).
9lun bemächtigte fid^ ber 2Kinoriten eine ungei^eure Slufregung.
?luf Äanjeln unb Sel^rftü^Ien liefe \xä) i^re l^eftige Dppofition gegen
biefe päpftUd^en @ntf (Reibungen berne^men. ^\xm erjienmale offenbarte
es [\ä), bafe ber ©el^orfam gegen ben jpapft bei einer fo mächtigen
©enoffenfd^aft im SBiberftreit mit ber inbiüibuellen reügiöfen Ueber*
jeugung, mit ber SSerel^rung be§ Orben§grünber§ unb bcm toerlejten
3le(|t§gefü]^l ben fürjeren jiel^en lonnte. ®enn mit gutem (Srunbe
j .betonten bie 3Winoriten, bafe 3o^önn§ ßntfd^eibungen mit ben SuKen
Exiit qui seminat Jßapfi 9lifoIauö' IIL unb Exivi de paradiso
Jßapft ßlemenS' V. in unbereinbarem 2Biber)pru(]^ ftänben. Sol^ann
beftritt bie§ !eine§tt)eg§, lam jebod^ über bie barauS entjiel^enbe
©d^mierigfeit U\ä)t l^intoeg , inbem er in ber ®ecretale Quia quorun-
dam öom 10. 9lot). 1324, bie im übrigen feine erften @rlaffe be=
ftatigte , bie mer!mürbige SrHörung abgab , bafe ben köpften jeberjeit
baö Siedet iuflel^e, gntfd^eibuhgen, mlä)t i^re SSorgänger in ®Iauben§=
unb ©ittenfad^en per clavem scientiae getroffen, ju »iberrufen ^).
S)er ©egenfa^ jtt)if(^en ^apft unb Orben t)erf(^ärfte fi(§ all=
uiöl^Ud^ fo, bafe ßefena bem Seifpiel jener Crbenöbrüber folgte, bie
fid^ fd^on frül^er an Submig ben Saier angef d^Ioffen , unb im S^^re
1327 mit ber gibeflinifc^en Sßartei in Italien in SSerbinbung trat ^).
') Extra vag. Johann XXII. c, 3, tit. 14 de verb. sign. Sluc^t ^ct
Muratori, Antiq. Ital. VI, 190* SDa« biöl^erige SBerbättniß fti^ilbcrt J. 35. ber
'2)0OTinifancr Sol^ann ö. ?5ari8 c. 1303 in feinem Tractatua de potestate
regia et papali, cap. 6. auf fotgeubc 5Bclfc: 3)ic SKinoritcn ftnb jufotgc il^re^
-©elübbcß unfäl^ig, befonbcrcS ober flemeinf(i^aftlic^e8 ©igcntl^utn ju befifecn, fon»
t)cm l^aben, tuie $a%)fl S^ifolauö crHärt $at, mir ben usus facti. 3)aTOtt aber
bie il^nen übertragenen ®üter, (tDtl6)t, ba fie fircJ&Hc^en ^erfoncn übertragen
tourben, ÄircScngüter fmb) nid^t l^errcntoö feien, l^at ber 'Vap^ baö @igentl^um8»
reci^t über biefclben übernommen.
*) 1. c. c. 4.
^) 1. c. c. 5.
*) Ueber ba8 fofgenbe f. ba« ^ä^filid&e @j:communication8* u. Slbfcfeung«*
beeret gegen (Scfena (gider, Urhmben jur @ef(^id^tc beS 9Jömcriuge3 Äaifer
- 67 —
Da bic^ bem ^apjic ^interbrad^t würbe, befahl er (8. ^uni 1327)
icm ©eneral, binnen einem SWonat in Slbignon ju erfd^einen.. Wiäfatl
«r^ielt bie SSorlabung auf bem ff ranlenlager in SSiöoIi ^). S)amate
fu^r ber ©atan in mi(j^, fagt er in feinem SBefenntniffe ^). ■. ^m S3er»
irauen auf feine ©od^e befiä^Io^ er ber SSorlabung golge ju leijien,
bod^ ftanbl^Qft ju bleiben, unb erfd^ien naä) feiner ©enefung am 1.
Dejember öor ber Kurie.
So^oinn trug augenf(ä^einlid^ ©d^u bie gefä]^rli(i^e ©ad^e aufä
üufeerfte lommen ju laffen. 6rji am 9. Slprit 1328 bef^ieb er ben
©encrol bor [xä), überböufte i^n in ©egenmart t)on Karbinälen unb
Orben§proöincialen wegen feiner SBiberfe^lid^Ieit mit gerben SSormürfen
unb verbot i^m bei ©träfe ber gjcommunication unb 3lmt§entfe§ung
bie ßurie ju öerlajfen. üKid^ael antwortete erregt unb une^rerbietig
unb bel^ante ouf feiner Sebre. darauf mürbe ein 3lu§fd^u6 öon
S^eologen, barunter ^eter Sloger, ber fpätere Jßapft 6Iemen§ VI., ber
ii6er bie fj^age ber 3lrmut^ ß^rifti bereits einen gelehrten SEractat
im ©inne 3o^ann§ gefd^rieben ^atte, niebergefe^t, um gegen 3Kid^aeI
dte ^äretiler borjugel^en. 2luf bie ©eneraloerfammlung be§ Drben§,
bie am 22. 2Rai ju Sologna eröffnet mürbe, liefe ^ol^ann ben ßefena,
ber mittlerweile eine fc^riftlid^e 5ßroteftation eingerei(i^t l^atte, nid&t
ge^en, gab bielmel^r feinem Segaten, bem ßarbinal SSertranb t)on
$Drto, Sluftrag, bie Sßerfammlung in feinem ©inne ju leiten unb
auf bie 9lbfe§ung be§ @eneral§ l^injuarbeiten. dagegen l^atten ffönig
Stöbert öon ©icilien unb feine ©ema^Iin ©ancia ^), bei benen 5Dli(^ael
in ^ol^er ©unft jianb , ©efanbte nad^ Sologna gefd^idt , weliä^e in§=
geheim für biefen wirfen foflten. 3n ber SEl^at fanben bie SBöI)Ier,
bie in ber bogmatifij^en ©treitfrage wol^I auSnal^mSloS jü i^rem
©eneral ftanben, feinen ©runb biefen abjufe^en ; fie baten il^n tiiel=
me^r in einem ©(^reiben, ben Ort jum nöd^ften Kapitel ju beftimmen,
?übtt?t9 l>e« «aiern «nb ber itatienifc^cn Serl^ältniffc feiner Seit, @. 76—79),
Nicolaus Minorita (Boehmer, Fontes IV, 588 flcjb.), Johannes Minorita,
237, Wadding, Annales VII, 69, 82—84.
') ©cr^iJa^ji ßtoubte nid^t au bicfc Äranf^eit (gtcfer 77). Ccfcna l^ätt fie
aber au^ in feinem f^ätcren reumütiigeu ©cfcnntniffe aU Stl^atfa^e aufregt,
f. b. flgb. SCnmcrfung.
*) Muratori, Script. III, 2, 523.
«i 9^a* Sol^ann t»n Sintert^ut m<i)ir> f. ^^»eiserifÄc ®ef*lc^te , XI,
85) l^at bie Äönigin eancia, „mulier divinitus edocta et supemis irradiata
falgoribus", ben Orben fogar jum geftl^alten an feiner bogmatlf^en llnfie^t er-
ttttttitert.
5*
— 68 --
toomögltci^ ahtx ^ariS ju toö^Icn , um ben SButifd^ bct ftöntgin 3[o-
l^onna bon Sftonhcid^ ju crfüDen.
Säctwr bicfeö ©^reiben naä) bcr })äpfili(j^cn 9bPbcng gelangte^
cntflo]^ ©efena, bcr öon Slbignon aus inSgcl^etm fotttoäl^rcnb in S3ct=
binbung mit Äoifcr Subtoig gcftanben unb anäf bct focbcn (12. iKai)
ctfolgtcn ßr^cbung eines OrbcnSbtubcrS jum ©cgcnpapjie ni(|t frcmb-
geblieben mar ^). 9Im 25. 9Jlai eilte er bei Stnbru^ ber SJunfell^eit
mit jmei OrbenSbrübern, DdEam unb Sonagratia, naäf bem ^afen in
ber ?Wä]^e öon 3ligue§=morteS ; l^icr beftiegen bic glliiä^tlinge ein fleineS-
S9oot unb erreii^öten balb baS ÄriegSfc^iff, ba§ il^nen fiubmig *) entgegen^
gefanbt l^atte. Cl^nc grfolg fd^idte ber ^at)jt, ber nod^ in ber 9la(|t
Äunbe bon ber gelungenen ^lvi(Sfi crl^iclt, am folgenben 3:age bea
Karbinalbifd^of ^eter bon ^ßorto jur SBcrfoIgung ber Q^Iüt^^tUnge.
5tm 28. 3uni lamen biefelben na<ä^ 5ßifa, mo pe öom aSoI! unb ben
faiferltd^cn SScamten mit feftli(i^en g^rcnbcjcugungen empfangen muT=
ben^}. öier erlief ßefena am 1. ^uli ein ©d^reiben an bca
Drben*), morin er gegen baS SScrfal^ren beS ^apjicS appeüirte unb-
ferne ^anblungSmeife red^tfettigte. S)er ©el^orjam gegen ben ^apjt, er^
Härte er barin, fei nur fo lange ^^\ä)t, als man babur<ä^ nid^t mit
©Ott, ber 1^1. rbmif^en Äir<ä^e unb ben 1^1. SSätern in S5Biberfpru(fy
geratl^c. ®iefer fJöH liege je^t öor in golge ber ßrflörung SoJ^annS-
über bic 3lrmut^ ßl^rifti, bic jubem frül^crcn ?leu^eruKgen beS ^PopfteS-
fclbft tt)iberfpre(i^e. SSon 3loignon l^abe er bic glud^t ergriffen, meil ange^^
fid^ts bcr f(^on an bielen erprobten ©raufamfeit ^ol^annS fein Sebea
in ©efal^r ftanb. 5ieun ^al^re feien cS je^t, baß ber ^apji ben Drben
öerfolge; je fügfamer fid^ biefer jeige, befto ungebü^rlid^cr trete er
auf. XJönig Stöbert unb feine ©emal^Iin Ijättcu bem ^apft in biefcm
©inne gefd^rieben unb [x6) für ben Drben unb für feine ^erfon öcr^
menbet. @r l^offe ju @ott, ba^ feine 9ln!unft in bem fd^on lange
') Wlxö^ati fagt in feinem ^efenntniffc (Muratori, Script. II F, 2, 518\
Q[oY6ara fei lutx^t fein aesistens <)en)efen, fobann opjßra mea antichristi
vicarius. ©oburd^ »ibcrtcgt fic& »jol^l bie Eingabe ^^Ja^>ft Sol^onn« (Sei girfct a a.
O. 77), baß (Sefcna felbfl naäf Der Srl^ebung jum ©egcn^aijfle gcflrcbt ^aSc.
*) Sodann toon SBintcrtl^ur (87) nennt offenbar irrig ben ^iJnig Don
granfret(^.
*) Cronica Sanese (Muratori, Script. XV, 81).
*) Sl'litgetl^citt in Annales Caesenat. (Muratori, Script. XIV, 1148.)
Sin äl^nlid^eS 2>ä)xt\Un (ScfenaS öom 9. 3uU Bei Johannes Minorita, 244.
— 69 —
iwcä) ^atteiungen unb Untul^en jerfieifci^ten ^talm bem Sanbe jur
'^inl^eit unb Siu^e Derl^elfen möge.
Som ©egenpapfie, ber ft^ fd^pn ftttl^et fiebert &atbinäle getottl^lt
i)Ciüt, tDUtbe ^id^oel }um ^arbinol bon O^a ernannt^). @r felbfi
loetl^te bann ben Grübet SSetengat bon pfa jum @t}6ifd^Df Don
@enua unb ben Grübet ^mifinuS bon @e(ena, ©enetotprocutator
i)cS Otben§, jum SSifd^of bon Succo ^), unb ba eS bis bal^in ©itte ge»
toefen mar , ba^ ber ^opft Don ben btei ßiarbinalbifd^öf en bon Ojtia,
Kbano unb $otto gehont mutbe, fo nal^m SRid^ael nebft biefen beiben
gQtbinälen in pfa eine »ieberl&olte fttönung beS ©egenpapfteS bor *j.
tlm 18. September 1328 legte ©efena ju ^ifo in einem umfÄnglid^en
@(!^teiben im Flamen bed gefammten Otbend )9etufung an ein oD-
-gemeines ©oncil ein*).
S)ie }mei @eföl^tten, meldte }uglei(^ mit bem ©enetal bie gflud^t
Don Slbignon ergriffen Rotten, gehörten ju ben J^erbonagenbften 3Rtt«
#ebern be§ Orbend. %Ü e§ fid^ nad^ bem @^apitel ju Perugia borum
^anbelte, bef[en Sefd^Iü^e nod^ ^bignon ju bringen, mar 33ruber
IBonagratiabonSergamoalS bef onberS mutl^iger unb energtfd^er
^ann baju auSerfel^en morben^). ©erfclbe l^ieß bor feinem Eintritt
in ben Orben S3oncortefe, ein biel ju meltlid^ flingenber 9lame, tot^=
i^olb er nad^ ber DrbenSfitte in SBonagratia beränbert mürbe, fomie
mon }. $. au(^ ben trüber Ognibene bon ^arma, ben ©efd^id^ts»
f(|rciber, mit SBejiel^ung auf fein gefinnungStüd^tigeS ©infpringen in
t)en Crben in ©alimbene umgetauft l^atte. Sonagratia mar ein bor-
jugStoeife polemifd^^r ®eijt, ber fd^on in ben OrbenSjheitigfeiten über
bie Seigren OlibaS gegen Ubertino ba ©afale fd^riftfiellerifd^ auftrat %
^urd^ fe^errid^terlid^en 6ifer mad^te er fid^ 1310 gegen ben ju ben
^roticellen l^inneigenben SBruber SernarbaS belli 6onfi bemerflic^, ber
') @o fagt er fel6|l in feinem ©efenntnijfc (Muratori, Script. III, 2. 518).
*) 1. c.
») 1. c. 523.
*) WtQtt^dit wn Johannes Minorita, 246 — 303, in tür^erer Sorm
303-310.
5) Wadding, Annal. VI, 396.
*) ^^abbing VI, 171. Set Baluze, Miscelianea I, 293 flnben ^6f feine
Articali probationum contra fratrem Ubertinum da -Oasali, au9 einer
^nbfd^iift ber Snquifttion^bel^Srbe p (Sarcaffonne. (Sin S3er)eid(nig ber reit«
Si9fm ^^riften Sonoj^ratiad bei Oudin, Oomment. de script. eccles. III, 888.
— 70 -
im ©efängnife unter bcr göltet ftarb ^). 1312 ging er mit gel^eimen
?lufträgen ßlemenS' V. nad^ ber ©aScogne % 6r toax einer ber eifrig-
ften aSerfe^ter ber ?lrmutö 6^rijii unb überreichte am 14. Sanuor
1323 bem ^apjle Sol^onn in öffentlid^em (Sorbinateconftftorium eine
öon il^m in ©emeinfd^oft mit einigen anberen Srübern öerfafetc @(|tift^
, bie mit ben SQ3orten begann: Vestrae supplicat sanctitati Bona-^
gratia unb worin gegen bie ®ecretale Ad conditorem canonum
energifd^er Jßrotejl erl^oben würbe ^). ®er ^apjl liefe fid^ baburd^^
wie man erjäl^lt*), in ber SEI^at beftimmen, bie bereits an ber ®om»
tpre ju $[0ignon angefd^Iagene 8ulle nt)(j^mal3 abnel^men unb in
mel^reren ^unlten änbem ju lajf en ; jugleii^ aber liefe er ben l^i^igen
©uppficanten greifen unb ein Sal^r lang in l^arter ©efanflenfd^aft
f(j^ma(|ten ^).
Sonagratia war ein geleierter Sl^eologe unb 3uriji^) unb ein
Ieibenf(^aftli(3eer SRebner; bie Sebeutung beS britten Sflüd^tlingS aber
ragt weit barüber l^inauö. ^lad^bem ber granjisfanerorben in 3)unS^
©cotuS einen tonangebenben gfül^rer in tl^eologifirenber ^l^ilofop^ie^
in aioger S9aco einen in ben ^Raturwiffenfd^aften fd^öpterifd^en ©eiji/.
in ©onabentura einen gemütl^Stiefen ^K^fiüer l^eröorgebrad^t l^atte, ge?
wann er in bem @ngl5nber SBill^elm bonDdam neuerbing§ einen
Vertreter bon weltl^iftorifd^er 33ebeutung , ber in ber ^^ilofopl^ie . bie
Salinen feines Sel^rerS 2)un§ ScotuS berliefe unb eine neue ^eriobe
ber Sd^ola^il eröffnete, ber aber jugleid^, ber erfte f eines. DrbenS, auf
publiciftifd^em ©ebiete eine geijtboDe, rül^rige unb einflufereid^e SQBir!^
famleit entfaltete, ©ein ©eburtSort, ber Heine gledfen Dtfam, liegt
in ber ©raffiä^aft ©urre^. Ueber feine Sugenbjeit finb wir ni^t
unterrichtet '). 21IS Seigrer an ber Uniberfität ^ariS, wo er ben Sei-
*) Sabbiitfl VI, 321.
') % a. 6. 396.
°) iDlttgetl^eilt t>Ott Johannes Minorita, 213.
*) Jobannes* Minorita, 221.
*) Sßabbing VII, 1. SScrcjt Orfamö Compendium errorum papae ^ei
Goldast^Monarehia, IT, 964.
*) Job. Vitoduran. 141.
') (Snglanb l^at er voof^i W ^erlaffen, ba ftc^ bort, fo t>id td& fcl^, feine
<BpVLXtn bon il^m ftnben. ^\t Hisloria Oxoniensis (Oxonii 1674, I, 76)
glaubt Sill^elm Odfam« S(ntt>efen5eit aU ©d^ülcr ober Seigrer in Oiforb t)er*
mutigen ju bürfen, lann iebo(36 fein S^uflnife ^iefür bciBringen. a)er 9)>2inorit
S'iifolauö Cdam, ber in Oyforb gelehrt unb tl^cotogifc^c unb ^)l^ilofo^}5if(fie
— 71 —
nomcn Doctor invincibilis fül^rtc unb ben bebeutcnbjicn ©influ^
übte, mag ex auäf bcr geiftigen iBetoegung, toeld^c jtd^ an bic ©trettig«
feiten jtt)if(i^en Philipp unb SBonifoi Vni. fnilpfte, nal^e gejianben
fein , bo(j^ ijl c§ ein Stttl^um , bafe er f ($on bamalS ju ©unflen ber
toeltli^en ©ewolt bie gebet gef ül^tt l^abe. SGßir werben barouf bei ber
8efpre(]^ung feiner ©Triften jurüifommen. ©er Orbengöerfammlung
}U Perugia l^atte er oIS ^probincial öon ©nglanb beigewol^nt *). SGBegen
feiner Oppojttion in ber gf^ofl^ ^^t Slrmut^ ßl^rifti war er öom ^apfte
fiebenje^n SBo^en lang gefangen gcl^alten worben, ober unerf^ütter=
li^ geblieben. SBie ein tapferer Sltl^Iet im 3tt>cilampfe — fagt fein
DrbenSbruber ^ol^ann bon SBintertl^ur — wie ein fiöwe, ber feinen Sin*
griff fürd^tet, l^abe er bei ben bamal§ öeranfiolteten 5)i§putationen
feine ©egner mit ben f d^ärfflen, flärlfien unb augenf (ä^einlid&fien ©rünben
roiberlegt. 3n ber Segeifierung für feine ©tanbl^aftigleit l^at xf)vx ba«^
mate eine reiiä^e unb ijornel^me ®ame fiebenjig ©ulben gefd^enft *).
^U Odam ju Subwig lam, foH er gefogt l^aben: SBertl^eibige
bu mid^ mit bem ©d^wert, xä) werbe Vx^ mit ber gfeber öert^eibigen,
Serül^mte SBorte, bie aUerbingS bem SSerl^öltnife be§ ftaifer§ ju feinen
geleierten Sunbe^genoffen treffenben SluSbrurf geben, j[ebo(i^ burd^ fein
glci^jeitigeg S^uflnife verbürgt finb. aBa]&rfd^einIi(]^ l^at fie Iritl^em
etfunben, in beffen Scriptores ecclesiast. fie juerft erwäl^nt werben *)»
9la(| i^m l^at befonberS Slöentin baju beigetragen fie in Umlauf ju
bringen *).
Slufeer biefen l^eröorragenbften ©liebern beS DrbenS matten fi(!^
auf ber ©eite be§ Sefena unb be§ Äaif er§ nod^ bemerflii^ : ©ruber
Serengar ^) auS ^ifa/ 2Ragifter ber 2:]eeoIogie, ben SJlid^ael jum @rj*
@4tiftcn l^interlaffen l^at (t 1320), xff eine ton SBiUJelm Odam tcrf^iebcnc
^erfonfid^fcit. (Ucber iljn f. Hist. Oxoniens. I, 80 ; Wadding, Scriptores or-
dinis minor. (Born, 1650) unter Nicolaus; Brewer, Mon. Franciscana, p.
552.) (gbenfo ifl Sol^anne« Odam, ton beut ft* m ®ien ein ]^anbf^riftli(i^c«
Directorium juris au3 bem 14. Sal^rl^. flnbet, ni^t mit Sitl^elm O. ju tocr«»
toecjfeln.
*) Sabbing VI, 396. 3n bem SSetjeici&mß ber Minisfa-i prövinciales in
Angiia (Brewer, Mön. Fransiscana, London, 1858? p. 537 in Her. Britann.
medii aevi scriptores) toirb Orfam, tt)al^rf^einli(i6 »egen fcineS Slbfallc^, ni^t
aufgefül^tt.
*) Job. Vitoduran. 89.
*) Liber de scriptor. ecclesiast, ^u^g. t>. 1494, fol. 82.
•) ©^ronica, 3lu«g. ö. 1580, @. 394.
*) «0(!^uft« ober «oberin«? 3)ic Angaben fc3^n>an!en.
— 72 —
bif(j^of öon ®cnua unb ©enctatoicat be§ DrbcnS für Stauen ernannte 0;
Stuber granj be 5Karca, ein ©d^üler bc§ 3)unS ©cotuS, ber t^eoIo=
gtf^e ©(^riften l^interlaffen l^at *) ; Sruber gfranj. öon Slfcoli, bct um
1321 im Älofter ©t. Sorenj ju 5ReapeI unb im SRat^e ftönig Äobcrt§
gemirft l^atte *) ; enbüd^ anä) ein SJeutfiä^er , ©ruber ipeinrid^ uon
3:]^al^eim, SRagifter ber SEI^eoIogie, melier ber 93erfammlung }u
Perugia atö ^proüincial don Dberbeutfiä^lanb beigetool^nt *), 1325 aber
ju ©onftanj biefe SSJürbe niebergelegt l^atte ^). Der festere begab jt^
mit einem il^m befreunbeten 2ector beS DrbenS balb nad^ ber glu^t
ßefenaS jum Äaifer naä) 3talien, ber beibe ©ruber mit gieren auf»
nal^m, Sl^all^eim ju feinem ftanjier ernannte ®) unb {einem ©enoffen
baS SiStl^um SSercelli gab '').
6ine befonbere Stellung nal^m ber ©enuefer, ©ruber Ubertino öon
3Süa öon ®af ale ein, getoö^nliiä^ nurUbertinobaßafale genannt ®).
1259 geboren, mar er fd&on 1273 in ben SRinoritenorben getreten^)
unb l^atte \\ä) als Ieibenf(3^aftlid^er 3ln]^önger be§ ^etruS öon Dliöa
bemer!Ii(i^ gema(3^t, für ben er 1297 eine eingel^enbe 5Bert]^eibigung§=
fd^rift öeröffentlid^te. ^iad^bem er in öerf^iebenen ftlöfiern SpoIeto§,
ber 2Karf unb SEufcienS gewirft l^atte, öettaufd^te er neun ^al^re lang
bie ©eelforge mit bem fiel^ramt in ^ari§. 1305 fci^rieb er in ber
(Sebirggeinfamfeit ber ©eöennen ein großes ©rbaüungSbud^ unter bem
1) Wadding, Annal. VII, 85.
*) 1. c. VI, 137.
^) 1. c. VI, 374. SÖSabbing nennt tl^n cbenfo mt ben totl^ergenanntcn
granj bc $Warca einen ^icentiner; man barf ble grage aufttjcrfen, ob er nid^t
ttxoa au9 einer $erf5nli(^tett jtoei ntac^t.
*) 1. c. VI, 396. @ein Siame er^eint meifl in ben öerborbenen formen :
patent, (Sl^alem u. a. ^bentin ((Sl^ronica, ^udg. t>. 1850, @. 394) nennt i^tt
^etnrici^ bon ^ell^etm.
*) ©laßbergerö (JH^xonit, fol. 68, »o er de Teylheim genannt toirb.
«) UrfunbU(!^ erf^eint er afö fol^er 1328, 22. 2)ej. ju «ßifa (gider, Ut-
lunben j. @efci^. be^ 9?8merjugc8 Ä. gubnjig«, @. 114.) unb 1329, 23, u. 27.
Suni. (Stopp, V, 291).
') Vitodurani Chrou. 87.
®) Mussato (Boehmer, Fontes I, 175); V^adding, Annales, V, 52, 380,
417; VI, 167, 171, 198, 271, 316. SBabbing« SCngaben fmb oft. unter fic^
fetbji nii^t aufammenjureimen. Ucberl^aa^t bleibt in Ubertino« ©efd^i^te biete«
bunlel unb unftd^er.
®) Oubin, in, 748, na^ (Srtüäl^ungen im Arbor vitae crucifixi. SSon
einer SBerbinbung Ubertino« mit 2ub»tg bem ©aier »eiß Oubin nici^t«.
— 73 —
%M Arbor vitae crudfixi, ba§ noci^ in fpätercn Sal^rl^unbcxten
gern gclcfcn toutbc unb u. a. bon ©ctfon toarm cmpfol^lcn toirb *).
Unter feinet gül^rung ftanb eine 3rit lang bie unter KöIejHn V.
t)üm Drben getrennte jkengere ©piritualenpartei. 3)a ^opft ßlemenS V.
biefelbe ni^t ntel^r bulben xooUit, bat Ubertino bergebli(]^ il^n bont
©cl^orfom gegen bie Oberen ju entbinben, ho^ im Drben ju belaffen
{1312); bagegen erl^ielt er 1317 bie ßrlaubnife ju ben SBenebiftinem
überjutreien. SJieje aber wiefen il^n in ©emblouj, tt)o er feinen Sffio^n«
ft| auf f (plagen mollte, angebli(i^ megen feinet unruhigen ©etfie^ unb
feiner jelotifiä^en ©efinnungen jurüc!^). Ueber feinen ©d^idfalen in
ben folgenbcn Salären f(3^ttebt S)un!et: ta^ er 1322 auf bie S(uf«
forberung ^app 3öl^annS ein @uta(^ten über bie gtage ber eöange«
Uf^en ^rmutl^ abgab, ^aben toir fd^on ertoäl^nt; in ben folgenben
Salären aber fci^eint er fid^ mit bem Sßapfte böllig übertüorf en ju l^aben.
Senn t)om Saläre 1325 liegt ein pöpftli^er ©riafe bor, in weld^em
bie ®efangenfe|ung UbertinoS bon ßafale befolgten mirb ^). 3l\xn er=
fal^rcn toir bon SDluffato *) , bafe Ubertino , ber l^ier ein talentboHer
unb berf(i^Iagener ^Renfd^ genannt mirb, 1327 mit Äönig Submig
au§ S)eutfd^Ianb naä) Italien lam unb neben SKarfiglio ^aupt=
ratlgeber be§ ftönig§ mar. S)emna<^ fij^eint Ubertino f^on bor ben
übrigen 9Kinoriten mit Submig angelnüpft gu l^aben unb nal^e liegt
. bie Sermutl^ung, bafe mir in i^m einen ber leibenfd^aftlid^en SBerfei^ter
ber ärmutl^ K^rifti ju fu(ä&en l^aben, beren SBirIf amieit am !aiferli(j^en
C)ofe jt^ fd^on in ber SlppeHationSf^rift bon 1324, freilid^ nur in
einem o^ne SBiffen unb SQßiHen be§ ftaiferS eingefc^obenen 5lbf(|nittf
fül^lbar mad^t. 3n Slom l^at bann Ubertino gemeinfd^aftli^ mit
3KQtfigIio ba§ officieüe 2lbfe|ung§becret gegen 3o^önn rebigirt. 9lad^
^) (Sine anbete @(^tift Don il^m : De septem statibus ecciesiae ift ju
^encbtg 1516 gebtudt tpotbcn.
*) iRa4 einet nid^t gut loetbütgten SCngabe, bie tüclfjü auf einet SSenoed^d^
Irnig ^rul^t, toate et ju ben (Sattljänfcrn übetgcttcten. ©. Oubin, III, 748.
*ttö^ Olagberger, fol. 75, »ciß öon einem fotci^en Ucbctttitt, feftt bcnfclben jcbot^
Hon in bie Seit (Slcmenö* V.
*) aia^nalb, 1325, §. 20. <S. Qu6f bie ^otc SWanfi« in biefem Ibfd^nitt
in fdner «uögabc 3lat)nalb8. SBabbing, VI, 271.
*) «. a. O.
— 74 —
bcm Sftömcrjuge erft^ctnt. fein Slame nid^t mcl&r in aSctbinbung mit
Äaifcr 8ubtt)ig unb bcn tcbcHifd&cn SRinoritcn *).
*) aWan möti^tc ann.cl^mcn, baß ber fic6)igi5§riflc @rci« in 3taticn gelbrben
xft, mytttn nici^t ein ^rototoü, n>orin Ubertino feine (SrK&rung t>on 1322 aufregt
}u l^aUen üerft^ert, ba9 Saturn 27. €^e^teni6er 1330 trüge (Baluze, MiBcel*
lanea, ed. Mansi, II, 280). 3nbeffen mng bie ^iäftx^ttit be9 leiteten 2)atnm9
^»etfed^aft erfc^einen. 2)te Angaben in ber ^ronit (Staßbergerd (fot. 75, 76),
bag Ubertino fiä^ f^&ter in 9lont^eK:er aufgel^alten unb noci^ bie auf bie ^titm
Urban« VI. gelebt ^aht, muffen irrig fein, »enn onber« bie 3«t feiner (Geburt
unb feine9 Orbendeintritte9 rid^tig beflimmt tDtrb.
J
§5.
SitiitiiigS 9Rtf etrfiilge «itb UntertoerfittigSlierfit^e iri
3oliaiin XXU. «nb »eiteMIt XD. 2){e Siti^tt am Sftiitd|iier
$öite ftd^ Submig nad^ ben erften Erfolgen in 9lom mit aller
(Snetgie gegen feinen gefäl^tlid^ften italienifd^en ®egner, ben Jt5ni^
Robert bon 9leapel, gemenbet, fo toax e§ nad^ bem Urtl^eil eines ein»
fi^tigen 3^i*9^^offen ^) um bie Qaäjt StnJouS unb Qo^annS XXII. in
Stauen gefd^el^en. S)en fül^nen ©bieten mußte bie militörifd^e Xf^aU
fcoft entfpred^en, »enn jte nid^t tt)irtung§Io§ bleiben follten. 5Ibet
wem ®ott übel »iß , ruft SSillani ^) , bem nimmt er ben SBerflanb.
SubtDig }og e§ Dor in 9lom 93oIf§t)erfammIungen tagen }u laffen unb
ftrönung§ceremonielI ju entfalten. Salb räd^ie \i(S) bie 38erfäumnife be^
gfinfiigen 3^'*^^"^^^ baburd^, bafe bie ©tettung be§ flaifer§ in Sftom
felbft unl^altbar mürbe. 5)ie öon ben ©ibellinen unb ©icilianern er*
»arteten Unterjiü Jungen blieben au§, militürifcj^e SMifeerfoIge unb
toieberl^oüe ©elbforberungen be§ ffaiferS brad^ten bie Unjufriebenl^eit
in ber ©tabt, bie bei einem längeren 5lufent]^alt ber S)eutfd^en nod^
nie fern geblieben mar , jum SluSbrud^ unb am 14. Slugup f al^ ftd^
2ubtt)ig gcjmungen, fammt feinem ©egenpapfte bie emige ©tabt ju
räumen, ©ein flud^täl^nlid^er Slbjug erfolgte unter ben SBermünfd^ungen
unb ©teinmürfen beöfelben S5oIIe§, auf baS er öor einem SSierteljal^re
feine !aiferli(]^e ©ouberänetät begrünbet l^atte. ©d^on am folgenben
Soge ergriffen ber ßarbinal S^^ann unb ba§ ^aupt ber päpftlid^ ge«
finnten 9lrijio!raten, 9lapoIeon Drfini, Sefift öon ber ©tabt unb mentge
3^öge fpäter erflärte eine SSoüSüerfammlung alle öffentlichen ^anblungen
2ubtt)ig§ für nid^tig unb liefe feine gbicte burd^ ben genfer üerbrennen.
') SSittani (Muratori, Scriptores, XIII, 633).
— 76 -
^et tömifii^e ^öbel toax im ^Dttttelaltet ungefüllt baS, mag in bet
^teujeU bet ^atifer. 6r ri^ bie Seiten beutfd^et ihieget au§ ben
<3täbem, f^Ieifte fie bur^ bie Strafen unb toatf fie in ben Xiber.
tBon biefem Populus mag bamalS ba§ beutfd^e äBort ,,^^öber' feine
ie|ige niebrige Sebeutung erl^alten ^aben^).
Salb folgte bet Xob SofhuccioS, bet SbfoO ber ^Rotlgtafen Don
€{le unb Sd^mierigteiten mit ben SSifcontl 93on SRonat )u SRonat
lid^teten {td^ bie laiferlid^en Sunbedgenoffen, Gruppen unb ©elbmittel
ttBor beim beginne bed @treite§ mit ^o^ann unb nod^ bei 8ubU)ig§
^injug in stoßen bie Stimmung ber unabl^ängigen Greife übetmiegenb
bem ungete^t angegriffenen ßönig günftig getoefen, fo f($Iug fie na(i^
ben tömifd^en ®eioQltma^tegeIn unb ben »iebet^olten UnglfidSfäDen
tafd^ in§ @egent]^eil um. 3Rit ^ül^e behauptete ftd^ bet Saifet mäl^tenb
bes Saftes 1329 in 3talien. «IS et im gfebtuot 1330 na^ Saiem
jutüdfle^tte , mufete et ben SSetfu^ bie beutfcj^e ^ettfd^aft in Italien
toiebet^et}u{tenen al§ gefd^eitett bettad^ten.
3n betfelben Qtxt bxaäi bie ^ierotd^e jufammen, bie Subwig ber
€urie t)on SDignon entgegengefieOt l^atte. ^etet Don Sotbata, ein
fd^toai^et ®eiji unb flets nut SEßetfjeug in ben f)änben anbetet, toatf
fid^ mit einem ©tridE um ben ipalS bem ^opjle 3ol^ann gnabeflel^enb
ju gfüfeen.
©agegen folgte bem ftaifer ber größte Sl^eil ber ®tUf)xtm unb
Xl^eologen , bie fid^ $ilfe fud^enb unb ©ilfe bringenb um il^n ge»
fammelt l^atten, über bie SKpen. 6ine feltfame internationale Kolonie
ftebelte fid^ nun in ber baierifd^en ^erjogjlabt an. ^arifer ^rofefforcn
unb italienif d^e , englifd^e unb beutfd^e Settelmond^e bilbeten mit
ujenigen einl^eimifd^en Staatsmännern unb ©eijHid^en ben politifd^en
unb tl^eologifd^en siatl^ bc3 ftaiferS. SSon SKarfiglio, ßefena, Ddfam,
Sonagratia, Sranj bon 9lfcoIi*), granj öon 2Rarca, $einrid^ bon
%\)Qif)tm unb bem Sifd^of 3aIob öon 6ajieIIo ») läfet ftd^ «nroefen»
l^eit unb SBirffamleit am SKünd^ner ^ofe nad^ bem italienifd^en
*) «u« bem franj3ftf(i^cn peuple cntflanbcn lommt tS fcäton früljer t)or,
^. ^. im $ariii)}atr bod^ ol^ne niebrige ^^ebenbebeutung. 2)ie bentf^ Saffung
be9 faiferttcj^en Unteru)erfung9f(^reiben8 t>on 1336 ettool^nt „daz povel ze Rom^^
e. «eitoge m, Ur!. A,
*) 3n ber t)on Johannes Minorita, 315, überlieferten @4rtft, bie KfcüU
gemeinfam mit ^tl^eim, Odam unb ^onagratia 1329 k>erfagte, ^eigt er:
Franciscas de Apponianp, dictus de Esculo.
») 9lat?natb 1330, § 28.
— 77 -
geO^aSC SBMg§ nbtnbti^ no^meifen; no^ mehrere muffm bort
geocilt f^AoL, brrm Atomen ni^t n^alten pnb 0* ^i^ SRinoxHen
»o^nkn ii bot bei |)f^g§buTg beno^barten filoßer i^rct. Ctbm^
btfiber, boiffl fie au§ 3taltm btn %nn bed ^L ^ioniud mttge*^
fnü^f^aüm*); Otoiftglto otrb ol3 Seibaqt ben j^atfet auf feinen
Seifat bcgbiU ^oben.
Kc^em fii^ bei @egenpa)){l untermorf en , hoffte ^o^ann bief e
Ste^e be§ geipli^len unb gelehrten SBiberftanbeS leistet betooltigen su
BmiaL 6^ am 16. %)0. 1329 l^ottc er gegen SefenaS «ppeUotionS-
f ^Mft eine bet initfftngli(!^ßen unb ^eftigjlen SuHen , bie je bon bet
©urie ausgegangen Rnb, ble tl^eologif^e «b^anblung Qnia vir
reprobus*) öetö jf entlt^t ; im 3anuar 1331 erliefe er einen neuen
Protei gegen ben rebeffif^ DrbenSgeneroI unb feine Än^dnger, unter
benen Dfam, Sonagrofia unb 3:^al^eim namentlii^ aufgeführt »erben^
unb f^uffc eircularfd^ben an ben gDiftopat, »orin er ouf il&re ®e»
fcngeraia^me bringt*), m^t nur bie alten fiejereien über bie «rmut^,
fonbem aud^ bie fünf ^rrtl^ümer, »el^e früher auS bem Sucj^e
5RarfigIio§ unb 3önbunS üerbammt »orben »aren, »erben i^nen
^ier borgeworfen. Denno(Jö »irb mon nid^t annel^nien bürfen , bafe
unter ben gelehrten »otl^cn be§ »aiferS öonpftnbige ginmütl&igfeit
l^crrfdjte. 3>en »ettelmön^h, mit «uSnal^me Odamö, ©ar gemife
^ aufgdiftrtere HRcrfiglio biel ju rebolutionör. S)er Swiefpalt Hingt
beufli^ aus ber gntrüpung burd^, mit »eld^er Sefena in einem «riefe
on ben CrbenSgeneral 6ube§ ben »ormurf jurütfmeijt, bafe er je mit
3onbun in Serbinbung getreten fei *). 3anbun mar bomalS f d|on
') a)ic6 g^t an« bcm e^rcibm (Sternen«' VI. hqfi^li^ bcr Unterwerfung
*> 3m Ttmäfutx 3lci*«ar<]^iJB finbet p* eine Urfunbe i)om Saläre 1395,
»orm Heioriciu, episcop. Kossensis et suflfraganeus Frising. bem granji«-
fanerfroPo: SKUnd^en großen «blaß getoS^rt in mä^t auf ben «rm be« ^t
«ntomu«, bcr im «Itare be« (S^or« liege, unb auf ben «Maß, ben bie bort be*
.qrabenen meldten magistri ^ugUitif mit bem «rme bc« ßeiltaen ber ÄirAc
wrf^afft l^bcn. v » «r-
») »at?nalb 1329, § 22—68.
*) Martene, Thes. H, 829; 8laJ?nalb 1331, § 1, 2. a)aß fie bamal« in
mnäftn tueUten, »irb nic^^t erwähnt.
*) UlteriiiB dicis mendaciter, quod ego communicavi magistro Johanni
de JanduDO. »rief Ccfena« i)om S^ejember 1332 au8 2Rän(!^en. Olaßberacr
fol. 79.
T. .-1
— 78 —
iobt; ober bie ©timmung (JefcnaS unb ber mcijicn TOinoritca gegen
IDlarfiglio lann ni^t beffer geioefen fein.
^Dlarfigüo^ @influ^ l^oite auf bem ttaüenifii^en 3^9^/ in ben
Saluten 1327—29 übetwogen. 9la(!^bem feine rabicale ^olitil ööllig
^efd^eitert ift , treten, in SRünti^en bie 3Kinoriten mel^r in ben SSorber=
grunb, ol^ne jebod^ in gleid^em ©rabe bejiimmenb auf ben ®ang ber
^inge toirfen ju fönnen, tt)ie eS bem fül^nen 3toIiener öorübergel^enb
gelungen mar.
S)ie Unterftü|ung , meldte bem ftaifer burd^ bie 2Kinoriten ge=
Srad^t iDurbe, l^at man meijienö überft^ftjt. ®ie „3Rinberbrüber" ober
^^Sarfuoffen" waren aüerbingS aud^ bamals no(^ ber bollstl^ümliii^jie
Drben; abmeid^enb öon ben alten Stiftungen ber SenebÜtiner unb
(Siftercienfer unb ber Stit^tung ber geit entgegenlommenb l^atten fie
i^re 9flieberlaffungen öorne^mlid^ in ben ©tobten gegrünbet; babur$
filterten fie \xä) ©influfe auf jene Äreife, in todä^t fd^on bamal§ ber
©^ttjerpunft ber gefd^it^tlid^en ßnttoidEelung gerüdEt mar, Sei ^o$
unb ^lieber l^atten fie i^re greunbe. 2öenn ber »eltlid^e ÄIeru§ in
ioftbaren ©emönbern aufftieg unb in ©elagen, ©}>iel unb 3iagb bem
Slitterftanbe nad^eiferte, waren bie fd^Iid^tcn Äutten ber SJlinberbrübcr,
i^re 3ii<ä^t wnb ©ntfagung bem S5oI!e ein erl^ebenbeS unb erfreuIid^eS
©d^aufpieL ©erabe i^re eifrige SSert^eibigung ber Slrmut^ toar, ba fie
bie St^eorie aud^ betl^ätigten, ganj geeignet, bie ©emüt^er ber ÜKenge
für fie }u gewinnen. Siedet begeid^nenb ift in biefer ^infid^t, tt)a§ bon
ber ©eneralöerfammlung be§ Orben§ berit^tet mirb^ weld^e 1329 ju
^ari§ gel^alten würbe: wenn l^ier öon ben jal^Ireid^ öerfammelten
35rübern ber berfd^iebenften Sangen unb Stationen — fo erjäl^It ein
IDlinorit ^) unb e§ Hingt wol^I burd^, weld^e greube er baran l^at —
wenn einer aufftanb unb eine ßrl^ö^ung beftieg, um ba& SBort ©ottcS
JU bertünben, , bann l^ord^te ba§ 25oI! mit gefpannten Citren, ob auS
feinem SJlunbe bie 3lrmut^ ß^rifti bejaht ober bemeint würbe, unb
wenn bann- bie 5Dlenge bernal^m, wie alle S3rüber fie einmütl^ig be»
Jagten, fo warb fie bon unnennbarer greube erfüllt.
3Jian barf aber nid^t überfeinen, bafe ßefena bei feinem SBiber*
ftanbe gegen ben ^apft im Drben felbft nur furje ^zii Unterftü|iung
fanb. Um bie 3^'t f^i"^^ glw^t bon Slbignon ftanb frcilid^ mit 9lu§«
nal^me jener 33rüber, weld^e Karbinäle waren, unb weniger anbcrer
bie ganje ©efeUfd^aft einmüt^ig ju t^rem berel^rten ©eneral. ©eine
^) Job. Vitoduran. Chron. 86.
l
— 79 ~
ffiiebettOQl^l im (Kapitel }u Bologna gegen ben auSbtüdl^en SBillen
bc§ ^ßoppeS gab ber Dppofition ben fd^roff pen SluSbrud. Stngefid^tS
dneS fo entfi^iebenen SBtbetjlQnbeg l^atte jt^ botnals ^^l^onn fogor
mit bem ®ebanfen getragen ben Otben aufgu^eben. 2Baten bot
<i$tje]^n Saluten bie Semplet ber Habgier beS franiöjifd^en Äönig§
jum Opfer gefallen, fo fd^ien. j[e|t bie jal^Ireid^pe unb boIIStpmlid^Pe
!)l5nd^§gefeDfd^aft inxif ^ufle^nung gegen bie pöpfilid^e ^utoritöt in
intern Sejianbe geföl^rbet. Sie 99emäl^ungen ber @^arbinale, meldte
OtbenSglieber waren, unb bie fjürbitten ber l^ol^en greunbe be§ Orben§,
ber Könige öon granlreicj^, ?leapel, Gapilien unb Slrragonien brad^ten
jebo$ ben ^app bon feinem SBorl^aben ab unb binnen furjem fd&on
^atte [xäf bie ©aci^Iage bur(^au§ beränbert. Sie ^nftrengungen be§
^apjleS unb feiner Segaten, bie ^Dlifegriffe unb 5KifeerfoIge SubmigS in
Italien unb bie üöllige S5ebeutung§Iofig!eit unb ©d^mäd^e beS @egen»
t)apfie§ tt)ir!ten jufammen, um in bie Seilten ber SJiinoriten 3tt)iefpalt
ju tragen unb bie Partei 6efcna§ mel^r unb mel^r gu ifoliren. ©d^on
am 5. 3Rai 1329 lonnte ber ^apji an bie Königin ^ol^anna bon
Sranfreid^ fd^reiben, ba^ ber ganje Drben mit unbebeutenben ÄuS»
nahmen il^m toieber ge^ord^e ^). 2luf bem Crben§capitel, ba§ ju ^fingften
biejc§ 3al^re§ ju ^ari§ tagte, mürbe bie a[bfe|ung 6efena§ erflört
unb ber ©anbibat unb SanbSmann be§ ^apjieS, ©erarb 6ubc§, jum
General erl^oben. Serfelbe fanb fogleid^ nal^eju aHgemeine Slnerfennung ;
t)crgcben§ erliefe ßefena einen ^roteft nad^ bem anbern, üergebenS
fud^tcn Sll^all^eim, Slfcoli, Ddfom unb 33onagratia in einem gemein»
jd^ofüid^en ©utad^ten ^) bie Slbfe^ung 6efcna§ al§ unret^tmäfeig nad^-
jutoeifen. Sie Untertt)erfung be§ ®egenpapfte§ öoKenbete biefen Um=
i^tDung unb menn aud^ ber Crben in ber urfprünglid^en Streitfrage
über bie 3[rmut]^ felbft bamalS ber öon 3o!^ann befol^Ienen Sluffafjung
fi^ nod^ nid^t ol^ne aöe ßlaufeln gefügt ju ^aben fd^eint ^) , fo mar
t§ bo(5, al§ ßefena mit feinem ©efolge Subtoig über bie Sllpen be=
jleitcte, um bie ^a^z be§ rebeKifd^en ©cneratö bereits gefd^el^en unb
bo§ päpftlid^e 9lnfe!^en im Drben mieberl^ergefteHt. 33on SInfang bi§
6nbe feines 3Rün^ner 3lufentl^alte§ l^at ©efeno , menigftenS über bie
beutfd^en OrbenSbrüber , bieHeid^t mit SluSnal^me einiger baierifd^en
*) Sia^natb 1329, § 69. 2)ic Sinl^ngcr Sefcnag in SDatmaticn, Sranfrcid^,
<Sn9lanb, ^^^anien unb Statten f. a. a. O. § 22.
^ SD^ttgetl^eUt t)on Jobannes Minorita, 315 f(gb.
^) @. u. a. ©laßbcrgcrS (S^roni!, fol. 76. @^ SBcikgc II.
j*r:^
- 80 -
^löfter, leineriet Slutotität ntel^r ouSgeUit, toenn er fie au(| bt§ ju
feiner legten ßranll^eit in »ieberl^olten SIppellationen unb ©(^reiben
an ©erorb ßubeS^) fortioäl^renb beanfpruci^te.
Den getreuen 3[uSbru(f für bie »bamalige ©epnnung ber 9He^t«
ial)l ber beutft^en SKinoriten barf man mol^I in ber ©l^ronif bcS
SruberS Sol^ann bon SEßintertl^ur erblidfen «). mit ber t)äpji(i(^en gnt=
fi^eibung über bie Strmutl^ ß^rijii ift biefer freilii^ unjufrieben, aber
er untermirft fid^ ; er ift nid^t ol^ne ©tolj auf bie grl^cbung feines
fro nten 5Witbruber§ ^eter öon Korbara, aber etfennt il^n nid^t
al§ red^tmöfeigen ^a^>fl an; bem ßefena bringt er jmar ©^nHJat^ien,
aber nid^t bie Slnerlennung als DrbenSgeneral entgegen. SSom ^opflc
(Klemenö VI.) fingt er: Papa cupit nimium sibi terras esse sub-
actas ^) ; beibe fel^Ien, f agt er , juerft ber If aifer, aber ber ^apjt glci(|
l^ernad^*); bie 3ugeftänbniffe Subtt)ig§ nennt er „f(|tt)ere fiajien unb
ein unerträgliches Uebereinfommen" ^). 3)ie Sßerberbtl^eit be§ ÄleruS
bcHagt er in ben bitterften SGBorten : ,,S)iefe fogenannten Wirten meiben
fi(^ felbft, aber il^re ©d^afe reiben fie nid^t, bie fd^eren fie, \a xtoäi
fd^limmer, fie fd^eren fie nid^t, fie fd^inben fie; fie jeigen, bafe fie
nid^t C)itten fonbern SDßöIfe ftnb" ß). mit gntrüftung fd^ilbert er bie
grpreffungen , ju benen ber fileruS fpäter bie 9luf]^ebung beS "^nttt^
bicte§ mifebraud^te ; „o weld^eS Unred^t, für bie Slbfolution einer
einjigen ©tabt (fiinbau), für bie Slufl^ebung be§ 3nterbicte§ unb
SDßiebereinweil^ung eines SegröbnifepIaJeS bierjig, fünfgig, fed^jig ©ulben
ju nel^mcn" ^) !
^) Johannes Minorita 341; Goldast, Monarchia, II, 1236 ftgb.;
bcrgcr« (Sl^ronif, fotj 77.
2) 2Efiit ßrifgerer (Sntf^iebenl^ett ergreift ^ermamt i^igaS, in bem man tbta*
fattS einen fd^mäbtfi^en ÜRlnoriten fud^en mug, $artet gegen bie $ä^f!e. 2)ie
Unterfuci^ungcn über i^n unb feine Flores temporum finb nodj laöge ni^t ab*
gefci^loffen. ®te bei (Sccarb aU Martinas minorita gebrudte (S^ronit (Corp.
bist. med. aevi I, 1551) toerl^ätt fid) ju einer 2)onancf(i6inger ©anbf^rift (Sllx. 506)
be6 ^ermann ®igaS mic 3(n$gug jnm Original.
») @. 203.
*) @. 202.
^) (S. 21:4, tarn gravia honera et pacta tarn inportabilia.
«) @. 248.
') I. c. 8Sergt über bie Stellung So^annB bon Söintert^ur jnm Äir^en-
flreit SÄeijer bon Änonau, 2)entfd&c' ÜÄinoriten im @treit ^toifci^en Äaifcr unb
^o^fl. 3u Sol^ann öon gßintertl^ur ©bBcWWor. 3eitf*rift, 1873, @. 241— 253;
- 81 —
(Sine fold^e ©timmung hxaäfk eS nun mit fid^, ba^ k)on aQer
@eifHi(]^!ctt bic ![Rinbctbtübcr am leid^tcjicn geneigt fein mußten fi(j^
übet baS pä<)jlli$e unterbiet l^intoegjufejen ^ , unb bie| toax allet«
bingS für ben &ai\tx eine mäd^tige i^Ufe, menn ftd^ irgenbmo ein
Meru§ fanb, ber, ol^ne hnxä) äufeeren 3tt)ong genötl&igt ju fein,
®otte§bienft ^ielt unb bie ©acramente ettl^eilte. 9lber berartige gföDe
f(!|einen bor 1338 bod^ aud^ bei ben SWinoriten nur SluSnal^men ge=
bittet ju l^aben «). 9H§ ^app 3o^ann beim f onntäglid^en ®otte§bienfte
bie ßinfd^altung eine§ ^foIme§ unb töglid^c 93ittgebete gegen bie
gcinbe ber fiird^e befallt, morunter natürlid^ Subtoig in erfter Stcil^e
gemeint mar, unterwarf fid^ ber gonje Drben biefer SSerfügung,
tDä^tenb fogar ein großer S^l^eil be§ übrigen ÄleruS fid^ miberfe|te ^).
9iad| bem 3:age öon 9ienfe glaubte fiübmig bie fd^on frül^er l^ie unb
ba angemenbeten jtrengen SKaferegeln gegen ben wiberfpenftigen ÄleruS
nod^ weiter auäbel^nen ju bürfen *) unb befallt, ba& afle Slngel^örigen
be§ 3teid6§ ben ©otteSbienft mieber aufjunel^men l^ätten, worauf bie
faiferlilj^en Seamten nid^t fäumten, bem ©ebote burd^ ©traf anbrol^ungen
©e^orfam ju öerf (Raffen*
SEßenn bie SEßirfungen, weld^e bie SKinoriten in ber ©eelforge auf
bie 5Raf[en be§ beutfd^en 9Sol!e§ ju ©unjien SubwigS geübt l^aben,
Quf ein geringeres SWafe jurüdtjufül^ren finb, atö man biSl^er anju=
nel^men geneigt mar, fo bel^ält e§ bagegen feine 3lid^tig!eit , bafe bie
Heine 5Diffibentenfd^aar an SubmigS ^ofe aud^ nad^ bem italienifd^en
Selbjuge nod& für ben Äaifer unb gegen ben ^apft literarifd^ tl^ätig
toar. aSon SRarfiglio jwar löfet fid^ biefe nid^t nat^meifen; bie il^m
jugefd^riebcne ^bl^anblung über ba§ laiferlid^e Siedet in ®!^efad^en ift
uned^t unb fein Slractat de translatione imperii mal^rft^einlid^ öor
*) SBä^renb bic SJominifaner fap il6cratt am fepcften gum $a|)|ie ftanbcn
(f. n. a, SBenefd^ öon Söcitmit, Pelzel et Dobrowsky, Scriptor. rer. Bohemicar.
n, 266). 2)a6 ed m6) unter il^nen ou^nal^mdtDeife ^nl^^nger Submigg gab, er^
fielet mon au3 einem öon DcWncr (gorf drangen jur beutfc^en (^t\(i}i^tt, 1, 45)
öeröffenttie^tcn 5lbf^nitt au« Un Slctcn ber ©eneratcopitel bcg Orbenö.
') 2)ic ©ttaßburger SWinoritcn g. 33. „fungcnt t>ii jore »iber bc§ bobcjieö
briefc". (©^ronifen ber beutf(j^en etäbte VIII, 470). @. ou* ©einriß öon
2)icjfenl^ofen, Boehmer, Fontes, IV, 64.
») Vitoduran. »1.
*) 3m allgemeinen gatt fein Sluftreten gegen ben Ätcru« al« mitbe. »3)er
feifcr »ag fo gut unb fo tugentl&aft, baj er« alfo gcbultefti* leite, baj er »cmg
ie feinen armen i^faffcn barumbe bette fejiigen.'' (gritfije Stofener , (Sljromfen
ber beütf«en @täbte, VIII, 69.) Slel^nti* urt^eitt «enef* öon S^citmit a. a. O.
» i c a l c r , gSibcrfot^ct ber ^Jä^jftc. * H
L
j>__.
— 82 —
bem itolienifd^ 3^9^ gefd^Aoi. 3)agf9en iß imhe mehreren Sci^nftett
@efena3, OdamS unb Sonagtottod {t<j(Kt, ba^ fie m bttfer ^txi ent'
^nben finb^). 9tS }ttm 3^te 1338 trasen bie Sii^tiften biefet
9]ttnortten, fotoeti mir fie lennen, botne^müc^ t^Iogifd^ ®ept≥
imetmfibliA Vtf^ fie gegen bie ^e^ien ^pfl S^^onnd ju ^Ibe.
@eit bem ^ge bon Senfe aber toetben Sonagratia unb Ddam burd^
ben fiaifet au^ )u publicipif^ SBerlen detonlo^, in benen fte bie
Se^te beS römifd^ Itaifertbumd unb bei n>eltli<!^ ®en}a(t übet«
^Qupt gegen bie p&pflli^n Angriffe bext^eibigen. Cdam inS6e[onbete
begleitet a^i ^o^te ober Iftnger ]eben politif^n Sotgong bon SBii^tig»
feit mit einem gelehrten 3:taäate. ©eine Octo quaestiones {nfit)fen
an bie Sefii^Iüjfe bon Senfe unb gfrantfurt, fein Tractatus de juris-
dictJone imperatoris in causa matrimoniali an ben Eingriff in bie
ür^Ii^e g^egeri^t^barf eit , ben fi^ ber fiaifet butti^ bie Sermöl^Iung
feinet aUeften @o]^ne3 mit SRargaret^a Waultaf^ erlaubte. 9Ig fpöiet
^apft Clemens bie ^cejfe gegen ^ubmig erneuerte, f^rieb Cef am auf
SSBunfd^ be§ ftaiferS fein größtes 9Bei{, ben Dialogus, ber ben
f<i^manlenben ^er}og 9Ibre^t Don Cefierreid^ ber laiferüd^ Sad^e
gün^g jiimmen follte unb biefe§ 3^^^ ^^ ^^^ ^^^^ enei^te'). 6nb=
li^ al§ ber Suiemburger £arl jum ®egenbapfte aufgehellt mürbe,
fanbte Cdam ben Sractat De electione Garoli IV. in bie SBelt
^inau§. 2)er Umfang feiner Iiterari)(]^n Srjeugnijfe oud ber 3^^^
feines Sufentl^alteS im Stündet ^ranjistanertlofler gren}t an§ Un^
glaubli^ ; au$ miffen mir auS feinem eigenen Vtunbe , ba^ et bie
3kvc^t, bie i^m ^ier getoä^rt mar, benü|te, um „aUe @$riften unb
93erte, mel^e bon ®egnem ber ^ßopfte ausgingen, ju fammeln unb
unablöffig barin gu jtubiren" ^).
Sie l^at fid^ aber ba§ SSerl^öItni^ be^S ^aiferS }u feinen geleierten
SunbeSgenoffen in biefen 2ia^ren geftaltet?
Um bie^ }u fd^ilbem, ifl e§ notl^ig, ba^ mir SubmigS ©teHung
ju ben köpften mcnigjienS in i^ren bebeutfamften SRomenten unb
äßanblungen aud^ nod^ fernerl^in inS Xuge faffen. ^§ ber Saifet
au§ 2italien jurfidfe^rte, mu^te er finben , iai bie politifd^en ^ad^te
in 3)eutfdeianb, auf beren ^Mtmirtung bad fd^mad^e beutfd^e fionigt^um
^) ^ie narren iRac^ifungen folgen im )ioeiten ^eilc.
*) Job. Victor, bei Boebmer, Pontes, I, 447.
*) 2)te Spotte flnb im !3)iatogu9 (Goldast, Monarchia II, 392) bem
Schüfet in ben Tluah gelegt.
rss-
- 83 —
«ngetoicfcn toax, einet fo feinblid^en ©tellung gegenüber ber ßutte,
toie er fie eingenommen l^atte, leinen Slüdl^att boten. SKel^r unb mel^r
mod^te baS Snterbict, baS 3ol^onn über äße Sanbe SubwigS auSge»
]pxdä)tn i)attt, feine furt^tbaren moralifd^en SBirfungen fül^Ibar. S)er
Äoifer felbjl blieb inmitten einer 3^^*^ ^^W ^^ ^apjle gläubig ben
SteHöertreter ßl^rifti bercl&rte^ gegenüber einer ftird^e, beren ©aftungen
unb ^nf(|auungen bad ganje ^afein ber Wenf^en bel^errfii^ten unb
<t[ünten, bon ber SJlod^t ber )}ö))ftlid^en Sannftral^Ien ni(|t unberül^rt.
ffleber in ber fjejiigleit feiner ©eele nod^ in ben äußeren Hilfsmitteln
feiner Herrf(j^erma(|t noc^ in ber @eftnnung bon 38oI! unb gürjlen
fanb Subtoig genügenbe Äraft, um ben begonnenen SBiberflonb fort»
jufeften.
©0 pnb bie folgenben fünfjel^n '^ai)xt öon 2ubtt)igS ^Regierung,
tnenn man bie Siüdfd^Ittge t)on 1334 unb 1338 in ^bred^nung bringt,
bur$ eine lange tReil^e üon Unterl^anblungen unb unermübli^en Sn»
«bictungen ber Unterwerfung ausgefüllt; eS iji ber auf bie ©pi^e
getriebene ^uSbrucf beS Iläglid^en $[bl^ängig!eitSber]^öltnif[eS, in melij^em
mäi päpfllit^er 5(nf(^auung bie Äaiferlrone bie beutf(|en ^enfd^cr jur
©utie Italien foDte. SBieberl^oIt merben bie unbilligften unb bemütl^i«
gcnbften gorberungen beS ^apfteS bom ßaifer bef^moren, öon bem»
felben Subwig , bem ÜJlarfiglio im Defensor pacis jugerufen l^atte :
Äcin römif(|er Äönig, er müfete nur ^äjto&ä^tx fein als ein SDßeib, toirb
je bie unerlaubten unb erniebrigenben Serträge eingeben , um melii^e
bie ^äpjie bie SSeftätigung feiner SBa^I bertaufen tüollen. 9Kit ^eä)i
]^at man bemerlt ^), bafe bie Semütl^igung eines ÄaiferS, l^inter melti^em
bereits bie ^ol^enftauf en , ^^ilipp ber ©d^öne, 3)ante unb fo biele
Apologeten ber ©taatSl^ol^eit flanben, erniebrigenber mar als bie Sufee
|)einrid^S IV. ju ßanoffa.
Die geleierten ©unbeSgen offen fiubmigS blieben bon ben SQßirfungen
biefcs aSücffi^lageS nifr befefjatb berfd^ont, meil bie ppjie tro^ SubmigS
ftu^erfler grniebrigung feine Untermerfung nid^t annal^men. Slid^t bem
Äaifer l^atten fie eS ja berbanfen, menn fie nid^t im ©efängnijfe ober
toie Sruber S^anj bon ^iftorio, ber 1337 ju 33enebig berbrannt
tourbe^), auf bem ©d^eiter^aufen enbeten. 3)er tiefere geiftige ©e^alt
feiner ©d^ujbef ol^lenen mar Submig mol^l immer fremb unb unberftanben
») ©rcgoroöiuö, VI, 219.
*) Segen feiner Icljerifd^cn ^Infi^tcn über bie SCrmutl^ (S^ripi. 2. Vita
Bened. Xu. bei Baluze, Vitae papar. Av. I, 206.
6*
— 84 —
geblieben, fortan muffen fie p^ bie traurige Solle gefoüen lafjen^
baB fie bei iebem ber wieberl^olten SSerfö^nungSberfu^e gegenüber bei
6urie preisgegeben, bei jeber 3tttü(fn)eifung biefer Serfud^e ober i^te
Iiterarif(!^en 3)ienjle neuerbingS in 3lnfprud& genommen »erben. 9li^t§
fann bie erbörmlid^e f)altIofig!eit ber laiferli^en ^olitif beffer fenn-
jeid^nen aU bie ©^loanfungen i^reS SSerl^altenS gegen biefe ©elel^tten.
9tm 6nbe rettet biefelben eben ber Umjlanb, ber bie aufgellörtetcn
unter iJ^neri in bie Dppofition getrieben : bofe bie innerjlen Sriebfebcrn
ber p&pfiliij^en ^olitif ni(^t religiöfer fonbem meltlid^ejr 9tatur maren.
®enn ber aSortl^eil, ber für gfranfreid^ ouS ber 3«^fiff^n]^eit unb
Cl^nmad^t 3)eutf(!^lanb§ ertoud^S, mog bei ber ßurie fd^merer olS afle
gieue unb ©rniebrigung beö ÄaiferS.
(Sleid^ bei ben erjten Unterl^onblungen , meldte Subtoig felbji im
©pötl^erbjt 1331 mit äol&ann anfnüpfle ^), erHörte er, bafe er aRorftglio
unb bie 9Rinoriten jur Untertoerfung bringen unb menn bie^ nid{)t
gelinge, il^nen feinen ©d^irm entjiel^en wolle *). S)er SluSgleid^ fc^eiterte
bamals an bem ©tarrjtnne beS päpfllid^en ©reifes, fteinen beffercn
grfolg l^atte nac^ 3ö^teSfriji ein neuer Serfud^ fiubmigS, ber bamalS
ju ©unjien ^txnxx^ öon 9lieberboiem fogar auf bie Jfrone ber*
jid^ten moflte*).
3m legten ÄegierungSjal^re ^ol^annS aber raffte fid^ ber Äaifer,
burd^ bie ®unfl ber politifd^en SBerl^ältniffe ermuntert, nod^mal ju
Dorübergel^enbem SBiberjianb auf. ®em ^apjie, ber ftd^ toö^renb feines
ganjen ^ontificatS fo üiel bamit ju fd^affen gemad^t l^atte anbere als
Äejer }u erttären, begegnete eS bamalS, bafe er felbfi eine bogmatifd^e
9lnfid^t auSfprad^, tt)el(|e juerjt ein einzelner S)omini!aner , balb bie
naml^afteften 3:]^eoIogen, bie ^arifer Uniberptöt unb — bie ffönige
Don gfranfteid^ unb 9leapel als lejerifd^ bejeid^neten. 6r meinte, bafe
bie ©eelen ber Slbgefd^iebenen nid^t el^er jur 9lnfd^auung ®otteS
^) <S4ion im Srül^ial^r 1330 litten ' ber ^9mg )>on Söl^mett unb ber (Sr^^
biWof ton 2:ricr, im $cr6fte biefe^ Sal^reS auger iffntn aucij ber ^rjcg Otto
t»ott OcPcrrcic!^ ber ßurie SJermittlungSöorfc^tägc »cgcn gubwig« Ü6cr[anbt. «S.
9lat?natb 1330, § 29 unb 36.
») 35mb bie ?Jarfuffen »nb »mb aWarftti fu(t 3r (Subtcig« ©efanbte)
f^re^n, ba« mx bie gern in tonfer rt^tigung »eilen nemen »nb mit »)nS bringen
ge^orfam bem @tul. Sßotten pe be« ni^t toolgen, fo tt)öllen »ir t>nS 3r ent«-
jauffen »nb fie fürbag nic^t mel^r fi^irmcn. Gewold, Defensio Ludovici, p. 118.
^) 92a)^nalb 1333, § 28. S)aran fnfipfte ^4 baS Serfpre^n, au^gebel^nte
9lei^tanbe an granfreic^ abzutreten, »oau bie 3RelJrxa^l ber Äurfürflen 3u-
ftimmung gab. ®. ©Sanier, Slegepen, @. 310.
; *
- 85 —
gelungen, atö bt§ fic am jüngften Stagc mit i^rcn Seibern bereinigt
tDorben wären ^). ®ie^ belebte ben 6ifer unb bie Hoffnungen ber
t§eologt{(]^en S9unbe§genoffen Submigä gufS neue. 33onagrotio maii^te
\\ä) glei(j^ baron , einen Kommentar ju ber neuen päpftlid^en ftejerci
ju öerfoffen *). Ddfam folgte feinem Seifpiele mit bem 3:roctate De
dogmatibus Johannis XXII. papae ^). ffii(^tiger ober als bicfe |)ilfe
mx e§ für ben Äaifer, bafe eine Spaltung im ßarbinalScoDegium il^m
i)ie SKöglid^feit bot, ben Jlampf gegen ^^^^önn t)on einer ganj neuen
Seite aufjunel^men. 6ine Don Napoleon Orfini geleitete Partei unter
ben ßorbinälcn toax mit bem ^apjie jerfallen, wie eS fc^eint, l^aupt«
fä$Ii(i^ befel^alb , meil er nid^t nad^ Stauen jurüdfel^ren looDte;. 9Wit
biefen ßarbinälen fnüpfte fiubtoig Unter^anblungen an*). Unter
günpigeren SSerl^ältniffen fam man ie|t auf ben urfprüngli(]&en ®e=
banlen jurütf: matt plante ein ©oncil in ®eutf(^Ianb, auf melci^em
3o§ann wegen feiner jüngfien bogmatifci)en ©rflörung aU tffe|er oer«
«rt^eilt unb abgefegt werben follte.
3ener Sruber SBaltl^er, ber im ^Auftrage beS ÄaiferS bie Unter«
i^anblungen mit ben unjufriebenen ßarbinölen führte, war wol^l aus
ber ©d^aar ber an SubwigS §ofe öerfammelten SRinoriten. SBßenigftenS
ijdi er einen SBerid^t barüber an ßefena gcfanbt^). @in SMinorit war
e§ mäj, ber im Flamen be§ @rjbifci^of§ föon Slrier ft^on eine neue
1itJpelIation§f(^rift an ein ßoncil berfafet l^atte ®). UnjWeifell^aft J^aben
mä) fonft bie SRinoriten in SKünd^en bei biefen planen unb SSer«
Sonblungen eine fe^r lebl^afte 2:!^ätig!eit entfaltet.
3)agegen l^atten bie6arbinöIebie6ntfernung5KarfigIioSbom !aifer«
K(|en ^ofe al3 Sebingung il^re^ 3wfömmenwirlen§ mit Subwig gejiellt '^).
^ion fte^t, bog bie extreme ©teßung be§ früher fo einflußreichen
*) Wd^tXi^, bei Cristophe, Hist. de la papaute, 11, 25—34.
') 2)crfer6e befinbet ft^ nad^ 9la^nalb (1334, § 31) in ber Söibliot^c!
bc8 SSaticanö.
^) iRäl^ereS barüber im smciten 2^eit
*) ©d^reibcn ßubmigö an ben (Sarbtnal 9^a:|)Oteon Orjini au0 Ueberlincjcn,
30. 3itnl 1334. ^a^nalb 1334, § 31. 2)cr ?5a^)fl al^nte bamal« noe^ nid^tö J)on
i>iefcn Unterl^anWungcn , toie man au« feinem am 28. 3uni an ben Äaifer gc*
listeten @t^^reiben crfie^t f(. a. O. § 20.
5) aWitsetl^citt t)on ©öfter, 2lu« Slbignon, @. 11. «et fßatjnatb imStußsug.
^) Sla^nalb 1334, § 32. Ueber bie bamalifle ©tettung 53albcnjin§ oon
^ricr f. 2)ominitu«, Salbeioin öon 2ü|jelbnrg, @. 324.
^) De magistro Marsilio, ut ezpediat sibi. ©öfler a. a. O. au9 Nicolaus
Minorita; 9lai^nalb (1334 § 33) lieft rt>o^ rid^tiger: ut expediatur.
^ir
— 86 —
!aifctli$cn SRat^gebctS a\xäf öoit biefcr ©eite rid^tig gctüärbtgt
mürbe.
ßin betartigct Singriff, unterflä|t üon ßarbinälen — unb man
wirb l^injuftigen bürfcn, bom bcutfd^en gpiflopat — bot anbcrc ^u§=
fxäjt auf Erfolg als bie frül^cren. 6r l^ätte U\ä)t bem Scrl^öltnife
jtt)tf(^cn S)eutf(j^Ianb unb ber Kurie eine neue folgenfd^mere SSBenbung
geben lönnen. Ueber ben StuSgang biefer Serl^anblungen pnb wir
ni(i^t näl^er unterri(]^tet ; wal^rf(!5einlid6 l^ot pe ber iob Sol^annS, ber
im S)eiember 1334 erfolgte, jum ©tinjianb gebrad^t.
?Ro^ gegen 6nbe feiner Regierung l^atte biefer ^apjl eine SRafe»^
regel ausgeführt, toeld^e feinen früheren ©^ritten gegen Submig blr
Rrone auffegte, inbem fte jugteid^ bie toal^re lenbenj berfelben ent«
füllte, ©(^on unter ^apjt 9litolau§ IE. (1278—80) »ar ber ^lan
aufgetaucj^t, 3talien bom 9tei(]^e ju trennen; bamafö badete man ouS-
bem italienifd^en ©ebiete, baS biSl^er unter beutfd^er |)errf4aft ge«^
ftanben, jmei ftönigreii^e, ein lombarbifiä^eS unb ein tuScifd&eS, jubilben;.
Äönig giubolf fd^eint feine Sinwilligung gegeben gu l^aben unb fottte
burd^ @rbli(]^!eit ber beutfd^en Ärone unb SBerlei^ung be§ Äöntgtcid^S^
3lrelat an feinen ©(i^wiegerfol^n entf(^abigt »erben ^). Sodann XXIL
na^m ben ®eban!en ber Trennung lieber auf, ol^ne natürlid^ naäf
2ubtt)ig§ 3wjiintmung ju fragen ober an eine 6ntf(]^äbigung für il^n
)U beuten ; man fie^t nid^t beutlid^, mem er ba§ neue 9tetd^ jugebad^t
^abe; bod^ ijt e§ wal^rfd^einlid^, bafe auf biefen Pan eine Semerlunj
SJillaniS *) ju bejiel^en ip, loonad^ Qol^ann bem ftönige bon granfrctc^
jugefagt ^abe in darli intendimento della signoria d'Italia e dello
imperio di Roma. 3w9l^i^ gebadete ber ^apjt bie fd^on löngft tl^at»
föt^lic^ befte^enbe Unabl^öngigteit f^rantreic^§ bom römifd^en SHetd^
burd^ feinen StuSfprud^ jur gefe^lid^en ju erl^eben.
2)ie erjie grtoäl^nung ber ®a(!^t fd^eint in einer 3njiruction
SubwigS für feine ©efanbten nad^ Sloignon ju gef d^el^en ^) , beren
Datirung freilid^ ©d^wierigleiten mac^t, bie man aber mol^t mit
^öd^jier aBa^rfd^einlid^feit in baS 3a^r 1335 gu ben erfien Unter»
*) ^(. gidcr, gorf(J^ungen gur 9leid^«« «nb aitcd^t«gcf4t^te Stalicn«,
n, 461,' unb «uffon in Äoj3p« ®eWid?tc ber eibgcnöffifc^cn ©ünbe, II «b.,
2. «btl^tft. 2. $atfte, 3. SlbWnitt, @. 165.
*) Muratori, Scriptores XIII, 740. Unb jtt>ar fofi bieg im (c|}tcn 3al^rc
Soljann« gefcä^cljen fein, »a« mit unferer 2)atirun9 be« 3)ecret« über bie Srennuit^
fümmen n>ürbe.
^) Ä. baier. gel^. $au«at^it> in SDJünd^en. <B. barüber unten, ©eUagc HI.
— 87 -
^onblungen mit ^ap]! Senebitt XIL miib einreiben büxfen. Unter
ben gfotberungen rnib klagen, bie Subtoig l^iet ben päpjtlid^en 9[ntrftgen
enigegengefteüt, finbet ftd^: 3^ ^^^ sterben fo ntmt fid^ ber ftuol an
Dnb bet babjt, bo) er itt)if($en %5mtf(i^em ri<!^ Dnb gfran^rid^ f^ibunge
fe|en toil SRömifd^em rid^ je f(j^aben Dnb bo) rid^ }e Sompparten ge*
jd^eiben l^at Don bem ätömifd^en xiäf, ha^ er don got nod^ Don fant
$eter nod^ fant ^auts mad^t nu nie geman, alein baj er bod^ fo
iäfAit. SSeitere 6rn3öl|nungen bed Statuts, bai^ 3<>^ai^^ ^^^^ bi^
Itennung 2italien§ Dom äleidb gemad^t l^abe, finben ftd^ fobann in
bem !aiferli($en Wanifeft Don 1338 ^) unb einer baran antnüpfenben,
mol^rfd^einlid^ Don ben Winoriten an SubmigS ^ofe Derfa^ten ©d^rift
gegen ^ol^onn unb feinen 5Rad&foIger SSenebüt. 3)er 3Rinotite 9li!oIauS,
ber bie le^tere ©d^rift überliefert ^at*), t^eilt bei biefer ©elegenl^eit
aud^ ben ^auptabfd^nitt au§ biefer S3uDe mit ^).
3n biefem merfmürbigen @rlaf[e meiji ber ^apft barauf l^in, bafe e§
mit ber anfangs f o l^eilfamen Snftitution beö Staifertl^umS eine f d^limme
SnttoidEIung genommen i^abe ; mie Diele l^eibnifd^e ßaifer bie jlirt^e
berfolgten, fei belannt, aber aud^ feit ßonftantin ^abe eS wenige flaifer
gegeben, meldte ber ft ird^e ®unjl unb Seijianb gemalert, bagegen Diele,
tocld^e fie ungered^t angegriffen l^ötten. ©o ^abe ftaifer Otto ber
Sad^fe (IV.), nac^bem er Don ber ßird^e mit SBo^It^aten überl^äuft
wotben, il^r ben Slüdfen gemenbet, l^abe baS franjöpfd^e 9leid& ange»
griffen, babei aber ben lob gefunben unb nid^t einmal feine ßeid^e
fei mel^r jum aSorfd^ein gefommen *). ©benfo l^abe griebrid^ 11. bie
SBol^Itl^aten ber Äird^e mit Unbanf belol^nt. gnblid^ in ber jüngflen
3eit l^abe ffaifer ©einrieb ba§ ber Sird^e unterworfene ©icilien an=
ä^piffcn unb ber ßird^e ben Sreueib Dermeigert. SBeil alfo ber @runb
ber 6infe|ung unb gr^altung beS Äaifcrtl^um«, ber ©d^u| für bie
') OknUIagcr, ©taaWgcftiHtc, Urhxnben 195. Insuper post dictos
piocessQs quasdam literas sub bulla sua dicitur (i<ubtpigl^taIfoatterbingd
bie ^uKe fetbfl ntc^t gefeiten) fecisse et per mundam publice transmisiBse,
in quibus asserit, se totam Italiam ab imperio et regno Alemanniae se-
parasse, insinuans per sua scripta et dicta, quod papa tanqnam dominus
universalis non solnm in spiritualibus sed etiam in temporalibus totius
mundi possit ad suum libitum disponere et ordinäre.
') Boehmer, Fontes IV, 598.
^ 1. c. 599. ^le $uHicationen bei Baluze (Yitae papar. Avenion. I.
addit 704) unb Otenfci^Jager (a. a. O. 200) bcrul^cn auf 9fii(oIau«.
*) $ieT liegt offenbar eine 3kttre^«Iung mit SBill^ctm »on ^ottanb öor.
— 88 —
R\x^, aufgel^ött^ \a bielmel^r, tote ber Ausgang }eige, in ba§ ©egen«
tl^eil umgcf (flogen l^abc, barum trenne er, bem eS naä) feiner geifl=
licj^en Tlaä)t jujiel^e bie ©pi^en ber ©emalt ju jerfiören »ie ju
pflanjen, froft fetner SWat^töoBIomntenl^eit unb mit bem SBcirotl^ ber
©arbtnäle bie ^roöini Italien gänjlicl bom beutf^en floifertl&um unb
Äönigreid^ unb befel^Ie, ba| fie in Sulunft nie mel^r bamit bereinigt
»erben foHe, l^öuptföc^Uc^ befel^alb, toeil bie loeite SluSbel^nung biefer
^roüinjen bie SBirfung ber aiegierungSgetooIt öerl^inbere unb ber
®eift be§ ftoifer§, toenn er fi(^ auf ju bieleS jerfplittere , in Sejug
auf ba§ einjelne notl^iDenbig geft^toäd^t toerbe. ^f^rner erHäre er, bafe
3)eutf(i^Ian'b bom franjöfifd^en ffönigrei^ burd^ bejiimmte unb belannte
©renjen getrennt fei. S)ie6 lel^re i^n baS SSeifpiel K^rifti, ber toegcn
ber gel^Ier ber 9iegenten bie 9lei(^e geft^ieben l^at, bie| bie SSemunft,
meiere bie Uebel trennt, bamit nic^t bie bereinte 33o§l^cit \äftotxtxm
©(ä^aben ftiften !önne, biefe bie ßrfal^rung, meli^^e neue Heilmittel an*
jumenben rötl^, menn fi(^ bie alten nid^t mel^r bewäl^ren.
• ©er 2Kinorite SliloIauS nennt biefen ©rlag ein statutum per
mundum sub buUa papali divulgatum. ßinem fo entf(]^iebenen
2lu§bru(I unb ben mieberl^olten faiferlit^en (Srwöl^nungen gegenüber
fann man bo(^ unmöglid^ bie ©d^tl^eit be§ S)ocumenteS beftreiten ^),
mnn e§ a\xi) fpöter in ber Sammlung ber Grjtrabaganten 3o]^ann§
feine Slufna^me gefunben l^at* SDßäre e§ gefälf^t, fo toürbe fid^ unter
ben Sinterungen 0er ^äpfte SBcnebift unb ©Iemen§ gegen Subloig ein=
mol ein ^roteft gegen feine ßrwöl^nung unb SSermertl^ung finben.
9li!oIau§ !ann ba§ S)e!ret nici^t erfunben ^aben ; benn bon il^m un=
Abhängig finbet \iä) in einem neueren ßobe]^ ber 'SBagliabecii^iana
eine boüftönbigere, anä) bie (Sinleitung entl^altenbe ßopie ber SöuIIe ^).
*) S33ie SBatuje (Vitae papar. Aven. 704) gctl&an l^at unb »ic 9lai?nalb
unb ©öl^mcr burd^ il^r ööttige« ©^toeigen Ü6er bie ©uffe ju tl^un f<5eincn.
(Sincr ®cfd(>i(3^tfd6retbung , btc ba8 "^tö^t in biefcm Äam^fc ftc« auf @citc bc8
^a^ftcg fu^t, mußte ba^ S)ocunicnt freilid^ rc4t unbequem fein. SDagcgeu l^at
Orcnfd^tagcr (@taat8gcfci&t*tc, @. 249) feine ©dbtl^eit toert^eibigt; girfer IJSrt e«
ebenfalls für cd6t, fci^eint e6 jcboÄ ju frül^ gu batircn, n>cnn er jagt: eö tft be*
!annt, »ie jener ©a<3 (baß Statten für immer i)om Äaifcrrcici^e unb beutfd^cn
Äönigreid^c getrennt fein foöe) unb bie barauf gegrünbeten aWagregeln gegen Ä.
i*ub»ig b. SBaiern ben Stuggang für ben (efeten großen Äampf jtoifd^en ^ti6f
unb Äird^c bilbeten. (gorfiungen jur 9!ei(ä^8* unb 9^e<i^t«gef(^iciffte Statten«,
n, 464).
■) 2)tefe(be iji öon ^öfter, ber bie grage ber ©d^tl^eit uneyitfi^ieben täßt,
(Beiträge jur ©cfd^id^te Äaifcr SubtöigS IV. im Oberba^er. %x6^i'o l, 113, öergl.
— 89 —
^net gebeiift fd^on ber 3^ttgenojf e 9Ibeti(| be 9iofciate Don Sergamo
an itoet ©teilen feines Dictionarium , unter ben SBorten Italia unb
Papa, biefer j)äppU(^en SSetfügung ^).
5)ie beiben uns übetiteferten Xejte jinb unbütirt. Unfete ?ttt«
nal^me, ba^ 2io^ann bie IBuIIe etjt in feinen Ie|ten SlegietungSial^ren
nlaffen f^at, gtflnbet ftd^ auf bie auSbrfidli^e ^[ngabe ber laiferlid^en
^roclamation bom 8. 2lugufl 1338, tt)ona(| 3ol^ann biefe SSerfügung
erjl n a d6 ben ^rocejfen gegen Subtoig erlaifen l^abe *) , unb auf ben
Umjlanb, bafe leine ber grtlörungen SubwigS gegen 3o^ann öor 1335
ber Baä)t ertoäl^nt. ®a§ ©(^weigen ber Nürnberger unb ©aci^fen«
Käufer 3lppeIIationSfd^riften unb inSbefonbere ber 1328 in SRom gegen
3o]^ann gerid&teten ©taatsfd^rif ten , mo jo alleö, »aS gegen il^n ju
Dertoert^en toar, bertoert^et »urbe, laffen bur(]^au§ leinen anbem
SdJIufe JU, als bafe bie SuDe bamalS nod^ ni(^t beröffentlid^t mar.
109) mitgetl^eiU n>orben (neuerbtng^ n^icber^oU in ber ^ätx\\t: 9u9 Sbignon,
@. 43). ^x Xti^t jagt bctra^tlit^c. bocft ni^t fad^U(^c 3lStt)ci(3&ungcn öon bem
beö ifftfolau«; rjon ben emenbattonen , bereu beibe Xejte bebürftig fmb, feigen
tmr l^ter ab, ba au(i^ fte bie <Ba6ft ntd^t berühren.
^) 2)ie Otetten tauten (i. b. «uögabe öon 1639): Italia fuit aeparata a
regno Alamanie per papam Joann. XXII. in quadam sua extravaganti,
que incipit Ne pretereat, et dixit quod esae (sie!) regnum per se. An
autem potuerit illud statuere, deus novit. — Papa Jo. XXII. satis animose
scilicet dici (sie!) et voluntarie contra iura imperii fecit unam constitu-
tionem extravagantem, in qua divisit regnum Alamanie regno Francie et
sabtraxit et exemit provinciam Italie ab imperio, quod an facere potuerit
Deus novit; et incipit constitutio Ne pretereatur consideratis (sie!) in-
tuitum. 2)ic 3lnfang«n)orte ber SSutte fmb jcboc^ »on %if)tx\äf nid^t rici^tig an*
gcfüljrt; ber 2:ejct ber SJ'lagliabecc^iana beginnt: Quia in futurorum eventibus;
mit ben ©orten: Nee praetereat considerantis intuitum beginnt erfl bie »on
Äatfer $einric^ VII. l^nbclnbe ©teile (^öfter a. a. O. 115.). — 2)a6 f«^ be
ÜRarfiglto teine ©rtoä^nung ber ©ac^e finbct, fpri(^t für unfere fpätere SDadrung
ber »utte. «uffattenb xfl aber, baß au* Odam bat)on f^weigt, obWon in bcffen
na* 1334 eutflanbeneu ^ä)xi\ttn \>ux^ ben ©ebanfengang mcl^rmal« eine iSr»
»Sl^nung ber @a*c nal^e gelegt würbe , in«bef onbere im 8. (So^). be« 2. SBudJ«
2. Jract. 3. Z^txl9 be8 SDiatog« (@otbaft, H, 908), too c« l^eißt: Non invenitur,
quod aliquie papa diffiniendo et determinando approbavit, non omnes
mundi provincias vel regnum Franciae non ßubjici Romano imperio, et
omnioo hoc non approbare astringimur. Esto autem, quod aliquis papa
diffiniendo et determinando hoc approbasset: quia tarnen hoc non juate
approbasset, nou tenemur idem approbare.
«) OlenWagcr, Urf. 195. 2)cr fec^fte unb tetjte ^ßroceg So^annß tP öom
20. «<)ril 1329.
— 90 —
$tellei$i tft fie etft bie päpftlid^e %ntn)ort auf bie le^te i^m gegm^
übet eingenommene feinblid^e ©teKung 2ur)»i9§ gemefen. 9luf lernen
gaU tji fte bot 1328 entftanben. Safe jur 3Kotiöttung beS ©^riM
an bie legten S^l^aten ffaifer ^eintid^S angelnüpft unb Don fiubmij
gar m6)t gefproti^en wirb ^), batf unS in biefet 3)atirung nt(i^t beitrcn
unb ni(^t etma betanlaffen, ben (Stiafe in Sol^annS exfte ÄegierungS»
jal^te }u fe^en; benn nac!^ ber ^nfd^auung beS ^apfteS l^at aii$
fpäter fein römif(^er Äaifet ober ftönig 2ubtt)ig eiijiirt, Jonbern feit
^einrid^ VII. mar bie f)err|d^aft beS SReici^S in Italien erlebigt unb
beffen angeblid^e ©emalttl^aten gegen bie ^irij^e maren bie legten, bie
Don einem römifd^en Äaifer ausgegangen pnb.
S)ie folgenben ^äpfle l^aben bod^ nid&t gemagt, biefe aSerfügung
aU red^tSlröftige geltenb ju mad^en. ffarl IV., Tomperadore de'
preti, mie i^n SSiKani nennt, na^m gegenüber bem ^apfie Set«^
pflid^tiingen auf fid^, mel(^e bie beutfd^e ^errfd^aft über Italien o]^ne=
l^in nal^eju ifluforifd^ unb ba§ ^aifertl^um nad^ ^etrarcaS ?lu§bru(t
JU einem leeren Slamen mad^ten. gür 3o]^ann§ ^olitil aber bilbet
ba§ beeret, meld^eS Italien Dom äleid^e ju löfen Derfud^te, gemiffermafeen
ben ©d^lufeftein imb in ber langen Steige pöpftlid^er 3[nmafeungen jö^It
biefe ju ben auffaHenbflen.
SDßicberum fiel nad^ bem Sobe Sol&ann» bie SDßal^l ber (Sarbinäle
auf einen ©übfranjofen öon niebrigem iperlommen. Senebüt XIL,
ein rauher unb e^rlidt^er ßl^arafter Don einfad^en ©itten, l^attc faum
bie Sftegierung angetreten, fo nal^m Submij mit neuem ßifcr bie
Unterl^anblungen auf. 5lod^ burfte er glauben, bafe mit ber ^erfon
feines erflen ©egnerS bie ^auptfd^mierigleiten einer SSerföl^nung be=
feitigt feien, \>a^ ein neuer ^apft aud^ einen neuen ©tanbpunit ein*
nel^men unb ein 3lu§gleidö unter billigen Sebiugungen gefunben werben
tenne. 3m 9lpril 1335 erfd^ien im 3luftrage be§ ÄaiferS ber ®raf
Submig Don Oettingen, im ©eptember beSfelben Sal^reS aufeer biefem
ber SlugSburger 2)om^err ßberl^arb Don 3;umnau, ber Samberger
3)om^err SRarfmarb Don SRanbed unb ber faiferlid^e- ^rotonotar,
SMeifter Ulrid^ ber ^ofmaier Don äugsburg Dor ber ßurie. S)ic 3^-
ftructionen ber legieren ©efanbtfd^aft fd^einen fo gelautet ju l^aben,
bafe bei aller 9lad^giebigfeit, bei üBem SBiberruf ber römifd^en ®emalt=
*) ©bfrcr (2lu« Sttignott, <B. 40) »irb baburc^ beflimrat, bie Urfunbc, ,,il^re
©cfttl^cit öorauögefcfet", in bie erjic 3eit '^apfi 3o^ann^ ju fe^cn.
— 91 -
maßregeln unb Serjici^ auf 3RatfigIio§ Xabkalpolitit bet Sßürbe bon
jfaifer unb 3tt\ät bod^ nid^tS Detgeben loutbe.
®U\ä) bie etjle gfotberung SenebtftS fc^eint ft^ auf bie Ie|erifd^en
Statine be§ JfQtfeT§ bejogen ju ^aben; ebenfo tote fettt 33org&ttger Der»
langte er, ba^ SubtDtg ben heißer SRarftglio unb bie $arffi|er jur
Untertoerfung jtttnge ober, menn jte f\ä) nt^t fügten, t)or il^r ju»
PönbigeS (Sendet fielle. SteBntal -ging Submtg ntd^t o^ne tt)ettere&
barauf ein. 3n einer Stnttoort, oon ber e3 freilic!^ nid^t jici^er ift, ob
jte m(S)t nur Sntn)urf geblieben, maä)k ber jlaifer „nai^ Seratl^»
f^Iagung mit feinem gelehrten, meltlici^en tote geiftlid^en Xat^e" bie
Erfüllung biefer päppiici^en gotberung oon bem ^tuSgunge einer
5{fentlt(!^en ^ifputatton abl^ängig, meiere bie Sarbinftle über bie bon
Warjiglio unb ben SJarfüBem bel^aupteten @ö|e oeranjtalten foOten ^).
^m @an}en oerjtanb ftd^ Submig bamald nur )u mäßigen 3^*
gefiänbniff en ; gleici^tool^I trafen biefelben beim Rupfte anfangt auf ein
geneigtes Dl^r. 2ÖS TOarlmarb oon Äanbed al§ sääortfü^rer ber ®e«
fanbtf(i^aft am 9. Ottober 1335 im pcipjtli(!^en ß^onfijtorium in einem
berebten, aDgemein betounberten 93ortrage bie ßonceffionen unb Sßünfii^e
jctnc§ §erm lunbgegeben ^atte, ertoieberte Senebilt: er unb bie
Sarbinöle tt)ünfd^en fid^ &IM, bag ^eutfd^Ianb, biefer eble 3^^i9 ^^^
ftir^e, ber fd^on begonnen \iä) Oom ^utterjlamme }u trennen, in
einer für ben apoftolif(!^en ©tul^I fo e^renboDen SBeife mieber ya il^m
jurädfle^ren moSe; ed fei nur billig, ba^ er bem jlönige bie älbfolution
ertl^eile. 3Ran ertoartete, ba^ fie am folgenben 2:age auSgefprod^en
tDürbe. S)a gelang e§ ben Königen bon gf^anheid^ unb %eat)el,
beten Sntereffen eine 3lu§fö^nung 3)eutfd^IanbS mit ber ßurie roiber*
^) Der bapst eyschet yon dem kaiser , daz er maister MarsUien vnd
di barfaozzen ze seiner gehorsam twinge ; wellen si des mit willen nicht
tnon, daz er si dann an irm rechten vorlighe (sie!). — Ze dem ersten
antwrt der kaiser vnd all sein weiser rat, pfaffen vnd layen, daz
maister Marsilius vnd di barfaozzen mit dem kaiser besamt sullen sein
vnd all di mit rat oder mit der tat dem kaiser beholfen wem vnd sein ;
80 daz beschehen ist, so lazzen di Cardinal innen vnd vzzen disputieren
meister Marsilius vnd der barfuozzen sachen; werden di löblich befunden,
si besten, werden aber si vnlöbltch befunden, si zergen; wolten si nicht
ablazzen, wann di sache vnlÖUich gevrteilt wrde, so wii der kaiser von
bot der kirchen wider si tuon, waz er ze rechte sol. ®o eine gtdi^iettigt
tafjcUmmg im f. 6aiet. gc^. i&ait«ar^iüc ju äRttnc^ ®. »eitage ÜI.
— 92 —
fttebte , ben ^apft umjujHmmen 0« @S geigte \\ä) , bofe baS neue
Dberl^aupt bet Stixä^t in ber Slbl^öngigfeit öon tSf^^anlrei^ feinem 35ot»
gonget nid^tö nad^gob. 99efä^e i(j^ gmei ©eelen, f)at SBenebüt einmal
gegen ben franjöfift^en if önig geäufeett , fo würbe \(S) eine für bi$
ial^ingeben ^). Slad^bem bie beutf(i^en ©efanbten ein l^albeS 3al^r an
ber ßuric l^ingel^alten tt)orben, mußten fie unöerrid^teter 3)inge nadj
^aufe feieren. Unb als pe im 2Wai mit öiel metter gel^enben Soll*
ma(S)Un lieber lamen, l^atten fie be^l^olb leinen beffern ©rfolg ^).
9lad^bem biefe 9Serfü(^e eines e^rentjolleren 2luSgIei(^S in i^tcn
gforberungen mel^r unb mel^r jurüdfgemid^en unb am @nbe gleid^tool^I
flefii^eitert waren, entfci^Iofe \xä) ber Äaifer jur äufeerften 5ßa(^giebi9feit.
3n bem bemütl^igen UnterwerfungSfd^reiben , ba§ ^falggraf SRupreii^t
bei gi^ein unb 3KarIgraf SBil^elm Don Sülid^ im ©pät^erbjt 1336
*
naä) 3lt)ignon überbrachten ^), wirb nur in wenigen fünften nod^ ber
3Jerfud^ einer 6ntf(^ulbigung gemad^t, im ganjen ein reumütl^igeS Sc=
tenntnife Dieler unb fd^toerer 5?erge]^ungen abgelegt, jeber SSßiberjianb
fallen gelaffen, jebe gforberung bemiDigt unb jebe SBürbe preisgegeben.
t8on benen, bie ju ben römifd^en ©ewaltma^regeln geratl^en, Reifet e§
l^ter, fie feien „berfelben SWiffel^eHung gierig gewefen" ; öon benen, bie
ben ©egenpapjt gemeint, „eS fei bem fiaifer lieb, wenn fie barum
gepeinigt werben, fie müßten nur mit i^m }u beS ©tul^lS ©naben
lommen wotten." 3^^ SSerbammung ber fünf ©ä|e beS Defensor
pacis erllftrt Subwig feine 3uftiw^tnung ; SWarfiglio ftebt an ber ©pi|e
ber öon ber Äird^e Begeid^neten ffe|er, bie ber flaifer auSjurotten Der«
fprid^t. Slber aud^ ©efena wirb unter il^nen genannt, anä) bie ab=
irünnigen 2Rinoriten werben burd^auS beSabouirt; ber ffaifer bereut,
fie Bei fid& aufgenommen ju l^aben, er erüärt, bafe ber Xl^eil bet
^ppettatlonSff^rift öon 1324, weld^er bon ber Slrmut^ ß^rifki l^anbett,
ÜJ^attl^iaS t)on iReuenbutg (Boehmer, Fontes, IV, 206). tiefer ^-
tid^etfiatter ))erbtent l^ier befonbere ^ead^tung, ba et bem (Sonfifiotium betge«
n)o]^nt l^at. ^ag bet $a|>fl anfangt einet ^u^föl^nung geneigt toat , betätigt bie
<£l^tont! Sol^annd t>on SSStntettl^ut, 140, 141.
') Baluze, Vitae papar. Av. I, 211 unb 810.
3) @. bie Slrtifel t)om 5. Wlai 1336 bei Herwart, Ludovicüs IV. Imperator
defensus, p. 637-674, ^atfnoXh 1336, § 21-28. Ucber bie geteerten »uttbe«*
genoffen beS ^aifetS entl^aUen btefelben ntcj^tS ; tiitSiti6)t ifl getabe btefer Um»
flanb t)om ^o^ße gum SSom^anb ber ^(btel^nung benü^t Sorben; bieg toütbe
etüSten, »egl^atb bie fotgenben SCttifet öom. 28. Oltobct üUx biefen $un!t fo
au9fül^rti(i^ ftnb.
<) Xk «rtifct i?om 28. Oft. 1336 bei SRa^natb 1336, § 31-3*.
— 93 —
öon feinem 5Rotat Ulrid^ bem Söitbcn gegen fein ffiiffen unb SDBiUen
untergeff^olben loorben ift ; er glaubt afle§, »ad bie SuHe Cum inter
nonnullos übet biefe tl^eologifi^e grage ju glauben befiel^It , unb be«
ruft fi^ auf feinen ©tanb als ÄriegSmann, ber e§ mit fi^ bringe,
bo6 er bon ben ©ubtilitäten ber Sffiijfenfi^aft ni(^tS berfte^e. Wie
pnitenj, bie il^m ber ^apji auflegen »irb, toiD er auf ^ä) nel^men.
3)ie Urt^eile fiaifer §einrid&S gegen Äönig Stöbert bon 3leapel unb^
bie italienif(]^n SBelfen jiel^t er jurücf unb bem erfteren öerfprii^t er
fogar ba§ 9lei(]^Sbicariat in Italien, ein SünbniB unb eine fjamilien«
berbinbung. %m felben 3:age, ba er bom ^apfte in Stom gefrönt
tDorben , wirb er bie ©tabt wieber berlaffen. 3luf jebe ©emalt über
Som leiflet er 33erji(i^t unb für bie päpftlid^e f)errf^aft in il^rem
gan}en Umfange, au(j^ ba n)o fie biSl^er mel^r beanfprud^t ald }u äted^t
geübt mürbe, ®emäl^r.
Subtoig erfannte mol^I, bafe bie ©^mierigteiten, bie fi(^ bem SluS»
glci^ entgegenf e^ten , mel^r auf ©eite beS ßonigS bon fjranlreid^ als»
be§ ^apfteS ju fud^en maren. ^egl^alb fnüpfte er ani^ mit f^ranfreid^
Unterl^anblungen an, bie fogar }um ^bfd^Iuffe eines 99ünbniffe&
führten '). 3lber tt)eber bie^ noä) ein weiteres ©^reiben SubtoigS an
ben ^apft *) lonntc feine ©a^e in 3lbignon förbern. S)a berfammelte
^ im mnxi 1338 bie SKe^rjal^I beS beutf^en epiffopats ju ©peier
unb erfut^^te ben ^apft in einem gemeinf (^aftlid^en ©abreiben *) , baS^
Sifd^öf Ulrid^ Don ©l^ur unb ®raf ®erla(^ bon 9laf[au überbra^ten,
ben reumüt^igen Äaifer ju ©naben aufjunel^men.
9lu^ je^t ]|iintertrieb ber franjöfif(^e (Sinflufe bie 2luSföl^nung.
Unter Stl^rönen foll S3enebift ben beutf^en ©efanbten bon einem
©d^reiben beS franjöfifd^en ÄönigS gefpro(j^en l^aben , morin eS l^iefe :
tt)enn ber ^apft ol^ne feine Suftimmung ben ®aier abfolbire, werbe
er i^n fd^Iimmer bel^anbeln als fein SSorgönger Sonifaj VIII. ^).
Senebüt berfäumte nid&t bem Könige öon granheid^ feine auStoeid^enbe
8nttt)ott an ben beutfii^en ßpiflopat fammt ber SSerfid^erung mit*
*) Sd^mtt iRr. 1792 unb 1812.
•) S3om 3. 2)ej. 1336. SÄat?natb 1336, § 38 cr^äl^nt e«, ol^nc ben Snl^aU
an}Uf)e6en.
»).2Ättgct]Jcitt öon ©crioart 719. St'6in ri^tctc ein Befonbere« äl^ntic^eS-
©d^iBen an ben ^opfl. 3)effen ^ntmxt bei ööl^mcr, ^leg. ©enebift« XII.,
3lr. 148.
*) Matthias Nuewenburg. (Boehmer, Fontes IV, 209).
— 94 —
jutl^cUcn, ba& fi$ bcr päpjilid^c ©tul^I nie bon gronftci^ trennen
toetbe^).
Site bie aSermittlung ber beutfd^en Sifd^öfe unb aDe ßmtebrigung
SubtoigS il&ren Qtotd berfel^Ite, fül^rte biefe enbli^ einen Äüdfii^Iag bcr
faiferli^en ^olitif l^ertei. Submig gab granftei^ auf, baS jic^ tto|
beS SünbniffeS feinen 3^^^" »iberfe^te , unb f(j^Iofe ftd^ eng an bcn
Äönig ©buatb bon ©nglanb , ber im Segriffe ftanb granlreid^ ju 6c«
Wegen, gür bie innere ®ef(^i^te 3)eutfd^Ianb§ aber ertt)U(|§ auS bct
Qä)maä) ber legten Unter^anblungen mit ber Kurie enbli(| ein ÜHomcnt
«intröd^tigen S^fammenftel^enS bon Äaifer, SoH unb Surften, ein
tt)ürbeboDe§ 3^wgnife nationaler ©cfinnung, tt)ie fie in ber beutfij^en
^t^ä)\ä)tt alter unb mittlerer Seiten leiber nur fpärlid^ gefuuben werben.
!
^) ^ai?natb 1338, § 8.
§6.
Sie Sage tioK Mnifr «it)i |(ra«(fitrt.
ßnbßc^ rafften ft(i§ bie patticulaten ©emalten in ^eutf(i^(anb ju
einer %f)at für i^ren f^tocrbebröngtcn ßaifer auf. Sangc genug l^atten
fie il^n im Sti^e gelaffen ; ben (Srunb biefer SSerfäumnife »irb man
über nid&t nur in i^rem 9KangeI an ©emeinfinn, in bem SSorl^errfd^en
il^rer Ileinlid^en ©onberintereffen fud^en muffen, fonbem aud6 in ber
Umflurjpolitif 3KarfigIioS, bon ber fid^ bie Vertreter ber beftcl^enben
Orbnung unjufrieben abgemenbet l^atten. @rfl al§ Submigö tiefjie gr»
nicbrigung ba§ Slnbenfen feiner rebolutionören ©emaltfi^ritte auSge»
löfd^t l^otte , f onnte bei ben 9lei(^Sfürften Slnerfennung pnben , maä
florflglio fii^on im Defensor pacis auSgefül^rt l^atte: bafe bie päpft«
Ii$en Snfprüt^öe bie SBürbe unb ©elbftänbigfeit be§ SRei(]^eS ju ber«
nid^ten brol^ten unb bie Siedete nid^t nur be§ t(fönig§ fonbem aud^ ber
fturfürflen öerle^ten.
5lad^bem mel^rere 3lei(^Sftänbe mit übereinftimmenben , fel^r ent»
trieben auftretenben ©rllürungen an bie Kurie borangegangen maren *),
fanben ber 15. unb 16. 3uU 1338, bie benimürbigen Sage bon
Sa^n^ein unb 9lenfe, mit 3lu§na^me be^ ffönigS Sodann bon Söl^men
aDe beutfd^en Äurfürfien ju ßunbgebungen gegenüber ben pöpftlif^en
^nfprüd^en berfammeß. ßinmüt^ig ertlärten }u Sal^nftein bie ©rj»
bifd^öfe ^einrid^ bon Wainj, SBalram bon Sioln, 33albett)in bon 3:rier,
»ubolf, giupre^t b. ö., SRupred^t b. j. unb ©tefan al§ Vertreter ber
^faljgraffd^aft bei Allein, Slubolf, §erjog üon ©ad^fen, unb 2ubtt)ig,
?Ror!graf bon SSranbenburg, ba^ fie il^re unb be§ Meid^S angegriffene
*) ©cfannt [xiib ©d^rciben ber @tabt fiagenau, be8 S)omca<)itel« aBürjburg
unb eine« unbefanntcn Slu^jlcIIcr« (f. unten @. 111), jebcnfatt« nur ein tlciner
X^ett ber abgegangenen.
^ % ^
@^ren. Siebte unb ©emo^nl^eiten aufredet etl^alten unb fi$ babei
but^ ni^tS Beirren laffen toollten. 3lnt folgenben Sloge einigten fie
p^ in 9lenfe ju bem SCßeiSt^unte ^) : eS ift Siedet unb alte ©eiool^n^t
beS üleif^S, ba^ ein burd^ bie SBal^Ifürften ober il^re SHaiorität jum
römifd^en Äönig ©emä^Iter teiner S3eftätigung beS römifd^en ©tul^IeS
b^barf, um ben ßönigStitet ju führen unb bie 3leid^3regierung anju»
treten*. S)ie älegierungSred^te be§ römifd^en Äaifertl^umS ebenfo wie be§
beutfd^en ftonigt]^um§ merben l^ier bon päpjilid^er Seftätigung ober
Uebertragung unabhängig erHärt.
3luf fold^en SRüdEl^alt unb auf bie freubige 3iiflin^^u"9 ^^
©tobte geftü^t erliefe ber Äaifcr auf bem 2)age ju gfranifurt 6r=
Härungen, bie ben boHftänbigen Srud^ mit ber frül^eren ^olitif ber
JReue unb Unterwerfung bejeidönen. Sine lürjere ^roclamation *) fprai^
au§, bafe bie laiferlic^e ©ewalt unmittelbar Don ®ott flamme unb
bafe ein auf gefe^Iid^em SBege gewäl^Iter beutfd^er ^enfd^er nid^t bom
^apfle beftätigt ju merben braud^e, fonbern ol^ne »eiteret ffönig unb
Äaifer fei. S)er Äaifer ge^t l^ier über ba§ SQßeiSt^um ber Surfürften
nod^ ]^inau§ , inbem er aud^ bie gü^rung beS laiferlid^en 3:itel§ nur
t)on beren SBal&t abhängig mad^t *). @ine jmeite auSfü^rlid^cre @r=
Märung*), bie mie bie erfte an ben ©omtl^üren ju granffurt angc=
fd^Iagen tourbe , menbet fid^ an. bie ganje ßl^riftenl^eit. ^ier belennt
fid^ Submig bor allem jum tat^olifd^en ©lauben, mie i^n bie l^eilige
SRutter, bie lat^olifd^e ßird^e, in il^ren Symbolen, ßoncilSbefd^Iüffcn
unb 3:rabitionen lel^re unb bemal&re. 3lu§ bem römifd^en unb lanonifd^en
aied^t miberlegt er bann ben ^a%, bafe bie faiferlid&e ?lutorität bom
^apfte ftamme unb bafe ein jum römifd^en Äönig ©emö^Iter feine
®emalt l^abe, bi§ er nic^t bom ^apfte beftätigt unb gefrönt fei; im
^) gidcr (äur ^cfc^ic^tc bc« turöerein^ ju 9Jenfc, @ifeung86eri<!^te ber f. I.
mbemtc ber SBiffcnWaftcn. Sien, ^l^tlofo^l^ifd^-l^iporifcj^c (£taffc. XI, 673 flgb.)
tocift naä), todö^t auf Die SScrcinbarungcn öon ^al^njlcin unJ) SRcnfc Scjügti^
SCctcnftüdc cd^t feien, unb tl^ellt biefclben in ben S3ctlagen mit. SSergt. au(^, tt>a?
Ocfam in bem iractat De electione Caroli IV. über bie 2^ogc öon ?a]^nflein
unb 9ienfe berietet. ($öflcr, ^u« 5![mgnon, @. 15, 16.)
*) ^erttjart 731; «öl^mcr l«r. 1921.
^) Ex sola electione est rex verus et Imperator Komanorum ceasendus
et nominandus.
*) Otcnfc^taget , @taat«gefci^i4te, Urfunben @. 193; »S^mer ^x. 1922.
S3cibe ©rftärungen tragen baS 3)atum 8. 2lngu|l 1338; Nicolaus Mlnorita p.
606 unb Odtam (©öfter, 2lu6 ?(i>ignon, @. 14) nennen aber ben 6. 3(ugujl.
— 97 —
fflcltlid^cn, f)txH CS, l^at bei ^app Ictnc plenitudo potestatis. ®ic
^roccjfe ^app 3o^ann§ gegen il^n erflärt ber Äaifer für nid&tig, meil
üu$ ein gefe|lt^er unb fatl^olifd^et ^opji nici^t über ben ffaifer richten
fönne, »eil bie Urtl^eile ouf notorifd^ falf^en ©rünben beruht l^aben
unb »eil er unb bie 3*etd^8fürjien, bic baburd^ gef^äbigt morben, ab»
»cjenb toaxm unb ni^t ouf gefe^It^em fflege citirt »urben. S)enn
eine SSorlobung buriä^ Slnfd^Iag an ben 2)omt^üren ju Slöignon lönne
feine genfigenbe genannt »erben. ®er »al^re ®runb für ^ol^annS
Sorge^en fei fein ©treben nac!^ »eltlid^er ^enf^aft gemefen. S^ifll^^^
als Partei unb als 9li(^ter fei ber ^app aufgetreten. 9luS biejen
©rünben l^abe er, ber Äaijer, gegen biefe ^rocejfe f^on frül&er
SppeDation an ein allgemeines ©oncil eingelegt *).
®ann »enbet fi(^ Subtpig gegen ben ßinwanb, bafe über il^n,
feine 3ln]^önger unb Sanbe ß^ccommunication unb unterbiet au^ge»
f<)ro^en unb bafe eine fold^e ©entenj beS Oberl^irten, ob gereci^t, ob
ungereii^t, gu befolgen fei. 3)aS lefttere fei nic^t rid^tig. SSielmel^r fei
jebe 6icommunication, bie oon einem firci^Ii^en ^rälate.n unter Ueber*
f(^reitung ber i^m burd^ bie ffanonen übertragenen ©emalt auSge-
fprod^en »erbe, null unb nid^tig. %\i(S) barum fei Sol^annS ©jcommuni«
CQtionSbecret nici^tig, »eil eS ben ©el^orfam gegen bie Dbrigfeit auf=
^ebe. 3)ieB fönne eine ürd^Iid^e ©entenj fo »enig als et»aS gegen
®ott befel^Ien. Ueberbiefe fei ja fd^on bor ber Sßerfünbung ber @]c=
communication unb beS ^nterbicteS SJerufung eingelegt »orben, bon
ber notorifd^ fei, bafe fie ju Sol^annS ffenntni^ gelommen. ßinige
t^ü^en j»ar öor, fäl^rt bie ßrllärung fort, bafe man t)om ^apfte
niij^t appelliren lönne ; aber nad^ ber fai^olifd^en Seigre unb ben l^eiligen
Äononen fei eS offenbar, ba^ ber'^app, »o eS fid^ um ben ©lauben
ober bie göttlid^en Sted^te ^anble, unter einem ©oncil fte^e. Slnbere
@rünbe, auS benen bie 9lid^tigleit ber pöpfilid^en ßrlaffe l^erüorge^e,
»ill ber fiaifer übergel^en; am ©d^luffe erflärt er feierlid^ bie gegen
il^n unb fein Sanb gerid^teten ©entenjen ber (Sjcommunication unb
beS 3nterbicteS für nid^tig unb berbietet jebermann fid^ in 3ulunft
boran ju feieren.
9lud^ ol^ne »eitere Beglaubigung »ürbe man eS biefer mit
juriftifd^en Segrünbungen ^) reid^lid^ auSgeftatteten Äunbgebung beS
^ Unjtoeifcll^aft ifl <8. 197, mt fd^on Olenfci^lager toermutl^ete, flatt
appellamus appellavimus ju lefen.
') „Ol^nc «etrübniß Wßt ftc](>« fa|i ni*t tcfen, mit »cr^cn Sffiaffcn auS
b«m corpore juris canonici unb civilis unb au8 Äird^entjätern unb ®toffcn
— 98 —
ftaiferS an bie S^ttftenl^it anfeilen, ba^ fte im jheife ferner gelel^tten
Statine entftanben i% 3^^ Ueberflug l^aben tDtr baffit ba§ S^ugnt^
be§ Stdl^iaS üon 9leuenbutg, ber ^ter um fo mel^r @lQuben oerbient,
ote et felbft eine ©opie ber grllftrungen beS Äoifer§ unb ber Äur«
fürflen an ben ^apji überbrachte. 5Ra(i§ feiner befkimmten angäbe*)
ift ba§ gfranffurter S)eaet naif bem Satire einiger 9Rinoriten ücrfa^t
worben. ©o treten nunmel^r bie ©ele^rten öon SubtoigS ^ofe mieberum
in ben SSorbergrunb. 9la(!^bem ber Aaifer f(!^on ein paarmal tl^te
auslief erung iniS Singe gefaxt l^atte, bebienter fid^bei öeränberter ©ad^Ioge
neuerbingS il^rer ftenntniff e unb il^reS gif erS gegen ben päpjtüci^en ©tul^I.
9lo(^ unumttunbener als in ben officiellen Slctenpüdten bürfcn
fid^ i^re Slnfici^ten in ben ^riDatfd^riften auSfpred^en, bie ben erftercn
jur ©eite gelten. ®iefelben ^ jinb offenbar unter bem ©d^u^e bcS
iJaiferS, tJ^eiltoeife tüol^I in feinem Auftrage, Don ben SKinoritcn öcr«
fafet unb jiellen fid^ bie Aufgabe, bie Sleci^tmäBigfeit beS SBiberflanbeS
gegen ben ^ap|i ju begrünben unb ben ^nl^alt ber S5efd^Iüffe öon
aienfe unb fjranffurt ju erläutern unb »eiter auSjufül^ren. @ng öet=
Inüpft mit ben poütifd^en ßreigniffen bcS Slugenblids, toie biefe liirjercn
©treitf(!^riften pnb, fonberntoir fiebef[cr t)on ber fiiteratur, toeld^e reineren
tl^eoretif d^en Sl^aralter trägt, um il^ren ^nl^alt gleid^ l^ier inS Sluge }u f ojfen.
Unter il^nen fielet bie fogenannte Informatio de nuHitate
processuum papae Johannis XXn. contra Ludovicum Bavarum *)
im engften gufammen^ange mit bem faiferlid^en SWanifeji an bie
föl^riftenl^eit. ©rofeentl^eitö mit behfelben SBorten, im ganjen iebod^
auSfü^rlid^er mieberl^olt fic bie Segrünbung be§ ©a^eS, ba^ bie
päppiid^en ^roceffe gegen ben Äatfer nuH unb ntf^tig feien. 2Ba§ fte
aber öon biefem Äbff^nitt ber officieDen ^roclamation unterfd^eibet,
ift nid^t nur il^re größere 5lu§f ü^rltd^f eit , fonbern aud^ ba^ fte ben
regierenben ^apft 33enebilt birect angreift, maS bie laiferlid^e grllärung
in öorfid^tiger S^^i^öcf^Uung öermeibet.
5)ie bebeutenbfte SHoDe unter ben geleierten Stätten be§ Äaiferä
fiel bei ben bamaligen ßunbgebungen bem fflruber Sonagratia öon
33ergamo ju, ber unfereS SBiffenS neben DdEam ber einjige au§ biefem
l^icr ber Äai^fcr feine §o^eit »ibcr bie ^äbftlidi^cn SCnmajfungcit »ettl^eibigcf ', meint
Pttcr, Slteratur be« teutfc^cn etaatöred^t«, I, 70.
1) Boehmer, Fontes IV, 212, 213.
*) ©cbrudt 6ct Freher, Scriptores rer. Germ. I, 661 irab Goldast, De
Monarchia, I, 18—21. SBenn Sol^ann bon 3anbun ober ^etnrit^ t)on S^l^al^eim
al^ Jßcrfaffcr genannt »erben, fo ifl bie crftc Snnal^me unmßgtid^, ba 3anbun
f^on 1328 gejiorben toar, unb bie jmeite toidtürU^-
— 99 —
Sttt\\t roax, bet nt(^ nur baS knonif^e fonbetn anä) bad n)eltli(!^e
3ie(|t bcTJtanb^); ,,cinc tpü^tc IRüfilammer ber gatijen SutiSptubenj"
jicnnt il^n ein S^Ws^^öffc ^). @6en baburd^ aber unterfd^etbct ft(^ bic
Oppofition bon 1338 öon bcr bon 1328, bafe fic fic!^ auf bcn S3oben
be§ pofitiöcn 9lcd^tS jurüdjic^t. Qol^ann öon SBintcrt^ur bcjcid^nct bcn
Sonagratia gcrabeju als bcn SJcrfaffcr ber größeren fSfranffurtcr
%oclamation '). 2^ni \ptc\t\i toirb ferner ein anbereS ©(^riftjiücf ju«
^efti^rieben/ ba3 burci^ ba§ gro^e ©ammelmer! bc3 SRinoriten ^lifolauS
auf bic 9la$tt)elt gefommen iji *). SDBie f oflten fi(^ nömlid^ gegenüber
ben gfranffurter Säef^Iüffcn iene öcrl^altcn, meiere nid^t nur 2ub»igS
@£comniunication unb bad 2interbict biSl^cr aU )u Ste^t beftel^enb an»
et!annt, f onbern f ogar, tnxäj bic päpftlitj^en Segaten ober il^re pöpfilid^
gefinnten Obern ba^u bermod^t, gefd^moren l^atten, Submig nid^t me^r
als ^ttx\ä)tx ju gel^ord^cn? Um biefe ßeute in il^rcm ©etoiffcn ju
berul^igcn, fül^rtc ^onagratia au§, ba^ ein fold^er @ib gegen Submig
nicmanb öerbinben fönne. "^mn entioeber l^abe ber ©d^roörenbe ge»
»ufet, bafe Submig ge|e§Ii(!^er ßaifer mar ober nid^t. 3m erften gaße
mx ber (Sib unerloubt unb ^ai aU fold^er leine oerbinbenbe Äraft.
3m jmeiten galle aber barf man ben biefem 6ibe jumibcrl^anbclnben
nid^t meineibig nennen, menn er nad^ befferer ©infid^t üom früheren
Strt^ume jurüdttritt. 3)enn ieber promiffori[d&e ' gib enthält ftiH»
f^meigenb bic Sebingung, bafe ba§ 83efd^morene nid^t gegen ®ott unb
bie fononifd^en ßinrid^tungen fei.
6ih britter Äuffa^, ber auS ben Greifen ber gelehrten 9lät^e be§
ftoiferS ^eröorgegangen fein mirb, fül^rt bie ftaatSrcd^tlid^en (SrHärungen
öon Senfe unb gfranffurt erlöuternb unb ergänjenb auS, inbem er
folgcnbe 3lrtilel auffteüt unb begrünbet ^). 1. 2)a§ SJed^t einen römifd^en
Äönig unb Raifer ju mäl^Icn fte^t bei ben ^ieju beftimmten beutfd^en
') Nicol. Minorita bei Boehmer, l'ontes IV, 606 : Frater Bonagracia
de Pargamo, ordinis fratrum minorum, in utroque jure peritus. @. aud^
bie fotgenbcn ©teilen 3ol^ann8 ton Stntertl^ur.
^) Almarium («: armarium) seu scrinium quasi totius juris. Job.
Vitoduran. Chron. 142.
^ Imperator appellaclonem supradictam per fratrem dictum Bona-
gracia, utriusque juris, legis et canonis, magistrum et doctorem expertissi-
mum, .... contra papam luculentissime renovavit. Job. Vitodur. Chron. 141.
*) Nicol. Minorita bei Boehmer, Fontes IV, 606—608. Ad predictam
qaestionem — aliqualiter observare.
*) Nicolaus Minorita, Boebmer, Fontes, IV, 592, Subsequenter ponuntur
Articuli — plenius continentur, p. 597.
7*
— 100 —
@tj6tfd|5fen unb tSfÜtjten. 2. 2)et bon t^nen ©emöl^Ite bebatf nt^
bct t)(ipjifi^en «cftätifluttfl unb ifrönung. 3. 5Waiorttät crfcjt bie
©inftimmiflieit. 4. 3)ic SBal^I mufe ju §fronffurt, 5. S)ic fftönung }u
Stauen erfolgen. 6. S)ur^ unbotbenHi^e ©emol^nl^eit ifi feftgefc^t, bafe
bei einet }tt)iefpältigen SBol^t ber für ben jfönig unb ßaifer )u Italien
ifi, bem ®ott in ber ^laä)i ben ©ieg öerleil^t. 7. ®6enfaDS but^
unöorbenHic^e ©emo^nl^eit ftel^t f eft , bafe bei einer SReid^Sbacanj bie
älegierunfl in Deutfd^Ianb an ben ^faljflrafen bei SRl^ein übergebt
8. Submig ift nic^t nur bon ber SWaioritöt, fonbem fogar bon jwei
S)rittt^eilen ber äBäl^Ier unb }tt)ar }u gfranifurt red^tmägig }uin
römifd^en ffönige getoäl^It unb 9., toie fi^S gebül^rt, in Stadien gefrönt
morben. 10. S)ie SBal^I griebrici^S toax ungiltig, meil fie ni^t in
tJranffurt, nid&t om feftgefejten S^age, nur burd^ jttjei SDBäl^Ier unb
erft nad^ ber äBal^I SubmigS erfolgte. Submig mar olfo ted^tmäßig
gemäl^It unb lonnte in 3foIge beffen bie 3JlarIgraffd^aft Sranbenburg
feinem ©rflgeborenen übertragen. 11. Submig l^at eine red^tmäfeige
3l^)()elIation an ein on fidlerem Orte ju l^oItenbeS ©oncil eingelegt.
S5on biefen 3lrti!eln erl^alten ber britte, bierte, fünfte unb fiebente
eine befonbere Sebeutung, meil l^ier über SBal^I, ßrönung unb Seid^S*
bicariat biefelben Siegeln aufgefteHt »erben, meldte nad^ ad^tjel^n Saluten
bie golbene 33uIIe ju 3Seid^8gefe^en erl^ob ^). SWan barf tt)o^I annel^men,
ba| biefe ^unlte nid^t nur bie ^ribatanfid^t einiger laiferlid^en Statte
auSfpred^en, fonbem bafe fie in ben Serfammlungen be§ ffaiferS unb
ber Surften befprod^en unb gebilligt toorben finb, menn man au(ä^
bamals nod^ nid&t baju gelangte fte in ba§ gefd^riebene SReid^Sred^t
aufjunel^men.
SSon berwanbtem Snl^alt, in ben beiben erften älrtüeln gänjlid^
übereinfiimmenb, nur in ber Segrünbung lürjer, ift ein fünf Slrtilcl
ent^altenbeS SlctenftüdC, lueld^e^ gfidfer au§ einer je^t im gel^eimen
©taat§ard^ib ju 3)armftabt befinblid^en ^anbfd^rift ber 2lnbrea§Iird^e
ju 2Borm§ mitgetl^eilt l^at*). ßigentpmlid^ ift bemfelben ber a[5erfud^
aud§ für SubmigS gül^rung be§ ÄaifertitelS eine red^tlid^e ©runblage
JU geiüinnen. SGBäl&renb Submig felbft in ber granifurter grilörung
im SBiberfprud^ mit ber ffunbgebung ber ffiurfürften ba§ Sed^t auf
ben ffaifertitel au§ ber SBa^I folgert, mirb l^ier (9lrti!el 4) auSgefül^rt:
*) 'iflüx baß in ber golbencn ©uKe ber ?Jfaljgraf nur für baß ©cfeiet be8
Qd)voahtn\p\tQtl9, für bad be9 fäd^fifd^en 9te(^t9 bagegen ber ^ergog t}on ^ac^fen
pm 9tei(j^9t)tcaT befleUt mtrb.
*) Sr. a. O. «eilagc VI, B. 709.
— 101 —
taii bct SJBal^I l^oben ber ©cwäl^Itc unb btc SBä^lct bem ^apfte
bie SDBal^I anjujcigcn unb il^n um fttönung unb ©albung ju crfuii^cn.
%tt ^^Japft ift bann gehalten biefc ju ertl^cilcn , aufecr tocnn er bcn
@eiDä^ltcn als notorifd^ untoürbig lennt ©oUtc jtd^ bcr ^apft metgetn,
jo lann bcr ifaifer feine Ärönung unb Salbung öon einem anbern
Io{]^oIif(i^en 5Jlanne erhalten unb jtd^ bann römif<]^er Äaifer nennen,
töaS er bem 2Be{en na^ fd&on bur^ bie SDßal^l gemorben. Denn bie|e
Srömmg unb ©albung finb nur getoiffe gfeierlid^feiten , »elci^e bie
Älr(]^e ^inju erfunben l^at unb »eld^e bem SSer^öItni^ ber @rgeben=
§cit, beS ©c^uge§ unb SünbniffeS, weites }tt)if(^en ftir^e unb Äaifer»
t§um befielt, ^u^brud geben foDen. S)ie geiftlid^e unb toeltlid^e ®e»
malt , ^eißt eS bann weiter , finb gef d&ieben , ^aben im SBefen nid^ts
gcmcinf ame§ , finb, mt Siedet unb ©efci^id^te lehren, nur bur(^ ba§
Sonb gegenfeitigen ©d^u^eS öerbunben. ®er ^apft ift gröfeer als ber
ÄQifer, toeil er bet ^en be§ ©eiftlici^en unb ber ©eelen, biefer aber
ber §crr ber fieiber unb ber ©a^en ift. ©al^er fann ber ^apjl ben
Saifer toegen ©ünbe jirafen (corrigere). 3)er ffaifer leijiet bem ^apfte
einen @ib ber ©rgebenl^eit, leineSmegS einen ^omogial» ober SEreueib,
bcnn er erl^ält Don il^m feine toeltliii^e SKad^t.
SBäl^renb man ben aSerf affer biefeS ©tüieS, baS in einem toid^tigen
fünfte t)on ber granffurter (Srllärung abweist, tool^l nid^t unter ben
^inoriten fud^en barf , jeigt ein fünftes ©(j^rif tpüd ^) toieber unber»
lennbar minoritif(j^e gärbung. @S miD nad^meifen, in meldten fünften
^apft ^ol^ann, bann anif fein 9iad^fotger Senebilt miber baS Sfted^t ge»
^anbclt ^aben. SDie^ fei gefd^el^en 1. inbem fid^ ber ^apft in ben SJecretalen
Komani principes unb Pastoralis cura^) bie Slutorität unb 3uriS=
biction im 35ßeltli(^en unb über baS ganje ffaifertl^um jugefci^rieben
l^abe. S)iefe ©tatuten feien fd^on bon ^papft ßlemenS V. 5ur '^At beS
ßoncils Don SSienne gemad^t, il^r SSoDgug aber, mie aus einem
t)on Siemens an bie ^JJarifer Uniberfität gerid^teten unb in ber S33elt
befannt geworbenen ©d^reiben l^eröorgel^e , bamals nod^ aufgefd^oben
töorben; Sol^ann XXII. aber l^abe fie bann approbirt unb bejlötigt.
2. C^Qbe 3o^ann baS ©tatut über bie 3:rennung Italiens bom
^) Nicol. Minor. 598—605. 2)te§ ip too^t „bie ^rotoocation gegen bcn
^a^)fl «encbift", öon ber 9eat?nalb, 1338, § 15 annimmt, bag fie öon (Scfena,
Odam, ©onagratia unb ^einri(i^ öon S^l^at^eim »jcrfagt »orben fei.
*) £)Icnf(i^tagcr, @taat«get(^i(3^te, Urlunbcn, e. 51 unb 48; bcibe ©uttcn
ftab in bie Stemcntinen aufgenommen, lib. 2, tit. 9 unb tit. 11, cap. 2.
— 102 —
Sfteid^e gemad^t. S^knaä) foHte ein Äöntg bet IRömcr in stalten unb
lixanhtxä) feine &malt mel^r l^aben, »äre alfo eine gehonte Silbjäule
ol^ne SReld^ unb Slegierung ; au§ bem ©tatut folge a\xä), bafe bet ^apft
afle tt)eUIi(]^en gürjien abfegen fönne , »aS abfurb fei. 3. igoBe
3ol^ann bie SuIIe Quia vir reprobus erlaffen, roorin et bie Sltmut§
ß^tifti leugnet, Dielme^t ben ßtlöfet einen flönig übet alle weltlii^en
©fltet nennt. 4. §abe ^ol^ann bie 3äa\)l 8ubtt)ig§ füt eine
jtoiefpältige etflött unb i^m ben ffönigStitel befititten. 5. (St l^obe eine
9iet(]^t)acanj angenommen unb flc!^ t)a§ SRed^t bet Stegietung beigelegt,
^abe Subtoig ben ©el^otfam feinet Untett^anen unb bem ^faljgtafen
bei 9i]^ein ba§ SRe^t bet 3lei(|Sbettt)efung entjiel^en woßen. 6. @t
l^abe gegen SubtotgS ?(ppelIation bie S)ectetale Quia quorundam et«
laffen unb batin alle, meldte bie Setufung eingelegt, füt fte|et etHött,
»äl^tenb et bod^ felbft tn biefet SuKe in mel^tete §ätepen öetfoKe*
7. (St l&abe Sub^mig füt einen fte^et unb ©d^ismatilet etflärt. Me
feine ^toceffe gegen ben flaifet feien abet nid^tig. 8. @t ^abe Äticj
angefad^t ünb bie SSett^eibiget be§ JReid^eS al§ Äe^et bel^anbelt.
9. 3io^ann§ SRad^foIget Senebilt l&abe bie ^toceffe feines aSorgänget^
miebetl^olt unb ben ©tjbifd^of öon ^Kainj 'Unb bie TOainjet Äletilct
meineibig unb ejcommunicitt genannt, meil pe fiubmig anl^ingen.
10. Senebift l^abe fiubmig butd^ betfd^iebene Siften bal^in btingen
moßen, bafe et feine unb feines SSo'tgängetS 5ptocef[e gegen baS Seii^S*
te(|t anetlenne unb auf baS 3leid^ öetjii^te.
Slod^ mel^tete ©ci^tiften üetmanbten ^nl^alts mögen batnals p
Stage getteten fein ^). 3luf unS gefommen finb nut bie etmäl^nten.
@in SRinotit, 9lamenS SlifolauS, bet bamals unjtoeifell^aft in bet
Umgebung beS JlaifetS loeilte, l^at fte (mit SluSnal^me bet }uet|i ge*
nannten Informatio unb bc§ öon gicfet auS ©atmftabt mitgetl^eilten
®tü(!eS) jügleid^ mit ben @tllätungen beS ffaifetS unb bet fSfütften in
einem S3nd^e gefammelt, baS ben ©tteit bet SKinotiten mit ben
^ät)ften t)on ben Sorten 1321 — 38 jum (Segenftanbe l^at unb butd^
bie SKittl^eilung jal^Iteid^et SIctenflürfe unb ©tteitfd^tiften einen l^ol^en
gefd^id^tlid^en SBett^ et^ält »).
^) Nicol. Minor. 597.
*) Seibet fmb nur SluSjüge biefc« SBetfe« öeröffcntti^t. Excerpta ex libro
Nicolai Minoritae de controversia paupertatis Christi 1324—1338 6ci
Boehmer, Fontes IV, 588—608. (giuigc Slctenjtütfe au8 bem ©uci^c fmb ft^OR
öotl^er öon gider in ben Seilagen ju feinem ^uffatjc: 3ut ©cfdfrid&te be«
Äurtoercinc« ju fftcnfc, abgebrurft »orben. ?lu« mand^cn (gt^ol^nungen öon
— 103 —
2)Qxf man biefem iRiloIauS ®laiiben fd^enfen, fo jtnb alle bie
©d^riftftäde, bie ben SEagen bon SRenfe unb Sronffurt tl^re gntftel^ung
üerbanften, nic^t nur bie of ficiellen fonb^m aud^ bie pribaten ßl^atactetS,
,,bom Äaifet,. üon ben ßütfürfien, bon ÜRaflijiem ber SCl^eoIogie aus
bem 3Rinoritenotben unb öon S)octoren ber beiben SRed^te nac!^ Sbignon
on ben ^ap^ Senebilt unb bie ßarbinäle gcfd^idtt morben." 3)ie ge-'
nannten SRagijier unb SRed^tSgelel^tten feien anä) bereit gemefen im
offentUd^en ßonfijiorium il^re grflärungen ju bert^eibigen unb l^fttten
ju biefem 3tt)e(fe nur fixeres Oeleit unb 9lubien§ geforbert. öenebift
unb feine Satire aber l^ötten auf biefe ^fotberung leine Slntmort ge»
geben, »eil fle, wie ber aJlinorit bott ©elbjigefül^I annimmt, avLÖj auf
bie ©rllärungen leine Slntmort l^fttten finben lönnen ^).
3in ber %fiat i)at ber ßaifer bamalS bei ber ßurie um einen
©eleitsbrief für feine geleierten SBunbeSgenoffen na(!efudeen laffert. ®er
^app l^at biefeS Snfinnen nii^t, toie ?fliIoIauS berietet, unbeantwortet
gclaffen, iebotj^ ablel^ncnb erwibert. 6r f^rieb an ben 33ater*): ba eS
ber ©itte unb 2Bürbe be§ römifd&en ©tul^IeS nid^t entfpre^e frebel»
haften ^ßenfd^en ©eleit ju geben , f önne er auf btefe Qforberung ni^t
eingel^cn. SBenn \thoä) jene Seute, beren im Sriefe beS ÄaifcrS 6r=
iDäl^nung gefti^e^en, beforgt um i^r ©eelenl^eil auS freien ©tüden
(gratis et spontanee) jum l^eiligen ©tul^Ie lämen, um bort bemütl^ig
Serjcil^ung unb Sarm^erjigfeit ju erbitten, merbe er fie, bie er biel»
mel^x bem ^erm ju getoinnen al§ ju berberben münfd^e, barml^erjig,
»ie e§ i^re ©emotion unb S^rf'^M^iJ^S berbiene, milbe unb gütig
be^anbeln unb bie ©trenge ber ©ered^tigfeit hmä) ba§ Del ber S3arm='
^erjigleit milbem.
3la6j bem gfranlfurter 3:age war ber ©iftercienferabt 9llbert bon
&%aä^ auf Sefel^I be§ ßaiferS naä) 3lbignon gegangen, um bem
Zapfte mitjutl^eilen , bafe Submig ni^t me^r gefonnen fei auf ber
S9afi§ ber früheren Sorfd^Iöge bie Unterl^anblungen fortjufe^en ^).
Siaijnalb unb ©alujc, Die ba« SBctt benüfet l^ben, barf man stießen, baß fein
%t\6}iä^tli6f rotvt^Mcätt Snl^alt bur^ bie obigen ^ubUcationen bo(^ nici^t t)ott»
flanbig erfci^ö^ft ip. ^bcr, ber bie SluSgabe in ben Pontes beforgt ^at, fd^eint
bie <B6)x\\t ju untcrf(^S^en, toenn er (SJorrebe, @. LXIV) meint: ©öl^mev«
Hoffnung, bag il^re bollfiänbige ^efanntma^ung eine ber mici^tigpen Bereicherungen
ber ©e^id^te be« 14. Sal^r^bt«. fein »ürbc, »ar (eiber ungegrünbet.
1) Nicol. Minor. 608.
«) e^reiben ö. 23. 3amiar 1339 bei ffta^nalb 1339, § 6.
*) ecitbem ^öfCer (3lu8 SCöignon, @. 18) ba« ©(^reiben be« $a^|ie« öom
— 104 —
S)afe ber ^ap\t batauf feinen ^auScapIan ätnolb bon S8erbela na^
3)cutfd^Ianb f^idt^ ^), iji ein fi(^ereS S^iäjtn, bafe bic beutf^ giniff^
leit nid^t allen (Sinbtud auf il&n berfel^Ite. 3)od^ toax SBenebift meit
entfernt bie Sefd^lüffe Don Slenfe unb gi^anffurt aU ted^mäfeig nnb
als ©tunblagc fernerer Unterl^anblungen gelten ju laffen. ©ein
9luntiuS erl^telt ben 2luf trag, fi(j& ni6)t in ©efpre^ungen unb Verträge
mit ben Surfürfien einjulaffen 2). ginige Don il^nen, fd^rieb ber ^apjl
fpäter 3), l^aben ®ott unb ben l^eiligen ©tul^l gröbU(]^ beleibigt ; glei^--
mo^l merben toir fie gnäbig aufnehmen, wenn fie reu- unb bemüt^ig
in \\(S) gelten. Subtoig felbft erhielt bie SÖlal^nung % fid^ nid^t öon ben
atatl^fd^Iägen berer leiten ju laffen, bie il^n au§ felbftfü^tigem ^ntcreffe
ober angeborener älud^Iofigfeit bon ber SRücftel^r }ur j^irci^e }urü(f^alten
moDten. ©ine gute SSorbereitung unb Slnnöl^erung ju einer äuSföl^nung
fei o^ne 3ö)rifel ber frül^er eingef(|Iagene SBeg, bafe nömlid^ ein
3lu§glei(!^ jmifd^en Submig unb ben Äönigen bon Sranfteid^, 9leabel
unb (Sngkinb enttoeber auf ©runblage be§ fd^on borbem bereinbarten
fSformuIarS ober auf einer neuen in bie §anb be§ ^apjieS gelegt
mürbe. 3i^i"I^ unberl^ol^Ien ]px\ä)t fid^ l^ier bie SCßa^r^eit auS, bafe
es fi(^ in erfter Sinie um <}oIitif(^e, »eltlid^e Sntereffen l^anbelte.
SSJeniger entgegentommenb Hingt ein folgenbes ©d^reiben ^) , in
bem'^Jubmig baran erinnert mirb, bafe er altere unb bem Sobc ent«
13. ^tißt 1338, n>el(te$ ^molb ton ^erbela mitbelam unb iDOtoon ft(j6 bei
9{a^nalb, 1338, § 16, nur eine (Srn^äl^nungfinbet^niitgetl^eUt l^at, tann man bie t)on
öornl^ercin »cnig mal^rfcpcinti^c ©rjäl^tung, totXäft an bicfc SRifflott getnü^)f t tourbc,
ridi^tig beurtl^eilcn. S)cr faifcr(i(3tc ©cfanbtc fott nämli^ bamate au8 ber @c^>utc gc-
^dftßä^t unb bem ^a^fte eröffnet l^aben, bag e9 Subtoig mit feinen ^udfi5]^nung9t>er«
fu^en ni(^t emfl fei. 3u ®runbe liegt bem todffl nur eine fatfd^ Sluffaffung ber
SBcrte be^ ^ä)>ftlidi^en ©d^reibend: ^er W>t ))on (Shxa^ l^at und mitgetl^eitt, quod
tue intencionis non erat servare ea, que per te ac pro parte tua jam dudom
oblata nobis fuerant. 2)ie ©teile l^at getoig feinen anbern ®inn atd ben in
unferm Sejte angegebenen.
*) Wer, Slu« «öignon, @. 18; 9lai?nalb 1338, § 15, 1339, § 6. «on
ben Sl^roniflen ermähnt biefer ÜJäfflon nur ^cinrici^ öon S^ieffenl^ofen, ieb0(3^ »er*
f^ätet jum Saläre 1339; Boehmer, Fontes IV, 31.
*; ©(j^on am 23. Oftober 1338; 9la^nalb, 1338, § 17.
») Slm 23. Sanuar 1339; ^at^mlb 1339, § 6.
*) ?Jä^ftrid^e Snfiruction für Slrnolb öonSJerbela »om 13. 2)ejember 1338;
9la^nalb 1338, § 17.
5) S3om 23. 3anuar 1339; 9la^nalb 1339, § 2-5. 2)a«felbe S)atum tragen
)n)ei anbere <^(i^reiben ^enebiftd an ben Saifer; t>ergl. ^öfier, ^u9 9t)ignon,
@. 17.
- 105 —
gegengc^c. S)afe et bic Äcjct an feinem S^o^t bef(i^ü|t ^) , gibt bem
^opjle »iebetl^olten Xnlag }u ftlagen; ald neuer SSotmurf etf^einen
bie SSereinbatungen mit ben SReid^dfütßen unb bie babon auSge^enben
SRofttegeln gegen ben mtbetfpänjtigen ftletuS.
9lad^bem ber ftaifer in ben f$ran!fuTteT ^ublicationen neuerbingS
mit (5ntf(!^ieben]^eit gegen bie ßurie aufgetreten toar, mufete ein ?luS=
glci^ femer gerüdt fd^einen als je borl^er. ©leid^tooi^I fe^te ber friebenS«
bcbürftige gärji bic Unter^anblungen in ben 3a^ren 1339 unb 1340
fort. 9ber toaS feiner bemüt^igen 9la(i^giebigfeit nid^t gelungen mar,
bad fonntt ein felbpetou^tereS SSorgel^en nod^ meniger er}ielen.
9It(fen mir l^ier nod^mal auf bie jfunbgebungen jurüd, bie [\ä)
on bic Sage öon Slenfc unb granffurt Inüpfen , um i^r SBcr^ältnife
unter cinanber unb ju ben 2:^corien f eft^uftcUcn , melii^e bisher im
Äompfe ber beibcn ©emalten aufgetreten finb. ®a gelangen mir benn
ju folgcnben ßrgcbniffcn.
S)er rabicale ©tanbpunft ?DlarfigIioS fömmt in Slenfe unb
gxQnffurt gar nic^t me^r jum SluSbnuf. SBenn ber ^abuaner, ma§
itoeifcl^aft ifl, bamals noc^ lebte ^), fo l^atte er toäf j[eben ))oIitifd^en
ßinflufe bcriorcn.
Äud(^ ber ©tanb})unft ber 2Rinoriten, meiere Sol^ann Äe^erei öor=
töcrfcn, finbet in ben officiellcn Slftcnpürfen, ol^ne gerabc mißbilligt ju
tDerben, bod^ nid^t mcl^r 9lufna]^me. dagegen borf er fid^ in ^riüat«
l)«Micationen , bic unter faiferlid^cm ©d^uje entftcl^en unb öerbreitet
tDcrben, auSfpred^en unb l^ier barf aud^ ^apjt Scncbift al§ Scgünftiger
unb Sfortfejer öon ^o^annS 3IuSfd&rcitungcn birect angegriffen roerbcn.
S)ic ßrflörungen bcS ÄaifcrS fobann öertrcten eine britte ©tufc
ber Dppofition, mo bie ©elbftönbigleit beS beutfd^en ftönigtl^umS unb
te§ romifd^en ^inperiumS nad^ Siedeten, SBürben unb Xitel gegenüber
ber 6urie , ferner bie Sfted^tmä^igleit einer 33eruf ung bon pöpjilid^cn
Urtl^cilcn, bie ©uperioritöt bc§ ßoncilS über ben ^apfi behauptet
toitb, S)cr flaifcr nimmt icbod^ baüon Umgang pd^ birect gegen
Scnebift JU menben unb ge^t über bie grage l^inmeg, ob Sol^ann
ein Äefeer unb bie barauf gegrünbeten frül^cren 2RaBrcgcIn rec^t«
mä|ig maren.
^) Uli homines pestilentes haeretici et schismatici manifesti, qui
adkuc sab tegmine alarum tuarum morari dicuntar; 1. c.
•) 3n folgenbctt <£a*)itct »irb na(Jgeh?icfcn werben, baß fein 2:ob jwifiitcii
1336 unb 1343 erfolgt fein muß.
— 106 —
3)ic ftimbflcbungcn bcr SKel^rjal^I bct Äutf ürjlcn ^) finb nur barin
jutüdl^altenbeT , ba^ biefelben auf bie rein fird^Iid^e ^rage ber
Superioritöt be§ 6oncU§ ober be$ ^apjleS nid^t eingel^en unb ba^ fie
bie SSerleil^ung be3 laiferlid^en %\ttU nid^t auf t^re SBq^I begrünben.
S)Qgegen erHören anä^ fie bie SRa^regela ^opft ^iol^anni^ gegen Submig
für red^t^mibrig unb beanfprud^en gegenüber bem ^opße bie @elb*
fiänbigteit nid^t nur beS beutfd^en Äönigi^umS fonbern anÜ^ be&
römif(^en i^aifertl^umS.
®ie eingef(^rän!tcfte ©teflung enblid^ nimmt ber ßrjbifd^of
8albett)in öon 3:rier, ber fid^ jwar ben ßrflärungen öon Öal^nftein
unb Senfe, ober nid^t bem ©d^reiben eines S^eileS ber Äurfürfien an
ben ^a<)ft angefd&Ioffen l^at unb in feinem befonberen Sriefe an
SBenebilt aHe§ öermeibet, roaS biefen beriefen lönnte*).
@ine 5luffaffung aber, toonad^ bie löniglid^en ^tä)U bon ben
faiferlid&en fd^arf gefonbert, bie ©elbfiänbigfeit be§ beutfd^en ftönig=^
tl^umS gemalert ®), bagegen bie äbbängigf eit beS römifd^en Äaif ertl^umS
■) 3u biefen xttbnt i(6 auci^ baS ©((reiben an $a^{l ^enebitt (SB^met,
fRegePen Subtrig«, @. 242, "Slx. 74), beffen a;cj:t, abgefel^en bon ben 92amen bcr
au^ftctler, edfet (f. gicfer a. a. O.) unb beffen Slbfenbung an ben ^a|)ji mir bod^
l^öci^fl n?al^rWeinIi(ö ift. SWan toirb baruntcr xoo^l bie conjuratio principom
öerjle^^en bütfen, öon ber SWatl^ia« i)on ^ieuenburg taut feiner (grttSrung ein
(Sjem^lar an bie (Surie überbrachte. (Boehmer, Fontes, IV, 213.)
*) SSergt. außer gider a. a. O. 2)omintcu8, ©atbetoin öon Süftetburg,
e. 860. 2)a0 ©((reiben ©atbewin« an $a^fl ©encbift f. bei gider a. a. O.
«eitage V, @. 708.
^ 9{a^ SDominicu9 (^albeb)in ))on Süt^elburg, 364) tt>äre nur bieg ber
©inn ber ^rttärung löon fRenfe unb »Sren bie granffurter ©efdjtüjfc tt>eit
barftber hinaufgegangen, inbem (ier loom ^aifer auf bad ^aifert^um übertragen
toorben, n>ad bort huxäf bie fe((9 S^a^lfürflen nur t)on bem JtSntgt^ume getoiefen
tourbe. S)ieg ifl bur((au9 irrig; ber ©egenfa^ $ti>if((en ben ^f^tüffen )}on
granffurt unb 9^enfe bef^rantt fi(( auf bie ^nfid^ten über bie redfttlid^e @runb«
tage beS taiferlt((en ^itetö ; bie faiferli((en 9{ec(te bagegen laffen bie ^urfürfien
fo gut tt)ie ber ^aifer nur ^on i(rer ^a(t abfangen. ©on>o(l bad Sei9t(nm
öon 9Jenfe at« bie ©((reiben ber Surfürflen an ben $a|)fl f^)rcd6en ton ber
administratio bonorum et jurium imperii (Dtenfd(tager, 192), nxäft nur
regni, unb fo (aben au(( aüe 3^i^9^noffen bie^rflärung ber gürfien .aufgefaßt,
^einri^ toon 9tebborf fagt barüber: Prlncipes eleciores imperii conveninnt
et per joramenta sua difiniunt: quod electus in regem Komanorum a
majori parte eligentium equalem potestatem habeat in administratione
imperii sicut imperator coronatus. (Boehmer, Fontes^ IV, 521.)
2)tefclbe 3tuffaffung f|>rid^t Odfam fotoo(t in ben Octo quaestiones (Goldast,
Monarchia, II, 356) ald im Traetatus de electione Caroli IV. ouS. ($9fier.
— 107 —
Dom $a))jle eingeräumt iDütbe, ijt bamals in Z)euif(|Ianb nirgenb,
toeber in ben officieDen jhinbgebungen no(]^ in ben tl^eoxetifc^en
grötterungen, bie jic^ botan htüpfen, }u Stage getreten. 9lid^t§ tann
uns einbringlid^er bor $[ugen fül^ren, meldte innige SSerquidung
px^äim ben Segriffen beS beutfd^en Jtönigtl^umS unb beS römifd^en
Äoifertl^umS fic^ bamalS im SetDufetfein ber beutf^en 9lotion boK»
jogcn l^atte ^).
9lud^ iener ©tonbpunit nun, ber fic^ in ben officieflen Slctenftüden
Don Slenfe unb gronlf urt auSfpri^t , ^at, mit einigen TOobipcationen,
in einem umfängIi(!^eTen SQBerle feine t^eoretif(!^e Vertretung gefunben.
8ul)oIb bon Sebenburg reil^t [\ä^ burd^ feine berül^mte ©d^rift
de juribus regni et imperii unter bie geleierten 99unbeSgenojfen beS
ffaiferS. Slber bei il^m l^at biefe Seieid^nung einen onbem ©inn dS
6ci ben glüd&tlingen am SMünd^ner |)ofe. ®aS mit ber ^eimatl^ unb
ber beftel^enben Drbnung eng bertoad^fene aWitglieb beS beutfd^en
2lbel§ unb ber beutfd^en ^ierar^ie, ben borjugSmeife juriftifd^ gefd^ulten
unb juripifd^ benlenben, öorjugSmeife beutfd^ fül^Ienben ^uBIiciften,
ben mit ber Kurie tro| tj^eorelifd^en SBiberfprud&S unb fird^Iid^er 6en«
füren boii^ nie böDig berfeinbeten, befel^alb nid&t fd^u|bebürftigen, nid^t
auf SubmigS ®unp angemiefenen SJoml^errn trennt eine tiefe ffluft
Don ben gebannten unb lanbfremben ße|ern im laiferlit^en ©efolge.
6r flammte au§ bem alten SReid^Sminifierialengefdeiedete ber Äüd^en»
meifier bon SRotl^enburg unb ?Rortenberg *) ; ben Flamen Sebenburg
Sud Kt^tgnon, @. 16.) inpoVb t)on SBeBenBurg, blertn gemig eine unantafiBare
SintoritSt, ertDal^nt au9brü(!lt(i^ (Sd^arb, @. 377): bie beutf(i^en Sär{)en j^aben
auSgef^ro^cn, baß ber ri5mtf(!^e Äöntg fogtcid^ nad& feiner SBal^t burd^u« uub
da\a(it biefetbe @en>att l^abe toie ber ^aifer unb bag bie ^ä^fllici^e ©atbung nur
Qo4 ben taiferßAen Sit et berteil^e.
^) ^täft auffätttg f^ri^t fi6) bieg cat6f in bem Umflanbe au9, bag i^albekotn
^cnXxxtx, ber bo4 bie ©e^tüffe i)on ^m\t unterjeiiä^net l^at, in feinem ©tiftreiben
an ben "^ft (gitfer a. a. O. 708) Subwig ni(!^t rex nennt — »a« na4 biefen
©cf(iCüffen ba« folgerici^tige »Src — fonbem dominus Ludovicus de Bavaria
ad Imperium electus.
») 1347, am aWi^ctiötage , geben geu^olbt »on ©ebenburg, SBürjburger
Äanonücr, griebri<]^ bon ©cbenburg, ein ^piioX^xx, fein ©ruber, unb ©attet
Äii^cnracifier, fein ©ruber öon S^orttenbcrg, bem 9iotlJcnburger ^)pxXal 2 $funb
$dler auf bem S)orfe ©ameSfelb. Cbron. Rottenburg, bei Duellius, Miscellanea
II, 194. 3m fetben (Sl^ronicon finbet p* (@. 263) eine «Sage über ba« ^crtommen
ber Äud^enmeifler t)on S'iottcnberg. 2)a6 er SKinifieriaU be« 9fiei^« »ar, bcmertt
felbß im Ritmaticum querulosum. (Boehmer, Fontes I, 484.)
— 108 —
fttl^ttc er t)on einem an bet f&xtttaä) im je^t toürtembetgifd^en granfen
(DBetamt ©erabronn) gelegenen Orte, her l^eutjutage Semberg l^eifet ^).
3t\i)t nur üornel^m, auä) bermöglid^ war feine gamilie; mleber^olt
f)M man bon ffleftjungen SupolbS in ben Oegenbcn ber Sauber unb
beS 5DlainS *; ; 1345 lauft er im Sßerein mit gberl^arb Don $irf(]^^om
bie 39urg Sngoljiabt in gfranlen unb jmei bena^barte 3)5rfer um bic
bebeutenbe ©umme Don 1750 ^funb geller ^).
®ie Stngabe, bafe er in beiben 3leii^ten ®ä)iXkx be§ 3o]^anne§
tttnbreö bon Sofogna gewefen, grünbet fid^, fotoeit toir feigen, nur
auf bie Slutotität 3:rit]^em§ *). -^ie Urfunben nennen il^n ftets nur
doctor decretorum ^) , biefe fd^Iiefet aber nid&t auS, bafe er aud^ im
»eltlid^en yttä)it ben SJlagiftertitel erlangt l^atte ; bafe er grünblid^e
flenntnife be§ lüeltlid&en JRed^teS befafe, jeigen feine ©d^riften.
1325 begegnen toir il^m al§ SOßürjburger Äanonifer unb ®e»
fdnbten feines Sif(!öof§ jum 5ßapfte ^o^ann XXn«), SSon biefcm
Saläre bis 1352 fann man i^n als SBürjburger ©oml^erm nciä)tDtx\ttL
1333 mirb er juerfi Slrd&ibiafon genannt ') ; in biefem Sa^te mar et
einer ber brei SBal^Icommiffäre bei ber SDBal^l beS Sifd&ofS* Otto bon
SQBoIfSfel^I, beS päpfilid^ geftnnten ßanbibaten ^) , möl^renb bie faifer»
lid^e Partei ^ermann oon 2i(!^tenberg, ben frül^eren Äanjier SubmigS
erl^ob. 1335 marb Seberiburg bei griebigung beS bifd^öflid^en ©tul^IeS
nebft brei anberen ©oml^erren jum 2lbminiftrator ber toeltüi^en ©üter
beS ©tifteS befteDt^). Slod^ bemal^rt man ein auf feinen Sefel^I gc»
fertigteS ßopialbud^ Oon Urfunben beS ©tifteS^), baS Oon feiner
gürforge für bie red^tli(!^e Segrünbung beS ürd^Iid^en Seft^t^umS
') SScrgt. ©enfcti, Unterfu^ungcn üBer SJottcnBurg, 441. ©ricflnger,
Uniöcrfancjfifon toon SBürtembcrg, unter ©c6en6urg. Su^otb fer6|l nennt fl(S in
ber ©loffe ^u feinem Ritmaticum querulosum (Boehmer, 1. c): Luppoldus
de Bebenburg prope Botenburg in Francia orientali.
^) Monumenta Boica XL, 101, 327; Duellius 1. c.
») Mon. Boic. XLI, 182.
*) Chron. Hirsaag. II, 174 unb De scriptor. eccles.
'^) 3* ^* Mon. Boic. XL, 381; Ussermann, Episcopattts Bamberg.
Cod. probat. 204; eine f:|>ätere ©toffe }um Ritmaticum querulosum bei
Boehmer, Fontes, I, 484.
^) Boehmer, Additam. tertium, @. 416.
') Mon. Boic. XXXIX, 512.
•) 1. c. 659.
•) 1. c. XL; 259.
— 109 —
3eu9nife giBt. ©cit 1340 etfd^cint Supolb qI§ officialis curiae, als
Sorplenbet bc5 bifd&öflid^cn ®eti(i^tcS »)• 1342 führte er als bif(!^öf-
lii|er ßommiffät bcn Sotjt^ im SnqmjttionSgcrid&tc gegen einen ber
fie^erei anfleflagten laycus literatus, ben 5!Kogi[ter ftonrab |)ager
Don SDSüxjburg *). Dbft^on berfelbe feine Seilten über bic Sertoerflid^»
feit ber ÜKefegelber uhb bcS ©eelgerätl^eS toiberrief , üerurtl^eilte tl^n
bo§ ©erid^t bot^ auf unbefiimmte ^tx\ jum iierler. 2)a§felbe ©d^itffal
itof bamals bor bem gleid^en ©eri^te einen Segarben, ben ^riejler
§crmann ÄU(|ener Don 9lümberg, ber unter anberm geäußert l^atte:
ii| enler mi$ an ben babeft nic^teS nid&t^).
2)ie ^Bereinigung bon mel^reren geiftlid^en ^frünben in einer
^erfon »ar bamals tro^ ber entgegenftel^enben !ir(!^U(i^en S3eflimmungen
niö^ts ungett)öl^nl^e§. ©o öermaltete auä) S3ebenburg neben feiner
SSßfirjburger no(!^ eine 5Kainger Doml^ermftelle *) unb eine ^ropftei ber
©t. ©eberuSür^ in grfurt*). 3^^ biefer le^teren SBürbe unb afö
geiftli(j^er ©pecialcommiffär beS (Srjbifd^ofS ^einrid^ üon 2Jlain} für
Sl^üringen unb Reffen befiel^lt er ber ^f arrgeijilid^feit , bie 5Dlinoriten
ni(|t in il^ren ^riDilegien ju flören ^).
1353 (14. 3anuar) mürbe SBebenburg auf ben bifd^öfliij^en ©tul^I
öon Säamberg crl^oben unb reifte naä) SlDignon, um t)on ^nnocenj VI.
bic ßonfecratton ju empfangen ^, 9ll§ SSifd^of bon S3amberg ftarb er
^) 1. c. 327.
») 1 c. 381, 387.
^ 1. c. 416, 418.
♦) 1327 incor^orirt @ribif(i6of 3}lat5ia8 öon SWainj bcm Äloftcr fRcinl^arb«^
brunn bic Äirdje de Boilstete mit Sußimmung feine« Soptteiö unb auf bic
Sitte honorabiüs viri, domini Luppoldi de Bebinburg, canonici nostri.
Tentzel, Supplem. 2. historiae Gothanae, p. 103.
•J 1337, feria tertia ante nativitatem domini, crf(]^eittt er ju Erfurt M
praepositus St. Severi Erfurtensis. Sagittarius, Historia Gothana plenioi%
p. 220.
«) ©d^utid, ©eiträge jur SWainjer ®efd&i(ä^te, III, 351, too auci^ natj^gctoiefen
»itb, bag bic bctteffenbc Urfunbc, bic ber Sal^rjal^t ermangeU, tual^rfd^cinttti^ ju
1338 gd^ört. 3n feiner furjen «iogra^)]&ic «ebenburg« (a. a. O. H, 140) läßt
t^n ©dyuncf aud^ 2)oml^crr ju S3amberg gcnjefen fein, »a« tco^X irrtpmlid^ ifl.
Uffermann (Ep. Bamb. 178) mad^t il^n überbicg jum Äanjter S3atbetoin8
^on Xrier.
') Hofmanni Annal. Bamberg, bei Ludewig, Scriptor. rer. episcop.
Bamberg. I, 203.
- 110 —
1363 ^) unb fanb fein SBcgtäbnife im ßl^or bei ©t. ^eter ju Samberg;
feinen ^a^rtag beging mon am 35otabenb ber Slpojiel Simon unb
3uba8 (27. DItober*). 3luf feine bif(!^öflid&e SRegietung einjugc^en,
ifl l^ier nid^t mel^t ber Ott ^) ; nur bicfe fei aus feinen legten SebenS«
jal^ten nod^ ertnäl^nt, bafe man guten (Stunb l^at il^m einen Slntl^eil
an ber Slbfaffung ber golbenen SJuHe jujuf (abreiben *). dagegen Der«
lol^nt es fi$ »ol^I baS SBerl^ältnife in§ Äuge ju f äffen, in toel^em et
als SQBürjburger Doml^err jum ffirii^enftreite ftanb.
®Uxä) baS erftemal, ba toir Supolb öffentli^ auftreten fe^en,
l^anbelt eS \x6) um ben ©treit itt)if(!^en Submig unb bem ^appe. älS er,
bamalS rool^I noci^ in jugenblid^en Qal^ren , 1325 (etwa im ©ommer)
im 9luftrage feines Sifd^ofeS SBoIfram nai) Sibignon ging, foHte er
bem ^a})fte beriij^ten, mit toAä^tn ©(i^mierigfciten unb Äoften fid^ biefct
als 3ln]^änger ber Sixäjt gegen „ben ^ttjfi^ Submig t)on Saiern"
unb beff en SSunbeSgenoff en öertl^cibige ; er foDte berfi(|ern, bafe Solfram
an bem 35unbe mit SDflainj, Strasburg unb Defterreid^ gegen Subwig
bis jum SEobe feftl^alten »erbe, foHte aber jugleici^ bem ^apfte aufS
bringenbfte anliegen, bafe er bem ^od^ftifte bei ber Ungulängliii^leit
feiner TOittel ju fold^em Kampfe mit einet; Unterftü^ung ju ^ilfc
lommcn möge^). Strofe biefer SSerfid^erungen unb bieDeid^t wegen ber
(Srfolglofigfeit biefer Sitten l^at fid^ ber ©ifd^of fpäter eng an Submig
angefd^loffen unb bamals l^at man fid^ in 2Bürjburg anä) über ba§
päpftlid^e unterbiet l^inmeggefejt. 3laä) bem 3:obe 2ßoIframS (1333)
mäl^lte bie 3Kinorität, barunter Supolb öon Sebenburg, ben.päppid^
gefinnten Otto bon SQßoIfSlel^I, Dom ffaifer unterftü^t brang jeboi^ bie
©egenpartei mit il^rem ßanbibaten |)ermann öon Sid^tenberg burd|.
SllS nun Subtoig felbft bamals nad^ 2Bürjburg fam, erlief ein S^eil
^) ^aä^ Säd, ®cWi(3^tc ber ^roöinj Bamberg I, 42: in Samtigen. S5e*
!aniitüci6 l^attc baö ©tötl^um Bamberg bafctbfl auögebcl^ntc SBefi^ungcn. 3Ö«
Xobc^tag ttjitb ber 22. Oltober, aber auc!(^ ber 4. S'^öö. angegeben. (Garns,
Series episcopor.)
^) Notae sepulcrales Babenberg. in Mon. Germ. Script. XVII, 642.
*) hierüber öergt : Hofmanni Annal. Bamberg, bei Ludewig, Scriptores
remm episcopatus Bamberg. T, 203—206; Ussermann, Episcopatus Bam-
berg. 178; ©beüng, bie beutf^en ©ifd^öfe I, 24; ben ^xültl »cbenburg bei
@rf4 nnb ©ruber. %19 33if(^of öon Bamberg ifl ?u^)otb t>on ©ebenburg toon
alteren gorfc^crn, j. 33. gabriciu« unb Söc^er, mit feinem Sßorgünger 2u|)o(b
toon (ggtoffftein tertüed&felt toorben.
«) SJergt. Boehmer, Fontes I, 482.
*) Boehmer, Addit. tertium, @. 416.
— 111 —
beS SBürjbutgcr ßlctu§ bie gtllätung , nid^t ftcitDilKg , f onbcrn nut
(iu§ gfut^t t)or @etDalt Ratten fie il^n aufgenommen unb als jfönig
iinb fiaifer empfangen ^). Sif(]^of ^ermann porb fd^on 1335 unb jc|t
gelangte fein ©egner, Otto Don SBoIfSlel^I, auf ben bifd&öfit(]^en ©tu^I
(M§ 1345). ®a§ unterbiet , toeld^em baS SiStl^um loegen ber 2lnet=
fcnnung be§ Sifd^ofS f)ermann unb beS ffaiferS Subtoig öetfaHen
tnot, iDutbe nun hnxii ^apft S3enebtft auf gel^oben ^). 3lber nad^ lurjet
3eit änberte fid^ ba§ SSerl^ältntfe jut Kurte aufS neue. 5Ka(]^bem ftd^
SBfitjburg auf ber SSerfammlung ju ©peier bur$ einen 93eöott»
mäij^tigten an ber Intervention be§ beutfd^en ßpiflopatS ju ©unften
SubtoigS betl^eiligt ^atte, ri^tete ba§ Domcapitel am 2S. Suni 1338
on Senebilt in entfci^iebenerer ©prad^e baS ©efud^, bie ^rocejfe ^apft
3ol^ann3 gegen Subtoig gu wibetrufen *). ®a nod^ jmei anbere
©einreiben an ben ^apft Don toefentlic^ glei(!^em SCBortlaute erl^alten
finb, ba§ eine Don ber ©tabt ^agenau *), baö anbere öon einem un»
befannten SluSfieDer l^errül^renb ^) , fie^t man , bafe e§ [\ä) l^ier um
eine gemeinfame 9lction beutf(^er 3leid^Sjiänbe banbelt, mobei naö^ ber
Sru(j^tIofig!eit be3 jurüdl^altenberen ©peirer Sefd^luffeS bem ^apfte
gegenüber eine bejiimmtere ©teHung eingenommen mirb^). Unter
Betreuerung il^rer Siebe unb g^rfurt^t gegenüber ber römifd^en Äirc^e
erßftren bie ©oml^erren: nad^ einer löblid^en, feit SKenfd^engebenlcn
ni$t anber§ erl^örten unb biSl^er fictS unerfd^ütterten ©eiool^nl^eit be§
xömifd^en Äönigtl^umS unb fiaifertl^umS l^aben bie bon ben gfütfi^n
3)eutfcrianb§, benen biefe SBa^I burd& 3ied^t unb alte (Semol^nl^eit ju=
ftc^t, ju römifd^en ßönigen ®mäf)lUn, jumal nad^ il^rer Krönung ju
lad^en, am ©i^e be§ erhabenen SaiferS Äarl, ben ftönigStitel ange=
nommen unb SBerwaltung unb 3uri§biction be§ ffötiigtl^umS unb
Äoifert^umS frei ausgeübt, aud& bann, wenn eS fid^ traf, bafe bie
SBa^I jioiefpöUig ausfiel. S)iefer in ber %i)ai beftel^enben ©erool^nl^eit,
*) Mon. Boic. XXXIX, 502.
*) 1. c. XL, 52, 84, 123.
») 1. c. 201.
♦) mtQtt^dlt i)on girfcr, 3ur ®eWi*te bc« Äuri)erctn8 toon fRcnfe,
«eitagc I, @. 699.
*) iBei Würdtwein, Nova subsidia IX, 41, too eS ber @tabt @^)cier bct=
gelegt tötrb.
«) SSicnet(äJt in gotge ber Stufforbermtg SubtoigS. @8 ijl ein @d^reibcn t)om
28. mhi 1338 ctl^attcn, »orin er bie @tabt @tra6burg ju fot^er Untcrflütjung
cmfforbert. (SSl^mcr, ^x. 1892.)
— 112 —
tote iDtr glauben, unfunbig, l^at ^apft Sol^ann feine ©enfuten bet»
l^öngt. S)atauS finb fütd^tetltd^e ffitiegSuntul^en in Dielen il^eilen
S)eutf(]&Ianb§ , ©eringad^tung bet fit(i^lt^en ßenfuten unb gtofee ®e=
fäl&tbung berfelben entftanben. ®o nun fiubmig^) wegen bet 95e»
leibigungen , bie er bei biefer ©elegenl^ett bem rönjifd^en ©tul^I wibet«
fahren Ite^, au§rei$enbe ©enugtl^uung unb ©ül^ne anbietet, tt)ie Euere
^eiligfeit au3 bet jüngften ®efanbtf(3^aft beS 6rgbif(|of§ ^einti^ öon
TOainj unb anbetet Sifd^öfe l^at etfe^en lönnen, fo bitten wit, bo&
bie ©ttafen aufgel^oben unb Subtoig miebet ju ©naben aufgenommen
metbe.
^iet metben fd^on btei SBo^en bot bem SCage Don JRenfe bie
bott lunbgegebenen ®tunbfö|e auSgefptod^en, ^ S)ie ßutfütpen fanben
fi^ alfo bei i^ten SSeteinbatungen ben SGßeg beteits but$ bie 8lei(|S»
jiänbe geioiefen.
©d^on na(3^ einem l^alben ^al^te abet lautet bie ^ptaS^t be#
S)omcapitefö oielleii^t jufolge bet (Sinmitlung be§ bamal§ in 3)eutf$»
lanb meilenben pöpfHid^en 9luntiu§ 9ltnolb bon SBetbela toiebetum
anbet§; am 5. 3anuat 1339 etflöten bet S)efan unb baS ganje
ßapitel bet SBütibutger ®Dm!it(!^e unb bie SSotftönbe bet anbeten
Stxti^tn bafelbft, bafe il^t Sifd^of Otto nut au§ gutd^t unb 3tt)ang bie
fit(!^li(]^en 3tegalien unb fielen unb ba§ ^etjogil^um gtanfen bom
ffaifet Submig empfangen l^abe«). Sm 27. SRätj 1339 betl^euetn
bann mel^tete ßit(!^en unb Slöflet üon SBütjbutgv bafe fie nut au§
fjutd^t oot fiubioig ben ©otteSbienft miebet aufnel^men unb -am 15.
3^ebtuat 1340 legt bet gefammte SBütjbutget ÄletuS gegen bie bon
Subioig etjmungene SBiebetaufnal^me be§ ©otteSbienfteS ^toteft ein *).
3)et nä#e »ifd^of, 5llbett bon ^o^enlol^e (1345—1372), toat toiebet
faifetli(i^ gepnnt unb bel^auptete fid^ mit @tfoIg gegen ben ßanbibaten
be§ ^apfte§ ßlemenS. @tft 1351 etl^ielt bann bet ganje ffletuS bon
SBütjbutg, motuntet bet 9lt(!^ibia!on Supolb bon Scbenbutg nament»
lid^ aufgefü^tt mitb, bie 8o§fpte(!^ung bom 33anne, bem et but(^
^) ebenfo tt)ic in bem ©feitet ©^reiben bc8 @plffo^at^ tt>irb l^icr 2ub»ig
bcr Äaifcrtitet öerfagt, atfo ba« )pti^\i\u SRc^t unb ^ctlommcn, »onad^ ?ubtotg8
^aifcrfrönung nnregeimäBig njat, liteng gema^rt. $ietin nntctfci^ibet fl(^| ba3
betreiben be« 2)omca!|3itcI^ SBürjburg öon bem bet @tabt ^agcnau, wdiä^e« im
übrigen in bet §au^3tfa(^e fo gtei(ä^Iautenb ifl, baß btc SSotlagc clncS tjerein*
battcn gotmutarS für betbc ntd^t bcjtoeifeU »erben tann.
=*) Mon. Boic. X[>, 225.
«) 1. c. 239, 317.
- 113 —
ünerfennung beS ßatferS Subioig unb beS ^ifd^ofs ^6ett t)ott
f)o^cnlo^c unb burd^ Scgel^ung bcS ®ottcSbicnjie§ öcrfaDen loat *).
3)iefe ijl ein 33Ub Don 3upnben, mic jtc bamds an fo üicien,
ja an bcn meijien Orten ®cutfd&lanb§ wtebcrfc^tten. 3^ nad^bcm bie
()öpfiltd^e ober bie taifetn(]^e gartet obenauf lam, mutbe ba§ Si^tetbict
beamtet ober umgangen, beut Könige SBiberftanb ober @e^orfam
gelciftet. Slber auä) bie einjelnen ^erfönU(i^feiten blieben i^rer gartet
nici^t getreu. SBie Submig felbji in feinem SBerl^öItnife ju ben ^äpften
feinen ®efid&t§pun!t bauernb fejiju^alten toagt ober berjiel^t, fo trifft
man ^inwieberum unter feinen politifci^en Sln^öngern faum einen, ber
ni^t aud^ einmal jum Rupfte, aber au$ unter feinen geinben !aum
einen, ber mä)\ auä) einmal ju i^m geftanben märe, fiupolb ooii
Scbenburg lonnte fid^ biefen ©(i^manfungen fo menig entjie^en mie
anbere; bi§ 1338 fd^eint er me^r päpftli(!^ gefinnt gemefen ju fein,
crft naci^bem Senebift bie SSermittlung ber beutfd^en Sif(!^öfe unb bie
bcmüt^ige Untermerfung SubmigS f(^nöbe jurüdtgemiefeu , bolljog fid^
eine SBanblung in feiner ^arteijieKung , ol^ne bafe er befe^alb je ber
öom ^apfte vertretenen ßir(!^e gerabeju feinbli(!^ gegenübertreten motite.
2ln ben Serl^anblungcn öon Slenfe unb fjranffurt ^at er mo^l perfön^^
Wäj unb in l^eröorragenber 2Beife 3:^eil genommen. S)a§ er l^ier ober
Bei bem mieberl^olten 5lufent^altc 2ubmig§ in äBürjöurg mit biefem
perfönlic^ in Scrül^rung getreten, läfet \iä) nid^t nad^raeifen, ift aber
löd^ft tt)a]^rf(3^einUd^. 6r gibt Submig ba§ S^^gniß, ba^ er fein
i^rann, fonbern ein milber unb friebliebenber gfürji gemefen^).
5)ann ift aber feftju^alten, bafe Supolb feit 1338 felbft bem
fiir(]^cnbanne verfallen mar. 3)iefer ^eriobe gehören fämmtlic^e brei
©c^riften an, bie Don il^m erl^alten finb, ba§ ftaatSrec^tlicJ^e ÖU(^ De
juribus regni et imperii, ba§ poIitifc^=aflegorif(3^e Ritmaticum
querulosum unb bie l^iftorifd^e 9lb^anblung De zelo cathoKcae fidei
veterum principum Germanorum.
3)ie erfte biefer ©(i^riften fte^t in engfter Sejie^ung ju ben 6r»
eignif[cn oon 9lenfe. @ie ift bem ßrjbifd^of Salbemin Don SErier
gcroibmct unb biefe läfet un§ erfennen, bafe Supolb bei ber Slbfaffung
außer bem tl^eoretifd^en einen unmittelbar praftifci^en ^to^d verfolgte.
SBie mir fi^on ermäl^nt l^aben, nal^m nämli(!^ Salbemin Don 3:rier
*) Mon. Boic. XLI, 513, 524, 530.
*) 3n ber Origlnatqtoffc jum Ritmaticum querulosum Bei Boehmer,
Fontes I, 481: Ludovicus magis mansuetus et pacificus quam tyrannus.
Xiealet, 2Biberfad&er bet ^äpfle, 8
— 114 —
auf ber 3ufammcn!unft ju Slcnfc eine eigentl^ümlid^e ©teHung ein.
S)em juttidf^altenberen Äuröetein ^at er fi$ tool^I angef d^Iojf en , ba«
gegen \d)dnt er ^\ä) öon bem ©einreiben ber übrigen Äurfürftcn,
morin pe ^apji Senebüt il^re ©efd^lüffe mittl^eilten , femgel^altcn ju
l^aben, tool^I be^l^alb, »eil l^m baSfelbe in ber SBetonung ber Stents«
berle^ung bur$ ben ^apft Sio^^nn ju meit ging ; bofür . janbte er an
Senebilt ein befonbereS ©d^reiben, boS in ber Stücffid^t gegen ben
^apft fo toeit gel^t, bafe e§ Silbmig nur ben 3:itel eine« jum ^tiijt
(grmäl^Iten gibt. SBenn nun l^ier bem ßrjfanjler eine ©d^rift bärge»
brad^t toirb, toeld^e mit allem ^lad^brude bie Sed^tmäfeigfeit beS beuti(!^en
©tanbpunIteS t)tx]\6)t, fo toirb man berfeJben bie 3lbfi(!^t beilegen
muffen, bie f(3^manlenbe nationale ©efinnung beS angefel^enften beutf(|en
Slirij^enfürften ju befeftigen.
§.7.
jtaifer Sitbuiig ttnb ^a^ift @;(eiitetig VI. ^er 9litS§aitg
"Ulaä) bcm Xobe »cncbiftS XII. (25. Mpril 1342) bcftieg tüiebcrum
ein ©übfranjofe bcn päpflüd^en ©tul^I, bod^ bic^mal bcr SIbfömmling
eines eblen ©cfiä^Icd^tcS , bcr dorl^er ben reici^jlcn Slbteicn unb St§=
t^ümetn borgcftanbcn roax unb meit entfernt Don ber ßinfad^^eit feiner
SSorgöngcr bie ©emol^nl^eiten feinet ©tanbeS unb ein Seben üoll
5Ptunf unb Ueppigfeit, baju einen f(]|ranIenIofen 9lepott§muö an bie
Kurie berpflanjte. ßlemenS VI. ^ mar früher anif Sfatl^ unb ©iegel«
betüa^rer bc3 fiönigS ^^ilipp bon granfreic!^ gemefen; aU erwählter
ßrjbijc^of bon ©en§ l^atte er gegen ^eter bon ßugni^reS bie 3lnfprü(^e
ber SBifd^ofe auf meltlid&e SuriSbiction oerfl^eibigt. 5Rit gfranfreii]^
töar er fo eng berbuuben »ie feine Vorgänger; baju lam, bafe er in
ben freunbf(!^aftli(i^ften Sejiel^ungen ju ber 2ujemburgifd^en fjfamilie
?anb. ®er SWarlgraf ff arl bon 5Jlä^ren , ber ©o^n beS Söhnten«
ßnigg Sodann, toar fein Sögltng getoefen; fc^erjl&aft Ratten fie fid&
eiuftmals gegenfeitig bie gr^ebung auf ben fönigli^en unb päpjHid^en
%on propl^ejeit. 2)a fi^ nun Subwig iniloifi^en bur(j^ bie 6r-
toetbung Tirols mit ben fiujemburgern f (i^toer berfeinbet ^atte , ftellte
^ feinen 2luSfö^nung§berfu^en bei bcr Kurie eine neue ©d^roierigfeit
«i^tgegen ^).
®Iei^ bei ber erftcn ©cfanbtfd^aft SubtoigS im 9lobembcr 1342
tnai^te ^ biefe geltenb »). ®cr ^apft foll bamals gef orbcrt ^aben,
»1 @. über t^n @4toab, ©erfon, @. 14 figb., Christophe, HUtoite de
^papaut^, n, 85 flab. , . ^ rtr-^ -
•) Ueber ba« »er^tnig Subtcifl« ju «lernen« VI. ^anbett «n »ortte«U*«
«nfioö toon g. ». ®ee* in ®vbel6 «.iHotift^r 3eitf*tift, XU, 3i5 4o. >»
*) Joh. Vitoduran. 171. S*
— 116 —
bafe Subtijtg SEiroI l^etauSgebc unb bct Jlaifetmütbc für immer ent=
fagc *) ; ba ber Saicr nid^t barauf einging, »urben bie Unterl^anblungen
aiQthxoäjtn, bie ^roceffe ^o^onnS gegen ben Saifer erneuert (12. Stpril
1343)*) unb fiubmig auf gef orbert , binnen brei SKonaten pcrf5nli(!^
t)or bem päpftli^en SRid&terftul^Ie ju erf(!^einen. ^lad^ Slblauf biejc§
2,ermin§ begann ©lemens bie gr^ebung eine§ neuen JfönigS öon ®eutf^
lanb ernftlidi inS Sluge ju faffen.
Dur(3^ eigene ©d^ulb l^atte fi(!^ Subwig um bie günjlige ©teHung
gebra(3^t, melcl^e i^m bie Unterftü^ung ber 9tei^§[tönbe ju SRenfe unb
granffurt unb ba§ Sünbnife mit ®nglanb öerf^afft l^atten. 23on
ßngtanb ^atte er fi(ä& loSgefagt jenem franjbfif^en ftönige ju Iie6,
ber bod^ nur baS alte jmeibeutige ©piel mit i^m fortfe^te; "tuxä) bie
rec^tsmibrige SSermö^lung ber SKargaret^e 3WauItafd^ mit feinem ©oI)ne
Submifl bem Sranbenburger unb bie ßrmerbung 3;iroI§ für ba§
2BitteI§ba(!^if(!^e §auS l^atte er niäji nur bie junäd^ji betroffenen
fiujemburger fonbern ben größten S^eil ber 9lei(|§fürften gegen ^
aufgebraij^t. S)er §franffurter S5ef(!^Iu6 gegen bie 9lufred^t]^altung be§
3nterbicte§ fd^eint mel^r unb mel^r feine SEBirlfamleit eingebüßt ju ^aben;
mit bangenber ©el^nfud^t l^ielt baS SSoIf allenthalben feine Sugen mii
ber Kurie gerid^tet, ob fie nid&t enblid^ bem ^errfci^er SSerföl^nung unb
bem 2anbc ben ®otte§bienft unb bie ©acramente genjö^re^).
©emife ging e§ bem ffaifer Don §erjen, menn er bamals an
6lemen§ f(!^rieb: SBie ein ©öugling fic^ fe^nt nad^ ber 3Jlutterbrujt,
f led^jt meine ©eele nad^ ber ©nabe ßurer ^eiligfeit unb ber Sird^e *).
3n biefer ©timmung öerftanb er fid^ jur größten ©rniebrigung feinet
8eben§: er befd^wor (18. ©ept 1343) adEitunbjmanjig Slrtifel^), meldte
i^m Element l^atte öorlegen laffen. SBenn biefelben in ber §aubt=
fad^e aud^ nur eine SOßieber^olung ber fd^impflid^en Slntröge öon 1336
') Johann. Victoriens. (Boehmer, Fontes, I^ 44<>).
*) 2)ie S3utte ift gebrudt Bei 9?aj?nalb unb Bei Olenfti^Iagcr, ©taatöflef^itäfitc,
Urf. @. 216. S)a6 ber Äaifcr üWarfigüo unb Sanbun untcrfläfet IJaBc, »irb
kuieber unter ben ^au^tgrünben feiner Sßerurtl^eilüng genannt; neued üBer bie
Beiben ©elcl^rten crfäl^rt man nid^t.
») Job. Vitoduran. 200.
♦) 9eai?nalb 1344, §.10. Sm Auftrage be« ^Po^sfie« »ar bamat« (5at
bt 3abcci \n 8ubtt)ig gefommen.
5; @e»olb, 181—195.
j
- 117 —
bilbctcn ^), fo toor e§ toä) naä) bcn 3:agen üon SÄcnfc unb gtanifurt
für ben ßaifcr noc^ öiel ctnicbttgcnber auf fold^e Sorfd^Iägc jurücf*
jufommcn. 9leucrbtng§ »ibcrricf er in bcn bcmütl^igftcn SEBotten alle
feine SJlafetegeln gegen bie ^äl)fte, »illtgte in bie 3lblegung beS
Äai|ertitel§ , gelobte eine plgetfal^rt überS 5Dleer ju maä)m, nad^
})Q))ftIid^er SBorfc^tift ßird^en unb Älöftet ju bauen, Sllmofen ju geben
unb SBaÜfal^rten ju beranjlalten. UebrtgenS erl^ielten bie ©efanbten
SBoHmaiJ^t bie ättifel im Saufe ber SSer^anblungen nad^ Sebürfnife
JU önbern unb }u etmeitcm. ,,®ot geb , baö e§ tt)oI gang !" l^at
einet bon i^nen tteu^etiig an ben ©d^lufe einer beutf^en Ueberfe^ung
i§rer ^[nftruction gefci^rieben ^). 1)er Äaifer felbji fuiä^te inxä) gaften unb
Sittgänge ben ^immel für einen guten 9lu§gang ju gewinnen ').
'Hoi) immer weilte bamal§ ein St^eil ber ejcommunicirten Äe^er
am faiferli(!^en §ofe; ja Subtoig fij^eint in ben legten 3ö^ten fogar
neue gflüij^tlinge unter feinen ©^u^ genommen ju l^aben. SöenigftenS
flagte ^apft 6lemen§ am 11. 3uli 1343 in öffentlicher 3»ebe : tiefer
Sübtoig begünftigt unb empfängt alle ^e^er, bie bei i^m 3iiflii^t
fu(i^en; ba war ein gewiffer Sicentiat ber Xl^eologie, genannt 9li!o=
Iau§ bon Utricuria, ber biele 3rrtl^ümer in bie SBelt gefefet l&at unb
Diele ße^ereien gegen biefen l^eiligen ©tu^I; er flol^ bom römif(!^en
iQofe, fanb fogleid^ 3lufna]^me bei Subwig unb prebigt je^t bort mit
einigen anberen aSeügiofen biele unb fd^were ^rrtl^ümer *).
3)iefer ®elel)rte erfc^eint fonft al§ magister Nicolaus de Autri-
curia ober Ultricuria ^). Wart befi^t bon i^m ©riefe pl^ilofopl^ifd^en
3n^alt§ an einen SJlinoriten Sernl^arb unb eine ^roclamation, worin
er onfünbigt, bafe er über bie ^olitil be§ 2lriftoteIe§ lefen unb ganj
neue feltfame 3lnfi(3^ten bertreten werbe ^). ®U\äj 3HarfigIio, 3anbun,
^) '2)ie6 ijt M ö. See* a. a. O. 321 nid^t bead^tct,
*) @. SBeiragc III.
8) Job. Vitoduran. 218.
*) ^ßfler/ au6 Slöignon, <B. 20. „Nicolaus de ütricijria vel Aurituria".
*) D*Argentre, CoUectio iudiciorum de novia erroribus, I, 355 u. 357.
©eine ^eimatl^ fönnte man ettca in einem ber 2)Brfcr Slutr^ourt (eineö bei
6cban, baö anbcre bei SBar le buc) fud^en. 2)a nirgenb überliefert ijt, baß biefcr
Siiüolau« aJlinorit ttjar, unb ba er crfl !urj öor 1343 an 2ubtt>ig8 ^of getommen
8« fein f(^cint, barf man faum an feine Sbentität mit bcm früher ettuäl^nten
Nicolaus Minorita, bem Serfaffer bed Liber de controyersia paupertatis
Christi, bcnto.
•) 1. c.
- 118 -
Ddam unb U6crtino Don ^afale roax alfo anö^ bicfct ©(j^üjling Sub=
migö ^rofeffot in ^ariS gemefcn. ©päter, an%tbliä) 1348, ^at er
ju ^atiS auf S3cfc!^I beS ^opftcS eine 9lei^e öon SIrtifcIn pl^ilofopl^if^en
3n^alte§ öffentlid^ roibertufen ^) unb baruntcr finben [lä) ntan^e
xtö)t beo(3^tcn§n)ctt^c, unter anberm : über bic anfd&eincnb natürliii^en
^aä)m !ann man faji gar feine ©eiüife^eit l^aben ; in gemijfem ®rabc
\eboii lönnte man binnen furjer ^üt fold^e erlangen, roenn man
feinen SSerftanb mel^r auf bie Singe felbft rid^ten wollte als auf ba§
SSerftänbnife ber SluSfprüd^e beS 9lriftoteIe§ unb feiner Kommentatoren
— ein golbener @a^ für aUe ©(!^oIaftiIer.
^apft SJenebüt l^atte feinem 9la(]^foIger ben ^Auftrag l^interlaffen,
eine neue Unterfu(i^ung be§ Defensor pacis borjunel^men. S)a würben
benn nid^t weniger al§ jwei^unbertunbbierjig !e|erif(^e ©ä|e bemerit.
SBir getrauen un§ ju bel^aupten, erflörte KlemenS, bafe wir laum je«
mals ein fd^IimmereS 39u(3^ gelefen l^aben ate biefen 5DlarfigIio 2). S)ie
^arifer Uniberfitöt ^atte fid^ ber päpftli(]^en 3Serbammung feiner unb
3ianbun§ ffe|ereien angcfij^Ioffen ^). 2lud& bie nominaliftifd^en Seigren
DcfamS waren 1339 bon ber Uniberfität ^ari§*) unb 1340 burii^
eine päpftlid^e SuIIe ^) auSbrüdlid^ berboten worben unb am 11. 3uü
1343 l^atte ßlemenS in öffentlichem ßonfiftorium eine Dornel^mlii!^
gegen Ddam gerid^tete ülebe gehalten®).
3)a§ Unterwerf ungöf(!^reiben üom ©eptember 1343 ift nun boS
©d^riftftüd, worin fid^ Subwig über ba^ SSerl^öltnife ju feinen gelehrten
©d^ü^lingen am eingel^enbften auSfprid^t '^). @r befiel^lt feinen ®e«
fanbten i^n ju entfij^ulbigen , bafe er ben SKarfiglio öon ^abua unb
ben Sol^ann bon 3anbun, obf(i^on fie bon ber Äir^e berbammt worben,
bei \xä) bel^alten l^abe. S)er ®ruhb fei gewefen, weil fie fo tüd^tige
©elel^rte^) waren; im übrigen l^abe er au§brüdli(!ö erflärt, baß er
^) 1. c.
*) Audemus dicere, quod vix nunquam legimus pejorem hereticum
illo Maxsilio. Unde de mandato Benedict! predecessoris nostri de quo^
dam ejus libello plus quam 240 articulos hereticales extraximus. S^ebe
be8 *a^)jic§ (Slcuicnö i>. lO. Sl^ril 1343; ©öflcr, SCu3 ^öignon, @. 20.
») Du Boulay, IV, 974.
*) Du Boulay, IV, 257 ; D'Argentr^ I, 337.
*) D*Argentre 1. c.
. «) ^öflcr, a. a. O.
^) ®cn)otb, 186, 187.
>) Tarn boni clerici — in ber gleid^jcitigett beutf^en gaffung: gä*
maister.
— 119 —
^ in i^rc SWcinungcn unb ficl^rfäje, fotoett jte gegen ben ©lauben
ber ftirij^e berjlofecn, n\(S)i einmifd^en, fonbem nur jum ©lä^u^c feinet
Äec^tc don i!^ren Äenntnijfen unb göl^igfeiten ®Axa\x(S) ma6)tn wolle.
6r l^abe il^ren S^ttl^ümem feinen ©lauben gefd^enlt unb fd^enfe il^nen
feinen. @r l^obe jte bei jt$ beizeiten, um fie einmal mit [\ä) in ben
©(j^oofe ber üixäjt }urü(f}ufü]^ren. 5)arin unb inbem er fie unb i^rc
Slnl^önger gegen ^apft S^^onn prebigen liefe, l^abe er freiliti^ unrecä^t
ge^onbelt. @r fei aber babei unter anberem t)on bem SRotiö geleitet
iBorben , bafe biefe 5Könner in ben fünften , ü30 il^m nad^ feinem
©lauben Unre(!^t gefd^al^, geleierten filerifern ju ertoibern mußten.
S)o(i^, tt)ie gejagt, barin l^abe er übel getrau. 3MarfigIio fei übrigens
„mäi feiner eigenen SluSfage" ein guter 2lrjt gemefen. darauf werben
bie fünf 9lrtilel, weld^e f d^on öorbem ate ^rrle^ren SJlarfiglioS bejeid^net
tourben, wieberl^olt aufgejäl^It unb i^re Sßerbammung Don fiubroig
ncuerbingS gebilligt.
Slel^nliiäe unb im gaujen übereinftimmenb mit ben (Srllärungen
Don 1336 äufeert fi(^ Subwig über bie flücä^tigen 9Kinoriten an feinem
|)ofe ^). Sluc^ bereu ^Infid^ten in ©laubenSfad^en miH er nie gebilligt,
Qu$ fie wiß er nur barum bei fid^ bel^alten l^aben , um pe entweber
bei günftiger ©elegenl^eit mit T\ä) in ben B6)oo^ ber ffird^e jurüdfju-
fü^rcn ober; menn fie fic^ beffen weigerten, ju berftofeen ; ba§ fei aud^
biefen Srübern wol^I befannt unb feit bieten Salären fd^on l^ötten fie
Unterl^anblungen betrieben, weld^e il^re StuSföl^nung mit ber Äird^e
bcjmcdEten.
SSon päpftlid^er ©eite l^aite man bie gorberungen in ber ßr»
tDartung gefleDt, bafe Subwig nimmermel^r barauf eingel^en werbe.
äll§ TOarfwarb t)on SRanbedt am 16. Januar 1344 im pöpftlid^en
©onjtftorium bie unerwarteten ©elöbniffe feines ^errn öerlaS, brad^ten
biefelben bei ber 6urie feine greube, fonbem nur SSerlegenl^eit l^erbor.
,,J)cr ^apft unb baS Kollegium", berid^tet SJiatl^iaS öon 9leuenburg ^),
„tüunberten fid^ fe^r unb fprad^en ju einanber : ber ift öor 9lngft Der»
^} ®cn?olb, 184, 185.
*) Boehmer, Fontes, IV, 229 : De quo papa et collegium mir abantur
dicentes inter se : Iste diffidencia est perplexus. SJergl. aud^ bie toon ^öflcr
(lliid Stoignon, @. 21) ntttgetl^ettte Belatio fratris Bemhardi de consistorio
publico Clemeutis p. VI. 16. San. 1344. 2)tc teeren 2lu«Pc!^tc, »omit ber
¥<H)ft na^ biefem ©crid^tc auf baö Slnbrlitgen ber (Sefattbicn ermiberte, taf(en
ft^ mit bed 3natl^ia$ @r)äl^Iung tPpl^t sufammenreimen.
— 120 —
rücft gctoorbcn." 9lbcr bic ©efanbten bcftanbcn barauf nid^t ^eim«
leisten ju tooUcn, o^ne ba^ il^ncn ein ©cfd^cib mitgegeben toütbe. 5)a
!am man mit neuen gotberungen ; bie ©efanbten erl^ielten ein jwcitcS
gotmular mit Sebingungen, unter toeld^en ber ^apft bie 2o§fpre(i^ung
Subtt)ig§ t)om Joanne inS 9luge gefaxt l^abe ^). S)arin toaten nid^t nur
bie Iaiferlii|e fonbern aud^ bie föniglid^e SSßürbe SubmigS in grage geftellt
unb afle feine föniglic^en älegierungS^anbtungen für ungiltig erllärt;
Submig foüte alle gürften ber 6ibe entbinben, burd^ bie fie il^m Der*
pfliij^tet feien, für ben gafl, bafe er Je mieber ber ffirc^e entgegen«
treten tt)ürbe; tt)enn fid^ Je über bie ßrllärung einer ©teile biefcr
Verträge S^^eifel erl^eben mürben, foHte ba§ Siedet ber autl^entifd^n
Interpretation nur bem ^apfte unb feinen 9lad^foIgem jufte^en.
3luf biefe Slrtifel ift nun Submig bod^ nid^t mel^r eingegangen.
6r erf(^ien mit i^nen am 9. September 1344 öor einer g{eid^§t)cr*
fammlung ju grantfurt, um bie Slufid^t ber ©tänbe barüber ju öcr*
nel^men. S)a erllärte im Flamen ber fjürften SKagifter SBigfer t)on
Sirgel, ber ßanjler üon Syrier ^ bafe bie Slrtifel jum ©d^aben unb
aSerberben be§ 3teid[;e§ fül^ren mürben unb unbillig feien ^). 3m
Flamen ber ©tctbte gab ein 33ürger bon 2Jiainj bie 33erjtd^erung, bafe
biefe ©lieber be§ 9leid^e§ nac^ Äräften jufammen^elfen mürben, um
ben gefä^rlid^en pöpftlid^en fjorberungen ju miberjle^en.' ®ie Se=»
benfen megen ber ß^communication be§ SaiferS mie§ ein in
ben l^eiligen ©d^riften erfal^rener ©efanbter jurüdE. Sffiie in bemfelben
granlfurt bor fed^§ Sauren flammte nun nod^mal in ebler gintrad^t
baterlänbifc^e Segeifterung auf.
©0 marb bon ber beutfd^en Srone menigften§ bie tieffte Srniebrigung
abgemenbet. ^nbeffeu fe^te Submig bie Unterl^anblungen mit uner«
müblid^er ©ebulb fort, bi§ am 13. 2lpril 1346, ba er fid& nid^t in
allen ©tüdten fügen mottte, ber ^apfl ben großen iJird^enbann über i^n
^) Contenta secundi procuratorii bei ®ett)Olb, 195—208.
*) 2)ic toon ö. ®ccd^ (^aifcr Subhjig b. ©. unb Äönicj Sodann t)on ©S^mcn,
126) bcrBffentlicJ^ten S3cbcnfen über bic ben ÄurfürPen mitgetl^ciltett ^ ül^ncartifel,
bie toal^rfdftetnlif]^ ^on einem üRainjer 2)oml^errn ftammen unb im allgemetnen
aW Slu«bru(f be« ©tanb^unlte« ber gürjten, inöbefonbere ber geifKid^en, betrautet
»erben bürfen, crwSl^nen jener ©ätjc ni6)t, »el^e bon ben geleierten ©unbe^ge*
»offen be« Äaifer« l^anbeln. 2)tefelben l^abcn aljo in biefen Greifen ^ wie ju tt^
warten, feinen 3lnPo6 erregt.
— 121 —
oußfprad^ ^). 90Kt SSextDunberung licji man bic SScmünfd^ungen, mit
bcnen \\ä) bct ©tcHbetttctct" ß^tijii gegen Subwig, bie ©ebcte, mit
bcnen et fi(ä^ an eine ©ott^cit menbet, tocld^er bie 3^8^ ^^^ altjübi*
fii^en Slad^egotteS beigelegt »erben, „glel^entli^ bitten tt)ir bie gött»
lx6)t TOad^t", ruft ber ^apji *), ,,ba6 fte bie Slaferei SubmigS jerjd^mettere,
feinen ^oi^mutl^ nieberbrüde unb auSlöfd^e, i^n felbft mit ber ©tärfe
i|rer Siedeten banieberftrede unb in bie ^önbe feiner geinbe gebe.
SMöge er einer gaßgrube begegnen, bie er nid^t fielet, unb hinein«
pfirjen»)! SSerflud^t fei fein gintritt, berflud^t fein SluStritt! Der
igerr fd^Iage il^n mit SBal^nftnn, SBIinbl^eit unb Staferei! 35er |)im«
incl entlabe feine Slije über i^n ! 2)er 3otn be§ aümäd^tigen ®otte§
unb ber 1^1. ^eter unb ^aul entbrenne gegen iön in biefem unb bem
fommcnben Seben ! S)er 6rblrei§ fämpfe gegen il^n ! S)ie 6rbe öffne
ftd^ unb bcrfc^linge il^n lebenbig! ^n einer ©eneration mcrbe fein
5lame bermifci^t unb berfd^winbe fein (Sebäd^tnife bon ber (£rbe! 9IIIe
Elemente feien il^m entgegen! ©eine SBol^nung merbe öbe! ®ie
SBerbienfte afler ^eiligen brüdten i^n ju 33oben unb jeigen i^m fd^on
in biefem Seben bie ^iai^t, bie fid^ über i^m öffnet ^) ! ©eine ©öl^ne
toerben bon i^ren SBo^nungen Vertrieben unb geratl^en bor feinen
Slugen in bie ^önbe i^rer gf^inbe, bie fte üerberben !"
am 22. Slpril 1346 befd^mor Äarl öon 3Rä^ren }u 2lbignon aöe
jene nad^tröglid^ geforberten 3lrtifel, meldte bie fjürften öorl^er für
unannel^mbar erflärt l^atten^). 2)afür fefete 6lemen§ feine SBal^l
,ium beutfc^en Könige burd^. 2)ie ©timmung be§ SSoIfeS mar für ben
Sater; o^ne grfolg trat i^m ber ©ünftling be§ ^apjieS entgegen,
bi§ i^m am 11. DÜDber 1347 ber SEob Subioig§ bie SRegierung
ftc^erte.
6§ ift lein erfreulid^e§ 83ilb, baS bie Regierung biefeS S3BitteI§=
bü(i^er§ bietet. 5Kag man bie @d^mierig!eit ber Ser^öltniff e , unter
bcnen er feinen fiampf }u fül^ren l^atte, nod^ fo fel^r in 3led^nung
jie^en, fo mirb man boc^ nid^t uml^in fönnen, aud^ feine ^erfönlid^Ieit
in l^ol^em ©rabe für ben fd^Iimmen 9lu§gang tjerantmortlic^ ju madien.
') Otcnf(^laflcr, @taat«gcfd^t(j&te; Urfunben, @. 249.
») «. a. O. .252.
') Veniat ei laqueus, quem ignorat, et cadat in ipsum.
*) Omnia sanctoilun quiescentium merita illum confundant et in
hac vita super eum apertam vindictam ostendant
^) 'Statfualh 1346, §. 19 u.- 26. 2)te i^ebeutung btefer (S:a)>itutatton ^art«
^at $8fler (Wu8 Stöignon, @. 3 Pgb.) toortrcfftid^ au^etnanbcrgcfeftt.
— 122 —
Subtüig mor gctoi^ ein tapferer, einfad^er, bieberer, gutmütl^iger ß^a»
rafter, ber \iä) btele ^erjen ju gewinnen öerftanb, aber jum ©taat§«
manne reici^te feine Sefö^igung nic^t auS. Dl^ne SSerftänbnlfe feiner
großen 5lufga&en, ol^ne fefteS politifd^es 3^^^/ ^on ben ginflüffen feiner
Slotl^geber unb ben ©tintmungen beS SlugenblicfS willenlos uml^erge»
trieben, grofefpred^erifd^ ^), unbesonnen unb mafeloS nac^ iebem ßrfolge,
in ber 9lot^ Heinmütl^ig unb fci^toac^ bi§ jur ß^araf terlofigfeit *) :
fo ^ai biefer gürft baS beutfd^e Sfteid^ in einer bebeutungSüoßen ßpod^e
feiner @t\ä)\i)k ol^ne ©efd^idE unb SBürbe repräfentirt.
31I§ Subtt)ig ftarb, waren il^m bie meiften feiner geleierten Bä)n^^
linge fc^on im SEobe borangegangem 3anbun ift, wie mir oben be»
richteten, f^on 1328 in Italien geftorben. 2Ba§ aber 5JlarfigIio be»
trifft, fo ift aSiHani ba§ Opfer einer Säufd^ung geworben, wenn er feinen
Stob jwifij^en bem 10. unb 15. September 1328 ju SJiontealto , auf
bem 5IKarfdee 2ubwig§ bon ßorneto nad^ ©roffeto erfolgt fein läfet %
2)er faiferlid^e ficibarjt, S^l^eologe unb Staatsmann ift bielmel^r erfl
na^ bem 28. Dftober 1336, iebod^ bor bem 10. Slpril 1343 gcftorben *).
fiubwigS UnterwerfungSfd^reiben an Senebift XII. bom erfteren ®atum
erwöl^nt i^n nämlid^ aU lebenb^); anberfeits fprid^t ^apft ßlcmenS
in einer am 10. Slpril 1343 gel^oltenen SRebe babon, bafe 2ubwig
*) Snbcffcn fann man fKJft gegenüber bem S3nefe an ben ©cgenfönig Äarl
ö. 7. 3anuar 1347, ben «öl^mer (Fontes I, 227) bem Äaifer Submig beilegt,'
t>o(i) be§ SSerba<Jtte0 ntd^t er»el^re«, baß l^ier nur eine @tU^)robe vorliegt. Ober
fottte Subtoig in ber 2^l^at feinem ®egner jugerufen l^aben: (grinnere bid^, bag
bie @tunbe nocäf^ nid^t gefommen ijt, xoo ä^^^fl^r V^^^ ^^^^ lange 3Renf(j&lein,
bie im britten Saläre il^re ^öl^e erreid^en, im fiebenten altern unb abfierben, über
bie ^Riefen l^err^enl 3m gatte ber Uned^tl^eit »ürbc öon Der Slntwort ÄarW
»ol^t baffelbe gelten muffen.
*) Söenn ^tinnä) bon ©erforb an Jubtoig befonberö rül^mt, bag er ®lüd
unb Unglüd fo gut ertragen lonnte (Chronicon, ed. Potthast, 271), fo l^ält
biefed Urtl^eil gegenüber ben S^atfad^en nid^t @tid^.
») Lib. X, c. 102 (Muratori XIII, 664). S)ur* Jöittani ftnb ©u<*ner,
ber o^ne Eingabe eine« ©eleg« ben Xob auf 14. (Sept. 1328 fe^t (SBatjer. ®ef(&.
V, 417), $top^ (V, 1,434) unb mit «u^nal^mc Xirabofd^i« unb griebberg«
fämmtU^e ältere tt)te neuere )6iograpl^n äßarfigUod getäuf d^t toorben.
*) 2)ie «el^au^)tung , bag ÜWarfiglio« Sob m6g »or 1342 erfolgt fein
fönne, berul^t auf ber nad^ unferer Slnfld^t irrigen Slnnal^mc ber @d^tl^eit feine«
XractateS de jurisdictione imperatoris in causa matrimoniali.
«) SRai^nalb, 1336, §. 36.
— 123 —
bcn SRarpglio unb 3önbun 6iS §u i^rcm Sobc bei fid^ bcl^altcn
l^abc^). ^icfc ©rmäl^nung bcS ^apPcS Ic^rt anä), bafe bie jtoei
^arifet ^tofcfforcn gcjiorbcn finb, o^ne ft^ gu untctmcrfcn, unb bic^
entfptid^t ganj bet am tocttcjien borgcfd^tittcnen Sltd^tung ber beibcn.
5)te SScrfaffct bc§ Defensor pacis tüorcn betn ^apjitl^um gcijiig tnU
waä)]tn, tDäl^tcnb bie 3Jlinoriten mit SluSnal^me DdamS nur inxäf
eine öeteinjelte bogmatifd^e gtage in bie Dppojttion gebröngt morben
toaren.
SSon ben l^erborragenben ©liebern be§ DrbenS, bie dn SubtüigS ^ofc
tceilten, f(i§eint juerft ©ruber fjranj bon 8lfcoIi ben SBiberJianb
aufgegeben ju l^aben. 1341 marf er \\ä) reumütl^ig bor bie güfee
be§ ^opfteS unb fanb leidet Segnabigung , ba jtd^ feine Dppofition
auf ben ©a| Don ber SKrmut^ ß^rifti befij^ränlt l^atte. S)ie ^formcl
feiner Unterwerfung tourbe bem OrbenSgeneroI jugefd^idt, um a\i^
für anbere Sln^önger ßefenoS angetoenbet ju merben ^).
^txnxxä) Don Sll^all^eim l^atte fein Äanjieramt balb nieber»
gelegt unb bann dorn ffaifer bie TOittel erl^alten, in 2lug§burg, fern bom
Sumult ber loeltlid^en ©efd^öfte, ein forgenfreie§ ©tiÜIeben ju filieren ^).
9lo(3^ 1343 erf($eint er al§ 3iebeII gegen bie ftiriä^e*); fpäter l^at aud^ er
fid^ unterworfen^).
ÜJii(^aeI Don ßefena, an beffen SSere^rung fid^ ein guter SEl^eil
ber Stuflel^nung gegen ^apft unb Drben fnüpfte, ftarb am 29. 9lo=
*) $8fter, aug Slmgnon, <B. 20. Mars, de Päd. et Joh. de Janduno
secum traxit (Ludovicus) usque ad mortem eorum. <^ie tverben @r)te|}er unb
»egcn Äetjcrci öcrbammt genannt.
*) ^a8 ^rotoloÄ über fein 95er^>8r t>or bem Snqutfltionööerici^t ju Slöignon,
mit bem ^dtxtm G. gebr. 1341, ift gebrudt bei Baluze, Miscellanea, I, 315,
fein Siberruf bei Sabbing, VII, 313 unb bei D'Argentr^, I, 343. SJerlefetcrc
fcfet feine Unterwerfung 1344, SBabbing 1343, eingaben, bie »ol^t burcib baS
2)atnm bei SBaluje ju benötigen finb.
') Joh. Vitoduran. 88. 1338 in die ßt. Vitalis martiris crf(i^eint 2^al*
l^im )u Augsburg alS 3euge. (Magister Heinr. de Talhan, lector ordinis
fratrum minorum, Mon. Boic. XXII, 292). ©aß er fc^on toor 1333 fici^
untettoorfcn IJabc unb in biefem Saläre in ©egteitung jweier Orbcnöbrüber , be«
Sambcrtuccio be gifcobalbi, ^rofefforg ber Stl^eologic in Succa, unb be8 granj
be ©ulgario,. mit einem ®eleit0briefc na(^ ^toignon gegangen fei, muß man
witer Simuei« auf bie @tette beS faif erliefen ©^reiben« J)on 1343 bei ©ewolb
191 at8 einen Srrtl&um Söabbing« (VII, 144) crKären.
*) ®ett)olb, 191.
*) Joh. Vitoduran. 1. c.
— 124 —
t)cmb€r 1342 ju 3Kün(i^cn unb warb in ber bortigcn gftan|tffancr!ir(]^c
fccgtaben^). 9lod^ am 23. 2lprU bcffclben Qa^teS l^atte et jtoei
ÜKünd^enct SSütgcr, ^an§ ©(ä^iet unb (Steimoll SJrä^fcI, ju procura»
toten bct DtbenSgütcr beflcDt unb fo but$ eine SKa^regel, bet freiliii^
jebe tl^atfäd^Iid^e Scbcutung gebrad^, nod^mal feinen SBibetftanb gegen
ben ^apft unb ben anerfannten OTbenSgenetal 6e!unbet ^). 9luf bem
Sobbette aber betfa^te er , na(|bem er. ba§ Drben§fiegel an Cd am
übergeben l^atte, ein reumütl^igeS Sußgebet öoll tieffter 3^rfnirf(^ung
in gorm einer Umj^reibung be§ fünfjigften ^falme§: Miserere mei
Deus secundum magnam mi sericordiam tuam*). ,,9Kein (Sott/'
ruft er au§ , „toaS l^abe iä^ getl^an ! ©egen ben l^abe \ä) Berufung
eingelegt, ber niemanben über \xä) f)ai auf ©rben! 3lber fie^e, o SSater,
auf ben (Seift ber SBal^rl^eit in mir, ber nicä^t au§ fleifd^lic^er Segierbe
abgeirrt ift, fonbern au§ ju großem ßifer für ben ferap^ifd^en Orben
unb au§ Siebe jur Slrmutl^*)'/' 9li(3^t o!^ne SKitgefü!^! bernimmt
man biefen auS ben liefen ber Seele l^eröorbringenben 3luff(3^rei eineS
geängftigten ®ett)iffen§ , bem im 9lngefi(|te be§ SEobeS fo lange unb
eifrig verfolgte S3eftrebungen aU freüell^afteS beginnen erf(i^einen.
^) ©eine ©rabfd^rift au8 biefer ^\x6)t bcttjal^rt eine au6 bem Winö^ntt
graiiäiftancrf (öfter jlammcnbe ©anbfd^rift, bie ftd^ je^t in ber f. $of* unb
@taat9btHiotl^cI in SD^ünd&en befinbct (Cod. bavar. 755 , 1 , Mon. eccl. Fratt.
Minor. Monachii, p. 41. ^ie tautet: A. Dni. 1342, IIL cal. Dec. o. Rndiss.
in Christo P. F. Michael de Zisena SS. Th. D. Mnr. Gen. Ord. (b. 1^.
Pater Krater M. d. Z. sacrosanctae theologiae doctor, minister generalis
ordinis). SSergt baju unten bic ©emerfung über Odamö Orabflein. 1342
aU 3a^r unb SWiinc^en al8 Ortbeö 3:obe^ nennt auci^ 3ol^. öon SBintertl^ur, 17 1.
. Wi'it biefem ©atuni fUmmt, baß (Sefena in ber mel^rfadf^ crnjäl^nten @tette M
*
faifertidj^en @c^reiben8 öon 1343 ^bei @ett)olb 191) nic^t erivä^nt toirb unb baß
ipa^fl (Sternen« am 11. Suti 1343 Won bon feinem Xobe weiß, (©öfter, 2(u8
5tt)i.qnon, @. 20).
2) ^lagberger« (Sl^ronif, fol. 89. @. ©eitagc II.
«) ©ebrucft bei Muratori, Script. It. III, 2, 513. 2)ie (S^tl^eit biefe«
^d^rtftftüde«, bad üJ^uratori bon bem 8enebi!ttner:prtor ©innane )u 9lat)emta
tnitgctl^citt würbe, »irb faum anjuf eckten fein. @o gering fein ^jiftorifd^cr 3n^
l^att ift, fo entl^ätt berfetbe bod^ einige ©injetl^eiten, bie toeber erfunben no(i^ au8
anberen Ciuelten enttel^nt fd^einen. ^äre bad 8efenntniß gefätfd^t, fo iDÜrbe ber
S3crfaffer in Uebereinflimmung mit $a^)fl Sol^ann gcmiß Sefena« .^ranfl^eit ju
£tt>ott aU giction betrati^tet l^aben. 'änäf ^Bd^toah (©erfon. @. 12) l^at ba9
2)ocument für ed^t gel^atten. 2)aß ftd^ (Sefena bor bem Sobe unterworfen, er«
toäl^nt aud^ iRat^natb, bod^ irrig }um Saläre 1344.
*) 1. c. 519, 521.
— 125 -
S)ic bciben tSflud^tgenojfcn ßefcnaS, 93onagtatia unb Ocfam,
ftarbcn ebenfalls in 9Jiün(]^cn unb fanbcn bicfclbc ScgtäbniBfWttc mie
i^r Oberhaupt. 3)cn 3:obc§ta9 SBonagratiaö f c|t fein ©tabftctn in
bcr 3Ründ^ncr Qftanciflancrürc^c auf bcn 20. 9Kai 1347 ^) ; man mufe
icbo(i6 bic gii(jötig!cit bicfcS S)atum§ in 3^^if^I jie^en, ba SonagratiaS
9fQme fc^on in bcm !aifctli(j^cn UntcrrocrfungSfd^rcibcn bon 1343 mit
bcm 2vi\a^t quondam angeführt wirb ^). Sonagtatia ift bcr einjige
aKinorit, bon bcm mir fidlere 3laä)t\ä)i l^aben, bafe er [xSf nid^t unter»
tDorfcn l^at^).
3ule|t bon bcn naml^aftcn 5Winoritcn ftarb bcr bebeutenbjie,
SBil^cIm Cef am, bcr \\d) na^ bcm 3:obe ßefenaS als SSicar be^
CrbenSgencralS b?trad^tetc *) unb bic gal^ne bc§ S3Jibcrftanbc§ bis
}um lobe feines ©d^u^l^crrn aufrcii^t l^ielt. Slud^ bann no(j^
blieb er fianbl^aft, fo lange bic baierifd^e Partei um ©üntl^er öon
©{J^marjburg gef d^aart t^arl IV. miberftrebte. 9lo(3^ in bcr legten 3cit beS
ffornpfeS liefe er gegen biefen ©ünftling ßlcmcnS' eine©(3^rift auSgcl^cn. 9llS
ober bcr politifd^e SBibcrfianb gegen bcn fiujcmburger erlahmte, als [\ä)
einem ©egner beS ^apfteS nirgenb mcl^r ein fidlerer 3uflud^tSort öffnete
unb eine gortfe^ung beS literarifd^en ffriegeS too^l fein Seben gefä^rbetc,
fij^icfte Ddam baS bon föefena übernommene DrbenSfiegcl an bcn üom
^^üpfte anerfannten DrbcnSgcneral, Sffiil^clm gfarincriuS, unb crflärtc
fommt ben menigen nod^ in SMünd^cn mcilenbcn 5ln]^ängern beS ßefena,
bofe fie ilircn fSfrieben mit bcr ffird^e fd^liefecn moßten. ©o marb bcr
btingenbc SBunfd^ ^apft ßlcmenS' VI. erfüßt, bcr bor einigen 3al^ren
®ott jum 3^ugen angerufen l^attc, bafe er näd^ft bcm ^cilc feiner
eigenen ©eele nie etmaS fo l^cife crfcl^nt l^abc mic baS ©cclcnl^cil SBil*
^elm DtfamS unb bef|en aiticffcl^r in ben ©d^oofe bcr aWuttcrlird^c ^j«
9luf bic Sßermenbung beS ©cnerals unb OrbenScapitelS nal^m bcr
') Cod. Monac. bavar. 7ö5, 1, p. 36: A. Dni. 1347 13. cal. jun. o.
A. R. p. F. Bonagratia de Pergamo I. U. Doct. (b. 1^. obiit admodum
reverendus Pater Frater B. d. P. juris utriusque doctor). ©toßbcrgcr, fol.
91: 19. 3um (13. kal. Julii) 1347, »ol^l in Rolgc eine« Sefefel^terS.
*) ®ett)olb 184.
^) Job. Vitoduran. 88.
*) 9tcbe be« ^JJapfle« Sternen« ».11. Suli 1343 (^öfler, 2luS 3(»ignon,
©♦ 20.)
*) 1. c.
— 126 —
^apft bon tl^tcm perfönlid^cn ©rfc^ctncn in Slbignon Umgang unb
gab @rmä(^tigung , fic ju abfolöitcn, mcnn fic binnen cine3 3a^rcS
eine UnterroerfungSfotmel befd^mören mürben, toonaä) pe ben l^äteti«
fd^en unb tebeHifd^en ^[Reinungcn be3 ßefena unb fiubtoig be§ ?3aier§
ober berer, bie in il^tc fjufejtapfen treten, miberfagten unb in§befonbere
bie Seigre »iberriefen, bafe ber ftaifer ^äpfte ein* unb abfegen fönne ^).
Ob bie Unterwerfung DdamS unb feiner legten ©enoffen unter biefen
Sebingungen tDir!U(^ ju ©tanbe lam, ift nirgenb überliefert 2).
Ueber Ddfamä 6nbe begegnet man ben tt)iberfpre(3^enbften Slngabcn.
?fta(^ einem nic^t gleid^jeitigen ©rabfteine, ben SBabbing , ber @ef d^i(^t=
fd^reiber ber SWinoriten, in ßapua gefeiten l^at, foH Ddam bortfelbfl
am 20. September 1320 geftorben fein. ®er ^rrtl^um in ber 3^^*
ftel^t l^ier au^er aüer fjfrage. ^aä) einer 9iad^ric^t ®onjaga§, ber eine
®e[d^i(]&te ber SKinoritenprobinj Serra bi fiaboro öerfa^t l^at, wäre
OdEam in ßarinola, einer ©tabt in Der 5Rä]^e öon ßaferta, gejiorben *).
SBabbing l^at fd^on barauf l^ingetniefcn , bafe ^ler eine SSerwed^felung
mit einem anbern SKirtoriten, SBil^elm öon ßnglanb, ber 1330 jum
Sifc^of öon ©ioöenajjo in Slpulien erl^oben morben fei, öorliegen
!ann *) ;. bod^ löfet berfelbe bie 2KögUd&f eit offen, bafe Ddfam bei feiner
Unterwerfung ben bamal§ in ^toHen weilenben DrbenSgeneral auf-
fud^en mu^te, öon biefem für ben 9left feines 2eben3 in \ia§ Älofter
@t. r^xani unb ©t. 3uniperu§ in ©arinola öerroiefen würbe unb
bort geftorben, bie Sei^e aber öon ben 2Rönd^en nad^ bem benad^»
barten 6apua gebracht worben fei.
®em fielet nun entgegen, bafe fid§ im ßl^or ber ju Slnfang bicfeS
3al^r]^unbert§ abgebrochenen, an ©tette beS je^igen ^oft^eater§ ge=
ftanbenen , granjiff anerürd^e ju SDlünd^en ein ©rabftein befaub mit
ber Sluffd^rift : A. Dni. 1347 IV. id. Apr. o. A. R. et doctiss. P.
F. Wilhelm dictus Ockam ex Anglia s. s. theöl. doctor. *S)ie
*) @4rci6cn bcfi $a^)(ie8 toom 8. Sunt 1349 an ben SJlinoritengenerat
mitgctl^ciU öon ©u «oulat?, IV, 317 unb SBabbing VIII, 12.
*) Söenn SBabbing, 2)u «outat? (IV, 317) unb S)'2lrgenträ (I, 360) an««
ge tcn , baß Odam bie Untcrmcrfungöforntct unterfc^rieben ^aU unb l^tcrauf ah*
fotbirt »orbcn fei, fo ift ba§' eine Stnn al^mc, Die aüerbing« l^ol^e SBal^rfc^einliti^*
Ictt bo* feinen jwingenben SSewei« für fid^ l^at. ^at?nalb (1349, §. 17) lägt
bie grage unentfd^ieben.
8) Wadding, Annales VIH, 11.
*) Garns, Series episcoporum, p. 883 nennt al^ ©ifd^of ton ©iobenajjo
Guilielm. Alvenaiaci, 0. S. Fr. erwäl^lt c. 1329, t c. 1332.
— 127 —
gpflenj btcfeS (Stobflemcö tcttb but^ ba§ S^ws^^fe StöcntmS, bct i^n
eBenfo loie bic ©teinc SonagtatiaS unb ßcfena§ im ßl^or bct Stanjif=
fottcrfitd^e neben bem ©actamentSl^äuSd^en gefeiten *) , unb feine 3luf«
f^rift but$ bie Sefd^reibung einer je^t in ber f. §of» unb ©taalS«
Bibtiot^el ju TOünd^en öermal^rten ^anbfd^tift be§ üotigen 3a^r!^unbert§ :
Monumenta ecclesiae Fratrum Minorum Monachii^) öerbütgt.
"Ulaä) ber 3ri^nung biefeS ßobej mar ber ©tein ein einfad^e§ Quabrat
o^ne iebe 3lu§fd&mü(Iung »). ®q§ ®atum be§ 2obe§ : 10. 9lpril 1347
jlimmt aber ni^t mit bem Snl^alt be§ päpftlid^en ©Treibens üon
1349, tt)onad& Odfam bamalS feine SereitmiHigfeit jut Untertoerfung
crflätt f)at, unb ni(|t mit bem ^n^alte be§ XractotS D(fam§ de
electione Caroli IV., ber auf bie ßntflel^ung naä) 1347 meift.
3n biefen SBiberfprüd^en tcirb mo^I folgenbe Söfung bie l^öcä^fte
SBa^tf(!^einIi(ä^!eit beanf prüfen bürfen : Odfam ift in SDlünd^en^ jebod^
nid^t öor 1349 geftorben unb in ber bortigen gfranjiffanerürd^e be»
graben morben. ®er ©rabftein bafelbft mürbe il^m iebo^ gleid^mie
bem Sonagratia unb ©efena erft fpäter gefegt, ^ie am gleiiJ^en
Orte bcfinbli(^en ©rabjieine be§ Äanjler§ 3lnbrea» t)on fiauben don
1357 unb eines Sifd^ofS Gilbert t)on 1379 finb gleid^ geformt unb
i^tc Snfd^rift l^at öl^nlid^e gaffung mie auf benen ber brei 50lino^
titcn*). aWan mirb alfo f^Iie^en bürfen, bafe erft 1379 ober fpätet
für alle berül^mten 5Jlänner , bie ^ier lagen , jugleid^ unb in gleiiä^er
Sotm S)en!mäler gefertigt mürben. Sie S)aten ber SEobeStage l^at
tnon babei mo^I au§ einem 9le!roIog be§ fflofterS geftj^öpft^) unb
*) Slöcntin, (S^ronica (ed. Cisner 1580), 394 «. 402, 2.
2) Cod. bavar. 755, 1.
^) 2)ie 2f6bitbung öon Odams ©rabrnat mit ^orträtBüfle , mX^t SBcrg-
mann« ©cfiä^ic^tt öon ÜÄünd^en, @. 46, beigefügt i% täßt fcjon ber @til atS (gr-
pnbung beS ^ei^ncr« au3 bem i)orlgen SaT^t^unbcrt crfenncn.
*) pi 48 bei txtüCL^nttn ^anbfd^rift. A. Dni. 1357, 9. cal. Jan. o. ß.
et mag. dns. Andreas de Landen, Cancell. imp. et m. cathed. ecclesiae
Frising. canon. (gbcnfo p. 37 bic 3nf(Srift für bcn 1379 gejlorbencn Albertus
episcopus Salon.
*) (Sin öom ©uarbian P. §crmann ®acf (t 1440) gefdSiriebcnc«, mit
j^^tonijUf^en Slufgcici^nungcn tctfel^cne« 3lnnii)erfarium,fofletiannte« Pax vobiscum,
too^l baffelbe, ba« »om Cod. bav. 755, 1. mcl^rmafö aU Ouette angerufen
toitb, ^Uik xm%x6)m be« TlMöfticx granjif!anerf(o|ier6 eingcfel^cn. TO
Odam« SobcStag ifl l^ier unter ben ^roniflifd^en Stufjeic^^nungen (fol. 50) ber
10.3(^nl (4. id. Apr.) 1347 genannt, Ȋ^renb unter ben Slnnti)erfarien (fol. 16)
— 128 —
l^tei f^etnen fi(^ bejügUc^ Odamd toie 9onagratta§ S^tl^ümet ein»
bcr ^amt Odam^ unter bcnv 9. Wpx'xl »crjcld^nct fielet, ©cibc (ginträgc finb
icbo4 crj! öon einer $anb bc« 15. Sal^rljunbert« , alfo hjol^t nid^t OueCfe für
bcn ©rabflcin, fonbern »ol^t im ©egcntl^eil öon btefem enttel^nt 2)a« gUi^t
S)atum (10. ^pxil 1347) in ber (S^ronil ©taßkrger«, fol. 91 (@. ©eilage II),
tolrb auf biefem ^nniwrfarium ober auc^ auf ber ©rabinfci^rift berul^en, fo bag
bic Ucbereittflimmung biefer eingaben nid?t8 für il^re ^Rid^tigfeit beweifen famt.
(Sin äUereS iRcfrologium ober ^ilnniöerfarium bcr Tlünätntx gran^iffaner ijl
»eber in f^rem Älofler noä) im 9Jlünd6ner SRei^Sard^ib erl^aUen. Unter ben
fpärttd^en tRr^iüatiet^ be« Icfeteren, bie [lä) auf ba6 iWünd^ner granjiffanerHofter
be^iel^en. l^abe ic^ micb überl^au^t bergebli^ na^ 'Bpuxm 0(!am9 unb ber anberen
fremben ®äjie au8 ber ä^it Äaifer Subtcig^ umgefel^en.
^weiter "^^eif.
ffeliren unb 5diriften,
fflie^lcx, SBibetfa^et bcr !PS|)fte.
9
i
§.8.
8lttit6(ttf attf bie t|eiirrtifi^e Sitetatur nhtv Staat uitb
Airdir Ut Aaifer Stthmigd Seit 2)ie ftft»}o{ifd)rtt Streit^
fd|ri|teii ; ^tttv ^nUii nut ^ifftnn Mii ^artS.
2öie ba§ gcfammtc ©ulturlefeen bcS Mittelalter» au§ breifad^er
SBurjel entfptoffen ift, au^ ßlementen beS ?(ltett^um§, beS 6^rijien=
t!^um§ unb be§ ßetmanifd^ett 95oIf§t]^uin§ , fo laffen [xä) anä^ in ben
jlaatli^en Silbungen ber ^eriobe biefe brei ßinflüffe erfennen. 9ltd^t
ba§felbe gilt aber bon ber mittelaltertiij&en ©taatölel^re unb gerabe
biefe Slbtüeid^xmg beftimmt bornel^mlid^ t^ren ß^arafter. S)a§ ger»
ttiamfd6«öoWSt]^ümn^e , ba§ red^t eigentUd^ mittelaltertiij^e unb in ber
SBirfli^Ieit l^erborrogenbfte ^IMoment läfet biefe Siteratur fo gut toie
ööllig unbeaci^et, inbem fie \iä) auf bie 3lu§glei^ung ober aud^ nur
äu^erliiä^e 5lebeneinanberfteIIung antifer unb d^riftlic^er ©runbfö^e
befii^rönft. ^a^ Sel^enSwefen j. 8., ba§ bcftimmenbfte Clement be§
tnittelalterli^en ©taate§, »irb in ben gteid^jeitigen t^eoretifd^en ©d^riften
m(|t einmal berührt. 2)abur(!^ erl^alkn bie ^octrinen über ben ©taat bon
öorn]§ereinj[eneabftracte3förbungunnü|er©d^uIgeIe]^rfanifeit, tüie fie bie
bem Seben ber SBirflid^teit entfrembete mittelalterliche SBiffenfc^aft im
allgemeinen fennjeitJ^net. 3Bä^renb in ber 9leujeit SE^eorie unb ^rajciö
öom Staat bod§ immer in einigem 3ufotnmen^ange , oft in frud^t»
barer SBed^f elmirfung ftel^en , laufen im SWittelalter bie Erörterungen
über ben ©taat meift fo t§eiInalötn§Io§, aber aud^ fo unbead^tet neben
ber SEßirlüd^Ieit l^er, aU ob fie fid& auf eine anbere SBelt bejbgen.
SBie bie SBiffenfd^aft be§ 3Kittelalter§ in ber §auptfa^e nid^t§
ftu$tbare§ neue§ gefd^affen l^at, fo mar aud^ feine Staatslehre im
großen unb ganjen SQßieberl^oIung ber Sitten, inSbefonbere be§ 9lriftoteIe§.
S)aburd^ löft fi(^ ba§ 9lät^fel, bafe burd^ bie mittelalterlid^en SLl^eorien
bom Staat bielfad^ ein freifinniger unb rationeller 3ug ge^t , ben
9*
— 132 —
man fotoo^I an ben mirflid^cn ©taatsbilbungen d§ an bcn anbet*
meitigcn Iitcrarif(!öen igcröorbtingungen bcr @po(^c gröfetentl^cUS bcrmiBt.
S)tc Süge, au§ benen fid^ ba§ mittcla(tcTU(|e ©taatsmcfcn bcr %ixh
liij^fcit jufammcnfc^tc, in ein p^ilofopl^ifd^eS ©^[tem ju bringen, bo§
blieb gerabe jener ^t\t öorbel^alten , mel^e bie legten Sleftc biejcr
©Übungen befeitigt ^at S)ie gegen bie 9let)olution gerid^teten SGßerte
83onaIb§, 2e 3Maiftre§, inSbefonbere aber bie „SReftau^ration ber
©taat§tt)ijfenf(3^aft" b. §aller§ üerrat^en in i^ren 5lnjid^ten bom
©taat mel^r mittelalterfi(j^en ®eift aU bie tl^eoretifd^en ©d^riften beS
2KitteIaIter§ felbfi
3^re ®igent^ümlid^!eit erhalten aber bie mittelalterlichen SBerfc
ber ^ubliciftif baburd^, bafe in i^nen ber d^rijtlid^e (Seift ju ben antifen
Slnfd^auungen ^injutritt. S)a§ ßl^riftentl^um gab im einzelnen feine
Sßorfd^riften über ben Staat, aber e§ brad^te eine neue 2BeItanj(^auung,
üon ber auc^ bie ©ebanfen über ben Staat nid^t unberührt bleiben
fonnten. 6§ fragte [\ä), wie roeit man bie politifd^en ©ä|e be§ Sllter*
t^um§ innerhalb be§ 9ta]^men§ ber d^riftlid^en SBeltanfd^auung fort«
führen burfte. ginerfeits tonnte bie mei^ebolle äluffaffung be§ ganjen
menfd&lid^en ®afein§ auc^ bie ©taatSibee üertiefen ; anberfeitS aber —
mufete nid^t bie Sebeutung be§ ©taate§ in ungeheuerem 2Mafee ge«
fd^mälert werben, wenn ba§ ß^riftent^um ba§ irbifd^e Döfein nur aU
Surd^gang unb "Prüfung für ein emigeS Seben im 3enfeit§ auf f äffen
leierte? unb wenn bie Äirc^e, ber geiftlid^e Staat, bie Erfüllung ober
Erleichterung ber fortan wid^tigften ?Iufgabe be§ TOenfd^en übernal^m,
ber Vorbereitung ju biefem ewigen Seben, nebeir ber äße irbtfd^en
3wedte weit in ben ^intergrunb traten ? ^ebenfalls ^atte ber ©taai
in biefer SWad^t eine 9lebenbu^Ierin erl^alten, mit ber e§ galt ftd^ au§«
einanberjufe^en. 3^ ber St^eorie aber galt e§ bei Betrachtung teö
©taate§ im SSerl^öItnife jur iJird^e felbftönbige ©ebanlen ju l^aben,
l^ier lonnte man n\d)i me^r au§ 2lriftotefe§ fd^öpfen. ^ier berlieren
benn and) bie Erörterungen meiftent^eilS i^ren abftracten ß^arafter, ge»
winnen 3ufatnmen^ang mit bem Seben unb praftifd^e Sebeutung.
3^rer ^erborragenben Stellung entfpred^enb ift bie Äenntni^ biefer
Seite ber mittelalterlichen Siteratur burd^ ja^lreid^e Bearbeitungen,
inSbefonbere burc^ bie auSgejeid^neten ©d^riften @. gtiebberg§^) ge»
- ') Friedberg, De finium inter ecclesiam et civitatem regundorum
judicio quid medii aevi doctores et leges statuerint. Lipsiae 1861. —
2)ie nitttelatterli(i&cn Sc^ren über ba« 93erl^äUm6 öon @taat unb Äirti^. 3»
■-.i
— 133 —
i'ötbert »orbcn. Sagegen blieb bie allgemeine ©taatslel^re be§ WtttU
ttlterS ein öon ber gorfd^ung toenig bead^teter ©egenjlanb^). 2)ic
umfaffcnben gefd^id^tlic^en SDßerfc über ©taatömiffenfij^aft öon 3Ro%
Sluntfd^Ii n. a. gelten mit »enigen SOBorten batüber l^inmeg, aud^
9Ronogra})]^ien an§ biefem ©ebiete begegnet man nur feiten. 3nbem
man ^äj einerfcits an ben abjtracten ©l^aratter biefer 2iteratur erinnerte,
anberfeit§ mit ©tal^I annal^m, ba^ bie re(Jöt§p]^iIofot)]^ifd^e unb jlaatS«
ttiffenfd^öftlidöe Silbung be§ SJlittelalterS mel^r einen trabitioneHen
ol§ einen f ucceffib entmideften ^nl^att berge , glaubte man öon
§fotf$ungen nad^ biefer 3fid^tung nic^t öiel geifiigen ©etoinn baöon
^u tragen. 3m grofeen unb ganjen ift biefe aud^ getoiB nid^t unrid^tig
ba biefe Siteratur in ber ^auptfad^e burd^ ba§ Dom SHterti^ume über»
fieferte 3KateriaI bebingt ift, 3nbef[en mürbe man bei genauerer ßennt»
«ifeha^me ber auf ben • ©taat bcjüglid^en ©d^riften bon 2luguftin§ De
civitate Dei bi§ auf SKad^iaöefl unb bie ^umänifteii l^erab bdd^
toa^rf^i^Ii^ ö^^ ^^^ ^i^^ g^tt)iffe ©ntmidfelung mal^tnel^men. SSielleic^t
tüütbe man nad^meifen fönnen , bafe ber d^riftlid^e ®efid^t§punft im
Slnfange, mo man nod& bem leibi^aftigen antilen ©taate gegenüber
öber'nal^e fielet, mit ber größten ©d^ropeit unb ßinfeitigfeit unb auf
bie pd^ften Äoften be§ ©taateS geltenb gemad^t toirb, mä^renb mit
ber jeitlid^en (Entfernung bom 3lltett^ume bie antue 3luffaf[ung bon
ber |)o]^eit unb Sebeutung be§ ©taate§ mieber an 9laum geminnt.
• 2)ie jur 3«it fiubmig be§ S3aier§ entftanbene publiciftifc^e Siteratur
im engeren ©inhe ^), bie ben ©egenftanb ber folgenben Unterfud^ung
2)oöc unb gricbbcrg; Seitf^rift für Äir*cnrc*t, 1869, 8. 83anb. — S)ie ©ränjcn
jtotf^en @taat unb tir^e unb bie Garantien gegen beren SSertetjung. ^iftorifdfi*
bogmatifd&c ©tubie 2:übingcn 1872. — 2)ic ncucrbingg "öeröffcntliitc ^ci^jiger
ÜniöcrfUätft^rift griebbcrgg: SDic mtttelattcrü^en Seigren über ba« S^erl^ältnig
ii>on ©taat unb ^ix6)t, 2 Xl^eite, Sei^jjig 1874, xütlö^t mir erp bei 3)rucf(egung
bicfcS ©ogenö jutam , ip im »efentlid^en eine SBicberl&otung beö glcici^namigen
Äüffa(je8 in bet Seitfd&rift für Äird^cntecbt, nur baß audb bie feitl^er crf(i^icnenc
Literatur berürfftdS^tigt »irb.
') 2)ic mydi^t öon g. g^rf^er über „bie ©taat^Iel^re beS SDlittetafter«"
magern. 2«pnätöf«rtft für.SBiffcnfc^qft unb J^iteratur, 1853, ®. 832 unb 922)
jeid^ncn ftd& au8 bur^ treffenbe« ©efammturtl^eil unb öietc gute ©cmerfungen
tin einzelnen, fönnen aber nid^t beanf^)rud(ien ben ©egenftanb nur annäl^emb
ju crfdt8i)fen. . '
*) 5)ic meifie görberun^ l^at aud^ biefer f^jecietterc ©cgenjianb burci^ grieb*
6crj unb jnjar in bem jmeiten feiner oben ertcä^nten ©erle erfal^ren. ^öfler
Bef^ri^t in feiner ©irift: Äaifert^um unb «papfit^um (^rag " 1862) bie
mctftcn l^ier einf eintägigen ©Triften unb gelangt inSbefonbere über 9Äarfigtlo ^u
L
^^*
- 134 —
bilbct % läfet rt(j^ nad^ i^rem Stoffe in brct ©ruppen fd^iben, wMft
fretlid^ öiclfad^ in cinanber übergeben. S)ic etfte bcrfclben l^anbclt öom
Staat unb ber äiegierung im aQgemeinen. Sie ift burd^i ben etften
3:i^eil be§ Defensor pads unb baS 2. 93u(i| bei» 1. Sractated bed 3.
3:i^eil3 beS Dialogus bon Odam bettteten. %\t jmeite (Stupfe bilben
^iftorifd^»politif<i&e ^Hbl^onblungen übet ba« römifd^e Sf^id^. ©al^in ge»
l^öten bie Stractate De translatione imperii SanbuIfS bon Solonno^
SltatfiglioS bon $abua unb Aontabd bon SRegenberg, bie S^ift
SupoIbS bon Sebenburg De jure regni et imperii unb tro| feiner
poctifij^en gorm eigeniU(^ au(^ bejfen Ritmaticum querulosum, fo»
bann bie ^auptmaffe ber Octo quaestiones bon OdFam unb bon
beffen Dialogus bornel^mlid^ bet jmeite Sradat be§ btitten %\^\\%.
Wit biefe SEBerfe berühren fiij^ aber jugteicj^ mit bet btitten, ftufeetHt]^
}a^(rei<]^ften unb innetliii^ bebeutenbften ®tuppe, meldte bad SSetl^ättni^
bet toeltlit^en }ut geiftlid^n @en)alt unb fpecieQ beS ^oifetS jum
^apjte befptid^t unb babei meiftenS au(^ }u Stöttetungen ttbet SQßefen
unb SSetfaffung bet ftitd^e gelangt, (ginige Sd^tiften gel^n bom
leiteten fünfte obet bon einet tein tl^eologif^en gxage auS unb be*
tül^ten baS fiaatlid^e ©ebiet wenig obet gat xCvi)\, tteten abet btitd^
bie gefd^i($t(id^e Sad^Iage in engen S^fammenl^ang mit ben S<|tiften
bet btitten ©tuppe. Untet biefe teilen fi(^ bet jmeite Si^eil beiJ
Defensor pacis, bet gtöftte Il^eil bet Sd^tiften OdfamS unb einiget
Don ßefena unb bon litd^Iid^et Seite in§befonbete bie Summa de
potestate ecclesiae be§ Sluguftin SEtionfo, bet Planctus ecclesiae be^
einer bon ber unfrigen fe^r abmeit^enben Sluffaffung. ®ine treffenbe unb getfl«
totte (Sl^arafterifttt btefer i^tteratur entl^SIt ^regoro^tud (®ef4t(i^te 9lcmd im
SWittcklter, VI, 120-^130). ßorenj/ 2)eutWranb« ©eWi^Wqnetten im SWitteraltcr
))on ber mttz be« 13. 5td }um (Snbe beS 14. Sol^tl^unbertd (Berlin 1870) gibt
in § 35 eine Ueberftd^t fiber bie ^oütif((e Literatur biefer ^t\i, ber e9 bei bem
mangelhaften <^tanbe ber ^Vorarbeiten auf biefem (Gebiete nici^t an fielen 3rr«
tl^ümern festen fonnte, beren 8erbten{i aber gerabe eine i0{onogra:|>l^ie ki>ie bie
nnfrige, bie baburci^ große Srlei^temng erfal^ren, in l^ol^em äßage l^ertjor^eben
mng. 9leuerbing9 l^atSecbler im erflen^anbe feinet nmfaffenben Sud^ed: Sol^ann
bon SBicUf unb bie ®orgefd^t*tc ber »Deformation (Sei^jig 1873) äRarflgliOf
Odam unb (Sefena M Sßorläufer ber »teforntation gemürbigt. ^uf bie anbere
einf^ISgige Literatur »erbe i^ an ben betreffenben ©teilen bermeifen. ©d^retber^
bie politif^en unb religiöfen ©octrinen unter ^ubn>ig bem ©a^ern (Sanböljut
1858) i(i ol^ne atten tbiffenf*afttt*en SBertl^.
1) ^u9gef4Ioffen bleiben bemnadb bie gelegenttici^en i^enterlnngen über <@taat
unb Äir^e, bie fl* in ben 9^e(^t8büd^em, ben 2)i^tem, ben rein l^iflorif^en
SBerlen unb ben Staatfi^riften biefer $eriobe finben.
— 135 -
SQDaro ^ela^o unb bie no$ ungebruittm ®ii^ften ftontabd bon
SDtegenbetg. ßaum eines biefet SBerle 6ef(]^rän!t ftd^ iebo(j^ fo aui^
[(^ie^i^ auf fein eigentti^eS (gebiet, bo^ eS ni^t oud^ tSftafien be3
einen ober anbent j^eteinjöge«
SRit !eine¥ biefer $i(j^ttinfl^n l^t nun bamald bie Utetarif^e
ä^äii^eit ein but^oud neneS ^t\t> betteten. $Oie erfie @tuppe finbet
i^te ä^pxläufer in Si^l^ann mn @a(i§burQ, SBtncen} bon SSkauüaiS,
im Kommentar }ux ^olitÜ bed %riftoteIe$ bon SEl^omaS bon Squino,
in t)en ©^tif ten de regimine priudpum bed %f)oma% Don ^quino unb
feines ^ortfe^erS Solomeo bon Succa, be§ 9legibiu9 Solonna unb be§
Engelbert Don äß)mont. SanteS SKonat^ie betmittelt bon l^ier auS
ben Metgang ju ben ©Triften äbet baS t5mifd^e ^üüi, untet benen
bie 9I6^anbIungen ^otbanS bon Ofnabtäd unb @ngelbett§ Don ^bmont
unferet ^etiobe unmittelbat Dotangel^n. Slbet au(]^ }ut btitten ®tubpe,
tpelü^e ba§ äjetl^öltnig itoif^i^n ©taat unb ßitd^e etöttett, gel^ött
2)ante§ 2Ronat<]^ie. @3 ift natatlid^, ba^ ft($ boS gntftel^en einet
i^eotetifd^en Siteratut ilbet ben legten ^eg^nftanb an einen factifd^en
BufammenftoB ^^ beiben ©etoalten fnttpfte. ©o l^at benn junäd^ft bet
Streit ©regotS VII. unb feinet Slaci^folget mit C^einti^ IV. unb
^muäi V, ja]<ei(|e ©t^^tiften übet biefeS il^ema l^etbotgetufen 0.
3(bgefe^en Don gelegentlichen Semettungen in ben ©(^gtiften be§ ^U
Sem^atb, beS ^opfieS ©etl^ol^ Don SRei(i^et0betg unb anbetet ijl bet
@egenftanb bann etft am SBenbepuntte beS bteijel^nten unb Dietje^nten
So^rl^unbettS miebet teii^t btennenb getootben, als 93onifas Vin. ba&
ftanjöfifii^e ftönigtl^um l^etauSfotbette. S)iefet neue ©tteit jiDift^^en
tteltliiä^et unb geifllid^et (Semalt fiel in eine 3^it/ ba butd^ gtöfeete
Verbreitung ber UnibetfitätSbilbung eine SSetoegung bet ©eijiet tt)a(fy»
gerufen mat, toeld^e eine tl^eotetifd^e Sel^anblung bet ©tteitftagen be»
günjiigte. 5)aju !am, bafe ^atis, bet ©ij bet einen ftteitenben ^attet^
mU^äi ben 9Rittelpun!t beS bamaligen ®eifteSlebenS bilbete. ©o ift
bamals eine Sitetatut tmaäi^tn, in meldtet eigentli(]§ jum etftenmale
gegen bie bä})ftli(|en 9lnfbtüd^e bie SlBaffen einet aUgemeineten ©elel^t»
famfcit, ©tünbe bet ^iilofopl&ie , bet 2:^eologie, beS »ed^tS unb bet
©ef^id^te aufgeboten wetben. 3n biefet ©tupb« i|i ^i« änfnüpfung
^) S)ie ©tteitfd^tiften auS ber Seit §ctnrl* IV. flnb Jjcrjciti^net bei Oiefe-
Mt, Äaifergefd(^i4te, IH. ©b. (erjic Sluftage) @. 1049, 1104; au« ber Seit
5eittti4« V. e. 1148. — 2)ur* ben @trcit ÄiJnig ^einrid^« L t)on (Sngtanb
Witt anfeto t)on (Santerburt? (1100— 1106) »urbe ber 2:ractat be8 Hugo
Fioriacensis de regia potestate et sacerdotali dignitate toerantagt.
— 136 —
ittJtfd^en ben ©d^riften unfcrer ^eriobe unb ber öorongcl^cnben am
erigflen.
Um ju einer gerechten SBütbigung unfete§ fpecieDen ®egenjlcmbe§
ju gelangen, ift eS nötl^ig, bafe loit au($ biejer öorl^ergel^enben Siteratur,
auf beren S^ultetn bie unfete tl^eilmeife tul^t, einen lurjen Ueberbfid
toibmen. S)abei bel^alten mir bie jmeite ©ruppe, bie fi^ fpecieH auf
ba§ römif(|e Utxö) bejtel^t unb in gfolge beffen t)ielf ad^ einen t)or=
jugStoeife l^iftori{(]^en (Sl^drafter trägt, unferem nöd^jien ^apxkl üor, um
fie bort im 3lnf<j^Iuffe an einige Triften unferer ^eriobe ju befpred^en.
®ie ältefte me|ir al§ apl^orifiifd^ gel^altene Erörterung über ben
©taat finbet \\ä) im eigentli(]^en SKittelalter in bem 1159 Don ^ol^ann
Sittle ober @^ort öon ©alisbur^ ^herausgegebenen Poli-
craticus^). @Uxäf l^ier tritt uns einerfeitS eine öon ben Sitten über»
nommene aber aud^ d^riftli(3& öertiefte bebeutenbe Sluff affung beS Staates,
anberfeitS aber bie auS d^riftlici^en Slnf (j^auungen entfpringenbe Unter=
brbnung beSfelben unter bie Rixä^t entgegen» S)ie ^errf^ergettjatt,
fagt Sodann, inbem er ben (j^riftlid^en unb antifen (Sefid^tSpunft Der«
binbet, lömmt wie aDe ©ewatt Don ©ott unb jiel^t il^re Autorität au§
ber beS ®efe|eS. gür äDe im Städte Sebenben bilbet baS ®efe| bie
9li(]^tf(i^nur beS ^anbelnS. ®er gürji ift baS §dut>t beS ©anjen, bQ§
SSilb ©otteS auf ßrben, aber er ift anä) ein 2)iener beS öf[entli(^en
9iu|enS unb ber ©ere^tigfeit. SSor allen Singen aber l^at er für bie
Sleligion unb bie Äird^e ju forgen. 6r l^at fein ©(^^mert öon ber
Sird^, ttjeld^e baSfelbe nid&t felbft führen barf fonbern 'bnxcS) i^n führen
läfet/ er ift alfo ber Wiener beS ^rieftertl^umS. ®er Staat ift tt)ie ein
belebter Organismus, beffen ©eele bie ^riefterf (|af t bilbet, beffen Äopf
ber gfürft, beffen §erj ber ©taatSratl^ (senatus), beffen klugen,
Dl^ren unb ^Mn^t bie SSeamten , beffen ©ingeweibe Duäftoren unb
3Sertt)aIter, beffen gü^e bie S3auern finb* ©iefer bis in baS fileinfte burc^»
geführte gefd^madlofe SSergleid^ unb SSorfd^riften für ben guten ^Regenten
bilben Den §auptin]§att biefer Slbfd^nitte beS S3ud&S. S)er leitete
©egenftanb ift immer ein fiieblingSftoff ber miitelatterli(|en fiiteratut
öom ©taat geblieben; bem ^olicraticuS eigentJ^ümlid^ aber ift bie
jumal ^ier l^eröortretenbe auSgebe^nte S3enu|ung beS atten SeftamentS,
inSbefonbere ber S3üd^er 3)euteronomion unb §iob.
*) Unb gtüar im 4., 5. nnb 6. ©u^e beö crficit Sl^etl«. 2(u8ga6e n. a-
^^ariö; 1513. (gtnen eingel^enben Slu^ug finbet man 6ci @(i^aarf^mibt, Sol^anncö
@arc«&erienfl0 na* geben unb @tubtcn, ©d^riften unb ^l^Uofopl^ie. Sei^jig,
1862, @. lGO-172.
— 137 —
• 3m brcijcl^nten Sal^tl^unbett i)ai bann bct 3)ominif aner 33 1 n c e n j
ton SSeauDaiö im aci^tcn bis elften Su^e feines Speculum
doctrinale, baS einen 3:^eil feiner Bibliotheca mundi ober
Speculum triplex bilbet, eine ©taatslel^re oufgefteDt. ©iefelbe fanb
jeboij^ feine grofee Seat^^tung , ba balb mä) i^m fein OrbenSbruber,
bet iugcnbli(]^e ®raf SEl^omoS bon Slquino auftrat, ber wie auf
bem tl§eoIogif(i&en fo anäj auf biefem ©ebiete oüe bisherigen Seiftungen
berbunlelte unb mel^r als trgenb ein anberer mittelalt'erlicj^er Genfer
bie 2tnf(]^auungen ber folgenben 3^tt^n be^errf(3^te, S)urd^ feine ^eifig«
frred^ung, meldte ^apft Sol^ann XXII. 1323 öorna^m, würbe biefer
geniale (Seift, Don bem ber ^^Japft rühmte, bafe er fo üiele SBunber getoirft
als ©opitel gef(J^rieben , re^t eigentlid^ jum Sepräfentanten ber fird^«
lid^en Slnf (i^auüng erllärt.
35om ©taat l^anDett ^auptfä(ä^Ii^ bie an ben ffönig öon (Supern
gcri(j^tete ©d^rift de regimine principum*), beren erfteS unb
jlöeiteS Su$ Don %^oma^ felbft, bie gfortfej^ung Don feinem Schüler
Solomeo Don 2ucca l^errü^rem gerner fommen l^ier beS X^omaS
Kommentar jur ^olitif beS SlrifloteleS unb einjelne Semerfungen feiner
Summae, ber theologica unb philosophica, in Säetrad^t.
3Son SlrifioteleS übernimmt Sl^omaS*) bie Sä|e, bafe ber ©taat
bie p(ä^fte menf^Iiiiöe ©efeflfd^aft ift unb bafe er nid^t nur eine öf onomifd^e
fonbern aud^ eine fittli^e 2lufgabe l^at, ml^t barin befte^e, bie
SBcnfd^en burii^ Derf(]^iebene ©tufen jum pd^ften 3^^!/ ^^^ tt)iffen«
f(]§aftU(3^en S3etrac^tung ^in^ufü^ren. 2)aS ©taatsibeal beS Sl^omaS
ift eine gemäßigte 3Konarc(jie. 6 in SRegent; meint er, ift beffer als
mel^rere ; baS ©(i^Ummfle ift St^rannenl^errfi^aft, unb bieje tritt leiiJ^ter
bei ber ^errfci^aft Don mehreren als Don einem auf. 2)ie ©efeUfd^aft
mu6 nur bafür forgen, bafe i^r SRegent nid^t jum SE^rannen werbe,
einmol burd^ bie SBal^I einer geeigneten ^erfönlid^feit, fobann burd^
eine fold^e ßinriii^tung ber ütegierung, ba^ bem Siegenten bie ®elegen=
l&eit }u ®ett)altf(i^ritten entjogen wirb. Sßenn ein Don ber ®ejell=
fii^aft eingefe^ter fiönig feine 30?ad^t mifebraud^t, fo foD er Don il^r
ou$ loieber abgefegt ober feine 5WacJ^t eingefc^rönft werben tonnen.
3m allgemeinen ift SSßal^l!önigrrf(3^ beffer, aber naä) Umftänben ift
M Thomae Aquinatis opera. Parmae. XVI, 224 fCgb.
•) (Sine auSfül^rlt^cre Sufammcnflcßung feiner ©taatstcl^re cntl^SU bie
©ö^rift öon 55aumann, bie @taot8tcl^re beS l^cit 2:]^omaS öon ^qulno.
?ci<)jig 1873.
i
— 138 —
mi) bie (Stbfotge t)i>r}ujtje|en. Sier Staat foU too mögli^ auil einem
aSoße beftc^ett; Staaten^ xotUfyt üerf^iebene SSBIfet bereinigten, ^tnb
f^on ju oft twcäf Uneiniflfeit ju ©runbe flefliingen. Surftet aber foU
nur fein^ mer in ein SSenoaltunftSamt ober in eine entfpreiö^cnbe ©teile
eingcfc^t werben fann.
SSon ber ©teDunft bed iQerrf(i^er3 l^at %iioma^ eine in d^rijili^oi
©innc gel^obene Stuffajfung. %id^t ßl^re unb äiul^m foHen i^m Se»
ttjeftftrunb ju guter Silegierung fein, fonbern baS ©efireben, burii^ bie
i)bäi\k, ©Ott ä^na#e 5lrt Don SGßirffamfeit, bie eS auf biefer SDßctt
gibt, bie ewige ©eligtcit ju erlangen, unb bie meufd^Iiii^e ®efeDf(]^t
jur ewigen ©eligleit l^injuleiten. S^näd^ft itoar fte|t bie Untere Sluf^^
gäbe, wel^e ftets ba§ p(]^fte SÜegierungSjiel bilben mu^, nid^ ben
weltlici^en Siegenten ju, fonbern bcn ^rieftem unb l^auptfäiö^lii^ bem
Zapfte, beftt ©teßbertreter ß^rifli« 3wi alten SEeftament waren bie
^riefter ben Königen untert^an, im neuen aber ftel^t baS ^riejiertl^um
^ö^er, barum muffen im ®efe|e ß^rifii bie Könige ben ^rie^ern
unterworfen fein. 5lber e5 geprt a\xä) jum Slmte be§ tönigS, für
eine gute fiebenSfül^rung ber ®efeHf(i^aft in ber SBeife ju forgen, ba^
ba§, was jur ewigen ©eligfeit fül^ri, geboten unb baß ©egentl^eil ber»
boten wirb. ^\xx(S) feine ^rrfd^aft muffen bie befonberen ©fiter, für
beren ^erbeif^ffung bie 2Menf(i^en forgen, äleid^tl^um, ^anbelSgcwinn,
©efunblö^it, Serebfamleit, ©Übung auf i^r rid^tigeS 3^^^ gelenft werben*
Ser ßönig foß jn feinem 9lei(]&e fein, voa^ bie ©eele im ßeibe unb xoa§
©Ott in ber SOäelt ift.
S)iefe finb erl^abene .SSorfteflungen üon ber ©taatSjiewalt, aber pe
gelten bem 2:^oma§ nur für eine ber Ä'ird^^ gel^orfamc 5IKad6t. 333ie
^äretüer unb ©d^iSmatifer tnx^ bie weltlid^e '^aä^ im S)ienjte ber
äixäit iu jüd^tigen finb, fo !ann mi) il^m ein (]&riftli(i^er gürft, ber
unglöubig ober ^äretif(^ wirb, \>\xxö) ben Spru^ ber Siixäie bie ^err»
f(i^aft öerlieren unb wenn ein ^enfd^er wegen SlbfaßS öom ©lauben
ej^communicirt wirb, fo finb bamit ipso facto bie Untert^anen öon
feiner ^enfd^aft unb i^rem 6ibe ber SEreue entbunben. gür biefe
ßird^e aber, in beren S)ienft er ben Staat fteHt, forbert 3:^oma§ eine
ftreng monax6)x\^t SSerfaffung. 3^^ ©rl^altung ber !ird^H(i&en ©in^eit
unb Uebereinftimmung im ©lauben, meint er, ift e§ nötl^ig, ba|
einer an ber ©pi|e ber ganjen Sixxä)^ ftel^e. S)ie6 ift ber ^apft,
il^m lömmt eine neue ausgäbe (nova editio) be§ ©Iauben§befennt»
niffeS, b. f). wo^I (5ntf(i^eibung über neu auftaud^enbe ©laubenSfragen,
il^m bie Berufung einer aBgemeinen S^nobe ju.
— 139 —
Bebet %f)oma^ noii^ bie anbern iSftoxüx\^tn @d^riften biefer
Reiten nel^men bem Staate > gegenübet .ben e^ttem f einbU(i^en @taxib«>
puntt ®tegot3 VIL ein, toona^ bie gffitjten il^ten Utfptung Dom
%tvi\d leiten unb nut t)etmetfli(]^ ^ettfti^ud^, bet unbefugte 3:tieb pt
@t^ebung &itt ben utfptilngUdg gleid^n %ebenmenf<i^en bie @tunb<*
läge bet meltlid^n ^ettfij^aft bilbe. Sud^ ^at bet Staat nad^ biefen
S^jlemen m6fi^ nut eine matetieDe fonbetn aud^ eine etl^ifd^e Slufgabe,
in ben ^l^eotien witb biefe fogat me^t betont, aU fie k)on ben mittel«'
Qlterlt(!^en Staaten bet SBitItidgteit in§ %uge gefaxt nmtbe; abet mit
bet antuen ©elbftänbigfett bed ©taate§ ift e§ xtaii ^W^ ^octtinen
miA, et foQ im Sienfte bet cQitiJ^e, be§ l^öl^eten, bed göttli^en
StOQteS jiel^en.
^ie Sr^age na(S) bem SJetl^öltniffe bet beiben ©emalten gemann
eine 'etl^ö^te unb ptaftif(]^e Sebeutung, als am $[u§gange beS 13.
3Q]^tl^uhbett§ ein neuet unb ^tig^t 3ufammenflo^ betfelben etfolgtc
$Q§ 3^wfi^i6 i^^S ^apjitl^umeS mit bet ftanjöjtf^en ©taatSgetoatt
ging bamals badon au§, ba^ ^i^Uip)> bet Bäfint in feinem Stteit
mit gnglanb bie pöpfllid^e SSetmittlung jutikfttieS unb bafe 93onif aj VIII.
bem ftanjöpfdöen JJönige baS "Steift befttitt feinen ÄletuS ju befteuetn.
^ie 3luSgang§pun!te maten alfo anbete aU bei bem balb folgenben
beuty^en ©tteit ; abet au^ bei bem ftanjöfif d^en lam man natutgemä|
fogleid^ auf ben tiefeten @tunb beS 3^iefpalted, auf bie gtage na<| bet
9ete(]^tigung unb 93ebeutung bet pöpftlui^en plenitudo potestatis. ^uf
@runb biefet beanfptut^ötc Sonifaj CbctJ^ettlid^feit übet bie ©taatSgettJalt
im allgemeinen, mäl^tenb Sol^ann XXII. fpätet eine ptaftif(]6e fjolgetung
botauS junä^ft nut füt baS tömif(3&e SReid^ geltenb mad^te. 3^ bet
§aubtfad[)e fji eS alfo nntet ^l^ilipp bem ©d^önen biefelbe gtage,
iDcId^e bie tl^eotetifd^e Sitetatut übet ©taat unb ffitcje befd^äftigt, toie
fpötet untet ßubmig bem Saiet.
9tn et^et ©teile untet biefen ©d^tiften nannte man meift bie bon
®oIbafi *) öetöffentlid^te Quaestio in utramque partem
disputata de potestate regia et pontificali. 9iad^
bem ^etauSgebet ©olbaft, bejfen leid^tfettige S)atirungen unb Slutoten«
angobcn übetl^aubt auf biefem ©ebiete bet fiitetatutgefd^id^te eine
leillofe SSetmittung angetid(|tet l^aben, l^at man bieje Slbl^anblung
lange Seit fälfd&lid& bem ßtjie^et W^^P beS ©d^önen, «egibiuS bon
Slom obet SlegibiuS Kolonna aus bem 9luguftinetotben juge-
') De Monarcbia, II, 95 f(gb.
— 140 —
^(fjmUn, bcr 1298 tro| feinet italiemf(]&en ©eburt auf SBunfi^ ^^tlip))
t)e§ ©d^önen öon SSonifaj jum (Srjbifi^of bon SourgeS erl^oben tourbc
unb qIS fold^et ju Slbignon am 22. ©ejembet* 1316 ftatb. S)tcfe
3(ut0rf(3^aft eine§ gegen ben ^apft geri^teten 3Bet!e§ iji J(]&on befel^alb
«nmögU(]& , loeil SlegibiuS fic^ unter jenen franjöftf d^en Oxalaten be»
fanb, toel^e gegen ba§ SSerbot ^^üippS bem 9lufe be§ ^apjie§ na$
fftom gfolge leifteten. 3legibiu§ ^at aÜetbingS einen. Stactat De
ecclesiastica potestate üetf afet ; berfelbe ift aber noc]^ ungebrurft unb
erllärt [\ä) , wie bie SÄittl^eilungen 3ourbain§ na^weifen *) , für bte
•^fprüd^e ber !ir(3^Ii(3^en, nid^t ber !önigli(ä^en $artei. 3a biefe§. SBer!
f (^eint fogar ben benfbar f^roffften ®egenfa| ju ienem, ' ba§ bcm
Stegibiuö irrig jugef^rieben wirb, ju bilben, inbem 'e§ unter allen
tl^eoretifij^en ©lä^riften biefer 3«it bie !ir$Ii(]&en 3lnfprü(]^e am l^ö^ften
^inauffiä^raubt. 5Ra(^ feiner Sluffaffung !ann alle meltiid^e $errf(i)aft
iinb jebeS gigentl^um, jeber 2ldEer, jeber SÖeinberg, nur unter ber
ßir^e unb burd^ bie iJird^e geübt unb befeffen »erben ^). @§ ift ein
f(|reienbe§ SJiifeberftänbnife , ^o!^ man gerabe in bem Vertreter fold^^er
3lnfi(3()ten ^) ben, xoxt man glaubte, für lange '^zxi tpnangebenben
SSertl^eibiger ber ©elbftänbigfeit ber loeltlid^en ©etoalt gefu(i^t l^at.
Sie im jmeiten 33anbe @oIbaft§ gej)rucfte Quaestio in utramque
partem *) ift nun ni(^t§ anbereS al§ ba§ Original iener franjöfifii^en
Ueberfe^ung, melcä^e ©olbaft in feinem erften Sanbe beröff entlid^te ^),
unb toenn* man anberiS bie xotüji au§ ber ^anbfd^rift entnommene
*) Charles Jourdain, Un ouvrage in^dit de Gilles de Rome, im
Journal g^n^ral de Tinstruction publique, 1858, @. 122 u. 130.
') His ergo declaratis volumus descendere ad propositum et ostendere,
quod DuUum sit dominium cum justitia nee rerum temporalium nee per-
sonarum laicarum nee quorumeunque , quod non sit sub ecclesia et per
ecclesiam, ut agi'um vel vineam vel quodeumque, quod habet hie homn
yel ille, non possit habere cum justitia, nisi habeat id sub ecclesia et
per ecclesiam.
®) SlcgibiuS Sotonna l^at tictteict^t aud& bie S3uttc Unam sanctam rcbigirt;
f. Sourbain a. a. O. u. gricbberg (3cttf*rift f. Äird&enre^t, VIII, 82), too bie
Vettere Literatur über il^n terjcic^nct tfl Ueber feine ipl^ilofo^^ifd^en ©Triften f.
^rantl, ®ef*id^te bcr Sogif im mcnbknbe, IIJ, 257.
*) SWit ben tjorangcfefttcn ©d^reiben, bcr bcfanntK^ (f. ^cfcte, (Son^tficn*
gef^i^tc VI, 298 flgb.) gcfStfd^ten SButte ©ontfaj' Deum time unb ber Slnttoort
^önig $l^iti:|):|)8 l^icrauf, ifi ber Siractat toicUeid^t erjl f:|)5tcr öcrbunbcn »orben;
tocnigPenS nimmt er leinen ©e^ng barauf.
*) ®olbafi l^at bicß felbft gar niÄt bemerft!
— 141 —
Ucbcrfd^rift ber Ic|lcren 6^iin SBottc ncl^men barf, fo i)ai ber fönig*
li^c Satl^ ataoul bc ^rc§Ic§ auf Scfe^l ffarl§ V. öon gfranhci^ bcn
Stoctat nid^t nur übcrfc^t fonbcrn anäf berf o^t *). @S fömmt uns bor, als
obauci^ bcr^^l^arafter ber ©(^rlft cl^cr auf bicfc fpöte ©ntftcl^ungSieitlDicfc;
eine fo überfid^tltd^c, bünbigc unb pröcifc SufammenfJellung ber fjanpU
fö^Ii(i^ften Slrgumente entfielet Uxäjtn erft bann, menn f(i^on eine
größere Siteratur über ben ©egenftanb borliegt; aud^ mufe auffallen,
ba| fein concreteS ©reignife in ben 3Sorbergrunb tritt. @in abfd^Iie^en«
be§ Urtl^eK fönnte freili^ erp nad^ Sinft^t ber ^anbjd^riften unb
bei öollflänbigerem (Sinblirf in bie l^ier einf(i^Iägige franjöpf^e Siteratur*
gefällt »erben; al§ l^öd^fl »al^rfiiöeinliijö bürfen mir e§ aber \>oä) \t^t
f(!^Dn ^injieHen, bafe bie Quaestio in utramque partem, bie man
auf biefem ©ebiete für grunblegenb l^ielt, erft um bie ^al^re 1364—
1380 entjianben ift. Sodann öon ^ariS unb ®ante l^aben bann n\ä)tr
bie man biSl^er annahm, aus il^r gef^öpft, fonbern i^r im ©egen»
t^eil ju ©runblagen gebient.
Dagegen wirb ber Qdt ^^ilipp beS ©(i^önen eine äl^nlii^^e, ju»
meilen mit ber Quaestio in utramque partem öermed^felte ©d^rift
angepren, bie Quaestio de potestate papae. ©olbaft^
SBunf(i^, bafe biefelbe befannt merben möd^te, ift brei 3a^re nad^ feinem
ÖQutwerben erfüllt worben, inbem bie ©(^rift im ^ai)xt 1614 im
Recueil des actes de Boniface VIII. et Philippes le Bei öer*
öffcntlid^t rourbe. ^ienad^ ift fie öon ®uput) in ben Preuves jur
Histoire du diiferend d'entre le pape Boniface VIII. et Philippes
le Bei, roy de France, p. 663 — 683, toieber^olt abgebrutft morben.
') MoDarchia» I, 39: Rudolph! Praellaei, consiliarii regii et magistn
libellorum supplicum in curia Parisiensi tractatus de potestate pontificalf
et imperial! seu regia. Au commendemeDt de tres hault et tres excellent
prince Charles, par la grace de Dieu le Quint roy de France de ce nom,
maistre Eaoul de PraeUes, son petit serviteur, conseiUer et maistre de
requestes de son hostel, translata ceste petite euvre.
*) griebtetg (äeitfd^rift f. Äirtibenred^t, VIII, S3) bagegcn ift geneigt be
fcSlcö nur für bcn Ucbcrfe^jcr ju l^attcn, „ba nod^ eine franjöfifd^c Ueberfefeung
et 2)i8^utatio ejiftirt, bie auf ©cfel^t "^WPP ^- <S*öncn hvix<i} ^cnri bc (£aud?^
285- 1314 vorgenommen toorben fein fott. iBgt ©racffe, Scl^but^ b. aßgcm.
itcraturgef^ici^te, U, 3. 929." @oKtc nit^t bie leötcrc SCngabe, gegen todöft \6tGn
ftiebBctg einttjcnbet, tt>oju bann Äarl V. nod^ eine neue Ueberfcfeung IJabt
atigctt laffcn, auf einem Srrtl^umc berul^en?
— 142 —
9lu$ t>on biefcr ©d^rift ^ot »aoul bc ^reSlcS, toic et fclbjl tnitt^eilt,
eine ftanjöpf^e Ueberfelung geliefert \).
!I>ie »a^tf^irtli^ buT(j^ bie ÄuHe ünam sanctam l^eiDorgerufenc
©^rift ttnletju^t bie Sfi^öS^"' ö* ^^^ ^öpfl ber ^err aller SWenfi^en
anä) im !lBeItIi<!^en fei unb ob er cm(^ eine allgemeine t9eltri($e ^rt§»
biction beft|e, rnib I5mmt baju fie ju t>en»iaen«- 2>ie g^i^^ €eii»tlt
tDirb mit bem ftopfe^. t»e todtlt^ mit bem C^erjen im menfii^n^en
9bxpn öergfi^en; beibe l^ätten öerf^tebene Functionen unb feien öon
einanber un^ibl^ängig. S)en ©rünben, tt)omit biefe Sluffaffung üertteten
tt)irb, »erben »ir no(| ju oft begegnen, atö baft e§ angemeffen toäte
l^ier barauf einjugel^en« Stur wollen wir ^ier gleidi auf bie
Senbenj l^nweifen, mläft in biefer mte in ben meiften publicijiif(|en
©d^riften ber granjofen beS Dierje^nten Qal^rl^unbertS maltet, baß 6ei
3Ski]^rung ber ©elbflänbigfeit beS franjöfif(|en ftönigtl^umeS gegenüber
bem $at>fHl^ume jugleid^ bie ©elegcnl^eit benü|t mirb, bie ©el6|tänbig=
leit t5tan!rei(]&§ gegenüber bem römif(]&en ftaifertl^ume ju betonen unl)
bafe ben ?Knfprü(|en ber ^äpfte gegenüber bem leiteten eine größere
SBere^tigung eingeräumt mirb al3 gegenüber bem erftercn Sie
granjofen oermeifen gctoiffermofeen ben ^opft mit feinen ®elüften nadi
meltU(]^er 2Ra^t auf il^re beutfii^en ^iad^bam, bamit er fie felbft unge«
\<i)oxm laffe, unb bie folgenben franjbfifd^en köpfte l^anbeln in ber
Sl^at, alö ob fie biefe SBinle bea(3&teten. ©o äußert fid^ bie Quaestio
über bie (Sonftantinifd&e ©d^enfung ^) : SBie e§ fid6 babei öer^alten
l^abcn mag, [\ä)cx ift iebenfaßs, bafe ©onfJantin ba§ orientaIif(|e
fiaifertl^um ni(|t öerfd^entt l^at. SHfp lann ber ^apft auf ©runb biefer
©d^enfung Ieinc§faII§ iperr aller ©l^riflen genannt »erben, fonbern
f)bä)^tn^ ^err im römif(ä^en Imperium. ®aS franjöfifd^e ßönigrci(]^
aber fielet nid^t unter bem Imperium, benn l^icr ift gefejli^ie, tücil
mel^r al§ l^unbertjäl^rige SSerJöl^rung eingetreten, gerner ^): ^fi
2aä)ax\a§> f)at ben Äönig 6]^ilberi(| nid^t abgefegt fonbern nur feine
^) Goldast, Monarchia, I, 56: Et de ce len püet veoir plus plainne-
ment en ce, que je, qui ay translate ceste euvre, en ay escript sur ce
pas en la translacio'n du livre, qui sapelle Rex paeifieus, lequel est par
devers vous. grtebberg a. a. O. 82 überfielet, baß biefer Rex pacificus, »cn
bem l^ier be ^ßrcSleS f^ricä^t, bie mit ben Söorten Rex pacificus Salomon be*
fltnnenbe Quaestio de potestate papae t|l, ba§ aber bc ^reöleS biefe ©(ftrift
ttidfrt »erfaßt fonbern nur überfeljt ju l^aben tjerfitbert.
») Dupuy, p. 675.
8^ p. 677.
- 143 —
Sujltmmung boju gegeben. ,^S33a9 ober jenen 3f^iebri(3& betrifft, ben
?(it)|l Qnnocenj IV. abgefegt f)at, fo bel^oupte xäf, bafe biefe »a^r tft ;
»om ftaifer gebe x^ ju, ba^ ber ^o))fl fein weltlitä^er §etr ift; benn
et »itb ftatfet butd^ bte SSßal^I unb empfängt Dom ^apfte »iJeftätigung
unb ähone, toäl^renb eS Don allebem ni(3^tS gibt im ftönigreitä^e"
Sranheiij^." Unb toieberum^: ,,S9eim ftaifer liegen mand^e ©tünbe
t)ox, bQ§ er bem ^apfte im 8BeItli(]fien unterworfen fei, ®rünbe, wel^e
für einige flföntge, j. 9. bie öon gfronlreid^ unb gnglanb nid^t gelten."
©el^r gut »eip ber aSerf affer ber 'Quaestio bte SKi^bräu^e jurütf ,
i> We in SluSlegung ber 1^1. ©(|rift begangen »erben. ,,33ie Theologi
unb Doctores nehmen an, bafe ein boppelter ©inn in ber 1^1. ©(j^rift
fiege: 1. ber l^ifiorif (ä^e , bu(]^flöbli(]^e , 2. ber m^jiifd^e, fogenannte
fpiritueDe, welker wieber in brei Slrten getl^eilt wirb, in ben
anagogifti^n , aDegorifd^^n unb moralifd^en ©inn*). Unter biefen
SluSlegung^arten !ann aber boii^ nur eine Sewei^fraft beanfpru^en
(non est nisi unus argumentativus) b. i, bie ]^iftorif(|e ober bu(|=
^Qbli(j^e." 2lu§ biefem ©runbe wirb bann bie Stnwenbung be§ ®Ieid^=
niffeS bon ©onne unb 9Wonb auf bie geifilid^e unb weltlid^c ©ewalt
bcffer jurüdEgewiefen, als e§ fpöter bei 5)ante gefci^iel^t.
3)ie Art, wie ber SSerfaffer an ber eben angefül^rten ©teile öon
ben X^tologen unb Soctoren fbrid^t, bered^tigt 5u bem ©(^fuffe, bafe er
felbft niiä^t baju gehörte. 9lun ift man neuerbingS, inSbefonbere burd^
bie gorfd^ungen 9lataüS' bon 2Bain^ *) , auf einen Saien auf merffam
geworben, ber im Jlampfe ^]^ilipp§ gegen S3onifaj aU ©(j^riftfteKer
eine l^erDorragenbe 2:^ätig!eit entfaltet ^at unb bem man bielleiiä^t
ftu^ bie Quaestio de potestate papae jufd^reiben barf. 5)a§ ift
?eter S)uboi§ (de Bosco), föniglid^er ?lnwalt im SlmtSbejirte
oon ©outanceS (avocat royal du bailliage de Coutances), öon bem
man an ftönig ^l^ilipp Qmö)Mt ©uta^ten über bie SKaßregeln gegen
Sonifaj *) unb über bie (Srünbung eines orientalifd^en J?önigrei$§ für
feinen jweiten ©ol^n, ^^ilipp ben Sangen^), unb au§ fpöterer 3^it
») p. 681.
•) ©ine etwa« abn>€i<3&cnbe (Stntl^eilung biefcr fd^olaftifi^n SCuffaffutigcn
Ihibet fl^ bei Odam, Compendium error, papae; Goldast, Monarchia, 11,957.
^) M^moires de Vinstitut national de France; Acad^mie des in-
Bcriptions et belies lettres, T. XVIII, p. 435 flgb.
*) Deliberatio magistri Petri de Bosco super agendis a Philippo rege
contra epistolam papae, gragment bei Dupuy, Preuves, p. 44.
^) ©cbrudt bei Baluze, Hist. pap. Av., II, 186.
i
— 144 —
eine Sittf(3^rifl an ben Äönig ju ©unfien bet 3:empler beft|t SSa^t«
f(ä^einli(^ ift et anä) SSerfa^fer bet Supplication du pueuble 4e
France au roy coutre le pape Boniface VIII. ^), unb eines no$
ungebrudten 5ffietfe§, beffen ßntftel^ung in ba§ ^atjx 1300 gefegt
werben mufe, bet Summaria brevis et compendiosa doctrina felicis
expeditionis et abbreviationis guerrarum ac litium regni Fran-
corum. ®en ^x(f)alt ber leiteten ©dörift bUben müf SBaill^S 2Kit:»
t^etlungen neue ftrategif(^e Sibeen, ber ^lan einer franjöfift^^en Uni*
öerfalmonar^ie , S3orf(3^Iäge jux ©tärlung ber ©taatSgeioalt unb ju
Sieformen im (Serid^tStoef^n , ^Ulal^nungen jum SBiberftanb gegen bie
Sluöfd^reitungen unb bie Ueberma^t ber ®ei[tlid^Ieit unb ßlagen über
bereu f(J^Ie(3^te§ 2eben. S)er SBerfajfer wiK ben Sölibat abgefci^afft, bon
bem er bel^auptet, bafe i^n ©reife eingefül^rt, benen feine Seobad^tung
ni^t f(3^tt)er gefallen fei. ,,9lIIe geloben ÄeufiJ^^eit, »enige Italien fie;
ber äpoflet erlaubte i^nen eine grau, ftatt beffen ^aben fie eine Gon»
cubine; bie 5Kinoriten ujib ^rebiger toiffen ba§ gar too^I, fie lennen
beffer al§ anbere bie maleren Suftänbe ber ©efeUfd^aft." S)uboi§ ift
naä) SEßaiH^ ein jugleidi ^)ofitiDer unb abenteuerU(3^er ©eifl unb ein
eingefleifd^ter geinb ber ^riefter, ber fi^ jeboiJö felbft al§ getreuen
©ol^n ber ^ixäjt erHärt unb feine Eingriffe gegen ben ÄleruS getoiffer»
mafeen unter ben @(%u| ber Settelorben ftellt, bie er loieberl^olt ju
3eugen feiner SlnHagen gegen ben erfteren anruft.
6§ ift mögli^, ba^ bon biefem fiaien juerft atte bie Slrgumente
auSgejpro^en worben pnb, toeli^e in ber golgejeit fo oft gegen bie
pöpftli^en 2tnfprü(3&e geltenb gemad^t mürben. 2Benigften§ ift fo öiel
jiemlid^ fi^er , bafe entmeber ber Xractat ^o^öunS bon ^aris de
potestate regia et papali, auf ben mir glei(3^ ju fpre(jöen !ommen
merben, ober bie Quaestio de potestate papae ber erfte SluSbrud,
\a bielfacä^ bie Ouelle biefer ©ebanfen finb. ®iefe beiben ©(^riften
bieten fo biel Uebereinftimmenbe§, ba^ fid^erli^ bie eine berfelben bon
ber anbern benu|t ift, o^ne bafe man jebo(ä^ auf ©runb unferer
iegigen Äenntni^ entfd^eiben !önnte, melcj^er bie ^rioritöt gebül^rt.
gn biefer ^ext unb in gran!rei$ ift anä) eine Meine ©d^rift
entftanben, meldte bur(J^ ^nl^alt mie gorm q^Uiä) bemer!en§mertl^ i%
ba fie xiaä) beiben ©eiten meit auS bem trabitioneüen ©cleife ber
Bä)\xU l^erau§tritt. 2)ie ©aii^Iage, au§ ber fie entfprungen, bie ®t>
banfen, bie auSgefprodfjen merben, ber frtfd)e f(i^neibige 3:on, in bem
•) SBei Dupuy, Preuves, 214-219.
— 145 —
ba§ gcftä^icl^t: aUt^f öerlei^t bem eigenartigen ^robuct ein fo mobetneS
Sepröge, baß wir im pd^ften ©rabe baburd^ übenofd^t »erben*
' 5)iefcr 2)iaIog jmifd^en einem Äleriler unb einem SRitter ifi unter bem
iitel: Disputatio inter militem et clericum super
potestatem prelatis ecclesie atque principibus
terrarum commissa sub forma dialogi juerji im ^al^re
1475, bann no(j^ im 15. ^a^r^unbert öfter ^) unb fpäter in ben
Sammeliüerfen bon ©d^arb De jurisdictione imperii*) unb bon
©olbdft De Monarchia ^) öeröffentlii^t. SBöl^renb bie ©(^rift in ben
ölleften SluSgaben öon 1475, 1478, 1491 unb 1497 anonym auftritt,
niäjmt fie juerft im 3a^te 1498 *) unter bem Flamen Dcfam§, ber
bann aud^ in englifd^en Ueberfe|ungen ^) unb bon ©olbaft beibel^alten
tDurbe unb biSl^er auf leinen SBiberfprud^ geftofeen ift®). ®a6 fie
augenfd^einlid^ in gran!reid^ jur Seit ^apft ^onifaj VIII. öerfafet ift,
fc^Uefet bie Slnnal^me biefe§ 5lutorS nod^ nid^t unbebingt au§, ba
C(fam§ Se^rt^ätigfeit in $ari§ immerl^in fd^on in biefer Qtxt begonnen
^aben mag unb ba eine Sleufeerung ^apft 6Iemen§' VI. bal^in au§«
gelegt merben !ann, bafe Drfam an ben t^eoretifd^en ©treitigfeiten
über Staat unb Sird^e fd^on mä^renb feine§ ^Aufenthaltes in 3?ranf«
xnä) Slntl^eil genommen l^at* greifid^ mufe fd^on bon biefer Seite ^er
bQ§ 33eben!en rege merben, ob Ddfam ju einer ^txt, ba er unb fein
CtDen nod^ nid^t mit bem ^apfte gebrod^en, mit fold&er (Sntfc^ieben^eit,
JQ 2)erb^eit gegen bie fird^Iid^en 3lnfprüd^e ^ätte auftreten fönnen,
o^ne fid& ßenfuren jujujiel^en. S)er auSgefprod^enen ©efinnung nad^
lönnte DdEam ben 3)iaIog mo^I gefd^rieben l^aben, 2Ba§ aber ent^
*) (Sin genaue^ ^crjeid&ntg biefer Slu^gabcn bei Graesse, Tresor de li^res
rares unter Orfam.
*) @. 677.
*) I, 13.
*) 3n ber Stuögabe: Paris, per Guidonem Mercatoris 1498 in 4<*.
'^) A Dialogue betwene a Rnyght and a Clerke concerninge the
Power Spiritual and temporal by William Occham, the great Philosopher,
in English and Latin. London. Th. Berthelet s. d. in 12^ ~ ibid. 1540.
in 8».
«) @o l^aben nod^ neucibing« etm. ^]^itofo^)]^le bc« üJattelotter«, II, 986;
©c6tt?ab, ©erfou, 35, 37; Friedberg, De finium inter ecclesiam et civitatem
regundorum judicio, 247; Scd&Icr, SBicUf I, 99, bie @^rift bem Odam jugc»
Wrieben. ©vcgorobiuö (®cfd^. 9ilom8, VI, 124) lägt ftc fogar üou Ocfam auf
»cfe^t Äönig W^^PP^ «verfaßt fein.
»icatcT, SOÖtberfad^cr ber $ä»)ilc. 10
— 146 -
fd^ieben gegen feine 3lutorf(|aft ^ptxäjt, ftnb ^oxm unb Son ber ®(l|ttft.
®enn feine onertannt ed^len SBerfe finb färnrntltdö ni(]^t frei bon f(!^ola»
jHfii^er ©ti^merfäDigfeit, toeber ber ÜJlön^ noä) ber ©^ulgelel^rte öermog
ft(| in i^nen böllig ju öerleugnen. Vinä) Cdam ffat wo^I eine Srörterunj
in bie fjorm eines ©ioIogS ^thxaäjt, aber ba finb e§, feinem ©ebonfen*
Ireife entft>red^enb , ein 2el&rmeijler unb ein Sd^üler, benen bo§ ®c«
fprä(]^ in ben SWunb gelegt »irb. ©erobe bie biaIogif(j^e Sorm l^at in
fpäterer 3^W wol^tfii&einliii^ aSeronloffung gegeben, bem berühmten
SSerfaffer beS Dialogus a\xä) biefeS ©efpröiJö jujumeifen. 2)afe aber;
tt)ie in ber Disputatio gefd^iel^t, ein 2aie gegenüber einem ftlerifet
olS aSertreter beS äled^teS unb ber SQBal^rl^eit l^ingefteHt »irb, ba§ borf
man bei Ddfam bo^ nid^t fu(i&en.
5)er Umftanb, bafe bie SBal^rl^eit einem Slitter in ben SRunb
gelegt wirb, baju bie franjöfifd^'nationale ©efinnung, bie fid^ unDet»
fennbar auSf<)ri^t, ber ^inweis barauf, ba^ ber SSerfaffer nid^t in
^aris lebte, unb bie öielen Slnfül^rungen au§ bem ©erid&tsteben legen
bie SSermutl^ung nal^e, bafe ^eter S)uboi§ aud^ biefc fedfe ©d^rift ber»
fa^t ^abe. ^ebenfalls laffen bie ©(^tufeworte laum einen 3tt)eifel,
ba^ man l^ier bie Bpxa6)t eines föniglid^en Beamten bernimmt,
Der Älerüer beginnt ba§ ©efpräd^ mit fflagen: mie Rotten fxäi
toä) binnen wenigen Ziagen bie ^ditn geänbert, bie ©ered^tigfeit fei
begraben, bie ®efe|e umgeflürjt, ba§ Siedet ju SSoben getreten! S)er
Siitter anltoortet ironifd^ : er fei nic^t fo tief in bie SBiffenfd^aftcn ein»
gebrungen, um fo l^od^tönenbe SQBorte ju berfiel^en. SBenn ber illerifer
eine Unterrebung mit i^m beginnen »oDe, muffe er um eine beut»
lid^ere StuSbrudtSmeife bitten. Unb ba nun ber iJleriler fortfährt über
bie traurige Sage ber Äird^e ju !tagen, bie man als reddtloS betrad^te,
über bie afleS l^erfaKe, mirft ber 3Jitter^ie gfrage l^in, toaS er benn
unter Siedet üerftel^e. — „1)ie 3)ecrete ber 35äter unb bie ©tatuten
ber römifd^en ^äpfte." — 33a^, meint ber Slitter, maS jene über
weltlid^e Slngelegenl^eiten feftfe^en, baS mag eud^ als Ked^t gelten,
für uns ift eS feines. 5liemanb fann über S)inge 2lnorbnungen treffen,
über toeld&e er fein Dominium befi^t. ©o l^at ber ßaifer nid^tS in
gfranfreidö iu fagen, ber Äönig bon gtanfreid^ nid^ts im Sieid^,
bie meltlid^en dürften nid^ts auf bem geiftlic^en, bie geiftlid^en ni(|ts
auf bem meltlid^en ©ebiete. @o ^abe id^ bor furjem ^erjlid^ lad^en
muffen, als id^ bie ßrflärung beS ^apfteS S3onifaj VIII. bema^m,
»onadö ^^ über allen ttjeltlid^en äleid^en fte^e unb barüber ftel^en muffe.
Ql^r werbet bod^ einfel^en, ju meldten täd^erlid^en Folgerungen eS nur
- 147 —
füllten fann, »cnit einer baS, tooS et fjahm möd^te, glet(iö als
9te($tgfa^ ^infteat.
9lun fül^rt ber JUeriler au3, toie na(!^ ber l^eiUgen ©(i&rift g^rijiuS
ber Äönig aflet Äönige unb ^truS unb jein^ 9la(!^f olger ß^rifti
©teUbcrtreteir feien ol^nc alle 6tnf d^ränf ung , olfo anäf im SBeltlid^en.
darauf ber Stttter : 5lein ! ©^rifti §enU<^!eit l^at erft nac!^ bem 3:obe
begonnen, auf grben ift er im ©tanbe ber 9iiebrigfeit gewefen unb
ffit biefen ©tanb , ben 6^rijluS als flerbli(!^er ffllenfd^ innehatte , ift
^etru§ fein 9la^foIger geworben. ,,9Rein 3let<^ ift niiJ^t Don biefer
SBel!", bieg ift ein fo fd^Iagenber SluSfprud^, baß er aut^ ben bärtepen
©egner ttxoex6)tn mu|. ß^rifluS ^ot ^etruS jum ^efter unb SJifd^of
gemeint, aber et ^at i^n ntc^t jum Slitter gef(i^lagen unb nid^t jum
Äönig gefrönt.
3lai)\>em ben ürd^Iici^en ?lnfprüd^n biefe ©tü|e «ntgogen woifben,
greift ber Äleriler mit ber §rage, ob benn ber Slttter baS ßrfenntniß*
re^t ber Äiriä^e über bie ©ünbe leugne, einen anbern ^un!t auf, unb
btt ber Sftitter biefeS 9led^ feineSmegS in 3lbrebe fiellt, meil man ja
fonji a\xä) SBujfe unb ®ei(3^t berwerfen muffe, fd^Uefet er: ©ünbe ift,
tt)aS auf ungere(j^tc 9lrt gef(J^ie^t; mer über ©ünbe erfennt, erfennt
alfo über ^tiji unb Unre(|t; wer aber über Äeci^t unb Unred^t ju
^ntfd^eiben l^at, mu^ boc^ über bie n)eltli(!^en Singe ju entfd^eiben
l^aben. 2luf biefen „gel&örnten ©^llogiSmuS" ermibert ber 9titter, er
bemerfe »o^l, wie i^n ber (Segner bur$ baS Sufammentoerfen ber
©egriffe bon etl^if(Jöem unb aefe|lid^m Siedet unb Unred^ (peccatum
et injustam) ju fangen fud^e. SBenn man ©trafeenräuber aufhänge
unb in anberen bergleit^en gälten l^anble eS p^ freilid^ foroo^t um
9le$tSberIe|ung als um ©ünbe; l^abe aber etwa auS bem (enteren
©runbe ber ^apft aud^ ben ffllutbann? 9?ein, baS Urt^eil über bie
ffied^tSberleJung , bie ^nwenbung beS ©efeJeS muffe bei bem ftel^en,
ber bie ©efe^e gemad^t l^at; fonft entftönben ja SBiberfprüd^e. S)ann
berwcift ber SRitter auf bie Sibelftellen , worin Unterwerfung unter
bie weltliche Obrigfeit gelehrt wirb, unb lömmt barauf gurüd, baß
man baS weltlid^e unb geiftlid^e ©ebiet genau auSeinanber^alten muffe.
„SCßic? wenn meine fjrau eine ßrbfd^aft gemad^t l^at unb id^ gel)e
nad^ ^ariS , um fie ju erl^eben ^) , fud^e id^ ba etwa baS geiftlid^e
©erid^t auf, weil i^r de colligantia matrimonii ju erlennen ^abt?
') 3)cr 53erfaffer lebte alfo nid^t in $ari8, »aS bei 2)uSoi8 jutrcffen t»ürbe.
10*
— 148 -
31I§ gtobert öon glanbern füt> feine grau auf ben %M ber 9Ritalft
l^in ba§ ^erjogtl^um SBurgunb beanfpruij^te , mu|te et ba ben ©trcit
Dor bem ^önig ober bem S3if^of führen?"
SQBät)renb bann ber iflerifer flagt, baß ber Äönig bie St\tä)e U-
raubt I)abe, greift ber 9litter baS üppige Seben ber ©eiftlid^feit an,
3taä) ber l^eiligen 8(J^rift foHten bie 2)iener be§ ^errn nur für i^ren
2eben§unterf|alt forgen, afleS übrige ßinfommen auf fromme Sffierfe
• berioenben. 2)tit Sle^t entjiel^t man je^t ber ^ixä^t i^xt S^ü^t mie
einem ungetreuen SBerwalter ba§ anDertraute ®ut. Unb ba ber Äönig
für bie aHgemetne ©iiJ^er^eit forgt, fömmt e§ ben @eiftli(!^en bodi auc^
5ugute. ®ie ^\xä)t f ann nid^t fteuerfrei fein ; bie SibelfteDen, bie man
jur ^egrünbung eine§ foli^en 3lnfpru(]^e5 ^eranjiel^t , bemeifen nxä)\%,
Unb menn man \\ä) auf bie lange genoffene grei^eit Don ©taatSob*
gaben beruft, fo foKte gerabe in C>i"P<3&t öuf biefe SSergünftigung bie
Sereitmifligfeit ju ben nötl^igen 3tt)ecfen bf§ @taate§ beijufteuern je^t
um fO' größer fein. Steuere fönigti(3^e Befreiungen unb ^ribilegien
fönnen ju 9ie(3^t aufgel^oben merben, menn e§ ba§ ©taatSmol^I erl^eif^t.
*J)arauf ber Sterifer: 35iefe Privilegien ftammen aber öon ben ßaifern
^er. 2)er 3iitter : 35a§ ift eine ffilaSp^emie, bie entmeber ber Unmiffen«
l^eit über ben Urfprung be§ franjöftfti^en ßönigrei(i^§ ober bem 9leibe über
feine ^of)eit entfpringt. granfreidi fte^t g(eid^bere(i^tigt mit bem 3lei(j^eba,
„Unb beB^alb, §err ifflerifer, jügelt euere 3unge unb erfennet an,
bafe ber ßönig (Sefe^e, ©etnol^n^eiten unb Privilegien änbern fann;
unb menn e§ i^m bei ber gegenmärtigen ©ai^Iage nöt^ig bünft für
ba§ SOPol^I feinet @taate§ fol(^e Slenberungen borjune^men, fo ergebt
tnä) gebulbig barein!"
SBenn ftd^ biefe ©d^rift meit bon ber ^erfömmlid^en Strt tt)iffen*
fd^aftlicä^e gragen ju be^anbeln entfernt, fo ift bagegen ber inl^altlii^
ebenfalls f)öi)^ bead^tenSmert^e Xractat 3o^ann§ bon ^ari§
de potestate regia et papali^) ber gorm nad^ ein ed^ter
Vertreter fd^okftifi^er ©d^ulgele^rfamfeit. Wan beginnt ab ovo, fiellt
©ö^e auf, bie man mit ©rünben ftü^t, unb gel^t i^nen mit ©egen/»
^) ©ci 2<j^arb, 142; ©otbafi, II, 108. 2)er anonyme Sractat de
potestate ecclesiae unter ben ^anbfij^riften .ber (SoCbertina, t>on bem Oubin
(Commentarius de scriptoribus ecclesiasticis, III, S83) bemerft: man glaubt,
baß il^n Sol^ann öon 3^anbun »erfaßt ffat, iji ni(^t3 anbcre«, aW obige ^Sd^rift
Sol^ann« ton ^ari3, tcic au« ben Slnfang^morten Contingit, quod vitare volen»
errorem l^ertoorgel^t.
— 149 —
jrünben ju Scibc, bie man julc^t miebct befcitigt. Die ©(i^rift foll
auf Sefc^I Äönig ^l^ilippS öcrfafet fein unb \jai, tt)ie f(]&on ermähnt,
mit ber Quaestio de potestate papali manä)^^ ©emeinfame. 3^r
Serfaffet geprte bem S)ominiIanerorbcn an, war TOagijiet ber
2:^eologie unb ^rofeffot an ber Uniöerfitöt ^aris unb a\x^ al§
<)^iIofop^ifd^er ©(i^riftfteller t^ötig. SQßegen feiner 'polemifd^en S(3^ärfe
führte er ben Beinamen Pungens asinüm; au(| unter' bem
Flamen Quidort erftä^eint er. 3"^ Saläre 1305 tourbe er wegen einer
neuen 2lnfid^t über ba§ 3lltarfacrament öor ba§ bif^öfli(i^e ©erid^t ju
^ari§ gejogen unb Don ben SSorlefungen au§gef(3^Ioffen , appeDirte an
We Kurie unb ftarb bort angeblicj^ 1306 ^).
Sei ftreitigen ©egenftänben, beginnt bie ©(i^rift, liegt bie SBal^r^^
i^eit oft in ber 9Kitte. ©o raenn bie einen bel^aupten, ba| bie ^önd^e
nid^t S3eid^t ^ören bürfen, bie anbern, bafe fie 33ei(3^t l^öfren muffen.
©0 aud^, toa§> bie ©etoalt ber t\xä)l\ä)m SSorgefe^ten betrifft. S)ie
ilöalbenfer etflärten, bie ^lad^folger ber 9lpofteI lönnten meber loelt«
li(|e ^errfii^aft üben no$ toeltlid^e ©üter befi^en ; bal^er fei bie Siixäjt
gut geroefen bi§ jur ßonftantinifd^en ©d^enfung, bann aber ausgeartet.
€ntgegengefe|t mar ber Srrt^um be§ ^erobe§, ber, aU er öon ber
©eburt g^rifti prte, glaubte, ein meltlid^er Äönig fei geboren morben.
3n äl^nlid^er SQßeife beanfpru(3^en nun einige 5Koberne, bafe ber ^apft,
infofern er ©tellDertreter ß^rlfti fei , auf ßrben anä) bie meltlidie
C)errfci^aft über bie ©üter ber gürften unb 93arone unb bie Kognition
ober 3uri§biction befi^e. "Ser ^apft, meinen fie, l^abe ba§ Dbereigen=
tl)um, bie gürften feien nur SSermalter. 3)agegen fd^idft ber SJerfaffer
8lei(ä^ feine Slnftc^t borauS: ben Äird^enfürften miberftrebe e§ jmar
ni(|t meltli(!öe§ ßigent^um unb meltlid^e ^errfd^aft ju l^aben; aber
^crrf(ä^aft unb ©üter fämen il^nen ni(^t auf ©runb i^re§ ©tanbe§,
auf ©runb il^rer ©teflüertretung ß^rifti unb ber apoftoIifiJ^en yiaä)^
folge JU, fonbern lebiglii^ auf ©runb ber ©d^enfungen t)on dürften
unb anberen ^erfonen ober . ä^nlid^er 9ie(3^t§titel.
3la6) biefem SBorroorte gel^t 3oI)ann auf S9egriff unb ßntftel^ung
be§ regnum unb sacerdotium über. 3!)a§ erftere mirb befinirt aU
regimen multitudinis perfectae ad commune bonum ordinatum
*) Excerpta e memoriali historiarum Johannis a St. Victore 6ei Bouquet,
Recueil, XXI, 645; f. auc^ Du Boulay, Hist. universitatis Paris. IV, 69,
067. Uebcr feine ©tcttung aX9 SogÜer: ^rantl, ©efc^ic^tc ber Sogtl im ^Ibenb«
lüttbe. Iir, 200.
— 150 —
ab uno icB,p. l\ boS jtoeite aH ßi»ritualis potestas ecdesiae
a Christo collata ad dispensandiun fidelibud sacramenta (cap. 2)#
2)te tDeltl^e f)ertf(i^aft l^abe lanQt t)ot bm ^rkfletti^me defkoaben,
biefe§ aUx fei an SBätbe überlegen (ea|>« 4). SBo« bie ^bflufsn«
biefer ®maltm im Snrtern betrifft, fagt SoJ^tw, fo muft im SAmjlt
ber jtir^e eine ^ierärd^ie befleißen, unter ben ^tftett bdgjegen ift e§
niii^t Vtöt^ig, bog einet ber f^üj^t fei ^e geifUi^e ^errfd^ft fann
nämli(]^ über bie ganje äBelt geübt k^erben, toeil fie ft$ %^ WüxUi
bebient, baS leidet überaQl^in bringt. ni(|t fo aber bie meltli^ ^en^
f(^aft, ba fie ber ^anb bebarf (quam Sit manoalis). (S§ ift Ieid|tet
ba§ Sßort tonii)m mirlen }u laffen alf bie igaitb. ©d^on %ugnftin
fagt im 4. $ud^e feinet ®otteSfiaate§ , ber Staat merbe beffet unb
friebli(!^er regiert, »enn feine ^errfd^aft mit ben ®renjen bei eigenen
3SaterIanbeS enbige. 9lad^ ben grellen lörperlid^en ^Ibweid^nngen ber
3Sltti]i)m, naä) ben äSerf^iebenl^eiten beS ^ßma§, ber ®egenb unb
aOer SebenSbebingungen ftreben fie audf naturgemäß in Derf^iebenen
®emeinf(|aften unb unter Derfd^iebenen ®ebietem $u leben (cap. 3).
— ©leid^ ^ier fpri(^t fid& alfo ber SBibermiKe beS gronjofen gegen
baS centralifirenbe 93anb beS 3ttti>€rium§ ott§.
2)ann mirb bal Ser^ältnig be0 $a)9fl[e§ ju ben jtitd^« unb
fiaiengütem unterfud^t. Ueber bie erfteren, l^eifet e§, ift ber $a|)^ nid^t
unumf dö^önfter ^err , f onbern nur SSerwalter an ©teile ber ^rd^e
(cap. 6). (Gegenüber ben Saiengütem aber f)at er natürtid^ no^
weniger JRed^t, nid^t einmal ba§ eine! aSerwalterl. So wenig wie
ber meltlid^e gfürft befi^t ber ?ßapft ein ©igentl^umS« ober SBer*
fügung^red^t an ben ©ütern ber einjelnen* ^lur wenn eö nötl^ig \%
lann ber ^a<)ft jum Sicflen ber Äird^e ^t^nUn ober anbere Abgaben
forbern ober lann j. ^. bie Slngeprigen einer ^arrei ju ben ftojlen
ber ©eelforge l^eranjiel^en (cap. 7).
9ludö eine 3uri§biction über bie @üter ber Saien bep^t ber ^a^^
nid^t; benn aud^ ßl^riftuS i^at leine gehabt. S)ie ßinwönbe, bie ba*
gegen erhoben werben , ftnb jurüdEjuweifen. S33enn man j. S., um
ß^riftuS aU ^erm aOer weltli^en ®üter na^juweifen, an bie ©d^weine
erinnert, in wefd^e er bie Seufel j^abe f al^ren laflfen, fo man muß bagegen
bemerfen, bafe e§ öieDeid^t wilbe ©d^weine waren, weld^e feinen ^rm
Ratten , „ober wenn biefe nid^t ber fjaü war , fo f am bod^ bon ben
©d^weinen ben SJlenfd^en nid&t§ jU gute, ba bie Suben lein ©d^weine»
fleifd^ afeen." (Cap. 8, 9.)
— 151 —
S^ttjtuio ffai bem ^etruS nid^t alle &malt äbertragen, toeld^e et
a(^ Wenf(J^ l^atte (gefd^tDeige bie gUtlid^e). 3lm feine getfllt(]^e Wad^t
l^at er bem ^ttug berma^t, bk melilid^e ober Ibtpttlidjt bem ftotfet
jBoQte man le^tered bejlteiteti/ fo märe \a ni^t ju erllären, tote
©onftanttn ber Äir(^e baS ^t\ä) Stolien unb bie ganje »eltlit^e 3uri§«
biction gefd^It unb bie ji'it^e bieg mtgenommen l^aben foD; mürbe
man eine bem Zapfte tmn boml^eretn unb bon Sieij^tstoegen }uIommenbe
meltlid^e iperrfii^aft annel|men, \o müre bie @(^enlung 6onfiantin§
ja nur eine SÄüdgabe gemefen. (®aj). 10.) ^u(^ Jene Seigre i[t irrig,
toel^e foU^en ©^ierigfeiten entgelten ju tonnen glaubt, menn jte
annimmt, ber ^apft l^be bie toeltUd^e ®emalt nur unmittelbar unb
na(j^ erjter Autorität, möl^renb er bie %u§äbung ben fjfärjten übertrage.
@ine \oläit Unterf^jeibung füi^rt }u nt^tS, benn bem, ber bie ^oten^
i^ai, fte^t immer auä) ber ^ctu§ ju. (6ap. 11.)
©omol^l ^a})ft als ftaifer — fagt S^l^ann, nati^bem er t)erf(!^iebene
@rünbe für bie ig^^rrfcj^aft beS ^pftei» miberlegt ^at ((Sap. 12, 13)
— bef%n eine öllgemeine 3uri8biction , jener bie geifHi(]^e, biefer bie
toeltliii^e. 9lur wenn ber Äaifer im ©eifHi^en fel^It, fo im (Slauben,
in ber 6^e , fann i^n ber ^apft mal^uen unb , menn er fi^ nid^t
fieffert, aud^ ejcommuniciren. SBenn aber ein ^errfd^er auf ti)eltli(i^m
@e6iete fe^it, beffen G^ognition nid^t ber Aird^e }ufte^t, bann l^at nid^t
ber ^apjt il^n barüber ju 9ied^enf<$aft }u jie^en, fonbem bie Sarone
unb ^air§ bed 9leid^e3; 9lur wenn biefetben biefeS 9led^t nid^t felbjt
üben moQen, tonnen fie bie f)ilfe ber j^ird^e anrufen. 9(el^nUd^, menn
ber ^apft im SBeltlid^en fel^It, }. 8. menn er SBud^er treibt, überl^aupt
menn er irgenb etmaS begel^t, toa^ burd^ bie tneltüd^en ®efe^e ber«
boten ift, bann l^ätte ber ^tfer, menn eS einen göbe, ba§ 9ied^t il^n
}u mal^nen unb }u ftrafen; benn bem ^Regenten fle^t eS }u, gegen
oHe Uebeltl^äter einjufd^reiten. ©o »urbe Konjiantin H. bon ben
Surften abgefegt, Sol^ann XII. bom »ffaifer unb ÄleruS unb nod^ bei
feinen Sebjeiten folgte bem le^teren 2eo. (ßap. 14.)
2)a§ ©leid^nife bon ©onne unb 9Jlonb barf nur bal&tn berfianben
werben, bafe ber Sür|t bon ^apji unb Äird^e bie grleud^tung unb
Sele^rung über ben (Slauben befljt ebenfo mie ber 9Jlonb baS Sid&t
öon ber ©onne; bagegen ^at er eine befonbere unb unterfd^iebene
©etoalt, meldte er nid^t bom Rupfte fonbem bon ®ott unmittelbar
übertömmt. ©er ^apfi 3ad^ariaS ^ot ben fiönig göUberid^ ber grauten
teineSmegS abgefegt, fonbem nur feine 3upi^"^ung baju gegeben
„unb überhaupt barf man nid^t feine Argumente au§ fofd^en einjelnen
— 152 —
JBorlommniffen nel^men, totl6)t jutoeilen au§ ß^rfurti^t bor her R\xS)i
ober einer ^erjon, au§ befonberer ®unjl ober bergleii^en unb n^t
in Erfüllung einer 9le(]^t§ppi(]^t gef^al^en/' 2tn mel^reren Seifpielcn
tt)irb no(i^gett)iefen , roo^in man mit einem fold&en Serfal^ren fomme,
(6ap. 15.)
SBenn ferner ber JJaifer Ctto bem ^opfte einen 6ib gef^tooten
ijat, fo bejog \\äj berfelbe nur auf baS fiönigreiti^ 3*0^^^' ^fl^ ^ öo"
il^m ober ber ffirti^e ju Selben genommen ?luf jene Sänber, totläjt
nid^t jum Imperium gehören, !ann biefer gib leine SBirlung äufeern.
SBeifl man barauf ^in, bafe ber ^apft ben Äaifer abfegen lann, fo ift
}u ermibern: aDerbingS, aber nur einen, ben er felbji eingefe|t l^at
ber Don i^m belel^nt morben ift, unb nur au§ einem rationellen
©runbe. 2Benn e§ l^eifet, ber ^apft l^abe ba§ Smperium übertragen,
fo mufe man ba§ ba^in mobificiren, bafe ßonftantin ber ßird^e nie
einf a^ ba§ Imperium übertragen , fonbem il^r nur bie ©tabt unb
gett)iffe mejiliti^e ^roöinjen gegeben l^abe. 3Ba§ ba§ Äaifcrtl^um betrifft,
fo übertrug ber ^apjl nic^t bie Satire fonbem nur ben Jitel. Äu$
gefi^al^ ba§ ni(]^t burti^ ben ^apft allein, fonbern unter 5lcdamation
unb 9)Jittt)irtung be§ 95oIfe§, ba§ fi(]^ obne ^röjubij für einen anbem
untermerfen fann, wem e3 loiH. ®er SSorgang toar ba§ grgebnip
einer not^toenbigen ©ad^Iage; bie 9J5mer fonnten 'bnxä) feinen anbem
aU ffarl b. ®r. gegen bie Ungläubigen gefiS^irmt werben; tt)a§ fte
aber traten , l^aben fie ju 9te(]^t getl^an ; benn ba§ 33oII mad^t ben
Äönig unb ba§ §eer ben ffaifer. flurj, e§ gef(!^a]^ burtä^ befonberen
giat^fc^Iu^ ®otte§ jum B^u^t ber Äirc^e. ®aS 3:^atfä(3öli(]^c über
bicfen ^untt finbet man im Su(3^e de Cosmographia ^ / im fünften
SBuc^c ber ß^ronif be§ Hugo Floriacensis unb in ber ß^ronif
@igebert§ (öon ©emblouj^). (6ap. 16.)
') 2Öal^rfd?einti^ ifl bie no^ tingebrudte Descriptio miindi beö Giraldus
Cambrensis (f 1223) flemcint; i)ergt. 2)öt(inger, $a^)flf abcin. 101.
*) Slußerbem finb atö Ouetten citirt: ^riftolcte«, (gt^if, ^Joütil; *tato,
2;imSu«; bie l^t. 2>(ifxi\t; bie naml^afteften Äirc^ienüäter, bejonberS Sluguftin de
civitate Dei; ba9 corpus juris civilis unb canonici; ^ernl^arb de consi-
deratione ; ^ugo ; SRiti^arbu« ; ^iigo üon @t. S3ictcr de sacramentis ; @offrebu0 ;
ber für un^ t)crIorene ©efd^icfttfci^rciber Soljanne« ton (Sremona (f. cap. 20 unb
21); CM^ 2;^onia9 t>on ^qutno, de regimine principum , ifl benutzt, ol^ne
jlebo(!^ genannt ju merben. ®9 fc^etnt überl^au:|}t bamald }temlid^ allgemeine
©ettol^nl^it ge»efen ju fein, bag man tebenbe ober erft in jüngfler 3eit »erflorbene
©d^riftfletter nid^t namentUci^ cittrte.
— 153 —
6S lüütbc ju toeit führen ben SBibcrlegungcn bct ©rütibe,
mliit für eine weltliti^e Obetl^ol^eit beS ^apjitl^umeS geltenb ^tmaä)t
toutben, im einjelnen ju folgen. SBix lieben nut no(]^ jtoei l^öc^ft be»
tnerlen^mett^c Stellen l^erbor : SBenn man f agt, baS ftörpetlid^e »erbe
t)ur^ baS ©eijiige bel^errfd^t unb l^ange bon biefem ab al§ feinem
^runbe, fo iji ba§ in mel^rfati^er Sejiel^ung ein ^ä)toa^t^ Strgument,
Dor ollem f(]^on befel^aft, toeil man bamit borauSfeJt, bafe bie fönig-
liii^e @malt förperlid^ nnb gar nid^t geiftig fei unb nur für ba^
ÜKaterieDe, nid^t a\xä) für ba§ ©eijiige ju forgen l^abe, »äl^renb fie
tioä) für baS allgemeine SBol^Ibefinben ber Bürger eingefejt ift. (Kap.
18.) fSfemer: SBaS man öon ben jwei ©d^mertem fagt, ift nur ein
aUegorifci^eS ßitat, mit bem lein ©emeiS gefül^rt werben !ann.
{6ap. 19.)
3o]^ann fömmt bann nod^mal auf bie Sd^enfung ßonftantinS ju
fpred^en unb benü^t biefe ©elegenl^eit, um mit @ifer bie Unabhängig«
feit gfran!rei(!ö§ Dom römifd^en Steid^e ju berfed^ten. 3Hag e§ fid^ mit
bcr ©d^enfung 6onftantin§ berl^alten tt)ie e3 motte, jeb'enfatts, meint
et, beioeift fie nid^t§ für eine 3lb^ängigleit gran!reid^§ bom päpftlid^en
©tu^I, ba granfreic^ burc^auS nid^t§ mit bem Imperium ju fd^affen
i)at SBenn eS einftial unter i^m fianb, fo ift bod^ fd^on lange 9Ser«
JQ^rung eingetreten ^j. 2Benn bie Siömer bie ©ried^en au§ bem Qm=
perium berbrängcn burften, marum foHen nid^t aud& anbere TOenfd^en
ba§ ffaifert^um ber 9tihner abfd^ütteln, 5umal menn fie fid^ bemfelben
bereinft nid^t freimiflig unterworfen l^aben. SGßaS bie 9tömer burd&
©ctoalt errungen, lann i^nen aud^ mit ©emalt mieber genommen
rocrben. Unb menn man fagt: e§ mar ®otte§ SRatl^f d^lufe , bafe ba§
Smperium ber. anbern erlofd^ unb ba§ römifd^e erftarfte, nun fo lann
e§ aud^ jejt ®otte» SRatl^fd^Iu^ fein, ba^ bie bem römifd^en 3leid^
untertoorfenen SBölter fid^ mieber oon bemfelben loSfagen. (6ap. 22.)
"Hau) biefer Sbfd^meifung red^tfertigt Sol^ann, bafe man fold^e fragen,
toic er fie ^ier auftoerfe, jur S)i§cuffion bringe (6ap. 23), unb meift
jum ©d^Iuffe nad^, bafe ber ^apft feine 2öürbe nieberlegen, ja fogar
abgefegt werben lönne*). (gap. 24.)
*) 3tt86cfonberc biefc ©tcttcn erinnern fcl^r an bie äl^nlid^e, bod^ eingel^cnbcrc
8u8fil5ning über bie SSerjäl^rung ber ©jcmtion grantrcid^g bom Sleici^e in bcr
Quaestio bei S)u^u)^, <S. 675.
') 3lu(ä^ bcr bei ®otba|l I, 25 öcröffcntlid^te Tractatus de aetatibus
ecclesiae (üietteiiä^t nur ©rue^flücf) erl^cbt ben 9luf: 2öo |lttb iene, tDtX6^ fagen,
— 154 —
3Jlan tann niäjt }toeifeIn, ba^ SSarßgUo, 3<^nbun imb Odarxir
bie im }kDeUen, DieQet^ au(]^ \(S)on im etften 2)eienn.iiun bed biet»
jel^ttten ^iol^r^unbertd an ber ^arifet Unibetfität leierten, Don biefen
frani5ftf4en @tteitf$riften jtenntnig getDonnen l^aben unb buri| fie
beeinfluß morben finb. SBenn fie jt^ in il^ten Serien nie auSbt&d»
U(ä^ auf biefelben berufen, fo folgen fie nur einer Sitte ber S^it ^
aik ^gumente aber, bie Don ü^nen gegen bie »eltli^e Ober^o^eit ber
$ä))fte geltenb gemad^t toerben, finben fi^ f^on bei ben ^njofen« SSki^
aber biefe bon ben Sla^folgern unterf(]^eibet, iji, bafe fi^ il^re O^
fitton noi) ftreng in ben @$ranlen einer %bn^l^r ber feinbli^en
Uebergriffe ^ält unb ba| fie eS üermeiben ben pü^Ii^en ^nfprü^en
ein neues felbftänbigeS ©Aftern gegenüber^uftellen.
t>a6 em ^apft mij^t refignlren fSnne? ^ t^eitt bie @eWt*tc ber Ätrd^ mtif
ben ^ier SebenSoXtem, flel^ fie ic^t im ^eiftnalter angelangt unb loenbet fidft
gegen bie Ueberl^ebnngen unb (Srpreffungen ber $ä^fie, auf «oelii^ er mit ^ot«
liebe bie äBorte bed % ^entl^rb aud ber @4rift de consideratione onmenbet
unb toon benen er gleid^ Sol^ann bon Sintertl^ur fagt: fte feieren il^re <^4afe
ni^t, fonbem ft^inben fie. ^uU ber (Sk\äfiditt wirb na^getoiefen, baß bie Äaifer
VW^ einfefeen amb bag btt ^^t reflgntren fönnen. Wlan \ft m Serlegenl^r
totiä^x 3eit man bie ©il^rift ^m&eifeit fofi. IBenn ah>Q)a# r^e 1350 fe^t, feiit
Srennb {ie bem Sonagratia ^uft^reibt (Dissertatia de auctoribus), fo ^ bie&
völlig ^u9 ber Suft gegriffene älnnd^en. 2)ie ©(^lugkoorte: bie S^^e ift getl^i^
unb jerrifien, nötl^igen feineßwcgg fie in bie Seit be« großen (Scj^ftSma ju fefeen,
ba fie fidj auci^ auf bie »orl^ bef^ro^ene ©(i^eibung ber orientaKfc^fen tircje
bejiel^n fönntn. 2)em »«er^el^nten Sal^rl^nbert muß bie ©d^rift angeijören, warn
anber« be9 3ffvricu9 ^fHmmung bed mtx9 ber ^anbf^rift (nngefä^r 200
Sal^e) ni((t ganj terfel^U ift.
§.9.
ml (gfigettrrt ton ^kmiiMt« ^miteS SRnKar^t. 2)ie
de translatioBe imperii.
Um an bte ®ef(|i(i^tdtennintffe be§ 3RttteIdterS ben rid^igen
^agftab }u legen, mug man jt^ erinnern, bag bte Sd^mierigtetten,
mit benen in biefet (S))o<|e iebe geifiige Silbrnig )u fämt)fen l^atte,
auf bem ©ebiete beS -l^iftorifi^en äBiffeng in erl^öl^tem ®rabe il^te
S3it!ung äußerten. SGßie fel^r toat eiS butd^ bte mangelhaften ^yllfS»
mittel beS materiellen mie geifiigen SSerfel^rS fd^on erf^mert {eitgenöf«
ftf^e @ef$id^te ju fd^eiben! 2:roj^m l^aben bie fräl^eren ^afft"
^unberte beS 3RitteIaIter§ auf biefem (Gebiete tmmerl^in manci^e ^5d^fir
anerfennenStoertl^ Sriftungen auf}umeifen; erfi feit bem breijel^nten
griff ber SSerfaE um fi^ ^anbelte ed fid^ aber um bie Srforfd^ung
ber SSergangenl^eit , fo legten bie äußeren ted^nif(|en SBerl^ttltniffe rwäf
toeit größere ^inberniffe in ben SSkg. Wx ber ®d^n)terig!eit ber Ser«
t)ielf<igung unb Verbreitung ber OueOenfd^riften mugte jeber SSerfud^
{^eitern gebiegene unb umfaffenbe ©efd^id^tstenntniffe }u ermerben*
S)enn fo lange e§ nid^t mögliij^ mar über gef(!^i(^tlid^e ^inge Der»
f^iebene, Don einanber unabl^ängige 9lad^rid^ten in mögli^^fter SSoüfiänbig«
!eit JH fammeln unb ju Derglei(!(|en, tonnte teine ed^te jlritil auftommen
unb fo lange man gejmungen mar ba§ }ufänig Dorliegenbe Material
auf guten (Slauben l^ingune^men, mu^te bie %nf(!(|auung ber SSergangen»
l^eit ftets eine getrübte fein. %\xäf i)\n »ie auf fo Dielen ©ebieten
©ar es nötl^ig, bafe ber moterieüe Sortf(]&ritt bem geiftigen Doranging,
S)ie 3Ä5glid^Ieit l^ifiorif^ier gorfd^ung ift eine ber foftbarfien grüd^te
ber @rfinbung @utenberg§, bie SSermertl^ung ber Srfinbung naii^
— 156 —
bicfcr ©citc l^in einer ber bebeutfamften ©c^ritte in ber ßnttoicfelung
ber SKenfd^l^eit. 3m' SHtert^um unb Mittelalter reid^te bie ßlarl^eit
beS geiftigen ®epci&ts!reife§ faum über ein paar ©enerationen 5urü(f.
SBa§ barüber l^inauSlag, mar in einen trüben S)unft öon ©agen unb
fjfabeleien gepUt, ber gerabe bie bebeutfaraften SBenbepunIte ber l^ijto*
rifd^en (Sntttjidfelung auf ba§ gröblijä^fte entftellte.
3)enn mit ber ©ti^roierigfeit 5U grünbli(!6en ®ef(i^i(i^t§fenntni|fen
ju gelangen ging bie 8eici^tig!eit bie ©efd^id^te ju fälfd^en §anb in
§anb. Unb ba bie SBeltanfci^auung eine öorjugStneife tl^eologifd^e mar,
bie ©Übung f aft nur in ben Rauben De§ 6Ieru§ lag unb bie ©d^ulen
beS lanonif^en 9le(]^t§ bie einjigen ©tätten, bie pöpftlid^en ©ecretafen
unb i^re ©loffen bie einjigen Ouellen roaren, au§ benen @t\(i)\ä)it
geleiert mürbe*), fo brandet man nid^t ju fragen, bon meld^er Seil»
benj bie Sälf^ungen Dornel^mlid^ bel^errfdbt mürben. ©0 l^aben awäj
ouf eine in ben l^iftorifd^en Stl^affad^en nid^t begrünbete, fd^iefe 3luf=
faffung be§ römifd^»beut|d^en flaijertöumeS l^auptföd^Iid^ folc^e gabeln
eingemir!t, meldte bered^net maren ©tellung unb SRed^te beS ffaiferS
unb SReid^S auf Soften ber päpftlid^en unb fird^lid^en ^erabjufe^en.
3^i"ä4P flölt in Sejug auf ba§ römifd^'beutfd^e SReid^ al§ oberfter
©runbfa^, bafe baSfelbe ni^t§ anbere§ fei aU bie fjortfe^ung be§ alt«
römifd^en Imperiums. 3Iud^ biefe 9lnf(^auung l^atte eine t^eologijd^e
SBurjel, benn fie fanb t^ren legten ®runb in ber Don ben Stird^en»
bätern Drigene§ unb ^ieron^muS gegebenen 9lu§Iegung ber 3Sifion
95aniel§ , monad^ untef bem legten ber öier Dorbilblid^en S^^iere ba§
römifd^e a{§ Ie§te§ SBeltreid^ ju Derftel^en fei. S)a alfo nad^ biefem
lein aiaum mar für ein meitere§^), fo lonnte'man ba§ Äaiferreid^
^xU b. ®r. unb feiner 9lad&foIger f^Ied^terbing§ nur alö gortfe^ung
be§ aiömerreid^eS gelten Iaf[en. 3n il^reri" SBirfungen biente jebod^
biefe giction Dielmel&r ben faiferlii^en al§ ben päpfllic^en Slnfprüd^en,
ba man in§befonbere feit bem SBieberaufleben ber ©tubien be§ römi»
*) Wlan tiJirb faum irre gelten, »cnn man in ber größeren grequcnj
biefer @4ulen einen ber toornel^mPen ®rimbc fucä^t, bie feit SRitte bc8 13.
Sal^rl^unbcrt« ben unbertennbarcn Sßerfatt bc8 ^iftorifd^cn ©inne§ bcJüirften.
*) 2)ic Äirc^^entäter Sactantiu«, ^ieron^muS unb C[l^rvfoftomu8 l^abcn bieg
au8brüdli(i^ erttärt. €>. 2)8ttin9cr, (S^riftentl^um unb Äir*c in ber 3eit ber
(Srunbrcgung , ®. 426. 3n unfcrcr ^criobe f^ric^t u. a. 2^rionfo (Summa de
potestate ecciesiae, quaestio 42, arf. 1.) ben Glauben au9, baß bad römifd^e
^atfertl^um bt9 )um @nbe ber Seit bauern iverbe.
- 157 -
fc^cn 9le(j^tc§ in Italien bon i^r ausging, um bic Sefugnijfc bet
olttömifd^cn Smperatoren bcn Äoifern jUjutDcifcn.
2Bic ift cS aber gcfommcn, bafe in bicfem Sn^P^tium bic S)cutfd^en an
©teile bet 9lömer getreten jtnb ? — 3« ben 3lnttDorten, bie l^tetauf Don
ÜKa^t^abern, ^u^ift^n unb ©efd^lti^tfd^reibetn gegeben würben, l^attcn
^ä) t)ün jel^er bie ©efinnungen ber öerfd^iebenen Parteien gefpiegelt;
im Saufe be§ 13. Sal^r^unbertS aber getoann bie bünbige Slntroort
^Gpft 3nnocenj' m. ben SBorrang unb in unferer ^eriobe erfreute fie
\\ä) bereits na^eju ftaat§red^tli(i^er ©eltung. ©ic lautete, bafe baS
ßaifert^um bur(^ bie köpfte bon ben @rie(]^en auf bie ^eutf(]^en
übertragen »orben fei ^). 2)arau§ »ar e§ benn bequem bie golgerung
ju jiel^en, bafe ba§ flaifertl^um bem ^apfte in gemiffem ©inne unter«
toorfen fein muffe, ^nnocenj in. leitete au§ biefer angeblichen SE^at«
\a6jt alle S3efugniffe ^cr, »el^e er in SSejug auf ba§ Sfteid^, auf bie
beutfd^e ßöniggma^I unb auf ba§ jlaiiertl^um in ^nfpru(i^ na^m.
Sonifaj VIII. folgerte barauS ba§ Siedet 2:u§cien für bie ff ird^e jurücfju»
forbem^). 6Iemen§ V. unb Sodann XXII. ^aben bie Translation
in i^rem ^ntereffe betont^) unb bie Äöijige Siubolf unb Mlbred^t
l^aben bie pöpftltd^e 9luffaffung gelten laffen *). 2luS biefer SegriffS»
ücrtoirrung l^at erft bie ^iftorifd^e Äritif ber neueren 3^^* wieber bie
unbefireitbare %^ai\aä)e gelöft, baß baS SSer^öltnife ber beiben ®t-
loalten im S^^re 800, jur 3^** biefeS folgen fd^merften Änotenpun!teS
ber ©eid^id^te nalö^ju baS ©egent^eit bon bem mar, maS bie fird^Iid^e
9luffaffung beS jpäteren SKittelalterS barauS gemad^t l^at. 2)er be==
jeid^nenbjie 9tuSbrudE bafür liegt in bem Umftanbe, bafe ber ^apft
fiarl bem ©ropen fogar bie bon ben alten Äaifern beanfprud^tc 9lboration,
b. i. fußfäßige SSerel^rung ermieS^). SGBie berfd^ieben bom 13. unb
14. 3io^t^unbert l^atten bie 3^it9^ttoff^i^ baS flaifert^um ffarls auf»
») @. bic crt((^8^)fcnb gtüiibtici^e ^Ibl^anWung ©öttinger« : Äart« Äatfcrfrönung
in ber $ijloru>flTa^)l^ie unb ^i^ubliciftif be« SOnttcIaUcrS in: Xa9 Äaifertljum
Äarle b. @r. (3nün(tncr ]^iflorif*c8 Sa^rbud^ t>. 1SH5, e. 384 flßb.)
^) SSergt. gtdcr, gorfd^ungcn jjur SReit^iS' unb 9?eci^t«geWi(^te 3taUenö. IT, 462.
«) %U legten 9lcc^t«grnnb für feine 2lnf^)rfi(^e l^at jeboc^ Sodann XXIL
nitftt bie Translation, fonbcrn fletS feine plenitudo potestatis als Statthalter
e^rijti aufgefill^rt.
*) ^äl^ereS bei 2)8mnger a. a. O. 397 flgb.
**) 2)8ttingcr a. a.£). 364 l^at nadtgemiefen, baß baS »dorare ni^t anberS
in wrilel^n fei.
i
_ 158 ~
gefaxt ! 9Üä naä^ Scrftänbtgung beS frä:nRf(iöm unb römif $en Abels
unb j¥letu§ bem t$ftan!etifönige bie ftatferttone übertragen tourbe, mxl
nur er unb fein jug^nbträftigeS fßM [vi^ ber Aufgabe gemad^fen geigten
bie ©l^riftenl^eit gegen bie Ungläubigen ju f^irraen, liegte man n>eber
ben ©ebanlen, bafe bomit eine Uebertragung beS römif(^en ftaifer--
ll^umS öön ben Oried^en auf bie granfen gefd^e^en foHte, no(^ legie
man ber päpfHi(]^en Ärönung bie Sebeutung bei, weld^e f|)ütere Seiten
baran gefnüpft j^aben» „SBa§ ber ^pft l^iebei tl^at, »ar bie 6t»
t^eilung ber religiöfen SQßeii^e hnxä) ftrönung unb Salbung^)."
6tnc britte fjabel, roelcj^e fort unb fort il^re SQSirfungen äußerte,
toar bie ©cfd^iri^te öon ber ß^onfiantinif d^n ©d^enlung *). ®er if atfet
^ionftantin follte nad^ feiner Xaufe bem ^pjic ©^iDefter au§ S)attt'
fiarleit für bie Don fi^m beioirfte igeilung bie iperrfd^ft über Sftom,
Stauen unb (nad^ einer 8e§art) ben ganjen Dcdbent, aud^ grtoiffe
fird^lid^e unb fiaatlid^c ^täftt gefd^enft unb bem römifd^en ÄIeru§
eine äiei^e öon ©^renöorjügen ertl^cilt l^aben. SDiefe jmifd^cn 750
unb 774 bon einem r5mifd^en Älerifer ausgegangene, l^auptfäd^Iid^
burd^ ^feubo ' 3ifibor Verbreitete ßrfinbung toar fo abfurb, ba^ ftc
f aum in einer ^eriobe o^ne SBiberfprud^ geblieben ift , feit bem @nt)c
bcS 12. Söl^tl^unbertS aber, ba fie, freilid^ nur al§ ^alea in baS
beeret ^lufnal^me unb l^iemit burd^ äße ©deuten be§ lanonifd^en
lRed^te§ aSerbreitung gefunben l^atte, mar i^r Slnfel^en toieber im
©teigen begriffen unb il^re StuSlegung eine immer tü^nere geworben.
SEoIomeo bon Succa, ber neben 9Kartin öon SEroppau bie gefd^id^tlid^e
Sluffaffung unferer ^eriobe am meiften be^errfd^t ^at, beutet fie gerabeju
Ate 9lbbanlung 6onftantin§ ju ©unften be§ ^apfte§.
(Sine öierte gobel, meldte mieberum burd^ bie für bie l^iftorifd^c
?tnfd^auung fo Deri^ängnifeöoIIe 5)ecretale Venerabüem beS ^apjteS
3nnocenj in. in Umlauf gebrad^t würbe*), befugte, bajs ben beut«
fd^en Jlurfürften i^r SBa^lred^t öon ber ßurie ertl^eilt worben fei.
Äurj üor unferer ^eriobe l&at biefe (Srfinbung burd& Xolomeo öon
Succa bie beftimmtere gorm erl^alten, bafe ^apft ©regor V. ba§
ÄurfürftencoHegium eingefe^t l^obe.
^) ©öHinaer a. a. O. 36u.
*) @. barüber bie auggcjcid^nete Unterfud^üng in 2)8tttnger« ^a^jifabeln,
iS. 61 Pgb.
') ^(i^irrmac^ct, 2)ic (Sntflel^ung beö Äurfttrftcncottc.qiume, ©. 1 Pgb
— 159 -
®Ici^ in ber erften l^iflorifd^=poUtif(i^en ©(i^rift, wtläft bon ben
^utfd^n in bieftr ^eriobc ausgegangen ift, in bem SSu^e be§ flano=
iti!et§ 3otban bon, DSnabrüdt übet ba§ römifi^e Steid^
tDttb ein frrilid^ nur f()^n3ä^Ii(i^et SSetfud^ gemad^t ber "Rxäß^tn 9ln*
jd^auung entgegenjutreten. S)ie bem ßarbinal Safob Don ßolonua
gctoibmcte, bornel^mlid^ ftiftorifciö gel^altene Slbl^anblung ift nod^ jur
3eit ßönig 9iubotfg, bieöeid^t um 1285, gef(]^rieben unb l^t bie un»
t)er!ennbare Senbens, ba§ Slnfe^en unb bie Siedete beS tömifd^en
Königs beim ^Jöpftlid^en Stul^I in Erinnerung ju bringen. ®ie Ueber«
iragung be§ Äaifert^umeS auf Äorl b. ®r. unb bie ^eutfd^en erjöl^lt
3orban freiRd^ in ber burd^ bie fpöteren ©efd^id^ScfueÜen öorgejeid^neten,
ben fird^Ii(5en 3lnfprüd^en günjKgen SQBeife. SInfiatt febod^ bie bon
pöppiid^er ©eite baran gefnüpften golg^i^w^fl^n i^ iiei&en, fud^t ber
t)cutfd^e 5)om^err nationale ©efid^tspunftc geltenb ju mad^en, inbem
er betont, ba^ bie S)eutfd|en, bie bei i^m bon ben Trojanern abge=
leitet metben, bon ber SSorfel^ung für ba§ Qi^^perium beftintmt toaren,
unb inbem er bon einer SJerwanbtfd^aft SiaxU be§ (Sro^en mit beitt
gried^ifd^en Äaiferl&aufe fabelt, ^uä) bie ©rünbung be§ ffurfürften«'
<Dflegium§ fül^rt er gerabe im ®egenfa|e jur päpftlid^cn Sluffajfung
auf ffarl b. @r. jurüdf. 3"^ SSefd^mid^tigung nadJ^barlid^er 6iferjudE|t
fieflt er ben eigentl^ümlid^en ©a| auf: menn bie 3)eutfd|en ba§ 3in»
pcrium , fo befi|en baför bie SRömer baS ©acerbotium (b. 1^. ba§
^opflt^um), unb bie gfranjofen ba§ ©tubium (b. 1^. bie borne^m[te
Uniberfttät in ^ari§).
S)er Sractat 3orban§ iji unter ben publiciftifd^en ©d^riften be»
au§ge!^enben 13. unb be§ 14. gal^rl^unberts bie einjige, ber eine neue,
naä) allen ©eiten ben SInforbcrungen ber SBBiffenfd^aft entfpred^enbe
?tu§gabc ju SEI^eil geworben iji. Die mufterl^afte ©bition, meldEie
SBai^ babon besorgt l^at *) , überl^ebt un§ ber SKü^e, nöl^er auf biefe
©d^rift einjugel^en. Dagegen muffen tt)ir ben nöd^ften ?Publiciften
ber Deutfd^en, ben nod^ wenig befprod^enen 9Ibt Engelbert bon 2lb«
mont nä^er in§ Sluge faffen.
Der 3lbt Engelbert bon 3lbmont foü au§ bem eblen ®e»
fd&Ied^te bon SSoIferSborf ftammen *). SBie er felbji in einem SBriefe
*) 3m 14. «anbe ber Ibl^anbtungcn ber ©öttinger ®efeEf(^aft ber SBiffcn-
fd^aftcn i. 3. 1868. @. ü6er 3orban au* ^orenj, (Bt^6)\6)t^utUtn, 307 flgb.
*) ®o ©uceUn, Germania sacra, pars altera , p. 2 unter ^bmont, tüäl^«
tcttb er in feiner (^cneatogtc ber Ferren t>on S5o(!cröborf (1. c. p. III, p. 245)
1
— 160 —
an bcn ©d^olafllfcr Ulriti^ Don 3Dßicn erjä^It . Jörn et im 3#^
1271 nad^ ^tag unb ftubtttc bort ©rammatil unb fiogtt „®a J^ok
i(§ folii^c gortfd^rittc gcmad&t , bafe man m\(if unter bcn ©amerabcn
nid&t für ben testen erad&tete." m bie ÄönigSwa^I 9luboIf§ öon
§ab§burg ein SSorfpiel ber berühmten ^rager ©tubentenau^tDaTtbe=
rung öon 1409 l^erbeifül^rte , inbem bie öfterrei(]^if(!^en unb jieierij(!^cn
©(i^olaren-bie bö^mifd^e JfönigSjtabt öerlaffen mußten, ftebelte Engelbert
nad^ ^abua über unb trieb bort fünf Saläre lang 8ogi! unb ^l^ilo^^
fop^ie unter ber Seitung be§ 2MagifterS SBil^elm öon SreScia, ber
fpäter ifanonHer ju ^aris unb Seibarjt beS ^at)fte§ »onifaj VIII.
tt)urbe. ^aä) Slblauf JyeS Ouinquennium§ befd^äftigte er fid^ in ber
gleid&en ©tabt im Älofler ber ©ominilaner mit bem ©tubium ber
Sll^eologie. ^n ^abua mirb er fid^ aud^ ben 3)octortiteI , ber xfjm
beigelegt toirb^), ertoorben ^aben.
5lod^ öor feinem ^rager ^lufentl^alte ^atte Engelbert, al§ 9iuboIf
bon ^aböburg al3 ermäl^Iter römifd^er ftönig na^ Oefterreid^ fam^
angeregt burd^ beffen Jfanjler, ben SSifd^of Sol^ann bon ß^iemfee, ein
^elbengebic^t De electione regis Rudolphi öerfafet*). 3taäi bem
©iege 9tuboIf§ über Dttofar bid^tete er bann einen jmeiten S^eil
beS ©po§. 9leun 3a^re fpäter aber begann er eine regelmäßige
fd^riftftellerifd^e 2:^ätigfeit. ®ie Erfahrungen, bie er babei erworben^
beranlaffen i^n, ben ©tubirenben ben 9lat^ ju geben, bafe fie brei
Singe befonberS bead^ten mögen: einen georbneten ®ang bei i^ren
©tubien ein juf dalagen , nid^t öerfd^iebene ©egenftänbe auf einmal ju
treiben, unb fein Sud^ auS ber ^anb ju fegen, o^ne e§ ööDig burd^*
gearbeitet ju l^aben. 6ö ift eine lange Steige öon Slroctaten, meldet
Engelbert feinem gfteunbe Ulrid^ al§ grüd^te feiner literarifd^en Se*
mü^ungen aufjö^Ien fann*). 6r bringt fie in brei ©ruppen: 3:^eo*
(Sngetbert nic^t auffül^rt. 2)ie ftcieriWc ßocanttcratur , bie mir nld^t ju ©cbote
ftc^t, bürfte über bie abfiammung unb 2eSett«t)er]^SItniffc (SngelbcrW öictteic^t no*-
»eitere 2luff*Iüffe bieten.
*) S3eriJffentKd^t bei Pez, Thesaurus anecdotorum I, 1, 429. 2)afclbil
finben ft(i einige ber tl^eotogifci^en ütractate Sngetbert« gcbnidt.
') Excerpta ex necrologio Admuntens. bei Pez, Scriptores rer^
Austriac. II, 199.
') Incipit: Sclavica qui tumidi confregit cornua pc^'ptri. Oubin^-Än*
gäbe, bag e« f(^on gebrudt |ei, ^at bereit« $ej (TLcs I. J, C6) beri*tlgt
*) ein anbere« ^Serjeic^niß feiner ©c^riften nebit Angabe ber etwaigew
2)rudorte t^eilt bie unten genannte ©c^rift öon $uffnagl mit.
— 161 ~
logie, 9latiir<)|ilofop^ic unb SKoralp^Uofop^ic. Unter bic Ic^tcrc tci^t
er aud^ bie älubolfiabe unb bie }toei pubUciftifd^en @(^rtften, bon
bencn im folgcnbcn bic atcbc fein wirb. 5)ie SKc^rja^I feiner SBerfe
ober ift t^eologifi^^en Snl^alt» unb wenn eines berfelben ben 2:ite{
fü^rt: Ob ®ott SKenf^ gemorben möre, menn ber erfte 2Benf(^ nii^^t
gefallen möre — unb ein anbereS: Db e§ bem SBeifen juftel^t ju
^eitQt^en — fo ifl bamit genügenb gefennieid^net , me^eS @eifte§
fiinb ber SSerfaffer gewefen.
Äurj dor ober naä) bem Seginn be§ 14 Jiö^t^unbertS »urbc
gngelbert 216t öon 9lbmont 0. 3H§ g^eunb befd&auli(iöer ©infamfeit
unb f(3^riftjtellerif(i^er 2)iufee fott er ben größten 3:^eil ber 3cit in bem
jmei ^Keilen bon feinem Slojier entfernten, mitten im ^od^gebirg ge»
Icgencn Orte 3anSbad^ jugebrad^t l^aben. darüber mürbe er üon
jiöei ^ön(i)tn, mlä)t ein Sömmercr auS bem Saienftanbe baju auf=
^e|te, beim @rjbif(!^ofe bon ©oljburg öerllagt, ba^ er in ben 9lnge»
legenl^eiten be§ ÄlofterS unnü^ fei. 2lber balb borauf fd^ien eS biefem
ftämmerer im Slraume, als ob i^n ber 1^1. SlafiuS, ber ^atron bon
3lbmont, unter bitteren SSormürfen wegen feiner berrätl^erifd^en i^üge
fammt ben jwei 5Dlön(ä^en }u tiefft in ben @ee beim Slofter taud^te*
3itternb ftürjte er am a)lorgen bor bie fSfüfee beS SlbteS unb erjäl^Ite,
»a» er gefeiten. ®iefer antwortete: @ci) unb beftfüe bein ^auS;
benn bu wirft fierben unb mit bir bie 3Jlönd^e; fo l^at ber ^I. S3(a=
fiuS befci^f offen euer SSerge^en ju fül^nen. Unb in ber St^at — na6)
lurjer ^txt finb fie alle brei geftorben, ©o erjäl^It ein 3^it9^"öff^
unb 9la#ar Engelberts , ber Slbt Sodann t)on SSütring«). »IS
Sriebrid^ ber ©c^öne jum ßntfd^eibungSfampfe gegen ben ®aier jog,
fagte ßngelbert beffen ©efanbten ßmid^o bon 5lljei baS Unglürf bor«
au§, baS ben Äönig treffen würbe *). SGÖal^rfciöeinlid^ 9«f<ä&ö^ biefe im
3orn über bie aSerwüftungen , weld^e ^friebrid^S ungarifd^e unb fuma-
nifd^e SSunbeSgenoffen auf biefem 3w8^ anrid^teten *). Wit ben ^abs=
burgern erf d^eint Engelbert me^rf ad[) in SSerbinbung, 9lad^bem er ben
®rofet)ater SRuboIf befungen, l^at er fpäter beffen ßnleln, ben jungen
*) 9ia* «ucelin a. a. O. im Saljrc 1297. 35aS Necrolog. Admout.
(Pez, Script. II, 199) lägt i§n 30 5a^xt al« Slbt regieren.
') Boehmer, Fontes, I, 393.
■ 8) 1. c.
*) Chron. Claustro-Neoburg. bei Pez, Scriptores I, 485.
X i e ) l e t , SBiberf aileT ber $5))1le. 1 1
- 162 —
^crjogcn ?Hbtc(j^t n. unb Otto einen Stactat unter bem %M Spe-
culum virtutum gewibmit ^). 3HS SobeStog beS l^oi^^beiol^rten ?lbte§
wirb bet 12. SKoi 1331 genannt «) 3n ben legten SebenSjal^tcn
ttjar er an ben güfeen gelähmt getoejen/).
Sei ber Slbfaffung ber in fieben 95ü$er ober SEractate getl^eilten
©(j^rift De regimine principum*), für beren S)atirung fein
Sfnl^altSpunft Don einiger ©id^erl^eit gegeben iji, l^at Engelbert »oI)!
bie gleid^namige ©(i^rift beS 5El^oma§ in ©ebanfen gel^abt, bod^ nennt
er jie niifi, \ä)mt pe anäf nid^t birect benüjt ju l^aben. Söenn mon
fielet, meint ber SSerfaffer in ber 93orrebe, wie biele gfürften unb ftbnige
il&r Slegiment rein aus natürli^em Äönnen unb ber burij^ bie Uebung
gewonnenen ßrfal^rung o^ne äße« t]^eoretif(i^e SBiffen (absque arte)
f ül^ren , fo muffe einem ber @eban!e lommen , um wie biel beffer fie
nod^ regieren toürben, toenn jie eine tl^eoretifci^c Einleitung (ars) er*
l^ielten. tiefem öebürfnife fud^t er benn gu genügen, inbem er ,,afle§,
maS er über eine öernunftgemöfee Slegierung ber gürften in be§ Slri«
jioteleS ^olitif unb JR^etorif, im ßicero unb ©eneca mit nici^t gc«
ringer 2Rü^e gefammelt, in einen jwedmäfeigen 5lu§jug bringt." ©o
entfielet eine ©ammlung Don SSorfd^riften unb Satl^fd^lägen für ^Regenten,
bie nur geringen eigent^ümlid^en (Se^alt l^at, bielmel^r, ber Slnfünbigung
be§ aSorworteö entfprec^enb, gröptentl^eilS burd^ 2lu§fprüd^e ber 3llten
gebilbet mirb. SBir fönnen üon einer Sefpred^ung berfelben um fo
el^er Umgang nel^men ^) , als ber burd^ bie ^riftotelifd^e ^oliti! ge»
^) Incipit: Gloriosis dominis. $anb|4riften u. a. in Safel unb im
©fcorial (Haenel, Catalogi libror. manuscr. 530, 946). ^aä^ $uf(nagtö 9[n«
gäbe ifl biefe ^bl^anbtung im 3. 8anbe ber Bibliotheca Ascet t>on ^ej t)er«
ifffentlid^t. SSknn Sol^ann t>on ^iftring a. a. O. bemerft, (Sngelbert l^be für
bie $er)oge ben Sractat De regimine principum gef einrieben, fo liegt l^ier
h>obl nur eine Sern^ec^fetung mit bem Speculum virtutum t>or.
*) SBucelin l. c.
') Bissenis tardus annis, ad gressus iueptus. Anonymi vetus Carmen
de coenobii Admontensis abbatibus bei Pez, Script. II, 210.
*) Incipit: Philosophus dielt. Jorcnj' Eingabe (@efc<fi(^t«quettcn 328)
baß bie @ci^rift nocb ungebmcft fei, ifl irrig. Um bie ÜWitte be« toorigcn S^^r«
l^unbert« (obnc Sal^rjabl) bat fie So. @eorg %^top^i ^uffnagt na* einer ©anfc*
f (^rift be« Älofier« ÜÄeW öeröffentlid^t.
^) (gingel^enbe «erürfficbtigung l^at biefe ^(brift (gngetbertS in bem Auf*
fafee g. görfler« „Ueber bie ©taatölcl^re be« SKittetalterS." (Slttg. SWonat^fcbrift
f. 2öiffenf*aft n. Literatur 1853, bef. 852 Pgb.) crfol^ren.
— 163 —
geBenc ^am)tm^oIt bcr ©d^rift uns im ctpen S^^cile beS Defensor
pacis, l^ier aber in beacj^tensmätbigerem 3uf ^i^ntenl^ang , miebet bor
bie Slugen treten toirb.
SBid^tiger für unS iji baS 33u(!^: De ortu, progressu et
fineRomani imperii^). "äuä) fein ©e^alt jmar ift .nid^t bebeutenb ;
Mäi Slrt jener Slutoren, bie nid^t Diel eigene ©ebanlen ^aben, läßt ber 9Ser*
fajfet ein ©itot auf baS anbere folgen, unb feine eigene 3ut^at finb meift
moralifd^e ©emeinpläje ober l^ol^le äbftractionen, loSgelöft Don bem ge=
f(^i(l^tli(]^en Seben ber SBirflid^feit. 9lber Engelbert galt feiner 3eit für einen
bebeutenben ©ele^rten ^) unb feine ©d^rtft ijl neben ber 3orban§ Don
D^nabrücf auf biefem ©ebiete ba§ grfHingSmer! ber S)eutfd^en, fo
bofe mir fie bod^ nü^er in§ äuge f äffen muffen*). SBenn mir in
Engelbert einen ©d^riftfteller Dorfül^ren, ben man tool^t mit gug
üte aSebröfentanten ber geiftigen Surd^fd^nittSlÖö^e ber 3eit betrad^ten
barf, fo mirb in ber ^folge an SRarfigüo unb Odam um fo beutlid^er
^erbortreten, tt)ie fel^r \iö) biefe über ben 2)urc^fd^nitt erl^eben.
SBa» bie ßntjiel^ungSjeit be§ S3üd^lein§ betrifft, fo wirb fie inner»
l^alb ber ^al^re 1307 bi§ 1310 ju fud^en fein ; ber SJerfaffer ermähnt
felbji, bafe er jur 3^^* §einrid&§ VII. fd^reibe*). J)er Sn^alt ber
©d^rift aber bürfte bafür fpred^en, bafe fie Dor ^einrld^S VII. 3lömer»
jug, Dor ber SBiebererneuerung be§ römifd&en Äaifert^umS gef daneben
^) Engelberti Admontensis de ortu, progressu et fine Romani imperii
Über. Cum Gasp. Buschii praefatione. Basileae (1553). Weitere ^ud*
gaBen ftnb 1610 )u Offenbat!^ ton Soai^tnt (Stuten aud SOtam), in ber tötner
unb ^t^oner ^u9gabe ber Bibliotheca patrum unb Don ©olbaft in ben Politica
imperialia p. 754 (nid^t in feinem SBerfe De Monarcbia, h)ie Söegete, 2)ante,
845, irrig angibt) beforgt »erben. Engelbert fetbp nennt feine @(]&rift in bcr
(Einleitung opusculum de ortu. progressu et fine regnorum efpraeeipue
regni seu imperii Bomani.
*) Vir magnae literaturae. Sol^ann t)On SStftring; B. F. I, 393. 2)ie
im Anfang beS 15. Sci^r^. verfaßte Series abbatum Admont. (Pez, Script,
tit 210) fagt bonil^m: Dulci doctrina peragrans documenta supema.
') Äürjcr l^anbctn öon il^r ^8f(er, Saifcrtl^nm unb ^a^fttl^ura, 'S. 146,
iittb fiorcnj, ®efd^i(^t«quctten, <B. 310."
*) Usque ad Heinricum huius nominis septimum, qui nostro tempore
ad imperii clavum sedet imperator 97. post Augustum. (Cap. 16.) ^uf
ba9 y,iinperator'^ gegenüber rez ifl tt)ol^t (ein ®tm^t p legen, ba bem Sngel«
Bert regnum unb imperium Romanum boftflänbig jnfammenfaHen.
11*
i
— 164 —
ift ^\ 5)atauf to^ifen bic im ©ingange lautmerbenben 3w)^if cl über 2cbcn§=
Itaft unb gottbauer be§ ffaiferreici^eä , barauf anäf bie obpracte 9ltt
bet 39e^anblung ; benn man !ann fic^ \ä)tütx cntfd^Iiefeen ju glauben, baß
ber SSetfaffer ben praftifd^en fragen über bie SBebeutung beS Imperiums,
bie t)on 1310 an auftaud(|ten,.fo bbllig au§ bem SBege gegangen fein foDte.
9Jlan i)ai wo^t barauf §inge»iefen, bafe Engelbert bei biefer
Bä)x\\t ba§ SBerf 3)ante§ De Monarchia benujt ^aben fönnte *j ; aber
mir l^alten biefe 3KögIi(i^feit für auSgefd^Ioffen. 911« Engelbert in
Italien öertneilte, mar ba§ fönä) Nantes feineSfaüS f(^on gefci^riebcn
unb überl^aupt ift e§ mal^rfii^einlid^ jünger ober bod^ jiemlid^ gleid^«
jeitig mit ber ©d^rift Engelberts, ^ud^ mürbe ber 3lbt öon Stbmont,
menn er S)ante§ ©d^rift gefannt l^ätte, fid^ mol^l ntel^r bon berfelben
angeeignet ^aben. @o beutet bie bon einanber unab^ngige 6nt*
fte^ung jmeier ©d^riften, meldte bie Uniberfalmonard^ie al§ gorberung
fteDen , barauf l^in , bafe biefer ©ebanfe in ben Greifen ber geleierten
SGßelt bieffeits mie jenfeits ber 2llpen verbreitet mar, mie ja aud^ fpötcr
in S)eutfdefanb Supolb bon Sebenburg unb in Italien Petrarca in
bem 5BerIangen nadb einem ftarfen Äaifert^ume ftd^ begegnen.
2Sn einem ©efpräd^e mit gteunben, beginnt ©ngelbert, pnb über
baS römifd^e SReid^ berfd^iebene Slnfid^ten laut gemorben. 5)ie einen
fprad^en au§, ba^ baffelbe in Sted^ten unb Äräften fo ^erunter-
gelommen fei, baß e§ aller SOßal^rfdeeinlidefeit nad^ bemnäd^P ööflig
aufl^ören merbe; anbere miefen barauf ^in: mie ba§ römifd^e Sieid^
bon 9lnfang an burd^ SCßaff engemalt ungered^ter SGßeife bie ©toaten
berfd^iebener ^Rationen unterjod^t ^abe, fo muffe e§ je^t Stag für Sag
bie Angriffe ber SSöIfer erleiben, bis eS in tffürje benfelben unterliegen
merbe. S)iefe8 ©efpräd^ \)aU xf)n jur Slbfaffung beS ©ud^eS beranla^t.
9lade ber ©emo^n^eit ber 3^it beginnt benn aud^ biefe ©d^rift
ab ovo, inbem fie in ©ä^en, meldte ber ^olitil be§ SrifloteleS ent»
lel^nt finb^), junäd^ft bon ber ©ntfte^ung ber ©taaten im allgemeinen
^) 2)agegen meint !^oren}, &t\äfid)t9<\nttittt, 310: „offenbar nad^ S^tpfang
ber taiferUt^cn Äroncburc^ ^einricj VII. gefc^rieben''. Segele (!5)ante 345):
„^'66fftin9 einige Saläre t)or ber iIRonar(^ie Dantes ober t>ox bem ^önter^uge
Ä. ^einri*« VII".
*) Sorenj, ©efcä^tci^Wquetten, 310; ba'gegen fcjon ©egete a. a O.
*) «ußer il^r »erben citirt: be« «riftotek« @t^if unb ^l^fif, de motu
animalium, bad ^toeite ^ndf de anima, (Sicerod 9{]^etortt unb Offtcien, ber &t*
fd^td^tfii^reiber 3ufiinu9, ber bem Xrogu9 ^ompejud folge, be9 9Racrobtu9
Satunialia, Täterin« äRa^cimu^, ^allufi, ännin9 uitb 9(itgufiinu6 de civitate Dei.
- 165 —
l^onbclt. Ucberall gibt cS in bet ?Ratur ein ®rö6erc§ unb ©eringere^,
ein @tärterc§ unb ©d^wäd^ereS. S)oS ©törfere fü^tt bie §errf(]^aft.
Sei ben SKenfd^en fül^rt fie ber burd^ Serftanb ^erüorragenbe. ©o
tft bie erfte ntenf(^Ii(^e ^errf^oft inxäj ßrl^ebung beS ffierftänbigPen
unb jtoar auf bem SEBege beS Vertrags entpanben. S)iefe erjien
9tei(i^e l^aben uier SSorjüge gel^abt: gute 9iegenten, meil man fie al^
bie Seften gewöl^It l^at; gfrei^eit be§ SßoIfeS; nur geredete, b. 1^. 9?er=
t]^eibigung§!riege unb ©id^erl^eit bet 3lei(^e, weil bie einzelnen ©taaten
mit ben einjelnen SSaterlönbern enbeten. Slud^ unter ben einjelnen
ßtäften ber ©eele l^errfti^t bie beffere, b. i. ber SSerftanb, über bie Qmagi*
nation unb ba§ ©efü^I. Unb fo finb benn anä) unter ben ^errf(]^ern
biejenigen gut, bei meldten ber SSerftanb bie 8eibenf(^aften bel^errfij^t.
Sa baS mit ber 9latur Uebereinftimmenbe früher ift al§ bie Slbmeid^ung,
fo fd^einen bie ®ef(^i(^tf(^reiber ganj Stecht ju l^aben, menn fie im
anfange öon guten ^tikn unb Regierungen berieten. SuftinuS jeigt
ba§ j. -33. am 9Kufter be§ aff^rif(!^en 3lei(i^e§. 9Kit bem römifd^en
Sfcid^e ip ba§ bann ebenfo getoefen, jeboi^ nur unter Üluma ^ompiIiu§.
@S folgt bann ein Slbri^ ber römifd^en ®ef d^iti^te , e§ mirb erjä^It,
toie ouf bie Äönige bie 9lepublif, auf biefe mieber bie 2)Jonarc]^ie folgte,
bie bann feit OctaDian Don beffen Slad^folgern bi§ auf ben heutigen
2ag fortgefül^rt merbe.
9ln biefe l^iftorifd^en Setrad^tungen reiben fid^ et^ifd^e über ba§
®IüdE eines 9leid^e§, über bie ©ered^tigfeit ber 3iegierung unb über
ben enbjmedE be§ @taat§Ieben§. ©lürflid^, fagt Engelbert, ift jene§
Sleid^, beffen fjürft fid^ unb bie ©einigen gereel^t regiert, fid^ mit feinen
Siedelten, ß^ren unb Sefi^t^ümern begnügt, für bie ©einigen forgt
unb ben fjfrieben liebt. ®ie ma^re grei^eit aber befte^t in ^yrei^eit
bon böjer Segierbe, in ber grei^eit Dom ©d^merj ber @ntbe!^rung unb
öon ber gurd^t öor -DJangel. 61n 3}eid^ mirb ermorben auf brei Slrten,
burd^ SSBal^I, (Srbfd^aft ober Cccupation. 3)aS römifdje SReid^ nun fann
fein geredetes genannt werben, meil e§ öon Slnfang an feit ber ©rünbung
ber ©tabt bie 3lad)barn, ja aud^ bie entfernteren 35öl!er unter jodete.
SDland^e berfelben finb aflerbing§ auf geredetem SBege unterworfen
toorben unb gerabe fo weit nur ift aud^ ba§ römifd^e JReid^ ein ge=
ted^teg. @ine gewiffe 9lu§bef|nung mu& ein fReid^ freilid^ [jaben, um
über SWangel erl^aben ju fein. S)er ]^auptföd)Iid^e ßnbjmedf eine»
9leid^e§ aber ift ©id&erung be§ griebenS; tJriebe aber ift ba3 uner-
fd^fitterte SSerul^en ber Orbnung ber (Sered^tigfeit. S)ie Urfad&e ber
ßintrad^t im Snnern liegt in ber gegenfeitig gefallenben ginl^eit beS*
— 166 —
fetten SßatetlanbeS , berfetten ^pxaäjt, berfetten ©itten unb (Sefeje.
Set triebe mit ben SuSmärttgen bagegen berul^t auf bet geredeten
©eftnnunfl beiber I^eUe, unb auf günpigen Umflänben bet ^t\t unb
be§ DrteS, bafe j. 33. bie ©rcnjen bur^ Serge, glüffe ober ©ümpfe gut
gefi^üftt feien.
5Ra(^bem ßngettert biefe torauSgef (^tdft , loirft er bie gfrage auf,
ob c§ ber ©ered^tigWt mel^r entfpre^e, wenn alle SReid^e einem
jtönig ober ffaifer ali SSßeltmönard^en unterworfen feien ober wenn
fie für fid^ aßein fielen. S)aS erftere, meint er , tjl q/ntäfttt , wie ja
aud& in ber 9latur ber fiöwe über bie Sanbt^iere , ber 9lbler über bie
S5ögel ßönig fei. 3n Jeber gut georbneten 9Kenge, j. 8. bei ben
Solbaten, mu^ bad ©Aftern ber Unter« unb tteberorbnung üoHftänbig
burd&gefü^rt fein. S)aS allgemeine ®ut ijl beffer unb anfttebenSttertl^er
ate baiS ber einjelnen. 2Bo e i n göttliches unb meltlid^eS 9te<!^t waltet,
ba lann nur ein 38oII unb nur ein ißenfd^er fein. 3n ber S^at
giebt t% aber nur ein wal^reS göttli<i^ed unb menfi^Iid^eS 9ie^. @an}
richtig l^at bal^er f(^on 9lugufttn bemerlt, bä^ eS auger ber Jtird^e nie ein
majores Smjjerium gegeben l^abe nod^ geben lönne. SSenn ntcj^t eine
Cberleitung bie @lntra(]^t erl^ielte, Würbe ber ©tärfere über ben
@^Wä(i^em l^erfaÜen unb i^n bertiigen. SGßo leine fefien ©renjen
finb, ift 3ti3ietra4t jwifi^en ben SSöIfern unb SJeid^en unbermeiblid^
®a mufe alfo eine l^ö^ere ®ewalt fein, weld^e 2lutorität unb Äraft
^^ai bie Sintraci^t }u erl^alten. Sarum l^at aud^ fiets eine SSeltmonar^ie
bejlanben, juerft ba« aff^rifd^e "Sttii), bann S3ab^Ion, bann ^erfien,
bann ba§ 9fei(i^ ^le^anberS bis auf Cleopatra unb Antonius, enblid^
bag rbmifd^e 9{eid^.
Dagegen ma^t man nun folgenbe ginwürfe : 1. ®a8 SÖßeltrei^,
wenn e§ ben anbern überlegen fein foD, mufe aud^ auSgebel^nter fein;
aber je auSgebe^nter ein fReid^ ift, befto mel^r wirb eS ton Unruhen
ju leiben l^aben. 2. 2Bie bie ®efd^i(^te (mit SluSna^me ber '^txi beS
5Ruma ^ompiliuS) jeigt, errei(^t baS SGßeltreid^ feinen '^xotd bie anbern im
grieben ju erhalten, bod^ nid^t; im ©egent^eil finb fortwäl^renb Ste-
beflionen ju befömpfen. 3. „SQßir feigen anbere SReid^e, obfti^on fte
bem römifcj^en nid^t unterworfen finb, bod^ gut unb in f^rieben leben".
4. SSerfd^iebene SSöIfer mit öerfd^iebenen ©prad^en fönnen nid^t ein
unb baSfette ®efe^ ^aben. 5. Quben unb Reiben fönnen boc^ nid^t
mit ©Triften ein äieid^ auSmad^en. 6. ^Jlel^rere ftaifer, fo ipabrian
unb 3ot)inian gegen bie ^erfer, ^aben felbji auS freien ©tüden ttnb
auf geredete SBeife bie ©renjen beS SReid^S enger gejogen. 7. Sie
r
— 167 —
tReiii^e ©paniert, f^^ontteid^, (Snglanb, Ungarn mit ben 9lei(!^en bet
6(at)cn, SBuIgawi unb ©tieiä^enlanb ftcl^en je^t de jure ni^t unter
bcm Äaifenei(i^ unb in 3lfrica unb 9lp^n beft^t baSfelbe gar nid^ts.
liefen 6intt)änbcn toirb in folgenber SBeife ermibert : ad 1. SEßenu
l^eute ein ^ieg ber S^riften^eit gegen bie l^eibnifci^e SQBelt auSbräd^e,
mflgte man ba nici^t ein Oberhaupt ^aben? ad 2. SSoHfornmener
griebe unb ungetrübte ©lüdfeligleit i[t freilid^ erft im 3«nfeit^ ju er»
morten. ad 3. 310^1 nur wegen ber ©intra^t unter pd^ fclb[t ift
bie Unteyorbnung ber Äeic^e unter baS 3«nperium ju forbern, fonbern
^auptfä4Ii(]^ gegenüber ben Ungläubigen, ßinige gieici^e fönnen ja
baS 3Sorre(j^t ^aben, außerhalb be§ Imperiums ju fte^en, aber biefeS
IJriDileg einiger einjelnen begrünbet fein allgemeines ®e{e|. ad 4. 5)aS
pofitiDe aiecj^t mufe aDerbingS naci^ ber SBerf^ieben^eit ber SSöIIer öer«
fc^ieben fein, aber aßen Söllern gemeinsam ijl ba§ Slaturre^t unb
ü6er bejfen ©(j^u| l^at baS Imperium ju machen, ad 5. 3n ben
nad^ bem 9latur« ober SJölferred^t gemeinsamen ^Angelegenheiten fönnen
au^ Suöen unb Reiben unter biefem (j^rijilid^en ftaiferreid^ fielen,
nömlid^ in ber C>inP4*' bafe jebem ba§ ©einige gemährt mirb unb
niemanb ungered^ten ©d^aben leibet, ad 6. S)en Äuifern ^abrian
unb 3oDinian ift eine SSerlleinerung beS 9lei(^e§ nur burcj^ bie 9lot§
abgesmungen morben, tDegl^alb ^xäf arxif bie folgenben ftaifer mit
Äet^t nid^t baran gehalten l^aben, S>er fiebente ßinmanb enblid^ miberlegt
ftct) burc!^ boS ad 3. bemerfte.
S)ie 3tt)e(fe beS Sieid^eS unb beS ^errfd^erS fönnen biefelben fein
ober nici^t. 3e nad^ bem ©rabe biefeS S^föntmenfallenö bemifet fid&
bie ®üte be§ Regenten. S)ie böd&fte nie juöor ober l^ernad^ erreid^te
Slüt^e ^at baS 9ieidö unter Octaöian erlebt, afö 3efu§ ß^riftuS ge-
boren würbe. 3Son biefer Seit an iji ein beftänbiger aSerfafi be§
Seid^eS mal&rjunel^men. 6§ wirb eine 3^^* fommen, ba bie einjelnen
Sleid^e t)om ^ntperium abfallen , ba in golge beffen (weil bann bie
geiftlid^e ©ewalt il^reS weltlid^en ©d^irml^erm entbehrt) bie Äird^en
öon ber Obebienj beS apoftolifd^en ©tu^leS abfallen, ba enblid^ in
Solge biefeS boppelten SlbfafleS aud^ bie ©etreuen t)om ©lauben ab»
faden. Slber baS wirb nic^t öor ber Slnfunft beS 9lntid^riftS ein»
treten.
SebeS Sleid^ Dergel^t burd^ biefelben ©rünbe, burd^ bie e§ geftiftet
Würben. S)iefe fann man red^t beutlid^ in ben jüngften Seiten fe^en.
2)urcf| friegerifd^en 3tt)ang ift einft bie römifd^e SWonard^ie gegrünbet
— 168 —
ttjorben unb fa »irb \\äf au(^ ü^re 3ctftötun9 burc^ bcn Stbfatt bct
unter ba§ Imperium gcjioungcncn SRcid^c öoHjiel^en. S)iefe ©cceffton
ber einjelncn Slcii^c öom Smpctium aber loirb naä) ber SBeiffagung
tm 7. SSud^e ©aniels, nad^ ber SluSlegung, bie ^ieron^muS unb
anbere ifirci^enlel^rer babon gegeben, unb nai) ber ^ropl^ejte be§
2lpofte|§ 2. SE^eff.. 2. fi^er nod^ bor ber «nhmft beS Stnti(ä&rip
ftattfinben ^). 5flä]^ere§ hierüber gibt ber 5Kart^rer 9Äet]^obiu§ , bejf en
SBerle unb 2luöfprü(!^e i£)teronljmu§ im Liber virorum illustrium
unb im Kommentar über S)aniel billigt unb emppel^It. 9)Jet^obiu§
offenbart, ba& bie ©öl^ne 3fmaelS, bie au§ ber 2Büfte unb bon ben
ßüften be§ Djean§ !ommen, bor ber Stnfunft beS 2lnti(]^rift§ bie
d^rifHid^en 9tei(^e bertoüftcn toerben. ^l^nen mirb ber Ie|te römi^e
Äaifer au§ fränlifd^em (Sefti^Iec^te entgegentreten unb ba er nid^t
tt)iber[te^en f ann ,- mirb er ©cepter , ßaiferfrone unb .©d^ilb an einem
bürren Saume JenfeitS be§ 9Keere§ aufhängen unb feine ©eele (Sott
übergeben. 2)ann erjt mirb ber Slntiti^rift bie fiänber beS römijd^eu
Imperiums untermerfen ^).
') @o läßt au(^ l[!u^)oIb öou S3c6cnburg im Ritmaticum querülosum ba^
Sm^erium fagen: Nee in meo tempore Antichristus nascetur, Deus nequa-
quam sinet, quod mecum dominetur u. f. to. (Boehmer, Fontes, I, 482).
«) ®cm 2Wart^rer iWetl&obiu^, S3lf*of »on «ßatara in St^cien (f 312) loitb
biefc SSorl^erf agung/ bie fld& burc!^ il^rcn Sn^aU beutUd^ al§ S^a^fagung auömeifl
Hnb niiä^t tjor'ber Seit ber nnil^ammebanifdbcn (SroberungSsügc entjlanbcn fein
fanjt, nur in bcn aWunb getegt. SSiettctd^t l^icg i^r f^jätcrcr Url^eber 9}ietl^obiu8
unb ift in ber gotgc mit bem bctül^mtcren 2:rägcr biefe« S^lameng löcrtoed^fctt »or*
bcn. S)öaingcr nimmt an, bag bie ^ro:|)l^cxie in (£onftantino^)et, tt?al^rfd^einli(i
im 11. Sal^rl^unbcrt, jucrft jum SSorfci^ein fam. Gegenüber bcn gortf^ritten
bc8 9Wul^ammcbani0mu8 foliltc fic bcn ^^jantincrn Srofl unb Hoffnung juf^rc(ä^cn.
(®. 2)Stttngcr, (Sl^riflcntl^um unb Äir*c in ber 3cit ber (Srunbtcgung @. 433,
unb 3)öIIingcr, ber SSciffagung^gtaubc unb ba8 ^ro^)l^ctcntl^um in ber d^riWen
Seit, in mt^^ $iporif*cm Safd^cnbu*, 1871, @. 303 ftgb.) ®cr ©atj t)om
legten römifci^cn Itaifcr aber, roic il^n (Sngclbcrt bcrid^tet, flammt nlci^t au8 ben
Offenbarungen bc« äWct^obtuö, fonbcm ift im 3lbcnbtanbc juerft bom Slbtc 2lb(o
i)On 2)'louticr=^en«=2)cr in ber um 948 tocrfagtcn @4rift De vita Antichristi auß*
gcf:|)rod&cn Sorben. ®icfe beiben Sciffagungcn be8 iWctl&obiuS unb bei 'ät\o
l^abcn im SWittetaUer bie SJorflcIIungcn bon bcn legten 3)ingcn ^oomt^mM ^*
itxx\^t 2)ic bei Slbfo ift in ber jnjcitcn ©älfte bc« 13. Sol&rl^unbcrt« eine ber
bcibcn ©runbtagen ber ®agc öon ber Sicbcrfcl^r Äaifcr gricbri^« II. geworben.
M^m9 f. in meinem 3lu ff atje: 3ur beutfci^en Äaifcrfagc in @^bcW ^iflorifii^er
3eitf*rift, 1874.
— 169 —
@o enbet bie @d^rift propl^eüfc!^ mit einem ^intoeis auf ben
BeltuntergQttg , bejfen Stl^nung bom gel^nten bis jtoölften 3ö^t*
l^unbert eine f o grofee SioHe^ gefpielt l^atte , mäl^renb fte in ben ber
©(j^rift nd^er ftel^enben 3^^*^"/ ^^^ nücl^ternet unb realiftifti^er ge»
tüorben, wenig mel&r bon fi(^ reben mai^te. S)otin fptii^t jid^ bie bot»
nel^mli^ tl^eologifd^e SSettod^tungSweife ©ngelbetts au§. SemerfenS-
toettl^ ift baneben bet gän}Ii(|e .SJtangel einer beutf(j^»nationaIen
©eflnnung, »öl^renb bo(^ getabe boS Slufjieigen ber felbftänbigen
Slotionalitäten ben l^ipotif(^en ipintergrunb beS ©emöIbeS bilbet.
SEI^eoretifdö tt)irb bie Uniberfalmonarci^ie geforbert, beren gefd^id^tli^e
2Jettt)irfli(^ung im römif^en Sieid^e jeboc]^ pnbet al§ reci^tsmibrige feine
Billigung; 3n ber gbentificirung ber römif(|en 9Wonar(]^ie mit i^rer
gfortfejung burd^ bie Seutfd^en folgt Engelbert nur ber allgemein
übli^en Sluffaffung, mit ber er jebod^ in fold^em ©rabe @rnft mad^t,
bafe er e§ ganj in ber Orbnung finbet, menn bie ©ü^ne für bie (5r*
oberunggfriege ber Stömer no(!^ am beutfd^en Sleid^e öoHjogen toirb.
Sine geiftboHere JBel^anblung l^at bie nun brennenb geworbene
tJrage nad^ ber S3ere(!^tigung eines Uniberfalreid^S in ^em berül^mten
Sud^e 2)ante§DeMonarchia gef unben, weld^eS l^öd^ft wa^rf ti^ein«
X\ii wöl^renb be§ 9tömerjuge§ ©einriti^S VII. entftanben ift ^). Stud^
bem S)ante gilt SlrijioteleS al§ ber p(^fle meltlid^e Sel^rmeifter ; bod^
jlel^t fein ©toff Don Dorn l^erein ber Slriftotelifd^en ^olitif ju fern, als
ba& er gleid^ anberen publiciftifd^en ©(^riften beS 9KittetaÜerS auc^
in (Sinjelnl^eiten ben ßinflufe beS gried^ifd^en S)enfer§L öerriet^e. S)aS
Sud^ S)anteS t)erfid^t nömlid^ als oberften ©afe bie öome^mlid) auS
d&rijHid^en 9lnfd^auungen entfpringenbe Se^re, bafe jum ^eile ber SBelt
eine Uniberfalmonard^ie unbebingt notl^wenbig fei. ®er SEräger ber--
fclben fei baS römifd^e SSoI! ; baS römifd^e ff aifert^um, baS nad^ ]^er=
fömmlid^er SBeife als gortfejung beS altrömifd^en gebadet wirb, foße
wieber l^ergefteßt unb bamit eine Sieformation beS ^apftt^umeS Der«
') ©cgclc, 2)ante SHigl^icriö 8ebcn unb SBerfc, 2. 3luf(., ©. 346. SBcrgl.
au^ gncbbcrg (äeitfci^nft für Äirci&cnred&t Vin, 76). Sine eingd^enbcre (£l^a*
raftcriflif unb Snl^alt^anjcige bcS ©uc^cö fiel^c bei Regele a. a. O. 295—346.
SBolJer ^ät ©rcgotobiu« (©c^id^te 9lomS im aWittelalter , VI, 120, 2lnm. 1)
bie iRad&ridtit, baß bie iWonard^ie ?ubwig bem 53aier gewibmet fei? S)ic6 fielet
mit aöem, was »ir fonfl über bie ©djirift unb ben S^erfaffer wiffen, in Siber*
f<)ru(^. Slöcntitt ((£l^ronifa, «uSg. ö. 1580, (g. 394) nennt ben „^crrn S)anteS
ton Slotcnj" gar unter ben geld^rten 9lat]^cn Äaifer fiubwig«.
- 170 —
bunbcn werben. 3n ber 3ltt, tote S)ante bann ba§ SSerl^älhüfe ber
betben ^ö^ften ©emalien auffaßt, ertennt man mo^I, ba^ ber Streit
jwifc^en ^^in<)p bem ©d&önen unb 93onifaj VIII. ftl^on bor^ergegongen
toax. Der römifc^e Äoifer l^at naä) xf^m fein 2tmt unmittelbar Dort
@ott unb fte^t bur(j^au§ ebenbürtig neben bem ^apfte ; er fd^ulbet bem
le^teren g^rerbietung, aber nid&ts weiter. Die SSer^etfeung ß^rijH m
^truS: 3lfle§ »a§ bu auf 6rben,binben wirft, wirb aud^ im $immet
gebunben fein u. f. w. läfet Dante nur für bie geiftli^e ©erid^tsbat*
feit gelten, er öerwirft bie Slnwenbung beS SSergIci(|eS Don ©onne
unb 2Ronb auf ^apfttl^um unb iJaifert^um unb ebenfo bie Slnwenbung
ber t)on ben ©egnem Derwertl^eten ©tefle öon ben jwei ©d^wertern
bei SufaS, SBaS bie ©(ä^enlung ßonftantinS betrifft, fo wirb bie
%fiai\aä)t mä)i bejweifelt, aber i^re SRed^tmäfeigleit beftritten. @inen
^auptgrunb für bie ©elbftönbigfeit beS Äaifert^um§ fd^opft Dante
eben au§ feiner ^bentifidrung mit bem altrömif d^en ; baS ftaifertl^um
meint er, l^at fii^on beftanben unb ift in ber ^eiligen ©d^rift anertannt
Würben ju einer 3^^/ too man nod^ nx^t^ öon einem Rupfte wu|tc;
wie foflte alfo bie Slutorität be§ legieren Queue fein lönnen für bie
be§ erfteren!
(5§ ift eine eigent^ümlid^e Fügung, ba& erft in bem Slugenblide,
ba bie SebenSflamme be8 alterSfd^wad&en Imperiums nal^eju jutn
le|tenmale aufflacferte, baffelbe feine berü^mtejlc t^eoretifc^e SBegrünbunj
unb a3erl^errli(!^ung finben mufete. ^m früheren 5)iittelalter waren
bie nationalen 6igent^ümli(^leiten in ben ^intergrunb getreten öor
ber überwöltigenben 2Jfa(!^t beS einJ^^itliiä^en Sanbeg, weld^e§ bie flirre
unb eine öon i^'r getragene allgemein d^riftlid^e ©ultur um bie ganje
©l^riften^eit jog ; barauf l^atte SBered^tigung unb SBebeutung be§ ßaijet«
t^umeS fiarl§ b, ®r. unb Ottos L beruht 3e|t würben bie 93anbe
einer rein d^riftlici^en centralifirenben Unit)erfaIcit)iIifation öon @t]äjk(iit
ju ©efd^Ied^t in bemfelben TOafee gelodert,' aU bie ©elbjlänbigleit ber
^Rationalitäten in Kultur unb ©taat erjiarfte. ©erabe ba, al§ ba&
le^te ^rincip auf aDen ©eiten im rafd^en 9luffteigen begriffen war^
brad^te Dante ben finfenben ©egenfa^ in ein ©^ftem. ©o ift in feinem
33ud^e eine großartig poetifd^e SBBeltanfd^auung auf Soften be§ j^iftoti*
fd&en ©d^arfblidfeS öerförpert. ©tatt einer ^rop^ejie ift eö nad^ bem
treffenben SluSbrudfe eine§ neueren ©nglönberS*) ein ©pitapl^ ße*
worben.
>) «r^cc, Da« W- römif^e 9lci*, @, 193.
— 171 —
3lber biefe ^qd^nuns t{t hoäi nur ;utreffenb fät fenen ZffM
bet Sßottar^ie, morin aUetbingS tl^t S^toerpunft liegt , f ttt ben au9
ber poetifc^en 9latur bed gflorentinerd unb bem p^atitaftifd^en 3^9^
beS ganzen 3^i^<}I^^^ entfprungenen ®Iau6en an SRösIi^leit unb
9lotl^menbig!eit bet Unibetfalmonatd^ie unb an bie Sebendfdl^igtett bed
rSmifiJ^en ftaifertl^unte§. S)ante ift als aSetfajfer bet SMonotd^ie nid^t
nur baS ftinb feinet 3^* unb nid^t nut bet Did^tet , bet poetifd^e
änfdjiauunflen auf ©inge übetttögt, bie eine berftänbifl'nüd^tetne 3luf*
falfung etfotbetn ; et ift jugleid^, »ie ©egele mit Äed^t l^etbotge^oben
^ot, ein al^nungSüoDer 33etlünbiget beS mobetnen ©taateS, inbem et
bo§ SBefen unb bie etl^ifd^e Sebeutung beö ©taateS wütbigt, feine
©elbfiönbigfeit unb Unabl^ängigfeit bettl&eibigt unb feine Sltennung
Don bet Äitdde fotbett.
3n ben 3^it^u, ba baS ^n^perium nad^ einem ©tiüflanbe, ben man
bcrfud^t mat füt fein @nbe }u l^alten, nod^mal einen tafdd etlal^menben
3(nlauf }u neuet SebenSäu^etung nal^m unb babei fogleid^ mit bet l^öd^fien
fit^lid^en ©emalt in ßonflict getietl^, mufete bie gtage nad6 bem Ut*
fprunge beS tömifd^»beutfd^en ftaifett^umeS, b. 1^. gemäfe bet 3lnfd^auung
ber 3eit nad^ feinet 2:tanSlation, baS l^öd^fte Snteteffe etwedten.
ÜJeben bem Stl^ema bon bet Unibetfalmonatd^ic lann man ba§ öon bet
Uebetttagung be« ftaifett^umeS als ben in jenet S^xi beliebteften 38ot*
iDurf ^ipotifd^poUtifd^et ßtöttetung nennen. SSon 1310-1350 ttitt
toum ein publiciftifd^et @d(|tift|tenet auf, bet bie ^tage nid^t menig»
fienS betül&tt l^ätte. Sanbulf bon ©olonna unb ffontab bon SRegenbetg
t)on päpftlid|et ©eite, 3Ratfiglio öon ^abua bon laifetlid^et, l^aben bie
Translation jum ©egenftanbe befonbetet Sttactate gemad^t, Supolb
t>on ^ebenbutg unb SEBill^elm bon Cdfam ^aben il^t in SBetlen, meldte
einen umfajfenbeten ©toff be^anbelten, eine einge^enbe Untetfud^ung
gewibmet.
©anjauf fitd^Iid^em ©tanbpunfte ^§t bie untct l)em 3:itrt De
translatione imperii öetöffentlid^te ©d^rift Sanbulf S bon
Eolonna*). S)aS ffaifett^m, meint Sanbulf (Kap. *>/ müibe
^) ®ebru(ft bei Schard. De jurisdictione imperii, p. 284 unb bei Gol«
dast, De Monarchia, II, 88 atS SBerf Rodulphi obet Radulphi de Columna,
canonici Carnotensis. ^ottl^fl (Bibliotheca bist medii aevi, 412) loeri^eid^net
and^ ausgaben: Basileae 1566 u. Argentorati 1628. 92ad^ b€9 li^etfaffer^
eigener iSe^eid^nung im (Eingänge toürbe man ben Sractat richtiger: De statu
et mutatione Bomani imperii betiteln. 2)er 9^ame beS SJerfafferS läßt W nid^t
— 172 —
unter ben ^franfcn Icinc ©d^mälcrimg erlitten l^aben, wenn niiä^t f^on
borl^er beren S^ugenbcn unb beren ©edotion gegen bie ^eilige r5nttfö^c
Siixäft eine ©(^mölerung erlitten Ratten, ©eine ©arjieBung bcrul^t
l^auptfäd^Iic!^ auf ben S)ecretalen ber ^äp[te, auf ben Gesta Fran-
corum 2limotn§ ober bielmel^r beren gfortfejung unb auf 3Kartin§ öon
3:roppau 2BeIt(^rontI ^) , benu^t aber aud^ ba§ Corpus juris civilis,
bie iJirdöengef(^i(^te be§ 6ufeMu§, unb bie ß^ronüen be§ ^ieronpuS,
beS 3fibor unb beS Äicobalb öon gferrara unb gelangt ju bem 6r»
gebniffe: e§ ift offenbar, ba^ ber ^apft bejüglid^ ber ginfejung be§
^aifert^um§ bie größte ©emalt befeffen l^at unb befi|t. S)a bie na^
mit toöttigcr ^x^tx^tit fejificllen. 3n ben 3lu«gaben bei ©ci^arb unb ®olbaft ncimt
er fiöf itocix felbft Badulphus de Columna, canonicus Carnotensis ; aber biefe
SluSgaben flnb fo fd^lei^t, ba§ ftc für ^axatn feine ©etoäl^r bieten, ©c^arb fArclbt:
einige motten $anbulp]^; bei äJ^arftglio (Goldast, Monarchia II, 148) l^eigter:
LandulphuB deColumna, Romanus satrapa. 2)ieHistoirelit^rairedelaFjance,
XXI, 151, nennt il^n Raoul de Caloumelle, ^anoniter ju (Sl^artre^, bagegeu
2)öttinger, ^appfabeln 94: 9lubolf ober ^anbutf (£otonna, tanonifer ju @icna. 2)ie
in* ber So^anniterbibliotl^c! in @tra§burg, in ber Uniberjitätöbibüotl^c! ju ^rag unb
in ber ©ibUotl^el be« 2)om!a:|)itel8 jum l^t. SJeit ju $rag erl^altenen ^anbfd^riftcn
nennen ben Skrfaffer übereinflimmenb Ludolphus de Columna (^. $er^,
«r(ätiib VIII, 464, IX, 471, 476. 3)a« mter biefer ©anbfd^riften n>irb bafelbp
nid^t angegeben). 9Wan barf il^n aber njol^t für ibentiW mit bem SSerfaffer be«
bi« 1320 reid^enben Breviarium historiarum l^alten (bergt. $ottl^afl ä. a. 0)
unb bann ift Landulfus de Columna ber ric^^tige 9^ame. (Slud^ eine bon
^ottl^aft nod) niiä^t ber^eid^nete ^anbfd^rift öon beffen Breviarium bist. a. b. 14.
Sal^rl^. in ber ^aticana nennt fi(j^ Landulfi de Columna brevis historia;
f. ^crfc 5lr*ib XII, 2S5 u. bergl. a. a. O. 236.) SDicfen Flamen tragen benn
aud^ ^anbfd^riften de statu et mutatione imperii Romani in $arid unb
<Stragburg (Haenel, Catalogi libr. manutscript. 319, 461.) ^er anont^nte
2^ractat de translatione imperii de Grecis ad Francos, de Francis ad
Almanos auf ber Uniberfität^bibliotl^e! in «Prag (^erjj, 3tr*io X, 657)
ijt, toie bie 2lnfangStt)orte Vestra nuper jeigen, bie @d?rift ?anbulfö bon
(Solonna.
*) 3)erfelbe n)irb (cap. 8) Martin us Polonus , episcopus Consentinus
genannt. Slimoin l^eißt (»ol^l nur i^ufolge @bition«fel&ter«) Aunonius, bei
Sy^arfigtio Admonius. ^er if^ aber Ricardus Cremonensis episcopus, magnus
historiarum scriptor, ber im 8. (5a^. jum 3al^re 950 citirt toirb? (SBei 3War*
figlio, cap. 10: Robertus Cremon. ep.) ' 2)ie eingaben, für bie er alö ©ewal^r^-'
mann angerufen »irb, jeigen, baß barunter SRicobalb bon gerrara ju »erftel^n
tfl unb jnjar ifl forool^l beffen Historia imperatorum (bergl. Muratori, Script.
IX, 118) ar« bie Hist. pont. Rom. Cod. Estens. (a. a. O. 171, ^m. 46)
bentt<}t.
— 173 —
1277 betfafetc ß^ronif 3KarttnS bcnüjt tft, lann bic ScJ^tift goIonnaS
nid^t älter fein. SBa^tf(]^eiuIi(]^ iji fie erft im 14. Sfa^r^unbert ent=
jianbcn, DieDei(]^t burd^ §einti(i^§ VII. SRömerjug ober beffen ober
fiubtoigS ßonflict mit bem ^opfte beranlafet. "Hadf 1824 borf mon
i^ten Urfprung nid^t batiren, toie [xä) unS au§ ber gleiij^betitelten
©(i^rift SKarfiglioS ergeben tüirb.
2)ie in ©olbaftS ©ammelmer! De Monarchia, 11, 147—153,
öcröffcntlid^te, in jtoölf Kapitel getl^eilte ©d^rift De translatione
imperii^) wirb mit 9ie^t bem TOarfiglio bon ^abuo juge»
f(|riebcn, ba \\ä) ber SSerf affer gleicj^ im gingange al§ 3lutor be§
Defensor pacis bejeidönet. 3lu§ biefem ©runbe unb wegen ber
lüieber^olten Berufungen auf biefe§ 2Ber! fann man bie Slbfaffung
ber ©$rift nid&t, mie ©olbaft t^ut, in ba§ "^a^x 1313, fonbern muB
fie mä) 1324 fe^en. SKarfiglio l^at fie alfo in S)eutf(!^Ianb , toai)x^
^ä^tmlxi) auf ben SBunfd^ SubmigS ifnb jttwr innerl^alb be§ 3^itraume§
Don einem bi§ jwei ^a^xm berfafet, ba er fid^ öor eintritt be§ italie»
nifij^ett Qvi%t^ am föniglid^en §ofe befanb, alfo 1325 ober 26 ; benn
Quf bem 9iömerjuge ^atte man ju berartiger f(!^riftftellerif(^er S3e=
f^äftigung gewife leine 5)luffe unb naä) bemfelben, nad^bem Subtoig
bic fiaiferlrone erlangt, bie bamit jufammen^angenben Pane aber
gef(|eitert maren, wirb man !aum me^r in ber Stimmung gewefen
fein bem Äaifertfiume eine fo abftract = ^iftorif (i^e Setrad^tung ju
tpibmen.
SSBie er felbft anfünbigt, beabfid^tigt TOarfiglio in biefer ©d^rift
bie t)on ßolonna über benfelben ©egenftanb berfafete „berid^tigenb
butd^juge^en"" (perstringere), ba fie nad^ einer fubjectiben 3Reinung
unb o^ne genügenben S3ewei§ bie 3led)te be§ Äaifert^umS angreife^).
*) SSäl^renb bic ^anbfd^riftcn bc8 Defensor pacis fo feiten finb, ^dbtn f\6^
öon bicfctti Sßerfe im SJerl^ältniß gu feiner unglcid(> geringeren ©ebcutung mcl^rcre er*
Wten, »aS fit^ ganj natürlich barauS erflört, baß e« nid^t glci^ bem erficren ber*
bammt unb verboten »urbe. SWan pnbet $anbfc<>riftcn ber Xranötation auf ber f.
©ibliotl^ef JU Erfurt (s. 14.)r im @c^ottenilift ju Sien (s. 15.), gtoei auf ber
l. l. ©ofbibliotl^ef ju Sien, bic eine mit bem Def. pac. tocrbunbcn au^ s. 14,
bie anbete t>. 1408 ($cr6, ^x6)W VIII, 682, X, 593, 532, 465). 3lu«ga6en:
Basil. 1555 a M. Flacio et W. Weissenb.; Schard, De jurisdictione imp.
224; Goldast, Monarchia II, 147; Fasciculus rer. expetand. et fugiendar.
ed. Brown, II, 55.
*) Cap. 1. Nunc autem in his persiringere volumus sermonem de
Bedis imperialis translatione collectum diligenter ex chronicis historiis
L
- 174 -
3u biefcm ^totde toicbcrl^olt er bie ©c^rift fianbulfs nal^csu »ort«
Ii$ unb htflpft nur an bie entfd^eibenbflen ©teilen eigene Semertungen,
tt)el(j^e ber 3)arftenung SanbuIfS bie Spi^e obbred^en follen. äBit
lernen alfo beibe Iractate lennen, wenn »ir ben 3Warfi9lioS in§ Slugc
faffen.
3Bie au3 bem fleinen ©enfforn ber gro^e 99aum enoäd^ft, {ogt
^arjiglio in ber il^m eigentl^fimlid^en (Einleitung , fo l^ot ft(| bQ§
rihnifd&e SRei^, baS ber trojanifd^e glü^tling SleneaS gegrünbet, übet
alle Sänber auSgebel^nt unb unter feinem ©Ratten l^aben alle 58öUer
in fjrleben gerul^t. „9Ber bie ^enlii^e ®ef(^i(§te beS römifi^en 9SoI!e§
lieft, ber lann glauben bie 2:]^aten nid^t eines SBoIfeS, fonbem be§
ganjen aKenf(^engefd(|Ied^teS ju lefen *)." Darauf beginnt, auS ©olonna
toieberl^olt , ein 9lbrife ber römifc^en ©efd^id^te. 35on Dctabian 6i§
auf ßonftantin ben ©rofeen l^errfd^ten 33 Äaifer 354 Saläre unb fünf
Monate lang; @onftantin übertrug bann ben ©i^ bed ßaifertl^umeä
naci^ SB^janj unb überliefe bie Slegierung über SRom bem ^opfk ©^t
Dejier unb feinen 3la(j^foIgern, Derfelbe übertrug, »ie in einigen ©e»
f(j^i(i^tsbüd(|em erjäl^It toirb, auf Sitten beS ^apfleS ©^Ibefter ben
ftlerüern gett)iffe fenatorifd|e SSßürben. ®ie bamaligen clerici ober
presbyteri bon SRom aber waren , tt)a§ man je^t ßarbinöle nennt.
S)iefe l^atten bis ba^in , toaS 3*ei(!^t^um unb Stnfe^en betrifft , leinf
Slitel; wol^I aber l^atten fte litel in Sejug auf i^re ^flid^ten, nöm»
lidÖ *>ö§ Slmt JU prebigen, bie 3:obten §u begraben, ju taufen unb
Seid^te JU l^ören. (9ia(j^ ©olonna, 6ap. 1.) „Ob aber bie bur(j^
ßonfiantin gefd^el^ene Uebertragung ber ^rärogatibe beS ©enateS auf
bie ßarbinäle gut mar ober nid^t, baS fann man ani unferem De-
fensor pacis erfel^en."
(bie!) quibusdam per yeDerabilem Landulphum de Columna Romanam
fiMtrapam (bamtt meint iO^arftgüo tt>6f}i einen (Sarbtnat, fd^eint alfo ben 8an*
butf t)on (Solonna mit 3afo6 ober einem anbern (Sotonna )u Dern)e(^|e(n) con-
jBcriptum et quia eius acripturae in quibasdam nostra sententia dissonat,
praesertim iu qaibus jura laesit imperii secundam sententiam propriam
absque demoDstratlone sufficienti. SGSenn alfo ^öllinger a. a. O. Bemertt:
^,(£o(onna l^at übrigen« ben SDlarfitiuS abgefc^rieben ober biefer il^n" — fo fann
e« na(^ obiger Slntünbigung nid^t i^eifeD^aft fein, baß (Solonna bie Priorität jfi
beanfpruci^en, aber aud^ iV^arftgUo ni(i^t in bem @inne, ben man fonfl mit biefem
^orte berbinbet, ben erfleren abgefd^vieben l^at.
*) SWarfiglioö 3ntl^atcn »erben im fotgenben burd^ „ ** be^eic^net.
«■•^
— 175 —
3lad)bcm bcr Slbfatt ber orientaIif(i^cn ^xi)Z, bann bie ®t\6)xäfk
3Rul|Qmnicb§ unb bcr mu^amntebanifdöen Eroberungen erjä^It worben
(Kop. 3, 4), fömmt bie ©d^rift auf ben Äern ber ®aä)t, bie Ueber*
trogung beg Satfert^um§. S)ajfelbe blieb unter 33 Äaifern 451
Saläre lang in (Sonftantinol^el, bis unter JJaifer Seo in. ^) feine Ueber=
irogung bon ben ©rieben auf bie granlen in gett)iffer Söeife f(^on
eingeleitet würbe. ®ie erfte Seranlaffung ju biefer Uebertragung gab
nämlid^ ber ©treit jtoifd^en ftaifer Seo III. unb ber Siri^e, bamals
unter ^ap^ ©regor IIL, über bie 33ilberbere^rung. ®a ber ffaifcr
Seo bie ^eiligen SBilber in ©onftantinopel öerbrennen liefe, brol^te ber
^apft- ben ^aifer mit bem Slnatl^em ju belegen unb ganj Slpulien,
3talien unb ©panien Dom 6ib*e ber Sreue ju entbinben. ^a^3ft
©tep^on n. ^at fobann bie Uebertragung be§ ffaifert^umeS auf bie
granfen angeorbnet, jeboci^ nod^ nici^t ausgeführt (ßap. 5).
^apft Söci^ariaS l^at ben Äönig ß^ilberid^ nid^t abgefegt, „mie
fletifale ©d^riften" angeben, fonbern laut 3limotn§ rid^tiger ©rjäl^Iung
feiner burd^ bie fränfifdöen ©rofeen beioirften 9lbfe|ung nur juge=
jiimmt. Denn — fügt 3Karfiglio l^inju — ,,bie 3lbfejung unb 9leu=
einfegung eines ÄönigS »egen eines öernünftigen ©runbeS fte^t feinem
Sif^of obet Älerifer unb feiner SSerfammlung Don fold^en ju^ fonbern
ber ©emeinfd^aft ber baS 2anb bemol^^enben SBürger ober ßblen ober
i^rer SKaiorität." {&ap. 6). yiaä) Slimoin wirb ferner berichtet ,- wie
^ipin ben Sangobarbenfönig 91iftulf, ber ben ^apft ©tepl^an IL be-
brängt ^atte, befiegte, mie er i^m Sftabenna unb bie ^entapoliS ber
Somagna abnal^m. „@S fielet ge|(j^rieben , bafe er biefe alles ber
römif(](ien 5?ird&e facti)(3^ übergeben l^abe/' ^\xxä) biefeS ©efd^enf be»
flimmt, orbnete ber ^apft ©tepl^an II., „uneingebenf ber SSBol^It^aten,
toelii^e bie Äaifer ber römif(]^en Äird^e exwiefen l^atten", bie Ueber^»
tragung beS ffoifertl^umS auf bie granfen an, „als auf eine frembe unb
entfernte 9iation, bamit, wenn bie ©ried^en in Sebröngnife feien, bie ©aHier
ober [xäj wenig barum fümmerten, ber ^apji um fo freier über Stalten
l^errfd^en f5nne". 3ine eingaben bon einer Uebertragung beS Saifer»
tl^umS jur 3«tt ^ap\i ©tepl^anS II. finb jebod^ bal^in ju berftel^en,
bafe biefelbe bamalS nur angeorbnet würbe ^) (6ap. 7).
*) ©ei ©olboji 150 l^cißt eö in ber crpcn (5rtt?äl^nung irrig: Leonis
pa4>ae 3.
*) SDiefc Sluffaffung crfc^^eint juerp in ber Äird^cngcfd^tc^tc S^otomcoS i)on
•Sncca 1®. 2)öamger, 2). ^aifcrtl^um Äarts b. ®r. a. a. O. 401 ftgb.). 2Kan
1
— 176 —
SBteberum braute bann Aarl b. @x. bem ^ap\tt ^Ufe gegen
SejibettuS, teftttuirte ber römifd^en Jlircj^e bie il^r bon ben Sombarben
enttijfcncn Scmpordicn unb tcj^cnlte i^r jugleid^ bo§ ^erjogt^um.
©poicto unb 93cnet)ent. 9luf einem Goncil ju 9lom übertrug bann
^apft ^Qbrian Aar! bem ©rogen baS 9ie(^t ben römifc^en ^opji ju
toäl^Ien unb ben apoftolifc^en @tul^I }U befe|en; er übertrug i|m
oud^ bie SBürbe beS ^atriciats, bie frül^er glei(3^fam ben 35ater bcr
fjürflen bejeiti^nete , unb bie ^nbeftitur ber ßrjbif^öfe unb ffiifi^öfe
in QUen ^roüinjen. ,,Ol^ne ©rmöci^tigung beS römifd^en SSoIIeS fonnte
iebo(^ ber ^al)]! baju feine Slutorität l^aben." ffarl ^at öon feinem
Siedete ber $a))ftn)a]^l feinen @ebraud^ gemad^t , bo^ ou^ nid^t barauf
berjid^tet. ^n bie Snjtaaation ber Sifd^öfe jebod^ ^ot fid^ Maxi mtp
mals eingemif (!^t , fein Slad^folger Submig ieboci^ borauf berjid^tet.
(ßap. 8). 2)ann fud&te ^ft 8eo IIL, öon ben 9lömern mi^^anbelt,
©d^uj bei ^axl b. ®r. 2öie 3lid^arb in feiner (S^ronif fd^reibt^) —
,,glaube bo§, mer mag" — finb bem ^apfi burd^ gbttlid^e ©nobe
bamate bie ©lieber, 9lugen unb 3unge böflig toieberJ^ergefteHt toorbenr
Aarl brod^te il^m ^ilfe, ^at aud^ nad^ einigen ^iftorifern bamalS auf
^Bitten be§ Äaifer§ ßonftantin unb mit 3wftimmung be§ ÄönigS ber
^perfer ba§ ^eilige Sanb gebonnen. 31I§ er bon biefem 3^9^ über
Gonfiantinopel nad^ SRom jurüdfe^rte, fejte il^m ber ^apft am SBci§-
nad^t§tage bie ffaifirfrone auf, ba§ ganje römifd^e SBoIf begrüßte i^n
als Carolus Augustus unb er nannte fid^ fortan Imperator Augustus,
,,S£BeId^e 2Kad&t unb ©tetigfeit aber unb »eld^eS äled^t mit ber id'
maligen Uebertragung be§ Saifertl^umS öerbunben mar, baS fann
iebermann flar au§ unferm Defensor pacis entnehmen." (ßap. 9).
©päter , im gal^re 950 *), ba 33erengar bie ffird^e bebrüdfte unb
^apft 3o^ann fein ^irte, fonbern ein SWiet^Iing mar, fd^rieben bie
ßarbinöle einmütl^ig an ben §erjog Otto bon ©ad^fen, einen frommen
tt>irb alfo annel^inen bürfen, baß (Solonna bicfe« SGBerf, obfÄon er c8 ni4t anter
feinen Ouetten nennt, benü^jt l^at. Xerfetbe @(<?lu6 ergibt fict au8 bcr ©e«^
jci^nnng SWartin« ton Xro^)pau al9 Martinas Polonus, episcopus Congenti-
nuß. <S. bie öon ©eilanb befolgte 2lu«gabe iKartin« in Moa Germ. Script.
XXII, 377, «nm. 3.
^) ©emeint ift bie Historia pontific. Romanor. SiicobalbS t>on gerrora*,
f. Muratori, Script. IX, 166.
') @o, ni4t 905. ift JU Icfen, »ic bie !Berglci(i^ung mit Colomia geigt.
— 177 —
unb fticgcrif d^en tSfürflen. 2)icfer bcjtegtc bcn Screngor , berf ammeltt
ju Äom ein ßoncil bcr ßarbinöle unb jwong nad^ bcffen Sftat^ bcn
$Qpfl So^onn jur gntfagung. 2)ann tourbe Sco Vni. eingefe^t unb
biefcr mixä^it, nod^bem er 6Ieru§ unb Sßolf öerfommelt ^atte, Otto
jum Äaifer, o^ne "ba^ eine 2Bq^I öorl^ergegangen wäre, meldte erjt 40
3o§re ^ernöd^ eingerid^tet würbe. ®o ift bie Uebertragung be§ ffaifer«
t^ume§ Don ben gfranfcn ober ©afliern auf bie S)eutfd)en erfolgt. Otto L
folgten ©ol^n unb gnfel ol^ne SBiberfprud^ (ßop. 10). ^ai^ bem
iobcOttoö lU. aber 'unter bem ^apftt^ume ®regor§ V., eine§ S)eut=«
f$en unb SSermanbten ber Cttonen, mürben bann bie fieben Äur«
fürften eingefe|t. 2)iefe g^f^ö^ ini Saljre 1004, roie bie Gesta
Germanorum berid^ten^. S)iefe Äurfürften mälzten ben römifd&en
ffaifcr, ber ,,ni(!^t, »eil e§ nötl^ig märe, fonbern um ber
5eierli(i|feit mitten" öom römifd^en Sifd&ofe gefrönt mirb. (6op.
11, 12).
Sie ©d^rift ßolonnaS jeid^net fid^ bnrd) nid^t§ Dor anberen ^ifto=^
tifc^en ^cröorbringungen ber '^tM au§. (Seftüjt auf fjälfd^ungen
ober nid^t gleid^jeitige SJerid^te fd^ilbert fie bie folgenfd^merften SBenbe^
punfte ber ®ef(^id^te mit einer TOifd^ung öon SBal^r^eit unb S)id&tung^
in xoÄi^tx bie le^tere meitauS übermiegt. ©ottte biefe 5>arftettung^
iDie SRarfigUoS 9l6fid^t mar, berid^tigt merben, fo fonnte bie^ nur
^) 2)ie gabel ton ber (Sinfel^ung beS ^rfürpcncottcgium« burd^ ^]Sa^)ft
)r V. l^at jucrjl S^oTotneo öon ?ucca in feiner ÄircJ^enflefc^id^tc unb in ber
üon il^m tcrfaßtcn gortfe^ung J)on Sl^omaö' Sßerf De regimine principum
in Umlauf gebracht. @r beruft fi^ l&iefür, icbod^ irriflcrn>eife, auf iWartin dou
2:ro^^>au. (@. ©ti^irrmac^cr , S)ic (Sntftel^ung be8 Äurfürftencottegiumg, 138).
ifia(^"2:olomeo ifl unter ben ung erl^altenen ©c^riften bie ?aubulf« öon(£olonna
bie erflc, tt)et$e biefe gabel unb jtüar gkid^fattö mit ^Berufung auf SWartin
ttiberl^olt @c^irrma(jter (a. a. O. 139) bemeift: (Solonna l^at alfo mit ben
3lugen beö ^tolemäu« bie ^teüe bei SWartin gelefen. Slber eine fotd^e Ueberein*
liimmuug in einem gröbtitä^cn SWißöerftänbniö \mxt boc^^ merfTOilrbig. 2)a(^
tic^tige toirb tietmel^r fein, bafe Solonna trofe feiner ^Berufung auf üWartin bie,
Stelle nid)t aug biefem, fonbern au§ Xolomeoö ÄircJ^engefcibic^te enttcl^nt ^at,
bereit Äenntniß er ja burt^ atibere Stngabeu unjnjetbeutig berrätl^. (@. oben
6. 175 «um. 2) Ueberbieß ftiltjt fidff aber Sanbulf für feine 3)arflefluug bc« S^organg«,
in«bc|on>ere bie 2)atirung, auf eine meitere Cueüe, bie er Gesta Germanorum
nennt. 3)enn an eine gcfcibriebene OueKe lagt fid^ bod^ nur. beuten , toenn
Sanbuif fagt: Quae ordinatio facta fuit anno domini 1004, ut gesta
Germanorum manifeste declarant (5Warftglto: ut gesta Germanorum tradunt),
2)iefc ©t^rift läßt fic^ ni(](>t nat^njeifen, iß tieflcid^t öcrloren.
9li(3ler, äBibetfad^er ber $a))fte. ^^
L-
^
178 —
hurtig ^ctanjicl^uttg üon .tocttcrem unb beffetem OucIIcnmaterid unb
Stnwenbung einer J^iftotifiä^en Rtitif erreicht »erben. SRan brouii^t
laum }u ertt)ä]^nen, bafe bieje 3lufgabe über bie ffräfte be§ 3^5^öIteTS
ging ; für 5!RarjtgIio trat ttol^I überbie^ ber Umftanb l^inbemb l^inju,
ba& er in golge feines bamaligen 2Bo]^norte§, ttal^rfci^einliii^ 9Rün$en,
in Iiterarif(i^en $ilf§mitteln no(i^ mel^r aU gemöl^nlid^ beengt loor.
6r ^ot neben ber ©^rift fionbulfs nur bie f(^on öon biefer Citirte
ß^roni! 9Kttrtin§ Don SEroppau ju ^anben gel^abtM, bogegen feine
einjige neue OueHe benü^t. @ö begnügt er fic^ au§ ber ^6)x\\i
SanbuIfS aUe Berufungen auf ba§ !anonif^e unb (5it)ilre(^t ju jirei^en
— bie erfteren, meil er fie grunbfäjüd^ nici^t gelten läfet, bie anbern
tool^I in popularifirenber S^enbenj — bann aber an bie meift loört«
lid^ ttieber^olte ©rjä^Iung fianbulfs in einer rein äufeerlid^en SBeife
feine ©ebanfen ober anä) nur einen SßermeiS auf ben Defensor pacis
anjufnüpfen, um ben für bie SKad^t unb ©elbftönbigfeit be§ Äaifer»
t^umeS gefft]^rli(!^en §folgerungen jut)orju!omnten. @r bejtoeifelt niii^t
bie aiid^tigfeit ber jum ©rweife ber päpftli^en Waäft angefül^rten
SSotgänge — »iemol^I er bafür l^ie unb ba fi^on einen SBorlöufcr
gel^abt ^ätte, fo Sol^ann bon ^ari§ — aber er beftreitet il^te
SRed^tmö^igfelt. 9lur gegen S5Bunbergef(3^i(^ten berl^ält er \\i)
ffeptiW.
SBürbe fi(j^ ^Rarftglio nid&t unjmeibeutig felbft als SJerf affer be«
jei^nen, fo tonnte man [\ä^ !aum entf^Iie^en, i^m' ein fo ober*
flöd^Iici^eS unb gel^aItIofe§ 3Ka(j^merI jujuft^reiben. 3^'f^f" ^^^'
was ber 9lame be§ S5erfaffer§ t)erfpri(]^t unb ber 3n^alt ber ©d^rift
leiftet, liegt ein jdireienber SBiberfpru(^ , beffen ©rflärung ni(!^t lei^t
ift. ®ie meifte ©laubmürbigfeit bürfte »ol^l eine Sluffaffung bc»
anfpruc^en, monac^ TOarfiglio bie ©d^rift auf föniglid^e Sejiellung
gefertigt unb fid^ babei mit einem feinem ©eniuS nid^t jufagcnben
©toffe in flü(!^tiger SBeife abgefunben l^at. S)ie ©efd^idjtfd^reibung
xoax nun einmal mi)t ©ad^e feines üornel^mlid^ auf baS ©octrinöte
unb ©^ftematifd^e angelegten ©eifteS; fie lonnte eS um fo loeniger
fein, wenn er in ben öerberbten ©efd^icJ^tSqueßen , bie il^m allein ju
') (gine SBcrglcld^unfl bc« 11. (£a^. bei iD^arftölio mit bcm 9. Bei Solotma
unb ber au8 iWartin angefül^rten ©teile (Mon. Germ. Script. XXU, 466) jeigt
bie birectc ©cnufeung 3Wartin8 burd^ ÜWarftgiio.'
r
— 179 —
6ebotc jicnbcn , imtnct mieber auf eingaben jHefe , bie feinen mel^r
(iu§ bet 3bee, al§ auS bent ©tubium bet Ouellen gebilbeten l^ijiorifd^en
Slnfi^tcn fo bbllig ttjiberjlrebten. ©o ift e§ , n)ie SJöÜinger ^) be«
werft, „lel^neid^ ju betra(?^ten , wie ein fo f^otfftnniger unb gelehrter
3Ronn in fold^en bod^ erfi feit lurjem in Umlauf gefegten l^iftorifd^en
fabeln tüie in einem ?Re|e berjiridt ft(^ abmül^t".
*) 2)a8 Äaifcrtl^nm Äarfö b. @r. a. a. O. 416.
12*
u
§. 10.
Sßtll^Tenb in ben poliflf^cn ©d^riftcn, roeld^c ber franjöftfc^e
©trcit jtüifd^en ©taat unb ffird^e l^crüorgctufcn l^at, überall ba§ Ieb=
^üft erregte 5lationaIgefü^I ber granjofen burc^flingt, fommt bie
tjaterlänbifd^e ©efinnung in ber Siteratur be§ beutfd^en ©treite§ fd^on
be^^alb weniger jum 3lu§bru(f, meil biefelbe l^Quptföd&üd^ burd§ Slu§=
länber bertreten mirb* fiupolb öon Sebenburg ift ber einjige
unter biefen ©d^riftfteHern, bem, mie er felbft fagt, ,,glü]^enber ©ifct
für ba§ beutfd&e aSaterlanb" bie geber geführt I)ttt.
Seine ©d^rift de juribus regni et imperii ^), ber
ältefte SSerfud^ einer Sl^eorie be§ beutf^en ©taatgre^tS, i[t, toie njir
ermö^nt l&aben, balb nad& ben Xagen bon Slenfe unb granffurt Der»
fa^t unb bem Srjbifd^of SSalbemin bon Syrier geroibmet, ber \\äi in
SRenfe ni^t mit gleid^er ®ntfc^ieben^eit wie bie übrigen bort öer»
fammelten ^urfürften gegen ben ^apft auögefprod^en ^atte. 5le6cn
ber aögemeineren SEenbenj wirb olfo 2upoIb babei ben S^td im
2luge gel^obt l^aben, in bem l^eröorragenbften beutf^en ßir<]^enfürf}en,
ben er „eine ^auptftü^e be§ fiönig» unb Äaiferrei(i^§" nennt, eine
feftere Ueberjeugung bon ber JRed^tmöfeigfeit ber beutfd^en ©a^e }U
ermecfen.
2)ie erften Kapitel be§" 93u(ä^e§ , baö me^r al§ ade anbern ^ier
be[pro(j^enen in ben folgenben !^t\kn SSerbrettung gefunben ^at*),
') 3n einigen ^anb^riftcn auc^ unter bem Xitti' de translatione et
juribus imperii ober bergt.
2) $.anbf(^riftcn: «pari« (Colb.) s. 15; granffurt, «artl^olomäu«flift«*
bibliotief, 8.14; örcmen, @tabtbibliotl^ef; Mrnberg, ©tabtbibUot^ s. 15;
3ßünd&cn, ^of* unb €taat«bibliot^ef, jirci s. 15.; ©traßburg, Uniterfitat«'
bibliotl^c! (verbrannt?); 9lom, ^?alatina. (i^ctfe, 3lr(*iü I, 290; ü, 208; IH.
- 181 —
lanbeln bon bent Ursprünge be§ fräntifd^en ätetd^d unb Don ber lieber»
ttagung beS Jfaifertl^umS bon ben ©tied^en auf bie f$tan!en burd^
$Q))ft Seo. Sanbulf Don ^olonno l^atte üaxl b. @r. unb feine 9lod^»
folget als granjofen erHört unb etft mit Otto I. bo§ Äaifertl^um ber
2)eutf$en beginnen loffen. Supolb bagegen betont, ba^ bad Jtaifertl^um
t)on f)ou§ au§ beutfd^ gewefen fei, Äarl fei ein 2)eutf(ä&er gewefen,
baS gfranfenrei^ l^abe feinen Anfang in Seutfd^Ianb gel^oBt unb bei
iebem Singe fei ber Slnfang ba§ @ntf(i^eibenbe. Otto l^abe bann bie
beutf^e ßaifettt)ürbe unb ^errf(i^aft über Italien nur erneuert. ®ie
®rünbe ber Uebertragung finbet 2\ipoU) in ber ^ilfe, meld&e ffarl ber
römifdSicn fiirti^e gegen bie Unterbrüdungen beS 3!)efiberiu§ , toit fii^on
fein SSater ^ipin gegen ?liftulf, gebrad^t, unb in bem ©d^uj unb
@(|irm, bie er übcrl^aupt überall bem ffleruS, ber Äird^e, ben 9lrmen
unb Unterbrücften gemalert l^be. S)ie 2Bir!ungen ber Uebertragung
frten gemefen, bafe ffarl unb feine fiänber bon ber ^errf(j^aft beS oft«
römif(!^en Äaifer§ epmirt mürben , bafe bagegen er unb feine yiaäj»
folger in i^ren fiänbern , in ben eroberten mie nid^t eroberten , bie
taijerlid^en SRed^te felbjl erlangt l^aben. 3nbem bann ffarl mit ber
fiaiferin 3rene unb ben Äaifern SKid^ael unb fieo Sünbniffe abge*
jd^loffen, fei bie fiiflf(j^meigenbe S^Piiw^^nfl i>^§ C>ofe§ bon ßonftan«
tinopet ju Wefer 33eränberung gemonnen morben ^).
aWit bem 5. Kapitel gel)t ber SSerfaffer auf feinen eigentlid^en
©egenftanb über, inbem er fünf ©öje über bie re(j^tli&e Stellung
bc§ römifij^en ßönigt^umS unb Äaifert]^um§ aufftellt, begrünbet unb
ficgcn ©inmenbungen bertl^eibigt.
1. „'Ber bon ben Äurfürften eintröd^tig gemäl^lte römifd^e Äönig
ober Äaifer lann fogleid^ nad^ ber SBa^I ben Äönigätitel ju üied^t
führen unb bie Siedete unb ®üter be§ Ä5nig» unb i?aiferreid^§ in
639; VII, 53, 112, 120, 123, 595, 692; XII, 343.) Sluggabcti: Argentor.
1508, t)on 3afol6 Sim^l^cling mit einer Sufd^rift on ben Änrfürflcn griebrici^
öon ©ad^fen; Basil. s. a. ; Schard, De jurisdictione imperii, 328; Argent.
1603; Cum Notis Marq. Freheri. Argent. 1624; idem Heidelberg. 1664.
*) ^au^jtqueüc 2m>oIbö i|l l^icr SWartin toou 2:ro^^au , bem er auci^ bie
ßinfctjung be6 Äurfürilencollcg« unter Otto IIL nad^erjäl^tt. Slußerbem »erben
in ber ©c^rift atö Ouetten citirt bie Surijlen Sanfran!, SBernl^arbu« ^lf^)anu0
(wol^l S3ern]^arb i)on (Sompofletta), ^opienft^, ^ugo unb Soljanne« (töol^l ^ufloünu«
«nb 3ol^annc8 SBafflanuÖ) , öon ^ijlorifern dufebiu«, Francorum historia,
Speculum historiale, Vita Burchardi episcopi Herbipolensis , Chronica
Gotfridi (tociffi (Sotfriebö toon ©itcrbo ?5antl^eott).
— 182 —
Stalten uub anbeten Dem SRei^e untermorfenen ^roöinjen tjertöalten."
Dieß ift bet erftc Slrtilel ber SReid^Sred^te , beten ^nl^alt but(5 baS
93öltetted^t , but^ bie allgemeinen ©etool^nl^eiten bet occibentalif^cn
aSölIet unb butd^ bie ©efc^id^te begtünbet witb. 9lad^bem nömli(!§ boS
Äatolingetgefii^le^t, in miäftm fi^ ba§ SReid^ betetbte, etlofci^cn war,
^aben bie gfütften unb 3lelteften bet öiet ©tämme, \mlä)t ba§ beutf^e
aSoIf teptöfentiten, ^eintid^ I. jum ilönige %m'6i)lt 3la^ bem SSöIter=
ted^t butften fie bieg tl^un, ba jebeS S8oIf [\i) einen ffönig wählen
f ann, mie aus 1. 5 D. • 1, 1 ^ l^etbotgel^t. SDßaS bie 3Setnunft bei allen
bictitt, ba§ i|l aSöIf etted^t ^). 2)a nun ^eute im Äönifl= unb Äaifetreic^
feine ©efc^Ied^tSetbfoIge mel^t befte^t, entbel^tt ba§ Sleic^ beim 2:obe cinc§
^ettfd^etS be§ Königs, ©tatt bet ©efammt^eit mahlen bann bie gütjlen
einen folc^en. ©o l^at bei ben SRömetn als ©tellDetttetet beS ge«
fammten SSolIeS baS ^eet ben ^mpetatot gemad^t. 3)ie tutfütjien
bauten als 5fteptäfentanten beS aSoIfeS, mie etmöbnt, auS bet 3^^'
Ottos m. SBenn [x^ bet Äönig tömifd^et ßönig nennt, fo tömmt
bie^ ni(!^t etma ballet, »eil Stauen bie ipauptfad^e, S)eutjd^Ianb nut
ein SIccejIotium märe, maS \\ä) bielme^t umgefe^tt Detroit, fonbetn e§
betu^t auf bet fö]^tfut(i^t öot bet tömifc^en Äitc^e, bann a\x^ öot bet
©tabt 9h)m, beten SSoIf einft baS Smpetium, beöot eS baSfelbe auf
ben Smtietatot übetttug, felbft gefügt! ^at.
2. ,,3)et t)on ben Jlutfütften, menn au(!^ in 3tt)iettad^t ©emä^lte
^at biefelben 3le(!^te, mie oben angegeben mutbe, menn et nut öon
bet aKajotitöt gemö^It ift." (6ap. 6.) ®iefe !ann butd^ bie ©ectetale
Venerabilem ») bemiefen metben. S)amalS finb nömlid^ Otto unb
^l^ilipp, Don benen biefelbe l^anbelt, in 3tt)iettad^t gemä^lt motbcn
unb bet ^apft ^at fiti^ befe^alb f üt Otto etllätt , meil betf elbe öon
bem gtbfeeten Sll^eile bet gütften gemö^lt unb ba, roo et follte unb
butd^ roen et foIIte, gehont motben ift, 3)ie gütften ^aben baS 3&af)U
xzä^t als ein Kollegium, als eine ©efammt^eit; bie 3ßai)l mufe mi^
benfelben ©tunbfö^en gefd^el^en, als ob fie baS ganje Soll bolljie^,
an beffen ©teile jte ^anbeln. %\xä) bie ©emol^n^eit jeigt bie 3lid6tigfeit
biefeS ©a^eS. 3)enn nad^ altet ©emol^n^eit, bie biSl^et bcobad^tct
motben ift, fommen bie gütften bei (Stiebigung beS 3:^toneS in Menfe
*) Ex hoc jure gentium introducta bella, discretae geutes, regna
condita, domiuia distincta u. \. to.
») @. 401 ((£ap. 15) »erben 5Jatur- unb Sßöitcrrct^t ibentificirt
») c. 34. X. de elect, I, 6.
— 183 —
in ber S)iöccfe 2:rier jufamracn , mo bann im Flamen bct anbeten
SoHegicn ober ber ©efammt^eit ein S^etmin jur ßönig^mal^I in
granffurt angeje^t wirb. 3n jeber ©efammt^eit aber mufe baS, toa^
Don ber 9Ka joritöt gef $ie^t , f o Uttaä^Ui werben , aU ob eö öon ber
©efammt^eit ausginge; benn fonft !önnte burt!^ eine ©efammtl^eit nie
etwas juioege gebraut werben.
3. ,,'iDer fo jum römif(iöen Äönig ©emä^lte ^at in Italien unb
ben übrigen bem Äönig« unb S'aiferreici^ untenoorfenen ^roöinjen
biefelbe ©emalt mie ber ^aifer." (6ap. 7.) Äarl b. @r. ^at öor feiner
Saiferfrönung S^ali^n, ©a^[en, grieSlanb u f. m. in geregten iJriegen
untcrmorfen, ijat aviä) in biefen Sänbern f(j^on dor feiner Krönung bie
DoIIe ^errfc^aft ausgeübt, ßbenfo fpäter Otto I. ®ie beiben ^aben
burijj) bie Äaifertrönung feine neuen Sönber erl^alten. Se^t ift freilid^
ber Sänberumfang beS 9leid^eS ein Heinerer.
SDie ©emalt eine» römifd^en ßönigS ober ßaiferS ift aber eine
boppelte. ßrftenS begreift fie bie 33ern)altung ber ©üter unb SRed^te
bcS Sleic^S, XDdä)t barin beftef)t, üon ben Uniergebenen ben 6ib ber
Sreue ju empfangen, Se^en ju übertragen, felbft ober burc^ ©teil«
Vertreter bie weltliche ©erici^tsbarfeit ju üben (benn unter Slbminiftration
tDirb au^ bie ^uriSbiction Derftanben), bie SLribute unb ©aben beS
9lei(j^cS in (Smpfang ju nehmen unb anbere Sleici^Sgefcbäfte ju erlebigen.
3n)eitenS begreift bie fönigli^e ober !aiferli^e ©emalt bie fogenannten
faiferlici^en 3ftefert)atred^te unb biefe" befielen barin, unel^eli^e Jlinber
}u legitimiren, ßl^rlofe ^u reftituiren, 5Rotare ju creiren u. bergt. SJaju
ift brittenS ju bemerten, bafe ^apft ©tep^an baS ^aifert^um auf
ffarl b. ©r. übertragen, erft ^apft 2eo aber i^n gefalbt unb gehont
^at ftarl mar alfo fci^on Dor ber ©albung unb Ärönurtg Äaifer unb
fo ift eS anä) l^eute nod^. S)er 9la(|folger mufe biefelben 9le(^te l^aben
toic fein 95orgönger unb nod^ je^t tritt jeber getoäl^Ite Äönig, wenigftenS
für Italien unb aße no^ gegenwärtig jum Sleidje gehörigen ?änber an
bie ©teile Sari beS ©ro^en unb DttoS I. %uä) bie faiferlid^en SReferüat»
re^te flehen, wie unöorbentlid^e ©ewp^n^eit beweift, fogleid^ jebem
neuen Könige ju.
4. „2)er fo ©ewö^Ite ift nic^t gehalten Dom ^apfte ober ber
römifd^en Stix^e bie ßrnennung ober ©enel^migung als Äönig einju^olen
ober ju empfangen." ((Jap. 8.) SCßenn bem eine SSeftimmung beS
tanonifd^en Sled^teS entgegenftel^en fofl, fo tonnte biefe junöci^ft nur bie
2)ecretale Venerabilem in ben §§ verum unb nos utique fein. S)aB
hierin fein ^inbernip liegt, wirb unten im 12. ßapitel auSeinanbergefeJt
— 184 -
•tDctben. -^aS ßibitre^t [tüjt ben @afe, ba nod^ t^m ber gfürfl über
bcm @efcj ftcl^t. Unb aus bem SSölfetred^te ober ber allgemeinen ®e-
.mol^n^eit fte^t bem ©aje nid^ts entgegen.
5. ,;®er (Sib, ben ber römifci^c ftönig bem ^appe unb ber
t5mif(j^en Sixxä)e mä) ber gormel be§ !anontf(i^en Sied^tS (63. distinct.
fC. übi domino) ») fc^mört, ift nt<ä^t ein 6ib ber 3:reue, ber gleid^be^
ieutenb märe mit einem 2e^en§eib, juramentum homagii, mie i^n
iber ©etreue ober SSafaH auf ©runb be§ Seitens feinem ^errn f(]^tt>ört,
fonbern er ift ein gib ber SEreue, b. i. getreuen ©d^u^§, ber hmä)
ben Äönig bem ^apfte unb ber Sirene ju 3:^eil merben foll/' (6ap. 9.)
^ugo l^ält bafür, ba^ ber Äaifer feine meltli(!^e ©emalt nur bon
©Ott aflein f)at unb barin bem Zapfte ni^t unterworfen ift; benn
ba§ §eer madje ben Äaifer. 3)iefelbe Slnfid^t l^at Sol^anneS. Rubere
Sanoniften bagegen unb S3ern^arb nehmen ba§ ©egent^eil an, nämli(^
bafe ber Siaifer bie gü^rung be§ meltlic^en ©d^merteö bon ber Si\xä)t
^rl^ält. 3)ie ipauptftü^e für bie erftere Slnfi^t ift ber Umftanb, bafe
bie anberen Sönige ber ß^riften^eit, meldte ja l^eutjutage meijl »eber
ien römifd^en Äaifer nodö Jcmanb anbern al§ meltlid^en S5orgefe|ten
(superiorem) anerlennen, weber Don ber römifd^en Siird^e no(^ öon
anberen ba§ merum et mixtum Imperium unb bie anberen SÜegalien
ju fielen tragen, dagegen mei^ man anberfeitS, bafe bie firi^Iid^en
^räfaten bie SRegalien i^rer Äird^en öon ben Königen ju Selben er=
l^atten unb tragen, fi^arl b. ®r. ^atte Italien unb bie anberen Sänber
unb ^robinjen, meldte ba§ römifd^e Steic^. nod^ l^eufe befi^t, fd^on bor
feiner (Sr^ebung jum Äaifer unb fd^on bamalS in benfelben bie bofle
^errfd^aft. 6r fiatte biefe alfo nid&t al§ Selben ber r5mifd^en tird^e
f onbern t^eilS Jufolge ber ©uccejfion, t^eilS jufolge gerechter groberung.
©eine 9lad&foIger aber finb burd^au§ in biefelbe ©teüung eingcrüdtt.
2)afe aber ber @ib, ben ber Äönig bem ^apfte fd^mört, ein SBerfpre^en
be§ ©c^u|e§ ift, ge^t au§ feinem Sßorfaut ^erbor; unb barüber barf
man fid^ nic^t munbern, benn ber Äaifer ift ber Sogt ber Äird6e.
ajlit bem je^nten ßapitel loirb fobann jur Erörterung ber 6in*
tt)önbe übergegangen, meiere man ben obigen ©ä^en entgegenhält.
©egen ben erften 3IrtifeI behauptet man, ber ©et^ö^lte !5nne erft
nad^ ber lird^lid^en 3lpprobation unb burd^ biefe baS 3ied^t ber ^err^
fd^aft erhalten ; benn bie Prüfung ber ^erfon be§ ©emä^lten fte^e
ber römifd^en Äird^e ju, toie au§ ben 3)ecretalen Venerabilem,
^) @ö ift ber (Sib, bett Otto I. bem ^a»>fle 3o]^ann gef(^tt)oren.
— 185 —
§ verum unb Romani principes § praefatis itaque ') l^etbotge^e ;
unb moju flcfti^c^c fonft biefc Prüfung? — SBcnn mon bon bom»
l^crein jiDci getrennte, bon einanber unabl^ängige 3utiSbtcttonen ober
bie Meinung beS ^ojtienjtS annimmt, bann tonnten mir l^ierauf er»
toibem, bafe feine @a|ung beS lanonif^en 9le^t5 bem SReid&e betreffe
ber SSertoaltung ber tt)eÜIi(!^en ®üter präjubiciren fönne. SDBir tooHen
aber biefe grage offen laffen unb ben ßinmanb auf anberem SBege
entfräften, inbem mir bel^aupten, ba^ bie Prüfung be§ römifd^en
ffönigS ober ffaiferS eine anbere ift als bie beS JfleriferS bor ber
SBeil^e. 2)ie Unterfu(i^ung ift eine boppelte : 1. ob er fein fd^toereS SSer*
breiigen begangen, wofür er S3uffe getl^an l^at. ®iefe Unterführung barf
aber nid^t ber ^apji ober bie ftird^e bornel^men unb aus folij^em
<8runbe barf bie ©albung unb Ärönung nid^t bermeigert werben;
benn burd^ bie Suffe ift ber ^errfd^er in ben frill^eren ©tanb jurücf»
gefeiert* 2. Ob er fein fd^wereS SSerbred^en begangen, wofür er nod^
nid^t Suffe getrau l^at. Siegt biefer gfatt bor, fo lann il^n bie Stxxä)t
aufforbern Suffe ju tl^un, !ann il^n ftrafen, ejcommuniciren unb,
toenn er ^alSfianig ift, felbft abfegen laffen.
3)ie ©albung ber d^riftlid^en Sönige berul^t auf einer SSorfd^rift
bcS olten SteftamenteS, bie Krönung auf einer aDgemeinen, nid^t nur
d^riftliiä^en , fonbern aud& l^eibnifd^en ©ewol^nl^eit. Sei ben römifd^en
Königen wirb fie jweimal boUjogen, in Slad^en unb in SKailanb, um
fte fo in i^re jioei Steige, ^eutfd^Ianb unb Stauen, einzuführen.
(Segen ben britten 3lrtifel wenbet man ein (Kap. 11), ber
römifd^e Äönig ^abe nod^ nid^t bie ^ribikgien wie ber Saifer. -
Mti bie römifd^en JJaifer l^aben ja feit Äarl b. ®r. fd^on bor ber
©albung unb Ärönung jene ^riüilegien ausgeübt, meldte man irr-
t^ümlid^ erft burd^ bie pöpftlid&e Krönung entfielen löfet. ©o l^at
^ipin, ber Sater ffarlS, an 5ftom bie ©tabt Slabenna unb baS
^entard^at gegeben unb ßarl l^at, als er nad^ SRom fam, nod^ e^e
€t flaifer würbe, biefe ©d^enlung beftötigt unb ©poleto unb Senebent
hinzugefügt.
Serner weift man auf berfd^iebene lanonifd^e Seftimmungen l^in,
aus benen l^erDorgel^e , ba^ einer juerft ifönig werbe unb fpäter erft
Äaifer. S)aS jweite muffe alfo eine l^öl^ere grl^ebung fein. — „Sd^
l^abe aber nid^t bel^auptet unb bel^aupte nid^t, bafe ber römifd^e Äönig
nod^ feiner SBal^I burd^auS unb einfad^ biefelbe (Sewalt l^abe wie ber
^) Clement, lib. 2. tit. 9.
— 186 —
Äaifcr, tt)ie bicfe bic bcutfti^cn-gfürflcn auSgcfproiJ^cn ^abcn^), lonbctu
\äi i)ait bel^auptet unb be^auple, ba^ et btejelbe ®emalt f)at, meldte
bet ffaljer in Italien unb bcn anbeten bem üleic^e untetmotfenen
Sänbetn beftjt; unb lä) bel^aupte nic^t — wie bie genannten t^üx^m
etllätt ^aben - bafe bie faifetli(!^e ©albung nut no(i^ ben ftaijer»
t i t e ( betlei^e, fonbetn i^ behaupte, baB bet Jtaifet naä) bet ^tönuti j
unb Salbung bie laifetUc^e (bemalt in aOen 9lei(!^en unb ^toDinien,
jumal roeftlic^en übetfömmt, meldte öot bet 3«it bet genannten Ueber«
ttagung nid^t untet bet ^ettfd^aft flati b. ®t. geftanben unb
welche aud^ jefet nod^ ni^t factifd^ untet bet ©ewalt beS J?aifer&
fielen, foba^ et alfo in benfelben une^elic^e Äinbct (in Sejug auf
baö SBeltli^e) legitimiten, Unel^tU^en i^te 6^te jutücfgeben, ®cfe|e
etlaffcn unb äl^nlic^e faifetlid^e Slefetöattec^te ausüben batf. gfetner
batf et, tt)a§ et öot^et nid&t butfte, öon ben gfütften biefet Sänbet
bie Untettoetfung fotbetn. 3llfo öetlei^t bie ©albung unb fftönung
bem ßaifet hoä) einen tealen Sutoad^S. S)ie aufeet bem SReid&e [te^en-
ben gütften wetben bie^ jmat nic^t gelten laffen wollen, abet ted^tlid^
finb fie baju öetpfliiä^tet. 2)enn bet i?aifet gtünbet feine 2Bittfamteit
ju 9ie(!^t auf bie SBelt^). 2Benn atfo biefe gütften i^te ßj^emption
nic^t befonberS bemeifen lönnen, fehlen fie, roenn fie batin SBibetftanb
(eifien, Die ?Infic^t, bafe bie pöpftUd^e ©albung ni^tS al§ ben faifet*
Ud^en 3:itel öetlei^t, ift läii^etUd^ unb äbfurb. 9lut füt Italien unb
Deutf^lanb, l^iet öetlei^t fie aUetbingS nid^t me^t al§ ben Stitel."
®egen ben Dietten Stttifel »enbet man ein (Kap. 12;: ^apft
Snnocenj III. ^abe Otto IV., bet mit SKajotitöt, unb ßlemenS V*
^eintid^ VII., bet mit Stimmenein^eit gewählt motben wat, jum
ßönig etnannt, 2lbet biefe päpftlidöe nominatio l^at bem ffönige fein
neues "Sttäji gebtad^t, toax alfo auc^ nici^t nöt^ig. 3)et ^apft geigt
butc^ biefelbe nut feine ®unft gegen ben ©emä^lten. 9lut menn bie
ÄönigSma^l infofetn ftteitig ifl, al§ jebet ?Jütft behauptet bie SWaiotität
ju ^aben obet als bet eine bem anbetn öottoitft nid^t innet^alb beS
^) p. 377. Jpiniüei^ auf SRcnfe.
^) Imperator enim fundat intentionem suam in orbe de jure. fli9
^mei^fteUen u^erben citirt D. ad legem ßhodiam de jactu, 1. praecatio (1.
deprecatio § 9 D. XIV. 2, too ber Äaifer Slntoninu« auf ba« ®efud^ be« fij&iff**
brüchigen @ubämon tjon 9^ifomebta ertDibett: Ego quidem mundi dominus)
unb au« bem 2)ecret c. 41. p. II. c. 7. 9. 1. (Hieronymi ad Rusticum
monachum epistola 4 : In apibus princeps unus est ; grues unam sequuntur
ordine literario ; imperator unus, judex unus provinciae u. f. U> )•
— 187 —
fcfigefe^ten Scrmin^ gewählt wotbcn ju fein ober bafe trgenb ein
Qtiberer ^f^^Ier begangen worben fei — bann aüerbingS !ann bcr
^apji, »eil tein l^öl^erer JRid^ter ba iji, über bie SBa^l entf^eiben.
©obann ©enbet man ein: ta bie ftaifemürbe butd^ ben ^apft
öon ben ©tied^en auf bie 3)eutf(i^en übertragen werben, fo fei baS
Äed^t ber JlönigSwal&I erji öon ber römifd^en ftird^e auf bie flurfürflen
übergegangen ; alfo fd^eine e§ bittig bon ber römifd^en Äird^e bie 33e*
flätigung einju^olen. — 9lber nid^t bon ber Äird^e, fonbern bon
Otto nL mit Suftiw^wiung ber ?Jürften unb be§ SSoHeS ift ben Äur*
fürjien baö SBal^lred^t übertragen roorben. Unb bie Uebertragung be§
Äaifert^umS . ift nid^t fomol^I bom ^apfte als Dom römifc^en 93olte auS'
gegangen. 5)ie ß[)roni!en fagen, bo^ ^apft Seo ffarl ben (Srofeen auf
Verlangen unb unter ^\xx\x^ be§ römifd^en 35oIfe§ jum ffaifer gemäl^U
§at. ginige bel^aupten ^) , ba§ römifd^e aSoIf befi^e nod^ ^eute gefe^*
geberifd^e ®emalt, nad^ 1. 9 D. I, 3 : Non ambigitur senatum jus
facere posse. 9lber bamit bin id^ nid^t einberftanben. S)a§ römifd^e
SReid^ ift ja fc^on bor ber StranSlation auf bie ©ried^en übergegangen.
S)a§ atterbingS tonnte mit einigem ©runbe (satis probabiliter) be=
Rauptet merben, bafe ba§ römifd^e aSolf, b. ij. nic^t ber ©tabt, fonbern
be§ ganjen römifd^en 9leid^e§, bei griebigung bes 3:^rone§ gefeggebenbc
©emolt l^at. 5lid^t auf regelmäßigem SBege fonbern juföttig, propter
necessitatem facti, b. 1^. weil bamalS fein ^ö^erer ba mar/ ber bieß
^ätte bornel^men fönnen, ^at bie Äird^e bie Uebertragung be§ Äaifer»
tl^umS bottiogen^).
gerner menbet man ein, bem Rupfte jie^e bie 9lbfe^ung ju, alfo
anä) bie ginfe^ung, b. ^. bie Seftätigung. S)em ift aber nid^t fo : ber
^apft fann nur erflären, bafe ein Äönig wegen großer 33erbred^en bon
ben gfürften abgefegt werben fott. 3Jlan tefe j. 33. bie ©efc^id^te bon
ber 3lbfe|ung 6^ilberid^§ unb 6infe§ung ^ipinS in ber Vita Bur-
chardi episcopi (Herbipolensis) , ber bamalS alö Oefanbter jum
^apfle gefdf|idft worben ift. Unb au§ ber Historia Francorum er=
fö^rt man, baß 1130 bom ffönig Sot^ar ju SBürjburg ein ßoncU
^on 16 S3ifd&öfen gehalten worben ift.
6ine weitere (Sinwenbung: ^apft 2eo mit bem römifd^en SleruS
unb aSolI l^abe Otto I. ba§ SRed^t übertragen, einen 9?ad^folger in
M 2)abei ijt njol^t u. a. an SWarfigUo gcbac^t.
2) 33ergr. über bicfen Sl6[*mtt ^u^otb« 2)öainger, ®a« Äaifertl^um Äarl«
b. ®r., a«ün*ner $iftorifc^;e8 Sa^rbu* für 1865, @. 404. •
"^
— 188 —
2itoIien )u toö^Ien. daraus folge bie SSerpfl^iung, t)on 9lom bie
fflejiätiflung einjut)oIen. Slbcr Otto l^at ba§ abgefallene Stauen in ge^
ted^tem Äriege wieber erobert. O^ne bannt einem reiferen Urtl^eile
Dörgreifen ju tooHen (salvo semper judicio saniori), glaube i^ bod^
nic^t, bafe ber ^apft über ^\alkn größere Steckte ^ot al5 über bie
anbern bem Imperium unterworfenen Steige ^). 3)aS SBort concedo
^at l^ier nur bie Sebeutung: non inquieto, non molesto, non
resisto.
©egen ben fünften Slrtifel tnUxäi toenbet man ein (6a^ 13):
'ba^ ber Äaifer ßonftantin bem ^apfte ©^toefter bie ©tabt Som,
Stauen unb atte toeltlid^en ^roöin jen gef(i^enft l^abe ' (c. seu palea
Constantinus 96. distinct.) ©urd^ bie ©albung unb iJrönung üaxU
b. @r. fei auf bie[en unb feine %a^foIger nur ba8 dominium utile
übertragen »orben, mä^renb ba§ dominum directum beim ^apjle
unb ber Stird^e geblieben fei; tt)a§ ber ftaifer f^mören muffe, fei aljo
bod^ ein 2e^en§eib. — lieber biefe' ©d^enfung nun befleißen ücr^
fd^iebene 3lnfic^ten. 3laä) berjenigen ber 3:i^eologen unb ßanonipen
müßten gerabeju alle ©taaten öom ^apfte ju Selben gelten unb ba§
märe boci^ etma§ ftarf. ©ine anbere 3lnfi(i^t aber — unb ber fd^liefee
xä) mxä) an — ge^t bal^in, ba^ biefe ©d^enfung gar nid^t gefd^e^en
ift. Konftantin l^at nur bie köpfte ermäl^lt, um bon il^nen .gefegnct.
ju merbfti, unb l^at i^nen SRom al§ SQBol^nfi^ überlaffen, mäl^renb er
nad^ S^janj jog. @r ^at bann unter feine ©öl^ne bie öjllid^en unb
mefilid^en ^robinjen getl^eilt, unb bie^ l^ötte er ja bod^ nidbt t^un
fönnen, menn e§ mit ber ©d^enfung feine SRi^tigfeit l^öite. 5lad^
ßonftantin l^aben 3:^eobofiu§ unb Diele anbere Äaifer 9lom, Suftinian
l^at ©panien unb ©aflien befeffen. 3)aS ßapitel Constantinus, eine
^alea, ift alfo für feinen Äanon ju l^alten. 6ö ift au§ ben ©eften be^
^apfte§ ©^Idefter l^erübergenommen , beren aSerf affer nid^t befannt
ift, unb biefe fd^einen unter bie apolr^pl^en ©d^riften ju berweifen.
Supolb meift bann no(^ anbere ginmenbungen jurüdf, bie auf
©runb Don ©öjen be§ fanonifd^en 9ie<i^t§ Derfud^t merben , unb fteHt
(6ap. 14) ben bebeutfamen ©a^ auf : S)urdö bie Untermerfungen unb
Slnerfennungen, meldte römifd^e Könige ben köpften geleiftet l^abcn,
!ann ben Siedeten be§ Äönigtl^umS unb ßaifert§um§ nid^t in ber
SBeife präjubicirt merben, bafe nid^t ^fürften unb SSölfer be§ 9leid§§
1) ^abei mag ?u:)>oit) an bie ^uUe c^ebat^t l^aben, moburc^ $apfl 3ol^ann
Stalten toom ?Äcid^c trennte.
— 189 —
bogcgcn cinmol ßinfprad^e erl^cbcn fönntcn. S)enn wenn ein $err,
ber eine SuriSbiction über Untergebene ^at, fid^ unb feine Sahbe einem
onbern ^erm unterroerfen woHe, fei bet SBiberfptud^ bet Untergebenen
jujulaffen; unb wenn auc^ ber SSafafl eine» Äird^enbaf allen befemegen
nod) nii^^t felbft fiir(]^enDafalI merbe, fo würbe bo^ in bem ^aUt, bo&
ba§ rbmif^e Sfeid^ ein fielen ber Äirc^e wäre, bie ^xxä^t eine mittel*
bare 3furiSbiction über bie SSofaflen be§ 9tei(!^S l^aben,
S)ie folgenben Kapitel (15—19) enthalten in ber Jpauplfad^e nur
SJieber^oIungen. 2tm ©c^Iuffe wenbet ftd^ ber SSerfaffer nod^mal an
ben grjbif(j^of Salbewin Don 3:rier. Sßenn er i^m biefe Sij^rift gc=
toibmet, fo l^dbe i^n baju bewogen glü^enber gifer für baS beutfd^e
SBoterlanb, inSbefonbere ba§ beutf(!^c gran!en, weld^eS wie ben Äönig
^^aramunb, fo au(i^ Äarl ben ©ro^en ]&eröorgebra(]^t ^abe, unb ber
Umjianb, bafe biefer ©egenjtanb öon feinem ber älteren ©^riftfieller
bc^anbelt worben fei.
yupolbS 3f{e(]öt§queIIen finb ba§ SSöIfer» ober 5Ratuned^t, b. i.
„tDo§ bie 35ernunft bei aßen bictirt", bie ©ewo^n^eit, baS römifd()e
Siöilretiöt unb ba§ lanonifd^e SRed^t. ®a^ burd^ bag le^tere al§ ein=
feitig päpftlid^e S3eftimmungen bie 3led^t§t)er^ältniffe be§ SRcid^cS nid^t
geregelt werben fönnen, erwähnt Supolb als einer 3lnfid&t, über beren
3lid)tigfeit er nid^t entfd^eiben will. S)en Defensor pacis ^at Supolb
gewi^ gefannt; eben fo fel^r auf beffen wie auf beS römifd^en aSed^tS
@inwirfung wirb bie bemolratifd^e ©runblage jurücfjufü^ren fein,
h)eldt)e Supolb bem Äaifert^ume gibt. 2lud^ bie JJenntni^ Don ©anteä^
5Konard^ie barf man wol^I bei bem ©d^wärmer für baS Imperium
üorauSfefeen, wenn aud^ nirgenb birect burauf 83ejug genommen wirb.
Supolb bon Sebenburg fnüpft red^t eigentlid^ fortfe^enb unb ergänjenb
on S)ante an. Slad^bem ber Italiener bie 3bee ber ffieltmonard^ie im
allgemeinen aufgeftellt unb begrünbet ^at, wiD nun ber SDeutfd^e nad^=
loeifen', mit weld^en red^tlid^en golgen fid^ biefe SCßeltmonard^ie im
^eiligen römifd^en Sleid^e beutfd^er Station öerwirflid^t — ober toiel»
me^r berwirllid^en foH. 6r fafet bie beutfd^en Äaifer o^ne ginfd^rönfung
oI§ Sled^tSnad^foIger ber römifd^en Imperatoren auf unb folgert i^re
Sefugniffe auS bem corpus juris, ©o gelangt er baju für biefeS
Imperium SKa^tanfprüd^e ju ergeben, weld^e i^m ^eutjutage ben
Flamen eines unberbefferlidfien ß^auüiniften öerfd^affen würben. ®od^
Win Supolb leine t)onftänbige 2lbentificirung ber 9ied(^te beS bentfd^en
ÄönigS unb römifc^en ffaiferS, fonbern ^at, um aDen ©d^wierigfeiten
— 190 —
ju entgelten, f^ ein S^jlem^) audgellägelt, toeld^eS nie irgenbmo
anberS beftanben l^at als in feinem flopfe. dagegen iji es bem beutfd^cn
^oml^ertn l^od^ anjufd^Ioflen, mit »el^em gfreimutl^ er jid^ ben l)äpil'
Itd^en Stnmafeungen toibetfe^t.
2)ie ©$tift de zelo Catholicae fidei veterum prin-
cipum Germanorum*) roifl eS ben 3^Wgenoffen in ßrinnetung
rufen, bafe ben beutfci^en dürften in befonberem 3Dla^e bie weltgefd^id^t'
l\ä)t atoHe Don ©(i^irm^erren "beS d^tiftliti^en ©laubenS ju %f)t\l ge=
tt)orben unb bafe fie fid& frül^er beffen tool^I betoufet gemefen. SSon
größerer SHJid^tiglelt al8 biefe rein l^ifforifii&e Slbl^attblung iff für unfern
©egenftonb eine britte ©d^rift SupoIbS, baSßitmaticum queru-
losum et lamentosum dictamen de modernis cursi-
bus et defectibus regni ac imperii Romanorum^),
ein in ber gform einer metrifd^en Slüegorie an bie beutfd^e Station gc=
ri^teter TOal^nruf. ®a bie gleid^jeitigen ®Ioffen be§ ©ebi^teS auf
bie @(]^rift De juribus regni et imperii berweifen, !ann baS ®e=
bic^t nid^t bor 1339 entflanben fein. @ine freie Ueberfe|ung: Sin
merlli(j^e rebe bon bem laufe be§ romifd^en ri^S unb ein dag bon
finen anligben gebred^en*), ttjelci^e mol^I auf Sßeranlaffung beS SBerf afferS
Otto Salbeman bon ffariftabt gemad^t l^at, ifi bom ©t. 3JHd^acI§tage
1341 batirt, fo bafe l^ieburd^ ber ßnbpunft bejeid&net ifl, innerl^alb
beffen Supolb ba§ Eitmaticum berfafet l^aben mufe.
SSom ©tubium ber römifd^en Saif erd&ronif en , Ilagt ber 3)id^ter,
ift il^m ber i?opf fd^mer geworben ; um pd^ ju erholen, gel^t er nad^
einer l^errlid^en 9(u, mo il^n mannigfaltige S3Iumen unb ber biel»
*) @. (5a^. 11.
*) 2)ic ^ö^xxH Ijl iüngcr aW de juribus regni et imperii, ttjorauf fie
\i6) beruft. Sl^re ^tbmung lautet an ben ^er^og 9luboIf toon ©ai^fen, t>on bem
e9 l^eigt: (huius libelli) noticia legationi, quam super concordia inter
sacrosanctam Komanam ecclesiam et sacrum regnum et imperium atten-
tanda pridem assumere decrevisti, congruere mihi videtur. $anbf d^rif ten :
©remen, ©tabtbtMiotM; ^rag, s. 15. excunt. vell6. (^er^, «rd^lto VII, 692 ;
X, 669). ^u^gaben: Lup. Beb. Germanorum vet. princip. zelus etc. ^abei
Hezasticbon in Lupoldum B. Sebastiani Brant. Basilee 1497; Scbard, de
jurisdictione imperii (1566), 411; Colon. 1564; Illustrat. a Frid. Fornerio,
Ingolst. 1624.
•) SSeröffentttd^t toon $eter im Programm be« ®t?mnajtum« ju SDWlnner-
ftabt 1841/42, micbcrl^olt toon ©ö^mer in ben Fontes I, 479. ©ergl. barüber
©ö^mer« 95orrebe XXXVII.
*) ©ei «ßeter a. a. O.
— 191 —
^mmigc ©efang bcr 95ögcl ergelcn. S)a nimmt il^n ein ^fufepfob auf
unb fü^rt il^n }u einem etl^abencn 3:i^ron, auf bem eine mit biet
Äronen gefd^müclte l^ol^e ©epalt fi|t/ ©ie gibt fid^ als ba§ ^eilige
tömif^e gieid^ ju ertennen unb erjäl^lt i^te ®t\(fi\6)U, bie mit Sl^tönen
^nbet ; benn eble Sieutf^e t^un bem 9lei^ UnbiD, inbem fie ft(j^ feinem
Sienjle entjiel^en, unb einige gtttften finb feine SBerrötl^er gemorben.
^ie bena(]^batten SSölfet j^oben eS im B\\6)t gelaf[en, »eil bie ©eutfd^en
i^ten, ni(!^t feinen SBort^eil fu(^en. ,,©ic bead^ten nid^t, bafe ®ott mid6
fo geliebt l^at, bafe er ju meinet 3^it 5Kenf(]& geworben; aud^ wirb
bcr 2lnti(i^rijl nid^t ju meiner 3^^* geboren »erben, ®ott tt)irb !eine§=
ttjeg§ bulben , bafe er mit mir ^nx]ä)t. 2l6er troj biefer augenf(i^ein«
li(]^en göttliti^en Seöorjugung flimmern [läf bie 3)eutfd^en nidftt biel
um ba§ Sleic^, bie Italiener öerad^ten unb berlqd^en eS unb bienen
nad| SBilHüt il^ten eigenen ^errfd^ern ; biefe Unbilben treffen ba§ beutfd^e
Soterlanb, \>o6) bie ©eutfd^en umgürten fi(j^ nid^t mit ©d^mertern,
um fie JU töd^en. SMel^r als fünf^iinbert ^al^re l^abe id^ mit i^nen
gcmol^nt, ju berfd^iebenen gieren l^abe id^ fie erl^öl^t, bie meijien
Sriumpl^e l^aben fie burd^ mid^ geembtet, bafür lol^nen fie mir je|;t
mit Unbanf." S)a§ SReid^ gibt bann Supolb ben ?luftrag bie beutf^en
Sürpen unb gblen auf juf orbern , bafe fie c§ mit fd^ulbiger (S^rfurd^t
e^ren unb bie benad^barten SSölfer ju feinem 3)ienfle jurüdffül^ren.
,,^ie 3)eutfd&en mögen uor allem ba§ gemeine 39efte anpreben, bie
^ritjatbortl&eile werben i^nen barauS öon felbft erwad^fen." Solgen fie
biefem Sefel^l, fo merbe e§ fie reid^ mad^en unb i^nen bie Söller
untermerfen. SBo nid^t, metbe e§ ju einem anbern SSolfe auSmanbern
unb bott feinen SBol^nfiJ auffd^lagen, mie e§ fd^on eitjmal bie ©ried^en
berloffen l^abe. "^flaä) biefer S)ro^ung entläßt baS äteid^ Supolb mit
feinem ©egen unb mit bem 33efel^le, feine Slage unb ^Kal^nung ben
2)eutfd^en mitjutl^eilen. S)em miD er nun nad^lommen, bamit fid^
feine SanbSleute nid^t mit Unwiffen^eit entfd^ulbigen fönnten. UebrigenS
fei feine Siebe nur bilbli^ ju berftel^en unb fo fei fie ol^ne 3*i^^if^I
tt)al^r unb nid^t erfunben.
S)urd^ biefeS ©ebid^t ^) mufe man ba§ S3ilb ßupolbS, »ie e§ un§
au§ b?r juriftifd^en äb^anblung entgegen tritt, ergänjen; bann jeigt
*) SSicKeid^t ifl cS in bcttjußter ÄBfici^t bem 1337 »erfaßten Planctus ecclesiae
in Germania jlonrab^ toon Sl^egenberf) ()egenü6ergc|lellt ; tt>enigßenS tagt und
SWegenberg burti^ bie SBibmung einer fpäteren ©dbrift an 2upoIb erfennen , baß
53c5le]^ungen jhjifd^en ben beibcn Scannern beftanbcn haben. 2)ie auffaflenbe
- 192 —
fi(^ etft red^t beutliii^, in meld^ l^ol^em ®tabe eS bem @eifie biefed*
Sbeolijlcn an l^iftorifij^cm SBerftänbnife gebtad^. Unjufriebcn mit bem
Söcitlauf , »eil er fi^ ni^t ndäf bem Softem im eigenen Sopfe ge«
ftdten tt)itt, gel^ört Supolb ju jener nie auSfterbcnbeu Klaffe öon @e»
leierten, bie über ber SBetra(^tung ber alten ©efd^id^te bergeffen, bafe eS
au^ eine neue gibt, ba| ein ettigeS Sterben unb SSergel^en waltet. Sluf
i^n ^at baS Sraumbilb ber d^riflli^en SBeItmon«r(]^ie mel^r ©inbrutf ge«
ma^t als bie unjtoeibeutigfteh ©rfal^rungen beS SebenS. ^n einer ^dt,
ba in 3franfrei<ä^ unb gnglanb jomol^I ©taatSgemalt als 9lationaIbe=
wufetfein f (i^on mel^r erftarlt pnb als in S)eutf d^Ianb, njill er eine beutfije
Suprematie über biefe Sänber erneuern; toäl^renb ba§ ^ji^P^^ium am
ticfften barnieber liegt, tüill er e§ in ber tüeitgel^enbjten Sebeutung
mieber erweden ; er bemerft nid^t, ba^ biefe 39eIebungSt)erfu^e einem
Seid^nam gelten unb ift ungel^alten, bafe bie Sleid^Sfürften nid^t gleid^en
2uftf(j^Iöffern na(!^j[agen. 3nbem fi(^ aber in feinen Älagen jugleid^
ber mol^lberei^tigte Unmutig über Den ^articulariSmuS ber S)eutfd^en
augfprid^t, ertt)irbt [\ä) SJebenburg \)oä) anä) ein SSerbienft, baS man
um fo weniger unierfc^ä^en barf, je feltener in ber 'S^xt fol(j^e ®c*
jtnnungen laut mürben.
2Jc]^n(i(i^!cit ber bl(^terifd(^cn 3bce beS Ritmaticum querulosum mit bem öon
Pfeiffer l^erauSgcgcbenen bcutfi^en attcgorif(i^cn SoBgebid^te auf ^aifer ?ubtt>t9
dncrfcitö (gorfd^ung unb Ärttif auf bem ©cbicte bc3 beutfc^en Slltertl^um«
I, 53) unb mit bem Songe du vergier (f. unten am ©(^(uge bcS § 13) anber*
feit6 jetgt un« übrigen« au(]6, njic arm biefe Seit tcax an poetifci^er ©rfinbiing.
§. 11.
2)er Defensor pacis.
^anbfcä^riftcn unb 3lu8flabcn: Sßcnn man crftcrcn im 33erl^äUm6
jur ^cbeutung be^ SSerfc« nur fetten begegnet, fo erflärt [lä^ bieg leicht au«
bcm ^ä^)fttid^en Serbote be§ ©U(te8. 2)aö folgenbc S5erjei(]6nig erl^ebt inbcffcn feinen
%n\pxn6} auf Sottfiänbigleit. 3^ finbe $anbf(!^riften erwähnt: s. 14. Ä. !. $au8-,
$of- unb ®taat«ar(j^iü ju Sien (53i)^m, bie $anbfc(iriften bicfe« ^rd^iö«, SRx.
768; bafetbft auf bcr inneren €eite be8 2)e(feW gleit^jcitige (Srn>ä^nung bc«
2)ialog8 öon Drfam de potestate papae); s. 14. Ä. f. ©ofbibliotW in SBicn,
ßec. 1064, öerbunben mit SJ^arfigtio« Tractatus de translatione imperii (^er<},
%xiiin, X, 532); in ber Vaticana (Cod. 3974, f. ©regoroöiu«, O^efd^i^te §Rom«,
Vr, 145); im Collegium magnum ju Ojforb (Wadding, Scriptores ordin.
minor. (Rom. 1650) ertt?ä^nt fie a(8 Defensorium unter ben Serfen Ocfam«,
bie öon i^m citirten -9lnfangSn?orte Omni quippe regno desiderabilis jeigen
aber, baß e8 ber Defensor pacis ift); in ber ^riüatbibliotl^ef beS Äßnig« öon
Stalien in Xurin, ^erg., fot, 1416 inl^üttid^ gefd^rieben unter b. Xitet Marsilius
Patavinus, De potestate summi pontificis ad Lud. Bav. 1324 ($er^, ^2lrcJ(^iö,
IX, 599).
2)ie fd^öne erfie Slu^gabe öon 1522, fol. (elegantissima nennt fie fd^on
«Scarbeoni; ber 35ru(fort S3afet ift nid(>t genannt; auf ber iKüncbner $of- unb
€taatdbi6Uotl^e! foOen ftd^ nad(^ ^^ingabe be9 lEatalog« aud^ @;cem:)>1are mit ben
Sai^rjal^ten 1520 unb 1521 finben) ift au« rcformatorift^er 2:enbenj l^ertorge*
gangen. 2)er Herausgeber, ber bie SSorrebe at« Licentius Evangelus unter*
jcic^net, fagt, ba§ er ba« 2öerf öerßffentüd^c, um gegen bie geifttid^eu 2:^rannen
ber ©cgcnmart $ilfe j^u bringen. 3J?an l^at JBeatu« ©ilbiu« Sil^enanug (^öd^er«
(Sete^rtentcjifon u. Weller, Index Pseudonymorum), aber auc^ ^a(. Sario
unb 3^infl^i "^t^^ ^^"^ $feubon)jm öermut^et. (®. Graesse, Tresor de livres
rares et pr^cieux unter Marsilius.) ©otbaft, ber aud^ eine längere ^orrebe be^
erflen Herausgebers gefonbert mittl^eiU (Mouarchia, I, 647—653), beruft fid^
für feine 2lnnal^nie beS ©eatuS Ü^l^enanuS auf ben 3i^i^i^^^ Äanoniter unb
'Jprofeffor Subwig lOaöater. (®. Monarchia, 1, Dissertatio de auetoribus unter
Beatus Rlienauus.) (Sin. Holjfc^nitt auf bem 2:itelbtatte ^eigt ben Äaifer Subtüig
mit feinem ^ttxt loor ?Rom. — Cum notis (unb einer ipoetifcfeen SSorrebe an ben
$faUgtafen griebrid^ IV.) Francisei Gomari Brugensis. Fraucofurti 1 592. 8^
— Kditio castigatior notisque et aliis auetior Ex bibliopolio Coineliniano
»iejlcr, aOßibcrfadöcr bcr 5Päi)1lc. 13
— 194 —
t»99. 8*^. ^abei attd^ 9)'2ar{tgtio9 Tractatus de trandatione imperii. — Goldast,
Monarchia, II, 154 — 312.- SRoäf bicfcr at« bct bcrbrcitctften 2lu«(;ak toirb
im fotgenben cittrt' toerben. — Cura Dan. Pattersonii Dantiscani. Francof.
M. 1612. S^ (diligenter a mendis repurgatum et hac minori forma editum).
— Opus inaigne, Def. pac. s. 1. 1622 fol. — Cave, Append. ad bist, iitter.
(Basileae 1744) ertoäl^nt aud^ einer 3lu8gabe öon grantfurt 1623. 8^ — gricb*
6er9 (SeitWrtft für Äir*enre*t, VIII, 121) cittrt na* einer 3(u«ga6e Francof.
1692. 8°, Softer nad^: Legislator romanus cura Danielis Pattersonii Dan-
tiscani. Prostat. 1613. 2)ie granffurter 2lu«gabe öon 1612 nnb bie in ®olbaji8
SWonard^ic fmb, abgefel^en t)on unmefentU^en Slenberungcn, nur Sieberabbrud
bcr editio princeps. * Ob e6 f!df> mit ben übrigen ^uSgabcn anber« wrl^alt,
tonnte x6) ni(ftt prüfen.
SSon Ueberfefcungen erfdf^ienen fd^on gteid&jeitig mit bem Sßer! mehrere
franjBfifdfie, auf beten unbefannte Slutoren bie ^-Parifcr UniöerfttSt fal^nbcte
(Bnlaeus, Hist. Universität. Paris. IV, 216); no6} 1376 befragte fid& ^a^ü
©regor XI. über eine foWe. (D'Argentr^, Collectio judicior. de novis erro-
ribus, I, 397.) ©ebrudt fd^eint feine berfetben. — 1535 erfd^ien eine engr#e
The Defence of Peace, tianslated out of Latin into English by Wyllyam
Marshall. Lond. R. Wyer 1535. fol. — 53atb barauf eine jebodff nur untoß*
liänbige beutfd^e: ^2lin turfeer Slu^ijug beö treffenUc^en SBerdt« önb gribfd&irm*
feud^« aWarftlii öon ^abua u. f. u). burd^ SWajc 9Äüüer öon SBeftenborff t>erteutfd^t
t)nb jefamengericfet. ©ebrurft jii S^ienburg a. b. 2)onau bei C>cinnfen Äilian, fürpi.
9tentfc&reiber. Anno domini 1545. fol. 3n ber an ben $faljgrafen Ottl^einri^
gerid^teten Söibmung fagt ber Herausgeber, er l^abe bie brei sBü^er beS SÄarfiliuS
i)ofi!ommen öerbeutfdf^t, meit aber biefelben ,,etma8 tang", biefen S(u8jug gefertigt.
2)erfelbe beginnt gteid^ mit bem 3nl^alte beS jnjeiten ^eil« nnb bröngt bie
jtt^eiunböierjig Conclusiones be« britten Xf}dl9 in flebcn jufammen.
, 2Bir getrauen un§ ju bel^aupten, ba^ mir nie einen f^Iimmcren
ile^er geiejen ^aben al§ bte[en 5!JlarfigUo." ,,©(!^ärfcr, geiftteid&er unb
mit au^ebe^nterem SBiffen l^at ntemanb bie ©ac^e bcr n)eltli(|en ®e«
tDalt gegenüber ber ürd^U^en geführt." ®iefe 2lu§fprü^e, öon benen
ber erfte öon ^opp 6Iemen§ VL ^) , ber jmeite Don Sllberto ^igl^io,
einem Sert^eibiger ber ^ierard^ie au§ ber SRcformationSjeit l^errü^rt *),
mögen un§ barauf öorbereilen , toeli^e l^erdorragenbe Scbeutung bem
Sbnä^t jufömmt, auf baS mir je^t unfere 9lufmerffam!eit menbcn.
2)er Defensor pacis ift ein einl^eitlid^eS, nad^ borgefa^tem ^pione
in einem 3"9^ gearbeitete^ SÖßer!^). S)er 3:itel ift mit großem ®t\i)\i
') 3n einer 9lebe tom 10. 2l^rit 1343; ^öffer, ^u8 2lmgnon, ®. 20.
*) 3n ber Sorrebe feiner Hierarchiae ecclesiasticae assertio. $toin 1538.
^) Sßenn nodb neuerbingS Sorenj (ißapftnjal&l unb Äaifertl^um, ^Jreußif^c
Sa^rbüd^er, Sal^rg. 1873, @. 46) wn ,,3Berfen bcr iKinoriten" f^ridbt, ,M^
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gciDö^It, bcnn inbem er in crjiet älcil^c bic näd^ftc SBcranlajfung bc§
^wä)t^ im Sluge bel^ält, bie burci^ ^opft Sol^onn bcrurfaci^tcn inneren
äffiirren in Stauen unb S)eutji(j^Ianb , benen gegenüber burci^ S^tüdE«
iDcifung ber unberechtigten pQpjiliiJ^en Slnfprüd^e ber gfriebe gefd^irmt
»Derben foH, bejie^t er \\ä) jugleicj^ weiter auf bie ©iii^erung be§
gnebenS überl^aupt al§ bie Dorne^mfte Slufgobe iebe§ ©taatsmefenö
unb fo ermeilert pd^ ba§ SBerf ju einer fiel^re über ba§ SBefen unb
bie gönnen eine§ rationeDen ©tooteS, über SQßefen unb SBerfoffung ber
Airline unb über bog SSer^ältnife biefer beiben I)ö(i^ften ©etoolten be§
menf(i^Ii(i^en 5)ajein§.
SBa§ bie SSerfaffer be§ »u(i^e§ betrifft, fo ift burd) bie Slngaben
be§ ©tubenten granj öon SSenebig unb ber pöpftliiä^en S8erbammung§=
bullen ertotefen, bafe aufeer SKarfiglio anä) ^o1)ann bon ^i^nbun an
bem SBerfe 3:^eil !^atte. SEBenn aber anberfeit§ im Suci^e felbft ber
SSerfoffer immer nur al§ ego auftritt unb fid) einmal burd^ bie 58e»
jeiij^nung al§ Antenorides ^) ego beutlid^ al§ 3!JJarfigIio ^n erfennen
gibt, fo mufe man annel^men, bafe bie 5Kitarbeiterf(^aft 3ianbun§ neben
ber be§ bebeutenberen ©enoffen fe!^r im ^intergrunbe ftanb. 5)ie 3Irt
be§ Serl^ältniffeö nft^er ju beftimmen fel^Ien un§ fidlere 9ln]^alt§punfte ^).
SBejüglicf) ber ^di ber 3lbfaffung !^aben mir feine birecte '*Raä)''
xxä^t, e§ ftel^t aber feft, bafe bie beiben SSerfaffer mit bem in ^ari§
innerhalb jmeier 3}lonate aufgearbeiteten Sud^e ju JJaifer Submig
fomen. 2)emnadE) bietet ber Umftanb, bafe 5JlarfigIio im Januar 1327
im ©efolge be§ Äaifer§ an ber Serfammlung ju S,rient tl^eilnimmt,
ben terminus ad quem. ®ie ^nrebe Submigö al§ Imperator im 1.
Kapitel be§ 8udE)e§ ift alfo anticipirt. S)er terminus a quo mirb
butii^ eine ßrmöl^nung im 26. ßapitel be§ jmeiten 3:^eil§ geboten:
ber ^apft behaupte, bafe er mit feiner gfbrberung eine§ 5ßrüfung§red^te§
in ber ©dmmlung öon^tuffä^cn unter bem 9iamcn ber griebcuööertl^etbi«
gung in bic Sßett gegangen tt>aren", fo ift biefe SBcjeitSnung nacä^ jwei @citen ücrfcl^U.
>) = Patavinus, ba man ^abua toon Slntenor gegrünbet fein ließ.
*) S)od& möd^te xd^ bie bon griebSerg, a. q. O. 114 offen getaffenc 3)iög*
li^fcit, baß bem 3anbun öicKeid^t nur bic niecj^anifd^c 35crtielfättigung, baö ^216*
fd^rciben, oblag, im ^inbticl auf feine pl^Uofop^if^cn (gd^riften, feine ©tcflung
als Unit)crfität§(eT^rer unb bic 2lrt, »ie er mit SWarfigtio in ben pä^ftlid^en
Süllen pf ammengenannt tt>irb, au«fd?tie6cn. dagegen barf man tt>enigf*en§ a(0
SSermut^ung ben ®eban!en au8fpred^en, ob nici^t 3anbun etwa bic franjöfifcbc
Ucberfefeung beforgte, bereu jicmü* gJeid^jcitigc« 2(uftanc^cn ja ermicfcn ifl. 2)er
Umflanb, baß ber $arifer Uniöcrfttät ber ober bic Ucbcrfcljer unbctannt blieben,
fann bicfc Slnnal^mc nic^t unmögtid^ mat^^cn.
13*
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ber ffönigSroa^I ben SRed^tcn ber ÄUTfürftcn nic^t präiubicitcn »olk.
5)ieB ^ot 3o^ann in ©ircularfditeiben an bic Äurfürficn bom 26.
«ölai 1324 crflärt i). 3u Q^nlici^cm ©d^Iuffc fül^tt aixä) bic grmä^ung
ber ^roceffc gegen Subwig. S)ic ©xcommunicotion ift bereite auSge«
fproc^en «) ; biefe gefd^al^ 23. 3nörj 1324 3). dagegen bie Sorlabung
SubmigS megen Äe|etei fammt ben bamit iufammenl^ängenben in
grellen gfarben gef (j^ilberten folgen toirb öom 3Serf affer erft ermartet *) ;
biefelbe ift jufolge ber SEranSadionen jtt)if(ä^en Submig unb §friebri(|,
tt)el(^e baS 9iöberit)er! ber päpftlici^en SJerurt^eilungen einige 3^*
ftiflfte^en matten,. erft am 3. 9(pril 1327 au§gefpro(]^en morben^) ol§
9lnt«)ort auf ben bon päpftli(]^er ©eite lange befürd^teten Slntritt bc§
ülömerjugeS. - 3tt5if(^^n biefe beiben ^roceffe fällt ber Dom 11. 3uli
1324®), tt)orin bei Söteberl^olung ber ßfcommunication bie Steigerung
be§ Urt^eil§ barin liegt, bafe Subtbig be§ 9iei(3^e§ entfe^t mirb. Sief«
SBuHe f(jE)eint 5JlarfigIio niii^t me^r ju fennen ; menigften§ eriDö^nt er
nie einer birect au§gefpro(jE)enen 9ieid^§entfe|ung, fonbern nennt Sann
, unb unterbiet al§ bie äufeerften bi§ber angemenbeten ©trafen. 9Rit
einiger SCßa^rfd^einlid^feit barf man alfo ben ©ommer 1324, mit
«eftimmt^eit bie 3eit öom ©ommer l:i24 bi§ ehm C)erbft 1326 al§
ben 3^^*i^öii^i^ betraii^ten, innerhalb beffen ber Defensor pacis öerfaBt
tt)orben ift. ®a e§ feftftef)t, ba^ bie SSerfaffer ba§ aufgearbeitete S3u($
f(3^on JU Submig nad^ 2)eutf(3^Ianb mitbraii^ten, ift bamit ba§ mid^tigc
grgebnife gemonnen, bafe 5ölarfigIio unb ^anbun bie erften ©d^rilte
2ubmig§ gegen bie ßurie, in§befonbere bie ©ad^fenbaufer Slppeüationö^
^) ^ö^mcr, aiegcften $a»?ft Sol^anii« XXII. SRx. 27. (S6cnfo in berSutte
t)om II. 3uU 1324 gegen ?ubroig (Olenfd?logcr, Urf. ®. 116). äy^arfiglio Meint
icbod^, ba er i>om fonftigcn Sn^alt bicfer ©uüe ni(3^t f^rid^t, feine Äenntnig ber
^a6)t löielmel^v auS ber öom 26. 9Kai ju l^abcn.
«) P. II, c. 26, p. 283.
^) ^ö^mcr a. a. O. 9^r. 18. 'änd) Slnfpiclungcn anf ben SBortfout biefer
^utte finben ftd^ im Def. pac. 3- ^- »'enn ber ?a:|)|t im (Singang fagt : Urget
nos charitas sponsae Christi, fo jielt XQci^l barauf bie ©tctte, p. II, c. 24,
p. 272: Nee sunt iura sponsae Christi fastigia imperialia et secularia
dominia, quae sub huiusmodi verborum sophistice modernus Romanoram
episcopus se ut defendat imo potius ut olFendat, opposuit iniquissime
inclyto Ludouico etc.
*) P. II, c. 26, p. 283.
*) Söö^mer a. a. D. i«r. 54.
«) % a. O. mx. 31.
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f^tift, no(j^ nid^t beeinflußt l^oben unb baß bie bal^in lautenben SKn«
gaben |yeinri(]^§ t)on 9lebborf unb Sla^nalbS irtifl jtnb ^).
SII§ Oueflen finben jtd^ im Defensor pacis benu^t unb citirt:
bie Säibel, bie nam^afteften Äir(]^ent)ätet, fo Drigenc§, ^uguftin, 3Im«
kofiuS^)^ ^ilariuS^), baS Corpus juris canonici, bet Magister
sententiarum * , jpfeuboifibor, ber ©(offator ber ^I. ©(j^tift älabanuS *),
ein Brief Sem^orb§ bon ßlairbauj an ben ßtjbifd^of bon SenS ^),
bejfen SReben unb beffen ©(i^rift de consideratione ad Eugeniuin
papam, Richardi libellus de clavium sacerdotalium potestate '),
bie ©^rift C^^Ö^^ bon ©t. SSictor de sacramentis ; öon ben 35ecre«
iiften Richardus Anglus unb ^uguccio bon Jßifa; bon mittelalter»
Ii(|en ^iftorifetn Sriefe be§ ©affiobor^) unb ba§ öerbreitetjie 6om=
^nbium ber SGßeltgefd^ii^te, bie ß^ronif 9Kartin§ bon Sroppau, be§
fogenonnten ^olen ; bon floffifd^en ©d&tiften öor allen be§ ärifioteIe§
^olitit et^if«), Defonomif 9), Ä^etorif 1«), 5P^^fiI^0. ^^ilofop^ie ^0.
(b. i. SJietapl^^fif;, de animalibus i=^), bet Liber de motibus ani-
malium^^), @alenu§ de zogonia^^j, ßicero de officiis *^), ©alluft§
ßotilina^^); baju !ömmt ber Slraber 9lbertoe§ ^'^). ©ieß SSerjeicJ^nife
ift le^rreid^ burd^ feineu 3n^alt, le^treid^ aber aud^ bur(i^ ba§, waS
c§ ni(i^t entl^ölt. 3n le^terer §infi(3^t ift ^eröorju^eben, baß bie erfte
tl^eologifci^e 3luiorität ber 3^W, bie Summa be§ SE^omaS bon 3lquino,
für bie 9In^änger be§ ^^apalf^ftem§ in bet SE^at eine ©umme ber
M ®. oBen @. 38, ^«nrner!. 1.
^) Ad Valentian. imper. epistola, p. 217.
') Contra Auxentium, Mediolan. episcopum unb 55rief au ben Äatfet
donftantin, p. 214.
*) U. a. p. 205.
^) p. 254.
•) p. 197.
') p. 205.
8) p. 154.
®) U. a. p. 157.
*'') U. a. p. 178.
") U. a. p. 184, 212.
*') ©ol^t bie Historia animalium.
^^) p, 183^ Sol^t De communi animalium motione.
") p. 176.
^^} p. 155.
*«) p. 154.
") p. 168.
— 198 —
SSßdtanfd^ouung, bur(j^au§ ignorirt wirb. ®cr Umjianb, bafe \\ii feine
^enu^ung beS meltlid^en tömifd^en ^täfk^ jeigt , entfprid^t bet l^at«
faci^c, bafe baSfcIbc öon bcr ^orifcr Unibcrfitöt burc^ päppiid^cn SBefe^l
noä) immer ferngcl^oltcn mar.
^cr Defensor pacis gcl^ört unter jene f8üä)tx, bie man ton
je^er mel^r gelobt als gelefen l^at. ©eiftig jmat ift SKarfiglio bet
@(]^oIajiit entmad^fen; aud^ nad^ ber formellen ©eite ftid^t fein SBet!
Dortl^eil^aft ab öon ben im trabitioneüen ©(i^ulgeleife manbeliiben
©d^riften ber 3eit, j. S. go^annS öon 5ßari§, OdfamS, SBebenburgS;
gleid^mo^I ift genug Don ben fcä^olaftifd^en gormen l^angen geblieben,
um bie Seetüre ju feiner leidsten ju mad^en. Sreit unb fd^werföllig;
burd^ eine faji erbrüdtenbe SBaffe Don ßitaten, Definitionen, ©9II0»
giämen bemegt pd^ bie Unterfud^ung üormärt§. ffein ^unft gilt für
gefid^ert, fo lange nid^t alle erbenflid^en ©inmönbe miberlegt finb. ®ie
9lnorbnung be§ ©tof[e§, bie bei ber erften Seetüre oermirrt erfd^einen
fann, ermeift ftd^ bei genauerer Setrad^tung im gangen unb großen
bod^ al§ ftreng logifd^ ; nur in ben jal^treid^en SEßieberl^olungen mad^en
fid^ bie ©puren ber. flüd^tigen Slbfaffung fühlbar; ber 3n^alt aber
ift bie reife ??rud^t langer Ueberlegung.
fSfriebberg l^at in bem auSgegeid^neten Sluffa^e: Die mittelatter»
lid^en Se^ren über ba§ SSer^öltnife oon ©taat unb Äird^e, bie Doctrinen
be§ Defensor pacis mit juriftifd^er ©d^ärfe jufammengefafet ^) ; unfere
3luf gäbe mirb fein einen 9tu§jug ju geben , ber fid^ aud^ in ber 2ln»
orbnung be§ ©toffeS genau an baS Original arifdöliefet, ber beffen
gangen Snl^alt gleid^fam in einer ^Jliniaturcopie jufammenjubrängen
unb aud^ ben balb le^r^aften balb r^etorifd^en 3:on einigermaßen
mieberjufpiegeln berfud^t.
S)a§ SBerf ge^t au§ üon einer allgemeinen Seträd^tung über ben
Sßertl^ unb bie guten fSfrüd^te beS fSfrieben§ unb bie fd^limmen
SBirfungen be§ (Segent^eilS. 3^ ben Urfad^en be§ UnfriebenS in bet
SBelt , meldte fd^on 2lriftotele§ aufgejä^lt l^abe ^) , fei nun eine neue
getreten, bie meber 9lriftotele§ nod^ ein anberer alter Sß^ilofop^ öor«
l^erfe^en founte unb an beren SQßirfungen inSbefonbere ba§ römifd^e
3Jeid^ feit langem franfe. Diefe Urfad^e öerfprid^t ber SSerfoffet,
nad^bem er reiflid^ barüber nad^gebad^t, bem erlaud^ten römi^en
ffaifer Submig ju entpßen, ber burd^ alte§ ®eburt§red^t, burd^ eigen»
*) 2)oöe unb griebberg, Scit^rift für Äir4ciire*t, VIII, 121-137.
«) ^IJoliti! V, 2-7 u. 10.
— 199 —
t^ümltd^ l^clben^aftc ^tnlagc unb l^crborragenbe S^üd^tiglcit auf ben
Seruf gctoicfcn fei, bic ftc^crcien unb ©tteitigfeiten auSjutottcn, bie
fQt^oUfcid'e SDßa^r^cit, bic Ctbnung unb bcn Sieben ju fd^üften.
3in btei 3:^cUcn mü bcr aSerfaffct feinen ©toff bel^anbeln: im
erften toirb er naä) fitj^eten, burd^ ben ntenfd^Iidien S3etflanb erfunbenen
SRctl^oben au§ 38orou§fe^ungen, bie ganj fep jiel^en unb bie iebem
ni(j^t burd^ 9iatur, ©eroo^nl^eit ober falfd^e Steigung berfd^robenen
©inn Don öornl^erein belannt^pnb; fein ©^pem betoeifen (demon-
strabo intenta); maS er auf biefc SBeife beriefen ju ^aben glaubt^
tDJrb er bann im jmeiten S^l^eil burci^ 3^ugniffe ber SBal^rl^eit bie für
bie gwigfeit gegrünbet finb, au(^ burd^ bie Slutoritöt i^rer l^eiligen
Sntcrpreten unb anberer bettJöl^rter ßel^rer be§ d^rijHid^en ®Iauben§
beftätigen ^), fo bafe biefeS Sud^ burd^auS auf ftd^ aflein fte^t, leiner
äußeren SiKigung bebürfenb. ^m britten %f)t\l mirb er einige, burd^
ba§ öor^ergel^enbe ju öoflfiänbiger ©id^erl^eit erhobene ßonclufionen
fQmmeln. (ßap. 1.)
3unäd(|ft werben S)efinitionen ber Segriffe ©taat ober SReid^ unb
grieben be§ ©taate§ öorauSgefd^icft. Unter bem le^teren fei jenes SBol^I«
befinben (bona dispositio) be§ ©taateS ju ben!en, meld^eS jebem
3:]^eile erlaube, feine il^m nad^ SSernunft unb ^iftorifc^er gntwidfelung
(secundam rationem et institutionem) jufommenben gw^ctionen
öollfommen jU öerrid^ten. (ßap. 2.) hierauf beginnt bie Erörterung
über Urfprung, SBefen, !^XDtd unb (Sinrid^tung be§ ©taateS.
S)er ©taat ift ein natürlid^er Organismus, ber auS ber 95er'
binbung jwifd^en 3Jlann unb SQßeib, an^ bem Familienleben ]^ert)or=
gegangen ift unb fid^ bom ßinfad^eren jum Suf^mmengefe^teren ent=
tDidtelt l^at, inbem ^lad^barfd^aften , Qflerfen, Kommunen entftanben.
3;;ie gfamilie leitete ber ältefte ober berftönbigfte , ol^ne bafe e§ ©efe^e
ober ®ett)o^n]^eit§red^t gab, ®o fonnte 5Ibam als erfter gfamilien^
öater baS SSerbred^en beS 33rubermorbeS ungeftraft laffen, meil eS nur
bic menigen SKenfd^en gab , weil bem aSater allein Unred^t jugefügt
fc^ien unb eS für biefen immer nod^ beffer war, eines als jioeier
Sö^ne JU entbel^ren; aber als Sorftanb einer Kommune l^ätte er
fc^on nid^t me^r fo l^anbeln lönnen, weil fonft ffampf unb Trennung
ätüifd^en ben ^lad^barn bie ^folgen gewefen wären. 3lud^ als fid^ bann
*) 2)ie ^uöfü^rung »citl^t t>on bicfem ^(anc infofern ab, al« fld^ bic bcibcn
Z^ik auc^ lioffüd^ untcrf treiben ; bcr crfic ift eine X^coric bc« ^taaWrcd^t«, bcr
jnjcitc eine Sl^coric bc« Äircl^cnrcc<>t0.
L
w>.
— 200 —
We Slnficblungen öermcl^rten unb ein gröfeere^ ©emcintocfen bilbeten,
l^errfc^tc bo(i(| nur einer, toa^rfd^einlid^ weil e§ an einer größeren
Sllenge erfal^rener 5(Hänner no(^ fel^lte ^). 3loä) fonnte berfelbe 9Ranti
fjfürfl unb ©d^af^irt fein, wie j. S. Sttral^am* ®a ftd^ aber bie ®e=
meinben immer me^r auSbe^nten, anä^ bie menfd^Iici^e (Srfolirung
tt)U(^§, erfanb man öoDfommcnere Sebenäregeln unb flünfte, begann
auii^ bie Unterfd^eibung ber einzelnen ©lieber ber ©emeinben meiter ju
cntwirfeln. 35a erft mürbe jene öollfom^mene ©einetnfd^aft eingerid^tet,
bie man <Staat nennt. (6ap. 3.)
S)er ©taat ift naä) 2lriftotele§ , ^olitit I, c. 1 *) , eine in P
öoDenbetc ®emeitif(ä^aft, toeti^e bie (Srenje bes ®enügen§ in fi(| ^a\,
entjionben um be§ 2eben§ wegen, e^riftirenb aber, um gut ju leben.
Sejtereg ^at jwei 9lid(|tungen: in biefer unb in jener SBelt; na(i^
beiben Sid^tungen ^in mu^ ber ©taat ©orge tragen, (ßap. 4.) 2lu§
ben üerfd^iebenen Sebürfniffen ber ©emeinfd^aft aber gelten bie t)et=
fd^iebenen S^^'S^ unb SÄemter be§ ©emeinmefenS ^eröor, unb jwar
nadi 9lriftoteIe§ folgenbe fed^S: 9ldferbau; ^anbmerf, ^nbuftrie unb
Äunft (artes) ; SDHIitör ; ginanj ; ^rieftert^um ; SRid^terfd^aft % „lieber
bie ^lot^wenbigfeit be§ ^rieftertl^um^ ^aben nid^t aDe TOenfd^en fo
€inmütf)ig gebadet mie über bie ^lotl^menbigfeit ber übrigen Steige
be§ ©taat§tt)efen§." 2)od^ famen alle SSölfer ba^in überein, bafe baö
^rieftertl^um für ben göttlid^en ßultug unb in ^Inbetrad^t ber folgen
für ba§ gegenwärtige unb fünftige 2eben nü^Iid^ fei. S)enn bie meinen
SleHgionen ober ©ecten berfpred^en in ber jufünftigen 2öelt ben ®uten
Belohnungen, ben ©d^Ied^ten ©trafen, ßinige Sß^ofopl^en ,aber, ob=^
f(^on fie nid^t an eine 3tuferfte!§ung glaubten, f)aben bod^ ein lünftige§
Seben unb bort je nadE) ben menfd^Iid^en ^anblungeu auf biefer SBßelt
greuben unb Seiben öorgefpiegelt , um baburc^ bie SWenfd^en jur
Sugenb an^jutreiben. „2)enn e§ gibt gewiff e ^anblungen , weld^e ber
©efe^geber burd^ ba§ menfc^tid^e ©efe^ nid^t regeln fann, weil fie bcm,
ber fte begebt, nid^t nad^gewiefen werben lönnen ; bie ©efe^geber l^oBen
alfo einen ©ott Dorgefpiegelt, bem nid^t§ Verborgen bleibt unb ber bie
Seobad^tung ber ©efe|e bei ©träfe befiehlt " ©o l^aben fie Don üer*
») SSergt. Slripotete«, »poütif, IN, 15.
«) Silad) ber ictjt ü6ti*en ^intl^eilung I, c. 2. 2)ic folgcnbcn 95crmeifun,qeu
anf Slriftotelc« ^oüti! »erben ol^nc md^d)t auf bie Sitatc bc« Defensor pacis
gemaii^t werben.
3) 5lr. ?5ol. IV, 4.
— 201 —
f(|iebcnen guten 5Jlenfd^n gefügt, fie feien in ba» ^immefögemölbe
terfe^t tootben. 3)a^er bieUeid&t bie 9lamen einiger ©ternbilber. Unb
fo liefen fie ^intüiebetum \ä)Uä)it 9Renfd^en in Siliere öertoonbelt
»erben, in ©(j^meine, §irfd^ u. a., fo erbid^teten fie ©trafen wie bie
be§ Santoluö, fo fprad^en fie öon einem StartaruS unb feinen dualen.
5Bei ben ^rieftergefd^Ied^tern war bie 3,rabition ber 2e^re ; ju ^rieftern
ober no^m man niii^i ben näd^fien befien, fonbern eifrige unb be«
twl^rtc 3Ränner äuS bem 9JliIitär» unb Sfid^terftanbe, bie fici^ öon ben
toeltli^en ®ef(!^äften jurüdfgejogen l^atten unb \xd) burd^ ®Iter unb
toürbeooßen SebenSwanbel ju biefem 9lmte empfal^Ien. 2)od^ bie rid^tige
^Infd^ouung öon ®ott unb bem fünftigen Seben unb ba§ wa^re
^riejiert^um !am erft mit bem 6f)rijient^ume (6ap. 5.)
5)er ßnbjmei beS magren ^rieftertl^umS ift bie ^Regelung ber
|)anblungen, ju benen bie TOenfc^en tüx^ i^re ßinfici^t ober i^re
Segierbe getrieben werben. ®ott will baS menfd^lid^e ©efd^Ied^t t)om
^hä) ber ßrbfünbe erlöfen. ,,@r ging bariu wie ein gef(3^i(fter 9lrjt
fel^r georbnet Dom leici^teren jum fd^wierigeren öor" ^ ; juerft befal^I
er ben SJlenfd^en Cpfer öon ^ftüd^ten unb %f)\txm jur Sejeugung Don
6]^rfur(j^t, ©lauben, ®e!^orfam unb ^anl] biefe bauerte bis auf
^Ibrol^am; biefer belam bann fd^on ein f(ä^wierigere§ ©ebot, bie 33e*
f^neibung; bur^ 5!Kofe§ gab ©ott bann ba§ ®efe§ unb bie ^riefter
ober Sebiten ; burd^ Kl^riftu§ enblid^ ba§ ©dangelium , ba§ ®efe§ ber
@nabe. Um biefe ju lehren unb bie ©aframente ju fpenben, finb bie
^ricfiey be§ neuen 33unbe§ eingefe^t. S3ele^rung. unb ©rjiel^ung ber
^cnfd&'en naä) ber Slid^tfd^nur be§ ®bangelium§, biefe ift ber ^rotd
be§ priefterli(i^en 3lmte§ unb babei muffen i^m alle S5ßiffenf(i^aften, bie
fpeculatiben unb praftiftä^en bienen, ,,wie wir fie faft fämmtliiä^ au§
ber Ueberlieferung be§ bewunbern^wertl^en ^^ilofop^en (2lri[totele§)
unb anberer rul)mboner 9Jlönner !^aben/' (Kap. 6.)
S)ie ©infe^ung unb ©iftinction ber ®Iieber be§ ©taate§ unb jwar
juttä(i^ft bie (Sinfe^ung ber regierenben ober ri(jE)terIid^en ©ewalt (pars
principans seu judicialis), burtj^ toAä)t erft ba§ übrige georbnet wirb,
gel^t Dom ®efe^geber au§. Sßon biefer 3tegierung§gewalt foH nun juerft
gel^anbelt werben. 6in gut regiertet ©taatswefen ift mä) 9lriftoteIe§ baS*
ienige, in weld^em ber ^txx\ä)tx \\ä) fo jur ®emeinf(i^aft berl^ölt, wie e§ ber
SBiUe feiner Untergebenen ift ; ein fi^Ied^t regiertet, wo ba§ ®egentl)eil
*) 2)cm ärjtli^cn Söerufc be« 93erfafier8 entnommene SScrgletc^c unb 9ln*
f^ielungcn feieren mcl^rmal« n>icber, j. 53. @. 210, 218.
— 202 —
bct fJaH \% aSon Der erjicn Sltt jtnb bic brei ©attungcn: lönigfiö^e
Wonaräfit, 9lrifloItattc, ^olitie ; bon bcr iwciten : t^tannifcj^c 9RonQtö()tc,
Dügat^tc unb Scmoftatic ^). (6ap. 8).
SGßaS nun btc berfd^iebcnen Wirten bcS UrfprungS bcr Wonar^ie
betrifft; fo finb im ifroelitifd^en 33oIfe gürftentl^um lüie ^rieftert^um
Don ©Ott felbft eingefejt tüorben ; „barüber fann feine ©emonjiration
ftattfinben, fonbem bie ©ad^e berul^t auf einfältigem ©louben o^ne
9lntt)enbung ber Sßemunft." 6ine anbere ©infe^ung ift bie menf^li^e,
menn anä) ®ott, ber afle toeltliiä^e ©emalt Derleil^t, al§ bie entfernte
Urfo^e onjunel^men ift. 3laä) 2lriftoteIeg *) gibt e§ fünf öerfd^iebene
5lrten ber SOlonarci^ie. 1, 6in §errf(i^er mirb ju einem beftimratcn
Stned eingefe^t, mie SIgamemnon üou ben ©ried^en al§ ^eerfül^ret,
tt)a§ man in mobernen ©taaten nennt: Capitaneatus ober Conte-
stabiliaria ; 2. bie afiatif (i^e, gefe^mäfeige, öon ben Untertl^anen willig
ertragene, auf Erbfolge berul^enbe S)efbotie; 3, SBal^Imonarii^ie, o^ne
bafe jeboc]^ bie ©efe^gebung einfad^ bon ber Kommune ausginge; 4.
S5Jal^lmonar(ä^ie, jeboc!^ mit Erbfolge be§ ©efd&Ied^te§ unb mit ©efe^en,
bie einfad^ don ber Kommune auSgel^en ; fold^e 5Jlonard^ien gab e§ in
ben fogenannten l^eroifd^en 3^^*^^^; &• ^^\nt 2)efpotie. SBenn nun
öieHeid^t Ibniglid^e ^Jlonard^ie bie befte ©taatäform ift, fo ift unter
beren formen l^inmieberum bie SBal^Imonard^ie öorjujiel^en. (6ap. 9.)
S)a§ 10. Kapitel ge^t bann auf ben Segriff: ©efe^ über. ®efe$
fott im folgenben in ber Sebeutung genommen werben, bafe barunter
afle burd^ menfd^Uc^e 3lutorität feftgefteHten Siegeln über ba§ bürgcr»
lid^e 35er^alten öerftanben werben, ob biefelben nun ©emol^ril^eiten,
Statuten, ^lebiScite, ©ecretalen ober anberS genannt »erben , wenn
nur eine jwingenbe SSorfd^rift (praeceptum coactivum) bomit
öerbunben ift.
©efe|e finb unumgönglid^ nöt^ig jur 9lufred^t^altung beS Äed^teS.
3)enn bürfte ber SRid^ter o^ne ©efe^e urt^eilen, ber fSfürft ol^ne ®efe|e
regieren, fo würben fie al§ 9Renfd^en bon Seibenfd^aft ober Unfenntnife
beeinflußt werben, Unb gefegt aud^, bafe ftd^ einmal ein fo l^eroifd^er
^ürft fänbe, M^ er üon beiben ©d^wöd^en frei bleibt, wie foll eS bann
mit feinen i^m unäl^nlid^en ©ö^nen gel^alten werben? — 6in ©ei«
fpiel auSgejeid^neter Slegententugenb , baS jene bead^ten foüten, bie
o^ne ©efe§ SKad^t üben wollen , l^at JJönig 3:^eopomp gegeben , bcr
^) ^ar. $ol. III, 7 unb IV, 2.
») «Pol. III, 14.
— 203 —
mä) 9lrijiotcIe§ feine löniglid^e ©eroalt butij^ ©infeftung beS ®pl^orfltS
freiwillig gefcidmälert ^at^)- (ßop. 11.)
S)a§ ®efe§ ju f(i^öpfen fielet iebem SSürger ju, toenn biefe and}
beffet ivLxö) bie möd^tigeten, älteren unb praftif(ä^ erfahrenen (experti
in agibilibus) Seute gefd^el^en lann aU burc^ 4^anbtt)er!er ^). 6^
^onbelt \\^ aber ]^auptfädöli(3& um bie Qfrage, mer einem ®ebote jene
binbenbe ^aft berleil^en foll , bur(i^ bie eS erft ®efe| wirb, n'^aäj
ber SBü^r^eit unb naä) bem Statte be§ 9lriftoteIe§ ^) fagen wir : ber
©efe^geber ober bie erfte unb eigentli(]^e ßffectiburfad^e beS ®efe^e§ ift
ba§ 3SoI!, bie ®emeinf(3^aft aller Sürger ober beren 5D?ajorität, wenn
biefelbe burt!^ Sßa^I ober burd^ il^ren in ber allgemeinen SSerfammlung
münblid^ tunbgegebenen SDßiHen öorfd^reibt ober beftimmt, bafe in Sejug
auf bürgerliche ^anblungen etwaö bei Sermeibung weltUdier ©träfe
ju gefd^el^en l^abe ober ju unterlaffen fei; bie 2Jlajorität Dcrfte^t fi(^
in 9lü(ffi(i^t auf bie ganje 3Jlaffe ber ®emeinbe, in ber ba§ ®efe§
gelten foH." ^\ix SJlitwirfung finb afle Sürger bcred^tigt, bie ein ehr-
bares ©ewerbe treiben ; auSgefd^loffen finb bie Unmünbigen , bie Un=
freien, bie fjremben unb bie SBeiber. 95on berfelben ^Autorität gelten
bie Zeremonien unb fjeierliii^leiten au§, bie jmar ni(i^t jum SSßefen
be§ ®efe|e§ gepren, bod) ju feinem wie überhaupt aller auf ber SJBa^l
berul^enben ^anblungen SSort^eil gerei(!^en; burcJ^ biefelbe 5lutoritcit
muffen enblii^ bie ®efe|e aud^ promulgirt werben, bamit \\i) niemanb
mit Unfenntnife entfd^ulbigen !ann. SKajorität *) erfe|t bie (Sinftimmig*
feit, weil e§ nid^t leidet ober nid^t möglid^ ift, bafe alle 5!Jlenfd^en
eines ©inneS finb. 2)te ®efammt^eit ober SKajorität ber ©ürger
aber fann am beften wiffen, toa^ äfed^t fein foll, ^at auc^ ba§ größte
Sntereffe am 9lu|en be§ ©taateS unb wirb am leid^teften einen
Mangel im ®efe|borfd^lage entbedfen; überall überragt ba§ ®anäe an
materieller unb geiftiger iSraft feine 3:^eile. (6ap. 12.)
®egen biefe Se^re wirb man nun einwenben, bafe ba§ SSol! fd^Ied^t
unb bumm fei, wie e§ fd^on im Sud^e Ecclesiastes, 6ap. 1 ^ei^t:
^) %x. m- V. 1 1 .
*) (5a^). 12-18 finb bie njtd^^tigficn be« erften Xl&eilc«, ba ^IRatfiglio l^icr
gegenüber bem S(riftoteleö felbfiänbiger auftritt.
») $olttt!III, 10, 11.
*) Pars valentior iji bei ÜJiarfiglio nit^t, tüie ©d^roab, ©erfon^ @. 31,
überfetjt: 2>er cinflugrcid^cre Sl^K, fonbern, tbic inSbcfonbne bie ©teile ©264
jeigt: bie SWajorität.
ji>..
— 204 -
bic 3ö^I ber 2)umm!öpfc ift unbegrenjt; auä) fei c§ unmögli(%^ öicie
©(j^Iedötgcfinntc ober Uniüiffenbe jiir ©intrad^t ju bringen; menige
SGßeife unb ©elel^rte mürben alfo beffer al§ (Sefe^geber toirfen. 3)arouf
ift mit bem oben angefül^rten Sa^e ju antworten: omne totum
malus esse sua parte; a\xä) mufe bie bel^auptete 5)umml^eit ober
@d^Ie(i^tigfeit ber großen 3Jlaf[en geleugnet werben, unb wenn e§ mi^
ti(!^tig ift, ba& mä)i jeber ba§ ®efe| pnben fönne, fo !ann bo^ iebct
über ben ®efe|öorf(^lag feine 5!Jieinung ^aben. ,,5)enn t)iele§ begreift
ber 2Renf(ä^, wenn e§ i^m ein anberer gefagt l^at unb Diele§ fann er
öerüonftänbigen, wa§ er nie au§ fid^i felbft l^ätte beginnen ober erfinben
lönnen." S)a^er follen bie ®efe§borf(3^läge bon Srfa^renen unb SBeifen
ausgeben, bie ju i^rer 9lu§arbeitung Don ber ©efammt^eit gewählt
werben; in ber allgemeinen aSerfammlung foIIen bie SSorfd^Iöge öor^'
gelegt unb bie S3ürger, bie barüber fprecJ^en wollen, angehört werben ;
bann follen wieberum SJJänner gewählt ober Jene erften beftötigt
werben; weld^e, bie 5lutorität ber ©efammtl^eit repräfentirenb , bie
3Sorf(ä^Iäge billigen, änbern ober berwerfen; ober, wenn fie will,
!ann bie^ bie ©efammt^eit felbft ober i^re 9Jla}oritöt t^un- 6rft
hnxä) biefe§ Sßerfa^ren werben bie ©efe^Dorf daläge ju red&tsfräftigen
®efe|en, (^ap. 13.)
5Rad^bem in biefer Sßeife \)a^ gunbament be§ 9led^t§Ieben§ be=
grünbet ift, !e^rt ba§ 14. Kapitel wieber jum Slegenten jurürf. 3(te feine
nötl^igften ßigenfc^aften werben Ätug^eit unb moraIif(i^e 5lü(!^tigfeit,
jumal ®ere(jE)tigfeit, genannt. Ueberbiefe aber mufe bem Sftegenten ein
äußeres SBerfjeug ju ®ebote fte^en, eine gewiffe Qa^ bewaffneter,'
burdE) bie er feinen 9}e(3^tfprü(^en SSoHjie'^ung geben lann. S)tefe be=
waffnete 3Jlaä)t mu^ burij^ ben ©efe^geber beftimmt unb fo grofe fein,
ba6 fie bie ^a(jE)t iebe§ einjelnen Bürgers ober mel^rerer berfelben
übertrifft, bo(^ nid^t fo grofe, bafe ber ^Regent öermittelft i^rer gegen
aße ober gegen bie ^ölajoritöt befpotifd^ borgel^en fönnte^). 93ei ber
SBal^I be§ 9legenten fofl man nod^ nid^t auf biefe äußere 9Kad^t,
f onbern nur auf bie inneren ßigenfd^aften feigen ; erft nad^ ber SBa^I
foH bem fjürften bie bewaffnete 9!Jlad^t jugewiefen werben.
©eine 3lutorität empföngt ber gürft burd^ ben 3Ict ber %a\l
Seim ®efe|geber, b. i. ber ®emeinfd&aft ber Sürger, ru^t bie OueÄe
ber Staatsgewalt, bie causa factiva institutionis principatus. Seim
®efe§geber ftel^t auc^ bie ßntfd^eibung über ben 3n^a(t ber ©efe^e.
1) «Kr. ITT, 15.
J
— 205 —
Der atcgent tjt ba§ öolljicl^enbc SBerfjeug ber gcfelgcbcnben ©ctodt.
6r übt feine Autorität in ben ^formen, bie i^m burd^ ba§ ®efe^ Dor**
gef(]^tieben finb, unb burc!^ Seamte, meldte biefelben @igenf(|aften
^aben foKen toie ber gürft. 55ie 33eftimmung unb ©infe^ung ber
kerntet unb ©lieber be§ ©taateS fte^t bem ©efe^geber ju, ba§ Urtl^eil
über bieje SSeftintmung, bie fpecieHe SSorf(i^rift unb bie gjecution bem
gfürftcn naä) bem ®efe|^). 6§ ift nid^t jebermann erlaubt naä)
belieben ein 3lmt im Staate ju ergreifen , ©olbot ober Jßriefter ju
werben; bie^ barf ber gfütft nxä)i geftatten, ba fonft in bem einen
3toeigc be§ ©taat§leben§ Ueberflufe, in bem anbern SJJangel an
Seuten entftel^en mürbe. ®er gürft muß t)ie(mel&r bie 3<^^I ^^^^
nöt^igen @igenf(^aften ber SSeamten, aud^ i^re ßompetenj unb ba§
übrige borfd^reiben. ®r felbft aber ift mie ba§ ^erj im t^ierifd^en
Organismus, beffen 3:^öligfeit nie ftille fte^en barf, menn nid^t ba§
ganjc jerftört merben foK. (6ap. 15.)
SGßaS ift aber t)orjU5ieI)en : reine SBal^Imonard^ie ober SBa^I*
monard^iie mit bpnaftifd^er ©ucceffion? Unter jaf)Ireid^en ßitaten au&
9lriftoteIe§ werben bie ©rünbe für beibe f?ormen mit nal^eju erjd^öpfen-
ber ©rünblid^Ieit befprod^en; überraiegenb fd^einen bem Serfcrffer ju«
lebt boc^ bie ©rünbe für bie reine SBa^lmonard^ie. 3lm ©d^luffe biefeS^
(16.) Kapitels fd^eint 5nürfiglio auf Nantes ^Konard^ie anjufpielen,
wenn er fagt: 5luf ben ©runb für ben 33orjug b^naftifd^er ©ucceffion^
auf bem biefe 3:^eorie jüngft aufgebaut mürbe, nömlid^
wegen i^rer 3le]^nlid^feit in ber (Sin^eit mit bem ^errfd^er beS SßcltallS, ift
JU ermibern, bafe auf biefe 9lnalogie nid^t fo Diel ju geben ift mie auf
bie ©teid^förmigleit im ß^arafter b'er Siegenten. ®ie ^aupturfadlje^.
weßl^alb einer jum gürften genommen werben foK, ift nic^t bie ©efd^ledtitS^
berwanbtfd^aft, woburd) nur eine törperlid^e, nid^t aud^ bie innerltd^e
2le]^nlid^feit bebingt wirb, fonbern bie SSolIfommen^eit beS ß^arafterS,
worin ber 5Rad^folger bem 35orgänger gleid^cn fotl^).
') B. 177. Ex praedictis igitiir apparet, ad legislatorem pertinere
determinationem seu institutionem officiorum et partium ciuitatis, eiusque
determinationis iudicium, praeceptum et executionein ad principantem se-
cundum legem spectare. ^ierauS tüirb tiid)t ööttig tlar, ftic ficä^ üWarfigtio bie
(Sompctcnjcn ber gefc^gebenbcn unb rcgiercnbcn ©ctüolt in ^esug auf bie
^Beamten gcbadfit ^at.
'^) ©. 182 Ad eam vero (orationem) qua omnium nouissime astrue-
batur, monarcham electum cum omni posteritate praestantiorem , propter
eius similitudinem vnitatis ad principem vniuersi, dicendum, non tantum
— 206 —
3m 17. ©apitel mirb auScinonbergcfelt , bafe bic ülcgierungS*
flctoolt nur eine fein fönne. SBenn pe in größeren ©taoten ober
inSbefonbere im SReid^ unter mehrere getl^eilt i[l, mufe boci^ einer ba§
Dberl^QUpt fein, burdji ben bie übrigen geleitet unb i^re gc'^Ier Der»
beffert werben, ^nt^^ff^n lann anä) in fleineren Staaten bie ^Regierung
jDon einem ßoHegium aus mel^reren geübt toerben ; nie barf aber bomi
eine 9legierung§^anblung nur üon einem @Iiebe be§ Kollegiums au§=
ge^en, fonbern nur Don i^rem gemeinfamen ober ^KajöritätSbefci^IuB.
Uneinigfeit ber SReglerungSgemalt mürbe allgemeine Unorbnung unb
^uflöfung l^erbeifü^ren. „€)i e§ aber gut fei, bafe bie ganje ciuiüfirte
SGßelt ober gar ber ganje 6rb!reiS einer ein^eitlid^en oberften ©taat§=
gemalt untermorfen fei, ober ob e§ bor^ujiel^en, bafe bie üerfdEiiebencn
fd^on burd^ geogvapljifd^e Sage gIet(jE)fam not^menbig gefd^iebenen %'ii{\U
ber 6rbe unb jumal bie naä) ©pra(jE)e, ©itten unb ©emol^nl^eiten
biöergirenben öerfd^iebene 9legierungen ^aben — morauf auc!^ ber
^jl^^fifd^e ©runb (causa caelestis) ftorf l^inmeijl, baß ftd& bie 5Menf(i^en
nid^t überflüffig berme^ren — biefe bietet ©toff ^u einer Unterfud^ung
burd^ bie SSemunft, bie jebod^ üon ber gegenmärtigen aufgäbe fern
Hegt." 3ebenfaII§, meint Warfiglio, bebingt bie ßinl^eit ber Sßelt nod^
mä)t eine ein^eitlid^e ^Regierung ; fc^on burd^ bie 2lrt ber gfragefteHung
gibt fid^ ber Serfaffer !^ier jiemüdö beutlid^ al§ ©egner ber SQSeltmonard^ic
ju erfennen^)*
(Snblidö mirb bie SSerantmortlid^feit ber SUegierungSgemalt , mie
fie al§ frönenber ©d^Iufeftein be§ ©^ftemS gebai^t werben muß, fo l^ier
<iud^ paffenb am ©d^Iuffe biefeS Streites bel^anbelt.
S)ie ßorrection, Ja fogar bie gänjlic^e 9lbfe|ung ber 9legierung§=
gemalten (principatuum) fte^t ebenfo mie i'^re ßinfe^ung beim @efe§»
attendendum huius veritatis similitudinem quamuis aequiuocam quasi
quantum secundum animam seu animae babitum est attendenda perfectionis
€onformitas. Est enim haec praecipua causa, propter quam debet quis ad
principatum assumi, non similitudo generis, secundum quam solum atten-
ditur ynitas corporalis dispositionis per se, non autem habitus animae,
propter quem per se alicui principatus debetur. Secundum hanc autem
perfectionis vnitatem siue similitudinem amplius et saepius suo praeces-
Bori et Studioso nionarehae ac enti primo seu principi vniuersitatis entium
conformatur electus monarcha singulariter secundum se ipsum quilibet,
quam successor ex geriere solo et propter alterius electionem.
*) S)antc njtib l^ier nid^t etn^a, trtc man au3 @(^rci6er, bic ^otttiftöen «nb
xcligiöfen 2)octrinen, @. 37 f^Uegcn fßnnte, crtt)ä]^nt; bod^ wirb il^n SWarrigliö
im @innc gel^abt l^aben.
— 207 —
%Atx. S)er fjürft aU fcl^Iborer 9Henf(i^ fonn in feinen SRegierung^-«
j^anblungen öon ben ®efe§en abweicj^en unb mufe be^l^alb ber ©e=
urtl^eilung butd^ jemonben unterliegen, ber boju bie 9lutoritöt i)ai
unb ber ben SKofeftab ber ©efe^e on i^n anlegt; ol^ne biefe SBorfel^r
würbe ber SRegent ein 3)efpot ttjerben. 93ei jeber ©efepbertretung
be§ 3föi^jien mufe alfo Prüfung unb Urtl^eilfprud^ barüber, auä) bie
6i*ecution be§ festeren burci^ ben ©efejgeber ober feinen SeooII=
mäd^tigten borgenommen werben. S)er gcfe^gebenben (Sewölt ober il^rem
©teUbertreter lann man in fold^en ^'dUtn anif zeitweilig ba§ Slmt ber
Regierung übertragen, bamit nid^t mel^rere obere ©ewalten \\äj freujen.
@egen eine fd^were ©efepbertretung be§ fjürften ift auf alle ^föKe
t)orjuge!^en ; fonft entftel^t 3lufru^r im 35oIf unb 5luflöfung be§ ©taat§«
toefenS, 3ji t>^^ Söß ini ©efe^e öprgefel^en, fo ift er nad^ bem ©efe^
}u betrafen; wenn nid^t, nad^ bem ©prudE) be§ ®efe^ge6er§; jugleid^
foH er' aber bann burd^ ein ©efej^ fo biel al§ möglid^ beflimmt werben.
Sei leid^teren unb feltneren Ueberfd^reitungen be§ fjürften wirb e§
iebod^ beffer fein ein 3luge jujubrüdEen; benn wenn ber gfürft ber
^Kifead^tung auSgefejjt wirb, ift biefe immer ein nid^t fleiner ©d^aben
für bie ©ef ammtl^eit ; aud^ ift ju fürd&ten, bafe ber Slegent wegen einer
Äleinigleit \\ä) nidE)t üerantworten unb bem ©efe|geber unterwerfen
Witt, woraus großes Slergerniß entfte^en fönnte. (6ap. 18.)-
5ladöbem fo bie ©runbjüge einer ©taatSüerfaffung entworfen
finb, feiert baS le^te (19.) ßapitel be§ erften 2:^eil§ wieber jum äiu§=
gangSpunfte . jurürf, ju ber grage, woburd^ ber Unfriebe in ben
Staaten l^erborgerufen wirb. ®ie 3tntwort barauf wirb in ber falfd^en
Sluffaffung be§ ^riejtert^um§ gefunben, jumal in bem Slnfprud^ ber
^äpfte auf eine oberfte 35uri§biction§= unb ©trafgewalt nidE)t nur
über bie S3ifdf|öfe unb ©eiftlid^en, fonbern (nad^ ber Se^auptung einiger
neuerer ^äpfte) aud^ über aUe Surften unb weltlid^en ^erfonen, „ob=
fd^on fie biefe nid^t bon allen fo beutlid^ auSfpred^en wie öon bem
römifd^en iJaifer". liefen Slnfprud^ fd^eint man junädfift üon ber an=
geblid^en ©(^enfung 6onftantin§ l^ergeleitet ju ^aben ; ,,ba aber biefe
©d^enlung bergleid^cn Ieine§weg§ flar auSfprid^t ober weil fie biefleid^t
burd^ bie folgenben ßreigniffc erlofd^en ober aud^ weil fie für bie
übrigen ©taaten !raftIo§ ift unb i^re Slragweite fid^ nid^t einmal auf
alle Sßrobinjen be§ römifd^en SReid^S erftredft, befel^alb !§aben bie neueren
römifd^en Öifd^öfe bie üon il^nen beanfprud^te jurisdictio coactiva
über ben 6rblrei§ ftd^ au§ einem anbern, aflumfaffenben 9ied^t§titel
l^ergeleitet, nämlid^ au§ ber plenitudo potestatis, weld^e burd^ (5^riftu§
L^
Jb^^ .^
— 208 —
bcm 1)1. ^etru§ unb feinen Slad^folgetn Detltel^en morben fein foü"^).
5)ie römifci^en 93if(]^öfe f äffen biefelbe in bcm ©inne auf, bafe, »ie
ß^riftuS bie gülle bet ®en3alt unb 3uri§biction über alle Äönige,
gfürflen, Kommunen unb ^ribaten ^tfiait i)aU, fo nun aud^ fic, ote
ß^rifti ©teÜbettreter , biefelbe befi|en, ol^ne burd^ ein menf^Ii^e^
@efe| bef^ränft ju fein, ©o l^at fie neulid^ ßlemen§ V. in einem
ebift an Sf aifer §einri^ Vn. aufgefaßt «). ©o ^at ^apft »onif aj VIII.
in feinem ©treit mit ^l^ilipp bem ©d^önen ertlärt, e§ fei für ho&
emige ©eelenl^eil not^menbig, bafe jebe menfji^Iid^e ßrecttur bcm ^apfte
unter 5n)ingenber 3uri§biction unterworfen fei*). 3luf biefe SBeife
^aben nun bie ^äpfte unter bem SSormanb für ben gfrieben ju wirlen
juerft einige, bie i^rer Se^re ni(i^t %t1)oxä)m ttoHten, ejcommunicirt,
fobann gegen biefelben 9teal» unb ^erfonalfentenjen auSgefprod^cn,
beutlid^er gegen einige, bie i^nen weniger miberftel^en fönnen, toie
j. 33. bie Italiener , beren 3teid) , gefpalten unb jerriffen mie e§ ift,
in allen 3:^eilen leidster unterbrücft werben^fann, me^r jurürf^altenb
1) @o öerftcl^c ic3& bie in bcr SBafclcr Sluöflabe unb bei ^otbafl corrura*
^irte ©tcüe @. 187; man »itb in folgcnbcr SBeifc emenbiren ntilffcn: Huiu»
quaniuis secundum veritatetn domioii seu coactiuae iurisdictioDis in hunc
principem expressio singularis faciem et exordium primum sumpsisse
videalur ex quodam edicto et dono, quod quidam dicunt per Constantinum
t'uisse factum beato Syluestro Romano pontitici, quod quia donum seu
priuilegium illud non habet hoc clare aut quoniam ex post factis expirauit
fortasse vel etiam quia inualidum existens ad reliquos mundi principatus
nee ad eum qui Romanorum in omnibus prouinciis illius priuilegii seu
concessionis se virtus extendit: ideo (que) postmodum iurisdictionem hanc
coactiuam orbi vniuersalem sibi alio quodam * omnes compraehendente
titulo moderniores Romanorum assumpseruntepiscopi, plenitudine potestatis
videlicet etc.
*) 5Suüe ö. 1314: Pastoralis cura soUicitudinis (Clem. de sentent. et
re judic.), gebrucft u. a. bei Olenfd^tager, Urfunben, 48. 3)arin l^cifet e8: Nos
tam ex superioritate, quam ad imperium non est dubium nos habere,
quam ex potestate, in qua, vacante imperio, imperatori succedimus, et
nihilominus ex illius plenitudine potestatis, quam Christus rex regum et
dominus dominantium nobis, licet immeritis, in persona beati Petri con-
cessit sententiam et processus .... declaramus fuisse irritos.
*) 2)ic l^icr gemeinte ©teile ber berül^mten SBufle: Unam sanetam, 18.
yio^. 1302, tautet: Porro subcssc Romano pontifici omncm liumanam cre-
aturam declaramus, dicimus et diffinimus et pronunciamus omnino esse
de necessitate salutis. 2)ic Sorte: coactiva jurisdictione finb ergänjenbe 3nter*
:pretation ü)?arrt9lioS.
/
— 209 - •
gegen onbete atö Äönigc unb gürfien, bcren 5IKa(J^t unb Sffiibetftanb
fte ffird^tcn. ©egcriübcr bem römtf^cn Sleid^e aber tommen bie ^äpfte
mit il^ten Slnfprüd^en immer weitet, befonbetS menn bet 2^ton et»
lebigt iji; fci^on bel^oupten fie, mie au§ t)en gbicten beS iejigen
5ßop|ieS l^ctbotgel^t; eine öollftänbige weltlid^e SutiSbiction unb ©ttaf«
geiüalt übet ba§ IRei^ ju l^oben ^). 2)iefe ittige 9lnpd^t bet tömif(ä^en
^äppe, biefe ganj betfel^rte Slnmafeung einet StegietungSgewalt ift bet
befonbcre ©tunb beS UirftiebenS , untet wel(]^em bie Staaten leiben;
babut(i& l^aben bie jpöpjle fd^on lange Italien öejirt unb laffen eS
nie jum ^frieben lommen, inbem fie mit allen 2Jlitteln bal^in [iteben
bie Promotion obet ßinjejung eines tömifd^en SfaifetS unb bann feine
Jl^ätigfeit in Italien ju öeteiteln. fjfel^lt aber bie aOBitffamfeit beS
Äaifet§ als oberjien ®efe§gebet§ obet SRid^terS, bann müjfen bott
©treitigfeiten unb Untul^en entjtel^en.
3n SQßal^tl^eit [tel^t »ebet bem tömifci^en r\dä) einem anbetn ^\^(ifo\
ni)(!^ itgenb einem geiftli(^en 3)ienet übet itgcnb eine »eltlid^e ^etfon,
Kommune obet ßoDegium baS 2lmt eines principatus coactivi ju.
Sllfo [ollen alle ©elel^tten unb ^Kaci^tl^abet öeteint batauf ^in=
arbeiten, bie öetbetblid^e ^eft bet päpjilid^en Seilte tl^eotetifc]^ jutü(f=
jutoeifen unb il^ter SluSübung praftifd^ entgegen jutreten. 2)enn wie
f(|on 2:uIIiuS fagt : Unreci^t !cnn man anä) baburd^ bege^en^ ba^ man
es fid^ gefallen löfet, menn man bie SWittel jum 2Biber[tanbe l^at.
S)er jmeite S^eil l^anbelt über baS SBefen unb bie ateij^te beS
^rieflertl^umS unb ^appt^umS unb beren SJerl^ältnip jur meltlici^en
©etoalt. 3)ie Seigren barüber öerfprid^t 3KarfigIio auS ber 1^1. ©d^rift,
ben fianonen unb ben 3Sätern mit Slnle^nung an bie im erften 3:^eile
aufgefteflten ©runbfö^e ju entmicfeln. dreierlei g^inbe fie^t er fid^
babei gegenüberftel^en : l^eftige SSerfoIgung öon ©eiten ber 5ßäpfle unb
i^reS 3ln]^angS, bie ©ewo^nl^eit galfd^eS ju ^öten unb ju glauben,
9lcib unb ©e^äffigleit. 3)agegen tuft et mit bem ^falmiften : Dominus,
mihi adjutor et non timebo^ quid faciat mihi homo. (6ap. 1).
Um fidd ben 2Beg ju ebnen, fd^idt SWarfiglio Definitionen ber
Segriffe : ecclesia^ spiritualis, temporalis, judex. t)orauS. Ecclesia
bebeutetc bei ben ©ried^en eine unter einer §enf d§aft lebenbe fßoU^
maffe. Sei ben Sateinern gemann eS bann anbere Sebeutungen : junöd^ft
^) (StemenS V. unb Sol^ann XXII. beanfprucl^ten bieg für ben %aU bet
XJroncrIcbigung in ben ©uttcn to. 14. 2Äärj 1314 u. o. 31. SWärg 1311»
Eaynald, 1314* § 2 u. Marlene et Durand II, 641.
9t i e 3 1 e r , SSibetf ai^er ber $&))üe. 1 4
. _ 210 —
eines ©eböubeS, in mclt^^em ber ^crt bctel&rt toirb, fobann bcr ^tieftet,
S3ifd^öfc, ©iafoncn unb übrigen 3>ienet beS igerrn in biefem ©ebäube.
Sei ben 5Robernen bebeutet eS borjugsmeife jene Wiener be§ ^crni,
m\ä)t jut TOettopoIitan» ober ^anptlird^e gel^ören, olfo ben ^opp unb
bie ßarbinäle. (Sine onbere Sebeutung aber unb jmor bie erfte unb
apoftolifd^e ift: bie ©emeinfd^aft aüer an ßl^riftuS (Slaubcnben. Sitte
©etreuen 6^rifti, Saien tt)ie ^riefter, bürfen bemnod^ al§ viri eccle-
fliastici bejeid^net tt)erben. SlnberfeitS barf ber SBegrijf spiritualis ni(|t
auf afle ^anblungen unb (Süter ber fflerifer auSgebel^nt werben.
SBenn ßlerüer S)arle^en geben ober nel^men, !aufen unb üerfaufen,
[testen, morben u. f.^tt)., fo pnb ba§ feine geiftti(j^n fonbern toeltlii^e
^anblungen. Unb toaS bie ^rebiger beS ©bangeliumS jum 2eben§=
unterl^alt gebrcnu^en, l^oben ber 3lpofteI ^aulus unb 9lmbrofiu§ auS=
brücfUc^ ,,freif(^Ii(^e unb toeltlic^ 5)inge" genannt. 2)iefe meltli^en
©üter unb §anblungen ber SIerifer fielen alfo fo gut wie anbete
unter bem tt)eltli(^en ®efe^. '
Judex t[t einmal, teer eine ©0(^e unterfd^eibet ober erfennt, be»
fonberS wenn er barin t^eoretifc^e ober pra!tif(^e Uebung bejt^t. ^n
biefem ©inne ift ber ©eometer 3li(ä^ter über matl^ematifd^e tJiflwten,
ber ^Irjt über ©efunbe unb Äranfe , ber SBaumeifter über ben 23ou
t)on ©äujern, ber Sßerftänbige über ba§, toaS ju tl^un unb ju laffen
ift. 6ine weitere Sebeutung bejiel^t fid^ auf ben, ber bie Äenntnife be§
politifc^en ober ßibilred^tS l^at, ber nad^ l^erförnmlid^er SBejeii^nung
aud^ Slböocat, in ben meiften ^robiujen aber unb befonberS in "^ialm
9li(^ter genannt wirb, ßnblid^ wirb ber 9lu§brud üon bem Slegcnten
gebraucht, ber ju urtl^eilen l^at, wa§ nad^ ben ©efefeen geredet unb ju=
Wffig ift. (6ap. 2.)
S)ie folgenben Kapitel (3—5) wenben fid^ jur grage naä) bem
oberften SRid^teramt be§ ^apfte§. 5Bon ben 6teflen ber S3ibel , au§
weld^en nian ein foId^eS folgert (e§ finb inSbefonbere : SKattl^. XVI,
19; XI, 27; VIII, 28—32; XXI, 2; Su!a§ XXII, 38; go^.
XXI, 15—17; 1. »rief ^auli a. b. ßor. VI, 3; IX, 13, 14; 1.
an %mot^.Y, 19) wirb barget^n, bafe fie nid&t in biefem 8inne
gebeutet werben bürfen , unb il^nen werben jene 9lu§fprüd^e ber 1^1.
©d^rift unb ber ßird^enüäter entgegengefteDt , weld^e ba§ ©eg^nt^eil
beweifen (befonber§ ^o^. XVIII, 36; VI, 15; XIX, 11; fiufasXH,
H; 5natt^.XXII, 21; XVII, 27; ^auluS a. b. giömer XIII). ©er
©d^Iufe ift : ßein ^apft ober Sifd^of l^at gegen ^ßriefter ober Saien eine
ric^terlid^e unb ©trafgewalt, wenn fie il^m nid^t burd^ ben menfd^Iid&en
— 211 —
©efe^gcber überttogcn morbcn ift, in bef|en 3Mo^t eS immer ftel^t i^m
bicfelbc mcgcn cincS ücmünftigcn ©runbcS toicbet }u entjiel^en unb
bcm bic naiveren Scflimmungcn über bie SluSübung biefer ©emalt 5u=
lommen, S^agt man aber, tüorin benn jene ©eroalt befleiße, bie
ß^riftiig feinen Siad^folgern, ben ^riejiem, l^interfiefe, fo ift ju ant«
toorten, bog fie f\ä} auf bie 3Ser!ünbigung feiner Seigre unb ©penbung
ber ©acramente befd^ränft. ®ie bem 1^1. ^etruS übergebenen ©(ä^lüffel
beS $immelrei(^§ unb bie 33inbe« nnb ßöfegemalt begießen ^ä) nur auf
bQ§ ©ocrament ber 93u|fe, unb aud^ l^ier ift bie Vergebung ber
©ünben ®otte§ ©at^e unb bon bem SluSfprud^e be§ ^riefierö infofem
unabl^ängig, al§ meber ber Seue ^eud^elnbe SRenfiä^ burd^ einen ^riefter
bon feinen ©ünben loSgefprod^en, nod^ bem mal^rl^aft SReuigen burd^
Sgiioronj ober 33ö§mifligleit beS Seid^tigerS bie SoSfpred^ung bermeigcrt
lücrben lann. ,,ffiie ber ^prfi^Iiefeer (claviger) be§ meltli^en
Stifters fein 3lmt baburd^ erfüllt, bafe er ben ßerter auf» unb gufperrt,
o^nc barum bie Siedete rid^terlid^er ©etDalt ju üben , nur in biefem
Sinne übt ber ^riefter burd^ aSerlünbung ber 3lbfoIution ober SHale«
bidion ba§ 9lmt eines ©d^Iüffelträg'erS be§ l^immüfd^en 9lid&ter§.
(Eop. 6.)
S)ie g^communication aber auSjufpred^en, bie fo tnetttragenbe^folgen
§ot, fielet ni(^t einem einjelnen ^riefter ju, fonbern bie Unterfud^ung
ber ©ad^e ober bie ©infe^ung eines SRid^terS für fold^e gäHe fte^t bei
ber ©emeinbe ber ©laubigen ober i^rem SRepröfentanten (superior)
ober einem ©eneralconcil. ß^riftuÄ l^at gefagt (3Katt^. 18): Söenn
bcin Sruber miber bid^ gefünbigt bat, fage eS ber ftird^e; er l^at nid^t
gefagt: ©age eS bem Slpoftel ober bem SBifd^of ober bem ^reSb^ter
ober einem ©oHegium berfelben. (6ap. 7.) .
?llle menfd^Iid^en ^anblungen ftel^en unter bem meltlid^en ®efe^.
Slud^ jeber ^riefter ober SSifd^of, ber ^a^ meltlid^e ®efe^ überfd^reitet,
berfänt bem ttjeltüd^en ©eri^t, ja er foH bon bemfelben fogar fd^merer
geflraft werben als ein meltlid^er 35erbred^er, ba er mel^r meife unb
beffer unterfd^eiben lann. 3)ie ©inrebe barf man nid^t gelten laffen,
bofe SBergel^ungen, bie fid^ ein ^riefier ju ©d^ulben fommen laffe,
baburd^ JU fpirituellen §anblungen toerben unb \>a^ i^re Seftrafung
bcmgemäfe nid^t mel^r ber meltlid^en ©emalt juftel^e. Sßenn ber ^apft
ober irgenb ein ^rie^er bon ber meltlid^cn ©erid^tSbarfeit ejimirt
toäre unb felbft mieber bie ©eifilid^en babon befreien fönnte, mie eS
bie ^öpfte gegenmörtig mad^en^ fo toürbe bie ©erid^tsbarleit ber toelt«
Hdden Surften nol^eju . nid^tig, toerben unb barauS bem ©emeintoefen
14*
— 212 -
ber größte ^Ö)obtn tttoa(i)^m, tDftl^tenb bod^ bet ®Yunbfa| gilt, bag
bie d^rißli^e Sieligion niemonben feines 9le(|te§ beraubt. Sßenn man
nun gar bem Segriffe ftleriler Jene meite 3luSbe]^nung geben ttoDte
mie ^apft SBonifaj VIII., bafe anä) alle einfa^ Stonfurtrten unb jene
Saien, bie man in Italien Fratres gaudentes, anberwärtS Beginnen
nennt, baju gereij^net werben, bann würbe jtd& fel^r mal^rfd&einlit!^ balb
ber größte Sl^ejl ber 2Renf(j(|en, um nur ber meltli(]^en 3uri§biction ju
entgelten, in ben geiftlid^en ©tanb begeben, ©ie^ »äre ber SJutn be§
6taateS unb ba§ fd^merfte Uebel. 5lein, mer bie 6^re unb bie SSort^eile
beS ®emeintt)efen§ mitgeniefet, barf nid^t Don ben , SanbeSgefe^en ejimirt
»erben. S)er 9legent barf fogar bie ^tnjal^I ber ^riejier in feinem
Sanbe, fo gut wie jebeS anbern ®Iiebe§ be§ ©taateS, fejife|en, bamtt
biefer ©tanb nit^t burd^ übermäßiges ^nmad^fen ber ©taatSgematt
gefö^rlid^ wirb. (6ap. 8.)
®anj anberS als mit ben menfiä^Iid^en berl^ält eS [\Sf mit bcn
göttlichen ©efe^en, meldte unS jur leid^teren Erlangung beS emigcit
feiles gegeben finb. 5)ie 3)iener biefeS ®efe|eS, bie ^riefter, fönnen
über niemanben urtl^eilen unb ri(j^ten in bem ©inne, bafe bamit eine
©trofgemalt öerbunben märe. „®emäfe ber SBal^r^eit unb ber offen»
lunbigen Intention beS SlpoftelS unb ber l^eiligen Äird^enlel&rer tann
niemanb in biefer SGBelt \>mä) eine ©träfe, jumal eine t)om ^riefler
Derl^itngte, gejmungen werben bie Sorfd^riften beS ebangelif(j(|en ®efe|e3
ju befolgen, nid^t einmal ber ©laubige, gefd^weige ber Ungläubige."
9lur wie ber Slrjt auf bie ®efunb^eit beS fförperS, fo fönnen bie
^riefter burti^ Seigre, Kat^ unb 2Barnung auf bie menfd^Iid^en ^onb«
lungen wirlen. 3»ene ©trafgewalt aber, bie nac^ ^Jlafegabe beS gött=
lid^en ®efe|eS gelf^anbl^abt wirb, l^at nur ber göttliche 9ii(j^ter unb_n)irb
fte erft im S^nfeitS ausüben, ^e^t aber, leiber, werben irbifci^e S8er«
urtl&eilungen jur ßmpfe^Iung beS göttlid^en ®IaubenS angewenbet
unb inbem man ß^rifiuS burd^ menfc^liiä^e SBemül^ungen ju f)ilfe fömmt,
wirb er ber SWad^tlofigfeit gejiel^en. Durd^ gjil unb fferler öerbreitet
bie flird^e ©d^redten unb jwingt, baß man il^r ®lauben fd^enle, bie
fidd auf fold^e 3Kad^tmitteI ftüjt. (6ap. 9.)
aSBem fömmt eS aber ju , über ftefter ju urt^eilen unb fie pi
fhrafen? Sfül^rt eS nid^tju einem SBiberf prud^ , wenn man ber weit»
lid^en 9Kad(|t, ba eben gefagt würbe/ baß il&r aDe ©trafgewalt ju»
fomme, aud^ biefe ßompetenj juweifl ? 3Ru| benn nid(|t bie Cognition
eines XelictS, baS Urt^eil mib bie ©träfe berfelben SKad&t jufte^en?
S)ie Kognition aber fann bod& nur ©ad^ ber 5ßrie|ler fein? — 3>ie
j
- 213 -
@$totetigIeit I5jt fid^ auä) l^ier babutd^, ba^ man einen boppelten
Sid^ter untetfd^eiben mufe. 3)er eine ift ß^ri[tu§ , ber Urll^eil unb
©träfe erft in ber fommenben SBelt au§fpri<i&t; ber onbere iji ber
^riejier, aber in ber eingefd^ränften Sebeutung öon Stid^ter, bie biefem
Segriffe im 2. Kapitel biefeS S^eilS na(^gett)iefen »urbe, nämlid^ bafe
er bic Uebeltl^äter belel^re, ermal^ne unb mit ber 3lu§fi(^t ouf baä
lünftige (Serid^t fd^redfe* 3)em meltlid^en ©erid^te aber öerfäDt ber
ße|er nur fo meit, afe feine fte^erei gegen baö meltlidde ®efe| ber«
Pfet. S)enn nid^t jeber, ber gegen göttlid^eS @efe^ fünbigt, ttjirb aud^
dorn toeltlic^en Siid^ter geftraft. 6S gibt ja öiele 3:obfünben, j. 39.
Peif d^lid^e , meldte ber menfd^Iid^e ©efe^geber juläfet, b, \). nid^t bei
Strafe verbietet, fo wie fie aud^ lein ^riefter Bei ©träfe öerbieten
fenn. 3lnberfeit§ gibt e§ biele§, ttjaS nad^ menfd^Iic^em ©efe^ verboten,
nad^ göttlid^em erlaubt ift, j. 93. toenn einer ein S)arle!^en jur be«
jlimmten 3^W wegen Unöermögen, 3Sergepd^!eit, ffranfl^eit ober irgenb
eine§ S^if^ß^ ^W jurüdferftattet. 6in Uebertreter be§ »eltlid^en ®e»
fe|e§ tt)irb im anbern Seben nid^t äU fold^er, fonbern fomeit er ju«
gleid^ gegen ba§ göttUd^e ®efe§ gefel^It l^at, geftraft werben. Unb
ebenfo umgelel^rt»
Safe Kognition unb SSoHjugSgewalt wol^I getrennt werben iönnen,
fielet man j. 39. au§ folgenbem. ©cfejt, ein weltliches ©efe^ »erbiete,
bafe 9lu§fä|ige mit anberen S3ürgern jufammenwol^nen. 3ßufe l^ier nid^t
ber 9lrjt entfd^eiben, ob jemanb in ber SLl^at auSfä^ig ift, o^ne bafe
er beßl^alb bie jwingenbe ©ewalt l^at ben 2lu§fö^igen öon ber menfd^=
n$en ©efeflfd^af t auSjufd&liefeen, wa§ nur bie Stegierung öermag ? ©o
mufe aud^ über bie grage, ob jemanb Äe^er fei ober nid^t, allerbing§
ber ^riefter urt^eilen; il^n ju ftrafen aber ift nur ©ad^e be§ gürften
nad^ SKafegabe be§ weltlid^en ©efe^eS. (Kap. 10.)
9lad^bem bie SWad^tanfprüd^e be§ 5Prieftert^um§ fo burd^greifenb
rebucirt worben, wirb in öier Kapiteln, bie Don ber eöangelifi^en 3lr=
mut^ l^anbeln (11 — 14) aud^ ber priefterlid^e 3lnt^eil an ben 2eben§»
freuben gefd^mälert. 93on ben 5iad^folgern K^rifti im ^irtenamte wirb
geforbert, bafe fie i^rem SKeifter aud^ im ©tanbe ber Slrmutl^ unb
SBeltberad^tung nad^folgen. SDBenn S^riftuS gewollt l^ätte, l^ötte er ja
als gürft auf bie SBelt fommen unb aud^ al§ fold^er leiben !5nnen.
216er er ift bor biefer SSerfud^ung auf ben 39erg entflol^en. SBie ber
l&l. 99em]^arb an ^apft Kugen gef daneben 1^at, bebürfen bie ^äpfte
unb ^riefter feines ^runfe§ unb SReid^t^umS, um ^etru§ nad^«
jufolgen.
k
-- 214 -
9lad^ weitläufigen Unterführungen über bie Begriffe: arm, tei$,
^tä)i , ^errfij^af t , gigent^um , 95eft^ , gemeinfam , toirb gejeigt , m§>
benn eigentli^ unter bem ©tanbe ber ebangelifd^en Slrmut^ ju öerjic^en
fei: „6S ift eine üetbcrMitJ^e fte^erei, wenn einer fagt, man lönnc eine
©ad^e ober bercrr ©ebraiwi^ nid^t l^aben ol^ne beten dominium ^).
2)enn ba§ Reifet ni(|t§ anbereS, al§ bafe ©l^rifii 3lat^ nid^t befolgt
werben fönne." SBer baS @ebot ber ebangelifd^en Slrmutl^ beobad^ten
mufe, b. ^. ieber ^riefter; foß fortan leine 3mmobiIien befi^en; m^
er bon fold^ien l^at, foB er fo balb afe möglid^ berfaufen unb ben
ÄoufpreiS unter bie Firmen bert^eifen ; aud^ über bie SOlobilien l^at et
!ein (Sigentl^umSred^t unb feine foI(j(|e ©ewalt bafe er fic bem, ber fte
tl^m nimmt ober nehmen will, gerid^tlic^ binbiciren bürfte^).
aSäeiter ge^t SJlarfiglio auf bie ©d^eibung be§ SEÖefentlid^en unb
UnwefentUd^en im ^riejtert^um unb auf ben Primat ber ^öpfie über,
(gap. 15, 16.) aaSaS ba§ SBefen ber SBürbe betrifft, ip ber ^rieftet
bem ötfd^of nid^t untergeorbnet, fonbem nur im ^fccibentieDen. ßbenfo
finb aud^ alle SBifd^öfe üon gleid^r ?tutorität, ba fte in gleid^er SBeife
^Rad^folger ber 5lpoftet finb. 3)ic Slpoftel aber finb in i^rer amtU(§en
©teHung gleid) gewefen. S)er 1^1. ^etru§ l^at leine ©uperioritöt übet
bie übrigen Sipofiel gel^abt ; wie er ju Slfitiod^ia burd^ bie SKenge ber
©laubigen jum SSifd^of gewählt worben ift unb l^ieju ber Seftötigung
ber anberen Slpoftel nid^t beburft l^at, fo finb aud^ bie übrigen Slpojtel
anberen ^roöinjen borgeftanben ol^ne irgenb ein SBiffen,, eine @in«
fe^ung ober SBeil^e bon ©eite beS ^etru§ ; benn il^re Söeil^e l^aben fte
in öoöer ©enüge burd^ ß^riftuS erl^alten. ©o bebürfen aud^ i^te
Slad^folger leiner Seftätigung t)on ©eite ber 9la(^folger ^etri. 5)ie6
SSerl^ältni^ ift oud^ gefe^lid^ gewefen biä auf Äaifer ßonftantin, ber
ben Sifd^öfen unb ber Äird^e bon 9iom einen gewiffen aSonang unb
eine Uebermad^t eingeräumt l^at. Princeps apostolorum lann ^etriö
nur in bem Sinne genannt werben , well er entweber älter ober im
©lauben ftärter war als bie übrigen ober S^riftuS früher ielannt
^at. ©aS »er^ältnife ift fo wie bei ben weltlid&en Surften, bie aße in
gleid^er SBeife unmittelbar unter bem Sbnige ftel^en; wenn baruntet
juweilen einer ober mtf)Xfttt ^M)tv geehrt werben, fo gefd^ie^t biej
*) e. 226. ®ic6 bejieljt fi* auf bie ^ÖuKe Soi^nn«: Ad conditore»
canonum, tom 8. ©ejctnt'er 1322, tt>orin bei 2)ingenr bie burci^ bcw ®t^xaudi
abnei^mcn, ber Unterfd^ieb jtöiftijen (Stgentl^üm unb usus verneint »urbe.
») ^a^ conclusio 38, @. 312.
— 215 —
toegcn i^rc§ SlltcrS ober il^rer fünjügen Sotjügc ^ctruS i)ai a\xä) feine
©traf« unb SuriSbictionSgeroolt über bie anberen flel^abt; eine fold^e
iVL üben l^at S^riftuS auSbrüdli^ unterfagt (9Ratt^. 20 u. Su!. 22).
^a no$ mel^r : 3)a feft fte^t, ba^ ^qu(u§ jtDet ^affxz in 9tom gemefen
iji unb bort bie Reiben belel^rt f^at, fo fielet bamit anäf feftr bafe er ju
3lom fpedeH SJif^of gemefen- SSom |I. ^etru§ bagegen lann quS ber
©(i^rift nid^t bemiefen »erben, ba| er ju 9lom 35ifi^of, ja niii&t ein-
mal, bo§ er überl^aupt ju 9iom gemcfen ift. 5)a bie ^etruSlegenbe
SBiberfprüd^c mit ber l^L ©d^rift jeigt — mie eS benn inSbefonbere
auffallen mufe, bafe ^auluä nie baüon fprid(|t, bafe er ^etruS ju Sftom
getroffen ^) — fo fd^eint fie niddt feftgel^alten werben ju fönnen unb
man wirb fie unter bie opolr^p^en ©d^riften jä^Ien muffen.
^aä) ber 1^1. ©d^rift l^atte alfo ber 1^1. ^etruS ober ein anberer
Slpoftel feine ©ewalt, anbere ein» ober abjufe^en, Weber in Sejug auf
ba§ SBefcntlid^e ber priefterlic^en SOßürbe, nod^ in Sejug auf i^re 3Jliffion
ober il^re Sejiimmung für einen gewiffen Ort ober ein gewiffeS 35olf,
nodf> in 33ejug auf bie Slu^Iegung ber ©d^rift unb beS ©laubenS, nod^
in 33ejug auf bie jwingenbe ^urisbiction in biefer 35ßelt. ©o fönnen
aud| bie 5Rad^folger feine fold^e ©ewalt 6eanf<)ru(^en.
SDBem fte^t aber baS gie(^t ju, Sifd(|öfe, Pfarrer unb übcr^au<)t
bie Wiener ber ffird^e eiujufefeen? (6ap. 17.) — gür bie Slpoftel ift
ß^rifiuS bie Quelle il^rer Slulorität gewefen; für beren Slad^folger
waren fobann bie Stpoftel bie unmittelbare DueHe. 3laä) bem 3;obe
ber 3lpofteI aber gefd^al^ hie ©infe^ung burd^ bi« ©emeinbe ber
©laubigen in bem Ort ober ber ^roöinj, über weld^e ber betreffenbe
©eifllid^e eingefejt werben follte,. ober burd^ jene, weld^en bie ©emeinbe
bie aSottmad^t ber ginfe^ung übertrug. 5Demnad^ fielet eS in ben ®e«
mcinbcn ber ©laubigen nur bem wettlid^en ©efe^geber b. i. ber @e«
fammt^eit ber ©laubigen ju, ^erfonen ju ben fird^lid^en Slemtern ju
wählen, )u beftimmen unb )u präfentiren. O^ne @rmftd^tigung be§
»clüid^en ©efe^ebers ober beö gürflen fömmt feinem Sifd^of ober
^riefter ober einem ©oDegium berfelben babei eine SMitwirlung ju.
mnm »eweid ^efür liefern in ber Spo^elgefd^id^te bie f&a^m
Stephans unb jpi^ilipps. SlBenn eS fd^on in Slnwefenl^eit ber Stpojiel
unb bei ber SCßal^l bon 'Siafonen fo gel^alten würbe, bafe bie ©emeinbe
^ 3RaTfl{}tto ü^et^el^t l^ter, ba^ $etru9 nadf $aulii9 m^ ^om gefbmtimt
fein tann. 2)te neuefie (^orfd(ung neigt ft4 befannüt^ mel^ ju ber 9tonal^e
eine9 ^bifentl^alte^ $etru9' in dtom. Sergl. Stenan. !S)er ^itti^ß, 437.
— 216 -
^eioäl^It l^at, um tote Diel ntel^r muB btefeS SSetfal^ten naäj bem lobe
ber Sfpojiel unb bei bet SSBa^I t)oit ^tieftem beobaci^tet toerbeti ! @mc
paffenbe Sßa^I tpitb au$ biet el^et but(i(i eitte @emeinf(|aft üott
©laubigen als bur(j^ einen etnjelnen getroffen toerben. 5)erjclbcti
IKutorität fielet eS natürlit^ anäf gu, bie t)on il^nen getoäl^Iten ^ricjiet
objufe^n ober jur ^flid^t anjueifem. SBer aber einen Untoürbigen
f)romobirt, begebt eine ©ünbe. 5)enn ein fddlimmer gfürft lann biel
Ünl^eil onri(j^ten, ein fd^limmer ^riefter aber no6) mt^x. ,,S)ie Seiti^t
gibt j. 83. ben ^rieftem ©elegenl^eit oft mit ben SBeibem ge^eitnc
Sefprec^ungen ju l^aben* S)a nun bie SBeiber, befonberS fo lange ftc
Jung, gleic^biel ob lebig ober t)er]^eiratl&et, Uxä^t ju t)erfü]^ren jtnb, fo
mirb fie ein fii^Ied^ter ^riefter mit 2ei(]^ttgleit um il^re gl^rbarfcä
bringen fönnen, toie tüir ^eutjutage in gfolge ber SSefd&affenl^eit unfcte§
^riefterflanbeS \a f o l^äufig gef d^el&en feigen." S)aS ift aber für bie
menf(ä^li(j^e (Sefeüfci^aft lein geringes Uebel.
^nxä) ben ^)fxnä) beS @efe|geberS ober auf beffen Slutorität ^in
be§ Surften finb alfo bie ^erfonen für bie fird^liti^en ©teilen gutju»
l^eifeen ober ju berwerfen. 2BaS aber bie Sßertl^eilung ber Xemporolien,
ber fogenannten Iir(jE)li4ien Selben betrifft, fo finb biefelben jum Unter»
l^alte ber ©eiftlid^en unb 9lrmen enttoeber bon bem ©efe^geber ober
}u bemfelben !^totdt bon einer ^ribatperfon ober einem Kollegium ge*
ftiftet. 3)ie S?erfügung barüber ftebt benn anä) bem ©tifter ju. 60
fd^reiben \\ä) j, 93. bie Äönigc fJronlrei(]^5 baS Siedet ju unb üben e§
factifd^ aus, getoiffe Ürd^lidie ^ftünben unb Selben ju berlei^en, unb
fo ift in ben ®efe^en ber römifd^en ffönige bie 2lrt unb SBeifc ber
SQßal^I unb ßinfe^ung bon Sifd&öfen, ^fanern, 3)ia!onen u. f. to.
unb i^re 3ö^I beftimmt unb befinlrt. 95on ben öffentlid^en Saften
fönnen ©üter be^^alb, weil fie in geiftltd^e ^änbe lommen, nid^t be«
freit toerben. (ßap. 17.) 1)
2Kit bem Slpoflel toerben toir aud^ unjtoeifeD^aft borauSfe^en
muffen, ba^ ber lat^olifd^e ©laube nur einer fein lann^). ©eine
©runblage bilbet bie 1^1. ©d^rift. Slufeer ber SBibel aber unb ben not^*
toenbig barauS abjuleitenben Folgerungen ober in S^^if^I^föD^n ben
*; 3n ben fünf folflcnbcn (£a^)iteln (18-22) nimmt blc 2)arllettung buni
^^rüngc unb Siebcrl^olungcn einen fo ungeorbncten (5(>araftcr an, baß v>\x
i^x ni^t mel^r n)ie bi^^er <^(^ritt t)or 04ritt folgen fönnen, fonbem ed Dor«
Stellen unfern ^uSjug natii^ ben ä^aterien )u orbnen.
*) dap. 18, @. 253.
— 217 -
€ntf(]^etbunflcn bc§ ©oncils ixan^t man leine anbete ©(j^rift bei
18crluji ber ©eligfeit für unumpöfelici^ tDOl^t ju Italien; nti(|t etwa
anä) bie 2)ecretalen unb 3)ecrete ber römifci^en ^äpfte unb ©otbinäle ^).
fficnn ber Slnfprud^ erl^oben mirb, bafe biefe pöpjilt(j^en SluSfprüci^e
unfel^Ibar feien, wie reimt ^xä) benn bamit bie eöibent inige SuHe
Unam sanctam, toie reimt eS \iä) ferner jufammen, ba| ^ap^
ßlemenS t)on biefer SulIe, bie boci^ au§brütfli(^ il^re Definition aU
eine jum etoigen §eile notl^tüenbige l^infieHt , in feiner SuIIe Meruit
erHört ffat, bofe fie für grantreici^ nid^t gelte? SBie !ann benn ber
$Qpft ben tffönig öon gfranlreid^ öon ber ^flid^t entbinben ettoaS ju
fliauben, tt)a§ jum ewigen ^tiU nöt^ig ift ^) ?
©0 ri(]^ttg es ift, bafe eS eine 3lutorität für bie 3tu§Iegung ber 1^1.
€$rift unb ber ®lQu6en§Ie^re geben mufe, fo !ann bod^ ber ^apft
eine foI(|e ni(|t beanfpruiä^en ; ba§ S3eif<)iel beS SlömerS 2iberiu§ be«
weift, bafe auäi köpfte in ffe^erei öerfaDen fönnen. S)ie ßompetnj,
<SlQuben§jtt)eif el ju löf en, fielet dielme^r bei niemanb anberem ate bem
©cneralconcil aller ©laubigen ober i^rer S3eboflmäd&tigten , auf bem
We fiaien fo gut wie bie SIerüer ©i| unb ©timmc l^aben foDen*
SSon biefem ift fiiä^er, bafe e§ öom 1^1. ©eift erleud^tet wirb. 3n Sejug
auf ben äiituS ober bie menfd^Iid^en ipanblungen lann nid^ts feftgefe|t
tüerben, wa§ bie SKenfd^en bei ©träfe öerpflid^tet, aufeer burd^ biefeS
oügemeine ßoncil^). 3)ie ©inberufung beSfelben ftel^t nur bem c^rift«
liäjtn weltlichen ©efe^geber ju ober wem biefer bie Slutorität baju
übetträgt. Sl^m fte^t e§ auä) allein ju, bie ju bem ©oncil tauglid^en
^erfonen ju beftimmen, beffen gel^örige SBir!fam!ett ju überwad^en
unb bie Uebertreter feiner ©efd^Iüffe ju ftrafen. Dl^ne 6rmä(^tigung
be§ ©eneralconcils ober be§ ©efe^geberS barf aud^ fein S3ifd&of ober
^riefier einen Surften ober ein SSoIt mit (Sjcommunication ober
Snterbict Belegen, nod^ ^frünben, 3^^^*^"/ ©d^ullicenjen ober bürgere
lid^e 9lemter Dertl^eilen *).
6ine Slutorität be§ römifd^en S3ifd^of§ über anbere Sifd^öfe fann
i^m üud^ nur jufolge Uebertragung burd^ ba§ ©oncit julommen. 3n
gewiffem ©inne ift eS ja nü^lid^ unb wünfd^enswertl^ , ba^ eine
*) (50^. 19.
*) aap. 20.
") Slflaäf (5a^>. 10 barf man l^ier l^inj^ubcnfcn: in ©ejug auf ben Olauben
fann ühtt^upt nic^t« bei ©träfe i)er^pi*tenbcö fePgefefet tcerben.
*) (£a^. 18 unb 21.
— 218 —
fiitci^c baS ^aupt ber übrigen fei : nämlidd um ben ©efe^geber oon:
ber 9lotl&tDenbig!eit ber ginberuf ung eines ©oncifö ju unterri(!^ten, um
im ßoncil felbp ben S5orfi| ju fül^ren, bic S5orf(j^Iäge ju maäjtn, bic
Scfc^Ittffe rebigiren unb öctöffentli(!^en ju laffen unb beten Ueberttetcr
na^ ber Seflimmung beS ßoncilS mit ürci^Ii^en ©enfuren, bo(J^ nur
mit foI(j^en, ju beftrafen. SBBeiter aber barf biefer S5orrang nid^t gelten *).
3)ie gefd^id^tlid^e ßnttuMcIung beS ^rimats aber |at folgenben
@ong genommen. SDBcH ^etruS unb ^aulus, bie in 9iom »irftcn,
mit befonberer SSerel^rung betrad^tet mürben, meil SRom bie t)orjttgli(^iie
unb berü^mtejie ©tobt beS 6rbf reifes unb meil bort boö meijle SBijfen
öertreten mar, barum l^ot man \iä) bamalS an ben SBif^f unb bie
Sird^e bon 3lom um .SRat^ gemanbt. ?IIS SiebeSftffit^t nal^men bie
römifd^en S3if(j^öfe bie ©orge auf jtd§, anbcre ju belel^ren unb brübet^
lid^ JU mal^nen. ®ie anberen fiirti^en gel^orij^ten unb burd^ lange (Se=
mol^nl^eit erl^ielt biefeS SJerl^ältnife gemiffermafeen bie Äraft eine§ über«
tragenen Sled^teS (electionis). ßonftanttn, ber erfle d^riftli^e Äaifer,
ber erpe aud^, ber ben ß^rifien erlaubte pd^ ju berfammeln unb
ßird^en ju bauen unb ber baS erfte ßoncil ju 9licäa einberief, ejimirtt
fobann bie Äird^e SlomS bon ber flaatlid^en ®emalt ber gürfien unb
fd^eint il&r burd^ baSfelbe Sbiet an^ Slutorität unb ©emalt über anbete
fiird^en eingeröumt ju l^aben. 3?ad^ ©onfiantin aber l^aben bie ^ät>fte auf
@runb balb göttlidden @efe|eS balb f ürjilid^er ©d^cnfung ben ^imat bean»
f<>rud^t unb bemf elben eine immer meitergel^enbe 3luff affung untergelegt *).
3n§befonbere aber berufen fid^ bie ^^Jäpfte für aKe il^re SJlodJt*
anfprüd^e unb für il^re bielfad^en Eingriffe in baS meltlid^e ©cbict
auf bic plenitudo potestatis, bie fie fälf^id^ auS ber % ©d^rift für
fid& folgern. (6ap. 23.) S)ie ©ddilberung, mie jte biefe gfüDe ber ®e»
malt innerl^alb ber f)ierardöie (Sap. 24), gegenüber ben Saieu (Sop»
25) unb fpecieH gegenüber bcm römifd^en 3leid^ (6ap. 26) ausüben,
bilbet ben Sd^lufe beS SEßerfeS. Sei Sefpred^ung beS erfien fünfte»
mitb ber miffcnfd^aftltd^e unb pttlid^e SBerfaH beS ÄleruS mit grellen
Sorben gefd^ilbert. „SDBenn einer bic Sifd^^ife, erjbifd^öfe, ^atriard^en
unb niebrigeren ^öloten jäl^It, fo mtrb er unter jd^n nid^t einem
S)oftor ber 1^1. 3:]öeoIogic ober überl^aupt einem biefer SBiffenfd^ft
ßunbigen begegnen/' Unter bcm nieberen ßleruS trifft man biele,
bie nid^t einmal bon ©rammatif etmaS bcrpel^en. dagegen, wäl^renb
*) (Sop. 22.
^ (Sop. 18 u. 22.
— 219 —
V
btc ßutie btc ®octDtcn ber Jl^cologic als unnü^ öcrmirff , beöorjuflt
fie btc Sutiffen. giatütüd^ ! 'S)icfc öetfte^en für bic gt^ltung bcr
toeltli^n ®ütcr ober Ufurpation öon »eiteren ^rocefe }u fül^ren. ©d
nimmt man au$ }u ^arbinäl^n unb ^äpjlen feine %f)^olo%m, fonbern
lieber ?lbüocaten (causidici). 5lud^ öiele lafciDe unb in ben 1^1. SBiffen»
f(]^aften ganj unerfal^rene iunge 8eute merben Sarbinäle, toö^renb
bo(ä^ biefeS Kollegium baS ÜKufter be§ ganjen ÄleruS Bilben foDte.
SQSelc^e ©imonie in ber Äir^e getrieben wirb, jeigt bie %i)ai\aä)t, bafe
^apjt Sol^ann aufeer anberen ÜHonjlrofitäten, bie er begangen l^at unb
begel^t, jiöet fianbSleute auS ©übfranheid^ ^), ben einen jum 39if(3^of
Don SQßind^efter in* ©nglanb *), ben anbern bon 2unb in Dacien ^) ge«
mad^t l^at, obfd^on beibe bie SanbeSfprad^en gar nid^t fannten unb e§
foiDol^I in @ngIonb aU 2)acien genug mürbige SWönner gegeben l^ötte,
®er bon Sunb §at feine S)i5cefe auögeplünbert unb ift bann mieber
in fein SSaterlanb jurücfgele^rt. Ueberl^aupt überlädt ber l^ol^e fflerui^
bie ©eelforge gänjli(| bem nieberen, um fici^ feinen ©elüften ^inju»
geben, bem 35oIfe toirb SKergernife gegeben, bie ganje Äird^e ift franf,
fie iji tt)ie bie ©tatue bei S)aniel, 2.
3n einem faft boHftänbig auf ber ßl^ronif 9Kartin§ berul^enben,
in Qfolge beffen aus SQBal^r^eit unb S)i(i^tung fcltfam gemifii^ten
]^i^orif(3^en Ueberblü wirb bann gejeigt (6ap. 25), mie bie köpfte
il^re ®malt auf meltli^em ©ebiete auSbe^nten, mie fie juerft in
9lrmut^ unb unter ber meltlid^en ©emalt lebten, üon ben ffaifern
betätigt, ja au^ abgefegt mürben, mie überhaupt bie Äleriler Don
fiaien inbeftirt mürben, mie afleS biefe burd^ Uebergrlffe b«r ^öpfie
') de lingua sua Occitana (langue d'oc).
•) $icr bürftc SRlgaub affer (SReginatb) ßcmclnt fein, ber t>om 16. '3lo)o.
ia2ü bi« 12. «^rit 1323 regierte.
") & tfi nt4t ni^tl^g f!att Dacia Dania ju lefen; benn Sunb gehörte
bomatd yax ^ir4eit)>ro)9tn) !3)acten. ^. Weidenbach, Cakodarinm historico-
christianum, ©.^271. 2)ic überlieferte SReil^e ber ©tf^öfc öon 2nnb (Ciame,
Series episcoporum, 330) cntl^ält jcboc^ in biefer Seit (einen, ben man ala
granjofcn t)ermut]Jen bürfte. S5on 1311 — 17. Sanuar 1325 regierte Esgerus
Jnel (Jaul), t)on 1325 — IH. 3Rat 1334 Carolas Erici. Senn ni(i^t ein 3rr-
tl^um Sßarfigtiod t)or(tegt, fo tonnte man nur an eine ^erfHnli^Ieit beuten, bie
m(if bem 17. Januar 1325 )um i^ifd^of erl^oben n>orben nnb bie t>ieC(eic^t n^egen
i^lrer balbtgen aiüdtel^r mäf gtantreit^ in ber ©if*)f«Tetl^ nid?t anfgejS^tt n)lrb.
9r btefem getle »fite ein »ttä^ttger tlnl^lt für bie 39eflinmrang ber SPbfaffung«-
}ei( be9 Defeaeor pael» getveimen , bie bann nid^ k>or bie }ta)eite $5(fte bet
Saläre« 1325 gefegt toerben bürfte.
— 220 -
umgelel^rt tDutbe* ,,^mtt ni($t aufrieben l^aben bie ^äpjle anäi Diele
tt)eltlt(|c ^robtnjcn, bie bem römifci^en JReid^e gd^ören, occuptrt, fo bie
©tobte bex Slomagna, Serrara unb Sologna, jumeift bei (grlebigung
beS Iaiferii(]^en Stl^ronS" ^). „SBie öonben 3letjten ba§ Bpnä^tDoxi gilt:
bie tneipen l^eilt, wem bie nteiften bertrauen, fo fatm man in bet
%f)at fagen: bie meiften will betrügen unb berfü^ren ber, bem iejt
ber meifte ©laubc gefd^enft wirb" ^).
Sl^re ^) Slbfid^t \x(i) bie Staaten ju untermerf en lönnen bie ^äpjie
junöiä^ft am beften gegenüber bem römifd^en Sleiti^e öermirüii^öen unb
ivoax wegen ber 3tt)ietrad^t , bie fie , biefe Sogenannten ^irten ober
l^eiligften SSäter, bei ben Slngel^örigen biefeS Steid^eS fowo^I unter fid^
cU gegen il^re gürften unterhalten. 3ft il^nen einmal baS römifd^e
Sfeid^ unterworfen, fo glauben fie t)on ba auö leidet bie übrigen
Staaten unterjod^en ju lönnen. ©o fud^en fie benn unter bem SSor»
wanbe bie SRed^tc ber Äird&e ju üert^eibigen .auf alle SBeife bie SQßal^l eine^
römifd^en ßönig§ ju l^intcrtreiben. ©ie beanfprud^en eine ©uperioritöt
über ben Äaifer unb bei ©rlebigung beö St^roneS felbft bie laiferlid^e
3Kad^t unb ©ewalt.
2)ie6 ift aber eine ganj falfd^e unb red^tSwibrige Unterfd^iebung,
ju ber bie köpfte auf folgenbem Söege gelangt finb. ©eit ben Seiten
(Sonftantinä l^aben einige römifd^e dürften bie anf fie gefallene SGßal^l
ben köpften freunbfd^aftlid^ angezeigt, um i^re (Sunft unb il^ren ©egen
JU erlangen; au§ bemfelben ©runbe unb um i^rer ^nt^^onifation
einen feierlid^en 2tu§brudE ju geben, liefen fid^ fogar einige römifd^c
Äaifer t)om ^apft bie fitone auffegen. „SQBer möchte aber behaupten,
bafe biefe Krönung bem römifd^en ^ontifej me^r 2lutoritöt über ben
römifd^en Jtönig einräumt al§ bem ßrjbifd^of öon 3i^eim§ über ben
^önig Don gfranlreid^? S)ergleid&cn geierlid^feiten übertragen nid^tbie
Ututorilät, fonbern lennjeid^nen nur ben SSefi^ , bie bereite gefd^el^ene
Uebertragung." S)a biefe äleberenj öon ben römifd^en Königen öfter
freiwillig erwiefen würbe, ^aben bie köpfte fie jur ©ewo^nl^eit unb
JU einem SKifebraud^ auSgebilbet, Dan! ber Äur jfid^tigleit , um nid^t
JU fagen Söffigfeit ber Könige, unb l^aben aflmäl^lid^ bie guten ®e*
' *) @. 279.
«) @. 280.
') (Sa^. 26 (6et ©olbaft e. 280, (£a)>. 25 jufolge 2)ru(!fel^lerd). 2)adfe(be ifl in
ber $au)}tfa(^e eine Sieberl^olung bed leisten (Sa^itetö beS erflen X^etld, bO(i^
ettoaS em^ettert, befonbere burc^ beßimmtere l^iflorifd^e Angaben; and} au9 bem
23. (So^itel bed 2. Z^t\k9 toieberl^olt fx6) l^ier t>kM.
— 221 —
iinnungb (laudatio) unb bcn ©cgcn, ben pc über bcn ftöntg quS-
ipxa^tn, münblid^ unb fd^riftli^ als Scjiätigung feiner SGBa^I be*
jei(j^net. ®te frül^eren römifd^en Könige ^aben nxtS^t bead^tet, xodä^t
l)räiiibicielle Slenbenj [xi) unter biefcr Benennung einfc^ü^; fo bean=
ipxnäjtm bie ^äpfie juerp öerfterft, je^t offen, bafe lein ©emö^Iter,
tDic gefe^mä^ig anä) immer bie SBa^l erfolgte, römifd^er .flönig ge»
nannt »erben ober föniglid^e Autorität vAm bürfe, wenn er nid(|t
öom römifd^en Sifö^of gebilligt loorben fei. S)iefe Silligung aber l^ängt
nad^ ben ©runbfä^en ber plenitudo potestatis rein t)on bem SDBiDen
be§ ^apfte§ ab , ol^ne bafe er babei nur ein ßoHegium ju 3tat^ ju
jie^en l^ötte. „3ft ba§ ettoaS anbereS aU bie 3erfiörung be§ römifd^en
ftönigtl^umeS unb bie beftänbige SSerl^inberung ber flönigSwal^I?"
SBenn bie Autorität be§ erwöl^Iten: ßönig§ Don bem aSBiUen be0
römifd^en Sifd^ofS aflein abt;inge, bann tt)öre ja ba§ 2lmt ber 3ßä^Ux
ganj bebeutung§Io§. 6§ ift läjiig ju l^ören, bafe o^ne bie grlaubnife
bicfeg Sifd^of§ ber ermö^Ite ftönig nid^t einmal feine töglid^en SBebürf»
nif[e aus ben ©inlünften beS 5fteid^e§ foll beftreiten bürfen. g^afet man baS
Slmt ber ffurfürfien fo auf, bann fönnen fieben S3artfd^crer ober fieben
Slinbe bem römifd^en Äönig biefelbe 9lutorität berleil^en. 2Ber aber
bie ffiurfürften il^rer 9lutorität berauben toill, ber berlennt, meldte Se*
beutung (virtus) unb toeld^en inneren @runb (ratio) baS 3nftitut ber
SBo^l ^at unb toefe^alb i^re SRad^t auf ber 5maiiorität beruht. SBenn
bie SBal^I eine rationelle (Sinrid^tung fein foII, barf il^re 2Bir!ung
nid^t bom SBiUen eines einjigen abhängig gemad^t werben, fonbern
nur Dom ©efe^geber ober beffen SeöoIImäd^tigten, wie im Kapitel
12 unb 13- beS erften Sud^eS ausgeführt morben ift. ?Benn
ber ^apft gleid^mol^I bel^auptet, bafe er mit feiner gorberung eines
SlpprobationSrec^teS bem SBal^Ired^te ber Äurfürften nic^t präjubiciren
»olle ^), f iji baS, wie wenn einer bem anbern ein 3luge auSfd^Iägt
unb öerfid^ert il^m nid^t toel^e tl^un ju wollen, ^n ber SL^at ift biefe
pöpfHid&e gorberung nid^tS anbereS als eine beflänbige Ser^inberung
ber SBol^I ober Promotion eines ÄönigS unb bie öpDftänbige Äned^tung
beS römifd^en ßönigt^umS unter ben römifd^en gpiflopat. S)enn ber
römifd^e Sifd^of wirb nie einen Äönig beftätigen, bebor er i^m gewiffe
Serträge unb ©bfd^würe erpreßt l^at, burd^ meldte berfelbe feine
äbl^ängigleit anerfennt 2). Äein ©rwäl^lter aber wirb je biefe
*) 2)ie6 bcl^auptcte Sol^ann in (Sircutarfd^reiben an Sß^mtn, ÜRainj,
Xricr unb ÄöCn toom 26. 3Ral 1324; «ö^mer, ^äpfic; 9lavnalb 1324, § 17.
•) Wt ricj^ttg SKarrigtio IJtcrin gefeiten, jeigcn bie erniebrigcnben ^ibe, btc
— 222 —
unerlaubten SScrttäge einflel&en, er TOÜfetc nur \iftü&ä)n fein ofe ein
SEeib , unb fo wirb ber ^opft fiets mit SBort unb %f^t bie äner-
lennung beS ©emöl^Iten ju öerl^tnbern fuii^en.
3)em ganjen rbmifd&en Stellage ern)ö(i^[t borauS ungel^eurer ©d^abcn.
®a ber ^apji bei ßrlebigung be§ %i)xont^ beanfpru^t bem öorigen
Äaifer im 9lmte nQd^jufolgen^), fo folgt barauS notl^menbig, bö^ e§
bann ju feiner TOad^tDoüfommen^eit gel^öre, öon ben gürften unb
©tönben be§ ^t\ä)^ [\ä) ben Sib ber Streue fi^mören ju lajfen , 4^
biefelben ^u feiner 9lblegung ju jmingen ; öon i^nen ©teuern unb bic
übrigen l^erlömmli^en Seiftungeu ju f orbern; bie erlebigten gfürflen«
t^ümer unb Selben §u bergeben ; enblid&, moS baö läftigfte. ift, e§ folgt
barauS auc^, ba^ bie ©tänbe i^re ©treitigfeiten unter fid^ bor boS
fSforum ber ßurie ju bringen l^aben. Äein Surft, feine Kommune, fein
Slid^ter im römijd^en 3tt\^ toirb bann ein Urtl^eil jur SSoUftrcdEung
bringen fönnen, weil bie Sßerurt^eilten immer an , bie ßurie appeüiren
werben. Unb menn bie 9teic^§ange]^örigen fid^ ber 3lutoritöt ber ßuric
ni(ä^t fügen raoHen, wirb ber ^apft mit 9Inatl^em, gjccommunication
unb unterbiet borge^en unb afle gegeneinanber aufl^e^en.
5lein, bie ßönigSma^l bebarf nic^t ber päpftlic^en S3eftättgung.
©ie \)ai baue Äraft, menn fie bur(ä^ bie brei ßrjbifiä^öfe unb bie bicf
meltli(^en gürften erfolgt. Sei biefen fieben feäl^Iern ift ein gnt^um
ober eine berfel^rte SEenbenj ni^lt fo leid&t mögli(i^ wie bei bem einen
S3if(^of bon 3lom. 9Kan wirb einroenben: wenn nun aber ber ®c*
Wählte in ßcfeerei berfäDt? %\iä) bann fte^t ba§ Siici^teramt barübet
ni(^t beim ^apft, meber aßein nod^ mit feinem ßarbinatScoHegium/
(benn aud^ bie ©arbinäle l^aben ben päpftliij^en 9lnma^ungen meiflenS
jugeftimmt), fonbern bei einer allgemeinen SSerfammlung berer, bic
unter bem ffaiferreid^ ftel^en.
SKit ben oben gefd^ilberten ©uppofitionen ift nun bor fur>em ber
je^ige Jßapft gegen fiubwig ben Saier aufgetreten , Submig aber l^at
\iä) benfelben in SBort unb 3:^at mit SRed^t tt)iberfe|t. 2)er ^apjt
bcrgi^t, auS melij^er 9lrmut^ unb 5Riebrigfeit, au§ melci^em 3)rud unb
meld^er Verfolgung ba§ ^apftt^um eben burd^ bie römifd^en ffönige
iu einem Ueberflufe weltlicher ®üter, ju ©lanj, ß^re, ^Raä^i unb
Slul^m crl^oben worben ijt. 3uerp l^at er ba§ ©ift feiner Sefd^impfungcn
ft^ bie $äpfte toon Submig bei beffen Untermerfungdüerfuti^en üait 1336 unb 1343
bann öon Äarl IV. fc^tüörcn ließen.
V «utte Sol^ann« ö. 31. SKärj 1317, Marlene et Durand U, 641.
— 223 —
unter bcm ^onig fü|ct SBottc öerjkdtt: er toofle Subwtg Don feinem
:3rrtt)ege auf ben Jßfob ber Sfflal^r^eit jurüdfül^ren. ^ter mufe man
jagen : maS fiel^ft bu ben ©plitter im Sluge beine§ SruberS unb über»
fie^ft ben Saiten im eignen? „3&a% l^at biefer ißöpofrit, biefer ganj
Wtäitz Saum , ber bie grü(ä&te aller SoS^eit, beS SSenat^eS unb ber
Stöietrad^t trägt, einen fiä^ulblofen, tüci^tigen, Iat!^oIif(3&en unb betoäl^rten
^ann unter bem ©(i^eine frommer Siebe fo ju befci^mpfen?" S)ann
aber ift ber ^ap\i offener geworben , ^at ben Äönig unb feine Sin*
^önger ejcommunicirt unb über bie ©emeinben ber ©laubigen, bie
i^m als römifd^em Äönig ^ati), ^ülfe unb ®unft gemäl^ren, ba§
unterbiet auSgefprod^en ^) ; „mxkx aber loirb er ben äufeerften ©ta^el
feiner Söfartigfeit bieHeid^t erft no(]^ l^erborlel^ren , eine Slafpl^emie
nämli(j^, bie er felbft ©entenj nennt, obfd^on fie in ber SEI^ot bie
l^öö^fte S)emeni ift, toorin er ben gütften mit benen, bie il^m al§
fiönig anl^angen, al§ fieser unb gfeinb ber ßir^ie erftärt, il^n aBer
Scmporalien, ber SRobilien unb ^ntmobilien beraubt unb biefelben
benen jufpriiä^t, bie fie occupiren, morin er ben ffönig unb feine 3In-
§önger fogar jum^ Stöbe öerbammt, fie im gafle lebenbiger ©efangen«
nal^me in bie ©flaöerei il^rer geinbe gibt unb il^ren 3Körbern ober
Slngteifern 9la(|lafe Don ©ci^ulb unb ©träfe gewährt 2)!"
[ *) «uI»t)om 23. aWSrj 1324.
*) <S. 283. Demum vero suae malitiae aculeum, quem in nocumento
et exterminatione credit extremum, foras emittet fortassis, in praedictum
principem figere-credens, blasphemiam videlicet suam quandam, ab ipso
vocatam sententiam, licet re vera supremam dementiam, qua supradictum
principem cum adhaerentibus aut obedientibus et faventibus sibi omnibus
tanquam regi pronunciavit haereticos et ecclcsiae inimicos sive rebelies
Buorumque temporalium omnium, mobilium et immobilium iure privavit.
u. f. to. $tcr (bie SluSgabcn »on 1522 u. 1592 tefen c6enfo) fielet baö emittet
fortassis niti^t in ©inflanfl mit ben ^crfectiS pronunciavit u. privavit; bie
©^toicrtgfeit ift ttJOl^t biir^ bie (Smcnbation pronuntiabit u. privabit ju Iö|en.
SBaö bie ©ac^e betrifft, fo erfolgte bie SSortabung SüubtoigS tocgcn Äetjerei unb
bie 2lbf^rc(^utig aüer 3:em^)oralien, b. 1^. au6) be3 ^erjogtl^umö ©aicrn, erft am
3. ^rit 1327. Set bem $inncig auf bie ©flaöerei fann SDiarfiglio ba« analoge
5Sorgel^en (Stemenß V. gegen bie SSenetianer to. 3. 1309 öor Slugen gel^abt l^abcn
(ßaynald, 1309, §. 6); »aö et 4)on 2:obe«urtl^eil faijt, ift, ba ein fol(6e« in äl^nli^en
gätten nod& öon Iclncm $a^ite au^gef^jro^en »orben, tenbcntiöfe Ucbertreibung.
Um biefelbe inbeffen nid^t ^u l^art ^u beurtl^eilen , mug man fxä^ erinnern, bag
na4 bamal^ l^errfd^nben aufteilten eine @rflärung }um Stti^tx bom Sobedurtl^eil
ni^t toett entfernt tvar. <^. Thomas, Summa II, 9, 11. @o fagt aud^ ber
— 224 —
Um gegen fiubtoig aufjul^eften, bertl&eilt ber ^apft fttd(|I^e $frün^
ben unb SEemporalien , ®elb unb ©(j^öfte, unb übt ein ganj ncueS^
aSctfal^ren, baS offenbat naä) Äefterei f^medft: in feinen fogenanntcn
apoftolif(]^en ©d^riftftüden feuert er n'dmlxi) bic Untergebenen unb
(Setreuen biefeS Surften jur SRebeflion qu, inbem er fie bon bem @ibr
ber Sreue entbinbet ^). S)o§ l^eipt bie SBurjel alles ©toatSwefenS unter»
graben , benn biefe ifi ber gegenfeitige gib ber SEreue jtoifd&en fjfürjl
unb aSoII. ®ie fides ift überl^aupt, loie SuDiuS in ben Officien fagt,
ba§ gfunbament ber ®ere(]^tigfeit.
®arum, toenn \[ä) aud^ bie ®eir)altf(^ritte beS ^apfteS öorber^anb
erft gegen baS römif(]^e SReid^ leieren, follen bod^ alle gürften auf i^tct
§ut fein. Der ^apft l^offt, bafe binnen furjem feine raeltltd^e Wai^t
unbermerlt fo geftiegen ift, ba^ er ol^ne ©efä^rbung aud^ ben SUcji:
ber Staaten fic^ unterjoiä^en fönne. SDann toürbe er erfl ben mo^reti
©inn feiner plenitudo potestatis entl^üKen.
3)er SPapft löfet prebigcn, ber JTrieg gegen Subtoig unb beffen
©etreue, bic er fieser ju nennen beliebt, fei fo öerbienfHidd mie gegen
bie überfeeifd^en igeiben. Damit nid^t jufrieben, ^at er aud^ einen
ßarbinal mit öiel gufeboll unb Sleiterei in bie fiombarbei, ebenfo einen
gemiffen 3lbt in bie TOarf Slncona jum Jfampf gegen bie ©etreucn
ßl^rifti gefd&idtt. 3" fold^en S^edfen Derwenbet er bie ürd^Iid^en ®üter,
meld&e fromme ©laubige jum Unterl^alt ber ©eijHid^en pber 3ltmcn
geftiftet l^aben. Sefonber§ in ber Sombarbei, in Stufden unb ber
9Kar! 9lncona gel^t ber 5ßapft gegen Submig unb feine 2ln]^önger bor
unb jumal l^at fid^ feine Verfolgung gegen ben eblen^ Dornel^men
unb erlaud^ten, burd^ SKJürbe unb ßl^rbarfeit ber ©itten bor allen
Italienern l^erborleud^tenben SKatteo aSifconte*) gerid^tet, bei burd^
laiferli^e Stutoritöt jum ©tatt^alter bon 3JlaiIanb befteHt rootben
glcic^SCttigc ®cf^icä^t«f<3^reibcr Galvaneus de la Flamma eben über bie Äefeeter
Subtvig b. $. : Quicumque hoc credit vel asserit (de paupertate Christi),
est excommunicatus et haereticus per ecclesiam igni tradendus. (Mara-
tori, Scr. Xu, lüOO).
*) ©utte to. 23. aWSrj 1324. 2)a6 bieg ein neue« ©erfahren fei, Beruht
auf einem 3rrtl^um; fAon öorl^er l^aben e« ©regor VII., SKejanbcr III, 3nw
cenj III., ©regor IX. u. Snnocenj IV. geübt, ©ti^ulte, bie SDia*t ber xBmv^
f4en ?Ja^)j!e n. f. ». 58.
>) „BoDae recordationis''; SD'^atteo toar im Sommer 1322 geflorben.
— 225 -
mx ^). SBcr , bcr fein Sotctlanb liebt , fönnte fdiroeigen , lüenn er
fielt, mie ,,jener gto|e ©rad^e, bic alte Bäflan^e, bic mit SRec^t Seufel
imb ©otan genannt wirb", foIc|e§ SSerberben fäet !
,,3Jhine SRebe ge^t an ben rbmif (i^en 35if d^of , an aKe ^riejter unb
®ciftlit|en, nici&t al^.geinbe, bafür rufe id^ ®ott jum Saugen an,
fonbern Dielme^r al§ SSäter unb Srüber in ß^rifto : mögen fie 6^riftu§
unb bie Slpoftel nai^al^men, mögen fie auf bie meltliti^e ^enfi^aft unb
auf ba§ ßigent^um über bie SEemporalien in @inf alt berjid&ten ! ®a
fie im Slngefid^te 3lIIer fünbigen, fo l^abe \ä^ fie nad^ ber Se^re ß^rifti
unb bet Slpoftel auc^ öffentlid) ju Siebe gefteßt. ?[I§ ^erolb ber
SBa|r|eit auftretenb, l^abe iä) berfud^t, fie burd^ Uebereinftimmung ber
göttlid^en unb meltlid^en ©d^riften jum ^fabe ber Söa^rl^eit jurüdf=
jufü^ren, bamit fie unb inSbefonbere ber römifd^e S3tfd^of, ber am
töeiteften abgeirrt fd^eint, ben 3orn ®otte§ unb ber 3lpofteI Sßeter unb
.^aul bermeiben, mit bem ber ^apft fo oft anbere bebrol^t^)/'
@§ folgen nod| bier Kapitel (27—30), meldte, ol^ne tt)efentlid^
üfeueS ju bringen, afle ©inmenbungen entMften, meldte gegen bie
über ba§ SOBefen bes "^rieftertl^umS , über bie ^uriSbictionSgemalt be§
?apftt]^um§ unb über t^a^ 3Ser^ältnife ber meltlid^en jur geiftlid^en
®ett)olt borgetragenen Se^ren gerii^tet merben. 9Kan möd^te
glauben, bafe biefer 3lbfd&nitt irrtpmlid^ au§ ber 2Ritte be§ smeiten
Shells ^iel^er an ben ©(^lufe berfejt morben fei, menn mä)\ 5Rarfiglio
felbji in ber ©d^rifi de translatione imperii ^) burd) eine Sermeifnng
auf ba§ Ic^te ßapitel feines Defensor pacis biefe Drbnung anerfennen
mürbe.
•Ser britte ^^eil be§ Sud^eS enthält fobann eine 9lrt bon Sfegifter
in meld^em in ^2 conclusiones ber S^^alt ber beiben erften 2:^eite
jufammengefafet mirb. -
ätnftatt bie Konclufionen 9Warfiglio§ mieber jugeben , f äffen mir
in aller ifürje bic ©runbjüge feines ©Alterns auf unfere 9lrt ju«
fammen.
3)er oberfte politifd^e ©a| ift bem 2Karfigfio bic ©ouberänetät
beS 38ol!e§, bcS legislator humanus , mie eS bei iCjm genannt mirb.
*) $ict. tco ber Serfaffer not^moi auf bie iBcbcutung bcr plenitudo po-
testatis juriicöönimt, |inb bic Sicbcrljolungcn bcfonbcr« auffäüig.
»> Ö. 287.
», Goldast II. 153,
»ie^ler, SBibeTfa^er bet ^hpftt. 15
— 226 —
tßiemanb fte^t über i^m^). SSci-i^m ru^t foiool^l bic ©efe^gcbung,
bie c§ burd^ feine getoäl^Iten Slcprftfentanten ausübt, oI§ bie ebenfalls
burd^ SDßa^I erfolgenbe ginfe^ung ber aUegierungSgetüQlt. Sei allen
SBal)Ien erfe^t ©timntenme^t^eit bie (Sinftimmigleit. 3)er Siegent i[t
nur ba§ öolljie^enbe SBerfjeug ber gefe^gebenben ©emalt. 6r fte^t
unter bem ®efej, öon bem überl^aupt niemanb ejimirt fein lann,
@r ift bem 93oI!e berantwortlic^ unb abfegbar. Die Sefugniffe ber
©taatögemalt getjen foweit, bafe burd) fie beftimmt merben foll, loie
Diele Seute fid^ jebem SerufSjmeige »ibmen bürfen. SCßenigftenS an*
beutungSmeife wirb bie pl^autaftifi^e SBeltmonarc^ie iu ©unften be§
9lationalttöt§ftaate§ jurücfgemiefen.
5)a§ 5Prieftert^um l^at feinerlei obrigfeitlid^e ©eroalt, fonbetn
nur eine feelforgerifii^e 2lufgabe. ®ie ^riefter ftel^en burd^auS unter
bem meltlid^en ©efeg. ©ie bürfen fo wenig wie bie Äird^e ßigen»
t^um befigen. 3^re SBal^I unb ßrnfegung ftel^t bei ber ©emeinbe,
bie gf^ftfteüung il^rer Slnjal^I beim ©taat, bie Vergebung unb baS
©igent^um ber Xemporalien bei bem ©ttfter.
S)er Jßrimat beS ^apfteS ift meber im göttlid^en Siedete no$
in ber ©d^rift begrünbet, fann it|m nur burd^ Uebertragung beS
6onciI§ jutommen unb l^at nur eine geringe praltifd^e SBebeutung.
S)ie Sifd^öfe l^aben leine pl^ere ©emalt al§ bie ^riefter.
©runblage beS d^rtftlid&en ©laubenS ift nur bie 1^1. ©d^rift.
©laubenSjtDeifel finb burd^ bie 3)efinition beS Sonette, nid^t beS
ipapfteS jü löfen; üom ßoncil, ba§ bie Saien fo gut mie bie filerifer
umf äffen fofl, gelten aud) bie rituellen geftfe^ungen au§. 5)ef[en
ginberufung ftel^t beim d^riftUd&en SSoIfe ober beffen ©tellbertreter,
bem ßaifer. S)ie ßjcommunication barf nur bie ©emeinbe ober baS
ßoncil au§fpred^en.
6ine Seftrafung ber Äe^er auf bicfer 2£elt ift nur bann ju«
läffig, menn jugleid^ bie Ueberfd^reitung eineS weltlid^en ©efe|ie§ oor»
liegt. Qnm ©tauben barf niemanb gejmungeu werben.
6in foId^eS ©^ftem, im ßopfe eine§ S)enfer§ be§ öierje^nten
Sjal^rl^unbertS entftanben, mu| un§ mit Ueberrdfd^ung unb Se»
wunberung erfüHen^j. 3^^mitten einer 3^it ber ftaatlid^en DI)nmad^t,
») 2lm beutUc^ften löirb bieß im 21. (£a^. bc8 2. %^t\l^, p. 258, 259,
au^gefprcd^en : Humanus legislator fidelis superiore careus.
') 33ov gricbberg .l^at inöbcfonbcrc Laurent (L'^glise et r^tat, p. 132)
bic l^eroonagciibc ©ebcutung aj^arfigtioö geroürbigt.
— 227 —
ber priöileflirten ©tänbc, be§ fSfcubaliSmuS , bc§ üt^Ucl^cn Uefier«
getoid^teS, bc§ ^ßapalf^jicmS unb bct Äe^cröctfolgungen fd^wingt fic^
SRarpglio ju bcr 9ln}c^auung einet SBeltorbnung auf, beten telatibe
S8ottteffIi(j^eit butd^ md)t§«bejfet.bett)iefen metben^ fann al§ feutd^ bie
%i^ai\(\ä)z, bafe naä) Sal^tl^unbetten ein %i)^\l i^tet fjotbetungen butd^
bie fitij^lid^e Ofefotmotion , naä) fetneten Sal^tl^unbetten ein anbetet
S^eil butd^ bie politij^e Sleüolution etfüHt motben ift, mä^tenb bie
ßtfüflung eine§ btitten 2^eile§ no(i^ l^eute Don mäd^tigen ^atteien
öngefttebt witb. 3n bet SEl^at fjat bie l^iftotifd^e ßntraidtelung int
gtoßen unb ganjen bie t)on bem lül^nen SBenfet öotgejeid^neten
öa^nen eingefd^Iagen. SSieleid^t ift nie ein ®ei[t feinet ^n\ tueitet
öorangeeilt al§ biefet ^töli^^^^^- SBenn bie fd^neibige ©d^ätfe, bie
ftrenge golgetii^tigfeit , bet übetquellenbe Sleii^tl^um feinet ®eban!en
untt)ibetftet)Iid^ anjie^en, fo beanfptud^t nod^ I)öl)ete Slnetfennung bie
gtei^eit be§ ©eifte^, bem e§ in fold^em TOafee gelingt bie geffeln bet
3eit unb be§ ©tanbe§ abjuftteifen. 9Jlan mufe e^ fid^ ftet§ etft
toiebet in ba§ ©ebäc^tniß jutüdtufeu, bafe bet Defensor pacis 'im
öietje^nten ^al^tl^unbett üon einem ©eiftlid^en detfafet motben ift.
©egenübet bet Unflatl^eit unb Unfelbftänbigfeit be§ mittelaltet»
lid&en 6taat§bemufetiein§ fü^tt 3KatfigIio nod^ entfd^iebenet al§ ®ante
ben ßampf füt bie ^ol^eit be§ ©taateS. 3n biefet ^infid^t fteflen
fid^ bie beiben gtofeen jeitgenöffifc^en 2anb§Ieute jufammen ; im übtigen
ge^en fie meit au§einanbet; ©ante ift bet Sobtebnet einet untet»
gcl^enben, 3Jiatfiglio bet ^topl^et einet neuen SBelt.
9Ran üetmag mo^I ju etfennen, welche ßinflüffe auf bie @e«
fialtung unb 9lu§bilbung t)on 2Katfiglio§ ©odtinen geroitft l^aben.
S)a§ 6tubium be§ 2ltiftotele'§ ; ba§ SSotbilb, meld^eS bie tepublüanif d^e
SSetfaffung bet aSatetftabt batbot; bet Äampf ^^ilipp beS ©d^önen
gegen bie päpftlid^en Uebetgtiffe unb bie butd^ biefen Slnlafe l^etöot»
getufenen X^eotien bet ftanjöfifi^en ©elel^tten : baöon ^at bet ^abuanet
ben mäd^tigften 9lnfto$ et^alten^). 2lud) feine natutmiffenfd^aftlid^en
*) 9}Mt ^tnotb öon SStefcia Pimmt ifliarpgüo übctcin in .bct ^Bcrrocrfung
bcr »cUtic^cn iKac^t bcr (Euric, in bcr gorbcrung bcr etoange(if(^cn 2lrmut& für
ben Älcru« unb in bcr Ucbcrtragung bcr gcfcfegcbcnbcn ©cnjatt auf ba8 röniifc^c
^olf. ^iirgcnb jclflt fid^ icbod^, baß ^Karfiglio tjon ben 3trnotbiflcn eine (Sin*
toirtung erfal^rcn l^abc, fo baß cö fß^ toon btcfcr <Scitc nur bcftätigt, n>cnn Oicfe*«
btcd)t (Slrnolb öoü 33rcfcia-/ 34); einen äußeren 3ufftmracnl&ang snjifdj^en ?lrnotb
unb fpätcrcn ^Reformatoren öcrnjirft.
15*
L
?i.
— 228 -
gforfd^ungctt barf mon ni^t untctf^ä^cn; ftc mögen il^m ben fteicit
®UdE unb ben Siud^ mit ben l^erge&rati^ten 2tnf(i^aüungen etlei^tert
^aben,
S)a§ ^nä) be§ 9lriftoteteS dorn Staat l^at bem ^ÖJarftglto ni^t nur
biele (Sin jelnl^eiten , fonbern aud^ bie -©runbgebanlen feiner ©taats*
t^eorie geboten. S)od) i[t 2KatfigIio nid^t etwa ganj üon SrijtoteW
abl^öngig. @o nimmt er u. a. an ©teße ber ariftotelifd^en 2)rei«
t^eilung ber ©emalten in gefe^gebenbe , öoüjie^enbe unb rid^tcrli^c ^)
bie im ©runbe rid^tigere 3tt>^it^^ifung an, inbem er bie rii^terliiije
©etoalt nur aU ÄuSpufe ber bolljie^enben betrati^tet. Ueberl^aupt fann
man i^m nid^t abfpred^en , bafe er auf ben entlehnten ^^unbamenicn
einen 9leubau aufgeführt l^at. ^x(btm er bemolratifd^e ®runbjä|e
auf bie monard^ifi^e 9Iegierung§form überträgt, entjie^t in feinem
©eifte ein @taat§ibeal , ba§ ber conftitutioneHen SWonard^ie ber 9?cu»
jeit am näd^ften lömmt.
9Kan l^at barüber geftritten, meldte ^ublicipen be§ fiebjel^ntcn
Sal^rl&unbertS juerft bie 3jt>ce ber SSoIföfouberänetät auögefprod^en ober
coniequent l)ertt)ert]^et l^aben; man l^ielt bafür, baß biefer ©ebonft-
bem ganjen Mittelalter fremb geblieben fei. 9lber im Defensor
pacis tritt er mit einem 9lad^brudf unb einer Konfequen^ auf, bie
nid^ts }u münfd^en übrig laffen.. 3Bie e§ überhaupt romanifd^e S)cnter
»aren, weli^e bie Se^re bom ©taat ju einer neuen felbftftänbigen
iffiiffenfd&aft erl^oben, fo fiellt [xäf auä) mit TOarftglio ein 3ta!icner
an bie ©pi^e biefer 3)enfer. 3todf bor feinem SanbSmanne SWad^io»
üeH barf er beanfprud^en unter ben Segrünbern einer mobernen ©taotS*
lel^re genannt ju werben.
@S ift bM'ig jutreffenb, wa§ ^igl^io über feinen gewaltigen
©egner urtl^eilt : bafe er nod^ mel^r SÄriftotelifer a(d S^rift gewefen *).
3lt>i) innerl^alb ber @d^olaftit berlörpert er eine l^umaniftifd^e ätid^hing.
S)enn wenn bag SQßefen ber ©d^olafti! barin bepelzt, bafe man bett
9lriftote(e0 mit ben l^eiligen ©d^riften beS S^riftentl^umS^ aud)ugleid^en
unb ju berbinben fud^t, fo fü^ft man fid^ aud^ bei 5Dlarfiglio no(|
auf biefem Soben : nur bafe mit bem Uebertritt bom rein tl^eologifd^en
ober p^ilofop^ifd^en auf boS politifd^e ®ebiet bie ^ebeutung beS alten
') arlftolelc«. ?Jolitit IV, c. 14.
^) Fuit homo Aristotelicus magis quam Christi^us a^tqiiie ez iiliw
mag] 8 quam Christi institutiB novara eccksiasticae formam conatos effiogeire.
Hierarch. eccles. L. IV, cap. 1.
— 229 —
.@ric(i^n in ungel^curcm 9Ra^c ftcigt. aber SRarfiglio maä^i no$
einen ©ci^ritt toeiier; bie 9luiorität beS 2lrijioteIe§ tfi il^m nici^t ntcl^t
eine t^rannifd^e gül^terin , fonbern er magt e§ , unbeirrt burd^ alle
Slutoritäten, nur nad^ ber SSernunftmäfeigWt beS ©9[tem§ ju fragen.
3Rit ©tolj fprid^t er bie bebeutungfd^ttjeren SBorte, mel^e eine neue
geiftige SRid^tung derfünben: S)iefe§ ^nä) ftel^e auf fxäi f eiber, feiner
äußeren S3iIIigung bebürftig^)!
2)ie grofee Streitfrage m^ bem SJerl^öItnife ber jmei ©(i^werter,
tt)el(j|e bie geleierten ©eiftcr fo lange be jd^äf tigte , l^at für 5JlarfigIio
feine SBebeutung mel^r , ba nad^ feiner Sluff affung bem ^apfttl^um
unb SPriejiertl^um überl^auDt feine Slrt Don ©eipalt jufömmt, bie fid^
burd^ ein ©d^toert fenttjeid)nen lie^e. 35or feinem ®eifte erftel^t baö S3ilb
einer Sixxä^t, bie fi(^ mit ben bom ©öangelium gebotenen ©runblagen
in bef[erem C^inflange ^ölt: arm, machtlos, bulbfam, rein barauf
bebad^t, buri^ geiftige ^Kittel auf bie ©ittlid^feit be§ 9Kenfd^en }u
loirfen ; bon bem t^atfäd^Iid^en 3ujianbe, mie er fid^ feit 1300 Salären
l^erauSgebilbet l^atte, ift biefeS 3beal um eine SBelt berfd^ieben. SBar
e§ aber bei ber UnboHtom^enl^eit ber menfi^Iid^en 9latur möglid^,
bafe bie fird^Iid^e ßnttnidtelung ben entgegengefe|ten ®ang nal^m?
^ätte er ben g^ortfi^ritt be§ menfd^Iid^en (Sefd^Iei^teS befd^leunigt,
wären bie ©egnungen be§ ß^riftentl^umeS burd^ eine befi^= unb mad^t=
lofe, nur auf moralifd^e SWittel angemiefene Jfiri^e mit gleid^em ober
befferem (Srfolge berbreitet toorben? — 6§ l^iefee bie ©d^ranfen be§
menfd^Iid^cn @eifte§ berfennen , mollte man fold^e fjragen ju beant«
iDorten berfud^en. 5Karfiglio aber l^atte baS Siedet unb ermarb fid^
ein SSerbienft, menn er in einem Slugenblidfe, tt)o bie Entfernung ber
fiird^e bon t^rem urfprünglid^en innerlid^en ßl^arafter ben ^öl^epunft
erreid^t l^atte unb ba§ allgemeine SBBol^I gefäl^rbete, barauf l^inmieS,
ba| fi(^ eine anbere 9li(^tung benfen laffe, bie fottjol^l in ber ^. ©d^rift
bcgrünbcter, aU bem ©emeinmol^l förberlid^er fei.
SBie in feiner 3:]eeorie be§ ©taateS ift 9Rarfiglio aud& in ben
?lnfd^auungen über bie Äird^e feiner 3eit bjeit borauSgeeilt. ffiom
^) Ut über iste sit stans per se, nuUias egens probationia extrin-
secae. P. I, cap. 1, p. 155. aRarfigtio fnü^jft biefe Sorte atterbing« gcrabe
ütt bie erKSrung , baß er auf «es^cn ber l^t. ©d^rift uud beö Sfripotcle« fein
Je^rgcMube auffti^en »otte, unb f(!^cint bei ber probatio extrinseca jun&d^fl
nur an lird^Ii^e 55e]^8rben ju benfen. ©egenüber bem Snl^atte be« SBu(i^e« aber
^arf man bie SBorte unbebcnHid? aud^ in locitergel^enber Stuf f äff ung qX9 Söal^t«
f))ru4 für iD^arftgtio gelten kffen.
- 230 —
©toate ^at et bie bemottaiifii^e ©tuitblage anä) auf bie SSerfaffuns
ber fiixi^t übertragen. 3n ber SBermerfung be§ 5Primat§, ber ^ier*
ar^ie, ber tüeltli^en ©etpalt unb priöilegirten ©teHung beS ^rieilet»
tl^umeS unb in ber S3ef(i^ränfung be§ ®lQuben§f(3^Q^e5 auf ben ^nl^olt
ber ^l. ©(]^rift ift er ein SBorläufer ber Siteformation. SBäl^renb aber
im fe^jel^nten Sal&rl^unbert firci^Ii^e unb miffenfd^aftlid^e Sieform felbfi»
ftftnbig neben einanber l^ergel^en, [x6) mol^I jumeilen mec^felfeitig unter«
ftü|en, jumeilen aber anä) mifetrauifii^ unb feinbfelig bon einanber
abtoenben^), finb bei SDJnrfiglio bie »eltlid^e unb geiftige 9li(]^tun9
nod^ bereinigt. 3n ber Betonung ber ©laubenS« unb ©emiffenSfreil^eit
läfet er auc^ bie SieformationSjeit no<S) l^inter fi(ä^ iurüdf. ®a§ Set»
langen nad^ religibfer ®ulbfam!eit, auSgefprod^en ju einer 3^^' ^'^
noäj feine SSerfd^iebenl^eit ber d^rifilid^en SReligionSgefellfd^aften fannle,
barf man tool^l al§ ben lül^nftert unb ftaunenSmürbigfien feiner ®e*
bauten bejeid^nen.
3Mand^eS ^xülxä) in feinem ©Aftern toirb mol^l jeberjeit al§ ai^
firacter 3beali§mu§ bermorfen »erben. 3n ber ?lu§be]^nung ber
©taatSgemalt gegenifter ber inbibibueHen greil^eit ftreift er an ben
fpartanifd^en ©taat. SBenn bie gorm be^ 2Ba^lrci(]^§ in ®eutf(]^Ianb
feineu Sl&eorien entgegenfam, fo l^ötte er bod^ nid^t überfeinen foHen,
tt)ie menig ber particulare (Sigennu| ber bamaligen Äurfürften mit
il^rer ibealiftifti^en Sluffaffung al§ SRepräfentanten beS S8oIfett)iIIen§
im ßinflange ftanb. .^ier mag er inbeffen burd^ eine gfiction bem
unmittelbaren praftifd^en Qvoeie feines SBud^eS ein 3u9^jiänbni| gemalt
l^aben. 3^^ f^^"^^ überfpannten gorberung böHiger Slrmutl^ für ben
ganjen geiftlid^en ©taub marb er mo^I burd^ ben grellen ®egcn}a|
ber SBirHid^feit unb ben eben gefül^rten ©laul^enSftreit gereijt. 3)d(I&
lann man nid^t annel^men, ba^ er nur feinen minoritifd^en 33unbe§*
genoffen ju Siebe ein f old&eS Verlangen auf gefteDt^ l^abe , benn bie
9Jlinoriten beanfprud^ten bie üöllige Slrmut^ als SSorred^t für i^tcn
Crben, nid^t als ^flid^t für ben ganjen geiftlid^en ©taub»
S)a6 ber l^iftorifd^e ©inn unb bie l^iftorifd^en fienntniffe 9Karfig»
lioS fd^möd^fte ©eite bilben, bafe er [\ä) l^ierin nid^t über fein 3^^**
alter erl^ebt, l^aben toir fd^on bei Sefpred^ung feines SlractateS über
bie Uebertragung beS Saifertl^umeS l^erborgel^oben. S2ßie bem 5!RitteI»
alter überl^aupt ift i^m ber Segriff einer organifd^en ©ntmidtelung
»tuntf^ti, ©cf^it^te M attgcm. €taat8rcd&t«, @. 5.
— 231 —
]^florif(^et 3nflttutioncn frctib geblieben. Unb IüqS feine 5tnf(i&auung
öon gefti^i^Hid^en 3)ingen betrifft, fd iji et fd^otfblidenb genug, um
j. S. bie gntmidtehmg be§ ^papftt^umeS unb feines aSet^ältniffe^
junt Äaifert^ume im ganjen riditig auf juf äffen, aber aU fein
natürlidier ©d^otfpnn lann niti^t üöHig erfe^en, maS bie SRangel»
l^aftigfeit ber il^m jugänglid^en Duellen unb ber öerborbene l^iftorifci^e
©tun be§ S^itölterS öerfci^ulben. 3n bem l^eröorftec^enbfken gaffe
innerer Untt)a]^rf(3^einli(^leit , wie il^n bie fjübel ber ßonftantinifd^en
©d^enfung bietet, ift er fo einfid^tig bie gc^tl^eit ober bie 3uberläffigfett
ber Oueffe ju bejweifeln ; aber eine burdjgreifenbe frud^tbare Queffen»
ftilil barf man nic^t bei il^m futi^en. 9lie toagt er j. SB. bie ®Iaub=
mürbigfeit 9Kartin§ Don SEroppau, biefeS großen ®efd^id^t§fälf(^er§,
in 3^^ifrf i^ ii^^^n; wenn er einmal gegen il^n auftritt^), ift bie
^olemi! ni(!^t gegen bie Slid^tigfeit ber erjäl^Iten SEI^atfati^en, fonbem
gegen bie baran gefnüpfte Seurtl^eilung geri(j^tet.
2Ba§ aber Warfiglio über äffe S^Wfl^^öffen emporl^ebt, ift bie
nüd^terne filar^eit be§ ®en!en§. 3)ie Doffe SQBürbigung in biefer §in»
ftd^t fann man bem ^abuaner nur bann wiberfa^ren laffen , wenn
man in ba§ 9Iuge fafet, öon weld^er SSerfd^wommenl^eit unb UnMarl^eit
bie Siteratur biefer 3^it bel^errfij^t tuurbe unb wie öoff fie mar Don
pl^antaftifd^en ?lbfurbitäten. SDBeld^en 9KiPrau(3^ trieb man inSbefonbere
mit ber 1^1. ©(^rift, inbem man auf jebeS il^rer SOBoirfe ©ewiti^t legte
unb barauS bie meitgel^enbften ^folgerungen jog ! ©elbft fo l^erbonagenbe,
in öieler §inft(i^t aufgellärte ©eifter rate ^o^^nn öon ^ari§ ober ©ante
finb öon fold^en Sßeritrungen ni(^t böDig frei. SQßo ber erftere j. 39.
bie 5lnna]^me eine§ pöpftlidben Dbereigentl^umeS über afle raeltlii^en
©üter beftreitet, bringt il^n bod^ ber ßinraanb in einige Verlegenheit,
bafe ber iperr ßl^riftuS bie böfen ©eifter in bie näd^fte i&efte 6(^raeine=
l^ecrbe fal^ren liefe, bie beö SGßege§ lam, ®r l^ilft [\ä) auf eine SBeife,
bie man für ©d^erj l^alten mürbe, menn e§ m^ augenf(j^einli(^ märe,
mie ernji fie gemeint ift: ba bie 3uben lein Sd^raeinefleifd^ effen
burften, l^abe bie ^eerbe feinen SBert^ gel^abt. 5)ante raibericgt bie
SemeiSiraft beS Sergleid^S öon ©onne unb 3Jlonb mit ^apfttl^um unb
ffaifert^um burci^ ben ^inmeiS, bafe Jene Sid^ter am vierten, ber TOenfd^ erft
am feci^ften Slage gef (Raffen raorben fei ! 2)ie ©d^olaftüer l^atten biefe
abfurbe 9lu§Iegung§raeife ber ©d^rift in ein förmlid^eS Softem ge«
1) P. II, c. 25.
— 232 —
ixa(S)t, naä) xijXitn f)aik ba§ göangelium Diercriei Sebcutungcn , eine
^iftotifd^e , aDcgorifd&c , tropologifd^c unb onagogifci^c '). 5)ie ane=
florif(J&c fei, tDetin ein gactum ein anbereS öorjiellt, tote 9ioe in ber
SunbeSlabc ß^riftum in ber Sthä)^, ©oUat^ öon 5)at)ib bejtegt ben
3:eufel t)on 6^riftu§ befiegt. |)iet]^er gelobten olfo au^ bie im Äompfe
ber weltlicfien unb geiftlid^en ©etoalt Don ber le^teren t)ermert^ten
©lei^nijfe öon ©onne unb aWonb unb bon ben jtoei ©dotiertem, bei
Su!q§. Jropologie nannte man , raenn burd^ eine grjü^Iung an'gejeigt
werbe, toie man \iä) gu berl^atten ^abe. 9lnagogie enbli^ fei jene
©rflörung, burd^ mlä^t bie unfid^tbaren ©el^eimniffe ©otteS auf bem
SBege t^atfäd^Iid^er Sreigniffe bem aSerftanbe beigebracht werben. 3n*
bem man nun don fold^en 3luffaffungen jügellofen ©ebraud^ mo(|te,
lam man ju ben unfinnigften Folgerungen, iöei 9Marfiglio toürbe
mau bergeblid^ nad^ bergleid^en fud^en.
©d^ärfe be§ aSerftanbeS, bujd^ umfaffenbeS SBiffen nid^t unter=
brüdft fonbern genährt: biefe ift ber öorl^errfd^enbe 3ug im SBefcn
biefe§ merltoürbigen 2Kanne§. trifft foI(^e Begabung jufammen
mit l^eifeblütigem Slemperament, fo bilbet fid^ leid)t ein leibenfd^aft'
lid^er ®pctrinari§mu§ au§, t)on bem man SKarfiglio nid)t frei'
fpred^en fann. SOBarme ^ttnigfeit, lebenbige SJraft religiöfer ©efü^Ie
toirb man feiner 9latur faum jufd^reiben bürfen. 9lad^ biefer
©eite ftel^t er ni(^t nur ben ^Reformatoren be§ fed^je^nten 3tö^r]^unbert§
burd^au§ fern, fonbern aud& ll^ren näd^ften SSorläiifern fomol^l innerl^alb
al§ aufeerl^alb ber Äird&e, SJlönnern mie ©erfon unb ©root, SQßidif unb
|)u§. grft al§ \iä) ba§ religibfe unb ba§ öolföt^mlid^e glement mit
ber geleierten Dppofition gegen ba§ ^apfttl^um öerbanben, maren bie
(Srfolge ber Sleformation möglid^.
lieber 2WarfigIio§ 6^ara!ter unb fittlid^en ©el^alt aber mürbe jebeS
crfd^öpfenbe unb abfd^liefeenbe Urt^eil nur. ein üoreiligeS fein. @§
fel^It nid^t an Umftänben , meld&e in biefer C^infid^t ju feinen Un*
gunften gebeutet werben !önnten; aber fie finb nidl^t j^inlängliil
berbürgt, um un§ einen fidlem ©d^lufe ju erlauben. 35er erfte 35rief
3Kuffato§ an il^n ift ju fd^ergl^aft gel^alten, al§ bafe man l^ierauö feine
©elbgier ober feinen abenteuerlid^en (Sl^rgeij folgern bürfte ; bie 9luS«
*J Occam, Compendium errorum Johannis papae; Goldast, Monarchia
II, 957. Sie oben (@. 143 u. 153) crnj^l^nt murbc, öerwal^ren ft(^ fd^on bie
Quaestio de potestate papae unb Sol^ann öon ?3ari8 gegen bie ©eweiöftaft
fold^cr Auflegungen.
_..v _.
[
— 233 —
fQfle cme§ Slngcflagten öor bcm ^nquifttionSgcrid^tc bietet feine ööllig
genügenbe ©ici^erl^eit, um il^n bettügerifd^en ©(^ulbenmad^enS ju über»
füllten, unb übet bie ®maltma^xt%ün , tüeld^e in 9tom gegen wiber«
fpänftige iWetüer angemenbet »urben, müfete man üor allem genauer
unterrichtet fein, tnenn man bem Warfiglio einen SSorwurf barau§
ma^en tDoOte.
©id^erlid^ aber gefti^iel^t bem ^abuoner lein Unre^t, wenn man
,' i§n ni^t iQeroen wie ©at)onaroIa ühb Sutl^er beigefeilen mag. 9lur
feiten treten f old^e Staturen bon elementarer Sraf t auf , in benen
t)a§ Seuer einer eblen fittlid^en S3egeifterung mit gemattiger ^nbrunfi
lobert unb leine 5Ra]^rung bleibt für !leinli(j^e unb felbftfüd&tige SKotibe.
Sei -Diarfiglio werben bie SEriebfebern be§ SBir!enS in jener 2Kif(]öung
ton perfönli<3^en unb allgemeinen 9{ü(ffi(^ten unb ^totdtn gelegen fein,
rotläjt im ©ur^fd^nitt bie öffentli(i^e Sll^ätigfeit ber meiften l^öl^er an»
gelegten TOenf^en bel^errfd^t unb bie man nici^t öermerfen barf, wenn
man niii^t faft allen ©d^öpfungen beS menfdjlii^en gortfd^rittg bie
SBurjeln abfd^neiben will.
§.12.
WtaxUüoi attgeMidie @d)tift filier bie taiferlidie
©eri^töiarteit in ^^efa^eti.
6inc brittc unter ?)larjtgUo§ Flamen bcfanntc ©d^rtft, ben
Tractatus consultationis super divortio matrimonii inter Johan-
nem et Margaretham celebrato per Dominum Ludovicum IV.
imperatorem ^ai jucrft im 3o^re 1598 greifet öetöffcntlid^t ^ , mSj
i^m 1614 ©olbaft») toiebcr^olt. eine §anbf^rtft ift bisher nii^t
befannt gemotben. Söl^mer*) unb gfriebberg*) l^aben biefe ©(j^rift
für unecht erflört, mäl^renb ©iefcler^) unb neuerbingS Sirdf^) unb
Segler') il^re edjtl^eit üertl^cibigten.
^) 3udtet(j^ mit ben ^c^etbungd« unb ^U)>endurtunben SubtotgS unb mit
bem S^ractate Odamö in, gleici&em ©ctreff. 2)ie bi^l^cr überfcljene, tote eg fc^ctnt,
fcl^r feltcnc @4rift (au(j^ 3ö4cr in feinem auSfül^rW^cn ^erjetgniß ber ©Triften
grc^er« fcnnt fte nicä^t) ip betitelt: Imp. Ludovici IV. Bavariae Ducis Sen-
tentia separationis inter Margaretam Ducissam Carinthiae et Johannem
Begis Bohemiae f. ejusdemque dispensatio inter eandem Margaretam et
Ludovicum Marchionem Brandeburgicum. Cum consultationibus et re»-
ponsis doctissimorum ejus aevi virorum, Marsilü de Padua et Guilhelmi
Occami. Omnid ante CCL annos scripta. Nunc primum edita ex M. S
Cum praefatione ejusdem argumenti: utrum principi an pontifici super
re coniugali legislatio et jurisdictio competat. Heidelbergae, Ex officina
Comeliniana, Anno MDXCIIX. »m ©(i^luffe ber S3orrebe nennt fl* at^
Herausgeber Marquardus Freherus. 3(j^ l^abe ein @aceni^)Iar ber ©ci^rift in
ber f. b. ^of« unb ©taatöbibliotl^cf gu aÄünd&en gefunben. >
•) De Monarchia II, 1386 (lie« 1286).
') 9{egef!en SubmtgS 9h:. 2225 unb Additamentum secundum, @. 345.
*) 3ettWrift für Älr^enred^t, VIII, 119.
*) Äir*engefc^t*te, 11, 3, 35.
•) aÄarfiflIio i)on ^abua unb SHöaro ^eIai?o über «pcH)ji unb Äaifer, Älr<Se
unb <Staat (^bgebrudt aud bem Sabredberici^te ber b^b^m 8ürgerf(bule }»
3Wü(beim om ^^beiu, 1868), e. 11.
') Sictif I, 116.
- 235 -
^äli man bte tKb^anblung fär ed^t, fo tt)öre fie aU eine t)on
5RarfigIio in loiferliti^em Slufttage öerfafete ©taatfd^rift ju betTa(]&ten-
Senn in bem ganjen Iradat tritt nici&t SRarfiglio, fonbem bet ftaifer
oI§ tebenb auf ; nad^bem er bie Snfiditen mehrerer 3)octoren über ben
5ßun!t angefül^rt, fpri^t er am ©d^Iuffe bie ©d^eibung ber S^e form«
\\ä^ au§. S)er ^auptgrunb, auf ben er fid^ babei ftü^t, iji ber, ba&
ß^efd^eibungSproceffe nici^t jur geiftlii^en ©erid^tsbarfeit gel^ören fönnen,
meil bie ^riefter feine SSonjugSgemalt l^aben. S)er Sifd^of ^abe nur
bie Sefugniß auSjufpred^en , »eld^e ©d^eibung§grünbe naci^ bem gött»
Ii(^en ©efe^e gelten; bie Sntf(i^eibung ber 3:]^atfrage aber, ob in
einem gegebenen gaOe ein fold^er ®runb vorliege, fotoie bie, Soüjie^ung
liege bonn in ber §anb beS SaiferS, bem bie 93oflmad^t ^ieju burdi bie
Sü(ffi(!^t auf ba§ gemeine SBol^l übertragen »erbe. 3)enn bie bürger*
lid^e ®efenf(|aft f)aht i^re SBurjel in einem georbneten gfamiüenleben,
mo ein @^egatte gegen bie Ungered^tigfeit beS anbern gefd^ü^t werben
müf[e. ©ebanfen, bie man im Defensor pacis jum S^^eil birect,
}um S^eil nal^eju mörtlid^ auSgefprod^en pnbet, jum 2:^eil au§ bem«
felben folgern lann, fo baß ber 3:ractat mie ein au§ bem Defensor
pacis jum S^^dfe ber Sled^tfertigung ber ß^efd^eibung gefertigter 3Iu§«
jug Hingt.
3n biefem Umjianb fann man inbeffen ein Äriterium für ober
gegen bie gd^tl^eit nid^t fu(^en. Um biefe fjrage ju entfd&eiben, muffen
mir öielmel^r t)on ben jmeien bem Sractat borangefd^idften Urfunben
Subtt)ig§ au§ gelten, toorin berfelbe bie @^e ber ?IHargaret]^e 9WauItafd^
mit il^rem biSl^erigen ©atten 3ol^ann öon Sujemburg annullirt unb
ben ?)ifpenS ju einer neuen (Sl^e mit feinem ©ol^ne Submig bem
Sranbenburger gibt , Urlunben, meldte aud^ ol^ne SSerbinbung mit bem
S^ractat, bod& ftets ol^ne ^atum, juerft mieberum öon ^rel^er im
erjien ©anbe feiner Scriptores rer. Germanic. i), bann (161«S) Don
Äeller (§ertt)art) in ber ffiertl^eibigungSfd^rift 2ubtt)ig§, öon ©olbaft in ben
Constitutiones imperii unb Don mehreren anberen*) öeröffentlid^t
morben pnb. Me biefe ßbitionen aber berul^en, fottjeit wir feigen,
auf ber erjien 3luSgabe grel^erS bon 1598. 5flun iji fidjer, ba^ biefe
Urfunben, beren ^form öon ben gleid^jeitigen ä^nlid)en Setreffs öbflig
*) Srfle 9lu8gabe öom 3al^re 1600, I 430.
') @. bie »eiteren ©ruderte unter Sf^r. 2226 t)on ©ü^mcr« 9lcge|len.
- 236 —
abtotitSjt, nid^t in ber 9lei^§!anilci entftanben ftnb ^). Sabux^ toirb
anä) \f)xt @(^t^eit fo t)etbäd^ttQ, bag mit nid^t au3 i^nen auf ben SSoS"
jug bcr ©Reibung fd&Iicfecn bütfcn, fonbcm im ©cgcntl^eil auS unfern
önbcrweitigen ffenntm^ über SRid^tiflleit ober Unrii^tigfeit biefeS SSot*
gang§ auf bie ß^tl^eit ober Uned^t^cit ber Urfunben f(ä^üe&en muffen,
^a ifl benn auffällig, bafe t)on allen ß^roniften lein etnjiger einer
bur(ä^ ben ffoifer auggefprod^enen ©(ä^eibung ermöl^nt unb bafe ou<|
Ißapft Siemens in leinem ©einreiben, fonbern nur in einer SRebe, m
bie SBorte weniger gewogen mürben , ben ^luSbrud separando ge^
Brandet*;. 93enef(i^ bon Sffieitmil legt bie SÖorte: Matrimonii vin-
culum dissolverat (Ludovicus) propria autoritate^) nur bem
ipapfte ßtemenS in ben 5)knb , ber 1 343 , als er bie Äurf ürften jur
SBal^I eines neuen ÄönigS aufforberte, an biefeS fjoctum erinnert
l^aben foH. 6S fd^eint aber nid)t, bafe 33enef(i^ babei ein'e onbere Ur»
lunbe im ©inne gel^abt l^abe als bie Dom 12. 9lpril 1343, unfereS
SBiffenS bie einzige, in meld&er ßlemenS ber ©ad&e ermäl^nt, unb in
biefem Salle l^at ber bö^mif(^e ßl^ronift auS ber päpfiüti^en SuIIc
me^r l^erauSgelefen , als barin fielet ; ßlemenS mirft l^ier bem ßaifer
nid^t bie ©d^eibung, fonbern nur feine Sßermitttung beim Slbfd^Iufe ber
neuen @^e öor*). ®er 316t Sol^ann Don SJiftring, ben man nai^
*) 3)er Söemci« ifl betreff« ber ^(j^cibungöurfunöe am grünMi(5|lcn geführt
toon granttin, S)a« SRei^glJofgcric^t im 2ÄittctaUer, I, t87. ©on bcr 3)ifpeii^
fationgurfunbe bemerft granitin, baß au(^ i^re gorm ya. ben größten S'^tx^dn
an x^xtt (S^tl^cit «ntaß gebe. 5lud? ^aladi^, ©cfd^üte öon ©öl&mcn, II, 2, 249,
täumt ein , bag bie Urfunbcn ni^t in ber Äei^öfanjtei aufgefetzt »orben , Ptt
itho6} trotjbem an i^rer (S(]^tl^t fefl.
*) SRebe bom 10. «^I 1343 (C>öf(er, An« «tolgnon, e. 20): Iste (Ludo-
vieus) conatur ecclesiam . . . absorbere .... matrimonia salomDizata in
facie eoclesie separando et in gradibus consanguioitatis et aftinitatis pro
hibiti« conjangendo. 2)ie Dorl^ergel^enben Sorte: ut uobis relatum extitit
etiam aliquos occidendo geigen, bag biefe @tette ntd^t betont tt>erben barf.
•) Pelzel et Dobrowsky, Scriptores rer. Bohem. II, 28ü.
*) Ludovicus, promovens quae impia sunt et scelesta ac Deo et
hominibus abominabilia, Margarttam tunc duoissam Carmtbiae, quam sua
impttdicitia uon sinit dos dilectam filiam appelUre, dileeti £lü Johanais
.... legitimam et notoriam conjugem , filio suo primogenito iu gradibas
consanguinitatis et affinitatis probibitis notorie, ut fertur, conjunetam
matrimoniali seu potius incestuosa et ndulteriua copula, sanguine ac ca-
nonum et legum sanctioaibus et bonis moribus timoreque divino contemptia
conjungi procuravit et feeit caruali inter ipsos copula aubsecuta; opem
— 237 -
fctner ©tcüung für einen in biefer ?tngelegen]^eit befonberS gut unter*
ri(ä^t€ten Serid^tetftotter l^alten barf, erjäl^It ben SBorgang fo, bafe man
j$lie|en mufe, bie neue @^e fei ol^ne auSgejprodiene Slnnuflirung ber erften
unb ol^ne 3)i}penS gefc^Io|fen morben. JBerebt ifl inSbefonbere anä) ba^
Schweigen 3o^ann5 Don SBintert^ur über eine ©d^eibung burd^ ben
ftaifer^). 9lod) beutlid&er fprid^t gegen eine foli^e ba§ ©d&roeigen öon
päpflli(j^er ©eite. S)aB Jßapft (Siemens In feiner Sufle bom 12. 9IprU
I34ß n\ä)i Don ©(i^eibung fprii^t, ^aben wir fd^on l^eröorgel^oben.
Stber and) in ben bemütl^igenben Slrttfeln öon 1343, toAä)t bem ffaifer
Dom ^apfie öorgelegt unb t)on i^m befiegelt unb befi^rooren würben
unb mlä)e alle fonftigen SSergel^en SubwigS aufjft^Ien ^) , wirb biefer
^unlt nid^t berül^rt. gbenfo wirb feiner bei ber fioSfpred^ung Subwig
beö Sranbenburgerg uub ber SKargaret^e SJJaultafc^ burd^ ^flpp
3nnocenj VI. im ^al^re 1359 nid)t gebadet *).
SWan ^at alfo allen ©runb anjune^men, bafe Subwig !eine
förmlid^e ©d^eibung ber erften 6^e borgenommen l^at. S)er Sifd^of
Subwig Don greifing l^atte bem iJaifer jugefagt eine tird^lid^e ©d&ei«
bung jwifc^en Sodann unb 5Margaretl^e ju DoDjie^en. 9lad^bem ber»
felbe aber beim Uebergang über ben Saufen burd^ einen ©turj öom
jpferbe fein Seben üerloren unb bie anberen S3if(^öfe im taiferlid^en
©cfolge, erfd^redt burd^ biffen SSorgang, ben fie als ©otteSurt^eil be«
ttad^tert mufeten, fid^ weigerten Subwig ju SBiflen ju ^anbeln ^), fd^eint
pd^ biefer entfi^Ioffen ju l^aben, bie Sßermä^lung o^ne Strennung ber
erften @^e öor fid^ ge^en ju laffen , inbem er an bem ©efid^tspunfte
fe^ielt, ba^ bie ßl^e jwifd^en ^ol^ann unb SMargaretl^e nie Donjogen
unb fomit Don Dornl^erein nid^tig fei. 3Im 8. gebruar 1342 war
ber UnglüdfSfaH auf bem Raufen erfolgt, ber bie SluSfü^rung beS
et operam praebens et principalis promotor et actor ezistens ac male,
ut'videtar, sentiens de matrimonii sacramento, quod copula huiusmodi
coatrah«retar et committeretur adulterium cum incestu per filium suum
et Margaritaui praedictos. OIenf(^Caf)et, Urt 224.
*) SScrgt bdrübcr ^ubcr löefc^id^te ber Bereinigung 2:trol0 mit Oe|terrelc!^
1864, © 39, 40), ber ebenfatt« eine ©Reibung burd^ ben taifer für nnma^r"
f<j^nU(tf ^U.
«) ®ett>ott), 173—208*
*) ^bet a. a. £). 40.
*) a)ic »elege f. bei ^ubcr a. a. O. 39.
— 238 —
erftcn 5ßlanc§ öereitcitc, am 10. mürbe bereite bte SSctmöIilung öoD'
jogen. SDßcnn bcr iJaifcr feinen mit bif(i^öf(ic^er ©crid^tSbarfeit au§»
geftaiteten Jllcrüer fanb, ber \\ä) jum SBoüjug ber ©d^eibung !^etbet=
gelaffen l^ötte, fo fanb er bod& einen jur ©penbung ber ©acramente
befähigten ^riejier, ber auf fein Verlangen bie neue 6^e einfegnetc.
S)enn e§ ift feft ju^alten , bafe bie neue @^e ein ür^Ii^ boUjogcner
Slct, ni(^t etwa eine burdj ben Äaifer gef(]^Ioffene ßibilel^e toar^).
Sie §}erle^ung be§ pofitiöen SRed^teS "tuxif Subroig lag nur in feiner
©inmifd^ung in bie ß^egerid&tsbarleit unb biefe befi^rönlte [\ä) borauf,
bafe er.ol^ne aße Sörmüd&teit bie erfte (Sijt für nid^tig erflärte. Der
Äaifer bejwedtte babei SEirol an fein ^au§ ju bringen; toarum foflte
er burdö einen feierlid^en unb beurfunbeten ©ingriff • in bie lird^Ii^e
®eri(^t§bar!eit bie SRifegunft, bie fi(^ öorauSfid^tlid^ o^nebiefe an ein
fold^eS 3Sorget|en fnüpfen mufete, öerftär!en, wenn er fein ^\d aud^
D^ne einen fo ]^erau§forbernben ©d^ritt erreii^en tonnte? ©eit bcm
itolienifd^en fjelbjuge jeigt fid^ ix\x6) nirgenb me^r eine ©pur, bafe
ber ßaifer ber bamal§ fo Iläglid^ gefdieiterten StabicalpoUtit SKarftg«
lio§ gegenüber ber Jfird^e ginflufe geftattet l^ötte,
Äönnen mir alfo eine ©d^eibung ber ©l^e burd^ ben ffaifer mit
jiemlid^er ©id^erl^eit in 9lbrebe ftellen, fo finb l^iemit nid^t nur bie Ur»
tunben, fonbern aud^ ber S^ractat 9JlarfigIio§ aU uned)t ermiefen, ba
biefer bie ©d^eibung aU burd^ ben iJaifef öoHjogen l^infteflt* Um
bie 6d^t{)eit be§ le^teren bennod^ ju retten , müfete man feine S^^ffw^*
5U 3tuffaffungen nel^men, monad^ berfelbe ein bon Submig nid^t ge=
nel^migter ßntmurf ober eine ©tilübung im Flamen be§Äaifer§ märe;
mit Siedet l^at fd^on griebberg aKe berartigen Slnnal^men al§ un*
mal^rfd^einlid^ erüärt.
aßol^er rül^ren- aber biefe gälfd^ungen ? ©inb fie bon ber 2ujem«
burgifd^en Partei ausgegangen, um als SBaffe gegen Subnrig t3er=
menbet ju merben, ober gel^ören fie in bie gleite ber Unterfd^iebungen
fpäterer ©elel^rten ? 9iad& S3ö^mer ^) märe biefe grage entfd^ieben,
nad^ il^m l^at „ber ©rjbetrüger" (Solbaft fomol^I bie faiferiid^en Ur«»
funben al§ bie bem 9KarfigIio unb Ddam jugefd^riebenen 2ractate
*) @onft ^ätte man fic öon fird^üc^er @cite einjati^ at6 (Soncutoat, nicit
M (Sl^c betrachtet; bag aber bie letztere Sluffaffung l^errfc^te,. ergibt flc^ am
unjireibcutigflen au$ ben SBuUen 3nnocenj* VI. bon- 1358 u. 1359. ^. $uber
a. a. O. 9icgeften 9Jr. 209 u. 224.
») Additam. II, @. 345.
— 239 —
,,fabriciri, um ba§ feincS faaamcntalif^n ß^ataftcrs beraubte 6^e«
bonb auä) fc^on in alten 3^^*^" öI§ minber bebeutenb unb »eltlid^er
©ctid^tsbatfeit untemorfen barjufteflen".
2)ct fjall bemeift, mt botfid^tig man mit berattigen S5et-
Mii^tigungen fein mufe. SBbl^mer l^ielt ©olbaftS gbition bes StractateS
für bie erfte unb einjige, oic^Uxäf i^n fd^on eine Semerfung ^frel^erS
im 1. S3anbe feiner Scriptores rerum Germanicarum ^) l^ierüber
eines befferen l^ütte belehren fönnen. ^ntä) bie ©xiftenj ber oben er»
toä^nten 3luSgabe fSfre^erS Dom ^al^re 1598 ift ©olbaftS UnfiJ^ulb in
biefem fünfte untoiberleglid^ barget^an.
SSBoHte man nun ben SSormurf ber gälfd^ung einfad^ öon ©olbaft
auf greller übertragen, fo mürbe man ööllig irre gelten. 3n ber an
bcn ©rafen 3ol^ann üon 9ia|fau gerichteten SBibmung beS @d^rift(^en§
üon 1598 unb in feiner 2tu§gabe ^einrid^S Don 3iebborf in ben
Scriptores^) fprid^t g^e^er mieberl^olt baDon> bafe er bie beiben VLx^
tunben mie bie beiben Stractate 2RarfigIio3 unb OdfamS in einer alten
^ergament!^anbfd)rift gefunben !^abe. (Sr nennt fie: inventos a me
bona fortuna aureolos hosce nee prius visos libellos et e vete-
ribus membranis pessime exaratis mea manu cum cura de-
scriptos. Unb roieberum : Quos libellos (Marsilii de Menandrino
Patavini et Guilhelmi Occami Britanni) nuUi mortalium ab eo
tempore, quod sciam, visos nunc tandem in lucem reduci ex-
pedit. ßnblid^: Sufficiat .... haec utcunque exigua certe quan-
tivis precii monumenta posteritati conservasse, quae forte sine
nostra opei-a prorsus intercidissent. Nam et inter alias non
magnae rei racemationes monastico more inferctae latebant et
eo charactere, qui etiam studiosissimum quemque primo intuitu
deterrere potuisset, scriptae erant; et iam (quod mirari liceat)
doctissimi et . sagacissimi talium rerum indagatoris. Matthiae
Flaccii Illyrici oculos eflFugerant, quem eum ipsum codicem,
quo iisi sumus, in manibus habuisse et vix per transennam
inspectum, nedum intellectum ut deploratum deposuisse de-
praehendi.
©0 beftimmt lautenben unb unDerbädjtigen eingaben mürbe man
aud^ o^ne weiteren S3emei§ mol^I ©tauben f(^en!en. S)aju !5mmt
*) (grfte ausgäbe ö.'S. 1600, I, 429.
') 1. c.
— 240 —
aber, bofe glaciuS SD^ricuS tro| bcS il^tn totgetootfcnen SBerpnbntJ*
mongcls für bic alte ^anbfd^rift bo^ genug auS betfelben etttji||nt
fjai, um fie unjtoeibeutig begeic^nen ju fönnen. SOßo er nätnlii^ in
feinem Catalogus testimn veritatis (lib. 18) bie SQßerte SDlarfiglio^
auf jä^It, bemerlt er : Vidi in vetusto quodam codice tractatulunv
cui nomen Marsilii erat adscriptüm^ in quo probatur^ quod po-
testas coactiva tantum ad imperatorem p^idneat Sed erat
nomine Ludovici Caesaris scriptus. ®ömmtli(]^e jtennjet^n
treffen bei unferem Sractate ju unb fo fann man nl(ä^t jweifeln, ba^
ft$ be§ glaciuS S3emerlung auf biefen bejiel^t. 3)a f(3^on gflaciu^
bie ^anbf^rift alt nennt, barf man fie tool^l in bie 3^it berfe|en,
bon ber pe l^anbelt. Unb bonn bleibt, ba fo ftar!e ©rünbe gegen bie
©(i^tl^eit borliegen, nur bie SQßa^I enttteber an eine glei(|jeitige 'BixU
Übung ober an eine bon einem 3Inl^önger ber 8ujemburgif(]^en gartet
^errü^renbe, il^re ©pije gegen fiubmig ri^tenbe fjälf(ä^ung ju benfen.
©ottjol^l ber Umftanb, bafe bie ©^riftfiüdEe gar feine glei(]&}eitige ^tt^
breitung gefunben ju ^aben f(]^einen ^} al§ bie innere SBa^rfd^einlid^*
feit bürften für bie erftere 2lnna^me fpreiä^en.
*) 2)cnn fotool^l öon bcn Urfunben tt>ic öon bcn Xractaten fcnnt man feine
$anbf(i^rift. grcl^crS (Sbition üon 1598 ip in $cibc(Bcrg crfd^icncn, bic SSorrcbe
cknbal^r batirt. ©od bie toon il^m benutzte ^anbft^rift cttua ber ©eibctberger
JöiötiDti^c! flel^Srt unb mit bicfer brittljatb 3)ccennicn f:|3äter na^ 9lom gcfornmen
fein? <Bk fd^eint fit^ inbeffen n>eber in ben 1816 nac^ ^bel^erg inxM^ü<ivt%tm
m^ unter ben no(J^ iet^t im ^attcan bejtnblid^en ^ejlänben ber $alajtina au fu^ett.
(SSergl. SBilfen, ®t\ä)x^U ber «iibung, ©eraubung unb SBernt^tung ber alten
$eibel6ergif(i^en iBüd^erfammlungen, unb Öetl^mann in ^er^j, %x6f\'o XII.)
§. 13.
2)ie anti^a^filidieti mtb )iiiUtci{lifil}eii ^i^tifttn CitmS.
^apft ©IcmcnS VI. bemerft tn einer SRebe ^) , bafe SWarftglio
feine fe|erif(^en Slnft^tcn bon Ddam eingejfogen ^abe. ßlcmenS
i^at bor feiner ßrl^ebung jum ^Jpcipfte fotool^I in beh S^Jiftigfeiten
}n)if(]^en ber meltli^en unb geiftii(]^en ^ad^t in Sran!rei(]^ als in bem
bogmotifi^^en ©treit über bie Slrmut^ ß^rifti felbji eine StoHe gefpielt,
fo ba§ feine Eingabe alle SBeod^tung öerbient. S)iefer ©influfe CdamS
auf 5Karfigfio lann jebod^ nid^t erji inr ber "^txi i^rer gemeinfd^aft«
lid^en SQBirIfamleit am SDflünd^ner ^ofe geübt toorben fein, ba ber
Defeneor pacis, toorin bie Se^ren ?!KarfigIioS auSgefpro^en toerben,
minbeftenS jmei ^cifyct bor Dclam§ glui^ö* J« ßaifer Subtoig berfafet
ijl. SKan »irb alfo l^iefür auf jene 3^^* jurüdtgel^en muffen, ba
Odam, n)obl neben ^arfiglio, in ^ari§ geleiert l^at, unb ba man bie
er»ö^nte Sleufeerung be§ ^apjleS tt)eber auf bie bei SKarfigno nid^t
auftretenbe nominaliftif^e fiel^re OdamS bejiel^en no(§ auf bie bogma»
tifd^en ©ö^e üon ber 9lrmut]^ ß^rifti befc^ränfen lann, bie bei ffllar«
ftglio gegenüber feinen anbern SDoclrinen in ben ^intergrunb treten,
fo Bleibt laum eine anbere Slnnal^me, als bafe Ddam fd^on in ^aris
bei ben ©treitigleiten über ©taat unb Äir^e geijligen SHntl^eil unb
©tellung genommen. Snbeffen liegen leine publicijiif^en ©d^riften
bon tl^m aus biefer ^eriobe oor. 3)enn bafe i^m bie Disputatio-
inter militem et clericum fälfc^Iic^ jugefd^rieben toirb, glauben toir
oben nad&gemiefen ju l^aben^). Sie SGßerle DdamS, bie mit bem
') ÜRttgetl^iU bon ^öfler, 9ud ^t>tgnon, @. 20 ; Hoc dicimus propter
illam Wilhelmum Occam, qui diverses errores contra potestatem et autori-
tatem hqjus sanete sedis docuit et docet , et ab illo Guillelmo didieit et
reeepit errores ille Marsilius et multi alii.
*) @. 145 ff.
— 242 -
Äampfc gegen bie Jßöpfte in Swfönimen^ang [teilen, gel^ören, fo«
meit fie öctöffentl^t finb^/ fömmtl^ bet 3cit feines SWün^nct
9lufent^alteS, ben Sollten 1330—1349 on imb }»at l^aben bic öot
bem 3:age bon Slenfe entftanbenen mä) rein tl^eologif^en , erji bie
fpäteren a\xä) poIitif(j§en Snl^alt.
3uerft mufeboS „Opus nonaginta dierum''«) entjlanben
fein, fo betitelt naä) ber S^H, meldte Odfam ouf feine Slbfaffung t)et«
wenbete. ©aSfelbe iji et|ifpäter, hoä) toal^rfi^^einiii^ noä) bon Odom
felbft , als 6. SEractat beS 3. %f)tU^ bem großen ©ammelmerle beS
S)iaIogS einbetleibt wotben *), beffen ^aupttl^eile Odfam um boS 3^^^
^) ^o6) nt^t loeröffentti^t fci^einen bie bott Sükibbing (Scrlptores ordinis
rainorum. Rom. 1650 unter £)cf(tm) k>er)et(]^netett ©c^rtftett De paupertate
Christi Über udus, De paupertate apostolorum über unus, De actibus
hierarchicis über unus unb Errorum,. quos affinxit papae Johanni über
Unus. (Locuti adversvm me lingtta.J S3ieIIci(3^t bergen fiti^ Jcboc^ unter
btefen j^ttetn tl^eilmeife befannte Xractate 0(!am9, xoit ft^ bei einigen anbeten
>))on Sabbingd ^rjetibnig nac^toeifen lägt. De potestate pontificum et im-
peratorum über unus nämttd^ ftnb too^jii bie Octo quaestiones. De fautori-
' bus haereticorum übri septem ter erflc 2^cil beS S>ialo98. 2)a« Defen-
sorium \% »ic wir fd^on erttjä^nt l^abcn, ber Defensor pacis, gel^ßrt alfo nW
l^icl^er. auf berfetben S5em>ed(>ftung berulftt e« icbenfatt«, toenn ffiabbing and^ in
feinen ännalcn (VIII, 15) unter Berufung auf atentin bem Ocfam einen
Vindex pacis Christianae juf^reibt.
«) 3n ©otbafte Monarchia II, 993—1236 toieberl^oU nad^ ber erffen in«*
gäbe be« 3obo( ©abiuö unb 3ol^ann Sreci^fel Lugduni 1495 unb 1496. (@ie^
Hain, Kepertorium bibüographicum , Nr. 11935 u. 11936, too fi(t unter
'SHx, 11935—11952 au* bie Stteften ausgaben ber fotgenben SSßerfe Odam« wr-
jei(^net pnben.) 2)ic (Sintl^itung in brei Z^tik ift, ba bic (Ka^itetjäl^tung burij'
ge^t, meUeic^t erfl k>om ^rau9geber gemaci^t; ^on p. 1213 — 1236 Ui (^oIba|i
ifl bie irrige i£o(umnenüberf4rift Compendium errorum papae )u befeitigen.
3) Soreu}, @efc^i4t@que]Ien 316, fagt: ^.^t^on bei flüchtiger 2)ur(]^rt4t fallt
auf, bag bei ©olbaft ober fd^on in ber );)on i^m benutzten ^anbf^rift (aber l^at
benn ©olbafl eine benutzt?; bebenfüd^e Süden fmb, ba fid^ baS opus 90 dieram
auf ein in einem frül^eren dapitd be« 3. 2:iJeiW gemad(>tc« 35erf|)red6en bemft,
»etd^e« (£a^)itet nidf^t tortiegt". 2)ie6 berul^t auf aHigwrjianbnig ber
(tt)Ol^l nidbt »on Ocfam, fonbern öom erjlcn ©erauSgeber l^errül^renbcn) lieber*
fd^rift; biefelbe befagt nid^t, bau Odam im 6. Sractat be« 3. Sl^eil« »erf^roc^en
l^abe t>on C^ef ena ju banbeln, fonbern bag er t>erf))rod^en l^abe bieg im 6. Sractat
be9 3. Z^iU )u tl^un. 2)ie 6tet[e , morin bieg angetünbigt n>irb unb auf bie
fid^ nun ber Herausgeber be^iel^t, ftnbet ftd^ in ber (Einleitung }um 3. %^\l be9
2)iatog9 (©olbafl II, 771), tooOcTam feine (Sintl^eilung mad^t unb bem 6. 2:ractttt
bie ©efd^id^tebeS (Sefena juweift.
— 243 —
1343 öctfaBte, in toeliä^cm er übet an^ einige feiner ©Triften älteren
Urfprunfl§ untergebracht ^at. 3)iefe grud^t eine§ öierteljäl^rigen 3flei^e§
ip rein tl^eologif^en ß^aralterS, inbem fie böuptfä(|Ii(]& an bie Se»
fpred^ung ber SuIIe Quia vir reprobus eine weitläufige (Srörterung
aller Slnjtd^ten fnäpft, bie in bem ©treit über bie ärmutl^ ßl^rifti
unb bc§ SKinoritenorbenS Don beiben Parteien au8geypro(]^en toorben
»aren. gn ber jirengeren 9li(§tung ber gfranjtffaner, in il^rem 3urü(f=»
gelten auf bie et)angeUf($e @infa(^^eit unb ^rmutl^ barf man gemig
einen wo^Ibered^tigten ©egenfa^ gegen bas öermettlii^te SEreiben ber
|>ierar(|ie erbliden. ©egenüber ber bögmatifci^en Segrünbung biejfeS
®egenfa§e§ aber, gegenüber bem enblofen ©(^toaD Don unnü§ aufge»
toenbeter ©elel^rfamfeit, mie er in biefem bidleibigen Su(§e aufgeftapelt
liegt, lann ein moberner Sefer bo^ nid^ts anbereS füllten als Sebauern
über ben SKifebraud^ beS menfc^Iid^en ®eifte§. 3lxä)t ol^ne einen getniffen
©d&redten erföl^rt man aber am ©^luffe biefeS !aum überfe^baren
SKonflrum^, bafe Ddtam baS eigentli^e ^auptmerl über biefen ®egcn=
ftanb erfl noc^ fd^reiben tooDe.
„S)iefe§ SQBerl Don neunjig Sagen, fagt er^), l^abe iS), »iemol^I
nur im glug unb mit ni(i^ts weniger ate flitiftifd^er Sorgfalt ^), bod^
mit großer Slnftrengung bollenbet; xä) ^abe barin bie \x(ii toiber»
fpred^enben 3lnfi(i§ten einerfeits beS ^Angegriffenen (^apji gol^annS),
anberfeits feiner Stngreifer borgetragen, jumeilen aud^ bie SRoHen ber»
fij^icbener SJngreifer felbft aufgenommen; 6b\ä)on in ben ^auptfa^en
bie ©egner gegenüber bem eingegriffenen einig finb, gelten bod& il^re
^[nfiAten in einigen Sncibenjpunften auSeinanber; bie SSJiberfprüd^e,
bie in bem Su(^e na^geioiefen werben Iönnen> bürfen alfo ni^t
einem, fonbem muffen mel^reren jur Saji gelegt werben, ©ewife
foHtcn mir für biefe Slrbeit beibe Parteien S)anl fc^ulben. S)enn einer«
feits böbe id^ bie ®rünbe ber 5lngreifer ffä^riftlid^ niebergelegt unb, fo»
weit baS meine ©ad^e ift, bor bie allgemeine Oeffentli(i^lcit gebrad^t,
ttjoburi]^, wie i(^ l^öre, il^r fel^nlid&fter ^erjenSwunfi^ erfüllt wirb.
®ann ^aU xäj berfud^t ben SJerftanb beS eingegriffenen aufjuftad^eln,
il^m eine ©elegenl^eit ju geben, bafe er über biefe ©ad&e nac^benfe
unb feine ©efinnung über alle einf^Iögigen fünfte äußere ^). 2öa§
^) p. 1236.
*) Sermone nollatenus falerato.
") $a^{i Solenn lebt alfo noä^, anberfeitd n^etg Ocfam nod( ni(!^t^ t>on
feinen neuen ^e^ereten, alfo \9 bie ^6)x^t itoi^ö^tn 1330 unb 1332 )tt fe^
.16*
— 244 —
x^ felbft über alle btefe S)mge benle, baS toetbe xä), fo tocU eS bic
Slrinut^ meines ©eijleS juldfet, wenn mir ©ott feine ©nabe fij^enlt,
in einem 2Berte über oQe bon anbeten attgetod^tenen @onj)iiutionen
WefeS ^-ßappeS auSeinanberfe^en. SJJöge ber berftönbige 2efcr oHeS,
toa3 fid^ in meiner ©ti^rift ju !urj, bermirrt ober bunlel auSgebtüdt
pnbet, ni(§t benen jur Saft legen, beren 9lnjid;ten id^ anfül^ren molltc,
fonbern ber ßürje ber :^eit, bie mir berftattet toar, unb ber ^äfto'ä^ijt
meines ©eifleS. ©o berfuc^e er benn je^t jmifc^en SäJal^r^eit unb 2[n»
tl^um ein Sorgfältig abgewogenes Urtl^eit ju fällen!".
©Iei(^ in biefer ©d^rift tritt alfo Ddfam in ber SloHe auf, bie er
om liebften übernal^m: bafe er, ol^ne eine ©ntfd^eibung ju fäKen,
jeber Sel^auptung i^ren ©egenfa^, Jebem ©runbe feinen ©egengrunb
auf bem gufee folgen läfet. @in fold^es 33erfa]^ren geftattete bie !üönjten
unb ben geiftü(i^en 90to(i^t^abern anftöfeigften ©ebanfen ol^ne ©d^eu
unb aiüd^alt auSjufpred^en. 3u bemfelben ^totdt ijat Ddfam f<)äter für
fein ^aupttoerf bie gorm eines 3)iaIogS gemäl^It ^). . 3)ie Disputatio
inter militem et clericum unb baS Somnium viridarii }eigen, ba^
fold^e gintleibungen für publicijlifd^e ©egenflänbe aud^ bei anberen
©d^riftftellern bor mie nad^ OdEam beliebt toaren. S)em Odtam eigen*
tpmlid^ ift eS aber biefe gorm juweilen fo jireng burd^jufül^ren, bofe
es bem Sefer gerabeju unmögUd^ gemad^t toirb unter ber ajlaffe ber
auftretenben Slnpd^ten bie beS 3SerfafferS l^erauSjufinben.
S)aS SBerl, meld^eS OdEam in bem oben angefül^rten ©d^Iufetoorte
in SluSfid^t fleDt, bürfen mir mal^rfd^einlid^ in bem Compendium
errorum papae Johannis XXII. erfennen. Sebor er jebod^ boju
gelangte biefeS SSorl^aben auSjufü^ren, trat ber gttJif^^^fott ein, bofe
^apji 3o]^ann über ben S^ftanb ber abgefd^iebenen ©eelen bor ber
tKuferftel^ung beS fJIeifd^eS feine balb allgemein als lejerifd^ üerbammte
änfid^t äußerte. OdEam unb fein Qfi^eunb S5onagratia mürben babur^
gu ©egenfc^riften beranfafet. 3ene OdEamS befi|en mir in bem Tracta-
tus de dogmatibus Johannis XXII. papae^ ber fpäter
als jmeiter %t)dl bem ©ammelmerfe beS S)ialoguS einberleibt mürbe *)•
mt UntcÄt bcl6au^>tet üc*lcr (Sol^ann ffiidif unb bie ©ottaitfcr ber Slcforraation,
I, 123), baß unter ben l^icr bcfprod^encn ©(Triften OdtamS feine ^ox ber ^tit
«enebift« XII. cntftanben fei.
*) 3nbcffcn l^at btcfc 5Soritd&t tocbcr beim Opus nonaginta dierum nod^
Beim Dialogus bie ^ufnal^me in ben Index librorum prohibitorum loerl^tnbert
>) Goldast, Monarchia II, 740-770.
~ 245 —
„2lm 3. Januar 1333", etjäl^tt Ijxn Oäam, ,MU ii) gelcfcn, bafe
^Qpft Sol^ann ein öjfcntlii]^^^ ©onpftorium gcl^alten, morin er ^\ä)
ttfier bie gtoge ber ?ln}(j^auun9 ®otte§ imä) bie ©eligen au§gefpro^en
l^at/' ;3ö^Vin toitb noiJö al§ Icbenb angeführt, \o ba^ btefe ©^rift
li^33 ober 1334 öcrfaßt fein mufe. 3n feinem Compendium erronim
papae ettoöl^nt Dcfam bei ©elegenl^eit ber Jlejereien ^apft 3o]^ann§
üBcr bie ©eelen ber Slbgefd^iebenen, bafe er ein öon einem berühmten
ÜRanne jum ßrtoeiS beS ©egent^eilS öerfafeteS bebeutenbeS SBer! eigen«
^önbig abgeschrieben ^abt. 3Jlan toirb nic^t fe^Ige^en, wenn man bie^
Quf ba§ 2Berf 93onagratia§ bcjiel^t, tt)eI(i^eS biefer na(§ bem 3^"3"^ff^
Sta^nalbS ^ über biefen ©egen^anb öerfafete. SBei berfelben (Selegenl^eit
erfährt man bon Ocfam, bafe aud^ ^apjl Sol^ann über biefe grage
ein großes SBerl öerfafet 1)at, totlä)t^ Odam felbft gelefen ju l^aben
öerfid^ert 2).
S)ie britte ©d&rift DdfamS, toie bie beiben borl^ergel^enben t)on
rein %oIogif(^em 3nl&ölt, iji nun ba§ Compendium errorum
Johannis XXII. papae ^), toeld^eS bie ^ärejten ber ßonftitutionen
Ad conditorem eanonum, Cum inter nonnullos, Quia quorundam
unb Quia vir reprobus nad^meift. 6S ift jur 3^^* ?öpft Senebift§
unb tt)a]^rfc|einli(j^ nod^ t)or ben ©reigniffen bon SRenfe, totlä)t unter
ben ajlünd&ner fjlü^tüngen jiatt ber t^eologifd^en eine mel^r politif^e
©trömung l^erboniefen, alfo jtDifd^en 1335 unb 1338 gefi^rieben unb
l^at bie 3:enben}, ben SBiberftanb ber 5!Minoriten gegen ^apji 3o^ann,
unb ba fein ^lati^felger beffen @r!Iörungen über bie 5lrmut]^ ß^rifti
ni$t tDtberrufen l^abe, aud^ gegen biefen ju reci^tfertigen* 3d& öertraue
ju ®ott, f agt Drfam *), bafe xä) unb bie anberen SSere^rer ß^rifti, bie
nun na^ ^almo§ ("JJlünäftn) beportirt pnb , bereinft mit g^ren nad^
gp^efuS jurüdHel^ren werben, ©oute biefe nic^t ®otte§ SDBille fein, fo
l&abe td^ bod^ bie fefte Ueberjeugung, bafe Weber Stob nod^ 2eben,
toeber (Sngel nod^ Surften, toeber ©rol^ung, SSerfud^ung, ©efal^r nod^
irgenb eine 6reatur un§ Don ber SSertl^eibigung be§ d^riftlid^en ©laubenS
abbringen wirb, für bie wir gelernt l^aben Saften unb Seiben ju tragen.
Sluc!^ biefe^ SBerf entjie^t ftd^ als rein tl^cologifd^eS unferer Sefpred^ung.
5ingemeinere§ ^ntereffe ^aben jebod^ jwei ©teilen über bie ^äpfte
*) 9ia^natb ^at c8 in ber SBiMiot^cf bc« aSatican« gefeiten (1334, § 31),
•) p. 970.
3) Goldaut, Monarcbia, II, 957—976.
*) p. 957.
— 246 —
Sol^onn unb S3cnebi!t. 5Som erjlctcn fagt Ddam^): Sol^ann, an
bcffen f)of id^ mxä) jutocilen aufgel^dtcn, ift f(§on frül^cr fein ©i^ülcr
bcr SBal&t^cit gctocfcn, bann aber ein fid^rcr öon fic|emen gcttjoxben.
SQBie er einmal auf ben ^tttoeg gerat^en mar, f)at et ]^am)tyä4K(3&
jtneierlei in§ SDßet! ju fe^en berfud&t: ba§ tömifd^e ifaiferreid^ ^xäi ju
unterio(|en ober gänjlid^ ju jerftbren unb ben ©lauben ber ÜKinoriten
über bie eöangelif^e Slrmut^ als irrig unb unerlaubt ^injupellen,
um naä) SSerübung biefer ©d^ianbtl^aten bie ganje SBelt feiner ^en*
f(^aft JU untertoerfen. 33on SBenebift l^ei^t eS *), bafe er als 3Hagifter
ber 3:]^eol6gie ben lat^olifd^en ©lauben no(^ beffer f^irmen foflte als
fein SSorgänger, ber in ber t^eologifäien 2Biffenf(i^aft gänjlii^ untoiffenb
gewefen fei. 2lu^er ber 85egünftigung ber tffe^ereien ^ol^annS wirb
feinem 5la^f olger nod^ „eine neue unb unerl^örte ßonftitution, l)iel=
me^r ©eftitution" jur Saft gelegt, laut beren er berfu(i^e ben ganjcn
latl^olif^en ©lauben feinem unb feiner 9la(^foIger SBißen unb 2)i§,
poption ju unterwerfen. 3)er StuSfpru^ laute : wir befel^Ien, bafe fortan«
fott)ie eine Streitfrage über einen ©laubenSpunft auftauet unb öor
ben apoftolif^en ©tul^I gebracj^t mirb, niemanb bie eine obere anbere
©ntfd^eibung billige unb annel^me, fonbern bafe man barüber baS pöpji'=
liiä^e Urtl)eil abtoarte. 2lm ©c^luffe fagt Dcfam, er motte [\ä) auf bicfe
Streitfragen l^ier ni^t meiter einlaffen, ba er biefelben f(3^on in einem
größeren ©pecialtoerfe bel^anbelt l^abe, wobei er mol^l baS SBerf bon
neunjig Stagen im ©inne l^at.
2;n einer öierten Slb^anbkng rein t]^eoIogif(!^en i^n^altS, bem
De fensorium contra errores JohannisXXII. papae^),
»elij^es bie fjorm eines ©(i^reibenS an bie gefammte ßl^riftenl^eit ^at,
tritt D(fam aud^ im 9iamcn feiner ©enoffen auf unb formulirt bie
tejexeien ^ßapft So^annS in jel^n Slrtifeln *). ©obann menbet er fxäf
') p. 958.
«; p. 975.
") 3n ber unfcreö SBiffenS erflcn Sluggabc im Singulare opus ordinis
Seraphici Francisci. Venetiis 1513, pars III, fol. 87—98 (irtt^mli* 89)
tautet ber genaue Sitet : Defensorium venerabilis inceptoris magistri Guilelmi
Okam et fratrum euoi-um ordinis minorum de paupertate Christi et fratrum
minorum ac statu evangelico contra multifarios et varios errores Johannis
pape XXII. (ginen h)icbcr]^otten Slbbrud gibt Brown,' Fasciculus rerum
expetendarum et fugiendarum. London. 1690. II, 439 — 464.
*) ®ier (Brown, p. 461) beruft [id) Ocfam unter anberm auf einen ^n^-
\^xu6) Ubertinoö gegen bie Unfcl^lbarleit be« $a!t)fle«.
— 247 —
jur SBibcricflung öon jel^n ßmtoänben unb Scriäumbungcn, bic il^m
entgegentreten. 5)a l^ier anä) ber SQBiberftanb gegen bie Ülad^folger
^ol^onnS getet^^tfertigt »irb ^) , fo fd^eint biefe ©(ä^rift er ft unter
6Ieraen§ VI. berfofet ju fein.
3n J?ürje ermäl^nen mir l^ier anä) ber ©c^riften be§ ßefena
gegen ben ^apft ^ol^ann, obf(i^on fte nic^t in ber gorm öon
t^eoretif^en Erörterungen fonbern t)on amtlid^en SlctenpüdEen auftreten.
3n »ieberl^olten SlppellationSfti^riften, ble er juerft öon Pfa, bann Don
SRün^en auSgel^en liefe, fu^te ber 3KinoritengeneraI bie Äe|ereien ^ol^annö
na(3^jutt)eifen. S)aran reil^en \iä) bie brei ©d^reiben, mel^e (Solba^ naä)
ber älteren SluSgabe öon SabiuS in feiner 9)ionar^ie toieberl^olt gum W)-
brude gebrad^t l^at. S)aö erfte berfelBen *) trägt ba§ ®atum : 2Kün(§en,
25. 3Ipril 1331 unb ift ,,mit 3uftimmung ber Srüber C)einri(^ t>on
Sl^al^eim, granj bon Sfcoli, SBil^elm öon Odam (biefe alle 2Kagifter
ber 2:]^eoIogie) , ferner be§ SSruberö 33onagratia unb anberer" nid^t
genannter 2ln]^önger be§ Kefena an baS DrbenScapitel gerichtet, ba§
fid^ ju ^fingften in ?ßerpignan ober Slöignon Derfammeln foDte. ®egen-
übet ben brieflichen Slufforberungen angef eigener DrbenSglieber, jur
©inl^eit be§ Drben§ ' unb ber Äird^e jurüdjufel^ren , rechtfertigt l^ier
©efena feinen SBßiberftanb gegen einen le^erifd^en ^apft mit bem ipin«
»eis auf ^auIuS, ber aud& bem ^etruS entgegengetreten fei, als biefer
jubaiftrte. 6r beruft fid^ ferner auf ba§ SBeifpiel ber 1^1. 3lnaftafiuS,
ßufebiuS unb anberer, toeld^e öon ber Dbebienj beS ^apjieS SiberiuS,
tt)ie be§ S3if(3^of§ §ilariu§ öon ^oitou, ber öon ber Obebienj be§
^apfieS 2eo abfiel. @r formulirt bie ife^ereien ^ol^annS in jtoölf
Slrtifeln, erüftrt , bafe in ©laubenSfac^en ber ^apft unter einem aH«
gemeinen ßoncil unb unter ber Sird^e ftel^e, unb ergebt am ®(i§Iüffe
gegen feine 3Ibfe|ung inx^ ba» ^arifer DrbenScapitel ^roteft, ba bie
lanonif^en gormen Riebet ni(!^t gemalert toorben feien.
^) Odam entfiSftet ben (Sintoanb: Quodsi papa Johannes fuit haereti-
eus, uon sequitur, quod successores sunt haeretici. (Brown, p. 453.) SQSiH
man IJicr ben ^lural successores ni(i^t betonen, fo barf man bic ®^rift bod^
!cine^fatt8 toor bic 3cit ©cncbiftS XU. fcftcn. Zxot^ bc8 angcfül^rtcn ©afec« unb
tro^ ber (Srtoä^nung ber ©uttc Quia vir reprobus öom S^ioöcmbcr 1329* er»
bli^t (Bmi ($]^«ofo^)l&ic bc« aKittcIattcr«, H, 987) im Defensorium ein SWanifcfl
Ocfarn^ gegen Sol^ann, bae bcffen Sorkbung bor baS pä^jjttiiä^c (Scriti^t im
Saläre 1323 jur gotgc gcl^abt l^abc.
2) Goldast, Monarchia II, 1236—1338 (fott l^eifecn 1240; bic «Paginirung
ifl l^icr ganj confu«).
/
- . 248 —
S)a§. jteeite ©(|teiben Vji öom 24. 3onuat 1333 ouS SMüiK^en
botltt uitb Ott ben ganjen Otben gcrid^tet^). ^iet toitb bejüflli(|
3o^ann8 cm l^ö^crct ®cjt^tdpun!t feftgcl^altcn. SOBie nömlid^ bic
3uben, meint ©cfena, bic ^rop^cjciungen bom SReid^e bc§ 5Dlcfjtü5
int^ümlid^ auf eine roeUlici^c ^ettfd^oft bcjogcn, fo fajic nun au(|
^op{l 2[o^onn baS älcid^ S^tifti atö ein meltlid^cS auf unb bereite ba»
hntä) bem älntid^rift ben 2Beg. 3)a tritt bo$ beutlid^ ju 2:age, baft
bie Oppofition ber Winoriten gegen 2[o^ann3 bogmatifd^e (Srflärungen
in einem tieferen ©egcnfajc mürjclt* 6§ ifi bie feit gö^t^unbcrten
bergeblid^ berfu(i^te SRcaction gegen bie 93ern)eltli(]^ung ber Sird^e, bie
in ben j^atJ^arern, in ben äßalbenfern, in 3(rnoIb bon 93re§cia einen
t)on ber jtird^e berbammten ^uSbruc! gefunben l^attc, bie aber aii^
tnnerl^älb ber ftird^c bon Scannern tpie $eml^arb bon @tairbau|,
®erl&o]^ bon 5Rei(j^erSberg, ^oad^im bon giore mit l^eiligem 6ifer an«
gefirebt n)orben mar.
@in britter unbatirter Srief *) ift ein ^uffd^rei um ^ilfe, ben
3Dli<ä^aeI unb fein Slnl^ang an Äaifer Submig, „ben SBater ber 3trmen
unb SSorfdmpfer beS tatl^olifd^en ©laubenS" unb an bie mit i^m im
^rlament berfammelten Qfürfien unb S3arone etgcl^en laffen. 2)ie$
fd^eint fid^ auf einen 9lei(|8tag ju bcjiel^cn, ber im S)ejcrabcr 1333
ju gfranlfurt {ufammentreten foHte, aber nid^t )u @tanbe gefommen
ift. S)ehn ba5 ©d^reiben muß nod& ju fiebjcitcn So^annS bcrfafet fein*),
bem aufeer feinen älteren ^ärefien borgel^alten wirb, bafe er im ber*
gangenen äal^re in einer SRebe über ben ©ieg beS ftönigS bon ßaftilien
über bic ©arrajenen ben 3rrt^um auSgefprod^cn l^abc, bafe ®ott ol^ne
bie SCaufe ben 3Kenfd^en nid^t retten I6nnc. SSon ben jmei 5Wäd^ten,
meldte bie SBcIt be^errfd^en, ber pöpftlid^en 5lutorität unb ber fönig*
lid^cn ©emalt — fagt ßefena — fd^eint ie|t bie erftcre burd^ SRat^«
fd&IuB beS ^öd^ftcn erlofd^en ju fein ; eud^, frömmfler Äaifer, ftel^t eS
nun JU bie 31ngelegen^eiten be§ ©laubenS unb ber Slrmen in bie
^anb JU ncl^men ; möge eS eud^ bal^er gefallen ju bead^ten, mie fc§r
bie 2)ogmcri ^ol^annS bem fatl^olifd^en ©laubcn unb ben guten ©itten
mibcrfprcd^cn, unb möget i^r biefe fd^Ieunig jur allgemeinen ffenntni&
ber Äird^e bringen, bamit nid^t bie ©täubigen bon biefen §äreflen an«
gejlfdH merben !
') 1. c. 1238.
*) 1. c. 1344—1361.
^ Qui 86 papam appellat.
J
— 249 —
3Rca\ fielet: %Uiä) Ddam finb au^ ©cfena unb ftine Slnl^öngct
trom SBiberftanb gegen eine öercinjelte bogmotifc^c Definition auS*
gel^enb ^) baju gelangt ben öermeltUti^ten ß^aralter ber päpftUd^en
^errfc^oft, bie päpplit^e Unfe^Ibarleit, bie pöpftli^e ©upetiorität in
©laubenSfac^en , lurj ba§ gan je ^apolf^jiem , tt)ie e§ pd^ im Saufe
ber legten ^al^rl^unberte auSgebilbet l^atte, ju . öermerfen. 3a bo fie
feine anbere ^ilfe etblidfen, forbetn fie bie weltliche 9Jlad^t ju birectet
ßinmifd^ung in ben ©laubenSftteit auf.
S)ie geleierte Segrünbung biefeS ©tanbpuuIteS liegt tiun in ben
fpöteren ©(j^riften DrfamS öot. 6tft na^ bem Sage öon Sfenfe ^at fi<j^
beffen fi^riftfteKerif^e SEI^ätigfeit ben, btennenben 3:ageSfragen über
Biaai unb Äir(|e, r5mif(äbe§ Äaifertl^um unb JJönigtl^um jugetoenbet.
3)iefe gef(3^al§ junöd^ft in bet S^tift: Super potestate
summi pontificis octo quaestionum decisiones *).
5)et tooijl erji bon ben Herausgebern gewäl^Ite Stitet iji in boppelter
Sejiel^ung ni(|t jutreffenb, einmal weil eben fo üiel bon ber l^öd^ften
toeltliti^en "Slaäjt bie Siebe ift mie t)on ber l^öd^ften geiftlid^en, fobann
meil gerabe bie ©ntfd^eibungen abfiti^tlid^ üermteben werben. 2öit
werben bie ©d^rift beffer in Xtürje afö Octo quaestiones bejei^nen.
33abiu§, ber bie erfte SluSgabe %xti^\eU bon 1496^) mit einer SBor»
rebe an ben nominalijlifd^en ^rofeffor SBruber SHejanber öon Seneöent
au§ bem ßöleftinerorben begleitete, batirte ba§ SQBerf tjon 1326,
*) 2)ie jal^trciicn rein bogmatifcj^en ©treit^riften ber SWinoriten au« biefer
3cit — aud) ber in ber ®ef(]ti*te ber iogit berül^mte ^etru« Slureolu« l^at
einen Tractatus de paupertate et usu paupere rerum tjerfaßt (gebmcft in
Singulare opus ordinis Seraphici Francisci. Venetiis 1513. P. III, f. 126)
— töerben ^itt üScrflanflen. Ouirin (Saulier unb Ste^l^an ©ruteTer ^aben tnöbcf onberc
gegen eine i^om ^omtnifaner Slntontn toon gtotenj toerfagte Summa gef(]^rieben
(a. a. O. 98). @ine Disputatio inter zelatorem paupertatis et inimicum do-
mesticum eius ftnbet \i(i^ a. a. O. 129. ^er Michael Minorita de dogmati-
bu8 Johannia 22. (Cod. Vatic. 400 1 ; ^erfe, 2lr^it>, XII, 242) ifl toieflei^t
(£efena. Ucber Sractate in ^anbWriften ber Saurenjiana unb SWagttabecci^iana
f. ©öfTer, 2lu8 Sltoignon, @. 32.
^ 3)er «patifer STl^eoIoge 3ofo6 Sllmain ^at, angcbliti^ 1512, biefe ©c^rtft
0(fam9 umgearbeitet in ber Expositio de suprema potestate ecclesiastica'et
laica circa quaestionum decisiones magistri Guillermi de Ockam super
potestate summi pontificis, gebrurft Bei Goldast, Monarchia, I, 588—647.
•) 2)a« 2)atum berS3orrebe 1416 ifl natörttt^ l^iena^ ju anbem. @. ^ain,
5^r 11952.
1
— 250 —
©olboft, bcr mä) \i)m bcn Slbbrud toicbcrl^olte 0, bon 1336; cSlonn
Jeboti^ ni(]^t bot 1339 entftanben fein, ba [\ä) in ber ©c^rift, ftegcn
toAä)t toicbctl^olt l)oIemifirt toirb*), unfd^roct ba§ berühmte SBct!
2upoIb§ bon Söcbcnbutö De juribus regni et imperii ertcnnen Iö$t.
Unter bem vir venerabilis, ber na^ DdfamS Slngobe*) il^m bie o^t
tSfragen aufgegeben unb boburcä^ bie Slbfoffung ber ©d^rift beranlofet
l^ot, ift ]^5d^ft tool^rfd^einli^ ffaifer Subtoig felbft ju Derftc^en.
3)ie ©el^anblung ift anä) l^ier toieber jene Dorficiötige, jurüdt^altenbe,
bie jebeS obfcifeliefeenbe Urtl^eil au§jufpred^en bermeibet. ©tets mirb bie
5KofIe borgenommen, al§ ob e§ me^r auf formelle geijiige Uebung als
auf faci^lid^e ßntfd^eibung abgefe^cn fei. 3a eS fragt fic^, ob biefe
Unentfd^ieben^eit ftetS nur 2Kaffe ift. S)ürfen toir ni^t öielmel^r einen
jÄuSflul bon DtfamÄ pl^ilofopl^ifd^er ülid^tung barin erlennen, loenn
er aud^ in biefen S^agen ber ürd^Iid^en SBerfoffung unb be§ SJerJ^ält*
niffeS jtoifd^en ©taat unb Äirc^e baS @U(§en,nad^ ber aOßal^rl^eit unb
bem Slid^tigen aU Ie|teS bem menfdöli^^^i ®t\^c errei^bare§ 3^^ 'c'
trad&tet, wie er ja für bie religiöfen S)ogm«n im engeren ©inne*)
im entfc^iebenen ©egenfa^e jur S^omiflifd^en ©d^ule Jebcn Serfuci^
einer f^flogiftif(j^en Segrünbung unb gormulirung al§ unjureid^enb
unb miberfpruc^SboH jurüdmeift unb nur bie unmittelbare SK^jiif beS
©laubenß übrig löfet*)? 3mmer unb immer mieber brängt fid^, menn
tt)ir DrfamS ©c^riften lefen, biefer ©ebanle auf. ^nö) ©teDen mie bie
am ©c^Iuffe bief e§ S3u(§e§ ^) bermögen i^n nid^t gänjUdJ ju üerfd^eud^en :
„®iefe ift gef^rieben, nid^t um eine pd^ere SBa^r^eit in S^^cifcl ju
iiel^en, fonbern jur Uebung, bamit (Selegenl^eit gegeben toerbe ju feigen,
wie bie SäJal^r^eit begrünbet unb ber grrt^um »iberlegt merben tann.
SBa§ id^ felbft benfe, l^abe id^ nid^t auSgefprod^en, »eil biefe, toit \(f)
glaube , ber SBal^rl^eit leinen 5Ru§en bringen mürbe 3^nen
l^o^berel^rten 5)errn aber,, ber mic^ burd^ feine Sitten bermodC|t l^at
biefeS SDßerf ju öoHenben, bitte, befd^mbre id^ ^lad^fid^t ju üben, menn
id^ bie obigen fjragen nid^t in feinem ©inne erörtert l^abe; tr »oUte
1) Monarchia. 11, 313-391.
*) SJergL p. 356, inöbcfonbere aber 380, 382.
«) p. 314, 391.
*) Slber audb nur für biefe, toic feine geleierten ©cgrünbungen ber ewn«
gelifd^en Slrmutl^ jur ©enügc na^toeifen.
») @. «prantl, ®efcbi*te ber ?ogi! im 35[benblanbe, III, 328.
«) p. 391.
J
— 251 —
ttun einmal, bafe \ä) jtc Befpreci^e, er l^ot mir bie fjrogen oufgegeben
«nb öorgelegt. Unb toenn er ettooS finbet, woraus er ©elegenl^eit ent»
nehmen fonn bie SSJa^rl^eit auf juf puren unb ju burd^fd^auen , bann
m5ge er ®ott banfen!" 3)aran Inüpft \\ä) »ieber bie gntfd&ulbigung,
bie wir fd^on fennen: tt)a§ Dermirrt, bunfel unb ungeorbnet borge»
tragen fei, ba§ möge man ni(i^t feinem UebettooHen , fonbem feiner
Unerfal^renl^eit, ober, wenn man no(§ gütiger fein tooHe, feiner 3^^*
fteuung, (Site unb Unbebad^tfamleit jufi^retben.
SäU Quellen ^at DdEam bei biefer ©ti^rift benü^t : be§ 5trijioteIeS
tpoliti! unb ßtl&il; bie l^eilige ©d^rift; ba§ Corpus juris civilis tote
<5anoiiici unb eine ©loffe be§ legieren; bie Äirc^enböter §ieron^muS,
IKuguftin, ß^prian, 9lmbrofiuS ; ben SlabanuS ; ben Magister sen-
tentiarum; bie @^rift beS 1^1. Ser^l^arb De consideratione ad
Eugenium papam ; bie ßl^roni! beS (Suf ebiuS ; eine ungenannte ß^ronif
über bie Streuungen ber Karolinger ^) ; mel^rere ungenannte ßl^ronifen *) ;
enblid^ — e§ ift ba§ einjigem'al, bafe wir biefeS gute unb berül^mte
SBerl bon einem biefer ^ßubliciften benüfet finben — bie ßl^roni! DttoS
bon Sreifing ^).
S)ie ac^t fragen lauten nun: 1. Äanit bie l^öd^fte geiftfid^e unb
tbeltlid^e SJlad^t in eine §anb gelegt merben ? — Setreff § ber 6on«
ftantinif^en ©d^enlung, beren SÜid^tigfeit DdEam nid^t beitoeifett, wirb
l^icr barauf l&ingemiefen, bafe gerabe burd^ biefe SE^atfad^e bie päpftlid^e
plenitudo potestatis im SBettlid^en loiberlegt merbe ; benn pe fei nid^t
eine 9leftitution fonbem eine Sleuberlei^ung bon Stemporalien getoefen.
2. |)at bie ^ö^e weltlid^e TOad^t i^re ©emalt unmittelbar bon ©ott?
— S5ead^ten§mertr iji l^ier gegenüber ben ma^lofen l^iftorifd^en
Fabeleien, benen bie ^dt ©lauben fd^entte, ber gefunbe ©fepticiSmuS,
ber fid^ über bie S^age ber SEranSlation be§ 9leid^e§ öufeert ^) : „SSBie ber
^abft bamalS borgegangen, als baS Äaifert^um bon ben ©ried^en auf
bie ©eutf^en übertragen würbe, ob geredet ober ungered^t, baS fönnte
mit ©id^erl^eit nur ber toiffen, ber bie 9lcten jener Qtit befäfee."
3. |)öngt alle weltlid^e SuriSbiction bom ^apfte ab'i 4. 3ft jwif^en
tömifd^em Äaifertl^um unb Äönigf^um ein tl^atfö^li^er Unterfd^ieb?
^ier wenbet fid^ Ddfam gegen SebcnburgS pl^antaftifd^e ©iftinction
*)p.
361.
*)p.
362,
363.
»)p.
385.
*)p.
342.
— 252 —
)n>ifd^en fatferlid^en %e$ten, bie fd^on butd^ bte 3Bq^I, unb foI(!^eit«
btc erfl burd^ bic päpftlid&e ©albung unb firönung übertragen werben»
,,®ie erflere ?lnftd^t, bafe itolfd^en römiffi^em fföntgt^um unb Äaifcr»
tl^um ein t^atfä(^n(§er Unterfd^ieb unb baS Ie|tere eine l^öl^ere SBttrbe
fei, ^abe iä) Don einem e^rwürbigen Doctor auSgefproc^en unb be-
grünbet gefunben; bagegen l&abe i<^ bie gweite, weld&e bie ^nfi^t
ber beutj^en gürjlen gemefen ju fein fd^eint (monod^ bcr
Unterf^ieb jtoifd^en ffönig unb Uaifer nur im Sitel liege), noäi
nirgenb motiöirt gefunben"^). @r »iH biefe nun nad^olen, um bie
beiben ^nfid^ten bann abmägen }u tonnen; feine eigene barf man
ttjo^l in f olgenben @ä|en fu^en *) : ,,®ie SBa^I jum römifdö^'^ Äönig
ober Äaifer gibt bem ©emö^lten bie öoHe SRegierung^gewalt (admini-
strationem) in ber SBBeife, bcjfe ber ©emä^Ite foglei^, toenn er bie
©efe^möftigfeit feiner SBal^l conftatirt l^at, ol^ne anberweitige S5e»
ftätigung, Slpprobation, Unterführung, Krönung ober ©albung bie boKe
9legierung§gett)alt befi^t, meiere einem römifd^en Äönig ob«r ftaifer
naä) irgenb meld^er ©albung ober Krönung ju ^t6fi jujte^t, fo bag
in biefem fünfte fein ^erlommen ben ©emä^lten öerl^inbem fönnte
aus feiner SKat^tüottlommen^eit eben biefeS §erIommen aufjul^ebett
unb il^m entgegen}u^anbeln. ®abei tft lein Unterfd^ieb gu maij^en
gtt)if(iren ben bem ßaiferreid^ ("wr im allgemeinen) unterworfenen
Sftnbem unb ^rotjinjen unb ben unmittelbor unterworfenen ; bie SBa^l
l^at, ol^ne ba^ ©albung unb ffrönung l^injujutreten brandet, bie Sirfung,
bafe ber ©etoöl^lte einerfeits in ben unmittelbar unterworfenen Sönbcm,
anberfeitS in ben nid^t unmittelbar unterworfenen fogleid^ in bie öoHe
©ewalt eintritt, weld^e il^m l^ier wie bort ju Siedet juftel^t, weld^e
aber f reilid^ unterfd^ieben ift ; in ben bem ftaiferrei^ unmittelbar
unterworfenen Säubern ift flc eine größere al§ in ben anberen; benn
bie fiönige unb gürjien ber aufeer^alb beS Imperiums fte^enben
fiftnber finb frei unb nid^t reine ©!laben ber ftaifer." SSergebenS fud^t
man aber nad^ einem unjweibeutigen 3lu§fpru^e barüber, worin benn
baS SDBefen ber faiferlid^en ©ewalt aufeerl^alb S)eutfd6lanb§ unb Italiens
berul^e. 9lur fo toiel ift wal^rfd^einlid^, bafe Ddtam als geborener ßng«
lönber, ber einen großen Sll^eil feines fiebenS in granfreid^ jugebrad^t,
fid^ gegen ba§ Äaifertl^um ber ^eutfd^en gegenüber bem gntJ^upaSmuS
*) p. 356.
*) p. 368.
— 253 —
te§ bcutfij^en ©ebeubutg unb bieüeiiä^t anä) bc§ StaücnctS SKatfiglio
«blcl^ncnbcr öcrl^ält.
2)ic Sebeutung bcr ©dbung unb Ätönung mtrb bann axiä) für
We Qujerbcutfd^en SRegentcn unterfu(i^t, inbcm 5. btc fjtage aufge-.
töorfen tDirb : Erlangt bcr na(§ @rbfoIgcte(]^t auf bcn Sl^ron berufene
.Äönig babur^, ba| er Don irgenb einer fir(i^Ud^en ^erfon gefalbt, ge=
toeil^t unb gefrönt tt)irb, eine toeltli^e ®eiDaIt*ober nur bie (Snabe
eines geiftlid^en (Sef^enfeS? — SKerfmürbig ift l^ier ber ©a^: ©inigen
Königen, nömlid^ ben bon fSfranfrei^ unb ßnglanb, wirb, mie ntan
fagt; burd^ bie ©albung jum Äönige eine gemiffe ^eiHraft übertragen,
iefonberS für flrop^ulöfe Seiben. ©iefe fei, meint Ddam, ein geiftli(^e§
®ef(j^en! unb fprec^e für bie jmeite Sttuffaffung. 6. 2ift ber naä^ 6rb»
folgcret^t jur ^Regierung gelongenbe Äönig bem, ber il^n frönt, in
<toa§ unterworfen? 7. ^aKS ein folc^er Äönig bon einem anbern
€tjbif(j^of als bon bem bon 9Üter§ l^er üblichen gefrönt »ürbe ober
toenn er fi(^ [elbft bie Ärone auffegte, würbe er baburd^ ben fönig«
Ii(|en 3:itel unb bie fönigli(i^e SKad^t berlieren? 8. SSerlei^t bie
fononifd^e SBal^I ber fturfürften ober SIBöl^Ier bem jum römifd^en Rönige
©ewöl^Iten bon 9latur aus fo biel Sted&t als bie gefelilid^e Erbfolge
t)em mä) ©rbfolgered^t berufenen? ^nU^t fömmt Ddam wieber auf
ben ©treit ber SJlinoriten mit '^ap\t 3o^ann ju ft)red&en unb fü^rt
mäi beffen fpätere Äe|ereien wieber inS gelb. „5)a in allen biefen
^ecretalen Sol^annS fo wenig ber SQBal^r^eit entfpri^t, wunbem ft<^
t)icle, bafe bie 5Kenge ber ßl^riften unb nun gar ber ©elel^rten, inS=
befonbere ber im fanonif^en 9led^t unb in ber SEl^eoIogie Sewanberten
fie billigt. S)enn pe finb fo pl^antaftifd^ unb abfurb , bafe fie fd^on
ouS biefem ©runbe berworfen werben müfeten, felbft wenn fie nid^t
gegen ben GJIauben unb bie guten ©itten berftie|en." @S ift bie
©prad^e einer Op})orttion, bie nid^t begreift, wie fie in ber SKinorität
fein fönne.
SBir muffen unS begnügen l^iemlt auf ben Snl^alt ber ©d^rift in
fifirje ^ingewiefen ju l^aben. 3ßber SBerfud^ biefeS giepertorium ber
mannidöfaltigften ftaatSred^tlid^en unb fird^enred^tli^en Slnfid^ten fammt
i|ren Segrünbungen in einen lesbaren unb nid^t aUeS ?Wafe über«
fd^reitenben äuSjug ju bringen erweift fid^ als unburd^fül^rbar ^). Sei
*) 2)a6 @^rei6cr {2)te :|5o(itif(!^cn unb retigtöfcn S)octrinctt unter Subtotg
b. Sß., <s. 60—74) ben S3crfu^ QUi6)tüo^ gemad^t l^at, »ibettcgt bicfc S3c*
)Jau|>tttng nid^t. ^tnn man mn% »enn man feine Slu^süge tieji, fiä) öor ^Cugen
L:
1
— 254 —
bcn Hauptfragen i[t eS fteilid^ nal^cju itoeifcIIoS, bafe Odam feI6ji ju
ben bet toeltüi^^en 3J!ad^t günftigen @nif$eibungen ]^tnnet()t. 3Ran
lofltbe aber \>o(S) ein ganj f(]^iefe§ 9Ub bet @(i^rift etl^alien, menn man
pd^ ettt)a barauf befd^ränfen woHte nur bie bafür fpred^enbcn ©ä|e
l^erDorjul^eben ^). ^iefelbe 93emertung gUt jum Sll^eil au(i^ Don bem
Sialog OcfaniS. $et)or mir aber auf biefed ^auptmerf be§ unermfib»
liefen Sflüd^tlingS eingel^en, begegnen mir in ber (^ronologifd^en Sfteil^en«
folge feiner SBerfe ber Keinen ©d^rift über baS faiferlid^e JuriSbictionS*
xt(!)t in S^efa^en, bie bur$ bie &^t ber 3Rargaret]^a 9Rauliaf(]^ mit
Submig bem S3ranbenburger Deranla^t mürbe.
S)er bem Odfam jugefd^riebene Tractatus de juris-
dictione imperatoris in causis matrimonialibus,
ber im fjalle ber ß^tl^eit im ^ai)xt 1342 öerfafet fein mufe, iji in
SSerbinbüng mit bem angeblid^en Sractate 5DlarfigIio§ über benfelben
©egenjianb juerft im Saläre 1598 bon fjte^er öeröffentlii^ö* korben *).
9la4 biefer SfuSgabe l^at il^n ©olbaft in feiner SRonard^ie *) mieberl^olt
)um ^bbrud gebrad^t. SBeld^e gemi^tigen ®rünbe gegen bie @(]^t^ett
bon 5D?arfigIioS SEractat fpreii^en, l^aben mir f(§on auSeinanbergefe|t,
6S fragt fid^, ob man befe^alb ani) über bie Sb^anblung DdamS ben
©tab Ueö)m mufe.
®ie Meine ©(!^rift fül^rt au§, ba^ bie d&rifllic^e SReligion, mie
fd^on Sluguftin erüärt l^abe, niemanben feineä Sfteti^tcS beraube, ©o
l^ätten bie ftaifer ^l^ilipp unb ßonflantin, als ftc jum ßl^riftentl^ume
übertraten, alle Sted^te bel^alten, bie il^nen al5 l§eibnif(§en JJaifem ju«
ftanben. gl^efad^en aber, fomeit nii^ö* SJorfd^riften beS göttüd^en Sled^te^
l^ierin auSbrüdElid^ in SSetrad^t lämen, gel^örten bor ba§ ^orum be&
l^atten, bag man nod^ ein l^albed 2)iit$enb fotd^er Ueberftci^ten ton ^Itiätaa lim«*
fang uub gCei^er Sld^tigfeit aus Otfamd 2>6)XiHtn entnel^men tonnte, in bereit
ieber u^ieber bur(^au9 anbere @&^e aufgefieQt unb begrünbet tt)erben, unb bo^
man iebeS biefer ^i^fieme ungefäl^r mit ^Itiäftm 9{ed^te bem Ödant p.*
f^reiben bürfte.
*) (Stwaö anbere« unb lüol^tbcred^tigt ifl e«, »enn Set^ter (Sol^ann wn
Sictif unb bie 33orgef*i*te ber SÄeformation, 2dpiiQ 1873, J, 122—130) getoiffe
B&^t au9 £)(fams ^(if^riften l^erauSgie^t , um nad^^umeifen, bafj )>on Odxm
reformatorifc^e 3been au«gefpiO(^en mürben. .92ur barf man nic^t ber ^93erfu(i^ims
unterliegen, barau« ein $ilb beS ganzen ^anne9 )u conflruiren.
>) Jmp. Ludovici IV., Bavariae ducis, sententia separationis etc.,
p. 33—44. e. oben @. 234.
») I, 21—24.
r
— 255 —
l^eibnifd^en Äatfer§. S)a§ cinjige burd^ baS göttU(3^c @cfc^ gegebene
f)inberni6 einet 6^e jttifd^en SKargoretl^a unb 2ubmig wäre ba§ 35or»
l^anbcnfein einer anbern &)t gewesen (!) ; nun fei aber t)or bem flaifer
burd^ gefe|U(i5e unb fonnenllare Seweife bargetl^an werben, bafe bie
bermeintlidde ßl^e jwif^en TOargoretl^a unb bem ©o^ne beS ÄönigS
t)on Söl^men gor nid^t beftanben l^abe. ®a al]o bon ©eite be§ gött»
lid^en ©efe^eS fein ^inbernife borliege, fo lönnten Subwig unb
SWargoret^a naä) ber Autorität unb bem SBißen be§ SaiferS, bem
burd^ biefe @^c eine möc^tige ^ilfe jur görberung be§ ©emeinmol^lS
unb be§ römifd^en SReic^eS unb jur Unterbrüdtung unenblid^er Uebel
geleiftet werbe, ,,bQ§ Sünbnife einer peif(|Iid^en ober el^elid^en S8er«
binbung" cingel^en. Der 9lecur§ an ben ^apft lönne l^ier feineSfall^
ergriffen werben, weit man niemonben jwingen bürfe feine ©ad^e
bor einem offenbar feinblid^en SRid^ter ju führen. „®a biefe Se«
l^auptungen bielen ba§ ©epröge ber Süge unb Ungered^tigfeit ju tragen
fd^einen", wiberlegt ber SScrfaffer bie ©rünbe ber ®egner im einjelnen ;
^auptgrunb für feine 9lnfi(^t ift i^m ber ©a^: 35ie ßonftitutionen
ber ffird^e lönnen in weltlid^en Slngelegenl^eiten ben bürgerlid^en
®efe|en nid^t präjubiciren. „9lKe 9Iu§fprüd^e (auctoritates) ber ^I.
©d^rift, ber allgemeinen ©ondlien, ber ^äpfte (foweit fold^ überl^aupt
anjune^men finb) unb ber anberen l^eiligen SSötcr, weld^e bie päpftlid^e
©ewalt p^en, finb fo ju berftel^en, bafe baburd^ ben jRed^ten unb
gfreil^eiten nid^t borgegriffen werbe, weld^e anberen bon (Sott ober
©ritten berliel^en pnb." ©efe^t aud^, aber nid^t jugegeben, bafe bie
(£l^egerid^t§bar!eit (causa matrimonialis) in gewöl^nlid^en gäHen
(regulariter) bem Saifer nid^t jufiel^e, fo lönne man nid^t jweif ein,
bafe er in göDen bringenber 5ßot^ ober eines augenfd&einliti^en 3lu|en§,
aud^ weijn e§ fid^ um ben ®rab ber SSerwanbtfd^aft l^anble, feine
2Bir!famfeit barauf auSbel^nen bürfe.
2Kan fielet, ba§ bornel^mfte ^inberni^, ba§ fid^ bem ©tauben an
bie ©d^tl^eit ber ©d^rift 3RarfigIio§ entgegenfteHt, liegt l^ier nid^t bor ^) ;
benn Weber bon einer burd^ ben ffaifer bereits boKjogenen nod^ bon
einer in SluSfid^t genommenen ©d^eibung ift bie 3lebe. 3)ie ©d^rift
3)arattf l^at fd^on griebBetg l^ingemiefen (3eitf(^rift für ^ird^enred^t,
VIII, 120), ber bejüfltid^ ber Unedfttl^eit toon aRarpgtto« unb ber (Sci^tl^eit öon
Odamd a:ractat ju bcmfetiben ©rgcbniß getangt tote toir. 2)a6 ©öi^mer bie
l)cibcn 5j;ractate irrig für gälfd^ungcn ©otbap« crftSrtc, l^aben mir fd^on crtoSlJnt
@. oben, <B. 238.
1
— 256 —
öcrtritt Dielmcl^r bcn ©tanbpunft, bafe bie etftc ©l^c gar ni^t be»
ftanbcn i^aU, bie ©inflel^ung bct itociten alfo feine ©d^tmetigfeit
biete ^). 35on ben ß^tonilen unb Urfunben auSgel^enb finb wir oben
ju bem ßrgebniffe gelangt, bafe eS naä^ bem plö|Iid^en Slobe beS
33lf(i^ofS bon greifing gerabe biefet ©tanbpunft war, ouf ben [xä^ ter
Äaiier gefteHt ^at. SBon biefer ©eite wirb alfo bie (gd^t^eit bet ©c^rift
nid^t nur ni^t angeformten fonbern befröftigt. SBä^renb ferner öon
SWarfiglioS Stractat fi^ no(^ leine ©pur einer ^anbf^rift gejeigt §ot
aufeer ber Je^t au(^ öerfi^mollenen bon gtel^^r benü|ten, totii^t au^
D(fam§ Stractat, ober anäf bie unechten Urfunben über bie ©d^eibung
entl^ieÜ, finbct fid^ OtfamS SEractat, ol^ne bie uned^ten guttaten, auit
in einer |)anbfdmrift ber Sremer ©tabtbibliotl^ef, berbunben mit ©eben»
burgg ©d^rift De zelo christianae religionis veterum principum
Germaniae unb mit ber fogen. Determinatio compendiosa *). J)ie6
ifi ein nid^t ju unterfd^ä^enbeS TOoment für bie 6d(|t^eit. gferner
fte^t f eft, bafe Ddtam um 1342 im auftrage beS ÄaiferS f d^riftfteßerif^
tl^ätig war^j; wa3 liegt nöl^er, als ba^ Subwig bamals nad^ feiner
Slüdfe^r aus 2:irol Cdfam oud^ beauftragte, ben t)on il^m in ber Wx^
gelegenl^eit ber ^argaretl^e* äßaultafd^ eingenommenen ©tanbpunft
Wiffeufd^aftlidö ju red^tfertigen. ®enn in bie 3^it ^tad^ ber S^l^at werben
wir bie gntjie^ung ber ©(^rift erft fe|en muffen, ba fid(| ber ftaifer
Dorl^et be^üglid^ ber S^efd^eibung mit anberen $lönen getragen ^atte.
ßnblid^ fe^ren gerabe im britten Stelle beS 2)ialog§, weld^en Ddtam
nad^weiSlid^ um biefelbe 3^it berfafet l^at, ©ebanfen unb ©ä^e biefer
Ileinen ©d&rift wieber, SllleS biefe mad^t bie gd^t^eit ber ©d^rift §mat
nid^t über ieben 3*^^if^I erlauben, bod^ ^öd^ft wal^rfd^einlid^. 2)o6 fte
>) Siefl ntan bie ^t^rift ol^ne anbermeitige ftenntnig M @a4^erl^alte9, fo
fann man aüerbingS ben Stnbrud gett>innen, al9 ob e9 pc^ um mel^r ald hki,
nämlid^ um bie 9?ec!^tfcrtigung einer (Sittte^e l^anble. ßu einer \ol(btn Sluffaffung
lönnte inöbefonbere bie @teüe Cp. 39 bei greller) verleiten : „2)ie ©e^auptung,
bag aQe ©acramente in iebem gade nur buv(^ JÜlerifer gefpenbet toerben fünnen,
ifl irrig, ba bad @acrament ber S^aufe, toildft^ bo($ f)>eciel][ bem neuen Xeßamente
angel^Srt, aud^ bie £aien in mehreren gäClen fpenben tBnnen." ^äre eine anbete
als bie nS^jltiegenbe ^udlegung biefer ©teUe unmögti(i^, fo toare . bamit bie
©(j^rift aW une((>t enviefeii. 2)enn öon einer Siöitel^e fann, toit f^on oben be*
werft »urbe, feine 9lebe fein. Snbeffen laffen ficj ber ertoSl^nte »ie anbere 9te4t*
fertigungSgrünbe, ol^ne ber ©li^rift 3^<^ug anjutl^un, <m6f auf bie ^tnmifddmtg
bed ^iferd in bie @l^geri(i^töbarfeit be^ie^en.
") ^er(j, arc^tt) VII, 692. 2)a8 alter ber ©anbf^rift ifl nldjt angegeben.
^) @. unten £)(fam« 2)ialog.
- 257 —
Xiii^i ba§ Uncntf(iöi^t>^"^ wnb 3urü(f^altenbc ber meifien anbeten
©(i^tiften DdamS jeigt, fprid^t nici^t bagegen, ba biefe 2ltt ber Se«
l^anblung , ^iet \>mä) ben 3^^^* ^^^ Slufgabe bon bornl^etein auöge-
f(!^Iof[en xoax. (Serabe ba§ unbetonte ^uSfpred^en pofittbet Slnpc^ten
crl^ebt nun ab«r biefe ©(ä^rift tro| i]^re§ geringen UmfongeS ju einer
ber mit^tigften OueHen, tüenn eS fitiö i^atum ^anbelt OtfamS ©^[tem
feftjuftellen.
0(fam§ gröfete unb tnl^altreid^fte ©d^rift, ber fogenannte Dia-
log us, ift ba§ einjtge feiner SBerfe, übet n)el(3^e§ un§ ein äeitge=
nöffifd^er ßl^tonift 3laä)x\(iit gibt, unb itoax lautet biefelbe merlwürbig
genug. Sodann öon »ütring erjö^It nöntlid^ ^): M^ ^apft ßlemenS VI.
1^3 neuerbingS ben Sann über Subroig unb ba§ unterbiet über
feine Sanbe auSfprac!^, gemattete §erjog W)xtä^\ öon Oefterreic^ (ber
jüngere ©ruber unb ^lad^folger ber C^erjoge griebrid^ unb fieopolb)
innerhalb feine§ ©ebieteS biefen SSerfügungen leine SBirIfamfeit, tooju
tl^n fiubmig burd^ einen mafeboD gel^altenen (mitis) ©iaiog beftimmt
l^atte. 3)iefe ©d^rift mar bon bem gnglönber SBU^elm Ddtam au§ bem
3Rinotitenorben berfafet unb bel^anbelte unter ber gorm eines fragen»
ben ©d^üIerS unb eine§ antmortenben SKagifterS berfd^iebenartige
5Dlaterien unb 9lnfi(3^ten. Ddtam fd^ieb tl^n in brei Sll^eile: ber erfte
l^anbelt bon ben ^e^ern, ber itonk bon ben Dogmen ^apft ^ol^annSXXn.,
ber britte bon ber (Sefd^id^te ber beim ©laubenSftreit Setl^eiligten" ^).
S)a§ SJlafeboHe, ba§ ber 9lbt bon SSütring bem ©iaioge nad^»
rüirmt, liegt nun mieber botnel^mlid^ in biefer Sel^anblung , bie mir
fd^on fennen, bafe ftet§ ©a§ mie ®egenfa§ burd^ aHe erbenflid^en SBe«
toeife gep^t, bie ßntfd^eibung aber öermieben mirb. ®od^ fd^eint un§
l^ier DdfamS Stnfid^t in mel^r göllen unb mit größerer 5)eutlid&!eit
burd^iufd^immern al§ in ben Octo quaestiones. ®ie ©rünbe für fein
jurüdE^attenbeS SSerfal^ren aber tl^eilt Odfam biefemal gleid^ im @in=
gange felbft mit. 2)er 3Weifter beginnt ba§ 3tt)legefbräd& mit bem
©d&üler : ,,5tuf alle S)inge erftredft fid^ beine SBifebegierbe unb bu
Iäf[eft nid^t ab mid^ ju plagen. Dbfd^on bu meifet, bafe id^ in
golge ber bielen SEractate, bie id^ mü^fam ausgearbeitet l^abe,
f(^on fe^r erfd^öpft bin, fo berlangft bu bod^ mit Ungeftüm
ein neues SBerf." Qnbeffen miHigt er ein, morauf ber ©d^üler
*) Bo hmer, Fontes I, 447.
*) De gestis circa fidem altercantium a. a. O. tfl, tote ber ©iatog
p 771 jeigt, btc rid^tige SeSart, ni^t contra fidem, tote im 3)iatog p.
398 ftc^t.
9lteateT, äBibetfadleT htx $a^1te. 1 7
— 258 —
feiner gteube unb bem SButif^e äuSbrucf gibt, bafe ba§ SQSetf in
SJialogform abgefaßt unb in brei SEl^eile gefi^ieben »erbe ^). SBenn er
bie berfti^iebenen 9lnfi(]^ten barlege, möge er jebo^ babei nid^t jeigen,
tt)eld^e feine eigene fei. Unb jmar au§ jwei ©rfinben : einmal loürbe
biefe i^n, ben ©<j^üler, befangen ma^en, ba er feine ®ele]^rfam!eit \t>
l^od^ f(|ä|e; er tooHe aber burti^ Wne Autorität beftimmj merben.
3tr)eitenS foDe überhaupt Oermieben werben, bafe fiti^ ^^ ^^^ Seur=
tl^eilung beS SQBerfeS but(^ greunb unb fjeinb Siebe, ^afe, S^rn ober
9leib einmifd^en. 2)e^alb möge ber SKeifter a\xä) bie duftretenben
^erfonen, ben ^apft ^ol^ann, ben iJaifer Submig ben Saier, 'btn
©eneral Sruber 9Dli(3^aeI, ben SWagifter S3ruber ©erarb @ube§, nid^t
na(| il^ren SEiteln fonbern nur mit ben 9lnfang§bud^ftaben i^ter
Flamen bejeiij^nen. (5r bitte gerabe i^n, ben SWeifter, um biefe§ Ser!,
nid^t nur weil er il^n geleierter al§ anbere l^alte - man jtel^t, bicfe
fjorm geftattet bem SSerfaffer fid^ felbft bie fd^önften ©d^meid^eleien ju
fagen — fonbern aud^ weil er fel^e, bafe er fid^ mit ber fd^webenbcn
ßontroöerfe fpecieß befd^äftige. ,,5)enn bu bemü^ft bid^, aUe ©d^riften
unb SQßerfe ber ®egner beö ^apfteS ju fammeln unb ftubirft unabläjfig
in benfelben." (5r bagegen, ber ©d^üler, fei ein eifriger Sln^änger
be§ ^apfte§ unb berabfd^eue beffen ©egner fammt i^rem Slnl^ang.
S)er erfte Sl^eil be§ ©iaIogS l^anbelt nun in fieben Süi^ern
öon bem ürd^Iid^en Sel^ramt unb ber ße^erei im allgemeinen ^). ^ier ^at
DdEam öorjugSweife ©elegenl^eit , ein umfaffenbe§ fird^engeldeid^tlid^eS
SBiffen ju betunben. ©o wei^ er u. a. jur 39efräftigung be§ ©a^e-3,
bafe aud^ ein red^tmäfeiger ^apft in fi^c^erei öerfäflen lönne, mannig«
fad^e Seifpiele an jufül^ren ^). ©leid^ ^etru§ felbft, ber gegenüber
^aulu§ jubaifirte, bann äRarceüinuS, ber öor l^eibnifd^en ®ö^enbi(bern
geopfert l^abe, Siberiu§, ber bem ?lriani3mu§ anfing, 2lnaftafiu§ 11.,
2eo, ber Dom ^l. ^ilariu^, Sifd^of öon ^oitou, ber Äe|erei überführt
Würbe, beffen SRed^tmä^igfeit al§ ^apft freilii^ angejweifelt werbe.
3luf ben ^apft ©^mmad^uä wirb l^ingewiefen, um barjut^un, ba^ ber
^apft wegen ^ärefi^ öor ©erid^t geftellt werben lönne. SSon ©^Idefter 11.
') 2)iefel6en »erben l^ier fo betitelt tt)ic bei ^ol^ann toon Sütring.
*j Goldast, Monarchia, 11, 399-739. änjet $anbf(J6riftcn: Occami
dialogor. inter magistrum et discipulum libri 7 auf. ber ©tabtbibliotl^ef in
^btgnon. Haenel, Catalogi libror. manuscript. in bibliothecis Galliae etc.
53 unb 56.
») p. 468 ftgb.
— 259 —
l^cifet cS, er i)aU mit bcm SEcufel einen Sunb gej^lojfen. SSort ben
bciben köpften 5RifoIau3 III. unb ^o^ann XXH., meint Odfam,
mu^ einet in ffe^erei öetfaDen fein, ba jtd^ i^te bogmatifij^en @r=
flötungen tt)ibetfpte(]öen ; baSfelbe gilt öon ännocenj III. unb bem f)L
©tegot gegenübet Sol^ann XXII. 6§ fann nid^t unfete Slufgabt fein
SBal^tl^eit unb gttt^um in biefen Slngaben ju ft(3^tenj4^tbenig mie
in bet ptofanen finb in bet fit^lid^en ®ef(!^i(|tri)ie ßenntniffe bet
3eit nut au§ lauteren Duellen gefloffen.
©el^t lüici^tig finb bann bic gtötterungen übet ben ^timai^).
3)et 5Keiftet öettl^eibigt bie ©ä^e, bafe ^ettuS butd^ bie (Sinfe^ung
ß^tifti feinen ^tindpat übet bie onbetn Äpoftel gel^abt, bafe et ni(^t
Sifd^öf ju Sftom gemefen, bafe et etft but^ Dtbination bet Slpoftel
ben ^apot.übet pe etlangt l^abe. getnet: SJafe naä) bet ginfe^ung
©l^tifli übetl^aupt fein ^riefter eine anbetn übetgeotbnete ^öl^ete @e=
wart befi^e unb bafe bie tömif<^e fitt^e etft öom flaifet ©onftantin
ben ^timat über bie anbeten JSitcl^en etl^alten l^abe. 2Kan glaubt
ni^t fel^lgel^en ju fönnen, menn man in biefen ©ä^en DcfamS eigene
SReinung fud^t; ba§ ^apfttl^um unb bie gange ^ietatci^ie möten i^m
bemna^ menf^li(j&e gintid^tungen , beten Slufl^ebung SBefen unb S5e=
ftanb bet fiitd^e ni^t beeinttöd^tigen wütbe. Snbeffen metben tt)it im
btitten Stl^eile be§ 2)ia(og§ bejüglid^ bet Segtünbung be§ '^a^iai^ auf
entgegengefe|te 3lu§fptüd^e [to^en.
^ietauf tt)itb bie S^age etöttett , ob auä) ein ©enetalconcil in
©lauben^fad^en itten fönne*). 2)ie bejal^enbe Stntmott mitb n)iebet
butd^ Seifpiele au§ bet ©ef^ici^te belegt. SSon ben jmei ©^noben,
beten eine but(^ ^apft ©tepfjan IL, bie anbete ju Sftaöenna butd^
^apft ;3o^ann IX. gel^alten mutbe, muffe bie eine geittt l^aben, ba
bie leitete einen Sefd^lufe bet etftgjfen öetmotfen l^abe. ®et ©(i^ület
toenbet ein : l^iet ^abe e§ fid^ nid^t um ben ©lauben fonbetn um ge«
toiffe S5etotbnungen be§ ^apfteS gotmofuS gel^anbelt. 9lbet bet Seiltet
lö^t eine f old^e 9lu§ftu(^t nid^t gelten : Jebenf attS l^abe e§ fid^ um bie
guten ©itten gel^anbelt, toet bagegen fel^le, fönne aud^ in ®lauben§=
fad^en fel^len. 9lud^ ba§ bütfe man nid^t gelten laffeu, bafe biefe
©^nobe ni(i^t al§ ©enetalconcil ju bettad^ten fei; benn 6tfotbetni|
JU einem fold^en fei nid^t, bafe fi(^ aße Sifd^öfe öetfammeln, fonbetn
bafe pe butd^ bie Slutotitöt be§ ^apfteS betufen mütben. SBeitete
*) p. 483 ftgb.
*) p. 491 flgb.
17*
^
- 260 -
SJeifpicIc für bie ^rrtl^umSfäl^igfcit cineS ßoncilS bieten bie jtoeite
©^nobe Don 6p^efu§ unb — fügt Odam ironiJ(|) ^iniu — au^ bo§
ßoncil ju Spon unter (Sregot X. unb baS öon 33tenne; benn biefe
SJerfommlungen l^aben bie SKegeln ber ^rebiget unb SWinoriten ge»
billigt, tDül^Tenb bod^ Qo^ann XXII. fpäter bie Befolgung ber leiteten
berboten ^abe. %uä) ein 6oncil alfo, meint ber ^Reiftet, !ann toegen
Äejerei ongeflagt »erben. 3unä(|)Ji müfete man fic^ in fold^cm gatte
an ben ^apjt menben; ftimmt ber ^apft aber mit bem ßoncil überein,
bann ginge bie Sntfd^eibung auf aOe JJat^oIiten über. SQQürben alle
^rälaten unb Äleriler ber SQBelt in J?e|erei berfaflen, fo ginge bie 6nt»
fd^eibung an bie tatl^olifd^en Saien über. Senn auc!^ bie gan^e 0eri{ei
fann in Äe^erei berfaflen; auäj unter il^r barf man noä) mäji jene
^ird^e Derftel^en, Don ber gefagt ift, bag fie ben redeten ©lauben ni^t
öerlieren !ann. 3ö f^I^P bie ganje 3Kenge ber lat^olifci^en ^Könnet,
ftlerifer unb Saien jufammen, fann inen unb ber fatbolifc^c ©laube
lann bei ben SSBeibern betüa^rt bleiben. Slber aud^ babei bleibt ber
uncrbittlid^e ©feptici§mu§, ber in bem ©efpräd^e toaltet, nid^t fkeben;
e§ toirb bie Srage aufgeworfen: fann nic^t fogar bie ganje 3Renge
ber üernünftigen ©laubigen im ©tauben irren? 3)er©d^üler: Seraü^e
bid^ bod^ für bie Sejal^ung aud^ biefer Qfrage einige ©rünbc auSju^
finnen! SDer SKeijter: 6ine falfd^e Slnnal^me fönnte man nur burd^
fopl^iftifd^e ©rünbe fluten. ®er ©c^üIer: 3(^ räume ein, bafe l^iernut
fop]^iftifd()e ©rünbe angefül^rt »erben tonnten; aber oft bermag man
aud^ für falfd^e 93ebauptungen augenfd^einlid^e unb fd^mertoiegenbe
©rünbe auf jutreiben ; bemül^e bid^ alfo bereu »eld^e ju finben! ©o
bebrängt finbet benn ber SKeifter aud^ bi^füt fünf ©rünbe, in benen
bie ©pielerei mit abfurben ©ebanten auf§ öufeerfte getrieben iji. SBenn
alle 9)Jänner, fagt ber Weifter jum ©d^Iu^, beri mabren ©lauben ber»
lieren , menn aud^ aDe SBeiber i^nen im ^i^rt^um nad^folgen , bann
erl^ölt fid^ ber ©laube biefleid^t bei ben unmünbigen fiinbern, bamit
fo bennod^ bie SSerl^eifeung ß^rifti erfüllt merbe, bafe er bei feiner
fi'ird^e bleiben merbe bi§ an§ 6nbe ber 3riten. S)ie cd^te ©pi|finbigfeit
ber ©dbolaftif fömmtbei biefen ßrörterungen jum ?Iu§bru(f unb jener
Sormali§mu§, too bie ©rünbe nid^t gemogen fonbern nur gcgäl^Ö
»erben. ®§ iji aber erlaubt ju fragen, ob Odfam biefe mic fo biele
anbere Slbfurbitäten nid^t nur befel^alb aufgenommen l^at, um pe aö
fdfeirmenbe unb berbergenbe Sruftme^r bor feine eigenen Slnfid^ten
ju fe^en.
Qnbeffen fann pd^ gerabe ^ier DdfamS ©Meinung nid^t gänjiicj
— 261 —
Detbctgcn; pc liegt jcbenfaDS biefefeitS bcS,^un!te3, über bcn l&inaiiS»
ge^enb er bie ©tünbe fop^iftifd^ nennt 6r fd^eint anjunel^men, bafe
bte Unfe^Ibdrteit be§ fat^oüfd^en ©laubenS niifi burd^ ben ^apft
ni(^t burd^ baSGoncU, m6)i burd^ bie üxxä^t, nx(S)i h\xxd) bie ßletifet,
niij^t butd^ bie ^Rel^rja^l ber ©laubigen berbürgt fei, bafe aber ber
ma^re ®(aube gIeid^ioo^( nie ganj verloren ge^en !önne.
SQßer ift aber, im gfatte ein ^apft in fte^erei berfäüt, bejfen
competenter SHd^tec ? ^) 6s gibt barauf eine Slntwort, fagt ber SReijler,
bie folgenbermafeen lautet: SBenn ein ©eneralconcil berfammelt unb
»enn (gegenüber bem le^erifd^en) ein lat^olift^er ^apji ertoäl^It morben,
bann mirb ba§ 9li(!^terantt ^unöd^jt biefen pftel^en. ©inb biefe beiben
©ebingungen nic^t erfüllt, bann liegt eS ben ßarbinälen ob über ben
^apft )u urtl^eilen unb gegen i^n ftrafenb t)or}uge]^en , ober, ttenn
aud^ jene eS öerfäumen, bem Sifc^of, in beffen ©iöcefe ber ^apft öer-
tt)ei(t. SBenn eS aber biefe alle öerfäumen, bann trifft bie ^flid^t bie
»eltlid^en Sfüi^Pw unb 2aien. S)a^ inSbefonbere ber fiaifer unter ben
angegebenen S3ebingungen über ben ^apft rid^ten fönne, wirb in auö-
fü^rliiiöem Seweife unb mit SBiberlegung aller erbenllid^en ®egen«
grünbe barget^an. ©o fömmt biefe 3:^eorie genau ju bem ©rgebnife
ba§ Sluftreten Äaifer SubmigS unb ber 9Rinoriten gegen ben ^apjl
3o^ann nüä)Mql\ä^ gu rechtfertigen.
SBaS fobann baS ©eneralconcil betrifft, fo l^ält ber SReifter baran
fejt^ bafe ba^elbe unter regelmöfeigen Umjiänben bur<^ ben ^apft ju
berufen fei. 2B.enn aber ber ^öpjt in fte^erei berfällt, bie jur ^apft»
toal^l Sered^tigten eine ^leuwal^l berfäumen unb ber Äird^e auf feinem
anbern SBege als burd^ ein ©eneralconcil §u l^elfen ift, bann, meint
ber 5Keiffer, fann au(|) ol^ne päpftlid^e Berufung ein fold^eS in red^t»
mäßiger SSBeife jufammentreten. „@S- märe vernünftig, toenn t)on
jeber Pfarrei ober ©emeinbe (foweit bie SKitglieber einer fold^en
fid^ mit fieid^tigfeit oerfammeln lönnen) einer ober mel^rere ju einem
bifd^öflid^en ßoncil ober ju einem Parlament beS JJönigS ober Surften
ober einer anbern öffentlid^en Sel^örbe abgeorbnet ttjürben, weld^e
SSerfammlung bann roieberum i^re 3)eputirten jum ©eneralconcil er»
tt)ö^lte; bie fo oon ben bifd^öflid&en Siötl^en ober ben meltUd^en
Parlamenten jur SSerfammlung an einem Ort äbgeorbneten barf
man ein ©eneralconcil nennen."^). SDBirb baSfelbe bon ber einen
') (5ap. 83 ftgb.
•j p. 603.
- 262 —
ober onbcrn Pfarrei ober 35i6ccfc nid^t U\äf\dt, fo braui^t man tocgcn
bc§ öcreinjcltcn SBibcrfptud^S nid&t ba§ offgcmcinc Seftc l^tntanjufclen.
gfürftcn unb anbete 2aien finb fo gut junt ßoncil jujulaffen to\t
ifictifet; ja amßnbefinb a\xi) bie SÖeiber ni^t auSjuf (^^liefeen \) ; benn
in ®Iauben§jo(]^en ift fein Unterfd&ieb iWifc^en ©eiftlid^ unb mUliä)
nod) jmifd^en 50lann unb SBeib.
©0 beantragt Ocfam für 5?ot]^fäne eine i?ir(^enberfammlung, bie
auf bem ©emeinbeprincip unb auf inbirecten SBal^Ien berufen unb
auä) ba§ meltlici^e ßlement nid^t auSfc^Iiefeen foll.
3n biefem SSud^e fprid^t Ddöm aud^ ba§ feinen ©tanbpunft
c^araftcrifirenbe SBort au§^): „3Ber lM)r,aflen ^leuerungen jurüdE»
fd^ridft^ !ann nid^t§ bebeutenbeS boflbringen; wie ba§ 9llte, menn e^
jur Saft mirb, gönjlid^ befeitigt werben mu^, fo pnb Steuerungen,
wenn fie fid^ nad^ gefunbem Urtl^eil al§ nü^Ud^ unb not^wenbig er»
weifen, bereitwillig anjunel^men."
3llS j weiten %iiz\l^) l^at wol^I fd^on Ddfam bem 3)iaIoge
ben frül^er derfafeten SSräctat über bie S)ogmen be§ ^apfte§ Sol^ann
feingereil^t. SKöglid^erweife ift aud& ba§ Compendium errorum papae,
ba§ in ben 2lu§gaben oom S)iaIoge getrennt ift, öon Ddfam ur=
fprünglid^ bem jweiten Sll^eile be§ 2)iaIog§ jugewiefen worben*).
S)er britte %f)t\l be§ S)ia(og§^) foöte nad^ bem im
IBortoort mitget^eilten ^lane ein ungeheueres SBerf werben. „Mem,
wa§ unter ber ©onne, b. 1^. innerl^alb ber ftreitenben S'tr^e gefd^iel^t",
wiH ber ©d^üler l^ier auf ben ©runb gelten. 3)a§ SBerf f ollte in neun
3:tactate get^eilt werben, bon benen bie beiben erften über bie (Sewalt beö
^apfteS unb be§ SIeru§ unb über bie ©ewult be§ rbmifd^en Äaifer*«
tl^untS, ber Äönige, gürften unb Saien l^anbeln unb einen bor»
*) p. 605.
*) p. 737.
») p. 740—770. ©d^on in ber aitcflen SluSgabe (P. Caesar et J. Stol,
Paris, 147fi) folgt biefer Stractat auf ben erpen Si^cit be« S)iaiog§. @. außer
$>ain a. a. O. Brunet, Manuel du libraire, IV, 154. 9lu^ bie ^anbfc^rlft
bcö 2)iatogu8 in S3a|et entl^att bie brei S]^cile: de haereticis, de dogmatibus
Johannis papae, de gestis altercantium circa fidem. Haenel, Catalogi
libror. manuscriptor. 640.
*) Sflcid) SQBabbing« Angabe (Anal. Minor. VII, 32), beren SRici^tiflfeit fragil*
Bleibt, fott Orfant bem 2)iaIog auci^ eine f«j6on »äl^renb feiner $aft gu Slbignon
gcfd^riebcne Slbl^anblung über bie etoangeUWc ^rmutl^ unter bem 2)itet De quali-
tate propositionum eingefügt IJabcn.
») p. 771—957.
— 263 —
betcitcnben, cinlcitenben ©l^araöet Italien foHtcn. Sann crji foDtc baS
eigentUd^c 2BetI Don botjugSmeifc l^iftoriftä^cm Snl^alt beginnen unb
jmat foDte ber 3. 3:rüctQt bie ®t]äi\ä)k ^ol^onnS XXII., ber 4. bie
®t]S)\6)k Subtt)tg beS S3aicr5, ber 5. SenebiftS XIL, ber 6. mäjatU
t)on €efena, ber 7. beS ®eneral§ ®erarb ßubeS, ber 8. beö SSer»
fafferS felbft, ber 9. bie (Sefc^id^te einiger anberen ifönige, Surften,
Prälaten unb Untergebenen, filerifer unb 2aien, SSBeItgeiftU(3^en unb
^Unoriten bel^onbeln, meldte in ben ®IaubenS!amj)f öermidelt toaren,
alles biefe freilii^ nur foweit, aU eS pd^ um ben ®Iauben§ftreit
l^anbelte ^). S)enn ber ©treit um bie 3lrmut^ ©l^rijii unb bie Dberl^ol^eit
bcS ^opfteS, ba§ mar bem Ddam ber 3KitteIj)unIt ber 3^it9^f<ä^i^t^'
aSon biefem folojfal angelegten SDßerle ift nur ber toorbereitenbe
Sl^eil, nämli(^ bei erfie unb jmeite Iractat, unb auc^ biefer mol^I
ni(3^t bollftänbig befannt, ba ber jmeite 3:ractat in unferen 2lu§gaben
fSfragment geblieben ju fein fii^eint. SluS einer an ben 8l6t 3:rit^em
geri^teten Sleufeerung beS SabiuS erfiel^t man, bafe baS SBerf no(^
bem crften Herausgeber Sred^fel boßfiänbig vorgelegen ift % ®erfelbe
na^m bamals, mie er felbjt ertlört, Don einer Doflftänbigen ©bition
Umgang, benn ma§ in bem ©erfe @uteS enthalten fei, ftede fd^on in
bem Don i^m mitgetl^eilten Srud^pde; im übrigen S^l^eil näl^men
Slnllage wie SSertl^eibigung einen ju l^erben Slon, als ba^ man pe
t)or bie SKaffen bringen bürfte. ©emnad^ lann man nid^t jmeifeln,
ba^ Odam feinen ^lan DoUftänbig auSgefül^rt l^at, ber ^auptt^eil beS
SQßerle^ aber üerloren gegangen ijt *). ©eine SSßieberauffinbung mürbe
mol^l eine ber mertl^DoUften S3erei(|erungen bringen, meldte bie ©efd^id^tc
beS bierjel^nten gal^rl^unberts erfal^ren fönnte.
2lud& baS uns Dorliegenbe Sru#üd beS britten Sl^eileS, meld^eS
eberifo mie ber erfie 1343 ober furj borl^er Derfafet fein toirb, barf
*) p. 771.
*) p. 392.
*) 9Bie toentg OdamS ©Triften, 3)anf il^rcr Breiten @4tucrfSötgTcit, Bl^l^er
genauere SBcacJtung gcfunben l^aben, ergibt fici^ auS bem Umftanbe, baß biefcr
löcrlitfl, fo biet iä} fe^>c, no(i^ niemanbcn aufgefallen i|l. SDcnn jene Jude, tücld^e ?orcnj
bcmerfcn ttjitt, bernl^t, toic ernjSl^nt (oben @. 242, Slnm. 3), nur auf SJ^ißtocrpubniß.
— Wer (Äaifertl^um unb ^a^t^um, 141) ertoal^nt als Cod. Vatic. 4115
eines Dialogus de gestis circa fidem altercantium de orthodoxa disciplina
in 5 SWlci^crn , o^ne bartn baS SBert Odam« ju crfennen. SOSy^nn btc Eingabe
j>on ben fünf ©üdi>cm Beim Sorte ju nel^men ift, fo entl^ält bicfe $anbfci^rift
no^ tocnigcr atS ber 5)rud Bei ©olbafi, ber toier ©üd^er beS erflen unb ycod
beS 5n>eiten SractatS untfagt. ©ottten aBer unter ben ®tt((ern j^ractate ju i>txc
\iel^n fein, fo entl^ielte biefe ^anbfd^rtft brel Bis iefet unBefanntc S^ractate.
— 264 —
man immcrl^in dS eine bet widfetigjten ©d^riften 0(fam§ Bejei(!öncn.
Sie Sfotm eineS ©efpräd^eS jtt)if(]^en ©d^ület unb Setter bauert fort;
unb in ^kiäfti SEßeife bie ©egenüberftellung mojfcnl^affer ©rünbe unb
©egengrünbe o^ne ßntfd^eibung. ^tx erfte Sltactat ift in t)ier Südict
get^eilt, t)on benen ba§ erfte ^) übet bie ©eroalt beS ^appe§ unb
ÄletuS l^anbelt, baS jmeite *) eine SE^eorie be§ @taat§te(ä^te§ gibt, abet
auc^ bon ber Iird^Ii(!^en SSerfaffung unb bon ber UniDerfalmonard^ie
l^anbelt. ®a§ britte ^) erörtert bie grage, roelij^en ©(i^riften bei 2ktluP
ber ©eligfeit Olauben gef(j^enft roerben mufe, ba§ öierte*) unterfu(]^t,
ob ß^riftuS ben ^etruS al§ ^aupt ber Slpojiel eingefe^t l^at.
3unä^ft roirb bie §frage aufgeworfen, ob bie ©eroalt be§ ^ßapfte«
fi(| auf alles auSbe^nt, roaS ni($t bem göttli^en ober bem 9tatur»
gefe|e roiberftreitet ^). DdfamS 3lnfi(iöt i^^rf man in folgenben SBortcn
erfennen: „3taii ber @infe|ung- ©l^rifti ift baS d^rifili(^e ©efej in
^infid^t auf baS alte @efe| baS @efe| ber grei^eit. SOBenn aber ber
^apft burd^ e^rijiuS fold^e ^Rad^tfüHe beföfee, bafe er alles bermöd^te,
roaS ni(i^t bem göttUd^en ober bem 9laturgefe§e roiberf pröd^^ , bann
ro&re ja baS d^riftUd^e ©efej nad^ ber Sinfe|ung S^rifli ein uner«
träglid^er ©efe| ber ^ned^tfifeaft, einer roeit größeren ^ned^tfd^aft, ate
baS alte ®efe| mit fid^ brad^te" «)• «ud^ baS roeltlid&e Sfted&t mtrb
bann jum grroeife be§ ©a^eS beigejogen, bafe nid^t afle ©Triften
©Haben beS ^apfteS feien.
aSBeiter fragt e§ ftc^, ob ber ^apft bie plenitudo pot^statis in
C)inftd&t ber roeltlid&en ©üter i^ait'^). 5Der ^apfi, fagt ber SWeifter, ^at
feine unumfd^rönfte groangSgeroalt erl^alten, fonbern nur eine be«
fd^rönfte unb aud^ bicfe nid&t unmittelbar Don S^riiiuS fonbern üon
ben . ©löubigen. 5lud& bie TOad^t über Semporalien l^at ber ^apjl
ntd^t infolge regelmöfeiger Uebertragung burd^ ß^riftuS, fonbern ju»
fällig. ,,6]^riftu§ l^at ^etruS als oberfteS ^aupt unb SSorgefe^ten ber
anbern «poftel unb aller ©laubigen etngefe^t, tnbem er i^m im
©eifllid^en ®eroalt öerliel^ anjuorbnen, roaS jur Slegierung ber ®e*
meinfd^aft ber ©laubigen in 33ejug auf bie guten ©itten unb bie
geiftlid^en Sebürfniffe ber ©laubigen notl^roenbig gefd^e^en ober unter«
1) p. 772-788.
«) p. 788—819.
») [». 819 845.
*) p. 846—889.
«) (£ap. 1—8.
•) p. 776.
T) (£a^). 9 ftflb.
— 265 —
laffen töetbcn mufe, forneit eine fol^e @malt einem Tlm\ä)tn ol^ne
.©efä^rbung, mit Seba^t unb jum allgemeinen, öeften übertragen
»erben fann. @r l^at i^m au<^ grei^eit unb 3uri§biction mit ©traf»
getoalt gegeben, fomeit baburti^ ni(]^t bie Sterte ber Saifer, Könige,
Surften unb ^ribatperfonen beeintröcl^tigt mürben, meldte biefen naSf
bem 3latur«, SSölfer« ober ßidilred^t öor ober na(!& ber Offenbarung
bcS göangeliumS juftanben. 2Ba§ aber bie meltlicl^en ©üter betrifft,
fo gab ©^rijiuS bem ^apjte in regelmäßiger ßinfe^ung ni(^t§ anbereS
al§ baS Siedelt, fold^e ©üter für feinen SebenSunterl^alt unb bie 5luS«
Übung feines 3lmte§ ju ermerben. ®ben biefe ©emaß im ©eiflüd^en
tote SBeItIi(^en ^aben je^t nad^ göttUd^em Siedete bie Slad^folger beS
^eiligen ^etruS, bie römifd^en Sifd^öfe. Mt ©emalt, meldte bie ppfte
barüber l^inäuS befeffen l^aben ober befi|en, l^aben fie auf ®runb
menfd^Iid^er SSerl^ältniffe, burd^ ßonceffion, burd^ freimiDigen 33erjid^t,
burd^ auSbrüdflid^e ober ftillfd^meigenbe 3uftimmung ober burd^ Un-
fa^gfeit, ?Rad6Iäfrtg!eit ober »5§mißig!eit ber 3Kenfd^en, fei e§ burd^
ba§ ©erfommen ober eine menfd^lid^e @a|ung erlangt"^).
S)aS jmeite Sud^ ge^t bon ber grage aus, ob eS an unb für
ftd^ nötl^ig fei, baß eine ©emeinfd^af t e i n Dberl^aupt l^abe, unb unter-
faßt biefe juerft auf bem flaatlid^en ©ebiete^). ^m ?Q[nfd^Iuffe an bie
^olitil be§ SlriftoteleS mirb über ben Urfprung, ba§ SBefen unb bie
gformen be§ ©taateS gel^anbelt. ©al^rfd^einlidd ift Ddfam babei burd&
ben erften i^eil be§ Defensor pacis angeregt morben; auffällig iji,
bafe er meber l^ier nod^ anberSmo ba§ ©ud^ ober feinen 38erfaffer er«
mä^nt ober anbeutet ®ann roirb auf bie lird^Iid^e SSerfaffung über-
gegangen, ©eutlid^er unb entf d^iebener , als eS fonft feine Slrt ift,
fptid^t l^ier Odfam aruS, bafe er im ^rimat lein mefentlid^eS Si^ftitut
ber Äird^e erblidtt^). „2Benn eS baS Sebürfnife erforbert unb menn
«§ nad^ 5Dlafegabe ber obmaltenben Serl^öltniffe jum Seften gereicht, fo
tann eS aud^ mel^rere ^äpfte geben ; fo gut unter einem ariftolrattfd^en
giegimente bie ©inl^eit beS ©taateS nid^t aufgel^oben, jd jumeilen beffer
genJo!^rt mirb als in einer SHonard^ie, fo gut lönnte aud^ bie Äird^e
») p. 786.
*) 3n (5(H). 2 beö 2. ©ud^S be8 1. 2;ractat0 (p. 790) »Irb fd^on ber
3nl^aU bc« i. SBu(^S bc8 2. Sractat« bicfe« X^citeS citirt; bie emjetnen Steile
bc« SBerle^ Pnb ölfo nid^t in ber Orbnung entfianbcn, bie il^nen nac^ ber
Sßollenbung bed ©anjen gegeben mürbe. 2)er erfle ^l^eit beS ^tabgS ifl iebod^
i»or bem brttten entfltanben; benn in bem Unteren (p. 843) totrb ba9 7. $u4
bcöcrlleren citirt.
«) @. Befonber« (£o^. 25 u. 30.
1
— 266 — .
tncl^rcrc ^äupter l^abcn/' — SQßic mehrere Äönigc meistere ©taoten
regieren, fo genügt eS, menn bie t)erf(j^iebenen Äird^enproöinjen Der*
fd^iebene fienler l^oben, 6^ri[tu§ ift boS einl^eitUiiöe f)oupt be§ ©d^af*
ftalleS, btcfe ift genug. 3)ie ®emeinf(!^oft ber SKenfd^en lann fo grofe fein,
bofe es ni(!^t me^r möglich ift, bofe pe nur einen 3i\ä)kx unb ein
Oberhaupt über fid^ l^aben. @in ^aupt mirb anä) leidster t)on
©d&lec^ligfeit angeftedtt als nteljrere. 3lxä)t immer jiemt baSfelb^ bem
SE^eil unb bem- ©anjen, bem. kleinen unb bem ©rofeen. SBenn
9lriftotcIeS in feiner ^olitif bie SDlonard^ie (regnum) als be|ie S5er=
faffungSform l^infteflt, fo fpric^t er nur bon ben einjelnen ©taatSs
»efen ; für ben ganjen @rbfreiS aber ift bie 5!Ronard^ie nid^t bie befte
SlegierungSform. ®er ßrbfreiS unb bie berfd^iebenen ©taaten »erben
beffer tion mehreren regiert, bon benen leiner über bem anbern fielet,
als bon einem allein, wenn aud^ gäße eintreten föunen, in benen baS
le^tere öorjujiel^en ift 0-
S)aS britte 93u(^ erörtert bie grage, meldten ©d&riften jur @r=
langung beS emigen JpeileS not^menbig ©lauben gefd^enft »erben
müjfe. 5Radö einanber läfet ber 3Ragifter berfd^iebene Slnfid^ten auf«
treten, bie ben UmIreiS biefer Schriften enger ober weiter begrenjen.
3uerft bie eingefd^ränftefte : nur jene ©d^riften feien für untoibcr«
ruflic^ mal^r gu l^altcn, toeld^e „fanonifd^e" genannt »erben, unb il^re
burd^ ein aflgemeineS ©oncil gegebenen aut^entifd^en Snterpretationen,
jumal in ben fünften, »o ein grrt^um bie etoige SSerbammni^
^erbeif ül^ren »ürbe , »ie f olc^e in ben ©laubenSartileln borliegen.
2. äud^ bie ®ecrete unb 3)ecretalitn ber köpfte, bie in ber 1^1. ©d^rift
itid^t enthaltenen SanoneS ber Slpoftcl unb bie SluSfprüd^e ber bon
ber ffird^e gebiDigten Äird^enle^rer. 3. 9lud^ bie bon ber ifird^e nid^t
auSbrütflid^ approbirten Sel&rer, menn nur alle ober bie TOe^rja^I unb
jumal bie berühmteren übereinftimmen. 6ine bermittelnbc bierte Slnfid^t,
morin »ir mol^I bie OdamS fe^en bürfen, befd^ränft fobann bie un»
fel^Ibaren ©laubenSma^rl^eiten auf ben gnl^alt ber Sibel, auf bie
©d^riftfteller beS ^eiligen Öud^eS (nämlid^ a\x6) für i^re ni^t barin
enthaltenen ©d^riften), auf bie ganje ßird^e unb bie Slpo^el, fd^ließt
bagegen bie S)ecrete unb 3)ecretalien ber ^äpfte unb bie SluSfprüd^e
ber fiird^enlel^rer bon ber Unfel^Ibarleit auS. 3n S3ejug auf baS ßoncil
aber, meint ber SWeifter, ift jmeierlei ju unterf d^eiben : bie 3:§atf(Sen
ober SSorgänge nämlid^, über bie eS berid^tet, mufe man i^m glauben.
') p. 818, 819.
— 267 —
tote ber asiij^tcr betj Qtn^tn t^rc SluSfagen (!), unb mcnn einer
babur(^ bctinod^ betrogen toirb, fo l^ot er lein SSerfd^uIben ; ein onbeteS
ijl e§, menn baS ßoncil eine ßrllärung übet bie 9latur ©otteS ober
ber ©ef^öpfe gibt; toenn iebod^ l^ierin ein S^J^i^I on bet SRi^tigleit
ber ©rllärung entfielet, bann \oU, um ©fanbal ju bermeiben unb baS
bem ßoncti fd^ulbige Stnfel^en ju bemal^ren, ni^t jebermann Jffentlid^
batüber bifputiren, wenn ni^t einige erfal^rene SKönnet in lobenS«
mertl^er ©efinnung bie @ntf(j^eibung befreiten ^). 6ine 2lnit(]^t toiH
itoax, bafe bie (5r!Iärungen eines attgemeinen ßoncilS bon bemfelben
l^iligen ©eijie eingegeben werben, bon bem bie 1^1. ©Triften geoffenbart
finb. 3lber ba§ f ann man ni(^t annel^men, benn man fielet im ®egen-
tl^eil, bafe [x6) baS allgemeine ßoncil oft nur auf meufd^ltt^^e SBeiS^eit
ftü^t ,,S3Jenn man eine göttliche Offenbarung erwartet, mufe man
fi(j^ nt^t auf menf d^liij^es ©tubium unb 3la(^ben!en berlaffen fonbern
nur auf ©cbet unb anbere gute Serie ober toenigftenS nid^t in bem-
felben @rabe auf erftereö toie auf Ie|tereS"^). ®a§ ©eneralconcU
toirb burd^ ben ^apft berfammelt; bafe ber ^apft fehlen lann, ift ja
fti^on nad^gewief en ; ,,nun fann aber bet ^apji eben in ber Slbpd^t
etttjaS gegen bie fat^olifii^e SSßal^rl^eit ju bepniren ein allgemeines
iSoncil berfammeln; bann l^at baS Goncil einen f^Iimmen Slnfang,
entf;pringt einer fij^le^ten 9lbp(iö*/ ^o"« ölfo au(^ einen fii^Ied^ten 9luS»
gang nehmen unb gegen ben ©(auben irren"*). S)ie l^eilige ©c^rift,
meint ber 3Kagifier, ift jmar unfel^Ibar, entl^ält jebotiö bieleS, beffen
rid^tigeS SSerftänbnife ni^t ju jeber Qtit jur ßrlangnng be§ ewigen
©eileS notl^ig ift unb nur bur(]^ göttlid^e ßnt^üßung bermittelt werben
fann. gnbeffen fei lein eingigeS SGBort in il^r iiberflüfftg, fowie aud^
feines fel^Ie*).
S)aS bierte Sud^ ^) lel^rt unS entweber , ba^ e§ fe^r fd^wer ift
CdfamS eigene ?!Keinung feftjul^alten ober bafe er in einem ber wid^tigfien
fünfte feine fefte Ueberjeugung gel^abt ober fie bod^ binnen weniger
3a^re gewed^felt l^at. SBir l^aben bisher gewagt jene bom 3Kagifler
auSgefprod^enen Slnfid^ten, weld^e baS Ie|te SEBort bel^alten, bcnen feine
SBiberlegungSgrünbe mel^r entgegengefe^t werben, Ddfam "ju^ufd^reiben.
*) p. 823-
») p. 824.
«) p. 825.
*) p. 832.
^) p. 846-889, lic« 870.
— 268 —
Säfet mon biefen SJlaBftab gelten, fo finbet man, bog Otfam l^ier bk
©upetiorität ^etri über bie anbetn 3lpoftel Itoft ber ©infelung ©l^rijH
no(]^ entf(3^tebener als fonji im britten 3:^eile be§ 5)taIo9§ bejaht,
toä^renb er im erften 3:^eHe beS 2BerIe§ unoerlennbar mel^r bcn
(Segenfaft l^eröortreten liefe. 2)er ^auptgrunb für bie Sejal^ung i?
t^m l^ier ber @a§: waS ieberjeit bon ber ganje« JJird^e geglaubt
mürbe, mufe toal^r fein; über ben ^inmeis auf bie abmeii^enbe Se^te
ber gried^ifd^en Äird^e gel^t er leidet hinweg-
S)er jmeite SEractat^) tjanbelt bon ben SReiJ^ten be§ römtfc^en
ftaifertl^umS unb berül^rt ft(^ bielfad^ mit ben Octo quaestiones 3^
ber (Sinleitung nimmt Ddam ©elegenl^eit, beS ^Mangels an Sudlern
ju ertoäl&nen , ber il^m bei biefer 9Irbeit ]^inberli(§ jei ^). 6§
löfet [xä) beulen, bafe e§ in ben paar ärmlid^en ©üd^erjammlungcn,
»eld^e bamals in ben ÜRünd^ner fllöftern ibo^I ju pnben maren, gerabe
um bie ]^lftorif<^en unb juriftifd^en SSßerle, bereu DdCam l^ier beburft
l^ätte, übel befteflt mar. S^gl^i^ä^ betont OdEam toieberum ben ®c*
fid^t§pun!t, ba^ alle feine ©d^riften tiur ein,©ud^en nad^ ber S3}a^r=
l^eit enthielten unb nur eine ©tufe in ber gntmidtelung ber grfennt«
nife bilbeten. „Obgleid^ mir in biefen 3:agen — läfet er ben ©dualer
fagen — lein boßlommeneS SBerf ju ©taube }u bringen Vermögen —
benn meinet (£rad&ten§ ift über biefen fo mid^tigen ©cgenftanb, ber
bod^ ba§ ganje SKeufd^engefd^Ied^t betrifft, nod^ bon niemanben ein
©pecialmerf in Eingriff genommen morben^) — fo mar e§ boijj
nü|Iid^ nid^t gänjlid^ ju fd^roeigen, bamit anbere, benen SBüd^er ju
©ebote fte^en, }u bollfommenen SQSerlen aufgemuntert mürben. S)enn
td^ beule, bafe burd^ unfere 5E)ifputation fünftige giferer für SBal^rl^eit,
©ered^tigfeit unb ba§ ©emeinmol^l (respublica) auf biete SSJa^tl^eiten
aufmerifam merben I5nnen, meldte berjeit, bem gemeinen Seflen jum
©d^aben, ben SRegenten, Stätten, Se^rern unb ©rjiel^ern ber*
borgen finb'*).
*) p. 889, Iic6 870-957.
*) p. 871.
3) @8 h)ärc gcmig tocrfcl^lt, n)enn man l^icrau« j. SB. bie Unfcnntniß »on
S)antc« 3Konarcitc bei Ddam folgern motttc. 2)a6 er bie ©d^rift ©ebenburg«,
bie mit biefem 2:ractate gleidfien Sitet fü^rt unb öielfac^ gleiche ©egcnfianbc
bel^anbclt, tro^ obiger @r!(ärnng fannte, l^bcn »tr bei SBcf^}rccbung ber Octo
quaestioDes na(i^gett>iefen.
*) p. 870.
J
— 269 —
3m ctficn 53u^c biefcS StractotS^) treten bie S^agen auf, ob
eilte llmt)erfaImonat(3^ienüjU(ä^ fei, imä) toeld^e SSotjtige unb SSerbienfie
fi(^ ber Sfaifer ou§jei(i^nen tnüffe, bon toem bQ§ römifd^e 3lei(^ feinen
Anfang genommen, ob e§ ju 9ie^t jerprt, gefd^mälert ober übertragen
toerben lönne. Ddfam l^at an einer anbem ©teDe jiemlid^ unjmeibeutig
ou^efpro(j^en, bafe er !ein unbebingter Stnl^änger ber Uniöerfalmonard^ie
tft; aud^ l^ier fd^eint feine Slnfid&t in ben ©ä|en ju liegen *) „3utt)eilen
jianb ber @rbfrei§ nad^ Sfled^t unb ©ered^tigfeit unter bem ^Regiment eines
rinjlgen, jumeilen aber mel^rerer gürften. ^laS) ber SSerfc^iebenl^cit
unb ben SSebürfniffen ber !^t\t tft benn aud^ SSerfd^iebenl^eit ber 9le=
gierungSformen für nü^Iid^ ju l^alten." Ueber ben Ursprung bc§
Äaifertl^umS merben bie brei Slnftd^ten erörtert: bafe eS öon (Sott
eingefe^t fei, bafe e§ t)on ®ott nur angeorbnet, aber burd^ bie 2Ren=
fd^en b. 1^. bie JRömer eingeje^t, enblid^ bafe e§ Dom ^apfte eingefe^t
fei. ®ie mittlere Slnpd^t behält ba§ Ie|te SQBort. Sie fragen ber
ßonfiantinifd^en ©d^enfung unb ber SSranSlation »erben l^ier neuer?
bingS in ber auSfül^rttd^ften SGßeife befprod^en, ol^ne bafe jebod^ gegen»
über ben älteren Sefpred^ungen 5leue§ geboten würbe unb ol^ne bafe
man eine Slnfid^t mit Dofler ©idfjerl^eit feftl^aüen lönnte.
®a§ jmeite JBud^«), beffen ©egenftanb bie Siedete beS cffaiferS
im SBeWid^en bilben , gel^t baöon au§ , bafe bie ©etoalt beS ÄaiferS
unb be§ ^apfteS bon einanber getrennt feien , bie erfte fid^ auf M^
SBeltlid^e , bie jmeite auf ba§ ©eiftlid^e bejiel^e. ßrftredft fid^ aber bie
»eltlid^e 3uri§btction be§ SaiferS über ben gan jen 6rb!rei§ ? Dtfam
fd^eint biefe grage }u bejal^en, er fa^t*): „SBebtr ber ^apft lönnte
j. 33. ben ßönig bon granfreid^ bom fiaifertl^um ejimiren nod^ ber
ftaifer felbft lönnte ba§, benn ba§ l^iefee baS Äaifertl^um jerftören, unb
eine fold^c SRad^t l^at leiner bon il^nen". 3n ben fragen ber melt«
lid^en SJlad^t fd^eint fid^ aber Ddtam nid^t l^eimifd^ ju füllen, er gel^t
balb n)ieber auf bie ©emalt be§ ^ßapfteS über unb auf ben @egen=
flanb, ber il^m bor aDem am |)erjen lag, auf bie ffe^ereien 3ol^ann§.
„5)ie fd^Iimmfte ^örefte ift ber in einer ßbnftitution gol^annS für ben
3Jlitioritenorben entl^altene ©a|, ba^ ber ^apft fo über ben d^riftlid^en
Stauben l&errfd^t, bafe ber gange d^riftlid^e ®Iaube, ju beffen Slnnal^me
1) p. 870—902.
*) cap. 5.
») p. 902-925.
*) p. 908.
_*^-
- 270 —
bic ß^rifien ücrpflid^tct finb, in ber 3Beife öon bcr Slpprobation,
©efinition unb S)ctcrmination cincS beliebigen ^apftcS abl^öngt, baj
lein ©l^rift etwas in Sejug auf ben ©tauben feftl^alten barf , beöor
il^m feftflel^t, bafe bet augenblidlid^ tegierenbe ^opft eS annimmt unb
billigt. 3tti gonjen d^rlflliti^en (Slauben tüäre bann nid^t§ me^t
fidler unb unDeränbetli^, fonbem alles toürbe Dom SBiUen be§ ^ap^eS
abl^öngen. Unb er tonnte baS gdangelium unb bie gan^e l^L @^tift
jetftören unb eine neue anberS lautenbe ©^tift mai^en, ber bann ollc
ßl^riften anl^ängen wüfeten, fo lange e§ ber ^opfi toollte ; fein 9lo^»
folger aber fönnte fie mieber änbern u. f. tt). ©(j^limmereS iawx
gegen ben d^riftlid^en ©lauben gar ni(j^t gefagt werben^)." 3Sßo8
bann bie geiftlid^e ©erid^tsbarfeit betrifft , fo f e^t ber 9Heifter auSein»
anber, bafe fie eine boppelte ©eite l^abe : 1 . in bem gorum ber Suffe,
2. in bem gorum be§ Keci^tftreiteS (in foro contentioso). S)ie
jtoeite 9lrt ber SuriSbiction gebül^re einem geifKi(]^en ©erid^te nur in
brei göKen: 1. wenn ber Sßerbreti^er unter ber meltlid^en guriSbiction
eines geiftlici^en Slid^terS ftel^t, 2. wenn fein weltlid^er Kid^ter tior»
Rauben ift ober wenn berfelbe bie SRed^tSpflege öernad^Iäfftgt, 3. wenn
ber weltlici^e ^xäfkx befel^alb feine ©träfe öcrl^öngen fann , weil bie
^erfon beS SSerbreci^erS unbefannt ift; benn in fold^em fSfafle fann
bod^ ber geifllid^e 9lid|ter eine ©träfe, nömlid^ bie g^ccoramunication
Derl^ängen, wie j. S3. ^apft ©regor ben unbefannten Serfaffcr bö8
berüchtigten SibeBS gegen ben 9iotar ßaftoriuS bamit beftraft . l^ot.
5lm ©c^luffe fömmt Odam wieber auf ben ©a| jurütf , bafe ber ge»
wäl^lte Jlönig ober Äaifer feiner SJeftfttigung bebarf, um bie SlegierungS-
red^te auSauüben.
3m britten SBud^e ^) l^anbelt eS \xä) um bie fj^rage, wetd^e ©eioalt
ber ffaifer über bie geiftlid^en Singe unb ^erfonen l^abe unb ^umal
ob il^m ein SBed^t auf bie ^apftwal^l juftel^e. 2lu§ ber ©eft^i^te
wirb nad^gewiefeu , bafe mel^rere Jfaifer ein fofd^eS üled^t fowie M
(SrnennungSred^t ber Sifc^öfe ausgeübt l^aben. „3m allgemeinen ftnk
ja 2aien fällig geiftlid^e Siedete ju üben, weld^e nid^t auS ber Drbi«
*) p. 909. ,2lu« bcr ^xt, h)ie l&icr öon ben fctjcrifd^en ©ätjcn SRcifler
(Sdl^arbS gefpro^en n)irb, über tctlöft berfelbe juerft k)or bem (Srjbif^ofe wn
^5ln, bann in Simgnon Derl^ört tt>urbe, (bie SerbammungSbutte ift k)om 27. 9R5r}
1329; öcrgl. «öl^mcr, 9lcgeflen 3ol^ann« XXII., ^J^r. 90) barf man »oW beit
SibenoiUen OdamS gegen bie SDominifaner burc^tltngen l^Bren.
*) p. 926—957.
J
— 271 —
nation unb nid^t aus bcm gottlitj^en SImte entfptingcn, fonbem jum
aKgcmemcn "^Itü^tn ber flirc^e geübt mcrbcn^). 2Bie bem ^apfte,
mcnn er fci^on ber oberfte geiftlic^e §err ift, bod^ anä) gemiffe tt)eUU(!^e
9le(^te aufteilen lönnen, fo a\x^ bem Äoifer gewiffe geijHiii^e. SBenn
aud^ öieüeid^t nic^t auf ®runb ber faiferli(i^en 3Bürbe, fo lonn er fid^
bod^ als fat^oüfd^er 6^rl[t unb als 9lömer in bie SBal^I einmifd^en."
3e|t ift baS Siedet ber ^apjiroal^I unter regelmäfetgen Umftänben freilid^
auf bie ßarbinäle übertragen. SBenn aber bie ßarbinäle in Se^erei
berfaöen, fo fällt eS roieber auf bie SRömer jurüdf. SBaS enblid^ baS
Slid^teramt beS SaiferS über ben ^:papft betrifft, fo fd^eint OdtamS
Slnfld^t in bem ©a|e ju liegen ^) : 3)er Sßapft ift öon ber jwingenben
©erid^tSbarleit bcS ßaiferS unb anberer weltlid^er Slid^ter nid^t meljr
befreit, alS eS ©l^riftuS unb feine äpoftel waren, flraft feiner jmingen«
bjen ®erid^t§bar!eit ^at ber ftaifer über ß^riftuS als fterblid^en SJlenfd^en
unb über bie 3(pofteI geurt^eilt; alfo finb feinem ©erid^te aud^ bie ^^äpfte
unterroorfen. SBßie man fie^t, ift eS wieber bie ^bentification beS beutfd^»
römifd^en mit bem altrömifd^en ßaifert^ume, auS bem biefeS Öted^t
gefolgert wirb.
S)ie Ie|te ©d^rift DdamS, bie erft nad^ bem SEobe feines !aifer»
lid^en ©d^ugl^enn entftanb, ift ber Tractatus de electione
Caroli IV., bon bem bis je^t nur ein Srud^pdf aufgefunben ttjor«
ben ift *). ^ier greift ber unermüblid^e ^olemifer brei ©ö|e ber Unter»
werfungSformel an, bie ^apji ßlemenS für bie 3ln^änger SubmigS
borgefd^rieben l^atte; bafe bem Saifer bie 5KadE)t nid^t juftel^e, einen
^apft ein= ober abjufe^en, ba^ ßlemenS matter ^apft unb bafe bem
ßönige Äarl als bem bon ber ÄirdE)e approbirten ^errfdE)er ®e=
l^orfam ju leiften fei. @r befämpft bie Sled^tmöfeigfeit ber SBal^l
ÄarlS IV., ben er ein ©efd^öpf beS ßleruS bon Slbignon nennt, be=
fd^ulbigt inSbefonbere ben grjbifd^of Salbemin bon 2;rier unb ben
^erjog SRuboIpl^ bon ©ad^fen beS SEreubrud^S, weil fie gegen bie
aSerträge bon 3lenfe gel^anbelt Ratten, unb mad^t ^Kitl^eilungen über
*) p. 929.
>) p. 956.
») 2)affct6e Bcflnbet fiä) in einer ^anbfd^rift ht» (gt(^iläbter 2)oincapitcW, ait«
njeli^cr ^ö{(cr (^uS Stöignon, ©. 14 Pßb., tocrgC. aud^ @. 30) einige« mitgctl^ctU
l&at. Jüciber toarb cS mir nid^t vergönnt iSinrid^t in biefel6e gu erlangen. 3n
SRom fott ftci^ eine ©anbfd^rift be« Sractat« in ber ©ibtiotl^e! S. Croce in
Gerusalemme befunben l^aben (^öfler o. a. D. 13.)
1
— 272 —
bic bortigen aSereinborungen. SSolb naä) Slbfaffung bicfet ©4#^)
l^at Odfam bcn fo lange unterhaltenen SSBiberftanb gegen bic ©uric
bon Slüignon aufgegeben unb feine Sereitroilligfeit jut Untertoexfuttg
erllärt-
@3 ift nid^t leidet ba§ SBefen einet fo eigenartigen, fo öielfeitigcn
^erfbnlici^feit in fd^arfen ©trid^en jufammenjuf äffen , aud^ wenn wir
l^ier t)on bem ^^ilofopl^en Odam ^) ganj abfegen. SBeld&e feltfame
5!Jlif(^ung moberner unb mittclalterlid^er 3üge, eines juweilen in übcr=
rafci^enbcm ®rabe aufgetlärten ©eifteS unb einer Drtl^obojie, bie man
%it unb ba t)erfU(J)t ift öerbiffen unb fanatifd^ ju nennen ! '^an i)ai bic
äted^tgläubigleit DdamS rool^I in fjrage gefteüt, l^at leintet feinen Ser»
fi(]|erungen berfelben abfid&tlid^e Djientation gewittert, meldte nur barauf
abfiele,. fe|erif(3^en SSerbäd^tigungen feinen Sortoanb ju bieten, nton
l^at in \i)m fogar bie Ironie über bie Srrationalitöt beS ©laubenS bur$»
blidten gefeiten®). Unb gewi^ liegt bei manci^en ©d^riften Odam^
bic Serfud^ung ju ber 3lnnal^me fel^r nal^e, bafe i^r SSerf affer übet
allen S)ogmati§mu§ erl^aben gctocfen* ^ätte il&n bic 3lbfid^t geleitet
bur<^ UnterttJül^Iung ber ©runblagen baS ganje bogmatifd^e (Sebäube
») $8f(er \t^t bcn Sractat in bie Seit bc8 Sugc« Äömg ÄarW gegen
©üntl^er öon ©d^war^burg (ÜJiärj — SWai 1349), »eil barin bie ©ä^e angeführt
werben, beten gutürfnal^mc ^a^)|l iSIemcn« i)on bcnen bege^tte, bic il^ten grie*
ben mit ll^m mati^en »oüten; bteß fei ahtx ctft im ^iäx^ 1849 gcfd^cl^en OlaJ^nalb
1349, § 15). £)a $a^ft (SlemenS im 3unt 1349 fd^on tmi, bag Odam feine
Untettt>etfung angeboten l^at, f o !äme man mit einet fo((i^en 2)atirung, menn fte
aud^ nid^t gerabcju unmöglici^ »itb, bod^ fel^t inö ©ebtänge. (SS ijl aber ni^t
nötl^ig, bic Söibertegnngen Ocfam« auf bie eäfee (Stemenö* öom aWärg 1349 ju
bejiel^cn, ba fd^on im gebruar 1348 t)on ber Surie biefetbcn ©ebingungen ber
Unterwerfung aufgej!eat würben. (9ia^nalb 1348, § 15.) Sa ©. 3ü tmS^ni
^'6fitx fetbfl (nadf^ Odfam?), baß (SIemenö biefe ®ä(jc fd^on in einem ^luWteiBcn
toom 29. iRoö. 1347 au«gef|>rod^cn l^abc. ©id^er ift alfo, baß ber S^ractat ni<it
^or 1348 mib ni(^t nad^ bem grü^ial^r 1349 entftanben ift.
*) ©iefür öerweife iö) auf bie einge^cnben S)arftcttungett <gd6tt>a60, 30'
]E>annc« ©erfon , 268—291, unb $rantlö, Oefd^id^te ber Sogif im Slbenblonbe,
III. 327—420. Ueber ben Sl^cologen Odfam, in^befonbere feine ©tettung jut
Slbenbmal^föfrage f. aud^ aUettberg, Occam unb Sutl^er ober SSerglei* iljter Sejte
toom ^l Slbenbmal^t in bet ä^i^f^^tif t : S^eologifd^e ©tubicn unb ÄtitÜen. 1839,
XII. Sal&rg. @. 69-136.
') ailettberg a. a. O., nad^ tljm Seber, SBettgcfd^id^tc VII, 92.
— 273 —
jum SBanIcn }u bringen, fo l^ätic er laum gcfd^i^er l^anbcln fönnen.
®Iet(^U)o]^I barf man üon fold^en ^bfid^ten unb (Sejtnnungen nid^tS
bei il^m fuc^cn. 6in unglöubigcr ©fcptilcr fd^rcibt nici^t goliantcn
öon Untcr|U(|ungcn über bie 3tnfd^auung ®otteS bur(j^ bie ©eligen,
über baS ©acrament beS ältareS unb über bie et)angelifc!^e Slrmutl^.
Unb bei bem ©treit über bie lefetere, ber unberfennbar ba§ SteblingS*'
if}tma DdamS bilbet, l^anbelt eS ^\ä) — menigftenS fotoeit er literarifd^
ouf tritt — nid^tettoa um bieSSetonung roerft^ätiger grömmtg!eit gegen»
über bem t)ertt)eltli(|ten 2:reiben einer ]^erar(i^ifd^en Sirci^e — biefer
praftifd^e ®epi3^t§punft mag im 2eben betont morben fein, in ben
©(j^riften OdamS mie ber anbern SJJinoriten mirb er nid^t jur ©eltung
gebrad^t — fonbern eS l^anbelt [\ä) immer um ba§ bogmatif(]|e SRed^t«
l^aben. S)ie S)ogmen im engeren Sinne aber merbcn öon Ddam nie
angetaftet ; feine Stngriffe bejiel^en \\ä) auf ben ©i| be§ Sel^ramteS, auf
bie Iirc]^Ii(j^e 3Serfaffung, auf ba§ SSerl^ältnife jmifci^en ©taat unb Äir(|e.
SBa§ bei Odam unermübU(3^ tuieberfel^rt , mit ber größten 6nt»
f(i^ieben]^eit auftritt unb fein ganjeä @t)ftem beeinflußt, ift ber ffampf
gegen bie tueltlici^e Dberl^o^eit, in^befonbere aber gegen bie Unfel^I»
barfeit be§ ^apfttl^umS. 3n anberen fünften läßt er wol^l anä) ben
®egenfa§ einmal red^t energifij^ jum SSJort fommen, läßt un« jutoeilen
über feine ©efinnung ööflig im S^Jeifel; in ber 5legation päpftlid^er
Unfel^Ibarfeit aber unb päpftU(^er StügeiDalt ift er ftets unjmeibeutig, ^
ftet§ folgerlci^tig unb ftetÄ bon fitlUci^em ^at^o§ getragen. Unb bie
toid^tigften S)octrinen l^angen bei i^m badon ab. S)a3 SRid^teramt
be§ ßaiferS über ben ^apft unb ber ginfluß be§ ßaiferS auf bie ^apft«
tt)a^l — bcibe§ fömmt ll^m nur bann jur ©eltung, menn ber ^apft
in Äe|erei DerfäDt. 2)er Sufammentritt einer allgemeinen, aud^ Saien
umfaffenben Sirii^enberfammlung auf ©runb be§ ©emeinbeprincips
ift il^m ebenfaD§ bon biefer aSorbebingung abl^öngig. • Um ben ©a|
alfo, baß auci^ ber ^apft in Äe|erei berföüen fann, concentrirt fi(^
ein guter ^f^til feiner fird^enpolitifd^en %i)zoxm. SDBaS er am ^^apfte
3o]^ann erlebte, baS gab feinem ©eifte, bem eS fo öiel ju fd&affen
mad^te, bie 3iid&tung, ba§. bilbete fortan ben SJlittelpunft feines Deutens
unb ©innenS.
3)aran fnüpfcn fid^ aber weitere Sbeen, bie CdEam ju einem
aSorlöufer ber ^Reformation unb moberner ienbenjen erl)eben. 9lid^t
nur ber ^apft, aud^ baS allgemeine ßonciP) unb bie Äird^en«
^) hierin gcl^t er nod^ über ÜRarfiglio l^inau«.
— 274 —
leieret pnb il^m nid^t unfcl^Ibar; nur bie l^ciligc ©d^tift unb bcn bon
jcl^et unb überoH geltenben ©lauben bct ßitd^c Wfet er als uutoanbcl-
bare SKd^tfd^nur beS ©laubenS unb ber ©Uten gelten. SBaS ben
Primat betrijft, fo ftnb feine 2lu5fprü(|e über bie ^xa^t, ob berfelbe
auf ber (ginfe^ung ©l^rifti berul^e, nid^t übereinftimmenb ; barin aber
fd^eint feine Slnfid^t entfd^ieben, bafe ber Primat unb alle l^ierard^ifd^en
3njiitutionen für ben JBeftanb ber Äird^e nid^t notl&ttenbig unb »efent»
lid^ feien. SCßieberl^oIt giebt er bem frud^tbaren @eban!en Slu§brud[,
bafe fid& bie gformen ber ftaätlid^en »ie ürd^Iid^en SSerfaffung nad^ ben
tped^felnben fflebürfniffen ber 3rtt tuanbeln bürfen unb »anbeln foflen.
®anj nal^e lömmt er l^ier fd^on bem mobemen Segriff ber l^ijiorifd^en
ßntmicfelung, ber bem 9ÄitteIaIter im gonjen fo fremb geblieben i|l.
^ier fpinnt fid^ wol^I ein gaben l^erüber bon feinem nominaüjiifd^n
©9ftem, baS bie fubjectibe ©ebingtl^it aller menfd^Iid^en (Srfenntni^
unb bie ©sijien} beS StUgemeinen als bipfeer ?5enlbegriffe betonte.
®ie ]^5d|fte meltlid^e @mali ift* nad^ Odfam ber l^öd^fien getfi«
lid^en nid^t untergeorbnet , f onbern ebenbürtig unb ^at i^rc äBui^et
fo gut toie bie Untere in (Sott. @ie bel^errfd^t ba« toeltlid^e, jene
ba§ geiftlid^e ®ebiet, aber bei OdEam finbet fid^ fd^on anerlannt, baB
biefe nid^t ftreng gefd^ieben werben lönnen, fonbem bielfad^ in einanber
übergreifen ^). ^ier ift benn ber ©a| bon ber l^öd^flen ©ebeutung,
ba^ baS Äird^enred^t bem weltlid^en nid^t präjubiciren lönne. gu
@renibefiimmungen im ein}elnen toax freilid^ bie 3^U "^^ ^W 9^
lommen.
SBenn SKarfiglio ben erfien Slnftofe ju feiner JRid^tung bon Odfam
erl^alten l^aben foH, fo banite biefer jenem tooi)l eine tiefere Stuffoffung
beS ©taateS unb bie ©urd&bringung mit aripotelifd^en Slufd^auungen.
SDlan toirb annel^men bürfen, wenn man e§ aud^ nid^t beweifen lann,
ba^ eine frud^tbare SBed^fetoirfung jtoifd&en . ben beiben SRännern,
toeld^e ba§ ©d^idffal juerft in ^ari§, banti in 3talieu unb SRünd^en
gufammenfül^rte, ftattgefunben l^at. Sin ©elel^rfamfeit pelzen fie ftdj
im ganjen ttjol^l gleid^, bod^ ift il^r SQßiffen öerfd^ieben geartet, ©et
Odfam überwiegt bie Sll^eologie, bie nominaliftifd^e ^l^ilofopl^ie, baS
Äird^enred^t, bie ff ird^engef d^id^te ; SlriftoteteleS unb bie ^rof angef d^id^te
ftel^en me^r im ^intergrunbe ; ffenntnife im weltlid^en Siedet l^at er
^) De jurisdictione imperatoris in causa matrimoaiali, Su^. to. Frefaer,
@. 40.
- 275 -
J)ot 9MarpgIio öotauS. Sei Dtefcm bagcgcn tritt SltiftotcIeS in ben
SSorbetgruTtb ; fein SBijfen in 3:]öeoIo9ie, ftir(|ente(|t unb Äirij^en«
flcf^id^te ijt XDofjll eben fo umfaffenb tt)ie Bei DdEam; bie naturtüijfen»
fdiaftlid^e Silbung ift il^m eigentl^ämliiä^. SJud^ an ©d^ulung unb
©d&ärfe be§ ©ebanlenS l^dten fiiä^ bie beiben SWänner bie SBage,
Slbet in bet Steilheit beS SBIidS, bet ©rl^abenl^eit über SSoruttl^eile unb
bet barauS entf})tingenben Sftii^tigJeit bet ^tftmijfen gebül^tt ber S5ot«
rang bem SMatfiglio. ©o ^oä) toie biefer lül^ne ©eijt l^at [xä) ber
Settelmön(3^ niiä^t über ben @efi(ä^t§frei§ ber Qdi unb beS ©tanbeS
cml)orjufd^tt)ingen bermoij^t.
(Segenfö^e, in benen fi(^ bon jel^er alleS toiffenfij^aftlidöe Streben
bewegt ^ci, jtnb, »iewol^I nid^t f^orf gef^ieben, in biefcn beiben
SBiberfod^em ber ^äpjie berlörpert. 3""^ Stbfd^Iufe ber g^tfi^ung,
bei ber fie boS ^tUgemeine nid^t leitet au§ bem Sluge öerlieren, brttngen
bie unrul^igeren ©eifter; ®efe|e tDoDen jte formulirt, ©pjieme ju»
fammengefajgtt unb burd^ beren 9lntt)enbung baS Seben ber 2Bir!Ii(|Ieit
gcförbcrt feigen. Sinnen ftel^en grübelnb unb jtoeifelnb bebö^tigere
Staturen gegenüber , nid^t fo fd^nell toie bie anbern burd^ SSßiff en in
©id^rl^eit gewiegt, oft an (Sinjelnl^eiten l^angen bleibenb unb nai!^
bet aSaJ^rl^eit, bie i^nen überaus f^toer ju erreid^en bünft, lieber
fud^enb als bie gefunbene praftifd^ oertoertl^enb. ©efal^ren wie SJorjüge
bergen beibe SHid^tungen unb beS anfeuemben ßinfluffeS ber einen,
beS jügelnben ber anbern bürfte feine 85Jiffenfd|oft auf bie Sauer ol^ne
(Sefäl^rbung entratl^en. SBie man im allgemeinen wirb fagen bürfen,
bafe bie romanifd^en SBölIer mel^r §ur erfien biefer Segabungen neigen,
bie germonifd^en jur jweiten, fo finb e^ aud& l^iet ein 3taliener unb
ein ©nglänber, in benen unS biefe berfd^iebenen Einlagen entgegen*
treten. Unjweifel^aft repräfentirt aber 2MarfigIio bie erfte 9iid^tung
weit reiner aU DdEam bie jweite.
3n ber fd^werfäHigen fjorm, weld&e Ddam feinen 3been meiftenS
gegeben l^at, tonnten fie nid^t auf größere Verbreitung red^nen. S)a
lam eine Umarbeitung ju ^ilfe, weld^e jumal nad^ il^rer Ueberfe^ung
in baS Sfranjöfifd^e großen 5ln!Iang fanb unb nod^ l^eute bon ben
Sfranjofen afö ^attabium ber gaUifanifd^en ftird^enfreil^eiten l^od^«
gel^alten wirb^). ®ie^ ift ba§ Somnium viridarii ober ber
*) @. griebbctfl, bie mittetafterttti^eti Seigren übet ba« »erl^SUniß ^. @taat
tmb Äitd&e (in 2)ot>c unb gricbbcrg, 3citf*rift für Äir^ettred^t VIII, 79). 5Da-
18*
— 276 —
Songe duvergier, ein bem Äönigc ftarl Y. Don granfaeid^ ge«
toibmcUS, tDOl^I 1376 ober 1377 unb jwar, wie ^aulin ^ari§ na(]^«
getoiefen l^at^), mal^rfti^einHd^ Don bem löntglit^en Satire ^l^iltpp be
9Kojiferc gefd^tiebeneS , fjl^r umfängliches SBetf*)* SSBenn ouf bem
Sitel $]^iIot]^eu§ Sld^iHinuS al§ Serfaffer genannt toirb, fo berul^t bieB
nur auf einer Sßertoeij^felung mit einem italienifd^en 2)id^ter biefe§
3lamenS, bon bem ein lateinifd^eS ©ebid^t Viridario l^errül^rt. 5)et
3:itel Somnium viridarii lömmt bal^er, bafe ber Sßerf affer feinen
©egenftanb in bie ßtjäl^Iung Don einer näd^tliti^en aSifion Heibet , bie
il^n in einen ©arten öerfe^te.
S)ie ©d^rift wieberl^olt in ben erften 36 ©apitcin giemli(]| lüöit«
lic^, bod^ burdö ßitate unb" mand^e 9lu§fä]^rungen erweitert, bie unfere§
©rad^tenS fälfd^lid^ bem OdCam jugefd^riebene Disputatio inter mili-
tem' et clericum ^) , bie ganj barauf angelegt toot bolfötl^ümlid^ ju
-»erben. ©owo^I ben Snl^alt als bie gorm eines ®efpräd&e§ j»ifd^en
Sftitter unb ßlerifer l^at pe öon bort entlel^nt; biefe (SinHeibung
bel^ält fie aud^ in ben folgenben Slbfd^nitten bei. 3)iefe aber unb
bamit ber größte %f)dl be§ SBerlS finb, was BiSl^er nie bead^et würbe,
in ber ^auptfad^e nid^ts anbereS al§ eine Umarbeitung beS erften unb
jweiten SLractatS beS britten Stl^eileS bcS S)iaIog§ bon Ddtam. S)ar*
aus finb bie für bie meltlid&e 5!Bad^t günftigen «uSfprüd&e beS 2Ragi'
fterS bem SKitter, bie für bie lird^fid^e SWad^t günftigen bem Äleriler
in ben 3Runb gelegt, ©aneben ift aud^ ber Defensor pacis Dielfad|
benu^l*); aud^ baS 35ud^ beS 3legibiuS (de Roma) de regimine
prineipum wirb citirt ^). S)aju fommen ©teilen ^) , bie entmeber öom
Serfaffer felbji ober aus einer anbern unS nid^t befannten Queue l^er»
rül^ren,. unb jwar tritt in biefen Partien ftets baS weltlid^e SRcd^t
fclbfl finbct [i^ aviö) bie anbcttocitigc , inöbcfonbcre fraujöflfii^ Literatur üBcr
biefe <Sd^rtft angegei6en.
*) Manuscrits fran^ais, IV, 229. STußer SWajito fönntc nad^ ?ari0
allenfalls 8laout be ^raeStcS at§ SScrfaffer in grage fommen.
*) ®ebra(ft bei Goldast, Monarchia I, 58. Ue6er Verbreitung unb
SSerbot ber @*rift f. bie 3Sorrebe bafelbft.
») @. oben, @. 145.
*) Sßergt u. a. cap. 102, @. 91 be« Somnium mit cap. 8 bc« 2. ^i^
beS Def. pac. unb cap. 82 bed erfteren mit cap. 23 u. 24. beS 2. ^iU M
It^ttttVL
«) p. 107.
«) @o cap. 103—108, tt>o öon ber ©efcftgebung über SBud^er, (SMi^bmig
unb 2)ue]Ie bte 9lebe i^
— 277 —
mel^r tu bcn SSorbcrgtunb. 3cbcnfan§ bcrul^t ba§ ^tim unb ®eift«
reiche, ba§ ©öDingct ber ©d^rtft naSjxü^mt^), in ber ^avipt\aS)e auf
t^ren SSotlagcu. S)ie Si^aujofcu l^abcu öerfud^t bcn Songe gegenüber
ber Disputatio, worin fie ein SBerl DtfamS erblitften, für bo§ Dri=
ginol ju l^alten; babei lag baS rid^tige (Sefül^I ju (Srunbe, bafe biefe
©ebanfcn juerft auf fran}öfi[(]^em Soben au§gefpro(i^en fein muffen;
ba tt)it nun bem Odam bie Disputatio ju ©unfien eines granjofen,
ttjal^tfci^inliii^ be§ ®uboi§ abfpred^en, ifi jebe ©(^mierigleit befeitigt,
6§ ift ein eigentl^ümliiJ^eS SSerl^ältnife , bafe man in ben etfien 36
Kapiteln, mit benen DdEam nid^tS gemein ^ai, biefm benu^t glaubte,
bagegen bei bem folgenben St^eil, mo et bie (Srunblage bilbet, nid^t
an i^n gebadet l^at. 3laä) bem ^inmeis auf bie Senu^ung be§ S)ia«
logS unb beS Defensor pacis wirb man nici^J mel^r jweifeln lönnen,
ba| l^ier nur eine Kompilation borliegt, bie jeboc!^ au§ ben bebeutenb=
ften ©ij^riften ber Qtü unb mit großem ®ef(3^icf gefertigt ift.
3taäjlttm mit ben SBaffen S)üboiS\ aWarpglioS uttb bomel^mlid^
DcfamS ba§ ^apalf^ftem auf ba§ l^eftigfte angegriffen worben, l^eifet
e§ am ©(i^Iuffe in ed^t franjöfif^em leiij^tem 3:one: 3(3^ l^abe einen
p]^antaftif(]^en Straum erjöl^It; je^t bin xä) erwad^t unb fage waci^enb,
ba| iä) feft glaube, für wal^r l^alte unb befenne aDeS, waS bie l^eiligc
römif(]|e Jfir(|e ju glauben lel^rt, bie ©jtraöagante Unam sanctam
mit eingefij^Ioffen*
*) 2ȟtt4uer $iftorif*e8 Sa^rbut^ f. 1865, @. 405.
§. 14.
JSrrlotette @<^tifte« Sattlers.
®aS rcgfamerc unb tiefere teügiöfe Se6en biefer gpo^e cöncentritt
fid^ niij^t nur in ben internationalen IBettelorben fonbern auäf in
ber boriugSweife beutf(|en, »eil auS bem (Semütl^ entfpringcnben
3it(^tung bef 9K^jit!er. S)urd& innige f)ingabe an baS ©cfül&l eine§
liebeboHen, affwaltenben göttliiä^en 9!ater§ unb in einer ^alh grübeln«
ben l^alb träumerif^en SSerfenfung in bie (Se^eimntffe ®otte§ fu^en
fi(j^ bie 5!R5jii{er über irbifd^eS @Ienb unb irbif(i^e Serfud^Ung ju er»
lieben. Sfl^re f^auptöertreter gel^ören bem ^rebigerorben an, aber au^
aufeerl^alb ber Drben §aben fie Diele ©enoffen unb bilben eine 9K$»
tung für fid^. SäefonberS am Stl^ein, in biefen fonji fo lebcnSlujtigen
®auen, verbreitet fid| bie ©efeUfd^aft ber ®otte§f reunbe , l^ier toirft
ba§ $au<)t einet weitöerjmeigten ^ropaganba für bie 9iad&folge ß^rijii,
jener gel^eimnifeöoDe 9lifoIau§ öon SJafel, ber allen greuben beS äußeren
8eben§ entfagt, um bie inneren ju genießen, l^ier jener ^rebigerbruber
gdtel^arb, ber wegen fpeculatiber gbeen bon pant^eijiifd^er gärbung
öor ba§ erjbifdööflid^e unb päpfilid^e ©eric^t geloben wirb, l^ier ber
©tra^urger Sürger Sftulman SKerfwin unb bie ®omini!aner Slauler
unb ©ufo. 5tud^ fie wie bie ©öl^ne beS f)L granciScuS finb gfreunbe
ber Slrmut^ unb fd^Iid^ten ginfalt ; waS fie aber öon ber DrbenSg^»
feUfd^aft ber 3Kinoriten unterf d^eibet , ift, bafe fte ba§ »efentlid^e nur
in ber ©efinnung unb bem ©efül^lölebcn erblidEen. ' SBeitab ftel^cn
biefe frommen Äinber ©otteS üon ben Sorfämpfern ber SBiffenfd^aft, bie
mir biSl^er lennen gelernt l^aben ; maS fragen fie nad^ SRed^tSfa^ungen unb
l^iftorifd^en ^ttftitutionen , ma§ nad^ ben ^änbeln biefer SSelt, wenn
nur in il^ren ^erjen ber l^eilige gfriebe waltet ! SKber ju -biefem gfrieben
foüen il^nen aud^ bie Hrd^lid^en ©nabenmittel bel^ilflid^ fein, bcncn
il^re gläubige ©efinnung SEroft unb ©tärlung öerbanft. SBte/ wenn
il^nen biefe burd& einen ungered^ten unb graufamen 2Jiad^tfprud6 ent»
j
— 279 —
jogcn tocrbiti? S)ie6 toar bcr ^unft, öon too auS anä) bie 95et»
tretet biefer Slid&tung in ben religiös • polittfd^en ©treit l^ereingejogen
werben muBten,
2Bir jtnb über il^re Setl^eiligung ^) leiber auf eben fo bürfttgeS
mie unfi(|ere§ SRaterial angemiefen, nämli(| auf Slu3}äge au3 alten,
f ie|t öer)(|onenen ^anbfti^riften, »eld^e 3)aniel ©pedle, Saumeifier bet
©tabt Strasburg, in ber jweiten f)älfte beS 16. ^a^rl^unberts (f 1589)
gefertigt l^at *). S)a fie ©pedle auä) mit eigenen S3emerlungen unter»
mifcä^t ju ^aben f^eint, bürfen toir fie nur mit Sorfid^t bermertl^en.
9lber auti^ biefe ©ollectaneen pnb nun hmä) ben Sranb ber ©träfe«
burger Sibliot^el ju @runbe gegangen. ©lüdüid^ertoeife ^at Söl^ringer
in feinem Su^e : S)ie beutfd&en TO^ftüer beS 14. unb 15. gal^rl^unberts ^),
baräber auSf ül^rlid^e SJlitt^eilungen gema(|t , benen mir ba§ f olgenbe
entnel^men.
5Ha^ ©pedle mar Sol^ann Stauler, ber bamals in Strasburg,
neben Safel unb Äöln bem ^^uptfij ber beutf(3^ert SK^ftif, lebte,
„fel^r bagegen, bafe man baS arme unf^ulbige Sott im Saune ftetfen
liefe." SRit il^m foüen barin ,,jufammenge]^altett" l^aben 2:^oma§ bon
©trafeburg, 5tuguftinergeneral (feit 1345) unb. 2uboIf öon ©ad&fen,
^rior ber ©art^aufe ju ©trafeburg. ,/^a ber grofee S3ann »egen
beS itönigS Submig nod^ über iebermunn lag, liefeen biefe ein ©(abreiben
auSgel^en, morin fie fagten, ber ^apft lönne ben ipimmel t)or einem,
ber unf(i^ulbig im Sann märe, nid^t juf(!^Iiefeen , bie ^riejier foDten
nur getroft ben ©terbenben bie ©acramente reiben*)." S)iefe mar uad^
^) Slttgcmeinc Älagcn über bie ^crbcrbntfe bcr SBett ober au(ä^ ber Äird^c,
n>ie fte in ben ©c^rtften ber beutfci^en 2)^t;fit!er l^ie unb ba Kaut toerben, berül^ren
natürlich unfern ®egen{!anb nic^t. 9lu(man äi^eTftoin ). 8. Itagt in ben nmn
Seifen nt^t nur über bie $ä^fle, fonbern aud^ über bie ^aifer, ^ifc^Sfe, ^erjogC/
SBeUgeißli^en, ^lofiergetfitid^en, Saien, tur^ über aSe ©tonbe. (fludg. b. St. ©^mibt,
Sei|>3ig 1859). Db bie (Stellen in bem ^eittgenteben $ermann9 t>on Sri^^tar,
»el*e Pfeiffer (©eutftftc Wlt^fAttt, I, p. XX) auf ba« 3ertoürfm6 j»if*en ?ub-
u>ig bem i^aier unb $a|)ft (SIemen« bejie^t, auf biefer ^eranlaffung berul^en,
ifi bo(^ feljr jtoeifel^aft
') 8ergt. über il^n unb feine (Soüectaneen bie (Si^ronifen ber beutfci^en
^täbte, vni, 69.
>) ®« bUbet bie 3. ^(btl^Ig. be« 2. «onbed bedSBerfe«: S)ie^ir(4e (Sl^rifH
unb il^re Sengen. @. @. 46—50.
♦) ©trafeburg tl^at flci^ bamot« tnxä) anti^jöpfttid^e ©cfinnung l^eröor^
t>ermigerte ben t)om $a^fie geforberten 3el^nten ju i^al^Un (CEl^ronifen ber beutfi^en J
2t5bte, IX, 583) unb tiefe bie ^ä<)ftti(ä^en ^roceffe gegen Subtoig nid^t »eröffent«- j
— 280 —
©perflc ,,bic eine ttoft9ef(3^tift". • 5Ra$ feiner tKngoBe l^aBen aiex bann
biefelben SBerf affer noij^ eine anbere ©(i^rift, mel^r tl^eoretifiä^en unb
!ir(i^enre(i^tli(|en ^nl^ölts unb ,,nid^t unter ben gemeinen 9»ann*)
fonbcrn unter bie ©eiftlid^en unb ©elel^rten auSgel^en laffen". 3)iefelbe
fud^te ju bemeifen, „bafe jtoeierlei @d&»erter »ftren, ein geiftlid^eS,
IDeld^eS wäre ®otte§ SPort, baS anbere bie toeltlid&e Obrigfeit, unb
l^ätte feines mit bem anbern ju tl^un; bieweil fie alle beibe
üon ©Ott eingefe^t mären, lönnten fie nid^i wiber einanber fein, fon*
bern baS gei[tU(i^e berftel^t fein Slmt unb ®otte§ 2Bort unb öertl^eibigt
bie Obrigfeit; bie Dbrigfeit bertl^eibigt @otte§ üiegiment unb bie
gwmmen unb ftraft bie S3öfen" u. f. m. 3)en SBann über baS fünbigc
tpeltlid^e ^aupt liefe biefe ©(j^rift nur al§ l^öiä^fte ©träfe ju, nur naif
ftufenmeifem SSorgel^en, nur borübergel^enb, bi§ fid^ ber ©ünber ttjieber
gebeffert, unb nur perfönlid^. Unfd^ulbige arme Seute unb ganje ßänber,
©tobte unb Dörfer bürften nid^t barunter leiben. ,,'Safe aber alle
bie bem ^apfte müßten J?e^er fein, bie il^m ben gufe'nid^t tooDten
lüffen ober bafe fold^e§ ein SIrtifel be§ ©laubenS wäre unb ein Slb»
trünniger bon ber Äir(3^e, ml^n bnxä) orbentlic^e 3ßai)l ber ffurfürften
fic^ ein Äönig ober Jhifer nennet unb fein 3lmt öerfä^e, an^ alle,
bie i^m al§ bon ©ott bcrorbneter Obrigfeit ©el^orfam leiften, wiber
bie Sird^e fünbigten unb iJe^er wären, ba§ lönne mit göttli(|er
©d^rift nid^t beigebrad^t werben." tJerner : „Obrigfeit ift ein ©tanb
bon ©Ott, bem man in weltlid^en ©ad^en foHe gel^orfamen, aud^ bie
©eiftlid^en, e§ fei, wer e§ woHe. ®er ^aifer ift bie pd^fie Obrig»
lid^en ((Bä}Xt\Un ipa^fl Sol^ann« an ben SBifd^of So^nn ton @tra66urg ö.
1. Sl^rit 1324, OberBaj?erit*c« Slrd^lö I, 50). Sic man fi* iii @tra6Burfl
gegenüber bem 3nterbict öer^icU, tel^rt ÄöntgSlJofen (Sljronifen ber beutfij^cn
©labte, VIII, 469): „(Sttelicfte Pfaffen, unb ba« mereteil, »ottent bc8 bobcflc«
Briefen gel^orfam pn «nb n?oUcnt nüt fmgen nocä^ Icfcn n^ go^btenfl IJan, alfo
bie Slugujiiner unb tiC bi atte örben juo @tro8burg unb anbcröttjo in frigen
unb in be^ rii^eö ftctten: bte hjorent 17 jor ouc fingen; aber bie brebtger unb
barfuoffen guo @tro8burg bie fungcnt bU iore an ber erfle toiber be« bobejlc«
bricfe. ^ipnbennod^ lieffent bie brebiger abt unb »oUent oud^ n^me fingen. 2)o
f^)roc^cnt bie bürgere toon ©troöburg : fit ba0 fü öor l^ttent gelungen, fo foftent
fü ou(]^ fürba« fingen ober aber u8 ber ftat f:|)rtngen. S)o jogctent bie brebtger
u8 ber flat unb Kieffent tr dojier lere fion 3V2 ior." fauler« SBlberflanb
gegen baS Snterbict toirb erfl in bie 3eit be« $a^Pe8 SlemenS fallen.
*) 5!lIfo fcä^eint bie erflc©^rtft in beutfi^er ^pxati^t berfaßtgctoefen in fein,
tDct^e ia überl^au^t t>nx6^ bte STi^f^tter su audgebel^nterer ^ntt>enbung tarn.
— 281 —
feit, barum iji man i^m ©el^orfom fd^ulbig; regiert er nid^t xtä)i, fo
ntufe e r batum ®ott Sled^enf 4aft geben unb nii^t ber arme Untert^an
u. f. to* — Wit, bie ben tool^ren d&ri|Hi^en (Slouben l^oben unb nur
flegen bie ^crfon beS ^apjieö fünbtgen, finb feine ffe^er. — Stile, bie
in unre^tem unb unf^ulbigem Sänne finb, finb frei bor ®ott. —
€l^rifiu3 ^ot fid^ nt($t tt)iber bie weltlid^e Obrigleit gelegt, benn er
^pxaä) : SKeitt Steid^ i^ nid^t Don biefer SDÖelt ; berl^alben er ber DBrig=
leit gel^orfom tnar, fo er bod^ (SotteS ©o^n war, befal^I au(3^, bafe
man ®ott folle geben, woS ®ott gel^ört, unb bem ffaifer, was bem
Äoifer gel^ört. S)enn unfere ©eele gel^ört ®ott, 8eib unb ®ut bem
Äaifer." ®aS toax beS jtoeiien ©d^reibenS Snl^alt, „mit langen SBorten
beffer auSgeflrid^en".
Sluffälligertoeife finbet fid^ in SauIerS erl^altenen ©d^riften nid^ts,
toaS l^ierauf S3ejug l^ötte, nid&t einmal, tt)a§ an fold^e ®runbfä|e an*
Hingen würbe ^). 9lud^ bei ben ©trafeburger ßl^roniilen gritfd^e 6Io=
fener unb if önigSl^of en , bie bod^ mit greube Dom Defensor pacis
berid^ten, fud^t man bergeblic^ nad^ einer @rtt)äl^nung biefer ©d^riften.
©leid^mo^I »irb man ©pedEIeS 3lngaben nid^t öerwerfen bürfen, wenn
fie aud& nid&t in aflen ßinjelnl^eiten juDerläffig fein mögen.
©eine weitere ßrjäl^Iung wirb man mit größerem 5Kifetrauen
aufnel^men muffen, ^ienad^ war bie SBirlung biefer ©d^riften auf
^riefter unb SSoI! gleid| gefegnet. „©ie brad^tenS bal^in, bafe bie
Seute fröl^Iid^ fiurben unb ben Sann nid^t l^od^ mel^r fürd^teten, wäl^»
renb öorl^er öiele Saufenbe ol^ne SBeid^t in großer SSerjweiflung ge=
florben waren." dagegen l^abe ber ^apft bem Sifd^of bon ©tra^urg
befolgten, biefe SBüd^er ju berbrennen „unb foWen fold^e SSüd^er bie
®eifHid|en nod^ bie Saien beim Sann nid^t lefen." Sifd^of Sert^olb
l^abe ben Spanier biel unb gern gel^ört; al§ er fid^ aber 1345 t)on
Äaif er Subwig loSfagte , unb ber Kurie böDigen ®el^orf am öerfprad^ *),
l^abe er „bie Sudler aufl^eben laffen. ^l^re SSerfaffer hielten fid& aber
in ber neuen Äartl^aus (wo Subolf ^rior war) ; ba f d^rieben fie nod^
mel^r, ba fie eö bor gelaffen l^gtten."
^) Sud^ 92iIotaud t)on ^afet, bem man fonfi mand^e ^unbe über lauter
toerbontt (tevgt ^. ©d^mibt, iRiIo(au9 t>on ^afel Seben unb au9gett)&i^(te ^d^riften,
befonterd ©eite 13 figb.) tttoS^nt ni^td bat>on.
') $ergt Grandidier, Oeuvres in^dites, (Histoire de F^glise de Stras-
bourg) IV, 159.
_b._-^
i '
— 282 —
9118 ßati IV. naäi ©tropurg lam^), f)aU er 3:auler unk
beffen f^fteunbe t>ox [xäf gelaben ; ,M aber er unb ber SSif^of fie auf«
forberten unb fle il^r ©efenntnife borlafen, tnoren pe fd^ier felbfl i^tet
ÜReinung ; begl^alben ber jtönig no(]^ alle Sifd^öfe ni^tö burften toibet
fie domel^men.'' W>tt Spedtle tt)iberfprt(i^t [xäf fogle^ f eiber; „man
gebot tl^nen toiber bie ^rtjlltd^ JHr$ unb ben 93ann ntd^t mel^r freüent«
l\6) }u l^anbeln ; infonberd tt)urben bie auS il^ren ©Triften gejogenen
ärtilel Verboten unb ganj »ie le^erifd^ erHftrt." JBöl^ringer üct«
ntutl^et , baß fid^ auf biefe SBorgänge einige bunfle 9lnbeutungen in
StauIerS ^rebigten bejiel^en. 9(u$ eine Seu^erung ^inri^d Don
9lörbliugen an bie SKargaretl^e (Sbner, beibe ©efinnungSgenoffen
SauIerS, mag l^ierauf Sejug l^aben: ,,S3ittet (Sott für unferji lieben
SSater, ben Sauler ; ber ift ani) getoöl^nli^ in großen Seiben, »eil er
bie SBal^r^eit lel^rt unb il^r lebt fo gänjlii^, aU iäf einen toeiB/'
3RögIi(|ertDeife l^aben biefe SSorgänge Saulerd Ueberfiebelung m
Strasburg nad^ Jtöln Deranlagt, mlä^t naä) 1348 ftattfanb.
*) ®^e«< fe^t bieg irrig 1350 jiatt 1348.
§. 15.
3)ie )ia^p<| grflntiteit SdiriftfieSer. 9((tiato ^elaifo.
ttttgitfiitt Srionfo« jtonrab boti ä^egenberg.
SBcnigftcnS einen xa\ä)zxC fBM müifen »ir l^iet no(i^ auf jene
Sitcrotut ber Seit werfen, worin ber päpftlic^e ©tanbpunit jur (Seltung
gebro^t wirb. aBa]^rf(|einH(| Hxä) ben ^apft ^ol^ann felbft würben
jtoei 9Bänner ber ^xtxaxSjxt beranlafet ben gefdl^rlic^en Singriffen
TOarfiglioS entgegenjutreten. S3eibe lamen aber biefem 9lüftrage ni^t ba«
hmä) mi), bafe fie SRarfiglioS Seigren im einzelnen belftmpften, fonbern
bafe fie ba§ pöpfHi(i^e ©Aftern, wie e§ in ben ^auptjügen ben Intentionen
3o§ann§ entfpred^en moij^te, entwidelten. (S§ ift aber bemerlenSwertl^,
bQ§ bie eine bief er ©(ä^rif ten, wie fie benn bon einem SRinoriten au§«
gel&t, fo aud^ tro| il^rer Sßerl^errlid^ung ber pöpftUiä^en ^Kad^tfüDe \xä)
de planctu ecclesiae betitelt unb in ber 3:^at ju einer Älage
fiber bie SBerberbni^ ber flirre geftaltet unb bafe au^ fie ben ^äpften
bogmatif(|e Unfel^Ibarfeit ni(3^t jujufpre(]|en wagt.
®er aSerfaffer biefe§ großen äßer!e§, beffen gntfleJ^ungSjett wal^r«
^mlxä) 1331 faßt, iji gilöaro ^ela^o^) (SKbariuS ^elagiu§),
ein frommer granjisfaner auS^bem nörblid^en ©panien, ®octor beS
lanonlf^en 9le(|t§ unb eine S^xt lang Seigrer beSfelben jU Perugia.
^) <S. Bellarmin, De scriptoribus ecclesiasticis, (S. 270; Oudia, De
Script, ecci. III, 900; 23ird, SKarftgtio toon ^abua unb Stttaro ?5elai?o über
$a^>|l unb Äatfer, Älrd^e unb @taat. (Sal^reöbcric^t ber l^öl^eren ©ürgerfc^ute ju
SÄür^im a. 91^. 1868.) ©ettarmin nennt at« »eitere ©d^riftcn ^etatjo« : Apo-
logia contra Gulielm. Ockam. nnb Speculum regum, Oubin: Apologia
contra Marsilium et Oecamum. Ob biefe Apologia aber eine ^om Planctus
öerf(3^iebene @^rift ifl? Scbcnfatt« IJat W no(5 nirgenb eine ß)pnx baöon entbeden
laffen. Slu^abcn be« Planctus crfd^tcnen 1474, bann Venet. 1560.1©anbf(]Jnften
gal^lreici^ in »erfiä^iebenen SBibUotl^efcn 9tom«, barunter eine ber ©aticana mit
• bem 3)atum 1331. (S. ^erfe, «rd^it), XII, 223, 262, 376, 408, 411.
— 284 -
1328 bcfanb er [\ö) in giom, , er griff aber beim ^erannal^en ber
®eutf(|en mit anberen Drben§brübem bie tfl^(S)t nai^ bem benad&=
barten SDlonte ©ompatri. SBiewol^I ein l^eftiger ®egner (5efena§ unb
©orbaraS unb ber anberen öon ber ginl^eit ber ftird^e Slbtrünnigen
neigte bo$ a\xä) ^dap in bem Streit über bie ebangelifiä^e Slrmutl^
jur jirengeren Stnfid^t unb rourbe barüber beim ^apjie , iebod^ ol^ne
grfolg, berflagt. 6r warb im ©egentl^eil als päpftU(]|er ^önitentiar
na^ 9lt)tgnon berufen, 13S2 jum S3ifd^of öon (Soron in 3l^aia unb
1335 auf ben bif(i^öflid^en ©tu^I bon ©ilbeS im fübliiä^en Portugal
erhoben. 1346 Don bort Vertrieben ftarb er am 25. ^önuat 1352 ju
©eöißa 1).
©ein SBerf ^) ift unter bem frifd^en ©inbrud ber römifd^en S5or=
gonge Derfafet unb öoD bon l^eftigen ^uSfäDen gegen ben bon Subttig
aufgefteüten ©egenpapft, feinen DrbenSbruber ?ßeter öon ©orbara.
Surd^ bie ganje ©d^rift gel^t ein SEon fd^merjUd^er Älage über bie
SSertoeltlid^ung unb SBerberbnife, bie öon ber niebern ©eiftlid^feit bi§
jur 6urie l^inauf in ber ßird^e eingeriffen fei, 3a ^ela^o wunbett
fidö nid^t, wenn bie Äird^e 5lngefid^t§ ber allgemein l^errfd^enben
©imonie unb ber bamit öerlnüpften ßonuption be§ gangen 9leIigion§=
wefenS bon ben 'Sehern al§ bie bab^Ionifd^e §ure bejei(^net werbe*
5ln f)aupt unb ©liebern, meint er, ift eine allgemeine SSerfinfterung
eingetreten ; felbft SQßol^Igefinnte wagen fd^ön nid^t mel^r ber SBal^rl^eit
3eugniB ju geben.
%xo^ aKebem ift ^ela^o burd^auS nid^t gewißt biefer päpjilid^en
9Kad^t, bereu SSerberbnife er einräumen mufe, ©d^ranfen ju jiel^en.
3nbem er babon auSgel^t, bafe ©l^riftuS bem ^etruS unb beffen 9flad^
folgern, ben römifd^en köpften, feine botte ©ewalt unb ^errfd&aft über
bie ©rbe als aSermöd^tnife l^interlaffen, fömmt er ju f olgenben ©ä|en ;
®er ^apft fd^eint bem, weldfeer il^n mit bem 3lüge beS ©eifteS unb
©laubenS betrad^tet, nid^t ein 2Menfd& fonbern ein @ott ju fein ; feine
9Rad^tfäHe ift o^ne Sal^I, 9WaB unb ©ewid^t. 6r ift bie Queße aßeS
Äed^teS unb aßer ©efe^e, !ann für Siedet erflären, toa^ er wiß, unb
!ann jebem feine Sted^te entjie^en, wie er eS gut finbet; fein SQßiße
ift bie ^öd^fte 9lorm, fein ©erid^tS^of ift ber ©erid&ts^of ©otteS, i^m
gegenüber ift unbebingter ©el^orfam bie ftrengfte ^flid^t eines jeben;
*) gür bie letzteren 2)atcn jiü^c xä^ mid^ auf Garns, Series episcoporum.
^ Sängerc auSjüge finben M bei @(^ttjab, ©crfon, 24 ftgb. unb ^i
fdixä a. a. D.
— 285 —
ein 3tt5^if^I ön bicfct päpflliiä^cn Slttgctoalt mufe als Äejcrci beftroft
»erben unb i)at bie ^^uSfd^Iiefeung Dom ewigen §eit jur golge. Me
SKenfd^en ftel^en unter bem ^apfte, au(3^ bie Ungläubigen; nur au§
©(|onung unb um be§ gfriebenS millen ^aben bie ^öpjie bon il^rer
©etDoIt über bie le^teren nid^t immer ®tbxauä) qtmaäft
9U§ ©teflbertreter ß^rifti tft ber ^abft natürli(j^ anä) unum=^
fij^ränfter SJlad^t^aber über oDe gürften ^). 6r befi^t bie ftaatlidje
®ett)olt fo gut tt)ie bie lird^Ut^e. ©emö^nlicj^ übt er bie erftere aller»
bing§ nici^t au§, fonbern l^at bie ^anb^abung be§ meltlid^en ©(j^merteS
bem iJaifer, ben ifönigen unb gürften übertragen. SGßenn aber biefe
i^ren ^fli^ten ni(j&t nad^Iommen ober il^re Untertl^anen über fie Wagen,
toirb fid^ ber ^abft in bie ^Regierung i^rer Sanbe einmifiä^en; er barf
barin fo meit gelten, bafe er bie gürften abfegt. Sr berbient alfo ben
ß^rentitel : Jammer ber 3:^rannen. ßein irbifd^er gürft ift bon feiner
®erid^t§barleit ejimirt. SBie ber Seib naturg^mäfe unter ber ^errft^aft
ber ©eele, fo ftel^en bie meltUd^en 9tegierungin unter ber geiftli(j^en,
®ie toeltUci^e ©emalt bagegen ^at nit^t bie geringfte SBefugnife über
bie lxxä)lxä)t. S)er ßleruS ift bon ben toeltliiä^en ®eri(3^ten ejcimirt, bie
ürd^Iid^en ®üter fmb fteuerfrei, ba& ba§ ©taatSoberl^aupt !ird^Ii(3^e
SJeneficien bergeben ober ba§ ber i?aifer bei ber SBal^I beS ^apfte§
mittt)ir!en ober gar ©^noben berufen bürfe, finb ungereimte
2lnfprü(i^e.
2Ba§ bann bie lirtj^litj^e Serfaffung betrifft, fo finb bie 93if(]^öfe
ni(3^t bon göttli(^er ßinfe^ung fonbern nur Organe unb S5eboIImä(i^tigte
be§ ^apfteS. 9lur fo biel ©etoalt ftel^t i:^nen ju , aU biefer il^nen einju=^
räumen für gut finbet. 2lu(j^ bie 2lutoritöt ber ßoncilien rül^rt nur
öom ^apfte l^er. 2Benn ba§ ßoncil, ja »enn bie ganje SSJelt mit
bem ^apfte nid^t über ein jtimmen, fo ift bo(j^ ber pöpftlid^e 3lu§fprud^
unbebingteS @efe| — nur nid^t in ®Iauben§fa(i^en, 3n
Erinnerung an bie ^äpfte 2Inaftafiu§, Seo unb SiberiuS — unb man
barf tt)o]^I ^injufügen: aud^ in Erinnerung an bie SBiberfprüd^e
jmifd^en ?Ri!oIau§ III. unb ^o^cmn XXII. in ber 9!Jlinoritenfrage
— tt)agt eS Sllbaro nid^t bem ^apfte Unfe^Ibarleit in ®Iauben§fad^en
jujufd^reiben. SBenn fid^ ber ^apft, meint er, in bogmatifd^en SBiber«^
fprud^ jur ganjen ©^riftenl^eit fe^t, brandet i^m ber ©laubige leine
') $etai?o Hcint l^icr bie @(^rift beS ^^l^omag öon SJquino De regimine
principam benutzt ju l^abcn; öcrgt. in^Bcfonbere feine (Srörterungen über bie
$err[d^aft wn ungläubigen 9{egenten über ci^rifnici^e Untertl^anen.
— 286 —
Sfoiße ju leiflen; bo(3^ befttcitct er, bafe man ben ^opfl bot itgcnb
ein trbifd§eS @mäft jiel^en fönne.
3lo(S) maBIofet ald ^ela^o l^at ber ^tigufttner ^uguftin
StrionfoO (Triumphus) quo Slncona bie |)äppl^en SSnfprü^e
bettreten, ©eboren 1243 fd^ricb er no(i^ in ben l^ö^ften SebenSjal^ren,
tt)al^rfd^einli(]^ jtöifd^en 1324 unb 1828 unb auf 3$eranläf[ung be§
^a))fte§ 2iol^ann, bie Summa de potestate ecclesiae ad Johannem
papam 2). 3lls grjbifd^of bon 9lajaret^, beffen ©i| na(^ bem Sßerlujle
ber ©tabt an bie Ungläubigen nad^ 93arletta in ^pulien fibertragen
toorben mar, ftorb er am 2, 2lprU 1318 ju Neapel.
Srionf 03 ©tanbpunit f ennjeid^nen bie @äje : iä) glaube , ber
^apji lann gar ni^t aHeS toiffen, tt)aö er bermöge feiner SWaiä^t tl^un
barf , unb : 5Rur bie 2Wad^t beS ^apfteö unb feine attbere flammt un-
mittelbar bon. (Sott ^). ®lei(]^tt)o]^l wagt au(i^ Srionfo bem ^apjte
nid^t bogmatif(J^e Unfe^lbarleit jujufd^reiben *). Sefonbet§ eingel^enb
unb mit unberlennbarer SRücffid^t auf ben ©treit mit Äaifer Subtoig
fprid^t er \\ä) ober bie päpfHit^en Siedete gegenüber bem ftaifer au5 *).
Unter jmeien im 3^i^fP^It gewäl^lten ßanbibaten, fagt er, gebül^rt
eS bem ^opfte jebenf aUd bie äBal^l ju treffen; aber ber ^pfi tann
aud^ für fid^ aUein einen jtaifer mälglen unb jmar, au3 toü^tt 9lation
er toiQ. Sßenn anberen ba§ SBal^lred^t übertragen n)orben ift ^), fo gefd^al^
biejj ni(i^t ju i^ren ©unften fonbern ju ©unften ber Äird^e unb beS
d^riftlit^en SolfeS, beffen ^anpt ber ^pft ift. SSknn eS alfo bem
^apjte für bie Äird^e ^eilfam ft^eint, fo fann er ben Äurfürften ba§
SBal^lred^t jeberjeit lieber entjiel^en. SQßenn e§ nötl^ig ift, lann er bie
*) @. ©cttarmitt 1. c. 265. Oudin, 1. c. 599.
*) 5tu8gaben f. Bei «ßottl^afi unter Triumphus, öottjlänbiger bei griebberg
(3eitf(^rtft f. ^rd^enred^t, 93). S)a6 ba« Serf toal^tf^etnlie^ ni^t Dor Hu^bru^
be9 ©treited mit ^aifer Subtoig gef(!^rteben ifl, feigen bie im folgenden mitge«
tl^eilten ©teilen; erß feit 1323 gefialteten fid^ bie l^ier bef))rod^nen fragen )u
brennenben.
') (Stncn eingel^nbcn ^luSjttg pnbet man bei griebberg a. a. O.
*) 2)cr ^rebigerotben iebod^ , bem 8eif^)iele .feine« ^t 5£]Joma8 folgenb,
f(!^eint bamald ben Glauben an bogmatif^e Unfeblbarfeit ber $ä)}f)e gehegt an
l^ben; in biefem ®inne &ugert ft(^ n)enigflen9 ber S)ominiIaner ^einrid^ toon
©erforb (Chronicon ed. Potthast, @. 271).
*) 2)ie Ifrierauf bcgügüd^en ©teilen fmb gefammelt bei Friedberg, De
finium inter ecci« et civit. regundor. judicio, 237 — 244.
«) 3n ber Srj&ljlung bon ber (Sinfeftung be« ÄurfürftencoÄegiumS bnr^
©regor V. folgt Srioufo bem 2:otemeo toon Succa.
— 287 —
SSßftl^Ier anäi aus einer anbetn Station a(d ber beutf^en ernennen.
S)ie bloge äBa^I gibt bem ftaifer no(!^ lein Sted^t .}ur älegierung, bid
er baS Seneftcium ber ))ä))ftli(|en Seftötiguns erlangt. 2im beutfd^en
Äönigreii^ lebod^ — fagt felbji Srionfo — lann ber Äönig
gleid^ nad^ feiner SBal^I ol^ne )}äpftlid^e 6rniä(!^tigung
bie älegierung ausüben. S^m SBefen ber laiferUd^en ^ärbe
gel^&ren Sßal^I unb ))äpj'tlid^e SBeftätigung ; Salbung, SÖßei^e unb
ih5nung bagegen nur }ur gfeierli^Ieit. S)er $a))ft {ann ben jtaifer
abfegen, e^comntuniciren, [eine Untertl^anen t)om @ibe ber Sreue ent«
binben. Sßenn ber ^apjl {tel^t, ba| ber triebe be§ d^ftli(^en SßofteS
.mel^r hwxä) Erbfolge aU burd^ SBal^I im ftatferreici^e gefd^ü^t toirb,
fo lann er bie Erbfolge becretiren. 2118 ©tatt^alter ©otte« iji ber
^al)jt gröfeer als. irgenb ein ftönig ober ßaifer. ®er ßai[er iji f(]^on
babur^, ba^ er Steuer ©otteS ifi, aud^ Siener beS ^apfteS. @r l^ai
üfta ben SEreueib ju fd^toören. Sie !aiferlid^en @efe^e l^angen t)on
ber Slutoritäi beS ^apjteS « ab nad^ bemfelben Sted^te, nad^ totl^m fte
Don ben g5ttli($en ®efej^en abl^angen.
2(uf SSertl^eibtgung ber t)ftpfHid^en 2Inf))rfld^e jielte mol^I aud^ bie
©d^rift beS SurgunberS ^etruS de Palude ober ^alubanuS, ^atriard^en
t)on Serufalem, de potestate ecdesiastica ^) ; ber c. 1328 auf SBer*»
«niaffung beS ©arbinalbialonS ^ol^anneS üon @t. Sl^eobor bon bem
ÜWinoriten Qfranj ©oti au§ Perugia öerfajjte Sractat De potestate
ecdesiae*); ein 3:ractal beS ÄnbreaS öon Perugia gegen ein 6bict
fiaifer SubtoigS^) unb ba§ Sßerl De Romani pontificis eminentia
Bive candelabrum septenarium beS ^rämonftratenferS ^etruS de
Lautra*), SlDe biefe ©d^riften finb nod& ungebrudEt.
^) $anbf(i^riften )u 9iotn in ber Ottoboniana u in ber i&iSIiotl^e! ber
$ro|>aganba, leitete unter bem Sitet: Deiegimine claymm scu potestate
ecdesiaBtica. (^er^, ^(r^ib XII, 361, 411.) 9la^nalb (1328, § 30), ber eine
iSteUe barauS mittl^eilt, nennt bie ©c^rift de eccl. potest. Cod. Vatic. 4109.
4SS ifl toQi^l biefelBe ^d^rift, totlä)t ^effarmtn 1. c. 271 aU Tractatus egregius
de causa immediata ecclesiasticae potestatis ent>S]^nt. ^nd^ bie gegen bie
StrU^re Seiend de PoUiaco gerici^tete <Sd^rift bed Petrus Palndanus , t)on
ber 9la^nalb (1321, § 23) \pn6ft, fdfteint nid^t bat>on berfd^ieben }n fein.
') Ottbin, a. a.O. 880 nennt ben SSerf affer £oti; in ber ©onbfd^rift ber
Ottoboniana aber ($er4, ^xä^vo XII, 369): F. Ceti de Perusia tractatus
ieontra Ludovic. Bavar.
«) ^erU, Slrd&iö a. a. O.
*) (grtoäl^nt t)On Trithem, Chron. Hirsaug. (1690) II, 1 74.
— 288 —
'ünäf unter ben ©cutfd^en begegnen toxx einem l^etöortogenben
äJettreter ber päpftli^en SJid^tung. SJtagtpet ßonrab Don SJlegen»
berg (de Monte puellarum), um 1309 geboten, wal^rfd^einlid^ t)on
bem ftftnüfd^en, bei ©(^»einfurf gelegenen 9Katnberg ftammenb^)^
flubtrte XU gtfutt, laS aä)t Salute on ber Uniöerfitöt ^ari§ über
S^eologie unb ^pj^Uofopl^te unb übernahm 1337 bte SJeitung ber
©d&ule bei ©t. ©tepl^an in SBien. Seit 1342 lebte er in SlegenSburg^
juerft al§ Pfarrer an ber ©t. Ulrid^sRr^e, fpäter auä) oI§ Äanonifer
am Dom. 3wglei(äö erfiä^eint er aU ,,9lat^geb in ber ©tabt S)ienften",
in beren Sluftrag er 1357 na($ Slbignon ging, um für bie Äbtet
©t. ßmeram einen S8erglei(j^ mit ber ßurie ju unterl^anbeln* 6r.
ftarb am 14, 9lprit 1374 im fünfunbfecj^jigpen SebenSial^re unt>
fanb im gfrauenftift ju Sliebermünfier in 3legenSburg feine SHu^e-
ftötte 2).
SllS ©(ä^riftfteKer toax SKegenberg öon großer §fru$tbatfeit unb
aSielfeitigfeit. SBon i^m rü^rt bie ,,beuty(3^e . ©p^öro^ ba§ erfte §anb»
büc!^Iein ber ^l^^fif unb 9lftronomie in beutjd^er ©l)ra(i^e, unb ba^
umfaffenbere „^nä) ber 5lotur", beibe SBBerfe übrigens nur 8e«
arbeitungen lateinifd^cr SSorlagen. Daran reil^en \xä) eine größere unb
einige lleinere l^iftorifd^e , jal^Ireid^e t^eologifd^e , bann aber au(^
einige publiciftifd^e ©Triften *)• ^oä) ijl üdu ben le^teren noä) feint
beröffentli(i^t.
2lm frül^eften unter feinen ©d^riften, welii^e fi(j^ auf ©taat unb
ßird^e begießen, nämlid^ 1337, ift ber Plancfus ecclesiae in
Germania öerf aßt. Dem ©ebid^te, bur(j^ ba§ bieHeid^t Sebenburg^
analoge Älage beS gieit^S angeregt fein mag, gelten jtoci aSorreben.
oorauS, beren erfte an ben bamate in päpftliiä^er ©enbung in ®eutf(i^^
lanb toeilcnben fiegaten ^apft S8enebift§ XII., ?lrnoIb bon Serbela
(de Virdello), bie anbere an ben päpftliiä^en .Kaplan Jfol^ann de
Piscibus, Doctor be§ tt)eltli(!^en 9te(j^t8, gerii^tet ifti DeutUd^er afö
biefe SDßibmungen jeigen bie wenigen 3^^^"/ ^^^ bon bem ©ebidjte
*) S)tc§ 5at «Pfeiffer (f. flgb. Slnmetfg.) fel^r loaljrf^eintit^ gema*t. SDie
SBibmmig ber Oeconomica an 2npcitb Don ©eBenburg gilt alfo bietteititt aud>
bem oflfräiifif(^en ?anb«manne, mit bem Äonrab ju Erfurt ©efanntfiä^aft gc»
f(i^lo(fen l^abett fann.
*) Pfeiffer, 2)a0 53u4 ber iRatur öon Äonrab öon SWegeuberg, IX flgb.^
tue an* bie tueltere Literatur über il^n üerjeid^net i|l.
») ?5feiffer, XIX flgb.
— 289 —
befannt finb ^), roeltj^en ®tab Don aSercl^rung SRegcnbutg bcm ^apfte
entgegentrug. Senebitt mirb' angerufen :
Flos et apex mundi, qui totius esse rotundi
Nectare dulcorum conditus aromate morum,
Orbis papa Stupor, clausor coeli et reserator, (!)
Tu sidus darum, thesaurus deliciarum,
Sedes sancta polus, tu mundo sol modo solus.
3m erften 3:]^eile be§ ©ebi^teS flagt bie beutfc^e ^xxä)t über baS
3eriDürfnife jmifd^en bem ^apft unb Submig bem ^aier. S>er jweite
S^eil rid^tet fid^ gegen jene, jumal ben SSettelorben angel^örigen
fticrifer, xodä)t unter bem ©ewanbe ber ©nfolt ®ift in ber ffir^c
verbreiten unb bie ©paltung näl^ren, alfo l^auptföd^Iid^ gegen btc ge«
teerten 2}linoriten am TOünc^ner f)ofe. ^an barf in biefem SBiener
©^olaftifer unb 9legenSburger ^farr» unb 3)om^errn einen SRepräfen«
tauten be§ SBiberwittenä erblicfen, meld^er bie SBeltgeiftlid^feit gegen
bie Scttelorben, inSbefonbere bie SDlinoriten befeelte, jener ©efinnung,
mel^e im erften ©tabium be§ großen ff ampfeS , in ber 9lürnberger
^^roteftation , ben Äönig Submig felbft ju i^rem, freilid^ balb jur
©egenpartei überge^enben ©unbeSgenoffen gewonnen l^atte ^). ®amit
*f)dn%i e§ jufammen, toenu fit^ unter 9Megenberg§ SQßerfen aud^ ein
jtt)ifd^en 1362 unb 1370 öerfafeter Tractatus contra mendicantes
ad papam Urbanum V. finbet, fott)ie ein anberer De erroribus
Begehardorum et Beginarum % jener öielfad^ mit ben abtrünnigen
"iHinoriten, ben ©piritualen unb graticeHen, in ©erül^rung ftel^enben,
öon ^apft ^ol^ann verbotenen unb berbammten mön^Sartigen @efeD»
fd^aften.
3)a§ bebeutenbfte Don ÄonrabS publiciftifd^en SOßerfen n)ar allem
^nfd^ein naä) bie <Bä)x\\t Oeconomica, bie bom geijtlit^en unb
meltlid^en ©taatgl^auS^alte ^anbelte unb t^eilmeife gegen bie Sll^eorien
2KarjtgIioS unb 3iönbun§ geri(]^tet mar. Seiber fennt man babon ni(!^t
mel^r al§ bie bon ©trübe au§ einer je^t berfd^oHenen ^anbf(i^rift mit*
getl^eilte SBibmungSepiftel an Supolb bon Sebenburg*). ®a Supolb
*) ä^itgetlJeiU nat^ i^abbe bei Oudin, Script, eccl. EI, 902. S)ic jur
3ett Oubtng in ber ^ibliotl^et bc$ Dr. med. Renatus Moraeus ju 'Jßaxi^ be«
finbtii^e ^anbfd^rift ifl betitelt: Planctus ecclesiae in Germania, auctore
Conrado de Magenberg, anno 1337, aetatis suae 28.
«) @. oben, @. 22, 23.
') Sin iöru^pd barau8 ift öeröffentüc^t in ber Bibliotheca patrum,
Lugd., XXV, 310.
*) Struve, Acta liter. Jenae 1706. Fase, IV, 81—91.
aiealer', SDBibcrfndöcv ber ^a^fte. • ^9
- 290 -
in bcrfclben fc^on Sifc^of bon Bamberg genannt toitb, muß man bic
gntjiel^ungSjeit biefcr ©d^rift jwifc^en 1353 unb 1363 fud^en. 2)amat§
xoax naä) Sluf^cbung bc§ 3ntcrbtct5 unb unter bet gegen bie Äitiä^e
fo na(i^gicbigen älegierung Äarfö IV. baS ^ntereffe on ben fir(i^Ii<!^=
<)oIttifd^en Streitfragen bereits wieber erlahmt unb mit biefer mangeln^
ben ^l^eilna^ttie l^ängt e§ rooijl jufammen, bafe fid^ aufeer ber üon
©trübe benü|ten ^anbfd^rift biäl^er feine tt)eitere entbeden liefe.
®er 3in]^altS*ber[i(i^t , tt)ie fie in bem SBibmung§f(|retben mit=
getl^eilt tt)irb, entnehmen toir, bafe ba§ jmeite ^\xä) ^anbelt: „de
regimine curiensium populorum utpote principum secularium
atque ministr'antium eis in curiis eorum^ precipue tarnen de
regimine Cesaris augusti." 93on ben bier Slbtl^eilungen , in bie e§
jetfäHt, Ifeanbelt bie erfte'de electione in communi, bie jtoeite de
electione in speciali prineipis Romani atque de confirmatione
ac coronatione ipsius in Roma. „Tractatus tertius est de aucto-
ritate et potestate imperatoris, quam precipue assumpsi propter
rationes Johannis de Gandavo (sie!) et Marsilii de Padua,
astruere nitentium, quod imperator habeat constituere papam^
non perpendentes, ut cum pace dicam, quod magna ditferentia
est inter imperatorem olim et inter nunc reges et imperatores.
De. primis enim propheta dicit : astiterunt reges terre et prin-
cipes convenerunt in unum adversus Dominum et adversus
Christum eins; de secundis autem utpote fidelibus subiungit:
sed nunc reges, intelligite, erudimini qui judicatis terram, ser-
vite Domino in timore et exultate ei cum.tremore; si namque
sancti in gloria, ubi regnat Ecclesia triumphans, gladios in
manibus habent ancipites ad faciendum vindictam in nationibus
increpationes in populis, ad alligandos reges eorum in com-
pedibus et nobiles eorum in manicis ferreis, non est incongruum
vicarios eorum, in quorum gutture est exaltatio Dei et meditatio
veritatis atque in labiis eorum detestatio impiorum, regibus et
principibus praeesse in ecclesia militante. Totus enim mundus
est in ecclesia, quamvis totus mundus ecclesiam odiat, et si im-
peratorem pape obedire magistro, papam tamen injurari augusto
non commendo. Interdum etiam fateor me forsitan metas debiti
non tamen viri (sie !) aliqualiter accessisse in construendo pape
auctoritatem et hoc propter oppositarum opinionum factum est
confusionem. Quandoque vero dedi verba cum salibus asperiora
nostris Theutonicis, amica tamen monitione precipue tamen
— 291 —
propter discordiam eorum. Quid enim proderit regem Roma-
norum elegisse et sibi minime obedivisse? imo quid proderit
principem habere et principi &uo invidere? Utinam prima sa-
perent et intelligerent ac novissima providerent! Gens plerumque
fariosa et ßui capitis est ; sepe tum et multum hoc mecum cogi-
tavi, quaiiter aquila Bomana^ iam a longis retroactis temporibus
utplurimum dephimata^ forsitan aliquaii volatu restaurari valeret,
et potissimiim ad hanc deveni considerationem , ut princeps
eligeretur sapiens, dives et fortis, fortitudine inquam militari,
quorum si unum defecerit, imperium nemo recuperabit; divitie
namque potentiam implicant et sapientia fortunam vincere vi-
detur. Et forsan jam talis adest in foribus nostris^ in persona
videlicet magnifici Caroli serenissimi Augusti, cui deus miseri-
cors successus suos augeat in advocatie sue venerabilis incre-
mentum. Pico tamen unum, quia stultus tacere non potest,
quod displicet mihi id quod audio, videlicet regem utplurimum
immunitum incedere et inermem, fnemo etenim tot tantis tali-
busque venatur insidiis, quot quantis qualibusque princeps,
defensor equitatis. Subvenire igitur deceret serenissimo Augusto
predecessorum periculum cumulatum, maxime tamen res adhuc
recens incliti avi sui divi quondam imperatoris Henrici, qui
ubi pax ab omnibus fidelibus querituy non solum terrenorum
tranquillitatis sed eternarum viaticus deliciarum, misere fuit
interemtus. Sed hec hactenus regrediendo itaque dico, quod
tractatus quartus secundi libi'i est de regimine curie im-
peratoris."
S)a§ brtttc ^nä), De domibus divinis, cntl^ält bic brci Stractütc :
de regimine domus scholastice ; de regimine prelatorum eccleaie
et de differentiis cleri atque de ofl&ciis divinis, quibus domus
divine regulantur; de auctoritate summi pontificis atque de re-
gimine curie ipsius.
3)er ßaifer foü bcm ^apjt aU Seigrer gel^ot^en, ber ^apft barf
aber a\xi) ben J?atfcr ntij^t bcrungltnUjfen. Unb: 2öa§ nü|t e§ ben
Äönig {\x6) felbft) ju Milien, toenn man i^m boi^ nid^t ge^or^t?
3lu§ iicjen ©ä^en fönntc man für SJlegcnberg eine wenn a\xi) mel^r
jum ^ap[te neigenbe, bo$ toermiiteinbe ©teHung im ©treit ber beiben
^b^ften ©eioalten unb patriotif^en Unmutig über bie bcutfd^e ^wietraiä^t
folgern. Unb toenn er betont, ba^ itoifiä^en ben altrbmifii^en ßaifern
unb ben ie^igen beutfd^en ^errfd^ern boc^ ein großer Unterf(]^teb fei,
19*
— 292 —
ba^ e§ alfo ju n^tö füllten lönne , menn man biefem gefuntenen
ÄotfettJ^umc fictS nur bic Steinte ber tömif^cn 3fnH)cralorcn btnbicircn
moQe, tonnte man barin eine gefunbe Oppofttion gegen Supolb^
p^antajHfd^e S^eorie eines SBeltteid^S erbliden. 3"^^^^« legten un§
jwei anbete ©d^riften SWegenbergS, übet toe((^e etft neuetbingS i^5flcr
9Ritt!^eiIungen gema<j^t l^at *), baft alle biefe ©<!^Iftffe fel^Igel^en toütben,
bafe in 2Wegenbetg »ebet eine gemäßigte 9li(!^tung bet pöpfHi(|en
^attei nod^ nationale ©ejtnnung no(J^ eine jutüdE^altenbete Sluffaffung
be§ Äaifettl^untS gefu(^t wetben batf.
S)et etjte biefet SEtactate, bet bon 1355 batitt unb öon einer
33ottebe an ÄatllV. begleitet ijt, ttögt ben 3:itel De translatione
imperii*). 6t lel^nt jid^ im ^iftorifd^en S^eil bielfad^ an bie
©(i^tift SupolbS bon Scbenbutg an, biefe§ ,,©matagbfd&teineS beiber
Siedete", wie et genannt »itb, befämpft abet im boctrinäten X^eile
in ganj anbetem ©inne, al§ Supolb gcti&an, bie SBefd^Iüffe öon Sftenfe.
SHegenbetg fteüt jt(]^ einfacä^ auf ben ©tanbpunft, ben Sodann XXn.
gegenübet bem beutf(i^=tömif(]^en JReit^e eingenommen unb womit er
alle biefe 3Bitten ^etaufbef(ä^tt)oten l^atte. ®enn waS ift e§ anbeteS, mnn
TOegenbetgS ?lu§fü^tungen in ben ©ft|en gipfeln : ©et ^apft l^at na^
göttli^em 9te(j^te, tegelmäfeig unb nid^t jufäflig, baS Äaifettl^um an bie
3)eutf(^en übetttagen ; bie 9lomination unb ?lpptobation beS etwöl^Iten
tömifd^en Königs geptt bem ^apfte unb bet tömifij^en Stxxäit an;
bet gtttjäl^lte !ann ni^t fij^on in gfolge bet Sffia^I ben fönigliti^en
Flamen annel^men unb bie ^eäjk unb ®ütet beS 9lei(j^§ in Italien
unb anbeten 3:^eilen beS ßönig= unb Äaifenei(^§ abminifttiten. SSBenn
bann anä) anetfannt witb, bafe bet ^apft bie bem Äaifet eigent^m-
lid^en SRed^te fo wenig üben bütfe mie bet ffaifct bie beS ^apfteS, fo
witb bod^ bet faifetlid^e fttönungSeib al§ ^omagialeib etflärt unb
behauptet, bafe ba§ Äaifettl^um ni(i^t unmittelbat t)on ®ott Pamme
unb bafe bet ^apft beibe ©^wettet füllte*
3lu(j^ bei 9Megenbetg begegnet man wiebet biefet SJetquitfung
jwifd^en beutfd^cm Äönigt^ume unb tömif(j^em iJaifettl^ume. 3lxä)i bie
SBa^l , niiä^t bie ßtbnung in 3la(3^en , etft bie pöpftlid^e »eftätigung
M "am Sltoiflnon, 24 flgb.
*) 2)ic Ueberfc^rtftcn bet (Sapltet unb nä^ctc« übet bicfen unb ben folgen-
ben j£tactat f. bei ^öflet a. a. O. (Siner betfclben obet beibe jufamntcn finb
XDCiffi aud^ untet bem Politiconim Über unus ^n t>et{le]^en, melden na^ Oubm
(Script, eccles. II I, 902 u. a.) SKegenbctfl »etfaßt ^at.
— 293 —
gibt na^ x^m baS äted^t jur fönigU^en Slegierung. ^ottn ijl ber
beutfc^e ^Regenbetg päpftlid^er geftnnt al§ felbft Stionfo. 3Bie ber
Äaifct unb bie ßurfütjlcn in SRcnfc unb gfranifurt bic ©clbftönbigfeit
n^t nur be3 Jtönigt^umS fonbem arxäi ^^^ Jfaiferti^umS beanfprud^t
fiaütn, fo bel^auptet SRegenberg bie 9lb^ängig!ett ni(i§t nur beS le^teren
fonbcrn au^ beS erftercn öon ber (Surie. !3DoS Äaifertl^um ober ift
i^m, toie feinem ®önner Sebenburg, no(j^ immer bie äBeltmonard^ie :
©ofern ni(^t einige Könige unb 98öl!er, meint er, in golge befonberen
dled^teS ber ^trd^e unmittelbar untenoorfen finb', l^aben fid^ aDe bem
römifd^en «ftaifert^ume ju unterwerfen.
5lt)entin ertoäl^nt^), bafe SRegenberg ungefähr fieben ^al^re naä)
^aifer SubtoigS unb OdEamS Xobe gegen bie föüä^tx Oäam^, 39larfigIto§
unb ßupolbs bon SSebenburg ,,ein anber S3u(ä^" gefd^rieben l^obe, „fo
nod^ öorl^anben, ju Äönig 6ari, barinn er oftgenannten Sarfüffer
SBill^elm Don DdEam ein ßrjfe^er fd^alt, ber ben frommen flaifer
Subtoig (fo fünft ein reblid^er, meifer, gef^idter gürft gemefen fei)
öerfül^rt §abe wiber ben ^apjl, legt alle ©d^ulb auf ben Münä),
entfd^ulbiget ben Äaifer, nennt au(3^ weiter ben SBill^. öon Dccam ein
tßerfül^rer ber ©elel^rten unb §o§enf(^uI/ ber ein neuloe liJel^re, ein
neutoen SBeg in ber l^eil. ©d^rift, ^^ilofopl^ei , ©rammatica unb
cmbere ftünfte aufgebracht §abc/' ^n feinen Annales Boiorum*)
nennt Slöentin bie ©(ä^rift: Tractatus pro Romana ecclesia et
pontifice Johanne XXII. contra Wilhelmum Occam. 3)iefe ©d^rift
barf man nun, wieioo^I [\ä) SlüentinS angaben ^ier bielfad^ als un=
genau erioeifen, in bem jioeiten ber politifd^en SEractate 9Wegenberg§
«rfennen, beren l^auptfäd^Iid^er gnl^alt burcj^ ^öfler be!annt geworben
ift»). ©erfelbe ift baß) nad^ bem Xobe SalbewinS öon Srier (25.
3anuar 1354) öerfafet, gleid^ bem erften bem Äönige ßarl gewibmet
unb wenbet fid^ gegen bie 3lb]^anblung DdEamS De ele-
ctione Caroli IV. 6r nimmt ben ^apft ßlemenS unb ßarl IV.
gegen bie Eingriffe OdEamS in ©d^u^, ,,biefe§ ©d^olaften, ber bereits
ben britten Stl^eil ber ©d^ulmänner auf feine ©eite gejogen l^abe",
nnb behauptet unter anberm , bafe bie gibe ber ßurf ürften 5U 9lenfe
unerlaubt gewefen feien, ba bie Prüfung unb Seflätigung beS er*
wählten römifd^en SönigS bem römifd^en ©tu^I jufomme. „Unb wenn
*) (Sl^vonlca (ed. 1580), p. 402.
*) Ingolstad. 1554, Lib. VII, p. 786.
^) 2tu« Slöignon, 29-31.
— 294 —
bcr apofiolifd^c Stul^I tnc^t für bic ^nt^i^^ff^ti granfreid^S al§ anbeter
Staaten forgt, fo fömmt biefe ba^ct, bafe bicfc^ SReid^ il^m Don je^cr
mc^r angel^angen ^at/'
©0 ift SKcgenfeerg, bcr bie unter Submig bem 95aier ma^gerufcne
literarifd^e Setoegung noc!^ einige S^xt unter feinem 9la(J^foIger fort=
fü^rt, ber SSertreter einer Partei, bie fein Sebürfni^. nationaler SQBütbe
unb ©elbflänbigfeit !annte unb fid^ bie ?{ugen t)or all bem Unheil
Derjd^Io^, ba3 burd^ bie päpftlid^e @inmifd^ung über ^eutf(^{anb gefitad^t
tt)orben mar ; er ift ber getreue tl^eoretif^e SluSbrudf für baS ?ffi^
l^ängigfeitSöerl^ältnife, in mel(]^em fid^ bie SRegierung be§ Sujemburger^
in il^rer erften ^eriobe gegenüber ber Kurie ber^ielt. Salb barouf
aber mac!^te bie golbene SSuHe, moburd^ fi(3^ anä) ßarl auf ben ©tQnb=
punft ber Sefd^lüffe Don Stenfe begab, berartige Herifale ^luffaffungen
be§ beutfcj^en Sfteii^eS für längere ^txi öerftummen.
/
§. 16.
SRarfiglio unb Odfom gel^ören in ganj befonbctcm SDlafee ju
jenen ^erfönl^fciten , beten 9ef(!^i(]^Hi(i6e Sebeutung erji lange na^
tl^rem 3:obe in flarem 2x^k etfii^eint. 3Kan mup einen fel^t et^ö^ten
©tanbpunü einnel^men, um il^te ffiirifamleit geredet ju tnütbigen,
man mufe fit^ bie grage vorlegen, toeld^en ®ang bie SBeItgef(^i(j^te
genommen l^aben tt)ürbe, wenn bie 9lnfprü(!^e ber ^äpfle nie einem
SBibetftanbe begegnet mären. Unb ba bie päp[tli(!^e Ißad^t, fo fel^r jie
fi(^ bemühte aud^ materielle ©tilgen ju gewinnen, im ©runbe bod)
ftet§ auf geijitgen 3Burjeln fufete unb burij^aus bon ber öffentlichen
5Keinung abl^ing, f o beanfpruiä^t jeber J?rieg gegen fie, ber mit geiftigen
SEßaffen geführt marb, eine befonbere Sebeutung.
^ ®§ ift ein meltl^ifiortfd^er 5Koment, ba in SWarfiglio unb feinen
©enoffen berförpert red^t eigentli(j^ jum erjtenmale bie auf Uniberfitäten
grofegejogene l^umaniflifd^e S3ilbung bem ^apfttl^ume entgegentritt.
9liemanb roirb einen Suföß barin erbliden, bafe SRarfiglio, 3önbun,
Drfam, Ubertino bon ßafale, 9lifoIauö bon 3lutr6court, gerabe bie
l^erborragenbften unter ben bamaligen SBiberfat^ern ber ^äpfte, an
einer Uniberfität gemirft l^aben unb bafe bie 9?amen ^onbun, Ddam
unb 5lutrecourt aud^ in ber ©efd^id^te ber ^l^ilofop^ie genannt merben.
©enö^rt bon ben gefunben ©ebanfen ber antilen Siteratur gewann
man erft mieber bie Jfraft, baS 5ß^antaftif(^e , SSerfd^mommene , Un*
gefunbe ber d^riftlid^=mittelalterlid^en SSilbungen ab jufd^ütteln. 9Rit
3KarfigIio unb CdEam bringt ber frifd^e, f^neibige Suftjug flarer
©ebanfenin bie moberige 9ltmofp]^äre benlf auler Ueberlieferung ober
be§ mü^fam erf ünftelten , ber SSernunft ^ol^n fpred^enben ©^ftemS;
in bie unbefiegbar fd^einenbe S^oingburg be§ ®eifte§ mirb bie erfte
Srefd^e gef(^of[en unb ber ®eban!e mirb toaä), ob benn biefe mittet
alterlid&e SBeltorbnung , bie fid^ felbft aU eine für alle (Smigfeit ge«
— 296 —
grünbctc l^infteHtc, bon bct aHgcmeincn SBergänglid^fcit bcr irbifd^cn
Singe befreit, ob fte ttid^t am @nbe aud^ nur ein ®ut%angäpunft
fei unb ouf bemfelben natürlichen SSSege, toie fte cntftanben, aut^
altern unb bergel^en »erbe.
gür ben SlugenblidE l^at aBerbing§ ber Äampf biefer ©elel^rten
gegen bie 5ßäpfte feine poptiben ßrgebniffe bon einiger ®aucr erjtelt.
Sie waren ju fel^r 3)octrinöre unb 2:§eoretifer, um mit ben gegebenen
aSerl^ältniffen red^nen unb eine erfolgreiche poIitifC^e ©irffamlett tni^
falten ju lönnen, il^re gbeen ber öffentlichen ^Meinung ju meit borau§=
geeilt, um biefclbe mit fiC^ fortjureijjen. S)aju tooflte eine ungünjitge
gügung, bafe ber |)errfC^er, bem fie ftC^ ju Sienji fteHten, nad^ ©eiji
unb ß^aralter fo unbebeutenb mar, bafe tl^m jebe naC^l^altige 6tn=
ttJtrfung auf ben ®ang ber (Sreigniffe berfagt bleiben muftte. Unb
wa§ bie Stellung ber geleierten fSflüd^tlinge ju biefem Äaifer betrifft,
fo ift bie gförberung, bie feine @a(!&e burd^ il^ren (Seift unb il^re
SBiffenfd^aft erful^r, burd^ bie fd^limmen SBirlungen ber ejtremen unb
unjeitgemäfeen SKaferegcIn, ju benen fte i^n brftngten^ »al^rfdeeinlide
mel^r als aufgeiüogen toorben. ©od^ barf man il^ren @inPu| nad^ biefer
Seite aud6 nid^t ju ungünftig beurtl^eilen. Sie^e e§ fid§ freilid^ feft=
fteßen, bafe Subniig ol^ne baS SJajttjifd^entreten 3KarfigIio§ ftd^ mit
ben bom SHeid^Sred^t bargebotenen SiberftanbSmitteln begnügt unb
fd^on 1327 in jene Salinen eingelenft l^ätte, weld^e erji nad^ elf
^al^ren ju 9lenfe unb granffurt betreten tourben, fo müfete man bie
politifd^e 3:^ätigleit feines ßeibarjteS ber fdöümmften Qftfid^te auflagen.
9Ran erfennt aber leidet, bajj bie ©ad^Iage beim Slntritt be§ Siömer«
jugeS eine ganj anbere mar aU 1338. Submig l^atte bamalS anbere
3iele, anbere SBunbeSgenoffen, anbere ©egner. @r moHte bie Äaifer^
frone erlangen unb bie beutfd^e ^errfd^aft in 3itali^^^ erneuern, er
mu^te auf bie SBünfd^e unb Stimmungen ber italienifd^en ©ibeßinen
SHüdtfid^t nel^men unb er jianb jenem ^apfte gegenüber, ber ben un=
geredeten Streit angefad^t l^atte.
3)a bie ^äpfte Sieger blieben unb nad^ Submig ein bon ber
Äird^e gänjlid^ abhängiger ^errfd^er ben beutfd^en Stl^ron beftieg,
fonnten bie bon ber Kurie berbammten ßel^ren ber fü^nen teuerer
junäd^ft feine gro^e Verbreitung unb feinen nad^ au^en ju 3:age
tretenben ginflufe gewinnen.. 2)enn in biefen 3^^^^ ^^^ ^^ ^^"^
nid^t§ weniger al§ mirfungSlofe SKaferegel, »enn gegen eine Sd^rift
ein pöpftlid^eS Verbot gerid^tet tourbe. ©leid^tDol^l mirb man fd^on bie
nöd^ften geiftigen SBirfungen, meldte baS Sluftreten ber 5Müttd^ncr
- 297 -
Äcjer l^eröorbrad^tc, nid^t untcrf^älcu bütfcn. SDßie diel toar e§ f^on
toert^, ba| bie ^ät)fte bei i^ren ©elüften nad^ toeU(i(^er ©upretnatie
unb naäi unumfd^ränltet ^ettfd^aft übet bie @eifter auf bie ^eu^e«
tungen eines mutl^igen gftei^eitäpnneS jtiefeen, ber il^ten Ke^töber»
le^ungen entgegentrot, il^te ^jfeln m^ bulbete unb il^ren 9lnf()rü4en
eine @(^tan!e wies. SDBenn bon ben Sagen Äaifer SubtoigS bi§ jum
3a]^re 1450 fein bem ^opalf^ftem gewibmeteS SBetI me^r erftä^eint ^),
wenn bann im SSeginne bes folgenben ^al^rl^unbertS bie ©upetiorität
eines aUgemeinen ^oncils übet ben $apj} [xäf mit betl^ältni^mö^iget
Seid^iigleit geltenb mad^t, fo lann man ni($t betfennen, ba^ eine bet»
änbette geiftige ©ttömung eingetteten ift, unb toitb nid^t fe^lgel^en,
toenn man bet Sl^tttigfeit ^atfiglioS unb OdEamS einigen Slntl^eil
an biefem Umfd^tounge beimißt. 2Jlit Sol^ann XXII. unb ßlemenS VL
§a6en bie SSnfptüd^e bet ^öpfte auf SJeltl^ettfdöaft, l^aben auf langete
3eit aud^ il^te abfolutiftifd^en @elüjle ben f)öl^epuntt eneid^t.
Siecht aufgegangen ift bie ®aat bet ®ebanfen, meldte SubmigS
gelel^tte SunbeSgenojfeh auSgeftteut l^aben, etft jut !^tit bet Äefot»
mation. äbet fd^on bei beten näl^eten SBotlöufetn »etben toit ffxt unb
ba ©puten il^tet SBitfungen etfennen bütfen. 35on SDBicIif uttl^eilte
^opp @tegot XI., bafe mel^tete feinet @ä|e fe^t an bie Socttinen
beS Defensor pacis etinnetten *). ^ö^cmneS ®etfon, bet l^etbottagenbfte
SSetttetet bet ju SRefotmen geneigten Äid^tung innet^alb bet Äitd^e,
öetweifl in feinem SEtactat Quomodo et an liceat in causis fidei
a sammo pontifice appellare seu eins iudicium declinare auf
ben S)ialog DdtamS ^), wo biefelbe ^xa^t fo eingel^enb unb eifrig be»
*) 3anu8, bcr ¥a^fl unb ba« (Soncir, ©. 309.
*) ©(abreiben ©rcgor« XI. an Äönlg ^Äid^atb toon gngtanb ö. 22. aWai
1378: quarum (Wiclifi conclusionum) aliquae licet quibusdam mutatis
terminis sentire videntur perFersas opiniones et doctrinam indoctam dam-
natae memoriae Marsilii de Padua et Johannis de Gaudano (1. Ganduno),
quorum liber per felicis recordatioi^is Johannem papam 22. reprobatus
extitit et damDatus. ©ebrucft u. a. unter ben testimonia auctorum de
Marsilio in bet ^u^gabebeS leiteten t)on 1599. - %n6) in ben ©Triften ®regor9
^on ^eimburg etinnert man^e« an ä^arftglto, o^ne bag ftc^f iebod^f eine birecte
Senu^ung nad^tDetfen liege. ^. Srodl^aud, Tregor bon$eimbutg. !Oei^)tg 1861.
3) Hanc autem materiam latissime et studiosissime prosecutus est
et fundavit Okam in djalogo tmo, cuius solius autoritati non oportet
inniti, quamyis fuerit egregius theologus, sed innitendum est rationibus
suis, pro quanto robur et autoritatem accipiunt a sacra scriptura, cuius
contemptus cum suis professoribus sepe duxit et ducet in errores.
— 298 —
l^anbelt worbcn fei, unb crt^cilt bem aSctfoffer boS £ob einc§ qu§«
gejcid^nctcn 3:^eoIo9en. 0(fam§ ©(ä^riftcn, bon benen ein toii^tigeS
©tü(f in umgeatbeiteter gorm f(3^on im öierje^nten ^al^rl^unbert in
^xanlxtxäf weitere SBetbreitung gefunben l^atte , tt)urben bann in ben
©iebenjiger unb 9leunjiget Saluten be§ fünfjel^nten 3ö^i^^unbett§
gtöfetent^eil§ burt^ ben S)rud berbffentlid^t. 3m 3ö^te 1512 ^ot ber
^atifer St^eologc "^aM Sllmain, bet \\ä)~a\xä) mit ^üKatfiglio Dettraut
jeigt ^), bie Octo quaestiones Ddfam§ überarbeitet ^). Sutl^cr in feinen
93Ser!en ^ bie ^rotejianten in il^ren ©taötfii^riftcn berufen [\6) mieber«
l^olt auf Odam*). 3)er Defensor pacis tDurbe juerft 1522 gebrudt
unb enegte fogleiiäö grofee§ 5luffe]^en; anä) ein ®egner bejeugt, bafe
' ba§ Su(j^ in§befonbere öon ©taat§männern eifrig gelefen unb ^oi^
gefeiert merbe^). ^uxä) beutf(|e unb englifd&e Ueberfe|ungen unb
»ieberl^olte 3lu§gaben würbe im fed^je^nten unb fiebenjel^nten 3a]^r=
l^unbert feine Verbreitung in weiten Greifen geförbert. ®er Sinflufe
feiner lü^nen Seigren war bamal§ fo grofe, ba| man don t\xä)liä)tt
©eite für nötl^ig l&ielt il^m neuerbingS eine SBiberlegungöfd^rift gegen»
überjufteKen , bie Hierarchiae ecciesiasticae assertio be§ Roberto
^ig^io«).
©0 l^aben SMarfiglio unb Odam nid^t umfonft gebadet unb
gewirft. @ie finb bie SSorläufer einer Bewegung, bie im fc(|jebnten
3al^rl^unbert, aU \\ä) eine religiöfe unb nationale, ©trömung mit ber
wiffenf(3^aftli(i^en öerbanb, bie größten ©rfolge, aber felbji in unferen
3:agen nod^ leinen ööKigen 9lbf(!^Iufe erreid^t l^at. @wig waltet ber
(Seift, ber ba§ Seben immer neu geftaltet ; e§ ift bergcblid^e^ Semü^en
il^n in ftarre g^ormen ju bannen.
^) Goldast, Monarchia I, 589.
*; Expositio de suprema potestate ecclesiastjca et laica circa quae-
stionum decisiones magistri Guillermi de Ockam super potestate summi
pontificis bei Oolbaft 1. c. 588.
^) 2)ie öon S3(il^ beforgtc ISCuögabc öon 2nt^tx^ Sßerfen berweiji auf
biefc ©teilen, XXIII, 776.
*) Goldast 1. c; dissertatio de autoribuft unter ?Wniain unb Odam.
*) ?Pigl^io in ber SSorrebe: velut antagonisten quendam delegimus
Marsilium Patavinum, eo, quod hunc studiose legi et magnifieri
cernerem a plerisque, qui [secularibus adsunt a consiliis. $tgl§to meint
auti}, bag Sutl^er einen großen Z^txi feiner Srrlel^ren au« SDf^arftglio ge*
Wö^ft ^abc.
«) Ed. min 1538.
Beilage I.
Urberfid)! in tt^enretifditn Literatur über Staat mi ftird)e wn Cl|atrta0 un
^quina bn }nm S(t)t0nta.
1270 - 1370.
6§ fd^cint mir münfd^enämcrt^; ^tet eine Uebetftd^t ü6et bie publictfKfd^e Sttetatut in
bem Sal^rl^unbett tjon 1270—1370 folgen ju laffen, ha ^ott^ft in feinet Biblio-
theca historica medii aevi nur einen ffeinen 2^eil btefer ©d^riften aufgenommen unb
griebberg in bem Excursus ad lib. I cap. 2. De finium inter ecclesiam et civi-
tatem regundorum judicio p. 245 — 251, nur jene ©d^riften tjerjetd^net ^at, meldte
j bie Sird^e angreifen. ÄuSgefd^Ioffen Don unferer Ueberfid^t finb bie ®taat[d^riften, bie
[ Wed^tSbfid^er, bie rein l^ifiorifd^en »ie t^eologifc^en ©d^riften. Stele Iractate, bie i}Xtf)tx
j gehören, fmb nod^ nid^t einmal bem Sitel nad^ befannt 33efonber§ bie uaticanifd^e
Stbliot^e! fd^etnt baran fe{)r reid^ ju fein; Set^mann ermähnt unter 9tr. 4107 — 4157
nid^t näl^er bejeid^nete SBerfe de potegtate ecclesiae, papae, concilii, imperii u. bgl.^
toorunter fid^ mand^e au§ unferer Qtit befinben mögen. O^Jertj, ärd^iö XII, 242).
3iaä) §öfler (ffaifertl^um unb ^^apfhl^um, 141) bergen aud^ bie 'ißarifer Sibliotl^el unb
: bie Saurentiana in flöten;;, nod^ eine gütte berartiger S^ractate. SJon ben Huögaben
cittrc id^ getoöl^nfid^ nur bie neuejle ober jugänglid^fie.
@ntflel^ung9)eit
3Scrfaffcr.
©cferiftcn.
Sluögaben ober $anbfd^riftcn.
SBor 1274
3^1^oma8 bon ?(qutno.
>/
c, 1280-1316.
tf
5(cgibtu« Solonna to.
9?om.
De regimine principum,
1. 55u^ unb öter (Sa^itel
be8 2.
(Somntentar ju Slrtflotck« 1. c t. XXI.
^ßotitit. I
De regimine principum
Libri 3.
Thomae Aquinatis opera
Parmae, Tom. XVI.
SluSg.: 8. 1. (August.) p.
Guntb. Zainer. 1473 ;
p. Stephan. Flank. Kern.
1482; p. Simon. Bevila-
quam. Venet. 1498; Ve-
net. 1 502 ;Eomae 1556 V
1494 erfd^icn in @ei)ißa
eine f^)antfd&e Ueberfe^ung:
Regimiento de los prin-
cipes p. Conr. Aleman.
') Öorenj' (@efd§l^tgf|ucKen, 328) a5ermutl)UTi0, bofe btc Siä^rift nodö uttflcbnitft fet, ift bctima^ irrig.
— 300 —
(Sntfiei^mtg^seit.
@(^rtftcn.
flu^aben ober ^anbf^riftett.
c. 1280—1316.
m*128l,n)a]5r*
f(^inUd^ 1285.
c. 1290—1327.
1294.
iflatif 1298.
c. 1300—1400.
1300.
1301.
Heaibtu^ <Sotonna b.
Stont.
c. 1303.
c. 1303.
c. 1303.
c. 1303.
c. 1307 — 1310.
1308—1311.
Sorban ^on 08na<
brüd.
(Snaelbert, ^t t>on
äbmont.
^eoibiud (Sotonna b
vtom.
j^obmeo ^on Succa.
Unbefannt.
9Ba]^rf($emtt(^ ftttx
©uboiö.
$eter ^ubotd.
bot«.
ff
n
De ecclesiastica potestate.
Soi^ann Oulbort t)on
^ari«.
(Sngclbctt, Slbt öon
^bmont.
Sitl^ctm SDuranb b. j.
(1296-1328 öif^of
to.SWcttbcMimate).
Chronica qualiter Roma-
num imperium transla-
tum in Germanos sit.
De regimine principum.
Philosophus dicit.
De renuntiatione papae.
De regimine principum
be0 Sl^omad t>on ^quino,
3. u. 4. J6u(b.
Tractatus de aetatiboa
ecclesiae.
Co^üanti mihi.
Summaria brevis et com*
pendiosa doctrina felicis
ezpeditionis et abbrevia-
tionis guerrarum ac 11-
tium regni Francorum.
Deliberatio super agendis
a Philippe rege contra
epistolam papae.
Quod aiUem papa.
Quaestio de potestate papae
Rex pacificus Salomon,
Supplication du pueuble
de France au roy contre
le pape Boniface YIII.
Disputatio inter militem
et clericum super pote-
state praelatis ecclesiae
atque principibus terra-
rum commissa.
Clericus serraonis sui
exordium.
Tractatus de potestate
regia et papali.
Interdum contingit.
De ortu, progressu etfine
Komani imperii über.
Consedentibus et coUo-
quentibus mecum»
Tractatus de modo cele-
brandi generalis concilii.
^ud^ttge na^ etner $att|et
^anbWrift bei Ch. Jour-
dain, Ün ouvrage inedit
de Gilles de Borne , im
Jonmal gön^ral de l'in-
struction publique, 1S58.
a.l22tt.l3O.@.ob.@.140.
Ed. ^ai^, 9(bl^aiiblimgen
ber t. @ef. b. ®i|f. ju
(^i>ttingett. 14. $b. m-
ttngetil869.@.ob.@.159.
Ed. J. Georg. Theophil.
Huffnagl (s. a.) @. oBcn
@. 162.
Ed. in Eoecaberti, Biblio-
theca pontificia l 2. 8b.
Thomae Aquinatis openu
Parmae. T. XVI.
Goldast, Monarchia, 1, 25.
@« oben @. 153, 9nm. 2.
ajlitl^eUungen baraud ))Oii
Saifit^ im 18. «b. ber
M^moires de Tacad^mie
des inscriptions. @. o6es
(S. 144.
gragment bei Dupuy, Bist
du differend, fteuve8,44.
Sludjj. hd Dupuy, Hist dft
difterend, Preuves, 663.
@. oben ^. 141.
^n0g. bei Dupuy, PreuTes,
214.
Schard, De jurisdictiooe
imperii , 677 ; @oIba9,
I, 13. ®. oben @. 145.
€(i^arb 142. (^olbaft n,
108. ®. oben @. 148.
Ed. Basileac 1553, cum
Gasp. Bruschii prae^
fatione. @. oben @. 163.
?ln«g.: ?Jarl« 1545, 1617.
1635, 1671.
301 —
itfie$ttitg9)ett.
«crfaffcr.
@(^riftcn.
%n%aUn ober ^nbf (j^riften.
?. 1310—1330.
M310~1320.
1311 — 1313.
]»iWenl324u.
. 1326.
ItDtfd^en 1324 u.
1326.
il^rfd^einltfj^
l:i25ob.l326.
1328.
if
ft
129.
^if*enl330u.
333.
(Sngetbert 'o. Hbmont.
Landulfus de Co-
lonna (ober Baoul
de Coloumelle ?
^anonifer t).(£]^ari'
trc« ober @tcna?)
2)ante.
SWayTtgüo öon ^abua
unter äl'^itmirlung
3ol^ann8 ton San*
bun.
Augustinus Trium-
phus.
itRarftgUo am $abua.
Andreas de Perusio.
SWinorit Fr. Franc.
Coli ober Toti de
Perusio.
Petrus Paludanus,
^attiar^i) SemfaT.
$cter «ertranb, ?Jro-
feffor beiber Siecj^tc,
iBtf(^of toon Slutun,
fester (Sarbinat
Söill^clm i)on Odam.
Speculum virtutum.
Gloriosis dominis.
De statu et mutatione Ro-
mani imperii ober Trac-
tatus de translatione
imperii.
Multae venercUionts et
sapientiae viro.
De Monarchia.
Defensor pacis.
Omni quippe regno.
Summa de potestate eccle-
siastica ad papam Jo-
hannem XXfi.
Tractatus de translatione
imperii.
Primum capitulum est.
Tractatus contra edictum
Ludovici Bavari.
Tractatus de potestate ec-
clesiae contra Lud. Bav.
De potestate ecclesiastica.
Actio Petri de Cugneriis
etc.
Libellus iste conflatus est.
Pez, Bibliotheca Ascelic.
T. III. @. oben ©. 162.
@4atb, 286. ©olbafi, II, 88.
@. oben @. 171.
131.
J, a^Jt. 25.
1331 (?).
ir
3, San. 24.
333.
2llt)aro $ek^o.
ä^tdftael toon (Sefena.
Petrus de Lautra,
^ränionflratenfer.
tt
9J2t(]^ael ton (Sefena.
f/
Opus nonaginta dierum,
afö 6. Xractat be8 3.
X^eitd b^m Dialogus
0(!amd eingefügt.
Doctoris gentium.
De planctu ecclesiae.
Tractatus contra errores
Johannis papae.
Universis frairibus.
De Romani pontificis emi-
nentia opus sive cande
labrum septenarium ;
libr. 3.
Contra Michaelem de Cae-
sena et ejus sequaces,
Romanum pontificem
contemnentes. Lib. 1.
Literae ad omnes fratres
ordinis minorum.
Universis et singulis
ministris.
Literae deprecatoriae.
Serenissimo ac chrisiia'
nissimo pYicipi.
®(3^rb, 237. «S. oben @. 169^
2>. oben, @. 36, 193.
@. oben, ®. 286.
2>, oben, ®. 173.
^anbfd&r.: h. 15. Ottobc*
niana ju ^om, i)h:. 2795
@. $erö, 2lr*it, XII, 369
@. ?Jer(5, Sr^tt) a. a. ;
öergl. Oudin, ScripteccL
m, 880.
®. oben, ®. 287.
@oIba|l n, 1261. «ergt.
8laJ?nalb, 1329, § 75.
@. oben, ®. 242.
@. oben, @. 283.
@. oben, @. 247.
(Srtoäl^nt t. Trithem, Cbron.
Hirsaug. (1690), II, 174.
®. oben, @. 287.
©noäl^nt ton^ritl^em a. a. O >
(g. oben, @. 248.
@. oben, @. 248.
— 302 —
dniftt^mq^dt Setfaffer.
©ci^riftcn.
^udgaben ober ^anbf^nften.
1333 obet 34.
1335—38.
1335—49.
1337.
1338.
tf
ti
ir
ff
Wl^tim t)on Odam.
tt
»»
bcrg.
^u8 bcm Äreifc bcr
ajlinoritcn am $ofc
Äaifcr Subiüigö.
n
133S— 1340.
<J. 1338—1350.
SBonagratia öon Ser*
gamo.
Unbefannt.
!üu]|)olb ö. 33ebcn]6urg.
Unbefannt.
Tractatus de dogmatibus
Johannis papae; at$ 2.
Sl^etl bem Dialogus
Odam« eingefügt.
Verba aris ejus.
Compendium errorum Jo-
hannis papae.
Secundum Bokkyg {sich
super sacram scripturam.
Defensorium contra errores
Johannis papae.
Universis Christi ßdelibus.
Planctus ecclesiae in Ger-
mania.
Informatio de nuliitate pro-
cessuum papae Johannis
contra Lud. Bav.
In nomine domini, Amen.
Pro informatione sim-
plicium.
Articuli de juribus imperii
et praelatorum ac prin-
cipum, ad quos pertinet
imperatoris electio , et
de jure domini Ludevici
4. imperatoris.
Suhsequenter ponuntur
articuli.
Sractat gegen bte $ä^(ie
3ol^ann :^XII. u. «ene*
bift XII. Contra vero
predicta jura — tota-
liter renunciaret.
@uta(i^ten übet bie SSerbinb*
Ud^feit ber gegen Äatfer
8ubtt)tg gefci^njorenen (Sibe.
Ad predictam questionem.
33e(limmungber^ed&te, »eld&e
einem gemäl^Uen Könige
unb Äaifer nac^ ben 9led^-
ten unb ©ewol^nl^eiten be8
ÜJeici^e« juftel^en.
Subscripta videntur esse
@. oben, @. 244.
@. oben, @. 245.
B. oben, @. 246.
9ia4ri(i^t barilber bei Labbe,;
Bibliotheca nova ms.
librorum, (S. 235. @.
oben, @. 288.
Freher, Script. I, . 61^
Goldast, Monarchia, I,
18. ®. oben, @. 98.
iKitgetl^eilt öon Nicolaua
Minorita; Boehmer,Fon-
tes IV, 592. @. obeii^
@. 99.
iWltgetl^eirt toon .Nicola«
Minorita. 1. c, 597. *a
oben, @. 101.
ajatqetl^eift toon Nicola«
Minorita, 1. c. 606.
oben, @. 99.
JÄitgetl^eitt öon gidet, i
(BtW^tt bc8 Äurwrei
öon 9len[e, ©cilage ^
@. 709. ®. oben, @. IW
De jure regni et imperii.; ;g. oben, @. 107, 180.
Brevis tractatus ober De-|§anbfd&riften: ©tabtbibltfl
terminatio corapendiosaj tl^et in ^Bremen ($f*'*^
de jurisdictione imperii' Sltdbtö VII, 692);^of*
et auctoritate summi (gtaat^bibliotl^e! in 3Ri
pontificis circa imperium. c^cn, cod. lat. 5832 (sa<
Quoniam apud multos 16.) fol. 121 — 137*).
vertitiir. in dubium.
1) 3)ic lefetcrc ^atibfiä^nft fdöeint unboÄflänbra ; benit bic a^til^aUgfi^crfiii^t fptid&t t>on 30 «apüq
tPül^rettb nur 15 folgen. 2;ro^bem lauten bic ©d&luSnjorte: .... «i^'i eät benodictus iuüaecula aaeculor«*
— 303 —
iSntflel^ung^ieit.
SScrfaffer.
©(triften.
3lu«gabcn ober ^aitbfdjriften.
3tt)tf(^n ]339SS3ttl^etm )>on Otfant.
u. 1342.
c. 1340—1363.
tt
Su^olb t>. ^ebenburg.
rr
c. 1340 — 1374.
ri341.
1342.
^ottrab bon äjf^egen^
berg.
Otto ©atbeman öon
Äariflabt.
3Bitl^clm toon Odam-
•»
1342 ober 43.
ff
1347—49.
ue. 1350.
@. oben, @. 249.
©c^arb 410. @. oben,®. 190.
Super potestate summi
pontificis octo quaestio-
nes.
Sanctum canibus.
Libellus de zelo catbolicae
fidei veterum principum
Germanorum, bem^er^og
atubotpl^ »)on @ad6fen gc«
»ibmet. '
Ritmaticum querulosum et\B, oben, <©. 190.
lamentosum dictamen del
modernis cursibus et de-i
fectibus regni ac imperii
Romanorum.
Romanorum Ceaarmn.
De erroribus Begehardo- ^ru^ftüd in ber Bibl. Patr.
rum et Beginarum. Lugd. XXV, 310.
2)eutfd^e Ueberfeöung be« Rit- S. oben, B. 190.
maticum t)on ^ebenburg.
rt
Tractatus de jurisdictione @. oben, ©. 254.
imperatoris in causa
matrimoniali.
Divina Providentia
disponente. '
^ngebU(t SWarfiglio' Tractatus de jurisdictione @ oben, @. 234.
iyoxi $abua. imperatoris in causa ^
matrimoniali. j
Adampliorem evidentiam.
2öal^rf^einlic!b unecht.
SBitl^etm öon Ocfant. Dialogus, pars 1. @. oben, B. 257.
I In Omnibus curiosus i
\ existis. j
Dialogus, pars 3, tracta-|®. oben, @. 262.
tus 1 u. 2. !
Discipvlvs Salomonis
utcunq^ie.
De electione Caroli IV. 9J?itt]^eilungen barau« bei
, Quia aepe viri ignari. $öf(er, 8u8 ?lt>ignon, 13.
I I @. oben, @. 271.
Sarbinal iRtcoIauS|De jurisdictione ecclesiaei^udg.: Baluze,Miscellanea.
Stofettt, 2)omim*' super regnum Apuliae.! ed. Mansi, I, 468.
laner au8 2^arra=^ Quaestio movetur ab I
gonce» I aliquibus.
Petrarca. jEpistolae de juribus im-2(u8g.: Goldast, Monarchia
perii Romaui etc. 11, 1345 (1. 1445) —
I 1465.
Äonrab ijon 9)]egen*'Oeconomica. I^iotij bei Struve, Acta lit.
berg. ' IV, 81—91. ®. oben, @.
; 289.
Tractatus de translatione^luöjügeb.^öfler, 3(.3lt)ignon
imperii. e.26— 29.e.oben,@. 292.
Amen. Kxplicit compillatio breuis de jurisdictione imperii etc. SDÖtttnget ($a))ftfabeXn 96), ber eine Stelle
ftu^ ber Sd^rift ntititietlt, fekt fie elbenfatt§ in bie ^ett Subtota beg 99aier§. ^ag eS ftc^ aber babei um bie
SBertl^eibtQung fbecteaer 3)laBreaelnM>e@ l^aiferg b^nble, tfl, tote mir eine fXiia^ttft ^ur^ft^t ber ^Ünd^ner
>a«M(ftnTt geaetgt l^ot, eine irrige ^Innal^mc Sorenj', (Öef^iö&tgqueHcn 318.)
C. 1350—1370.
U 352— 1362.
t2d54 Ober 1355.
tt
fr
— 304 —
(Sntflel^ung93eit.
«crfoffcr.
©Triften.
^u^aben ober ^onbfd^rtften.
1354 ober ld55.'^onrab bon äJ^egen«
I berg.
c. 1360. NilusTliessalomcus.
I
t
Sa^tf*einttd^ ^aovX be fxt^MC^).
1364—1380.
1364—1380. maovX bc '9xt»M.
Sractat gegen Oäatn^ De
eleetione Caroii IV.
De primatu papae Bomani;
Equidem exiatimo,
Quaestio in atramqne par-
tem disputata de pote-
state regia et pontificali
ober Tractatus de pote-
state pontificali et im-
periali seu regia, Äarl V.
öon J^ranftci^ gciütbmct.
ituaestio est,
granjöfi^e Ucbetfc^ung bc«
obigen.
»/
n
c. 1376 cbcr,Sa^rf(]^einp^«P^iti|)|)
1377. bc aWa^ierc.
Äu^jüge a. a. O. @. 29—31.
©. oben, ®. 293.
9lu9g. : Groldast, Monarchia,
I, 30
%u^. : Goldast, Monarchie
II, 95. @. oben, @. 139.
Su9g. : Goldast, Monarciiiä,
I 39.
//
ff
La question est tele.
granjö^f^e Ucberfefeung berj^rmabnt bom Ueberfc^r.
Quaestio de potestatel Goida6t,MonarchiaI,56.
papae: ' @. oben, @. 142.
Rex pacifiais. I
Somnium viridarii ober ^uSg. : Parisios^ opera Jac.
Aureus libellus etc. Pouchin, sumpübus Qor
Audite somnium menm. lioti du Pre. 8. a.; ^te*
: nacJ^: Goldast, Monarchia^
I, 58. @. oben, @. 275.
^U^g. : Lyon, p. Jac. Mail-
let, 1491; Paris par Ift
petit Laurent pour Je-
nan Petit libraire, (c«
1500); Paris, 1503; Tra»^
tez des droits de l'dgliH|
Gallicane.nSi.n, lfi^;j
Songe du vergier.
Ucbcrfe^nng bc« toortgen.
n. aScilagc.
Kail^rii^t ttber eine ^anUfd^rifUtd^e ft^tottik itt ober< mi
me)er]leittfd^en ^tomnf )e0 Mmxütmtitnfi^.
3m crjien Zf)dk bicfcr Schrift l^abc id^ micbcrl^olt afö OucIIe für
meine abgaben bie l^anbfd^riftßd^e ©l^tont! etneS SKuiotiten ®Io§6ctger
genannt. 3d^ Derbanfe eö ber ®üte beö P. $ettn§ ^öftl, bofe meine im
granjiffanerffojier St. Unna ju SKünd^en erl^oBene SRa(|frage nad^ atd^i=
Daßf^em SÄaterial für ©cfena unb Ddfam butd^ biefe ©ftoni! fcelol^nt
tourbe, meldte troft tl^tcS compilatorifc^n El^talterS jur äütfl^ettung ber
SSiogropl^ien biefer 9Känner einiges beitragen tonnte. ®S ifi boSfelbe 25erf,
ipe^eS 2Babbing in feinen Annales Minorum alS Chronicon Saxoniae,
b. 1^. ber fäd^fifäien ober nteberbentfrfien Drbenöj)roüinj, benüfet unb citirt
f)at ^). Der ©efd^id^tfd^reiber ber SKinoriten l^at jebo^ »enigjienS für bie
$er in SSetrac^t tommenben Partien, feine Ouette burd^auS ni^t erf(|ö})fenb
ou^ebeutet. 9?ad^ il^m iji, fo üiel id^ fel^c, Don ber ^anbfd^rift, »enigjienö
Iiterartf(^, nid^t mel^r 9totij genommen »orben, biö Soigt, ate er bie
©enfwürbigletten be§ äRinoriten 3lorbanu§ öon (Biono tjeröffentUd^te *), bie
(gjdjienj unferer ß^roni! auS SBabbingS ännalen folgerte unb bie, »ie fld^
nun l^erauSjiettl, begrünbete SSermutl^ung auSf<)rad^, baß btef elbc im SKünd^ener
granjiflanerßoßer ju ftnben fein möd^te.
3d^ burftc mir eine jmar nur flüd^tige, bod^ ben S^edten biefeS 93ud^e§
genügende Senüfeung ber ^anbfd^rift gejlatten unb glaube bie bei biefer
©elegenl^it erlangte ffunbe unb bie gefertigten Sluöjüge, bie fld^ freilid^
auf bie Seit Submig be§ 8aier§ befd^ränfen, l^ier mitt^eilen ju follen.
S)ie ^a^Jterl^anbfd^rift beginnt auf fol. A unb 1—5 mit SRad^rid^ten
über bie ©rünbungen t)on SRinoritenttöjiem in Dberbeutf d^lanb , bie bis
jum Saläre 1486 reid^en unb um biefe 3cit gefd^rieben finb.
9tad^ ben leeren Slättem 6—9 folgt auf fol. 10 afö ffiinleitung jur
Kl^ronÜ: Epistola venerandi patris, fratris Bartholomei Wyerr ad
tDibertegli(^. (^tragburg toax tool^l aeittvetltg $an:|>tfl4 ber oberbeutf^en Orben9«
Jt)rOt>m2, bal^ Ckron. Argent.
") 3m V. «ante ber SCblJblgen. ber l^ifl. Ätaffe ber l M- 3ltab. b. ffiiff.
abteilet, SBibetfad^eT bet $&|)fte. 20
'™^
— 306 —
firatrem Nicolaum Olassberger adhortantis eundem ad aequentis
opusculi compilacionem. 9tad^ einer Semerfung Don nwbenter $ianb ju
Anfang beiS Sobe; tfi 93ruber Nicolaus Glassberger de Moravia 1472
ju ämbcrg in ben Drben getreten unb l^ot 1508 bie folgenbe (SfycovXl
tjerfafet*). S)tefelbe reid^t, üon einet, »ol^l ®Ia§berger8 ^anb beutlid^^
bod^ mit Dielen fiür jungen gefd^rieben, auf fol. 10 — 282 üom Stowte
1206—1508. SSiS fol. 290 folgen Sßod^träflc t)on anberer ^anb big 1517,
enblid^ bis fol. 297 iRod^träge Don oerfd^iebenen $&nben bis jum
Saläre 1580.
Fol. 10. In nomine domini Jesu incipit breuis annotacio ex
diuersis cronicis et scriptis exarata de omnibus generalibus ministris
in ördine minoritarum^ quorum primus fuit beatissimus pater Fran-
cisous, ipsius ordinis institutor et rector^ ac eciam de omnibus mi-
nistris prouincialibus prouinciamm superioris Alamanie ac Saxonie
et nonnallis Bohemie cum multis notabilibus a tempore beati Fran-
cisci et citra iuxta decursum annonim gestis tractans.
35er Sn^alt entf<}rid^t jiemßd^ genau biefem SEitel; bie ßl^ronit bc=
rid^tet ^au^>tfäd^lid^ Don ber oberbeutfd^en unb nieberbcutfd^en OrbenSproDiiQ,
berlldtft(^tigt aber auc^ bie allgemeinen DrbenSongelegenl^eiten unb jumetten
felbfl bie ^rofangefd^id^te. ÄÖ QueKc für bie festere mirb u. a. mc^rfad^
änbreaS Don JRegcnSburg genannt üDaS aCBerf gibt fid^ felbjl nur afö
©ontpilation, feine angaben flnb natiirlid^ nirgenb ol^ne Äriti! auf junel^mcn,
fein aBcrtl^ liegt in ber öenüfeung Don Äufteid^nungen, bie unS nid^t mel^
jugänglid^ phb, unb inSbefonbcre in ber SDiitl^eilung mand^er nod^ ntd^t
befannter Äctenffüdfe.
«uSäüge Don fol. 67—91 (1323—1347).
Fol. 67. 1323 bebauerßd^e Sluflcl^nung beSDrbenS gegen ben ^fl.
Fol. 68. 1323 tourbe ba§ ^roDiniialca}}iteI ju Strasburg nidftt
gcl^alten »egen ber im SDrben ^errfd^enben Unrul^en. 1324 mürbe auf
bcm Sa^jitel ju (grfurt ©ruber Johannes de Appinberg gum SKintjler Don
©ad^fen gemä^It; berfelbe regierte Dier ^al^re unb ^ielt Eapitd in Liptz,
Bremis et Saluelt unb 1328 in Dresen unb bort mürbe fein Siad^folger
gcmäl^lt. 1324 ©a^jitel in Ulm. 1325 ©eneralcapitel ju S^on unb ^roDinjiat
ca))itel JU ©onjlanj. auf festerem mürbe ©ruber §einrid^ de Teylheim,
SWagifier ber il^eologic, ber f^jäter Äanjlcr Äaifcr 8ubmig§ mürbe, Dom
?lmtc beö 3Kiniperium§ abgcfe(§t unb an feiner ©teile ©ruber ©onrab Don
JRottmiler (sie!) jumäRinifter erl^oben. 1327 ^roDinjialcopitel in greiburg.
Fol. 70. Submig ber ©aier unb 5ßeter Don ©orDara finb jid^ gegctt=
feitig Ürl^eber l^rer falfd^cn SBürben gemorben. Stad^bem SWid^ael Don
©efena Don i^rer mcd^felfeitigen Krönung gehört, bat er Sübmig i^m eine
©aiccrc JU fd^idfen. -SDann ^)roteftirte er in ©egenmart beg ÜRagiflerö
SJill^cfm Ddtam Don ©nglanb, be§ 3Kagijier§ Franciscus Bubei de
Pignano, be§ 5D?agifler§ ©onagratta Don ©ergamo, utriusque juris
^) ©Icfür tölrb terlöiejen auf: Bibliotheca universa Frandscana fr.
Joann. a St. Antonio. Madrid 1732, T. U, p. 386 unb Annal. Wadding.
Supplement, a Melissano ad ann. 1484, p. 472, IV.
— .307 -
^eriti, rmb toielcr atibem, unb entfernte fld^ näd^tUd^ettocUe i^erftol^Icn pon
Stüignon.
Fol. 71. Subtotg gtünbet in golge ctneS ®elüBbe§ ba§ÄIo{ler ©tal;
berfette gtünbet mit feinem SBrnber Siubolf ba§ Älojier ber SlugujHnet; in
SRünd^en unb baS bloßer Windespaoh ))om JDxben beS l^t SBi%lm beim
©d^Ioffe Purstenberg ^). Dann baS ®eaet 3ol^ann§ gegen ©efena, datum
Avin. 8. id. Junii pontif. anno 12 2).
Fol. 72. 1327 fiorb in SKünd^en frater Marquardus de Weys-
maler^). 1328 (Seneralcapitel p Bologna, ©efena »utbe abgefegt unb
Srubet ©ertranb, ©atbinal, atö SSicat be§ Drben^ bejieHt. ©erfelbe
fefete jUT SBal^I eines neuen ©eneraö auf näd^fteS 3a]^ ein ^xtd in
^ari§ an. SBtuber SDtid^el erlieg bagegen Sriefe, »eld^e Bei ©träfe
•ber (Sjccommunication verboten biefeö ©apttel }u befud^en, rid^tete aber
mä)t2 au§.
Fol. 73. 1328 Sapitel in Dresin in ber ^roüinj ©ad^fen; bort
ujurbe ©ruber SBeml^er jum jweitenmale jiim SKinijier gemäblt;. ber in
biefent älmte 25 3<^re Derblieb. Quo tempore cepit ordo declinare ab
observantia regulari. SBeml^er l^ielt folgenbe ©apitel: 1329 Preslaue,
1330 Budissin, 1331 Stendill, 1322 Hallis, 1333 Lubecke, 1334 in
Sweydnitz, 1335 Czeytz, bann jtoei Qfal^re feineä, 1338 in Lüneburg,
1339 in Berlin, 1340 in Derssden (sie!), 1341 Aurei montis, 1342
Budissin, 1343 Rostack, 1344 8weydnitz, 1345 in Wida, 1346
Bremis, 1347 Kyritz, 1348 Madeburg, 1349 Brunschwick, 1350
Exphordie, 1351 Dressden, 1352 Budissen, 1353 in Wida. — 1328
apcHirten Kefena, Diam unb S3onagratia feierfid^ in. ^ifa. Kefena fam
bann mit Subiüig nad^ SÖdind^en unb- blieb bort mit feinen ©efä^rten bis
ju feinem Sobe. Siele gürpen unb Könige üerwanbten fid^ für il^n. —
SKS auSgejeid^nete SÄagifter blühten bamatö im Drbcn : Petrus Aureoli,
Franc. Maironis, Franc, de Marchia, Nicolaus de Lira. — 1329 gu
^fingfien im 3uni ®eneralca<}itel ju $ariS. Sruber Gerardus Odonis
auS^ber ^romnj Stquitanien würbe ^um ©eneral gcmä^lt, ©efena neucr=
bing§ atö abgcfe^jt unb afö Äe^er erHärt. (£r unb feine ©enojfen aber
Dcrfafeten einige Siractate über bie älrmut^ ©^rifli, unter benen einer be=
ginnt: Ad intelligentiam constitutionis. 3)arüber entrüfiet erlief ^a^)ji
Sol^ann bie umfänglirf)c ÜDecretale: Vir reprobus.
Fol. 74. 1329 foHtc ein Kapitel in SBiffenburg gcl^alten »erben, e§
fam aber nid^t baju. 1330 ^rot^injialcapitel in SBiffenburg unb l^ier
ttjurbe, ba ffonrab öon 9totioe^ler gefiorben tioax, jum äWinificr öon Dber=
beutfd^Ianb Srubcr Rudolf de Erschem, genannt Stoltzlin, getüäl^lt. 1331
(Sa<)itel in Herbipoli, 1332 Campo regis, 1333 Basilee, 1334 Oppen-
heym, 1335 Argentine, 1336 Scliaflfliusen, 1337 Berno et ibi fuit
.absolntus *). ^n biefer 3rit-^) »urbe eine bem Äaifer gemibmcte ©d^rift
*) @ 5lbrea§ öon SlcgenSburg bei Eccard, Corp. bist. med. aev. I, 2101.
•) «ei 3«artenc (Thes. II, 782) ifl baSfctbe toom 20. ^pxxl 1329 batirt.
^) ^iernad^ Wadding, Annales, VII, 71.
*) BobI SRubotf ©tolfelin öom Söiinijieriiun.
«) Sßo^l c. 1330.
20*
— 308 —
t)erf a§t, tuegen ber man SOthtortten im ^bad^t l^tte unb meldte begimit:
In dominnm Jesum Christam et eins sanctisBimam matrem^ quo
einsdem voti et Btatus etc.
Fol. 75. SSrubct Ubertino de Casali mar fd^on jur ßAt ©IcmcnÖ' V.
jtt bcn Cart^äufcm üBergcgongcn. 1330 f)at er auf S3^^l bc§ ^dpflc§
eine Stfiärung fiber bie Srmutl^ Sl^rifti abgegeben. 92ac^bem bief elbe im
©onjijiorittm Dorgelefcn »otbcn, riefen beibe "Parteien: Non re§istimus
ist! zedule, unb fo mutbe fie angenommen. 3)a^ n^ar 1330 am 27.
September*) unb barauf tourben alle gegcntl^eifigen Srffärungen fftr
fe^erifd^ erHärt. 9?a<^bem bieg ber ^ji gehört, föl^nte er fid^ mit bcm
Orben unb allen Prälaten be3 £)rben§ toieber au§, nur n\ä)t mit SDKd^ael
t)on ©cfena unb beffen änl^Sngern. 9?ad^ ber ©l^ronif beS fianonUerS ©ruber
äfnbrcaö üon @t. SWagnuS ju IRegenSburg nxtrcn bie ^rebiger bie Url^ber
beg Streites über bie Ärmutl^ Sl^rifH. S)ie Seranlaffung biefeS ®treite§
jtmfd^en SDKnoriten unb ^rebigem aber »ar folgenbe : Quidam vir Johannes
Belna u. f. m. ^).
. Fol. 76. Ubertino l^t fld^ fpäter in SWontpeDier aufgel^altcn unb bi§
auf bie 3riten UrbanS YI. gdebt 0- — Unterwerfung beö $etru3 ton
Eort}ara , toie ^lattna in feiner (S^roni! ber ^äpfie erjäl^It. ©iejcnigen
l^aben Unred^t, »cld^e glauben, ba§ berfelbe gefangen unb nad^ äöi^on
gefül^rt »orben ijl, erl^at fld^ freimiHig unterioorfen. — 1331 überretd^te,
tt)ie älöantS ^elagiuS in ber Summa de planctu ecclesie im 67. Ärtifel
berid^tet, ber (General ®erarbu§ eine SuppKcatton, geflegelt tjon 14
aWiniftem, barunter bem ©en^ral, »orin gebeten »urbe, ber ?5apjl möge
feine (SrÄärung über bie DrbcnSregel jurüdfnel^mcn, ba pc bem SBillcn
be§ 1^1. fJranjiffuS toibcrfpred^e. 3)er ^apfi aber ging nid^t barauf ein.
Fol. 77. 1331 (Seneralcapitel ju ^erpignan, »o ber ©eneral ®erarbu§
neue (Seneralftatuten öcröffentlid^te. — 1331 Sapitel ju SBürjburg. —
Die Äefeerei be§ ^apjleS Sol&ann in ber gragc ber a^nfd^auung ®otte§
burd^ bie ©eelen ber äbgefd^iebenen. — Sin ba§ ®eneralca:pitel ju ^ctpjgnan
fd^idtte ©efena au§ SWünd^en einen Srief, toorin er fid^ über ba§ il^m
miberfal^rene Unred^t bcfd^merte unb afö red^tmägigen ©eneral erflärte.
©crarbuS antwortete barauf, er fei ja fd^on lange abgefegt unb afö Äefeer
erflärt. ^m fotgenbcn Saläre (1332) fd^rieb Eefena an ben ©eneral mieber
einen S3rief, ber beginnt: Teste Salomone.
. Fol. 78 — 79. Sanger 3lu§jug au6 biefem SSriefe, worin ©efena ben
neuen ®eneral mit SJorwürfen überl^äuft. Unter anberm: Imponis men-
daciter magistro Francisco de Esculo^ quod in yeniendo Monacum
de Cunis (sie!) magnam sumam florenorum super se ipsum porta-
uerit^ quos dicis sibi in via accepisse latrones. Hoc enim falsum
est omnino, cum nullum florenum ymo (?) nee aliquem denarium
super se portauerit. Kumquid tu socius aut princeps fuisti illorum
*) Ueber btc Unglaubtoütbtgfcit btcfer ©aten f. oben, @. 74.
^) @. Chron. gen. Andreae Ratisbon, Bei Eccard, Cprp. bist. med.
aev. I, 2104, WO j[ebO($ ber iRame be9 vir magnus ordinis praedicatoram^
inquisitor haereticorum (Soljannc« S3etna) ntd!^ genannt ijl.
— 309 —
latronum aut ipse magister FranciscuB uel eins sooioB talia dizeront,
vnde hoc non a patre mendacii fingis ? An forsitan credis Uli homini
scelerato et totaliter criminoso Hagaoionii qui fagit a me propter
scelera sua eoque ipaum propter fedissima scelera sua yolebam car-
ceri manöipare^ sicut hie non solom fratriboB sed eciam secnlaribus
sunt sua erimina noioria manifeste, fjfemet: ülterius dicis menda*
citer, quod ego commnnicaui magistro Johanni de Jandono, cam
ille manifeste mortuus fait in Tuderto, antequam Pisas venirem.
Ego autem in Tuderto pedem non posui nee etiam ponere cogitaui.
— Data Monaci; ducatus Bauarie anno dorn. 'I'd32 de mense
Decembris.
Fol. 79. 1333 ^rot)tnjtaIcai)ttcI in »afd unb crflcS ?ßront)iTiitaI=
capitel ber $tok)ini S3ö^men in Flzna nona.
Fol. 80. 1334 »urbc in Salamistro, einer ©tabt ber ©atojenen,
S3tuber SBil^elm ton Cnglonb gctöbtct — ^opfl ^ofyxm toiberruft t)or
bem 2j)be feine Äefeerei über bie Sfafd^uung ©otteS. — 1334 ®eneral=
copttel in «fftfl.
Fol. 81. Die ©efd^td^te t)om ÜRagtfier Ulrtd^ ^angenor nod^ änbreaö
tjott JRegeni^burg ^).
Fol. 84. 1338 ci()i)enirte ber Äaifer ju Sranffurt unb ba wele
bamtt ntd^t eint^erftanben maren (appellationi derogabant), fd^rieb Ddam
einen Zxactat, betitelt: Opus nonaginta dierum, in n^el^em er mäfin-
»eifen fud^t, bag bie njeltfid^e (Sewolt ebenfo toit bie geijißd^e unmittelbar
t)on ©Ott fei, bafe baS ffiaifertl^um nid^t t?om ^jl l^errül^re unb ba§ ber
jum Äaifer ©emäl^lte burc^ bie bIo|c SBal^l fd^on »al^rer ffönig unb
toifer fei*). SBie bie SWinoriten l^ierin ben fiaifer befd^ü^ten, fo griffen
il^n bie ^rebtger an. 2)ie ^rebiger l^en in SanbS^ut unb SRegenS«
bürg bamatö juerfl baS unterbiet . . . (SJerbum fe^) »). — !Die laifer=
lid^e (grOärung Don granffurt, 6. Hugufi 1338 »irb mitget^eilt —
fol. 87.
Fol. 88. 8ltö 9äeberbatern nad^ bem Stöbe $er}og ^einrid^ an
Subtoig fiel, trafen bie ^rebiger in SanbdJ^ut, meld^ biisfer nur bei
Detfd^loffenen Sll^üren @otteSbienft geleiten litten, ein Uebereinfommen
mit bem Slmtmann ^onrab Don S)ed( u. f. to. mäj SlnbreaS Don
Segenöburg *).
Fol. 89. 1342. aWid^el Don ©efena fiefite, feine »bfefeung nid^t
bead^tenb unb ftd^ immer woif @eneral nennenb, jmei $rocuratoren auf,
bie im SRamen ber ri5mifd^en ftird^e bie ®üter beS ÖrbenS Dertoalten
foDteU; nämlid^ Jobannem Sohitonem et Grimoldum Treslonem^ cives
^) ChroD. general. Bei Eccard, Corp. bist, medii aevi, I, 2098 unb
8a)?er. (Sl^rontt Ui grei^berg, Sammlung l^t^or. @d^riften, II, 434.
*) SokDOl^l 2)atirung al9 3n]^alt9angabe be9 Opus nonaginta diemm
ftnb l^ier irrig ; f. oben, @. 242 flgb.
') In 86 receperunt n>irb )u ergSn^en fein; fo l^t toenigflent $(nbrea9
Don 9iegen9bttrg (Eccard I, 2103), att9 beffen UniDerfald^romC biefe gan^e
©teile auf fol. 84 entnommen \ft.
*) 1. c.
— 310 -^
Monac^nses ^). X)te Utfttttbe, datum Monaoi anno 1342, 9. kal. Maii,
toewx (Sefena btefeC&en ju ^ocvctatfftm, flimimpatßxtn , £)dEoiiiontett^
©^nbifcri unb Slctotcn im Stmncrt beS ctpojloUfd^cn ®ta^t^ ernennt, mi
mttget^eilt.
Fol. 90. 1342 am ^^orabenb t^on SnbteaS fiarb ÜRtd^el üon
Eefena , ber fld^ bis jum lobe aö ©eneral bettad^iete unb nannte; er
liegt in iDffin^cn begraben. — 1346 auf bem ®cnerafca<>ttel jn SJenebig
»inte JHuboIf de Noerlingen jum 9Rinijier ber ^toDinj Obctbmtfd^lonb
ernannt.
Fol. 91. 1347 jiarben brei bebeutcnbe SWänner: am 10. Hptil
S3?il]^elm üon Ocfam unb 13. kal. Julii ©onagratia üon Sergomo; bicfc
beiben ftnb im (JranjiffanerHofter in äWünd^en begraben; fobann in festo
Bt. Gereonis ffaifer Subiüig, begraben in ber fjrauenfird^e in ÜKün<^ ^-^
» ) 1365 er Weint ^on« (B6)\tt afö SWitalieb be« srogen, (Sreimott 3)rae(ifel
aW aWttglieb be« Innern 9latl^e8 gu üRünd^cn. Monumenta Boica, XXXV, 2, 116.
*) 2)ie6 2)atum »ol^t au« fCnbrca« bon 9legcn0burg (Eecard, I, 2] 07).
\
m. SSeiUge.
£niittit00 mit )er Cttm.
3m WnxcjjL tatcrtfd^cn gel^ctmen ^auöatd^iü ju SRünd^en ftnbcn fid^
unter bet Stubri! : fiatf er 12ub»tg§ S^mmunication folgenbe ©tüdt e :
1. »"r. 254; bte SRümberger ^rotejiatton be§ ffaiferö üom 18* 2)e-
Semfccr 1323, f. ©öl^mer, Nr. 664.
2. Nr. 255; eine ^ergamentcopte saec. 15. ber ©ad^fenl^aufer
appettationSfd^rtft ol^ne 3)atuni unb 3^9en; 33ö^nter, Nr. 719.
3. Nr. 256; ba§ Original (bic Siegel f eitlen) be§ ©rebenibriefeS für
bic ©efanbten ämolb ben JKinnenbcd unb iperm UlrMj ben ^ofmaier ju
^ugiSburg, datum in Augusta, 1331, feria secunda ante undecim
miHnm virginum. S3ö^mer, Nr. 1354.
4. Nr. 257; bte in eigentl^ümfid^en großen äöflen gefd^riebenc, 'waf)x=
fd^etnüd^e eigenl^änbige Urfunbe ^erjog ^tnrid^§ »on Satem mit ^jrod^t^
tJoUcm Steiterftegel i}on 1333, st. Elspeten tag, Eotenwvrch. Oefele,
Script. Boic. II, 163; üergl. Söl^mer, nad^ Nr. 1582.
5. Nr. 258; Procnratorium, quod assignavimus domino C. t).
1343, ©cpt 18. ©letd^äcittge ©opie. 3 ^apierbfötter in fol. Summer,
Np. 2354.
6. Nr. 259; bcutfd^c «ottmad^t beg Äaifer^ filraBi%Im üon Sttfid^
unb ^faljgrof 8teJppred^t bei Sll^ein. Unbatirt, Don gWd^jeitiger §anb. 15
S5latt 'ißergament io fol.
7. Nr. 260; beutfd^e SSoHmad^ten ber (Sefanbtcn t)on 1343; baö
etfle ^Procnratorium, 6 S5I. ^erg. in fol. ; ba§ jmcit« "ißrocttratorium an«
gel^cftet, 6 931. ^a<). in fol. SSon gfeid^jeitiger $anb.
SSon btcfcn ©tüdfen jtnb 1—5 gebrudtt, üon 6 unb 7 flnb bi§^r
nur bte lateinifd^en Priginalte^te, crjicrer bei SRai^nalb, 1336, § 31—38
unb 18-28, Icfetcrcr bei ®e»olb, 181—208, teröffentlid^t. es »örbe
fid^ faum »crlol^nen l^icr bte beutf d^en SSerfionen biefer bei ben ©tüdfe
«thjutl^cifen. Da inSbefonbere baS jmeite f}^^ umfänglid^ ijl unb gegenüber
)m erfleren üiele SBleber^oIungen entpt. a)a§ erftc biefer 9lctenjiüdfc
lÄod^ glaube id^ l^ter mittl^eilen ju fotten, ba e§ atö gleid^jeitigc Ueber^
fefeung iebcnfattS ofpdöfen Urfi)rung§ ^ntereffe bietet unb jur »ejiätigung,
to mond^en ?ßunften mi^ jum rtd^tigen SSerjiänbniffe beS t?on SRa^nalb
i
— 312 —
DerSffetttltd^ten Ztictt» btent 2)te metft to'dxtXvfy, l^te unb ba getüT)te imb
äBieberl^oIungen Detmetbenbe Ueberfe^ung, Vk \äi cä& A bejetd^ne, f a^ bie
beiben ^tocuratprien t^om 28. Oftober mi Dont 5. SRäY} 1336 3u[amtnm.
SaScttcr folgen aber in btefcm ^gomentl^ Nr, 259 auf bte fd^n
belannten Wcütd Don 1336 unbattrte Stufsetd^nungen )7on ^ol^em Sntereffe
(B, C, D, B), »eld^e xi) fjm jum e]rfienniale tjctöffentlid^e.
3n Sejug auf Nr. 260, bie ^rocutatoTten üon 1343, befd^ränle
Ü) mä) barauf, einige Vbtt^etd^ungen it^ beutfd^en ton bem Uttetntfd^en
Se^e bei ©etoolb f ef^sufieKen , toeld^e le^terem gegenüber jugleid^ 9e=
tld^igungen flnb. 3n ber Äufjäl^Iung ber ungeborfomen SÄinoriten bei
@eiooIb, 1 84, f)at nur Fr. Bonagratia ben 93eifa|quondam (bet beutfd^e
S:e5t: etioenn); im beutfd^en STqrte aber l^eigt eS aud^ bei ©cfena, bem
erflen ber genannten: ©ruber äWid&ael, ber etioenn toa^ ton ©efena.
©otool^I. Sefena afö 93onagratia maren alfo bamafö fd^on geflorben; für
©efena »irb bie§ aud^ burd^ anbere OueHen bepätigt (f. oben, @. 124)
unb bamit fielet im (Sinffang, ba^ im 21. %xüld unter benen, bie ber
Äaifer au^jmoeifen ücrfi>rid^t, nur mel^r SBiü^Im ton Ddtam unb ^eotrid^
ton Sl^aÜ^eim namentßd^ aufgcfül^rt »erben. 3m 6. älrtilel l^ei^t eä fobonn
im beutfd^en STe^: der notari^ der das selb tet, der gnant was
Vlricus Gwildonis, toä^renb ©eioolb, 186, irrig Groildonis Kef.
Am ©d^Iuffe beö jioeiten ^rocuratorium§ fielet ton gleid^jeitiger §anb:
Got geb, das es wol gang.
A. »oKmad^t Äaifer SubttigS für ben ÜKorlgrafen SBil^elm ton Sößd^
unb ben ^faljgrafen 9lui)pred^t bei SRI^ein, feine ©efanbten an $a}}|l
Senebtft XII. (1336, Oft. 28.)
Sergt ten lateinifd^en £e;t bei Rajnald, Annales ecclesiastici, 1336, §31—38
unb 18-28.
. . em^) aller durchluechtigisten in Christo, vnserm vater ynd
herren, hem Benedicto XII., von gotz versehung der heiligen ynd
gemainen roemischen kirchen oeberistem bischof, Ludowig Yon gotes
genaden Eoemischer knenig, ze allen Zeiten merer des riches, sein
dymuetiger sun^ enbuit sich mit der enpfelhung des Eoemischen riches
zu der kuessung seiner heiligen fnezze. Wir lazzen iwr heilikeit
wizzen, di yns groezlich ze eren ist, daz wir di dnrchluechtigen
manne, hem Wilhelm margrafen ze Guelich, ynsem lieben fuersten
ynd swager, ynd hem Eubrecht pfallentzgrafen bei Bein ynd her-
zogen ze Beyern^ ynsem lieben fuersten ynd yettem, di ynser lieb
ynd getrew heimlicher sint, yon der besichticheit ynd trew, di wir
an in wizzen, gemacht , bestaett ynd gesetzt haben ynd machen,
bestaetten ynd orden si euch mit disem gagenwertigen brief, als
wir yon recht aller best kunnen ynd muegen, zu ynsem gewizzen
procuraturen ynd» yersprechem ynd besundern boten oder wie si
*) gür bie Snitiale ifl ^ama getaffcn.
— 313 -
anders bas genennet vnd gehaizzen muegen n^erden, die vnser haizz
vnd gebot willichlich genomen habent an der stat, da notarii vnd
zuige, di her nach geschriben stand , bei gewesen sint^ vnd geben
vnd verleihen in baiden ynuerscbaidenlichen vnd ir ieglichem be-
snnder mit disem brief vollen vnd fireyen gewalt vnd ouch be-
snnder haizze vnd macht an Tnserer stat ynd in vnserm namen
alsOy ob ainer an den andern icht an hnebe in der vorgeschriben
Sache, der sol da von nicht alein gewalt haben, vnd swann der
ander dar zno kumt, so muegen si baide oder ir aintwederer di
Suche enden ynd handeln vor iwrer heilikeit oder vor der heiligen
sammenung . . . ^) der cardinal ynd wo es iwrer heilicheit allerbest
faeget. Ze dem ersten daz si an ynsrer stat ynd in ynserm namen
ynd fuer yns yeriehen vnd erkennen suUen, daz wir vnser helf vnd
gunst dar zu geben haben, daz Petrus de Corbario antipabst wurd
ynd babstlich werck tet vnd daz wir daz nicht hinderten ynd daz
her Jobans babst des stuols ze Eom beraubt wurd vnd daz er
gekuendet wurd, daz er priuiert waer.
Item daz wir gunst gaben vnd verhängten, daz der vorgenant
V antipabst consecriert vnd geweihet wurd vnd daz er weicht vnd
execracion taet vnd aller ^) geistlichen kirchen guot ein neme vnd
die ordent naöh seinem willen vnd daz sein diener^ amptlüet vnd
sein nachuolger ir ampt veben vnd treyben solten vnd daz von
den selben sachen vil taylung vnd niwerung in der kristenheit vf
erstiuiden ist; vnd geben in ouch gewalt vns veber di selben sache
ze entschuldigen, ze dem ersten daz wir nie geloubten noch ge-
louben, daz der selb Feter ein rechter babst waer vnd ein anti-
pabst waer vnd daz wir verhängten und baten^ daz man in fuer
einen babst biet (sie!) vnd erte, vnd teten daz dar vmb, wan der
babst Johans schuof, als man sagt, daz man einen andern ze kaiser
erwelte^ vnd daz er mit seinen processen vnd sentencen vns vlais
(sie!) entsetzen vnd daz vns ouch ettlich luet an di vorgeschriben
Sache weisten, di der selben mizzehelung gyrick waeren vnd die
sprachen, daz ein kaiser vnd daz volch ze Eom da? wol getuon
moecht vnd daz weiten si beweisen mit alten briefen vnd auctori-
teten, Si suUen ouch fuerlegen vns entschuldigen, do der vorgenant
Peter ze antipabst ward gemachet vnd erweit, daz wir dar an
nicht enwisten der ecclesy determinacion, daz es ketzerlich waer ze
gelauben, daz der kaiser einen babst entsetzet vnd einen andern
macht. Si suUen ouch fuer legen vmb di vorgenant weychung, daz
vns layd sei, daz die beächehen sint, vnd daz vns liep ist^ daz die
dar vmb gepeyniget werden^ die di selben weichung taten, si wellen
dann mit vns komen zu des stuols genaden, vnd dan noch wellen
wir, daz si gebezzert werden nach iwem genaden vnd iwrer heilicheit
wol geuellet (sie!). Si sullen ouch fuerlegen, daz wir nie geloubten
*) fünfte im Ottginat
«) mt utttergcfcfetcn «ßunftcn.
— 314 —
noch gelouben, iaz wir wol taeten ah Agx yorgeschriben sache vnd
daz wir yebel vnd ynrecht dar an teten, vnd daz wir der sache
dar terhangten^ daz wir yebel wider yebel teten ynd aU yns babst
Jobans entsatzt, daz er also wurd entsetzet, daz also ein ander
babst gesetzet wurd^ als er einen roemiscben knenig wolt entsetzen
ynd swann di seinen ynrecbt teten ^ daz si dann ynred (sie!) hin
wider borten; ynd gelauben oucb> daz wir an den yorgesobriben
saoben yebel haben getan ynd nicht wol ynd daz wir nicht gelaubten,
daz babst Johans entsetzet wer noch daz der ander nicht recht ze
babst gesetzet waer^. aber wir yeriehen ynd. mit werten taten wir
also ynd sprachen^ als man wider yns tet ynd precediert mit dem
ynreohten, als weis luet sprechent ynd euch da sprachen. Si snllen
euch sprechen, daz wir nie gelaübten noch gelauben^ daz weder
kaiser noch kuenig noch daz pouel ze Born an gehoer einen babst
entzsetzen ynd einen andern machen ynd da yon wideraprecheja
wir di selben tat. Si suUen onch sprechen, daz yns di biirger ze
Eom mit manigerley weg ynd weis dar zu brachten, daz wir ynsem
willen dar zu gaben ynd im willen yolhangten, wan wir irer gnnst
da bedürften, ynd daz wir-ynser zeit mit in mochten yertreiben,
wan wir ynder ynsem yeinden warn, wie daz war, daz wir gelaubt^a
vnd gelauben, daz wir, dar an ynrecht teten. Si *) suUen euch
sprechen, daz wir di selben noch dhein suemlich sache gen babst
Johans noch dem stuol yngem getan bieten, dann daz wir waren
von allem gedingen komen, daz wir nicht yerrichte (sie l) moechten
werden mit babst Johans, als yns daucht. Wir geben in euch gewalt
an ynsrer stat ze yeriehen, daz wir her öaleaten ynd Ticeconten
yon Maylan ynd sein gebrueder, di yervrteilt waren ze ketzern des
selben mals, als man spricht, in ynsrer gunst ynd genaden beten,
ynd des suUen si ynd entschuldigen an ynsrer stat, ze dem ersten,
daz wir irn yngelouben nie gewisten ynd euch noch nicht enwizzen,
wan wir in oder ieman anders zu beten gelegt oder gunst geben
in dheiner wise an dheinem yngelouben, den si bieten wider den
kristen gelouben, wan wir yngem ynser gunst oder genad dar zu
gaeben ; wir handelten si aber wol als ynser ynd des riches getrew
ynd dulten si in der herschaft ze Maylan ze einer frist ynd hülfen
in mit ynsern lueten ynd guoten, daz wir bei der herschaft der
stat ze Maylan ynd euch bei allem Lompparten dester ruewioh-
lieber beliben moechten. Aber ze yeriehen an ynsrer stat ynd in
ynserm namen, daz wir bei yns haben gehabt di minneren bruoder,
fratrem Michahelem, sein nachuolger ynd sein gesellen, di sich
gesetzet beten wider den stuol, ynd daz wir ynser gunst gaben zu
im appellacion, di si gemacht beten gen babst Johans, ynd ouch
daz man yns schuldet, daz wir zu gelegt haben irn oppinionen ynd
predigen» di si geret ynd gemachet habent wider den gelauben ynd
der ecclesy determinacion, ynd yns dar yeber ze entschuldigen. Ze
') 9la^ndb § 32.
— 315 —
dem ersten daz wir es namen ofPenlichen ynd mit namen, ob iehtz
in im appellacionen gesetzet waer, daz wider des stuols Satzung^
waer, daz wir da dheinen ynsern willen zu gaeben dann zu den,
die da selben gesetzet waren, do mit wir gesohirmet moechten
werden vnd behalten di keyserlicben recht vnd daz wir mit namen
hintz in sprachen , daz wir ir oppinionen von gotz armmuot oder
von andern Sachen, als verr si wider kristen gelouben waem, vns
nicht wolten ynderwinden, wan wir all zeit geloubt haben vnd
gelouben wellen ymb di artickel des geloubens ynd der ecclesy
stataty baidiu ymb Kristus armuot ynd ymb ander sache, daz ge-
loubt hat ynd geloubt babst Johans ynd daz heilig eollegii der^
Cardinal ynd di heilig kirch ze Eom; ynd daz wir als ein ritter,
der ynwizzent ist der buochstaben ynd der geschrift subtilitet ynd
dar ymb daz man sprach, daz di selben parfuezz geistlich bruoder
ynd di besten maister waeren der heiligen geschrift, gaben wir
ynsem willen zu irer appeltacion ynd legten si euch fuer ynd
namen si ze einem schirm ynsem ynd des riches rechten, ynd ge-
loubten nicht, daz wir ichtz dar an teten wider den gelouben ynd
daz wir weder da noch nu ze dheiaer irer oppinion oder rede
ynsem wiUen gaben noch geben noch gelouben, dann als yerr si
gestan ynd mit hellen muegen kristenlichem gelouben, ynd daz wir
si euch hielten dar ymb bi yns, daz wir si braechten mit yns in
di genad des stuols ynd hielten ynd liten di bei yns als wider-
wertig vnd feint babst Johans, der ynser feint was, ynd wan vil
gen yns ward fuergelegt wider dem rechten als yns daucht, daz
si also hin wider antwrten, ynd hielten si euch dar umb, daz si
guot maister ynd pf äffen waren ynd yil sprachen ymb ynser vnd
des riches recht ze behalten, den wir geloubten, als yerr si daz
rieh antrafPen^ als ein ritter ynd ain lay ^) vnd hielten si och dar ymb
bei yns, daz wir vns mit in moechten geschirmen gen andern gelerten
lueten an vnsern vnd des riches rechten. Si suUen euch fuer legen,
daz wir der selben parfuozzen predig liumpten ynd schelten, als
verr si warn wider den gelouben ynd der ecclesy determinacion
vnd wider guot eit, nicht zuo legten noch zuo legen vnd abgestan
wellen vnd dhein irer bredig zu gestan dann als verr vns vnd des
richs recht daz an rueret; aber ze veriehen, daz. wir gelouben, daz
di constitucion Cum inter nonnullos war sei ynd kristenlich, vnd
gelouben, daz di artickel, di da sprecbent, daz unser herr Jesus
Christus ynd sein apostoli nichtz haben gehabt weder besunder
nodi in der gemein, vnd euch di da sprecbent daz ynser herr vnd
di zwelf boten an den, daz di heilig geschrift sprichet, daz si
recht haben gehabt ze niezzen vnd ze verbruehen, aber an den
selben heten sie dhein recht ze geben vnd ze verchouffen, ynd
gelouben, daz di recht vnd redlich sein verdampt von der ecclesy
an der selben constitucion, die wir och als ein- guter kristen
*) 3ecu?natb § 33.
— 316 —
Verdampnen Tnd yerbannen. Aber ze Yeriehen an vnsrer stat Tnd
in vnserm namen, daz an der appellacion, di wir gen babst Johana
gemacht haben, geschriben ist, do wir gesworn haben, daz alles daz
war sei, daz dar inn geschriben ist, wie doch dar inn yil ge-
schriben sei, als man sprichet, daz ketzerlicb sei ynd wider der
ecclesy determinacion baidiu von kristus armuot vnd seinen zweif-
boten ynd da euch ril Scheltwort inn stant, ynd dar ymb snllen si
Vns ze beschoenen, ze dem ersten, daz wir kantlichen ausnamen
Vnd sprachen , do di selb . appellacion yor yns getan ward, daz wir
yon der minneren bruoder oppinion yon Kristus armuot ynd was
wider der ecclesy determinacion waere, nichtz weiten ynderwinden
dann niwr alein di ynser ynd' des richs recht treffent ynd daz
wir den ayd nicht taten als in der appellacion geschriben ist;
inan yindet euch, daz Ylrich der Schreiber, der daz selb tet, bozlich
Vnd in räche weis an yns getan hat ynd des yeriach er an seinen
letzten Zeiten ynd di selben appellacion schuoffen ettlich, di gern
ein sunderung ynd ein sogtan mizzhelung zwischen dem stuol ynd
yns machen weiten, di nimmer nieman widerbringen moecht. Si
sullen euch sprechen, daz wir nie nicht geloubten noch gelonben,
daz di war wem, als yerr qI sint wider den gelouben ynd der
ecclesj determinacion, wan wir di artickel, di dar inn geschriben
warn, nicht yerstuonden als ein ritter, dem si ynwizzent sint,
ynd daz yns layd ist, waz ynrecht oder Scheltwort dar an gesetzet
ist. Aber ze yeriehen, daz wir Marsilium yon Badem ynd Johannem
yon Gandunn, di ze ketzern yerurtailt sint, bei yns gehabt - haben,
ynd dar yeber yns ze entschuldigen, daz wir si bei yns heten dar
ymb, daz si guot maister warn vnd als yorgeschriben stat yon den
parfuozzen. Aber ze yeriehen ^), daz wir gelouben ymb die artickel,
di di selben maister gemacht habent ynd gelert, nicht gerecht ynd
redlich sein, wan si yerdampt sint, ynd yerdampnen ynd yerbannen
si als ein guoter kristen; ze dem ersten habent si gesprochen, daz
man schreib yon Kristo in dem ewangelio sancti Mathei, daz er
dem kaiser den zol gaeb, do er hiez nemen ys des fisches munt
einen pfeninc ynd geben hies in den zol, di in ayschtöh, daz * er
daz nicht getan hab yon freyheit seiner guote ynd daz er siein
getwngen wrde. Ze dem andern mal habent si gelert, daz sant
Peter nicht mer gewaltz gehabt hab dann ander z weif boten ynd
daz er nicht ir hauopt waer ynd daz euch Kristus der kristtfnheit
dhein haubt li ezz noch dheinen seinen yicary machet. Ze dem
dritten mal habent si gelert, daz den kaiser an gehoes einen babst
setzen, entsetzen ynd euch peinigen. Ze dem yierden daz all
priester, ies sei babst, ertzbischof, bischof oder ein ainuoltig briester,
sein yon Christo gesetzt geliches gewaltz ynd ob ainer mer gewaltz
hab dann der ander> daz si davon, daz der kaiser ainem mer ver-
leihe dann dem andern, vnd als er etwenn hab yerlihen, also mueg
*) 9lavnatb § 34.
— 317 -
er es ouch widermeffen. Ze dem fnemften habent si gelert ynd
gesprochen, daz all die ecclesy bei ein ander waer, die moechten
dannoch dheinem menschen yeber sein säende gebaezzen wider
seinen willen dann als yil vnd in der kaiser dar veber gewalt gab.
Aber^) suUen si yeriehen an vnsrer stat, daz wir gestatt haben in
manigem lande vnd steten, daz man nicht halten seit daz inter«
dicte ynd daz yil kirchen ynd gaistlicher person da yon beswaert
sinty daz si daz interdicte hielten^ ynd yil dar za bedwngen, daz
si wider daz gebot singen maosten» baidiu gaistlich ynd wörtlich,
ynd dar yeber yns entschuldigen , daz wir daz yerhangten ymb di
yorgeschriben sache^ ynd daz wir daz och anders nicht getuon
mochten yon ynsers grozzen kriegs wegen ynd daz wir ynrecht gen
im taten, als man gen yns tet, als yns dunchet, daz wir daz yolk
gen yns icht erwegten ynd ir muermel da mit yerdruchten, ynd
daz wir onch daz taten, daz wir ynser zeit da mit yertriben ze
tnon yebel gen yebel, wie daz waer, daz wir gelaubten, daz wir
yebel teten. Aber ze yeriehen, daz wir in gesetzt ynd in gestozzen
haben in kirchen ynd ynser gunst dar zu geben, ynd daz wir all
die hiezzen irren, di yon des babstz lehenschaft di kirchen haben
weiten. Aber ze yeriehen, daz wir mit den baennigen gemainsam
haben gehabt ynd mit den selben messe ynd ander gotzwort gebort
haben ynd hiezzen singen, do singen yerslagen was, ynd dar yeber
yns ze entschuldigen, daz wir daz getan haben baidiu yon den
yorgeschriben Sachen ynd oeh daz wir yns destbas geyesten moechten
an ynserm wesen, wie daz waer, daz wir geloubten, daz wir
ynrecht teten. Aber ze veriehen an vnsrer stat, daz wir den kayser-
liehen tytel ynd ynser weyhung, di wir ze Bom enpfangen haben,
ybel ynd ynrecht yon dem, der nicht gewalt hat ; aber ze yeriehen
an ynserer stat, daz wir gelouben, daz den babst alein daz ian^
gehoer ynd nieman anders an gehoer, ynd daz wir den geleich
taten; daz wir recht teten den tytel also ze enpfahen yon dem
grozzen gebresten ynd schaden, der yns an lag an ynserm wesen
ynd ynsrer person, ynd dar ymb geben wir sundem gewalt ynsem
yorgenanten procuratum , daz si den selben keyserlichen tytel, den
wir ze Eom genomen haben ynd den wir noch haben, an ynsrer
stat yf geben ynd lazzen muegen aller sache ynd hin legen. Si
sullen ouch gehaizzen ynd swem yf ynser sei ynd ze beuesten mit
ynserm ayde, daz wir den selben tytel, den wir ze Kom enpfangen
haben, faerbas nicht mer nemen noch yeben sullen, aber ze ge«
heizzen^ daz wir ymb all ynsei^ schulde, di yorgeschriben ist, ynd
ymb all ander sache, die di schulde an ruerent tuon yoU veriehnuezz
mit ynser selbs leib, ynd daz wir dyemuetichlich biten ynd
gern ablas ynd bezzerung dar ymb enpfahen. Aber ze yeriehen an
ynsrer stat, daz wir di yorgenant entschoenung ynd entschuldigung
nicht enuollen getan haben ynd yns nicht dunchet, daz wir yns
^ mt^naXb § 35.
— 318 —
Vo6lliohlich6n entachoenigen muegen, vnd da Yon wellen wir, daz
TUBer procuratores biten genad ynd ablas fuer voser scliald vnd
ouch biten rmb absoluoion an ynarer stat ymb rnser enpfabnng 2u
vnBrer ere "vnd zu ynserm weeen^ da wir vormalB inn gewesen s^in,
vnd och biten an ynsrer stat, daz di interdict ze Tutzschen landen
ab gelazzen werden vnd daz vs dem banne gelazzen werden all
person, die dar in geuallen waren. Aber ^) geben wir gewalt ynsern
Torgenanten procuratom ze swem yf vnser sel^ daz wir gehorsam
sein iwr ynd des stuols gebot yeber alles ynd ieglichs^ daz yor-
geschriben ist, ynd daz wir die yordern oder suemlich sache
nimmermer getuon ynd daz wir onch all ynd ieglich ketzer, di
sich ynder di kriestenheit getaylt habent ynd das yon der ecclesy
beohnnt sint^ aus ieten ynd ys werifen wellen ynd besunderlichen
Marsilium yon Baden, Johc^nn yon Gandunn, bmoder Michahel ynd
ander ir gesellen ynd nachnolger, ob si zu des stuols genaden nicht
keren wellen ynd mit aller kraft ynd macht ys werffen wellen
allen yngelouben oder da mizzehellung oder yngeloub yon komen
moecht. Wir geben in ouch gewalt ze geheizzen an ynsrer. stat
ynd yon ynsern wegen yns ynd alles daz wir haben ze yerbinden,
daz wir ze pezzerung ynd ze einer pen der yorgeschriben sache,
di wir begangen haben , enpfahen kreftlichlichen ein meruart^ nach
dem ynd iwrer heilicheit geueUet^ ynd ouch als lang da beleiben,
als iwer heilicheit ordent. Wir geben in ouch gewalt ze heizzen
fuer yns an ynsrer stat, daz wir ynser selbs person ynd guot dar
legen wellen, daz di meruart volfuert werde, ynd och ynser friunde
dar zu suochen wellen, als di sache dann yordert ynd notduerfdg
wirt. Aber suUen wir gehaizzen yonynsem wegen, da z wir kirchen
ynd gotzhueser stiften mit conuenten, nach dem ynd iwr heilicheit
ordent, ynd daz wir ouch almusen ynd kirchuart tuen, als iwer
heilicheit gebiutet, ynd daz wir ouch enpfahen all penitenz ynd
puozz, di yns iwer heilicheit yf setzet ynd geblutet, ynd geben in
ouch gewalt ze biten, daz ir yns enpfaht ynd setzet in ynsern
yordern Jiumpten, eren ynd wesen, ynd ouch biten, daz yns iwr
heilicheit enpfah ze einem Boemischen kuenig ynd ynser person
dar nach geruoch ze fuerdern zu der keyserlichen krön ynd dar
zu beuesten ynd ze enden all sache, die wir selb getuon mochten,
ob wir engagen waeren*).
Wir^) gehaizzen ouch, daz wir ynser yorgenant procuratory
•nicht widerrueffen muegen weder mit werten- noch mit werchen,
offenlicben noch heimlichen, di weil di sache yor iwrer heilicheit
weret, ynd wir icht dar wider teten, wellen wir, daz daz selb
nicht kraft hab. Wir gehaizzen ouch mit guten triwen ynd setzen
dar ymb all ynser guot den notary, di her nach geschriben stent,
^) SRa^nalb § 36.
^ § 37 bei SRa^natb, ber l^tcr folgen fottte, \\t »eggetaffen; ba« fotgenbc
entfrrid^t bem § 38.
*) B^i^n am $Raiibe.
y
— 319 —
di ouch den gehaizz ynd di •ntzong in genomen faabent an.vnBers
heiligen Täters stat babst Benedicten, des heiligen Btuois ynd der
kirchen ze Rom ynd sunderlichen aller der , di dis sache an ^t
oder an wirt gen, daz wir aU ynd ieglichiw, di in den yor-
genanten sachen geschehent, -mit ynsem procnratorin baiden öder
ir ainem stet haben BuUen ynd nimmer dar wider komen noch
taon> wir selb oder ieman anders yon ynsem wegen, ynd daz wir
ouch di selben yeriebung ynd beschoennng, all ayd ynd alles, daz
yorgeschriben stat, selb tuen ynd yon niwem beuesten ynd appro-
biem mit ynsem ayden ynd briefen ynd mit andern sachen, als
iwrer helicheit (sie!) geneilet Wir wellen euch nicht mit disen
procnratoren ynd procnratory widerrneffen ynd yerwandeln ynser
yorder procuratores oder procuratori oder ir dheins, daz dar inn
yerschriben ist, ynd yor iwrer heilicheit gewesen ist, wan wir
wellen, daz di selben procnratori ynd waz dar an geschriben oder
yon. den selben procnratoribus geschehen ist, stet haben ynd halten,
ynd di selben procuratores ynd procuratori yerainen ynd zuo fuogen
wir zu disen gagenwertigen procnratoren also, was ir ainer, ir
ieglicher oder si all in den yorgeschriben sachen tuend, daz di
staet ynd ynzerbrochen beleiben, als ob wir selb getan ynd ge-
ordent bieten ynd ze einer mereren Sicherheit ynd steticheit swern
wir yf dis gagenwertig ewangely, daz wir all und ieglich sache,
di yorgeschriben sint, di ynser procuratores tuont oder ordent,
stet, gantz ynd ynzerbrochen behalten sullen mit aller macht ynd
kraft ynd nimmermer dar wider tuen noch komen mit dheiüen
flachen, als yerr wir muegen. Vnd dar yber ze yrkuende etc. . . .
Des andern procnratory ^) anuanck ist als daz yorder ze gelicher
weis bis an die artickel.
. ^ er ^) erst artickel ist also , daz wir ynsem procuratorn an
vnsrer stat ynd in ynserm namen yoUen freyen ynd gantzen gewalt
ayd ze tuon, ze bestetten ynd beuesten all di gab ynd confirmation
ynd all ander sache, di bis her getan habent all roemisch kuenig
ynd keiser den bebsten ynd dem heiligen stuol, swi man vindet,
daz si getan sein. Wir geben in ouch gewalt, alles daz wider ze
tuon, widersprechen ynd wider ze rueffen, daz es nicht sei ynd
dhein kraft hab gehebt, waz wir wider babst Johan selig getan
oder gesprochen haben ynd wider der roemischen kirchen deter-
mination ynd och ieglich ander, die yon yns gesprochen ynd getan
sint under dem kaiserlichen tytel, daz di nichtz sein vnd dhein
kraft haben gehabt. Wir geben in ouch gewalt, daz si fuer yns
gehaizzen ynd yns dar zu binden, daz wir all process vnd vrtail,
di keiser Hainrich geben hat oder von seinem gewalt geben sint,
es sein aechte oder wi si gehaizzen sint, gen dem vordem fuersten,
hem Rubert kuenig von Secily vnd gen den groz waltigen mannen,
*) SBom 5. m^n 1336; $RaJ?ttalb § 18—28.
^) Staum für bic Snitiale.
L
— 320 -
herren Philippen^ etwenn faerst ze Durantz^ der ein faerst ze
Achaye was, vnd gen allen den^ di des selben kuenigs ynd der selben
herren man sint, vnd gen allen den^ di vnder in oder in dem selben
riebe sint, ynd in welbem land si sein^ vhd euch di yrtail, di er
geben hat gen der gemayn ynd stat ze Florentz ynd gen andern
steten ynd personen^ di bei keiser Heinrich zeiten dem selben
kuenig zu legten^ daz wir di selben yrtail all wider ruefien ynd
ab lazzen gar ynd . gentzlichen ynd all ir kraft, ymb welioh schulde
si geben sein, ynd si wider setzen zu irn eren, gutem liumpten
ynd daz wir alles daz ab nemen, daz in ein den selben yrtailn ze
schaden komen moecht« Wir geben euch gewalt^ daz si muegen
kuenden ynd fuerlegen an ynsrer stat^ daz all process ynd yrtail
ynd waz wir andrer sache getan haben ze Bom oder anderswo oder
ander luet yon ynsem wegen ynder dem keyserlichen tytel^ daz
daz yeppig ynd nichtznicht sei ynd als wir daz getan haben, daz
si es also widerruefPen ynd widertuon ynd ze nichtiu machen.
Wir geben in och gewalt, daz si widertuon ynd widerrueffen
gab, di wir getan haben oder yon ynserh wegen geschehen sint,
der land ynd guot, di kirchen an gehoemt. Wir geben in euch
gewalt, daz si ynsrer stat durch des stuols ere willen iw ynd
iwem nachkomen den gewalt leihen ynd geben also, daz wir den
nicht widerrueffen moegen, ynd der wem sol zway iar nach dem
ynd er iwrer heilicheit yon yns wirt yerschriben, daz ablazzen
ynd ledig sagen muegt allen steten ynd communen ynd ieglichen
Personen in Ttalia , welhes Wesens si sint, all di yngehorsamm,
fraeuel ynd ynwirde^ di si begangen habent wider kaiser Hainrich,
ander kuenig ynd kaiser oder wider ir mann ynd amptluet yon
faem&ig iaren her^ ynd si da yon ledig sagen ynd machen muegt
ynd wider in ir ere setzen ynd was ir damit tuet, daz wir daz
och staet haben ynd suUen euch ynser brief dar ymb geben , als
dick man die an yns yordert. Wir nemen euch aas, ob in den
selben zwayn iaren di selb sache ynd genad ieman an yns suochet
yon den selben landen, daz wir den euch selb genad getuon muegen,
als ob wir iw den gewalt nie geben bieten. Wir geben euch gewalt
an ynsrer stat ynsem yorgenanten procuratum, daz wir yns weder
Eom noch dhein prouintz, hertzentuoms, grafschaft, stet, bürg, ca-
stelle der grafschaft ze Yenesin ynd andrer recht ynd guot, di der
roemischen kirchen sint, si sein in Ytalia oder anderswo gelegen,
nicht ynderwinden ynd ynderziehen noch innemen noch in dheinen
gewalt dar an tuen ynd sunderlingen an den kuenichrichen Secily,
Sardiny ynd ze »Cortice (Corcice?), die mit yoUem gewalt, rechten ynd
herschaft lehen sint yon der ecclesy ze Eom, noch ander lehen-
schaft, di yon dem stuol gand ynd di ander luet ze lehen haut,
ynd daz wir di guot, di in den selben landen gelegen sint ynd di
den stuol an gehoernt, fuerbas nimmermer nieman yerleihen noch
geben. Wir geben in Qjich gewalt ze geheizzen fuer yns ynd yf
ynser sele ze swern, daz wir di yorgenant kirchen ze Eom iuch
— 321 —
oder iwr iiachkomeD, iwer amptluet, iwer vndertan oder di lehen
von iw habent, nicht beswern noch layd tuon an Eom vnd an den
vorgenanten riehen, herzentum, prouincen, grafscheften , steten,
castellen, buergen an der grafschaft ze Venesin, vnd euch nicht
betrueben der vorgenanten riebe vnd herschaft amptluet, ir vndertan
oder di lehen von in habent, die di selben kuenichrich inn habent,
vnd daz wir dhein herschaft, dheinen gewalt noch dhein potestary
vnd ampt, wi es gehaizzen sei, in denselben landen nicht veben
noch nehmen durch dheinerley sache oder guotz willen vnd ob man
vns die gern vnd willichlichen antwrte, dannoch suUen wir ir
nicht nemen noch anders nieman gestatten ze nemen von vnsern
wegen vnd ze vorderest in den guoten, die in kaiser Heinrich brief
geschriben sint, der sich also an hebt:
. , nserm ^) aller heiligisten in Christo vater vnd herren, hern
Clement, der heiligen kirchen ze Rom vnd gemeinlichen aller
kirchen oeberistem bischof, Hainrich von gotz genaden roemischer
kuenig, alle zeit ein merer, mit willichleicher erwirdicheit dye-
muetig kuezzung der heiligen fuezze. Wir begern von gantzem hertzen
mit grozzer begirde vns ze erbieten zu der heilicheit iwrer fuezze
vnd dem stuol ze Eom mit erwirdicheit vnd dyemueticheit vnd
wellen vns iwern heiligen maynungen vnd geboten alle zeit zuo fuegen
mit allen kreften vnd wellen iwer ere vnd der heiligen kirchen ze
Rom vnd och andrer kirchen recht minnen vnd beschirmen mit
gantzer macht vnd kraft vnd wan ein ieglich mensch dar zu ge-
schaffen ist, daz er gotz vorcht vnd sein gebot halt vnd behuette,
doch ist ze vorderest dar zu gesetzet der kayserlich gewalt, der
von got ist, seinen dienst volfuern vnd seinen gelauben ze braitten
und di erwirdicheit seines namen in all laut vnd kuenichrich, vnd
wan wir wol wizzen, daz nichtz ist, daz vaster schein dem lauttern
liecht, daz rechter gelaub an dem fuersten, gehaizzen wir vnd ver-
binden vns mit gantzer macht dem geweitigen got vnd och iw hern
dementen, oeberisten bischof, iwern nachkomen vnd dem heiligen
stuol vnd der kirchen ze Rom, di ein haubt vnd ein meistrinn ist
aller kirchen, daz wir die heiligen kristenheit, den kristenlichen
gelouben vnd di heiligen kirchen ze Rom mit gantzem hertzen vnd
muot, mit lautterm gelouben vnd mit heiliger maynung behalten,
eren, vnd euch beschirmen mit gantzen kreften vnd mit gantzer
macht vnd daz wir allen vngelouben, der sich in der kristenheit
erhebt vnd all ketzer, all ir gunner, helfer vnd schirmer mit aller
macht vertreiben vnd daz wir vns nimmer mit dheinen sachen
weder mit aynung noch mit heyerat zu den vngeloubigen , si sein
haiden oder di sich sust von der kristenheit getailt habent, di
nicht gemainsam habent in der heiligen kristenheit oder der sich
wider den stuol gesetzt hat, er sei kuenig oder fuerst, nimmer
verainen oder verbinden. Dar zu geheizzen wir vnd verbinden vns
*j 9?ai!m für bie Sttittalc.
Siicälcr, aQBiberfatfjct bcr 5päMte. 21
— 322 —
mit aller kraft vnd begirde, daz wir iwer und iwrer Dachkomen
person, wesen Tod ere behuetten vikl beschirmen gen aller menichlich,
in welhem wesen oder wirdicheit er sei. Wir geheizzen ouch, daz
wir all di priuilegy, di vnser vordem, kuenig vnd kaiser, wi oder
ze welher zeit si geschriben vnd verlihen sint den paebsten vnd
dem heiligen stuol ze Rom vnd andern kirchen vnd prelaten vnd
irn dienern, stet behalten, daz wir nimmer dar wider komeh vnd
nicht verhengen, daz ieman dar wider tuo, als verr es ah vns ist,
an geuerd^ vnd ze einer ewigen bedenc^nuezz, so beuesten^ hasteten,
erkennen vnd niuren wir vnd verleihen von niwem, als wir aller
best vnd vollichlist muegen, mit aller kraft vnd macht, ze einer
Sicherheit vnd warnung des heiligen stuols, fuer vns vnd vnser
nachkomen di selben priuilegia alliu, vnd wellen vnd schaffen, daz
die selb vnser gemain vnd offen bestetnuezz, erkantnuczz vnd von
niwem verleichnuezz da von kraft hab einer ewigen staeticheit, als
ob wir der selben priuilegy all wort vnd ir ieglich besunder war
von wort ze wort disem brief in geschriben waern. Sunderwar
ouch vnd merchlich mit aller kraft vnd macht bestetten wir vnd
haben stet vnd erkennen, niwren vnd verleihen von niwem all di
priuilegia, di von Constantino, Karolo, Hainrico, Ottoni quarto,
Fridrico secundo vnd Rudolfe, roemischen kaisern, kuenigen vnd
fuersten geben oder verlihen sint, war veber vnd ze welher zeit si
ie verlihen sint, wi si gemacht vnd geschriben sein, der heiligen
kirchen ze Rom, den paebsten vnd dem heiligen stuol. Wir ge-
haizzen vnd verbinden vns ouch mit aller macht vnd krafl vnd
mit allem rechten, als es aller best vnd kreftich liehst mag wesen, di
selben priuilegia all. wie si geschriben sint, oder wie si stau ze
behueten, stet haben, beschirmen vnd nimmer da wider tuon vnd
ouch nieman anders gestatten dar wider ze tuon von dheinerley
Sache wegen an geuerde, als verr es an vns ist, von welhem
roemischen kuenig oder keiser si verlihen sint vnd ze vorderest
von den vorgenanten kuenigen vnd kaysern, si sein von in ge-
schriben veber erkantnuezz, niwrung, lehenschaft und ze ver-
zeihnuezz vnd da mit si frey gelazzen habent di land vnd gegend
der heiligen kirchen ze Rom vnd die guot gelegen sint, vnd ze
vol'derst der march ze Anchonie mit allen steten vnd terren, als
si vs gezeichent sint mit irn enden vnd rechten gar vnd gentz-
lichen, die gewaltsame vnd gebiet der stet ze Rauenn, Fentapolis,
ze Romanioli, ze Bertzenorii vnd der stat ze Bonony mit irer
comitat vnd mit allen steten der vorgeschriben gegend vnd terren,
als si gezeichent sint mit irn enden mit allem rechten vnd gewalt,
gar vnd gentzlich, daz herzentum vnd daz tal, daz da heizzet Spo-
litani, mit der stat Perusy vnd castellen vnd mit allen andern
steten vnd terren, als si vs gezaichent sint mit irn enden vnd mit
allen irn rechten vnd gerichten, dar zu Mazza, die Trabaria heizzet,
mit allen steten vnd erden, dar zu sant Peters veterlich guot in
Tuscan mit den steten Tuderti, Narine, Vrbis Veteris vnd Reate,
— 323 —
mit allen im steten vnd terren, dar zu di grafschaft Sabinie mit
der stat Intertaiim (sie!) ynd mit Arce Oesarum vnd mit dem
land Arnulphorum, die grafschaft ze Oampani vnd ze Maritime mit
allen steten, terren^ zaichen, enden vnd mit allen rechten vnd
gerichten der selben guot; vnd von niwem vnd zu einer mereren
Sicherheit erkennen wir die vorgenanten land, prouintze vnd guot
allesampt mit allen rechten vnd gerichten der selben guot an
gehoern, recht vnd redlieh, mit aygenschatt, rechten, nuetzen vnd
gewere vnd mit vollem rechten vnd vollichlichen di heiligen
kirchen ze Eom mit allen sachen vnd di selben land vnd prouincy
all geben, niwren vnd verleihen wir vnd lazzen si frey vnd ledig,
verzeihen vns der vnd geben si wider vnd sullen in oueh enpfueren
alles daz, swas poezz dar in geuallen moecht vnd daz frid vnd
gemach werde vnd gruon zwischen dem stuol vnd dem riebe, ynd
daz in den Zeiten, di her nach koment, von gotz verhenchnuezz
frid vnd selicheit gemert werde vnd daz all matery krieges vnd
mizzehelung verkomen werde, verleihen, antwrten vnd geben wir
fii von niwem, als wir best vnd kreftichlichst muegen vnd ver-
fitanden mag werden, vnd gehaizzen vnd verbinden vns, als wir
immer best muegen, daz wir vns der selben prouintze, land, buerg
vnd stet, ir dheins noch dheinenteyl der selben guot, di vor-
gesohriben sint, noch dhein irer stucke nimmer vnderziehen noch
vnderwinden vnd sein euch anders nieman gestatten vnd sullen
ouch dheinen gewalt noch recht noch gewer haben oder fueren noch
nieman an vnsrer stat besitzen in den selben landen, prouintzen
noch in ir dheiner vnd daz wir och dhein ampt in den selben
guoten haben noch tragen sullen noch nieman von vnsern wegen
vnd daz wir als ein kristenlich fuerst, vogt vnd schirm er der
heiligen kirchen ze Eom helfen vnd bei gestanden gen aller
menichlich, die di selben prouintzy, stet, land vnd buerg, ainen
tail oder ettlich der selben land, trueben vnd vnderziehen wolt
wider recht f reuelichen vnd ouch gen allen den, di dem stuol vn-
gehorsam sint vnd sich wider in setzent, vnd ze vorderst, daz wir
in den selben prouintzen, landen, steten vnd buergen nimmer mer
nieman guenstig sein oder dar zu halten, daz man di selben guot
an greiif, als verr es an vnS ist, vnd wer ob si ieman angriffe, dar
wider wellen wir gesten der heiligen kirchen ze Eom vnd dem
babst mit vnsern zeitlichen raeten vnd helfen als lang, bis di selben
vngehorsamig vnd widerwärtig gefuert vnd bracht werden zu der
gehorsam des stuols. "Wir gehaizzen ouch, daz wir di selben heilig
ecclesy vnd ander kirchen, ir vreyheit, guot, recht, prelaten
vnd ir amptluet behalten, schirmen vnd behueten, als verr vnser
macht ist; vnd daz wir di mann, di lehenschaft von dem stuol
habent, nicht laidigen wider recht vnd daz wir di getrewn vnd
dymuetig der ecclesy, di in dem riebe gesezzen sint, wider recht
nicht verdruchen vnd ouch nicht verbeugen, daz si ieman anders
laidig oder drucke vnd daz wir si behalten an irn rechten, als
21*
- 324 —
verr es an vns ißt. Wir geheizzen ouch di vorgeschriben sache^
all gentzlich vnd ir ieglich besunder stet ze behalten vnd nimmer
dar wider komen vnd des swern zu dem heiligen ewangely, daz
wir mit vnsrer hant beruerten in des bescheiden mannes, hern-
Johann von Maylan, schuolmaisters des golzhuzz ze Tullin, iwres
cappelans, henden, der den ayd ein nam an iwrer vnd des heiligen
stuols ze Rom stat von besunderlichem iwerm gewalt, den er
dar zu het, als wol kunt vnd bewaert ist, baidiu von vnser gagen^
wertigen brief vnd ouch von des selbens her Johans offen briefen
vnd instrumenten , et ad predictorum (sie!) omnium rei (!) memo--
riam et cet. Bat. Losanne etc. ^).
Diser brief hat nu ein ende vnd habent sich die artickel in
dem procuratory wider an. Ze ^) den vordem Sachen allen ze vol-
fueren vnd ze behalten geben wir vnsern procuraturn vollen ge^
walt an vnsrer slat vnd in vnserm namen, daz si enpfahen muegen
die pen, di her nach geschriben stant, vnd vns dar zu stricken
vnd binden, ob daz waer, daz wir wider die vorgeschriben aller-^
nechst zwen artickel oder daz dar inn geschriben ist, koemen oder
taeten, also daz wir di roemischeil kirchen laidigten oder be^
swaerten an den vorgenanten kuenichrichen; prouintzen, herzentumen,
grafschaft, steten, castellen, buergen oder an der grafschaft ze
Yenesin oder ander land vnd gegent, die vor benent sint oder ains
an griffen, ein gewnnen oder vnderwnden ir ain tayl oder gar
vnd wer daz wir da von nicht enliezzen vnd di sache nicht wider-
teten, da mit wir si beswert bieten, innerhalb dreyer monad, nach
dem vnd wir ermont werden von dem babst oder von seines ge-
waltz wegen, daz wir dann in den bau vielen vnd all die, di vn&
dar zu helfent, vnd wer daz wir dann also in dem bann beliben
drey monad, so sol dann singen vnd lesen verslagen sein in den
landen, di vns dar zu helfent oder zu legent vnd wer dann, daz
wir in den selben vrtail dan noch stuenden vnd beliben drey monad
vnd nicht widerteten, dar vmb wir gemont sein nach den- niwn
monaden als si vor bezalt sind, swann vns dann der babst nach den
selben niwn monaden, als si vor bezalt sint, beitet von genaden
drey monad, so mag er dann gen vns richten mit andern penen,
als verr daz er vns von kueniglichem vnd keyserlichem gewalt ent-
setzen mag. Wir sullen ouch also gemont werden , daz vns di
manung selb kund getan werde er (sie!) wer dann daz man nicht
sicher zu vns kommen moecbt, so sol di manung geschehen offen-
lichen in dem hof, als ^ewonlich ist ze tuen gegen dem, da man
nicht sicher zuo komen mag, vnd dar veber sullen wir gestan vnd
gelouben des babstz worten. Wir geben in ouch gewalt ze geheizzen
vnd in vnser sei ze swern dar vmb, daz wir desterbas behalten
^) 2)a§ Original biefcr Urhmben jpeinndt« WIL ij. il. OftoBer 1310 f. bei
Otenf^lager, ©taat^gcfd^id^tc, Urfunbcn, @. 31 ; Slaijnalb, 1310, § 3.
*) 2)a« fotgenbc f. bei gia^narb, § 21-23.
_ 325 —
muegen vDser vorgeschriben heizze, daz wir vor dem tag, den vns der
babst geit zu vnsrer weihung vnd kroenung, nicht komen sullen gen
Rom vnd daz wir och des selben tags, der vns zu der kroenung
geben wirt, enpfahen sullen vnser weihung vnd kroenung, wir wur-
den dann geirret von redlichen sachen, so sullen wir si des
nechsten tags dar nach nemen vnd des tags, als wir die kroenung
enpfangen haben, sullen wir mit allem vnserin gesinde ziehen
vs Rom, wir werden dann geirret mit redlichen sachen, vnd dar
nach sullen wir fuer vns varen aus des heiligen stuols land in
vnser lande an geuerd, so wir kurtzlichst muegen vnd doch mit
zeitlichen tagwaiden vnd sullen in di selben land nimmer komen
an des babstz willen vnd vrloub. Wer ouch, daz wir anderswo
gekroenet wrden, dannoch sullen wir ninder komen in des heiligen
stuols land oder in ihr guot an des babstz gunst.
Wir geben in och gewalt ze geheizzen vnd in vnsrer sei ze
£wern, daz wir in den vorgeschriben sachen dhein geuerde suochen
noch dhein irrsalung machen noch nieman anders gestatten dhein
irrsalung zu stiften, also verr es an vns ist, vnd daz wir ouch
noch nieman anders wider die vorgeschriben sache nimmer komen
noch tuen sullen. Wer aber daz wir oder ieman anders von vnsern
wegen dar wider teten, zehant als wir des innan werden, sullen
wir eswidertuon vnd schaffen, daz es wider getan werde, als verr
wir muegen. Wir geben in och gewalt, ob dhein vrtail vnd process
von vnsern wegen oder von kaiser Hainrich wegen, von vnserm
vnd von seinem gewalt geben ist oder anders icht geschehen in
den landen, di des stuols sint oder von in ze lehen gand, wi di
geschehen sint, daz si di widerrueffen, wider tuon vnd ze nichtiu
bringen, als ob si nie geschehen wern. Wer ouch, daz wir oder
kaiser Ha,inrich oder ieman anders von vnsern wegen in* der kirchen
land vnd .... (Stafut) guot von yeman ayde gab , vndetenicheit
{sie!), buntnuezz, lehenschaft, gewalt oder dheinerley recht oder
guot , di in den selben landen oder vnder in gelegen sint, enpfangen
oder genoraen bieten, daz si di muegen widerrueffen vnd kuenden,
^az si dhein kraft haben gehebt vnd ouch widertuon, als verr es
geschehen ist, vnd wellen ouch, daz vnser procuratores geheizzen
vad beuesten an vnsrer stat, daz wir di selben sache all wider-
tuon vnd daz wir si da fuer haben vnd kuenden, als ob si nie ge-
schehen sein. Wir geben in och gewalt an vnsrer stat ze swern
vnd ze geheizzen, daz wir in di land ze Ytalie nicht komen sullen
Tnd nichtz dar inn schaffen oder heizzen tuon noch nieman anders
von vnsern wegen als lang , bis daz wir behaben di babstlichen
approbacion vnserr person. Wir geben in och gewalt ze geheizzen,
wann daz ist, daz wir nach vnsrer approbacion ieman setzen oder
«enden wellen gen Lampparten oder in Tuscan, daz wir di selben
heizzen swern, daz si des babstz vnd des heiligen stuols vnd aller
irer guot, als si vor benennet sint, swo di gelegen sein in Ytali
oder anderswo, helfer, pfleger sein vnd schirmer vnd daz si ouch
— 326 — •
di selben guot behuetten vnd sich der dheins ynderwinden noch
dheinen gewalt dar inn haben sullen noch nemen, vnd ze vorderest
diu kuenichrich Secily, Sardeni vnd Cortice, die mit rechter aigen-
Schaft vnd herschaft des heiligen stuols sint vnd von im ze lehen
gand^ noch dhein ander lehenschaft, weder laet, guot noch recht,
di zu den selben guoten gehoemt vnd von dem stuol ze lehen
gand, nimmer nieman geben noch verleihen weder ze einer frist
noch ewich liehen. Suemlicher wort stend noch vil in dem
artickel, di vf den vordem sin treffent, di ich hie
vnderwegen lazze^). Wir ^) geben aber vnsern procuratum
gewalt an unsrer stat, ob daz wer, daz vnser amptluet oder wen
wir anders santen oder satzten gen Ytali vnd in Lombarden, laidigten
oder beswaerten di roemischen kirchen an den vorgenanten iru
guoten, ir ainem oder an in allen oder an einem stucke, als in dea
nechsten zwayn artikeln ist geschriben , daz di dann veber den
maynen ayd, da si in geuallen sint, och mit der tat vallen in den
bann vnd in di pen, daz si beraubt sullen sein irer priuilegy vnd
irer lehen, di si von der römischen kirchen, von andern kirchen
oder von dem roemischen riche habent. Wir geben in och gewalt,
daz wir vnser amptluet, di wir senden in Ytali vnd in Lombarden,
swem heizzen, daz si dheinerley gewaltsam veben ze Rom oder in
den vorgenanten guten. Wir geben in ouch gewalt ze geheizzen
vnd in vnser sei ze swern, daz wir nach der approbacion vnserer
person mit vnser selbs leib niwren vnd tuon all di vorgenant ge-
heizz vnd eyde vnd och, di hernach geschriben stand, innerhalb
dreyn tagen nach der approbacion; ist daz wir selb engagen sein,
ist aber daz wir nicht engagen sein, so sullen wir schaffen mit
vnsem procuratum, di vnsern besundern vnd vollen gewalt dar zu
haben, daz si di an vnsrer stat tuon. Wir geben in ouch gewalt
ze geheizzen an unsrer stat, daz wir nach vnsrer kaiserlichen
j weihung vnd kroenung innerhalb acht tagen ze einer mereren
Sicherheit di Vorgenant sach all vnd ieglich staet haben , bestetten
vnd niwren gar vnd gentzlich vnd daz wir des vnser offen brief
vnd gantz geben viervaltig ze ieglicher stund, als vorgeschriben ist^
di geleich sagen vnd stau versigelt mit vnserm insigel, daz wir ze
der selben zeit haben.
Wir geben ouch vnsern procuratum gewalt in vnser sei
ze swern, daz wir hie vor dhein geding, haizze oder ayd ge-
tan haben, die den vorgeschriben sachen an ichte ze schaden
komen muegen, vnd daz wir dem oder den, di iwr helicheit (!)
dar zu geit, die von iwern oder des stuols wegen oder von aller
der wegen, di vorgenant sint, vnd och von andern lueten, wi di
gehaizzen sint, di dis sache an gat oder treffent wirt, geheizz vnd
buntnuezz ein nement sint, geheizzen vnd swern sullen vf di
ewangely, di vorgeschriben sache all volfueren vnd nimmer dar
') 2)te6 Bei^icl^t fiäf auf § 24 bei SRa^nalb, bcr l^icr »cggctaffcn ift.
«) 3)a§ folgenbc bei ^Ra^nalb, § 25—27:
- 327 —
wider tuon ynd ouch nicht gestatten^ daz ieman anders dar wider
tuo; ynd wer oach, des got nicht enwelle, daz wir icht gehiezzen
spraeehen oder teten, daz wider di vorgeschriben sache wer, vnd
ob yns ieman dar an bringen oder wege geben wolt^ daz wir dar
wider teten, dar an snllen wir nicht sehen noch yns dar an keren,
wir behalten ynd yolfueren ynzerbrochenlichen di yorgenant sache,
als wir gesworn ynd vns yerbunden haben. Wir geben in och ge-
walt ze geheizzen an ynsrer stat mit guten trewen, daz ,wir all die,
di wider recht in gotzhuser vnd kirchen gestozzen sint, ynd die
di selben gotzhueser inn habent wider des babstz ynd des stnols
gewalt ynd freyheit in dem roemisohen riebe, daz wir die dayon
yertreiben ynd heizzen yertriben werden, ynd daz wir die, den
der babst di selben kiichen yerlihen hat oder noch yerleihet, fuer-
dern ynd dar zu bringen ynd komen lazzen, daz si ruewichlichen
di selben kirchen ynd ir guot niezzen muegen. Wir geben in ouch
gewalt ze geheizzen, daz wir mit guter, yoUer ynd lautrer trewe,
vnd als verr es an vns ist, schaffen, daz di fuersten, prelaten, baron
vnd grozz herren ,yon tuetzschen landen swern vnd sich ouch ver-
binden mit irn briefen vnd insigeln, ob wir nicht behielten vnser
vorgeschriben geheizz oder welhes wir vnder in nicht behielten,
daz si dann wider vns sein ynd dem heiligen stul helfen vnd zu
legen vnd geben, in ouch gewalt, daz si di selben fuersten vnd
prelaten an den selben sachen ledig muegen sagen an ynsrer stat
irs aydes vnd irer trewen, der si vns gebunden sint nu als dann,
ob wir selb oder ander luet von vnsern wegen wider den stuol
waeren vnd vns vnderwnden Rom oder der vorgeschriben guot dheines.
Wir geben in och vollen gewalt ze gehaizzen an ynsrer stat, daz
wir mit den landen, di kuenig Eubert von Secily hat gevarn vnd
tuon baidiu mit wechseln, mit gaben vnd mit bestaettung, wi iwrer
heilicheit wol geuelt vnd dem selben kuenig danchnaem (sie!)
wirt, den wir guetlichen handeln wellen als vnsern mag vnd friunt.
Wir geben in och gewalt ze geheizzen an vnsrer stat, daz wir dem
selben kuenig von Secily vnserer suen ainen geben vnd enphelhen
ze wiben, nach dem ynd iwrer heilicheit vnd dem selben kuenige
wol geuellet. Wir geben och vnsern procuraturn vollen gewalt an
vnsrer stat geheizzen ze einer mereren Sicherheit der ecclesy ge-
trewn, daz wir den selben hern kuenig Euberten machen vnd setzen
in Tuscan vnd in den landen des richs vnwiderrueffichlichen vnsern
vicarium zu seinem leben, als vil vnd nach dem iwrer helicheit
geuellet. Wir geben in och gewalt an vnsrer stat ze machen ynd
ze tuon mit dem (butd^fhtd^en, am SRanbe ftcl^t: andren) kuenig von
Secily aynung, buntnuezz vnd vns zu ein ander ze swern, nach
dem vnd iwr heilicheit ordent. Wir geben in och vollen gewalt
ze Verheugen vnd ze geheizzen, ob ichtz in den vordem artikeln
allen oder ir dheinem geschriben oder gesetzt wer, daz man nicht
2)a Sioücrt im Sanuar 1343 geftoxBeit Moax, finb tiefe Prüfet inx Seit,
ba obiges flefc^rieben n?arb, gegenponbStoS gettjorben; bieg bebeutet ba§ vacat.
— 328 —
wol versten moecht oder daz zweiflich wer, wi man es verstau
Bolt, swi dann iwrer heilicheit oder iwer nachkomeD^ di dann babst
sint, verstandnuezz , vzlegung, eruollung vnd bezzerung dar veber
vindent vnd veratend, daz suUen wir gelouben vnd stet halten.
Wir geben in och gewalt , daz si den vordem artickeln allen vnd
ieglichem besunder zu legen; eruoUen, verwandeln ze bezzern vnd
da von nemcn muegen vnd ouch alles daz tuon an vnsrer stat, daz
di vorgeschriben sache an rueret oder an hanget, si sein vor benent
oder vnbenent, ob si grozzer oder swaerer wern dann di vor-
geschriben, ze gelicher wis, als ob wir di selb teten vnd tuon
moechten vnd ouch diu, da si besunder gewalt vmb haben solten
nach dem rechten etc. Vnd ze einer ewigen steticheit vnd Siche-
rung der vorgeschriben sache aller geben wir disen brief etc.
Es staut och in dem procuratory noch mer artickel, di in dem
vordem procuratory geschriben sint, vnd dar vmb haben wir si an
disem veberhebt ^) vnd di selben artickel vindet man in dem vordem
procuratory nach disem zaichen ^).
B.
Fol. 12 Ir sullent wizzen, daz wir mit den von Oetingen vnd
andern vnsern boten retten, daz si in den.hof gen Auian fueren, daz
si vns bewarten, als wir iuch ouch biten, daz dheiner ding veriehe
oder werbe, di vns an vnser kristenheit mueg gegan vnd daz ir
vns gen dem babst dar an bewart,
Daz ander als in den procuratorien stet, daz wir getan suUen
haben, dar vmb man vns absoluieren suell, waz daz ist, daz wir
von des richs wegen getan haben, da dunchet vns, daz wir nicht
vnrecht da mit geworben haben, wan man vns vnd daz riebe
drucken wolt vnd dar vmb den bau nicht verschuldet haben, vnd
haben gotz dienst all zeit gebeert vnd och gotes lichnam dick en-
pfangen; beten wir den bau an vns erkennet, wir heten sin nicht
getan. Wer aber daz wir sust kainen ban mit andern sacheii ver-
dient bieten oder wenn wir diser dem babst veriehen vnd in
dann duecht, daz wir des bedoerften, daz wir absoluiert wrden,
so solt wir (sie!) tuon nach seiner heilicheit rat.
Daz dritt daz vns der babst approbier ze einem roemischen
kuenig, als es gewonlich ist dem rieh, vnd den kaiserlichen namen
in zeitlichen fristen wider geben werde mit der weihung.
Daz vierd ob daz wer, das gott nicht welle, daz vnser ampt-
luet den stuol an dheinen sachen beswerten vnd daz in iares
vrist nicht wider getan wuerd, als di artickel habent, daz vns dann
der babst ze entsetzen het von dem rieh, daz ist nicht ze tuon,
wan daz rieh weit guot hat in der werlt vnd daz wir da von von
') SJa^natb, § 28 ift l^tcr »eggelaffcn.
«) ^ier ftcl^t ba^felbc äcit^cn mt oben, f . @. 3 1 8, Unm. 3.
»fi
— 329 —
(sie!) der ferrung der iand wol beswert moechten werden; all ge-
wonlich vnd guot Sicherheit wellen wir tuen stet ze halten, was
ir fuer vns tay dingt.
Der fuemft artickel, di brief vnd priuilegy, di wir dem
babst geben, ob dar inn stoz wuerd die artickel ze luetern
vnd VB ze tragen, daz daz der babst vnd sein nachkomen all wegen
tuen selten, daz wer vns gar swaer vnd hert, wan ist vns diser babst
genedig, ein andrer moecht vns vngenedich werden; euch waechs
dem rieh ein solich gewonheit mit disen zwayn artickeln, daz es
nimmermer veberwnde.
Der sechst artickel, daz wir gen Lampparten nicht varen selten
noch senden in den zilen als geschriben stet, daz waer dem rieh
grozz schad, wan von kriegs wegen vnd euch von toed wegen in
vnser vnd des riches hant geuallen moechten grozziu lant, di des
ricbs sint, solt wir dar zu nicht senden vnd in nemen, so moechten
si dem rieh verlorn werden schedlichen.
Der sibent artickel umb den kuenig von Puellen, des richs
guot mit im ze wechseln oder ze einem vicarien ze setzen, daz
wer vns swaer, wan vns daz rieh da mit ser entlidet wurd.
Der acht artickel mit im ze uerbinden, daz tuen wir gern mit
allen vnsern friunten, di vns an gehoernt, vnd machen euch gern
mit im friuntschaft mit vnsern kinden.
Der niunt artickel, das wir gen des stuols amptlueten vnd
steten nimmer nicht getuon wellen, si greiffen vns vnd daz rieh
<Iann an, so muesten wir vns wern vnd wenn daz verriebt wurde,
der richtung wir geuoelgig sullen sein, so selten wir si fuerbas vn-
beswert lazzen. Ir suelt wizzen, daz wir dem von Oetingen vnd
iwrer geselleschaft vleizzic enpfulhen, daz si vns in disen artickeln
bewarten vnd och in andern, da si verstuenden, da es vns not-
duerft waer vnd nu vns der babst also genedig ist, daz er ge-
sprochen het, er well vns vnd daz rieh besorgen als gern als sich
selben vnd den stuol, so tuet, als wir iw getrawn vor allen lueten,
daz wir besorget werden an allen Sachen, daz vns an di ktistenheit
gegan moecht oder da mit wir von dem rieh gestozzen moechten
werden oder da mit daz rieh groezlich entlidet moecht werden
swerlichen mer, dann es von vnsern voruarn geschehen ist.
C.
Fol. 13. Der bapst eyschet von dem kaiser, daz er maister
Marsilien vnd die barfuozzen ze seiner gehorsam twiuge ; wellen
si des mit willen nicht tuon, daz er si dann an irm rechten vor-
lighe (sie!)
Ze dem andern, daz der keiser vmb all sache, di er wider
den stuol hat getan vnd dar an er den stuol vmb beschuldet hat,
sich entschulde vnd buozze dar vmb enpfach vnd tuon, daz ein guot
kristen ze recht tuon sol.
— 330 —
Ze dem dritten^ daz der keiser bitte, daz man in loese von
dem banne vnd ledig von der vrtail; da er in genauen ist.
Ze dem vierden, daz der kaiser wider rueffe all sin tat,
processns vnd gerichte, di er wider den babst vnd den stnol
hat getan.
Ze dem fuenften, daz der kaiser wider rueffe sunderlichen,
was wider den stuol geschehen ist in der stat ze Born.
Ze dem sechsten, daz der kaiser nach disen Sachen den namen
des kuenigrichs vnd keysertuoms ein weil ligen lazze.
Ze dem sibenden, daz der kaiser Sicherheit tuo mit fuersten
vnd herren, daz er wider disew teding nicht entuo.
Ze dem achten, daZ der kaiser den stuol so heilig begäbe, als
seiner voruarn ie dheiner.
Ze dem niunten, daz fuer den kaiser schreiben gaistlich vnd
wertlich fuersten, daz der bähst in kroenen welle.
Ze dem zehenden, daz der (9?afur) kaiser sich vaste diemuetig
vnd in des babstz genaden setze.
Ze dem ersten antwrt der kaiser vnd all sein weiser rat,
pfaffen vnd layen, daz maister Marsilius vnd die barfuozzen mit
dem kaiser besamt sullen sein vnd all di mit rat oder mit der
tat dem kaiser beholfen wern vnd ^einj so daz beschehen ist, so
lazzen di Cardinal innen vnd vzzen disputieren meister Mar^lius
vnd der barfuozzen sachen ; werden di loeblich befunden, si bestenj
werden aber si vnloeblich befunden, si zergenj weiten si nicht
ablazzen, wann di sache vnloeblich gevrteilt wrde, so wil der
kaiser von bot der kirchen wider si tuen, was er ze rechte sol.
Ze dem andern antwrt man also: der kaiser tet nicht daz
seiner person, seinen werchen oder seinem kaiserlichen onmecht
(sie!) vnerlich sei vnd wider tet nicht, was er getan hat als ein
kuenig oder als ein kaiser, wan daz wer ein irrung geistlich vnd
wertlich aller luet.
Ze dem dritten antwrt man alsus: dem stuol ze E.om ze eren
sol der keiser vnd sein helfer. biten vmb losung von dem bann
vnd der vrtail, di veber in vnd sin helfer beschehen sein ze einer
Sicherheit, ob si gebunden sein, daz si los sein; nichtz bit er aber
vnd di sein, daz in an irm rechten nu ze stunde oder her nach
geschaden mueg.
Ze dem vierden antwrt man alsus, daz der kaiser wider
rueffen sol, was er wider den babst oder den stuol hat getan, daz
der babst widerrueffe, was er gegen dem kaiser vnd daz rieh
hab getan.
Ze dem fuemften antwrt man alsus als zu dem vierden:
widerrueffet der babst, so widerrueffet der kaiser.
Ze dem sechsten antwrt man, der kaiser tet nicht, daz an
seines leibes oder seines onmechtes ere gat.
Ze dem sibenden antwrtet man alsus : der kaiser sol vor weisen
— 331 —
den babst vnd den stnol mit vorsten vnd mit eren, daz wol ge-
handelt wirt, was von des kaisers halb getedingt wirt, dester babst
wider verwise mit den cardinalen vnd ertzbis. in Tuetzschem land^
daz er vnd der stuol ir tayding vast halten.
Ze dem achten antwrt man nicht, wan vmb soelich sach mag^
man nicht haben noch nemen mit eren.
Ze dem nuinten antwrt mao, wol wirt der babst gebeten, daz
er des kaisers kroenung stet halt vnd genaeme vnd seinen segen
dar zu gebe selb oder sende, wan di kroenung ist ein sacrament^
daz man nicht aendern muoz.
Ze dem zehenden antwrt man, der kaiser dyemuetigt sich nicht
anders, wan als hie vor geschriben ist.
Der kaiser eyschet von dem babst ze dem ersten di kuenigricb
ze Secily vnd Appulien, di keiser Fridrich der ander in weren de&
richs hatte fridlich, di der stuol nach seinem tod hat bechuemmert^
vnd was dar zu gehoert.
Ze dem andern, wan daz keiserreioh alein von got ist vnd
wertlich gerichte von dem keysertuom ist vnd geistlich gerichte
von dem stuol, doch von gab der kaiser, vnd dis zwai gerichte
sint gescheiden, daz der stuol wertlichs gerichtes nicht enbruch,
wan daz keysertum gaistlichs gerichtes nicht enbruchet.
Ze dem dritten, wan all gewalt vnd all recht Eoemischem rieh
sei vndertan sein, daz der stuol niena kuenigrich besetze noch vor-
hebe, wan daz dem rieh zu gehoert, nicht dem stuol.
Ze dem vierden so nimt sich der stuol an vnd der babst, daz
er zwischen Koemischem rieh vnd Franchrich schidunge setzen
wil Eoemischem rieh ze schaden vnd daz rieh ze Lompparten
gescheiden hat von dem Eoemischen rieb, das er von got noch von
sant Peter noch sant Pauls macht nu nie gewan alein daz er doch
so schribe.
Ze dem fuemften, daz der stuol nicht mer ertzbischof setze
ze Trier, ze Megentz vnd ze Coeln, di kantzier sin* des Eoemischen
richs vnd kurfuersten, wan daz dem rieh ze schaden moechte
komen.
Ze dem sechsten wan kaiserlich vnd babstlich recht sprechent,
wer ein kirchen bewidemt, der ist lehenherr der kirchen, er
vnuerzigen der leheu gewer, daz der stuol nicht mer hebe stiften
bischof oder gotzhuser, prelaten, noch dhein prebende, di daz rieh
oder dez richs leheman bewidemt habent vnd nicht der stuol^
sunder laz den fryen kor den stiften vnd den gotzhuesern, den daz
rieh geben hat, nicht der stuol, vnd behalte dar an sein gaistlich
gerichte vnd lazz dem riebe daz wertlich.
Ze dem sibenden daz der babst nicht vnelich noch vnedel
kinde edel vnd elich mach an wertlichen sachen.
Ze dem achten daz die pfafheit nicht enricht siecht wertlich
Sache, di wertlich richter hab recht vor besagt.
— 332 -
Ze dem niunden^ daz mau wizze an hai; an chleidern, an
zierheit, an coufmanschaft^ wer ein pfaff sei oder ein laye.
Ze dem zehenden, daz der stuol neme beschatzung, do nach
die bischof an des richs almneen vnd seiner lehenman, di si gotz-
husern durch got geben habent ynd nicht der stuol.
Slnbetc ^anb bc8 14. Sl&rl^bt«.
Fol. 14. Ir werdet reden von dem babst, den wir satzten,
vnd babst Johans, den wir entsatzten, daz wir wol erchennen, daz
wir dheinen babst nicht solten haben gesatzt noch dheinen ent-
fiatzt; dann daz wir ez taten vmb daz vnrecht^ daz babst Johans
wider vns, wider daz reich vnd wider die kristenheit tet, vnd
ßwaz wir dar an vnrechts getan haben, daz wellen wir gern bezzem.
Item vmb den keyserlichen tytel, den suelt ir hin legen vnd iuch
des an vnsrer stat verzeihen, ir suelt aber nicht sweren, daz wir in
fuerbaz nicht wider nemen, ir habt dann Sicherheit von . . dem
babst oder von . . dem kuenig von Franchrich mit seinen briefen,
daz er vns den in einer genanten zit widergeb vnd an den steten,
da wir sicher hin chomen muegen. Item vmb die barfuozzen vnd
vmb meister Marsilien suelt ir reden, daz wir vns mit iren oppinion,
ez sei von gotz armttot oder von welherlai andern sachen die sein,
die an den gelauben ruerent, nie nichtz bechuemert haben noch
vns da mit nichtz bechuemern vnd swas die bebst vnd der stuol
von Rom dar veber gesetzzt habent, daz gelauben wir als ein guoter
kristen. Wir haben auch meister Marsili vnd die barfuozzen von
irer oppinion noch von dheiner andern sache wegen bei vds nicht
enthalten, dann daz si vns vnser vnd des reichs recht hülfen
schirmen, wan si gelert sind, habent si aber dhein oppinion wider
den stuol vnd di kirchen, dar inne si behertten weiten vnd mit
vns ze gnaden nicht weiten chomen, dar auf wellen wir si nicht
schirmen. Item vmb die approbacion vnd assumpcion suelt ir tuen
vnd geuaren, als ir beweiset wert, daz keiser Heinrich oder ander
vnser voruaren, keiser vnd kuenig, getan habent. Item wann vns
dunchet, daz wir ze vnrecht gebannet wurden da von daz wir vns
des reichs an des babstes approbacion vnd assumpcion vnderwunden,
suelt ir vns besorgen, daz wir von dem selben bann nicht gelazzen
werden, von welherlay andern sachen wir in den bau geuallen sein
oder waren, ist wol vnser wille, daz wir da von gelazzen werden.
Item vmb den artickel, dar inne stend die wort interpretacioni,
declaracioni, correctioni etc., suelt ir dheins lassen besten wan daz
in kainem vnsers voruaren, keisers oder kuenigs briefen geschriben
stet. Item vmb die keyserlichen krön, die wir (fol. 15) ze Eom
empfiengen, suelt ir reden, daz wir daz vmb daz vnrecht, daz babst
Johans wider vns, wider daz reich tet, vnd auch dar vmb taten,
— 333 -
wan vns die babst Johans versait, do wir si an in vorderten, vnd
nicht geben wolt. Item vmb die byschof, die von dem babst geben
sind vnd do wir ander haben geschaft/ erweit, vnd umb die pfaffen^
di wir haben benoett ze singen, suelt ir reden, daz wir daz alle»
haben getan vmb daz vnrecht, daz' vns babst Johans anlegt, vnd
auch dar vmb haben getan, daz wir vnser wesen dest baz geuesten
mochten, vnd swaz wir vnrechts dar an getan haben , daz wellen
wir gern bezzern. Item vmb die kuenigreich Sicili, Sardini vnd
Corcice vnd vmb ein bestaetigunge irer priuilegi suelt ir fuer vns
geheizzen, swaz kaiser oder kuenig vormaels dem stuol geben
habent, daz wir im daz gern bestaetten vnd niwven wellen, aber
von niwven dingen suelt ir nicht gehaizzen, daz wir dem stuol
ichts geben wellen dann die grafschaft Venesin. Item vmb die
fuersten vnd herren, die wider vns sein wolten, ob wir wider die
geluebde ichtz taeten, dez muegen wir nicht zuo pringen, wol ist
vnser wille, ob wir ichtz dar wider taeten, daz si vns dar zuo
halten suellen, daz wir daz widertuon. Item vmb die meruart, als
in den procuratorien stet, die wirt abgant (sie!) vnd wirt in ein
ander ben verwandelt. Item di artikel von kuenig Ruberten werdent
all abgaut, wan er tod ist^), oen aleyn vmb keiser Heinrich pro-
cesse vnd vrteil, daz wir die abnemen suellen. Item der artikel^
dar inn wir vns verbinden solten, daz wir gen Ytäli nicht chomen
selten, e wir von dem stuol approbiert wuerden, der wirt auch
abgant. Item die pen, daz er vns priuirn moecht der key serlichen,,
kueniglichen vnd andrer vnsrer dignitet, wirt auch abgant, wan die
ben ze groz were. Item ir suelt den papst auch fleizzig biten,^
daz er alle die mit vns ze gnaden neme, die auz des babstes
gnaden von vnsem wegen chomen sind, wan wir an si nicht bericht
wellen werden. Item ir suelt iuch dar nach stellen , daz ir vns
die alten procuratori widerpringt vnd lat auch di selben pro-
curatori nicht hinder iwe. Scripti sunt hii articuli in Ingoletat
anno domini m"". ccc°. xl III®. in die apostolorum Symonis et Jude
beatorura.
E.
Attendantur infrascripta et modificentur, ut vestre placuerit
sanctitati. Primo attendendura est circa penas et penitentias ^).
Attendendum est ad penam assumpcionis passagii vltramarini^
quia huiusmodi assumpcionem facere non possumus propter defectum
facultatis pecunie et defectum senectutis, et ideo placeat in penam
aliam comutare. Item circa articulum, ubi agitur de pena, si
contrafecerit, vbi dicitur, quod possumus priuari imperial! regali etc^
!N"on enim videtur Itonestum nee decens, quod tanta pena pro
I
) lonig ^Robert ftarb am 6. Januar 1343.
) pniaä.
— 334 -
qualibet tali in obedieocia inferatur et ideo modificetar, ui uestre
videbitur eanctitati. Item attendendum est, quod articulas po%itaB
de coDÜrmacione premissoram* post coronacionem imperialem videtur
remouendus, quia superfluus est. Item articulus loquens de per-
missione principum et electorum modificetur ad illos principes et
•electoresy quos habere poterit. Multi enim sunt, qui forte hoc
noUent facere et qui vellent libenter negocium impedire. Item
articuli tangentes yicariatum regis Euperti; confederacionem et
terrarum suarum commutacionem, videntur cessare et per consequens
protinus (?) non permittendi. Item in articulo, vbi datur potestas
sanctitati yestre deolarandi etc., attendatur ad verbum suplecioni
(siel) et ordinacioni, cum sint yerba nimis generalia, et prece-
clentia videaatur sufficere.
S^ fragt ftd^, auf »cld^c Untcrl^anblungcn btefc Slctenfiücfc ju bc^te^cn
flnb. S)a§ S)atum 1343, Dftobcr 28., ba§ ftd^ am ©d^Iuffc bon D pnbet,
tDitb nur auf btefc« ©tüdf ju bcjiel^cn, E totrb afö ^Jad^trag ^tcju ju he-
trad^ten fein. 3)tc ©tütfe A, B C aber flammen au§ frül^eren ^oi^rcn
unb finb bier mol^I beg^alb coptrt unb gefammelt, um ben ©efanbten üon
1 343 än^altSpunfte unb eine Erinnerung an bie frühen Untcr^anblungen
3u gcioäl^ren. S)ie Daten ber ^rocuratorien A finb burd^ 3tapalb§ ^vlWx-
<ation ber Driginaltejtc feflgePcHt. ^n xodijt QAt ftnb aber B unb G
ju fe^en? Slugcnfd^einlid^ ijt in B bie äntroort auf JJä^jfHid^e gorberungcn
5u fu(i^en, bereu SBortlaut »eber in unferem 3)ocumentc nod^ anbergtoo^r
ijorliegt. Unb jwar ift' ber Saifer l^ier gegen bie <>äpfllid^en 8lnf^3rüd^c
nid^t fo fügfam mie in ben befannten Slrtifeln bon 1336 unb 1343. ®r
mü tueber in bie . SBefd^ränfung ber italienifd^en 3üge löittigen (3lrt. 6)
nod^ fid^ ju einem Sänbertaufd^e mit SRobert bon Sizilien berfle^ nod^
benfelben afö 8teid^§üicar befieöen («rt. 7). 1336 ^at Submig bicfe
gorberungen äugefianben ^). S)arau§ ergibt ftd^, bafe bie ättilel ^ in eine
frühere S^xt fallen, wo Submig noc^ nid^t burd^ wieberl^oltc Slbweifungcn j
f mürbe gemad^t mar. 6inen »eiteren änl^altSpunft giebt bie ©croö^nung ' ;
be§ ®rafen bon Dettingen atö ®efanbten. ®raf Submig öon Detttngen \
ifl atö ©efanbter Äaifer Submig« Snbe 1332 ober «nfangS 1333 gum j
ißap^t 3ol^ann*), 1335 jroeimat, im Slpril unb September, \vim ^Sopfle *j
53enebift gegangen^). 1336 erfd^einen in faiferlid^em 3luftrage jroci .j
©rafen bon Dettingen bor ^a^}ji S3enebift*), 1345 einer cor '5ßapfl i
^) @. oben A, e. 325 u. 327.
*) 9ta^nalb 1333, § 28. $einri* toon 9lebborf nennt btc trafen bon $at«
unb Octtiuflen at8 ©efanbte pm 3. 1332. Boehmer, Fontes IV, 519.
^) %m 28. Steril 1335 famen at8 ©cfanbte fiubttjig« ®raf Subtoia t)on
Octtingcn unb brclÄtcrifer unb Flitter ju ^obji S5enebl!t. 3. Vita Benedict! XIl.
papae bei Baluze, Vitae papar. Avinion. I, 221. 3Iut 2. ©e^tembcr 1335!am
»iebcrum ber ©rof öon Oettm^en, ßberl^arb öon Sutnnau u. a. 1. c. 222.
♦) «cgtaubigung8f*rei6en to. 5. SKarj 1336, SSö^mer Nr. 1733.
— 335 —
©lemenö^). S)tc festere ®efanbtfd|aft !ann nad^ bem ^nlialt bct Slttifel
ni^ in gtagc fommen, aud^ bic oon 1336 nic^t, meti t^rc üon ^erroart
ruib ato^nolb mttgct^ettten SSoIImad^tcn^) mit unfern Strtifetn nid^t übcr=
einfUmmen. ®o bleibt bic SaSal^l jtoifd^cn 1332 unb ben jmei 9Kiffionen
t)on 1335. 93ei jeber bicfer (Sefanbtfd^aften jerf dringen ftd^ bie Uttter=
l^anblungen, njeil il^re SSoHmad^ten unb be§ S'aifctS 3"9^Pänbniffe bem
^apjic nid^t genügten.
C entl^ält äucrjl bic Slntmort auf jel^n pöpftlid^e gorbcrungen unb
flcQt biefen fobann jel^n faiferlid^c gegenüber, bie fo cntfd^ieben, ja on=
fjprud^SüoII auftreten, baß fte einen grellen @egenfafe ju ben fonftigen 6r=
flarungen bc§ Saifcr§ gegenüber bcr Euric bilben. ätud^ bei biefen Slrtifeln
^at man nur bic SBal^r ätoifd^en bem I)atum 1332 ober 1335. fein
3ln]^alt§<)unlt für ba§ crjiere fönnte in bcr änttoort auf ben vierten Jpapp=
lid^cn ^rtifel gcfud^t werben, »onad^ bcr ^a^\i miberrufen foß, ma§ er
gegen Saifer unb 9ieid^ getl^an l^at. gaßt man bieg jlreng mörtlid^, fo
!i3nnte nur ^ol^ann barunter gemeint fein; benn atö 1335 bie Unter=
l^nbümgen mit feinem 5Rad^foIger 33enebi!t aufgenommen lourbcn, l^atte
bicfer nod^ nid&t§ gegen S'aifer unb ditiij unternommen. 3nbeffen geftattet
bcr ?trtilel bod^ aud^ eine Sluff äff ung , loonad^ nid^t ber '^ßappt perfönlid^
fonbern bic ©urie frül^erc 3Ra§rcgeIn miberrufen foH,' bietet alfo !ein ^inbemi^
gcgm bie üDatirung üon 1335. dagegen mad^t e§ ein anbercr Umfianb,
üjte mir fd^eint, fo gut toie gewiß, baß bie üDocumente B unb C nid^t auf
Unter^anblungen mit "^apft ^o^ann bejogen, nid^t 1332 gefefet werben
k bürfen. ^ie ^wg^Päubniffe, ju benen ftd^ ßubwig bem ^opfte ^ol^ann
f gegenüber fd^on 1331 erboten l^atte ^), finb nämK(| weit nad^giebiger al§
[ bie in B unb C. 1331 ^atte Subwig §. S. fd^on ^ugefagt, feine geleierten
I Sunbe^gcnoffen, fatt§ fie nidE)t in einen SBiberruf unb bcbingung^lofc Unter=
I werfung willigten, obne weitere^ ju i^erjagen. ©Icid^wol^l war 3ol^ann auf
biefe ärtifel nid^t eingegangen, lieber bie ©onceffipncn bcg Saifcr§ öon
1332 l^abcn wir feine Stad^ridEit ^) ; fopiel ifi aber fidler, baß Subwig ba=
mafö bem Zapfte me^r geboten l^abea muß atö im vorigen ^dl^re; ein
äBieberanfnüpfen ber Untcr^anblungen mit bemfelben ^apfte in einer bcr=
^ältnißmäßig fo ftoljen unb ablc^nenben Haltung, wie fie bie Slrtifel
' B unb C äcigen, l^ättc gar feinen ®inn gehabt unb ifl nid^t benfbar. a)a=
gegen jiimmt ber Son bicfer ©d^riftftüdfc tööig ju ber Sage bon 1335,
wo man einem neuen ^apfie gegenüberfianb unb bie SScrl^anblungen auf
1) «ö^mer, Nr. 2444. SBergl. i). 2Bee* in ©^bel« ^ifior. Seltfd^rift, XII, 340.
©täUtt (Strt ®efd&. III, 203, 197) gibt bic ©efanbtfd^aftcn ber Oettingen an
bic <5urie ntc^t öollftänbia.
2) 2)ie öorn 5. ÜKärx 1336 f. bei ^erwart 637; 9la^nalb 1336, § 21—28.
Sic toom 28. Oft 1336 bei 9?aünatb 1336, § 31—38. ^oä) ein britte« ©d^reiben
SubwigS an SBcnebift öon btcfcm Saläre unb jwar toom 3. 2)cj. würbe nad^
SRa^nalb (1336, § 38), ber bcffen 3n(>att jebod^ nid^t mtttl^cilt, au8 bem a\)igno-
ncftfd&ett 2(rd&ii5e na^ 9lom gcibrad^t.
«) ®ewotb 118.
*) 2)er Sßcrjidt^t auf baS 9leid^ ' ju (Sunflcn ^cinrid^S toon iRicbcrbaiern
fättt nid^t mit ber ®cfanbtf*aft bcr trafen öon ©als unb Oettingen i)on 1832
auf 1333 jufammen, fonbern erfl in ben i^otoerabcr 1333.
L
— 336 -
einer neuen ©tunblage beginnen fonnte. 3)a8U ftimmt auij am ©(i^Iuffe
üon B ber ©tnmei^ auf eine freunblid^ entgegenfomntenbe Sleugerung bc^
^ßa<)|ieö.
Sitter aSBa^rfd^einlid^feit nati^ finb alfo bie ©tücfe B unb C in ba§
3[a^r 1335 ju reiben. ?Jieneid)t ift in C bie erfte faiferlid^e ©rfiärung
ju fuc^en, wel^e ber ®raf »on Dettingen im Slpril 1335 überbrad&te, in
B bie ätreite, nid^t mel^r fo anfprud^^üott auftretenbe, mit ber er fid^ naij
3urü(ftt}eifung ber erften im September be^felben 3ici^re§ jur ßuric begab.
3)iefe Slctenftüdfe jeigen un§ l^ubroig in feinen Unter^anblungen mit
ber Kurie tion einer neuen Seite, ate eifrigen SSerfed^ter ber 33Sürbe unb
ber. 'Sieäiit be^ SReid^Ö, ber fidft fogar an bie ben beutfd^en ^rrfc^ern längji
verlorene ^errfd^aft über beibe ©igilien n?ieber erinnert. S^eifid^ bleibt e^ frag-
lid^, ob fo meitgel^enbc SCnfprüd^e üor ber Kurie überhaupt au§gefprod^en, ob
fie nic^t nur für gemiffe ©üentualitäten bereit gehalten mürben, ^w^mer^in
ift e§ toon 3[ntereffe burd() fie ju erfal^ren, ba^ am faiferlid^en ^ofe, »enn
aud^ nur toorüberge^enb, bod^ aud^ ganj anbere ®eftd§t§})un!te geltenb ge=
mad^t mürben afö jene, bie mir au§ ben mürbelofcn 2lrti!eln tjon 1331,
1336 unb 1343 fennen. (Sine eingel^enbere 33ermert^ung biefer ©d^riftjiüdfe
für bie 3eid^nung öon SubmigS $olitif mar in unferer ©rjä^Iung burd^
ben Sl^arafter ber Slufgabe, meldte fid^ biefe ©d^rift gefegt ^at, au^gefd^loffen
unb mu§ einer f^jeciellen ÜDarftettung üon )2ubmig§ SSerl^ältniß ju ben
$äpften öorbel^alten bleiben.
g?a(^trag ju ©. 160—162.
lieber 5lbt (Sncjetbert öon SKbmont tocrgt. bie 33ioflra!|)l^lc bicfe« S:iteB
öon Dr. ©rcgor %n6f^, $rofcffor unb ©tift^ca^^itular öon ^bmont im 11. ©cfte
bcr2«tttl^eitungenbe61^iftortfc6enSBereinS für ©teiermar!, 1862, @. 90—130. 3<ö
entncl^mc bar aus, baß ft^' butd^ unebirteSlbmontcrUrfunbcn^ucelinö eingaben über
@nget6ertS @eWed&t unb Slobegtag betid^ttgen iaffen. 2)a „Ulrich ber $ötfd^"
urfunblld^ at§ trüber (Sugetbertö genannt mirb, muß man feine Slbftammung
öon ben (Sbten öon SSolferöborf öcrmerfen; bejügticj^ feinet S^obeStage« gibt
gud^« ber Eingabe toon 3lbmonter S^iefrologen : 10. Sl^rit 1327, ben SSorjug toor
ber be« 3lbmonter ©atburfjeö: 12. Wlai 1331, ba fi* bie letztere mit S)aten ber
unter. (SngetbertS ^Rad^folqcr auSfleilellten Urfunben nid^t verträgt.
tpicvec'fc^e :£>cffcud;brudrcrci. Stephan (ijciüel & de. in ?iacn&urö.
c